In Kooperation mit Neue Visionen Filmverleih

Interview: Regisseurin Reem Kherici

Weibliche Lust im Mainstream-Kino erzählen ist eine Herausforderung: Im Interview erzählt Reem Kherici, welche wahre Geschichte sie inspirierte, ihre persönlichen Hemmschwellen und warum weibliche Lust immer noch mit Scham assoziiert wird.

Regisseurin Reem Kherici steht rechts und lacht, links von ihr ist eine Filmklappe.
Regisseurin Reem Kherici

Neue Visionen Filmverleih

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Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust

Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust

Reem Kherici

Komödie

Frankreich 2026

90 Minuten

Ab 23.07.2026 im Kino!

In Kooperation mit Neue Visionen Filmverleih

Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust

Reem Kherici ist eine französische Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin tunesischer und italienischer Abstammung. 2002 begann sie ihre Karriere als Schauspielerin und wagte dann 2012 ihre ersten Schritte als Regisseurin und Drehbuchautorin mit dem Film „Paris um jeden Preis“, in dem sie auch die Hauptrolle spielte. Auch in ihrem aktuellen Regieprojekt „Chéri, ich komme! - Die Erfindung der Lust“ schrib sie das Drehbuch und ist in einer Nebenrolle zu sehen. Mit „Chéri, ich komme!“ sucht sie darüber hinaus neue Wege, um weibliche Lust zu erzählen.

Wie ist die Idee zum Film entstanden?

Im August 2024, während ich an einem anderen Projekt arbeitete, schlugen mir die Produzenten Elsa Leeb und Philippe Rousselet vor, die Erfindungsgeschichte des seit seiner Markteinführung im Jahr 2013 weltweit meist- verkauften Sexspielzeugs zu erzählen: des Womanizers. Gari Kikoïne und David Solal verfassten einen ersten Drehbuchentwurf, in dem ich mich aber nicht wirklich wiederfand.

So ließ ich meine eigenen Gedanken einfließen, ergänzte das Skript um meine Sprache und brachte meine Perspektive ein. Danach gelang es uns, weit über den Erfindungsprozess eines Sexspielzeugs hinauszu- gehen und stattdessen das Thema der weiblichen Lust anzusprechen. Das war mir wichtig.

Brachte Sie das Thema in Verlegenheit?

Ich stamme aus einem recht konservativen Umfeld. Daher hielt ich an einem gewissen Tabu um dieses Thema fest. Meine Erziehung hielt mich davon ab, es anzusprechen. Natürlich sprach ich mit meinen Freunden recht offen darüber, aber ich hatte mich grundsätzlich mit diesem Thema nicht wirklich auseinandergesetzt. Vor allem stellte ich mir nie die Frage nach der Tabuisierung von Lust und auch Vortäuschung. Um mich mit der Idee anzufreunden, einen Film zu diesem Thema zu entwickeln, musste ich das Problem aus einem umgekehrten Blickwinkel betrachten: Ich fragte mich, warum ich mich weigerte, dieses Thema anzusprechen, und worin meine persönlichen Hemmschwellen bestanden?

Um der Figur der Fanny auf ihrer Suche nach Lust und Befriedigung zu folgen, musste ich tatsächlich über Frauen sprechen, die es wie ich vorziehen, das Tabu aufrechtzuerhalten – aus Verlegenheit, aufgrund ihrer Erziehung oder aus Unwissenheit. Und diese Frauen mit größter Bescheidenheit und Ehrlichkeit zeigen. Mein Ziel war es vor allem, das Publikum nicht in Verlegenheit zu bringen und damit auch nicht mich selbst.

Nicolas und Éric Altmayer, die Produzenten meiner ersten drei Filme, brachten mir bei, dass zwischen einer Filmemacherin oder einem Filmemacher und dem filmischen Thema immer Überein- stimmung herrschen muss. Auf diese Weise konnte ich meinen Zugang finden und darüber nachdenken, wie ich mit meiner eigenen Stimme, meiner Aufrichtigkeit, meiner Erziehung und meinem Humor darüber sprechen kann.

Wie recherchierten Sie, um dieser Geschichte die nötige Authentizität zu geben?

Ich las einen Bericht über das deutsche Erfinderehepaar des Womanizers. Ihre Aussagen inspirierten mich. Viele der Filmideen stammen aus dieser Quelle, z.B. die Tatsache, dass der erste Prototyp mit der pulsierenden Luft ihrer Aquarium-Pumpe funktionierte, oder dass die Ehefrau die verschiedenen Entwicklungsmodelle selbst testete.

Außerdem recherchierte ich sehr gründlich zum Thema Orgasmus, bevor ich auch nur eine einzige Zeile schrieb. Ich stellte fest, dass 30% der Frauen anorgasmisch sind und noch nie einen Orgasmus erlebten. Wenn man auf die Geschichte zurückblickt, realisiert man, dass der weibliche Orgasmus seit Anbeginn der Zeit verteufelt wurde: Frauen, die einen Orgasmus erlebten, wurden als Hexen oder Besessene abgestempelt.

Darüber hinaus wird von Frauen in vielen Religionen immer noch erwartet, dass sie bis zur Heirat Jungfrauen bleiben, da Sex als Mittel zur Fortpflanzung geheiligt wird. Das ist eine Art, ihren Körper zu kontrollieren und suggeriert, dass man, wenn man Sex zum Vergnügen hat, eine Sünde begeht. Das erzeugt Schuldgefühle.

Ihr Ansatz ist also sowohl anthropologisch als auch feministisch?

Das ist zwar nicht das zentrale Thema, aber der Film wirft Fragen zur Gleichberechtigung in Bezug auf die Lust zwischen Männern und Frauen auf, sowie zur Verantwortung oder Schuld, die damit einhergeht. Auch wenn sowohl Männer als auch Frauen Fortpflanzungsorgane haben, die Lust bereiten, dürfen Männer sie nutzen, wann immer sie wollen und ohne echtes Risiko, während Frauen sie angeblich nur dazu nutzen sollen, Leben zu zeugen – mit dem zusätzlichen Druck, nicht zur falschen Zeit schwanger zu werden, da Abtreibung ebenfalls als Sünde gilt.

Außerdem können Männer offen über Lust sprechen, aber es wird vulgär, wenn Frauen sich dieses Themas annehmen. Ein Orgasmus ist letztendlich ein bisschen wie ein Rausch: Männer, die trinken, gelten oft als Bonvivants, während Frauen als Säuferinnen abgestempelt werden...

Ist das Thema Sex im Mainstream-Kino noch immer schwer zu behandeln?

Das Schlüsselwort, als ich dieses Projekt startete, war Eleganz. Man kann das Thema Sex durchaus ansprechen, ohne vulgär zu sein. Damit es zu meiner Art von Kino passt (noch bevor man das Mainstream-Kino überhaupt in Betracht zieht), musste ich einfach meinem Instinkt und meinem Geschmack folgen. Ich wusste beispielsweise sofort, dass ich den Orgasmus auf zurückhaltende Weise darstellen würde, denn das ist es, was mich ausmacht.

Außerdem wollte ich den weiblichen Höhepunkt aus einer organischen Perspektive zeigen, um denjenigen, die es nicht wissen (Männer wie Frauen), die körperlichen Auswirkungen zu erklären, die er hervorruft. Das ist auch der Grund, warum ich das Spezialeffekte-Team bat, Makroaufnahmen zu erstellen – von einem sich zusammenziehenden Muskel, einer sich erweiternden Pupille oder zu Berge stehenden Haaren.

Welche Reaktionen würden Sie sich auf den Film wünschen?

Ich bin überzeugt, dass dieser Film Gespräche unter Freunden und Paaren anregen wird, denn er hat mich persönlich herausgefordert, und seit ich darüber spreche, habe ich noch nie so viele Diskussionen angestoßen. Das berührt mich und ehrt mich, denn er könnte etwas verändern, das Leben einiger Frauen verbessern und helfen, Schuldgefühle abzubauen. Es mag eine Komödie sein, die das Publikum zum Lachen bringt und bewegt, aber sie trägt ein menschliches Engagement in sich, was sie zum universellsten meiner Filme macht.

Ist es nicht auch eine große Liebesgeschichte?

Natürlich! Deshalb ist sie allen Frauen und den Männern, die sie lieben, gewidmet.

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