Alltag

Verschwörungstheorie | 29.01.2009 15:45 | Jan Pfaff

Wer hat die DDR-Wohnung gefälscht?

Seit in Leipzig eine unberührte DDR-Wohnung entdeckt wurde, wird wild spekuliert. Ist das Ganze nur ein Fake? Und wer könnte dahinter stecken? Ein paar Vorschläge

In Leipzig hat der Architekt Mark Aretz bei Sanierungsarbeiten eine voll eingerichtete Wohnung entdeckt, die offenbar seit 1989 nicht mehr bewohnt wurde und daher wie ein Museum der DDR-Alltagskultur wirkt. Aber ist es tatsächlich möglich, dass eine Wohnung im sanierungswütigen Leipzig 20 Jahre einfach vergessen wird? Oder hat jemand die Wohnung bewusst wieder so hergerichtet? Vier mögliche Erklärungen für das Phänomen...

Ikea: Die Wohnung könnte eine Guerilla-Marketing-Aktion des schwedischen Möbel-Konzerns sein. Statt aufwändig die neue Möbel-Kollektionen Olme, Olaf oder Tromsö in Fernsehspots und auf Plakatwänden zu bewerben, heuert man einfach einen arbeitslosen Schauspieler an, der einen überraschten Architekten mimt, welcher ganz zufällig in eine 20 Jahre lang konservierte DDR-Wohnung stolpert und dort Möbel findet, die verdächtig nach schwedischem Design aussehen. Von der Medienaufmerksamkeit her ist dieser PR-Coup praktisch nicht zu toppen - mehr Aufmerksamkeit bekäme man höchstens noch, wenn Barack Obama mitsamt Familie in einem Ikea-Möbelhaus übernachten würde.   

Good-bye Lenin II:  Eigentlich sollte nach dem großen Erfolg des ersten Teils gleich ein Sequel nachgeschoben werden. Daniel Brühl hatte schon zugesagt, der Drehort in Leipzig war bereits eingerichtet, das Skript fertig: Nach dem Tod seiner Mutter sollte die Hauptfigur Alexander in eine schwere psychische Krise stürzen, sich in einer original DDR-Wohnung verschanzen - und jeden, der sich nicht in FDJ-Kluft näherte, mit knüppelharten Ost-Brötchen bewerfen. Regisseur Wolfgang Becker ließ das Projekt aber entnervt platzen, nachdem er zum hundersten Mal von Kinogängern gefragt worden war, wo man noch echte Ost-Gurken kaufen könne. 

Guido Knopp: Der Großmeister der ZDF-Geschichtssoaps will sich nicht mehr länger auf die NS-Zeit beschränken. Nach dem er in "Die Deutschen" mit großen Schauspielereinsatz ein Jahrtausend Geschichte in zehn Häppchen nachgestellt hat, will Knopp seine "Deutschen" nur weiter ausdifferenzieren. Neben Folgen über Süddeutsche, Plattdeutsche und deutsche Schäferhunde ist auch ein Teil über Ostdeutsche geplant. Und wo sollte dieser anders spielen, als in der "Heldenstaat Leipzig". Zehntausende von Statisten für die Montagsdemos sind bereits gecastet, und ZDF-Praktikanten sollen für die Dreharbeiten bereits eine Wohnung im original DDR-Stil rekonstruiert haben...

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Neuer Konkurrent des Berliner Ostels: Im Berliner Stadteil Friedrichshain gibt es seit geraumer Zeit in einem Plattenbau "Das erste DDR Hostel", Zimmer mit original DDR-Möbeln und Honecker-Porträts an der Wand. Das "Ostel" findet sich in allen einschlägigen Reiseführern und ist besonders bei amerikanischen Backpackern beliebt. In Leipzig möchte man diesen Erfolg wohl kopieren, dabei sollen die Zimmer noch einen besonderen Charme verströmen: Die aufgerissenen Schubladen und umgestürzten Sessel in der Leipziger Wohnung sind natürlich kunstvoll arrangiert, sie sollen den Touristen während ihres Aufenthalts die Aufregung der Wendezeit vermitteln.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
bille schrieb am 29.01.2009 um 21:38
Oder: Die Wohnung sieht aus wie Original-DDR, ist aber Original-Hartz IV, und die Bewohner überwintern in ihrem Zweitwohnsitz auf Mallorca
hneu schrieb am 03.02.2009 um 13:44
Der Artikel zu der „DDR-Wohnung“ auf Spiegel Online hatte bei mir ohnehin für einige Heiterkeit gesorgt. Auf der einen Seite wurde – der Chronistenpflicht gemäß – berichtet, dass sie zuletzt offenbar von einem 24jährigen Leipziger bewohnt wurde, der die Wohnung Hals über Kopf verlassen musste, weil er Probleme mit den Strafverfolgungsbehörden hatte. Dann schlug aber die politische Leitlinie durch und es hieß: „Die Einrichtung der Wohnung erinnerte den Entdecker allerdings wenig an den gewissen Ost-Charme, wie ihn das aus der Zeit gefallene Plattenbauappartement im Filmhit "Goodbye Lenin" verströmte. (…) Verklärungstendenzen wirke `so ein Fund entgegen´.“ Nun muss ich zugeben, dass ich mich zur Zeit des Mauerfalls eher mit der Sendung mit der Maus befasst habe, und dass darin weder die Probleme der deutschen Teilung noch die sozialpolitischen Alltagsverhältnissen im Osten behandelt wurden. (Dafür kann ich erklären wie der Mais in die Dose kommt.) Aber von meinem Laienstandpunkt aus, und nachdem nun einige Jahre vergangen sein, würde ich mal behaupten, dass ein 24jähriger, der vor einem Behördenzugriff flieht, sich a) nicht nett einrichtet und b) vor der Flucht die Wohnung nicht putzt. Das dürfte in BRD und DDR ähnlich gewesen sein. Vom Standpunkt der Spiegel-Online-Redaktion aus aber ist die oben beschriebene Kausalität wohl gegeben: In ihrem Weltbild befanden sich schließlich 16 Millionen Menschen auf der Flucht :)
hannes schrieb am 05.02.2009 um 15:39
Seit wann hat der Freitag es denn noetig, Verschwoerungstheorien zu veroeffentlichen? Ich finde diese ja gefaehrlich (siehe W. Wippermann "Agenten des Boesen" und D. Kulla "Entschwoerungstheorie"), und erwarte vom Freitag weiterhin gut recherchierte Artikel, und nicht so einen Unsinn.
Sebastian Sachse schrieb am 05.02.2009 um 16:02
Ähm, ich denke, der Artikel ist eher unter Satire einzuordnen. Ich glaube, Angst vor Leute á la Wisniewski müssen wir hier voerst nicht haben. Ist ja nicht die Junge Welt :-)
hannes schrieb am 05.02.2009 um 16:10
Sebastian, na das hoffe ich doch stark. :)


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