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Kultur : Mehr Minderheiten

Muslime beschweren sich bei Schalke über das Vereinslied. Dabei wird es seit Jahren gesungen. Mit Aufruhren dieser Art wird die Öffentlichkeit zu leben lernen müssen

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"Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht“, heißt es in der dritten Strophe des Schalke Liedes. Und weiter: "Doch aus all der schönen Farbenpracht hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht." Die dritte Strophe des Schalke Vereinsliedes mag nicht besonders geistreich sein, aber wird damit der Islam beleidigt? So sehen es jedenfalls einige hundert Muslime, die in den letzten Tagen empörte E-Mails an den Verein geschickt haben, und fordern, dass die Strophe gestrichen wird.

Bei Schalke ist man verunsichert, das Lied wird bereits seit Jahren vor Spielen der Mannschaft gesungen. „Das ganze ist jetzt plötzlich hochgekommen, nachdem muslimische Schalke-Anhänger sehr lange überhaupt nichts bei dem Lied gefunden haben“, sagt Stefan Reichmuth, der als Islamwissenschaftler von der Schalker Vereinsführung um seine Einschätzung gebeten wurde. Sein Ergebnis: „Der Prophet wird mit dem Lied nun wirklich nicht beleidigt, sondern humorvoll als Stifter der Vereinsfarben präsentiert“. Wieso aber kommt es grade jetzt zu Protestwellen?

Sanfte Worte, harte Lieder

Öffentlich zu Protesten aufgerufen hatte die Internetseite Muslim-Markt. Die von den türkischstämmigen Muslimen Yavuz und Gürhan Özoguz betriebene Webseite wird seit einigen Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Auf der Seite gibt es eine vorformulierte E-Mail, und Muslime werden aufgefordert diese an Schalke zu senden: die Mail fordert mit sanften Worten harte Konsequenzen, wenn die Strophe weiter gesungen werde - nämlich den Boykott von Schalke-Spielen und Schalke-Fanartikeln. Doch als alleiniger Drahtzieher will Yavuz Özoguz auch nicht dastehen.

Er habe lediglich die Wut kanalisieren wollen, die in muslimischen Gruppierungen aufgekommen sei und anders als diese habe die Plattform der Muslim-Markt adäquat reagiert, so heißt es auf der Seite. „Andere wollten eine fürchterliche Hass-Kampagne starten, aber wir waren schneller!“, schreibt Özoguz. Stefan Reichmuth glaubt trotzdem, dass es umgekehrt gelaufen sei: „Der zentrale Knotenpunkt der Geschichte scheint der Muslim-Markt zu sein, dessen Betreiber die deutsche Öffentlichkeit als grundsätzlich religions- und islamfeindlich ansehen. Und da haben sich dann offenbar Leute angehängt, die unter Muslimen entsprechend Stimmung machen wollen.“

Der Gelsenkirchener Integrationsbeauftragte Mehmet Ayas bedauert, dass es einer Minderheit gelungen sei, das ganze hochzukochen: „Die große Mehrheit der Muslime findet das Lied nicht schlimm und die Diskussion einfach lächerlich“.

Na ja. Nun kann im Internet eben jeder partizipieren und auch in seinem Sinne mobil machen. Aus diesem Grund gilt das Netz ja immer noch als demokratisches Medium. Egal, wie man im Streit um die Schalke-Hymne steht, etwas macht der Fall deutlich: Offenbar entdecken nicht nur Ein-Themen-Parteien und politisch korrekte Umweltrechtsgruppen das Netz für ihre Anliegen. Damit sollte die deutsche Öffentlichkeit zu leben lernen.

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