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Kultur : Was heißt hier guter Lehrer!

Bildungsministerin Schavan will Praktiker an die Schulen schicken, um den Physik- und Matheunterricht zu verbessern. Lehrer wehren sich gegen solche Amateure. Mit Recht!

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Gut, es mag an der humanistischen Ausrichtung des Gymnasiums gelegen haben. Unser Physikunterricht (Mathe nur bedingt) war in jedem Fall so schnell nicht zu toppen. Achte Klasse (erstes Jahr Physik, so war das damals vor 20 Jahren in Bayern), dritte Stunde, wir bekamen unseren neuen Lehrer in diesem neuen Fach zum ersten Mal zu Gesicht. Und nicht nur ihn. Als sich die Türe öffnete, kam ein Wägelchen hereingeschoben, mit allen möglichen Kabeln und was man sich als Laie eben so unter Physikutensilien vorstellte. Auf dem Wägelchen thronte ein Gerät, das uns alle latent ans Mittelalter der Elektronik erinnerte. Dann hörten wir ein Brummen, ein kurzes Fluchen (ja, das passierte schon mal, damals) und dann stand er vor uns: grauer Wuschelkopf, tiefe Stimme, wirrer Output. Unser neuer Physiklehrer sagte "Grüß Gott" und dann sagte er: "Ich zeig euch jetzt mal was, es geht ja nichts über die alten Geräte".

Wow.

Das gab es im Unterricht allgemein eher selten. Zeigen. Er legte los. Fummelte an den Kabeln herum. Fingerte an der Steckdose rum. Fluchte. Grummelte. Und sagte plötzlich: "Jetzt, passt mal auf." Es zischte laut. Es knallte. Wir sahen eine kleine süße Rauchwolke. Aus dem Gerät heraus in den Himmel des Klassenraums schwebend. Unser neuer Physiklehrer lachte. "So geht es also nicht."

Fehler und Scheitern kamen nun auch eher selten vor - jedenfalls nicht mit einvernehmlichen Gelächter.

Wie ein Stromkreis funktioniert, wussten wir alle nun auch nicht besser als zuvor. Aber in jedem Fall waren wir uns sicher, dass wir die alten Ausstellungsgeräte neben den Physikklassenzimmern in ihren Vitrinen besser dort lassen sollten, wenn wir üben wollten. Und wir wussten, auch wenn Annette Schavan noch lange keine Bildungsministerin war und uns Top-Elite-Manager als Physiklehrer an die Schule schicken wollte, dass wir diesen Lehrer alle mal lustiger finden würden als einen Leistungs-Top-Informatiker, der ansonsten in einem Unternehmen für Gewinnsteigerungen arbeitet.

Warum sollten die nun plötzlich an die Schulen, wie es Schavan fordert, weil nach einer Bildungsökonomiestudie dort mittlerweile nur die Leute mit den schlechtesten Abis als Lehrer arbeiten? Wer bestimmt denn nun, wer ein guter Lehrer ist? Der Abi-Durchschnitt? Da fordern wir doch lieber ein ganz anderes Kaliber zurück an die Schulen:


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