Alltag

Facebook | 24.12.2009 09:00 | Susanne Lang

Mustermann musste sterben

Pseudonyme in sozialen Netzwerken sind absolut gewöhnlich. Nur bei einem macht Facebook Schluss mit lustig: der „Max Mustermann“ wurde plötzlich gelöscht

Das stelle man sich mal vor: Es ist kurz vor Weihnachten und dann so etwas! Da muss ein Kollege der taz erleben, dass sein Facebook-Account gelöscht wurde! Einfach so! Kein Login mehr möglich. In einem verzweifelten Sucht-Wut-Bekenntnis  fragt er sich ganz zurecht: warum nur? Warum ich? Und stößt in den FAQs, den häufig gestellten Fragen, auf eine Spur: Vielleicht lag es an dem Umstand, dass er sich nicht als Max Büch (unter dem Namen also, der über dem taz-Text steht), registriert hatte, weil ja niemand, schon gar nicht Herr Schäuble wissen muss, wieviel und wann und mit wem er trinkt, sondern als Max Mustermann. Und Facebook erlaubt es den häufig gegebenen Antworten zufolge nicht, sich mit fiktiven Namen anzumelden.
Ein kniffliger Fall
Streng genommen handelt es sich bei „Max Mustermann“ um den Fake-Namen schlechthin, der als Platzhalter nicht nur für den durchschnittlichen Bundesbürger steht, sondern in Anbetracht seines Alters als Relikt aus dem 1.0-Zeitalter bezeichnet werden darf. Bevorzugt ist er auf staatlichen Dokumenten zu finden, zuletzt auf Muster-Personalausweisen, als die nicht mehr in Form von waschlappengroßen Papierblättern ausgestellt wurden, sondern einer Plastikkarte. Neuerdings tummelt er sich auch in diversen Datenbanken. So gesehen ist klar, dass das sowieso allwissende Facebook da einschreiten muss! Wer weiß schon so genau, ob hinter einem Mustermann Max-Account nicht eine Behörde stecken könnte, die einen absoluten Durschnittsbürger ins Spionage-Rennen schickt?
Nicht nur Herr Büch hat gute Gründe, Angst vor Herrn Schäuble zu haben, sondern auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Bei Facebook liest nur Facebook mit, das ist der Deal. Und Google ein bisschen. Aber das dient anderen Zwecken, den guten des 2.0 Zeitalters: den ökonomischen. Denn Facebook kennt keine Bürger, sondern Freunde, also Kunden. Vielleicht sollte es Max Büch mal mit einem konsequenteren Pseudonym versuchen: Otto Normalverbraucher.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Marko Siebenpfeiffer schrieb am 24.12.2009 um 09:31
habe sofort nach dem Lesen mal nachgeschaut, ob es nicht wirklich Menschen mit dem Namen gibt. Bei klicktel, habe ich 5(!) Max Mustermann gefunden, die einen ganz normalen Telefonbucheintrag haben. Was machen die denn, wenn sie ein Facebookaccount haben wolllen?
spa schrieb am 24.12.2009 um 11:07
facebook-accounts werden in der regel nach einigen tagen wieder aktiviert, wenn man sich beschwert. habe das selbst erlebt. es wird wenig damit zu tun haben, dass das max mustermann ist, denn die deaktivierung erfolgt automatisch, wenn facebook mehrere indizien erkannt haben will, das etwas nicht koscher sein könnte
Deaktivierter Nutzer schrieb am 24.12.2009 um 11:20
Von mir wollte Xing eine Kopie meines Personalausweises zugefaxt bekommen.
Das war mir meine Mitglidschaft bei Xing nicht wert. Deshalb wurde ich gesperrt. Damit bin ich aber auch sehr einverstanden.
mustermann schrieb am 24.12.2009 um 18:39
Elvis und ich leben ewig.
gez. Mustermann
mustermann1 schrieb am 24.12.2009 um 23:37
Meine Schwester hat recht. Elvis lebt.
petar schrieb am 28.12.2009 um 01:05
Ja leck mich doch am" Allerwertesten".Brauch mann/frau das?.Sach ich mal:Punkt.Punkt..Und noch`n Punkt.Da bleibt der zivilisierte Mitteleuropäer doch lieber bei der "Zeit"-Kritik oder bei der "FR" und tobt sich da aus als sich über so was auszuweinen.Oder hat die Welt wirklich auf so was gewartet? Kein aufrichtiges Schwein rpt aufrichtiges Schwein,verhungert wenn es nicht "facebooked".:::ERMANNT euch,und schreibt lieber mal `nen Brief an die, die euch wichtig sind.
mh schrieb am 28.12.2009 um 08:35
das tun wir auch noch, so neben dem facebooken. das frißt nämlich nicht die ganze zeit des tages.

mfg
mh


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