Ignacio Rosaslanda in der jungen Welt, Interview mit Regisseur Christophe Cotteret, 17.04.2026:
„Ihr neuer Dokumentarfilm begleitet die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese auf ihrer Mission, Berichte über die von Israel in den besetzten palästinensischen Gebieten begangenen Verbrechen zu erstellen. Wie war Ihr Eindruck von der Vorführung im Kino Babylon hier in Berlin?
Cotteret: Die Vorführung war gut, weil viele Menschen da waren. Aber das Thema des Films und auch das Thema unseres Gesprächs – wir sprachen über Völkermord – sind in Berlin ziemlich schwierig. Ich denke, für viele Deutsche ist es wichtig, darüber zu sprechen, weil es in den letzten zwei Jahren durch die Behörden in Deutschland quasi kriminalisiert wurde.
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„Disunited Nations“ ist Ihr siebter Film. War der Protest eine gänzlich neue Erfahrung?
Cotteret: Auch bei meinen früheren Filmen über den Völkermord in Ruanda kam es zu Protesten vor Kinos. Historisch gesehen haben sich kolonialisierte Völker immer gegen ihre Unterdrückung gewehrt. Wenn man diese Realität benennt, handelt es sich nicht um Propaganda, sondern um eine moralische und ethische Position auf Grundlage von Fakten. Dokumentarfilme haben die Aufgabe, diese Fakten sichtbar zu machen.
Wir haben den Film auch in Belgien gezeigt, und dort gibt es kein Problem damit, offen zu sagen, dass es nicht normal ist, Menschen in Palästina zu töten, und dass Völkermord nicht akzeptabel ist. Francesca ist Italienerin, und wir hatten beispielsweise eine große Vorführung in Italien. Viele kamen, um Francesca und den Film zu unterstützen.“
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Über Christophe Cotteret:
Christophe Cotteret ist französischer Dokumentarfilmer und lebt in Tunesien. Sein neuer Film „Disunited Nations. Die UNO und der Nahe Osten“ begleitet die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, und wurde in Berlin am 30. März erstmals im Kino Babylon gezeigt
Lily Schröder in der taz über den Albanese Auftritt im Babylon-Kino Berlin, 31.03.2026:
„Albanese weist jeden Antisemitismusvorwurf von sich: ‚Ich habe die von der Hamas begangenen Verbrechen vor, an und nach dem 7. Oktober verurteilt.’ Antisemitismus müsse bekämpft werden. ‚Aber das hat nichts mit dem Staat Israel zu tun. Der muss sich an das Völkerrecht halten.’ Das gelte auch für die internationale Gemeinschaft. UN-Mitgliedstaaten dürfen sich gemäß der Völkermordkonvention nicht an einem Völkermord beteiligen. ‚Das bedeutet: Deutschland muss für weitere Waffenlieferungen zur Rechenschaft gezogen werden‘, so Albanese.
De facto überwiege jedoch die ‚bedingungslose Unterstützung des Staates Israel‘ gegenüber der Einhaltung des Völkerrechts. Diese Haltung entspringe nicht aus einem historischen Schuldgefühl. ‚Das ist eher Heuchelei‘, sagt Albanese. ‚Wenn Deutschland Schuldgefühle hätte, würde die Polizei nicht auf Menschen einprügeln, die gegen Kriegsverbrechen protestieren, die mit in diesem Land hergestellten Waffen begangen wurden.‘“
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Weiterlesen: https://taz.de/Francesca-Albanese-im-Babylon-Kino/!6167353/