Für Kinder und Familien
Das Polyglot Theatre aus Australien bietet mit Paper Planet ein Theatererlebnis zum Selbermachen: Alle wirken aktiv mit und bauen in der Hartmannfabrik gemeinsam eine begehbare Welt aus Pappe und Papier. Eine Geschichte über die Sehnsucht nach Nähe und Verbundenheit erzählt das indonesische Stück Stream of Memory (dt. Strom der Erinnerung) mit fantasievollen Figuren, Licht und Bewegung, ganz ohne Worte. Um die kostbare Ressource Wasser und deren ungleiche Verteilung geht es in dem Figurentheater Parole d’eau Water Words. Die senegalesische Künstlerin Mamby Mawine und die kanadische Puppenspielerin Hélène Ducharme machen Wasser auf der Bühne mit Theatermitteln anschaulich erlebbar.
Herkunft und Zugehörigkeit
Indigene Herkunft, Fragen von Macht und Sichtbarkeit, der Einfluss kolonialer Strukturen auf Familie und Gesellschaft – das sind einige der Themen, die im Programm des Festivals immer wiederkehren. Beispielsweise im Eröffnungsstück Split Tooth: Saputjiji von der kanadischen Musikerin und Autorin Tanya Tagaq. Sie gehört zu den wichtigsten Stimmen indigener Kunst aus Nordamerika. In ihrem neuen Musiktheater schafft sie mit Musik, Text und Kehlkopfgesang Bilder aus der Arktis.
In der Klang-Raum-Installation Nigamon/Tunai präsentieren die Regisseurinnen Émilie Monnet und Waira Nina aus Kanada und Kolumbien ungehörte Stimmen indigener Gemeinschaften, die über ähnliche Erfahrungen mit zerstörerischem Raubbau an natürlichen Ressourcen in ihren jeweiligen Regionen berichten.
Das Stück Kuste, was in der Ainu-Sprache der indigenen Bevölkerung Nordjapans so viel wie „etwas durch einen Ort hindurchgehen lassen“ erzählt über den Bau der Sanshin-Eisenbahn und setzt sich mit den Auswirkungen der europäischen Modernisierung auf Japan und die Insel Hokkaido auseinander.
Lebensrealitäten in unterschiedlichen Gesellschaften
Die indische Autorin und Regisseurin Jyoti Dogra entfaltet mit Mezok ein zeitgenössisches Drama rund um die von Beschleunigung und Migration geprägte Welt der Arbeit im Land mit der größten Bevölkerung der Erde. Das Bühnenbild besteht aus einem Tisch, der Amt, Grenze und Arbeitsplatz in einem ist und wie die Bürokratie unüberwindbar scheint.
Den von Angst, Stillstand und Sehnsucht nach Zukunft geprägten Zustand der Gesellschaft in Ägypten vor dem Beginn des „Arabischen Frühlings“ lässt der Regisseur und Autor Ahmed El Attar in seiner Arbeit Before the Revolution (dt. Vor der Revolution) lebendig werden. Ein Schauspieler und eine Schauspielerin stehen nebeneinander auf einem Nagelbrett lassen durch ihre Sprechen die politische Bedrohung spürbar werden.
Besondere Formate
In einer spannenden Mischung aus Technologie und Performance nimmt die taiwanesisch-kanadisch-griechische Produktion Blur (dt. Unschärfe) jeweils eine kleine Gruppe von Zuschauer:innen mit in eine Extended Reality Welt und konfrontiert sie mit der Frage, wie wir mit Endlichkeit umgehen, in einer Zeit, in der Biotechnologien und künstliche Intelligenz versuchen, ein Ende aufzuheben.
In das Live-Geschehen hineingezogen wird das Publikum auch in der Festivaluraufführung Luftmasse des in China und Deutschland beheimateten Kollektivs Paper Tiger Theater Studio. Inspiration für die installative Performance mit Tänzer:innen, Sänger:innen und Schauspieler:innen war Alfred Döblins Zukunftsroman „Berge Meere und Giganten“ über den Aufstieg Chinas als Bedrohung für die westlich dominierte Weltordnung.
Theater als Experiment erleben und die eigene Wahrnehmung testen kann das Publikum in dem Stück des südkoreanischen Theatermachers Jeong Seyoung. Im Zentrum von Except That You Cannot See Me (Außer, dass Du mich nicht sehen kannst) steht ein Krankenhausbett, in dem vielleicht jemand liegt, oder auch nicht. Der Regisseur spielt mit der Vorstellungskraft der Zuschauenden.
Zum Programm: hier