Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung

Kultur : Blogger ohne Gesicht

Udo di Fabio hält anonyme Blogger für "Burka-Träger", Google verklagt eine Bloggerin ohne Klarnamen und RLT faked einen Jackson-Film. Braucht das Netz mehr Transparenz?

Zum Kommentar-Bereich

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Share Icon
Jetzt kostenlos testen

Der Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio hält nicht viel von Anonymität. „Der freie Mensch der Neuzeit zeigt sein Gesicht, gibt seinen Namen preis, wenn er die Bühne des öffentlichen Raumes betritt“, sagte er jüngst in einer Rede. Im Internet sei das anders – weswegen das Medium die Presse, die Demokratie und nebenbei auch das Urheberrecht unterwandere. „Warum zeigt sich das Gesicht der Kommunikationsteilnehmer nicht offen im Netz?“, fragte di Fabio und verglich „hypermodische“ Twitterer mit „mittelalterlich anmutenden“ Burka-Trägern.

Di Fabio trauert darum, dass die „gebildeten Citoyens, deren Speerspitze kritischer Aufgeklärtheit auch die Journalisten sein sollten“ nicht mehr das Monopol darauf haben, sich öffentlich zu Wort zu melden. Stattdessen werde der Bürger mit einem „ununterbrochenen Strom eines Konglomerats aus Kommerz und Emotion, aus Informa­tion und Unsinn, aus gesteuerter Ordnung und wildem Zufall“ belästigt.

Schluss! Aus! Aufhören damit! So hat es ein New Yorker Gericht zumindest im Fall der Bloggerin Rosemary Port entschieden. Die soll auf ihrem inzwischen geschlossenen Blog „Skanks in NY“ (skankinnyc.blogspot.com) anonym das Model Liskula Cohen beschimpft haben. Dieses zog vor Gericht und zwang den Blog-Betreiber Google, Ports Identität preiszugeben. Nun will Port wiederum Google verklagen – wegen Vertrauensbruchs. Schließlich habe sie sich auf Googles Diskretion verlassen. Wahrscheinlich wird Udo di Fabio den Streit genau verfolgen, zeigt er doch, welchen Aufruhr erzeugt, wer die Anonymität von Bloggern bedroht.

Nüchtern betrachtet haben Beiträge ohne erkennbaren Autor ja auch Vorteile. Sie ermöglichen uns zum Beispiel, das zu glauben, was wir uns am meisten wünschen. Dass Michael Jackson immer noch lebt etwa. Kürzlich stellte ein RTL-Team anonym ein selbst produziertes Fake-Video ins Netz, das angeblich zeigt, wie Jackson in einer Tiefgarage dem Leichenwagen entsteigt. Innerhalb von Stunden verbreitete sich das Video um die Welt und die Verschwörungstheorie-Maschine schaltete zwei Gänge herauf. Allerdings zeigt das Beispiel auch, dass der Name des Urhebers eines Beitrags dessen seriöse Wahrnehmung nicht garantiert. Denn mittlerweile hat RTL auch eine Dokumentation der Produktion des Fake-Videos ins Netz gestellt – die manche Jackson-Fans inzwischen jedoch selbst als Fälschung entlarvt zu haben glauben. Könnte ja sonst jeder kommen.

Themen

sticky banner image

35 Tage gratis zum 35. Geburtstag

der Freitag digital mit Zugang zu allen Artikeln inkl. E-Paper & Audio