Alltag

Fussball | 10.11.2009 21:10 | Jakob Augstein

Tod eines Torwarts

Nationaltorwart Robert Enke hat sich im Alter von 32 Jahren umgebracht

Wie die Polizei in Hannover mitteilt, kam der Torwart der Deutschen Nationalmannschaft Robert Enke, 32, am Dienstagabend an einem Bahnübergang in Neustadt am Rübenberge wenige Kilometer nordwestlich von Hannover, ums Leben. Offensichtlich handelt es sich um  Selbstmord.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Katharina Schmitz schrieb am 10.11.2009 um 21:48
habe es im Spiegel gelesen, außerdem bei der FAZ und bei der Süddeutschen. Was bringt mir also diese Meldung hier? Seit wann ist der geschätzte Freitag ein Nachrichtenportal?
Jakob Augstein schrieb am 10.11.2009 um 22:34
Liebe KS,
da haben Sie Recht. Der Freitag ist keine Nachrichtenseite. Aber diese Nachricht hat mich ehrlich gesagt sehr betroffen gemacht. Ich habe sie darum einfach eingestellt. Die Idee könnte jetzt sein, dass die Community weiterführende Links dazu stellt oder anderes, was ihr einfällt ... Wir hatten das hier vor ein paar Wochen mal unter dem Stichwort "Wachsende Artikel" diskutiert. Ich weiß nicht, ob dieses Beispiel ein gutes ist, um einen solche "wachsenden Artikel" zu beginnen. Mal sehen. Wenn nicht, dann ist es einfach nur eine sehr traurige Geschichte, die in ein paar Stunden von neuen Artikeln verdrängt werden wird ...
Ihr JA
Magda schrieb am 10.11.2009 um 23:07
Ich finde, dass sich aus dieser traurigen Nachricht etwas Ausführlicheres über die Überforderung und den Druck, dem Sportler und hier speziell Fußballspieler ausgesetzt sind, ergeben kann.
Das wäre auch für den Freitag gut.
Vielleicht ist es in diesem traurigen Fall Enke auch so.

Über das Buch von Sebastian Deisler, der auch mit Depressionen und Rückzug auf den gnadenlosen Fußballbetrieb reagiert hat,gab es einen guten Beitrag im Freitag.
So habe ich diese Nachricht auch verstanden.
Das wäre schon ganz nützlich.
Kritische Masse schrieb am 10.11.2009 um 23:55
Das ist eine ganz traurige Nachricht. Punkt.

Neues Thema. Was erwarte ich hier von diesem Projekt? Also was ICH mir wünsche. Nicht das "Skandalisieren". Damit meine ich, es gibt in unserem Alltag genügend traurige Situationen, die niemals so eine Öffentlichkeit bekämen. Und wenn, dann kennen wir so etwas aus der BILD Zeitung. Vojourismus. – In all den Situationen benötigen wir keine öffentliche Zurschaustellung, sondern Unterstützung, Mitgefühl, Solidarität. Das kann eine Öffentlichkeit in der uns bekannten Medienform nicht leisten, sie verfolgt damit andere Zwecke: Klicks … z.B.

Nein. Ich erwarte eine Frage nach Sozialen-Netzen, die wir alle benötigen. Und da wir uns hier im Internet bewegen und Social Networks ein Hype-Thema ist: wie schaffen wir auch im Internet Strukturen, die uns in Notsituationen (Krankheit, Hartz IV, Kündigungsdrohung, Behördenwillkür, Ohnmacht im Job …) unterstützen.
pkaras schrieb am 10.11.2009 um 23:59
Ich finde es durchaus angebracht, diese Meldung einzustellen.
Sie macht sehr betroffen und man möchte sich darüber austauschen, wie es dazu kommen konnte. Wahrscheinlich wird man nie Gewissheit erlangen, was Enke getrieben hat, sich das Leben zu nehmen.
Enke war absoluter Symphatieträger, ein sehr guter Fussballer, für H 96 ein absoluter Rückhalt und einer der wenigen Fussballer, dem man auch zuhören konnte.
Was mich überrascht hatte, war seine europäische Karriere. Davon wusste ich bis Dato nichts: Benfica, Barcelona, wo man vor Beginn eines Fussballspiels eine Trauerminute einlegte, Fenerbahce, wo er vorzeitig den Vertrag auflöste und nach Deutschland zurückkehrte.
International konnte er sich nicht durchsetzen, aber auf heimischem Parkett war er eine Grösse.
Persönliche Rückschläge wie der erwartete Tod seiner Tochter vor 3 Jahren hatte er allem Anschein nach so weit es ging verarbeitet.
Dann diese unerklärliche Virus-Erkrankung über einen längeren Zeitraum und jetzt die überraschende Abberufung durch Löw, bei der WM kein Stammkeeper mehr zu sein oder sogar gänzlich aus dem Kader rausgestrichen, das weiss ich nicht so genau.
Warum ihm das Leben auf einmal sinnlos erschien, dass er's aufgab? Zwischen möglichen Motiven und der Tat ist eine Lücke, die niemand füllen kann.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.11.2009 um 10:09
Genau dieses Stochern in möglichen persönlichen Gründen finde ich völlig überflüssig, ja unerträglich. Heribert Bruchhagen, Vorstandsschef von Eintracht Frankfurt, wird so zitiert: »Mir fehlen die Worte. Da wird einem klar, wie unbedeutend die Scharmützel in der aufgeblasenen Bundesliga sind«.
Ich wage mal eine Interpretation: er hat damit nicht gemeint, dass man die Reaktionen auf Philipp Lahms Interview am Samstag nicht ernst nehmen sollte, dass man aber insgesamt den Fußball (und insbesondere seine Inszenierung in Form des Profifußballs) nicht zu ernst nehmen sollte.
Man sah im Fernsehen Bilder von heulenden Männerhaufen, weil ihr Verein abgestiegen war. Ich kann mich nicht an Bilder von heulenden Männerhaufen erinnern, weil - nehmen wir nur den letzten Fall - eine Ägytperin ermordet wurde. Diese Fehlallokation von Gefühlen finde ich bedenklich.
Anette Lack schrieb am 11.11.2009 um 10:17
Für mich wäre es eher seltsam, wenn der Freitag diese Nachricht ignorierte. Ich sehe es so wie Magda(s.o.), dann ist Enke doch eine Figur des öffentlichen Lebens und hier gibts ja auch eine Fußballarena.

Ich habe die Nachricht heute nacht gehört und war erschrocken und betroffen. Und bin froh, wenn ich das hier auch teilen kann.

Und ich bin ausserdem sehr froh darüber, wenn sich ein erfolgreicher Journalist (s.o.) als Mensch mit Gefühlen zeigt. Das ist in der Branche nämlich noch immer verpönt, aus einem kruden Berufsverständnis heraus...

Danke also auch dafür!
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.11.2009 um 10:37
@Anna
Es ist leider nicht nur "in der Branche ... immer noch verpönt,...".
Vielleicht kann der Freitag ein Foto einstellen, einen kurzen Text und ansonsten schweigen.

In Deutschland 2007: 9402 Suizide. Die Zahl der Versuche liegt um den Faktor 10-15 höher. Müßte eigentlich fast ein Dauerthema sein. Erst recht, wenn man sich mal die Altersstruktur, insbesondere die Altersuizide, anschaut. Als ausführliches Thema mit Interview,... würde ich es sehr begrüßen. Die Prominenz des aktuellen Geschehens auszunutzen wäre mir viel zu dicht am Boulevard. Und würde dem Torwart und seiner Familie nicht gerecht werden. Ich könnte mir vorstellen, daß sie auf noch eine Zeitungsgeschichte verzichten können.
Anette Lack schrieb am 11.11.2009 um 10:53
Lieber GerhardHM;

Mit "verpönt" meinte ich nicht dieses Betroffenheitsgesülze der einschlägig bekannten Zeitungen. Das ist grauenhaft und selten echt. Schon an den Versatzstücken zu sehen, mit denen diese Texte geschrieben werden.

Meist schreiben die härtesten Hunde diese Artikel - in fünf Minuten.

"Vielleicht kann der Freitag ein Foto einstellen, einen kurzen Text und ansonsten schweigen."

Ich kann ihr Anliegen verstehen, und: Soviel Geschmack und Feingefühl dürfen Sie dem Freitag schon zutrauen, denke ich.

Herzliche Grüße, Anna
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.11.2009 um 11:15
Liebe Anna, traue ich, traue ich.
Bin halt wegen mehrfacher familiärer und Freundeskreisbetroffenheit sehr sensibel (oder auch nur empfindlich).
Axel Henrici schrieb am 11.11.2009 um 14:31
@Magda: Diesen Artikel gibt es jetzt:
www.freitag.de/alltag/0946-robert-enke-tod-fussball
Jörn Kabisch schrieb am 11.11.2009 um 11:12
Kann hier nur auf den guten Kommentar und die vielen Reaktionen von Fans auf 11Freunde verweisen:

"Worüber man nicht reden kann"
Tessa schrieb am 11.11.2009 um 14:05
Mein erster Gedanke gestern war, dass Kerner mit fortschreitendem Alter doch bitte nun eigenständig Pietät entwickeln sollte, aber DWDL verkündete eben, was unvermeidbar war: natürlich gibt es ein Kerner Spezial.

Unverhofft in tragische Ereignisse verwickelte Menschen, die der Journalismus sich zu eigen macht indem er sie als relative Personen der Zeitgeschichte deklariert, kann man nur wünschen, dass ihnen rechtzeitig Medienanwälte, aufrichtige Berater und Freunde und Familie zur Seite stehen, die helfen ihre Privatsphäre zu bewahren und dabei helfen, bei Anfragen von Medien zu entscheiden und abzusagen.

Und ich wünsche mir, dass der Kommentar von 11Freunde Schule macht.
Tessa schrieb am 11.11.2009 um 15:04
Wie immer hat auch Stefan Niggermeier etwas Kluges zum Thema zu sagen, und wundert sich zu Recht, warum Spiegel Online jede "Neuigkeit" als Eilmeldung auszeichnet

www.stefan-niggemeier.de/blog/eilmeldung/
Jan Jasper Kosok schrieb am 11.11.2009 um 15:22
Gerad auch gesehen. Einmal Entschleunigung, bitte.
Titta schrieb am 12.11.2009 um 21:36
@JA

"Aber diese Nachricht hat mich, ehrlich gesagt, sehr betroffen gemacht."

Wenn Sie aber nicht schreiben, warum Sie die Nachricht nun betroffen gemacht hat, bringt das Ganze gar nichts.
Weil damit nämlich nichts Produktives, Weiterführendes in Gang kommt.

Also entweder bringen Sie den Mut zum Weiterschreiben und Erklären auf, oder Sie hätten lieber geschwiegen.

(Warum ich für meine Verhältnisse nun so hart auf Sie reagiere, muß ich mir nun wiederum überlegen. Ist halt doch nicht so einfach, das mit der Betroffenheit.)

Liebe Grüße jedenfalls
Deaktivierter Nutzer schrieb am 13.11.2009 um 18:15
Hallo Titta, genau, was Du sagst, hat was.
In meiner Sportgruppe woanders, VfL und Dritte Liga, sagen Mitblogger, daß sie seltsamerweise erstmals um einen Toten irgendwie trauern, obwohl sie ihn gar nicht kennen, er bei gegnerischen Vereinen gespielt hat und Enke manchen, auch als Sportfan, nicht wirklich bekannt war. Abstruse Fäden spinnen sich da in den Trauerdiskussionen.
Ich würde sagen, die abgeklärteste Liberoposition in der Berichterstattung nimmt ein: Markus Völker in der taz www.taz.de/1/sport/artikel/1/ein-meister-auf-der-linie/
Ich habe insgesamt unwahrscheinlich viel dazu gelesen, aber nicht wegen Enke, den ich ja auch nicht kenne, sondern wegen der Presse, der DFB-Reaktionen, der überdimensionalen Öffentlichkeit, die das Thema Selbsttötung eben sonst gar nicht hat.
Es ist leicht zu prophezeihen: Nach dem Begräbnis ist das Thema auf ewig begraben.
Schlimm das eine, schlimm das andere.
Und ich möchte hier bitte nicht mißverstanden werden.


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