Dynamische Strukturen

Programm In Archiven verdichten sich historische und zeitgenössische Sichtweisen der Welt, kollidieren und überschneiden sich. Hier begegnen sich Utopien und Realitäten aus verschiedenen Epochen und prägen das Leben der Gegenwart. Ein Auszug aus dem Programm
Dynamische Strukturen

Foto: Silke Briel

Active Archives. Performing Social Realities in Archival Realities

24.03. | 19.00 Uhr

Wie stellen Archive gesellschaftliche Realität dar? Mit welchen Praktiken lässt sich Archivmaterial aktivieren? Und wie kann Aktivismus in Archiven dominanten Narrativen und Formen des Wissenstransfers entgegentreten, die den gesellschaftlichen und politischen Diskurs bestimmen? Das Eröffnungsprogramm bewegt sich durch verschiedene Praxen künstlerischer und kuratorischer Forschung. Es stellt performative Methoden für den Umgang mit Archiven vor, die mit Stimme, (Fehl)Übertragung, Dialog, Audioaufzeichnung und Klangspur an Gegenerzählungen arbeiten. So betrachten die Mitwirkenden das Verhältnis von Archiv und Gesellschaft einerseits zwischen Aktivierung und Aktivismus und andererseits zwischen Öffnung und Öffentlichkeit. Mit performativen Vorschlägen in Bezug auf konkrete historische Archive loten sie dabei aus, was Archivarbeit heute bedeuten kann.

Mit Salim Bayri, Frédérique Bergholtz, David Dibosa, Anik Fournier, Linus Gratte, Kayije Kagame, Helena de Laurens,Diana McCarty, Nando Messias, Paula Montecinos Oliva, Alice Pialoux, Grant Watson.

Unboxing The Eight Views of Taiwan

25.03. | 13.00 Uhr

Wie kann eine Auswahl historischer Referenzen die Vorstellung einer Touristenattraktion prägen? Wer definiert die repräsentative Ansicht eines reizvollen Ortes? Gibt es eine gemeinsame Sichtweise auf eine Landschaft?The Eight Views of Taiwan—From Forming the Scenic Spots to Actualizing an Imagined Geographyist ein kuratorisches Projekt, das als Ausstellung-aus-der-Kiste die erzählerische Vielfalt von Publikationen thematisiert. Die Grundlage bildetEight Views(八景), ein künstlerisches Konzept aus dem China des zwölften Jahrhunderts, das sich auf „eine Reihe von acht repräsentativen Szenerien“ einer bestimmten Region bezieht. Das Projekt skizziert nicht nur die verstrickten Historien derAcht AnsichtenOstasiens, sondern entwirft einen imaginären Pfad, der die koloniale Geschichte Taiwans mit der Produktion von Bildern und der nationalen Entwicklung verknüpft. Inwiefern wird die visuelle Realität eines Landes von den Landschaftsvorstellungen jener Mächte geformt, die das Land kolonisierten?

A Photograph of a Revolution and Its Circulation

25.03. | 15.00 Uhr

Wie beeinflussen Archive den Zugang zu und das Lesen von Bildern? In ihrer Arbeitculture is our business(2004) rekonstruierteInes Schaberdie Verwahrung, den Vertrieb und die Veröffentlichung eines Fotos, das während der Straßenkämpfe in den Tagen der Novemberrevolution von 1918/1919 entstand. Der Fotograf Willy Römer war ein Chronist des politischen und alltäglichen Lebens im Berlin der Jahre 1905-1935. Nach Römers Tod erwarb der Kunsthistoriker Diethart Kerbs dessen Archiv, bis es 2009 von der Bildagentur der Stiftung Preussischer Kulturbesitz übernommen wurde.Tom Holertund Ines Schaber sprechen über die Funktionsweisen und Politiken von Bildarchiven und darüber, was sich aus deren Kritik folgern lässt – in Hinblick auf das Verständnis von Bildern, die Macht der kommerziellen Bildarchive und die Möglichkeit von Gegenarchiven.

re-selected: Wink vom Nachbarn

25.03. | 16.00 Uhr

Nachdem ihr FilmKommando 52bei den Kurzfilmtagen Oberhausen (BRD) 1966 abgelehnt worden war, drehten die Dokumentaristen Walter Heynowski und Gerhard Scheumann (die für die DEFA arbeiteten, das staatliche Filmunternehmen der DDR) eine kritische Reportage über das Festival, das damals mit dem Motto „Weg zum Nachbarn“ das Credo westlicher „Völkerverständigung“ widerspiegelte.Wink vom Nachbarnist eine schillernde, moralinsaure Stilblüte deutsch-deutscher Filmrivalität.

Ein Programm der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, kuratiert von Tobias Hering.

Stolen Gems Found Identities: A Cumulative Colloquium

25.03. | 20.00 Uhr

Welchen Stellenwert haben Verdrängung, Verlust, Einverleibung und wechselseitiger Austausch für Sammlungen und Archive? Was lässt sich daraus über so komplexe Konstellationen wie Identität und Erinnerung, Privates und Öffentliches oder ideelle und kommerzielle Werte im Kulturbereich lernen? Das hebräisch-aramäische VolksliedChad Gadyaist eine Aufzählungsgeschichte, bei der in jeder Strophe ein Charakter die Protagonist*innen der jeweils vorhergehenden besiegt. Diese Reihe von Zerstörung und Wiederherstellung fungiert an diesem Abend als Ordnungsprinzip, das die mitunter irritierenden kulturellen Abfolgen und die Anhäufung von Erinnerungen in Sammlungen und Archiven offenlegt. Das vielgestaltige performative Seminar wird von Post Brothers moderiert. Gespräche, Lesungen, Performances, Musik, Bilder und Schauspiel sind Teil der kollektiven Untersuchung.

Wie verhält sich das Phantom zum Archiv? Übungen am Phantom

26.03. | 11.00 Uhr

Übung am Phantomwar eine interdisziplinäre, feministische Gruppe, die sich in den 1990er Jahren mit der Repräsentation des Körpers im Film, dem symptomatischen Körper sowie dem sprechenden Körper befasste. Der Begriff des Phantoms verwies dabei auf fiktionale wie reale Anteile des Forschungsfeldes. Wie verhält sich nun das Phantom zum Archiv? Die Übung: Drei Beteiligte widmen sich dem Material (in) der Gegenwart.

Nossa Terra

26.03. | 12.10 Uhr

R: Mário Marret, Guinea-Bissau, 1966, 40 min

Mário Marret war ein Filmemacher, der sich im Widerstand und für soziale Gerechtigkeit engagierte. Sein FilmNossa Terra(1966) entstand aus dem engen Austausch mit der PAIGC (Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit von Guinea und Kap Verde) während des Unabhängigkeitskriegs von Guinea-Bissau. 2012 wurden Abzüge vonNossa Terraim Nationalen Filmarchiv Guinea-Bissaus (INCA – Instituto Nacional de Cinema e Audiovisual) gefunden, allerdings in einem irreversiblen Zustand des Verfalls. Erst kürzlich entdeckte die Filmkuratorin Léa Morin im Third World Newsreel in New York einen Abzug in gutem Zustand.

Ein Programm vonFilipa Césarund Léa Morin.

The Nomadic Curriculum | A Manual Series

26.03. | 15.00 Uhr

Die Manual Series nimmt den Ansatz des nomadischen Curriculums, der in derWhole Life Academyentwickelt und erprobt wurde, als Ausgangspunkt. Diese situierte, kollektive Praxis schlägt eine Form der Aktivierung vor, die als Meta-Mobilisierung von Archivmaterial fungiert – sie setzt Objekte und Narrative in Bewegung und ihre Zustände, Bedingungen und Milieus zueinander in Beziehung. Die Publikationsreihe weitet diesen Ansatz auf andere bereits existierende und potenzielle Orte der Wissensproduktion im akademischen, kuratorischen und literarischen Bereich aus. Die Herausgeber*innen stellen die drei Bände vor und diskutieren: Welche Anleitungen für die Archivforschung kann die Reihe bieten? Was sind die gemeinsamen Elemente kollektiver Forschung und Praxis, die die Grundlage eines solchen Curriculums bilden?

Wrap-Up / Call For Action and Reflection on Decolonizing Film Archives

26.03. | 18.30 Uhr

Im Jahr 2019 drehten 13 internationale Archiv-Aktivist*innen ein Video. Es basiert auf dem gemeinsam erstellten PapierCall for Action and Reflection on Decolonizing Film Archivesund ging aus einem Workshop des Goethe-Instituts bei Culturgest in Lissabon 2019 und dem Dox Box-ProjektPeople's Stories: Past and Presenthervor. Das Video richtet sich an Menschen, die in Institutionen mit kolonialen Sammlungen tätig sind. Es stellt vier Maßnahmen vor und lädt sie ein, über ihre Archivsysteme und -praktiken nachzudenken.

Übersicht aller Veranstaltungen

15:47 17.03.2022

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