Von Berlin aus gesehen ist der Magdeburger Dom das nächstgelegene Zeugnis mittelalterlicher Kathedralgotik. Nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon im frühen 19. Jahrhundert wuchs in Preußen der Wunsch nach neuer nationaler Einheit und gesellschaftlicher Harmonie. Eine Projektionsfläche dafür bot das mittelalterliche Reich, als dessen Sinnbild der imposante gotische Dom am Hochufer der Elbe dienlich schien. Seine Bausubtanz und Ausstattung hatten jedoch besonders durch die Zweckentfremdung als Magazin und Stall während der napoleonischen Besatzung stark gelitten. Im Jahr 1825 wurde durch Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. daher eine umfassende Restaurierung des Bauwerks initiiert. Aufgrund ihrer Bedeutung und ihres Umfangs wurde diese große Dom-Reparatur auch zu einem Ausgangspunkt der systematischen Denkmalpflege in Preußen.
Das Kulturhistorische Museum Magdeburg würdigt das Geschehen vor 200 Jahren aktuell mit der Sonderausstellung „Erbauung (an) der Vergangenheit – Der Magdeburger Dom und die Wiederentdeckung des Mittelalters in Preußen“. In aufwendig inszenierter Art und Weise setzt sie die damaligen Arbeitsschritte und Entscheidungen in den größeren Zusammenhang eines aufkommenden Nationalbewusstseins und zeigt, dass die so angestoßenen Prozesse bis heute nachwirken.
Die Ausstellung beginnt mit einem Prolog zu Friedrich Wilhelm III., der die Restaurierung auch mit einem Zuschuss aus seinem Privatvermögen unterstützte. In den fast fotografisch anmutenden Gemälden Carl Hasenpflugs spiegelt sich die Glorifizierung gotischer Kathedralbaukunst. Bisher nie gezeigte Architekturzeichnungen öffnen den Blick für den Detailreichtum der Dom-Reparatur, der sich auch in der faszinierenden und vielgestaltigen Ausstattung im Inneren des Dom findet. Einen besonderen Zauber üben die Entwürfe und Repliken der wirkmächtigen Glasfensterzyklen aus, deren Originale im Krieg verloren gingen. Zum Abschluss werden die Kulturlandschaft der damaligen preußischen Provinz Sachsen sowie ihre architekturhistorische und touristische Erschließung im 19. Jahrhundert vorgestellt.
Die Sonderausstellung „Erbauung (an) der Vergangenheit“ bietet auf 650 Quadratmetern etwa 150 Originalobjekte aus dem Bundesgebiet und dem europäischen Ausland, sie wird noch bis zum 17. Mai 2026 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu sehen sein.