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Merkel lässt sich von einem 2.000-Personen-Flashmob nicht von ihrem vorbereiteten Text abbringen. Aber sind Yeah-Schreie politisch? Und wie sehen Twitter-Follower aus?

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Angela Merkel mag beim Duell Mann gegen Frau nicht überzeugt haben. Mit der Masse als Gegner hat die Wahlkampf-Stoikerin und Noch-(Wieder?)Bundeskanzlerin jedenfalls keine Probleme. Beweisen konnte sie das mit einer ihrer gesichtsloseren Fähigkeiten – einfach weiter im Text, einfach weiter im Text, einfach immer weiter im Text – vergangenen Freitag in Hamburg. Dort sprach Merkel vor gut 2.000 Menschen, die nicht alle das zwingende Interesse hatten, ihr auch zuzuhören. Ein Teil des Publikums goutierte jeden zweiten Satz von Merkel mit einem herzlichen „Und alle so: Yeeeah!!“-Schrei. Eine ähnliche Aktion gab es einige Tage später auch in Mainz.

Die Begeisterungsstörer waren die Gesichter zu einer etwas abstrakteren, aber sehr beliebten Organisationsform: dem Flashmob. Eine Woche lang hatten sich die Merkel-Quälgeister über die bekannten Kanäle Twitter und Co. koordiniert und die Wahlkampfveranstaltung am Ende erfolgreich aufgemischt. Weil im Netz aber nicht nur mobilisiert wird, sondern auch kommentiert, ließ die Diskussion über die Aktion nicht lange auf sich warten. Ist das nun einfach Spaßkrawall oder eine ernstzunehmende, politische Meinungsäußerung? Ein Blogger namens Rene findet bei nerdcore.de darauf die schöne Antwort: „Ja, bei Flashmobs geht es oberflächlich um Spaß und nichts weiter. Tatsächlich aber haben Flashmobs immer eine immanente politische Botschaft, es geht um die Rückeroberung des öffentlichen Raums, um gemeinschaftliche Statements.“ Die griesgrämige Deutschen-Debatte, dass Ernst und Unterhaltung niemals vereinbar sein können, darf offensichtlich auch das Internet nicht ­beerdigen.

Dafür findet es eigene Formen, um neuartig zu beweisen, dass beides wunderbar vereinbar ist. Auch im künstlerischen Bereich. Auch auf einem Dienst wie Twitter. Dort zeichnet die Userin Frauenfuss Porträts all der Leute, die ihrem Profil folgen. Inspirieren lässt sie sich von deren Profilgestaltung, den Mitteilungen und Nicknames. Unbekannte Menschen wie etwa „Schokoruebe“ erhalten so ein interessantes Gesicht: Da sitzt ein schmales Persönchen mit rosa T-Shirt auf dem Eck einer riesigen Schokoladentafel, flankiert von folgendem Text: „189 widme ich Klugscheisserin vor dem Herrn (?) @schokoruebe aus der wunderschönen Stadt Trier!“ 193 dieser Zeichnungen hat sie mittlerweile in Hochkultur-Moleskin-Büchleins angefertigt, die der analogen Welt keineswegs vorenthalten werden sollen. Ab November sind sie in Galerien in den Städten Nürnberg, Köln und Hamburg zu sehen.

Bei gibt es mittlerweile auch schon einen .SpreeblickSong zum Yeah-Flashmob

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