Anne Roth stellt in der Freitag-Community die Frage, warum im Internet aktive Frauen noch weniger wahrgenommen werden als in der realen Welt. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen: Der Blogger Philip Banse hatte in einer Interviewserie für dctp.tv Meinungsmacher der deutschen Blogosphäre vorgestellt. Ausnahmslos Männer. Schon bei der diesjährigen re:publica, der Social-Media Konferenz Anfang April in Berlin, kam Kritik an der vorherrschend männlichen Besetzung von Panels und Workshops auf. Frauen, die bloggen, hatte man dagegen auf ein gemeinsames Podium gesetzt. Es stimmt schon, Männer nehmen Frauen im Internet oft nur dann wahr, wenn sie sich als Hottie84 oder SüßeLola vorstellen.
Dabei sind jede Menge Frauen am Web 2.0 beteiligt. Laut einer aktuellen Studie sind sie besonders in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Myspace aktiv. Sie twittern sogar mehr als Männer. Und sie schreiben nicht nur Tagebuchblogs, sondern beziehen auch zu politischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung. Warum sie es trotzdem nicht unter die Web-Meinungsmacher schaffen? Roth nennt, ohne davon überzeugt zu sein, die üblichen Verdächtigungen: Frauen hätten es nicht so mit Technik, weniger Zeit oder auch einfach keine Lust, sich dem Profilierungsgehabe gewisser Männer entgegenzustellen. Die Argumente sind online dieselben wie offline. Aber Roth hätte auch gern ein paar neue Antworten auf ihre Fragen.
Wenn sich online ähnliche Strukturen wie offline bilden, müssen die gleichen Vorgehensweisen her, die Verkrustungen aufzubrechen. Präsenz zeigen, lauter bloggen, in Diskussionen nicht an den Bildschirmrand drängen lassen. Und nicht zu vergessen, das webaffine Schulterklopfen, Verlinkung genannt, praktizieren. Denn mit einem starken Netzwerk kann es auch Bloggerinnen gelingen, in der Wahrnehmung von der Beta- auf die Alpha-Ebene aufzusteigen. Die Mädchenmannschaft, die in diesem Jahr für den Grimme Online Award als bestes politisches Blog nominiert war, hat eine Bloggerinnengruppe bei Facebook gegründet. Neben der gegenseitigen Vernetzung sollen sich dadurch auch Interessentinnen finden, die für die re:publica 2010 Themenvorschläge einreichen. Dort hat gerade der Call for Papers begonnen.
So könnte in Zukunft das Argument männlicher Blogger – „Mir sind gar keine relevanten Frauenblogs aufgefallen“ – hinfällig werden. Philip Banse hat angekündigt, seine Interviewserie fortzusetzen. Dann hoffentlich auch mit Alpha-Bloggerinnen.
Verena Reygers ist Kolumnistin auf freitag.de und bloggt auf maedchenmannschaft.net.
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Mir ist es schnurzepiepegal, ob ein Mann oder eine Frau einen guten Text schreibt, und ich glaube auch, dass meine männlichen Geschlechtsgenossen ihre Lektüre weit überwiegend nicht frauenfeindlich "gegendert" auswählen, obwohl es vielleicht auch ein paar solche Hornochsen geben mag.
Die sind dann aber sehr wahrscheinlich nicht besonders bedeutsam, sei es quantitativ oder qualitativ, weswegen andere Faktoren bestimmend sein dürften (das mit der Technik kann es wohl kaum sein, denn selbst ich schaffe es mühelos, Texte in meine Blog-Maske zu laden, vorausgesetzt, mir fallen welche ein). |
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Es interessiert gar keinen welches Geschlecht ein Blogger hat. Denn ein Blogger ist vor allem Text und Nachricht, in zweiter Linie die schüchterne Person hinter dem Text, die zu einer Konferenz eingeladen wird.
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@zelotti
hm, die Blogger, die Banse interviewt wirken gar nicht schüchtern... und in der Tat spielt das Geschlecht spätestens dann eine Rolle, wenn nur mänmnliche Blogger als relevant gelten - denn das wird durch solche Interviewreihen impliziert |
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