In Kooperation mit Übersee-Museum Bremen

Ab auf den Cat Walk

Echte Liebhaber der eigensinnigen Fellnasen dürfen sich den Gang durch die Geschichte, Symbolik und Popkultur der Katzen nicht entgehen lassen - wer es nicht abwarten kann, findet an dieser Stelle schonmal eine informative Vorbereitung

Foto: Jonas Ginter/Übersee-Museum
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Kult Katze!

Kult Katze!

Übersee-Museum Bremen

Sonderausstellung

Übersee-Museum

Bahnhofspl. 13, 28195 Bremen
Vom 10. Oktober 2026 bis zum 30. Mai 2027!

In Kooperation mit Übersee-Museum Bremen

Kult Katze!

Auf 800 Quadratmetern spannt die Ausstellung einen Bogen von der kulturgeschichtlichen Bedeutung majestätischer Großkatzen – Löwen, Tiger, Leoparden und Jaguare – bis zur Hauskatze als geliebtem Haustier, Popikone und Internetstar. Rund 300 Exponate aus Asien, Afrika und den Amerikas aus vier Jahrtausenden erzählen von Macht, Religion, Alltag und Popkultur: von Katzenmumien aus dem Alten Ägypten über Leopardenthronhocker aus Westafrika bis hin zu japanischen Maneki Neko und modernen Katzen-Memes. „Kult Katze!" zeigt die Katze als evolutionäre Meisterin und kulturelle Ikone – bis zum 30. Mai 2027.

Die Ausstellung beginnt mit einem atmosphärisch inszenierten „Cat Walk". Entlang dieses Entrees begegnen den Besucher*innen verschiedenen präparierte Katzen – vom Löwen und Schneeleoparden über den Ozelot bis
zur Hauskatze. Hier erfährt man, dass Katzen seit über 30 Millionen Jahren zu den erfolgreichsten Raubtieren der Erde gehören. Der Cat Walk führt die Besucher*innen in den ersten Teil der Ausstellung, der sich mit der
Symbolik der Katze auseinandersetzt: Großkatzen wie Löwe, Leopard und Tiger standen in ihren jeweiligen Lebensräumen an der Spitze der Nahrungskette und verkörperten damit Überlegenheit und Dominanz. Herrscher ebenso wie Eliten griffen gezielt auf diese Symbolik zurück, um ihre Macht zu inszenieren und zu legitimieren.
Im Bereich der „mächtigen Katze“ verdeutlichen ein mit Kaurischnecken geschmückter Leopardenthron aus dem ehemaligen Königreich Bamum oder ein Ensemble aus Kopfschmuck und Umhang aus Löwenfell aus dem
ehemaligen Königreich Abessinien wie Leopard und Löwe in den verschiedenen Weltgegenden als Herrschaftssymbol verwendet wurden.

Vom göttlichen Wesen zum schlechten Omen

Katzen galten in vielen Kulturen als höhere Wesen mit übernatürlichen Kräften und wurden als Träger göttlicher Kraft verehrt. Sie waren Teil religiöser Weltbilder und symbolisierten die Kräfte der Natur und des Kosmos. Figürliche Darstellungen der löwenköpfigen Göttin Sachmet und der katzenköpfigen Bastet oder auch das Exponat einer Katzenmumie – im Alten Ägypten wurden die Katzen als Opfergabe für die Göttin Bastet eigens gezüchtet – verdeutlichen im Bereich der „göttlichen Katze“, wie im alten Ägypten Löwe und Hauskatze in die Götterwelt integriert wurden. In Mittel- und Südamerika galt der Jaguar als Herr der Nacht und der Unterwelt, wie etwa in der vorspanischen Kultur der Maya (Klassische Periode 250–900 n. Chr.). In Asien griff man im Buddhismus, Daoismus und Hinduismus auf Darstellungen von Gottheiten und Heiligen, die auf Großkatzen reiten, zurück. Diese Figuren symbolisierten die Beherrschung der Naturgewalten durch die Kraft der Religion. In Japan glaubt man, dass Katzen das Glück herbeiwinken können. Eine Legende besagt, dass die Katze Tama den Fürsten Ii Naotaka (1590–1659) vor einem Blitzeinschlag rettete, indem sie ihn mit ihrer Pfote in den Tempel hineinwinkte. Ihre Figur mit erhobener und winkender Tatze wird seither als Glücksbringer oder Opfergabe, die am Tempel hinterlassen wird, verkauft.

Doch Katzen bedeuteten nicht immer ein gutes Omen. Der Bereich der „dämonischen Katze“ zeigt auf, dass Katzen seit jeher auch als Dämonen auftraten. Und Katzen – ob groß oder klein – haben auch eine aufmüpfige und mutige Seite. Im Laufe der Geschichte wurden sie immer wieder zu Symbolen des Widerstands. In der Rastafari-Bewegung auf Jamaika wurde der Löwe vom Zeichen äthiopischer Herrschaft zum Symbol der Befreiung von Sklaverei und Kolonialismus. Auch die 1966 in den USA gegründete Black Panther Party nutze eine Raubkatze als Symbol und rief zur Selbstverteidigung der afroamerikanischen Community auf. Auch in den gegenwärtigen Protestbewegungen gegen US-Präsident Trump wird sich auf die Symbolik der Katze bezogen.

Wie aus einem Raubtier der geliebte Stubentiger wurde

Wie wurde die Wildkatze zu einer Hauskatze? Aus einem nützlichen Jäger ein verwöhnter, vermenschlichter Stubentiger, ein emotionaler Begleiter, eine Ikone der Popkultur und nicht zuletzt ein wirtschaftlicher Faktor? Um diese Fragen geht es im zweiten Teil der Ausstellung – Der Stubentiger.

Bereits ab 500 n. Chr. halfen Hauskatzen in China und dann 100 Jahre später in Japan, Reisvorräte vor Mäusen und Ratten zu schützen, wie die Besucher*innen im Bereich der „nützlichen Katze“ erfahren. Besondere Wertschätzung erfuhr die Katze durch ihre Fähigkeit, die kostbaren Kokons des Seidenspinners vor Nagerbefall zu bewahren – eine Inszenierung der Seidenraupenzucht veranschaulicht dies. Mit wachsender Bedeutung der Seidenproduktion stieg auch der Bedarf an Katzen. Nach 1821 führte eine Katzenknappheit in Japan dazu, dass einzelne Tiere zum Fünffachen des Preises eines Pferdes gehandelt wurden. Viele Haushalte der Edo-Zeit (1600–1868) konnten sich keine Katze mehr leisten und hängten stattdessen möglichst realistische Katzenbilder zur Abschreckung von Nagern – sogenannte
Nezumi Yoke – in Häusern und Speichern auf. Ein solches Bild ist auch in der Ausstellung zu sehen.

Vögel fürchten sich vor ihr

Auch noch heute gibt es prominente „Arbeitskatzen": Ein Film porträtiert die berühmte japanische Katze namens „Tama“, die zum Bahnhofsvorsteher ernannt wurde und sich als ein Touristenmagnet entwickelte. Der nächste Ausstellungsbereich widmet sich der Ausbreitung der Hauskatze. Vom Nahen Osten und von Ägypten aus gelangte die „reisenden Katze“ über Handels- und Schifffahrtswege erst nach Europa und über die Seidenstraße nach China und Japan. Mit den europäischen Seefahrernationen und Kolonialmächten, vermutlich bereits mit der ersten Expedition von Christoph Kolumbus 1492, gelangten Katzen ab dem 15. Jahrhundert bis nach Amerika und schließlich in nahezu alle Regionen der Erde. Nur die Antarktis blieb und bleibt bis heute katzenfrei. Dass Katzen mit ihrer Beute nicht wählerisch sind, zeigt eine Wand mit präparierten Exponaten wie Spitzmaus, Distelfink, Amsel und Rotkehlchen.
Hier ist das Thema „die jagende Katze“ und gezeigt wird: Weltweit stehen mehrere Hundert Tierarten auf dem Speiseplan freilaufender und verwilderter Hauskatzen. In Deutschland werden vor allem Tiere erbeutet, die nahe
menschlicher Siedlungen leben – größtenteils Mäuse und andere Kleinsäuger. Schätzungen zufolge fallen in Deutschland jährlich etwa 200 Millionen Vögel den Katzen zum Opfer. Ein Experteninterview mit dem Vogelforscher
Dr. Wieland Heim von der Universität Oldenburg vertieft dieses Thema.

Katzen galten nicht schon jeher als nützlich, sondern sie waren schon früh Weggefährten und Lieblinge, wie der Bereich „Die niedliche Katze“ zeigt. Bereits in der chinesischen Oberschicht der Song-Zeit (960–1268) gab es einen regelrechten Katzenboom: Spezialisierte Katzenzüchter mit festen Zuchtstandards, Geschäfte für Katzenfutter und eigene Bestattungsrituale gehörten dazu. Außerdem verdeutlichen verschiedene japanische Holzschnitte aus dem 17. Jahrhundert die große Beliebtheit von Hauskatzen im Japan der Edo-Zeit (1600–1868). Besonders Geishas und ihr Instrument Shamisen wurden mit der Katze in Verbindung gebracht und neckisch als neko (Katze) bezeichnet: Die Frauen wegen der Eleganz ihrer Bewegungen, das Instrument, weil sein Klangkörper mit Katzenhaut bezogen war.

Der Bereich „Die schöne Katze“ widmet sich dem Thema Zucht. In Thailand entstanden schon ab dem 14. Jahrhundert Abhandlungen über Katzen (Tamra Maew) und geben einen Einblick in die Vielfalt der damaligen Zuchtkatzen. Eine der als besonders schön geltenden Katzen, die Siamkatze, gehörte zu den ersten „exotischen“ Züchtungen, die im 19. Jahrhundert nach Europa gelangten. Dort spielten sie eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der modernen Katzenzucht, aus der weltweit 73 verschiedene Katzenrassen hervorgegangen sind. Da vorwiegend ästhetische Kriterien wie Fellfarbe und -muster, Größe und Körperbau bei der Katzenzucht im Vordergrund stehen, kann es zu Qualzuchten kommen. Die Besucher*innen lernen mehr über die gesundheitlichen Probleme bei Qualzuchten, außerdem informiert Sina Fehr, die Leiterin des Bremer Tierheims, in einem Interview über die artgerechte Haltung von Katzen sowie über deren verschiedenenPersönlichkeiten. An einem Medientisch können die Besucher*innen bei einem interaktiven Spiel testen, wie gut sie Katzensignale deuten und mit Katzen kommunizieren können.

Die Katze als Meme

Der nächste Bereich widmet sich der „populären Katze“. Hier eröffnet sich ein besonderer Blickfang: Eine originalgetreu farbenfroh inszenierte New Yorker Bodega lädt zur Entdeckung der berühmten „Bodega Cats" ein. Diese Ladenkatzen leben als inoffizielle Maskottchen oder feste Teammitglieder in kleinen inhabergeführten Geschäften. Sie halten nicht nur Mäuse und Ratten in den Bodegas fern, sondern sind auch richtige Social-MediaStars geworden. Aber nicht nur in New York ist die Katze beliebt, auch in der gegenwärtigen japanischen Populärkultur ist sie fester Bestandteil, wie etwa Hello Kitty oder die Roboterkatze Doraemon. Die Katze als Kultsymbol lässt sich sogar bis in die Edo-Zeit zurückführen. Die Vorläufer des heutigen Katzenmemes sind die humorvollen Katzenmotive auf den Farbholzschnitten von Utagawa Kuniyoshi (1798–1861), die in der Ausstellung den Social Media Memes gegenübergestellt werden. Für ein bisschen Entspannung sorgt ein kleines in Flausch ausgekleidetes Kino, in dem Ausschnitte aus bekannten Anime und Zeichentrickfilmen, unter anderem „Kikis kleiner Lieferservice", „Mein Nachbar Totoro" und „Aristo Cats“, gezeigt werden. Wer es ruhiger mag, kann in der gemütlichen mit Sitzsäcken ausgestatteter Leseecke Katzenliteratur aus aller Welt entdecken – von japanischen Haikus bis zu modernen Romanen von Lao She und Haruki Murakami.

Auch Musiker ließen sich von (ihren) Katzen inspirieren: Eine Hörstation spielt Kompositionen von Ravel, Rossini oder Songs von Freddie Mercury und The Cure. Zum Abschluss dürfen die Besucherinnen und Besucher in einer Disko auch mal das Tanzbein zu „Miau“-Covern bekannter Hits schwingen oder sich bei einer Fotostation in Katzenkostümen ablichten lassen.

Die Sonderausstellung „Kult Katze!“ wird durch ein vielfältiges Programm aus Führungen, Workshops, Quiz-Nights, Wissensreisen für Kinder und dem großen Fest „Alles für die Katz“ begleitet. Dabei werden die Themen der Ausstellung vertieft und ergänzt. Das gesamte Programm ist unter www.uebersee-museum.de zu finden.

Articles & Services

Erst Miau, dann Wow

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Sie haben die Ausstellung bereits besucht und wollen noch mehr über die Welt der Katzen erfahren? Sie sind noch auf der Suche nach einem unterhaltsamen Event für Kinder? Hier ein Einblick in das umfangreiche Begleitprogramm von "Kult Katze!"

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Eine Dokumentation über die Katze aus dem Jahr 2016.

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Wildkatzen in Europa: Ein Exemplar ihrer Gattung zu sichten war im vergangenen Jahrhundert eine wahrliche Seltenheit. Doch dank origineller Erhaltungsmaßnahmen sieht man wieder mitten in Europa Wildkatzen, die zuvor vom Aussterben bedroht waren.

Ägyptens heilige Raubtiere | Doku

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