Nochmal, zur Erinnerung, die entscheidende Frage dieser Tage: "Macht Hartz IV faul?" Nun ja, die finale Antwort darauf hat die öffentliche Meinungsbildung noch nicht so recht gefunden (Herr Brüderle sagt: Nein, weswegen man Arbeitlose auch nicht zum Arbeiten zwingen müsse - Herr Koch sagt einfach nur: Aber selbstverständlich.) Seit Wochen machen sich diverse Vordenker dieser Republik (Hans Werner Sinn, Hans Werner Sinn oder aber Hans Werner Sinn) darüber so ihre Gedanken, und weil das auf Dauer auch öde wird, hat sich das Blatt für gesellschaftsrelevante Unterhaltung der Sache mal richtig angenommen. Seit Tagen zieht Bild einen gewissen Herrn namens Arno Dübel über den Boulevard, einen 54-jährigen Langzeitsarbeitslosen aus Hamburg, der seit über 30 Jahren keinen Job mehr hatte - und das aus Prinzip, wie Bild nicht müde wird zu betonen:
01.02.2010, 9 Uhr 11: Deutschlands frechster Arbeitsloser – so gammelt er sich durch den Tag
"Dösen, abhängen, Bier trinken": Seit 36 Jahren hat Arno Dübel keine Arbeit und ist auch noch stolz darauf.
Obendrein, so Bild, rauche Herr Dübel gute 100 Zigaretten am Tag - wenn es also noch einen Beweis bedarf, wie asozial dieser Mensch sei, muss man in der Inszenierungslogik nun nur noch eines zeigen: Dass er nicht nur unwillig ist, sondern zu blöd, um zu arbeiten.
02.02.2010, 9 Uhr 24: Deutschlands frechster Arbeitsloser muss jetzt bügeln
Arno Dübel hat an diesem Tag keine Krankschreibung und muss ins Aktiv-Center, wo Langzeitarbeitslose wieder an einen Job gewöhnt werden sollen. Er "ringt" sich zu Hauswirtschaft durch, auf alles andere sei er "allergisch".
02.02.2010, 13 Uhr 35: Deutschlands frechster Arbeitsloser muss jetzt arbeiten
Leider sei seine Ärztin selbst krank gewesen und habe keine Krankschreibung ausstellen können, was wiederum Herrn Dübel laut Bild zum Ausspruch bringt: "Wer arbeitet, ist doch blöd".
Den meisten Lesern dürfte es zu diesem Punkt schon reichen – sowohl denen der Bild, die sich im Online-Forum unter der fortlaufenden "Skandal"-Berichterstattung auslassen, was man mit Menschen wie Herrn Dübel so anstellen sollte – als auch jenen, die noch nicht mal persönlich ein Arbeitsamt von innen gesehen haben müssen, um zu ahnen, unter welcher Klasse Mensch Hartz IV-Abgestempelte dort so laufen. Bügel-Kurse sind dort eine gängige Integrationsmaßnahme in den Arbeitsmarkt. Aber Bild setzt locker noch eines drauf – damit es bloß nicht langweilig wird mit der Geschichte des Herrn Dübel, der ja sowieso seit Jahren bekanntermaßen in diversen Talkshows das Gesicht des Hartz-IV-Empfängers mimt, was eigentlich mehr über diese Medien sagt, als über Herrn Dübel, weswegen Bild dringend dieser verselbstständigten Mediengeschichte einen ganz eigenen Dreh geben muss. Und siehe da, Bild hat sich mit großen, mitunter ökonomischen Erfolgsaussichten eigens um einen Job für Herrn Dübel bemüht:
03.02.2010, 00 Uhr 20: "Gar nicht übel! Arbo Dübel soll Popstar werden – vom Arbeitsamt auf die Showbühne"
Zwei Musikproduktionsfirmen bieten dem Langzeitsarbeitslosen einen Plattenvertrag an. Dübel soll einen „Arbeitslosen-Rap“ einsingen, untermalt von harten Beats und dem Zischen einer aufreißenden Bierdose. Im Refrain soll Dübel „Arbeit ist Scheiße“ grölen.
Am Ballermann zum Beispiel rechnet man mit einem Riesenerfolg des Songs. Denn Dübel sei ein großer "Sympathieträger für viele". Und weil man ja schön fair bleiben will, bekäme Herr Dübel, der neue "Ballermann-König", pro verkaufter CD 40 Cent. Wenn das mal keinen Unterhaltungswert verspricht - ganz getreu der Jahrhunderte alten Tradition der Schaustellerei, deren Prinzip es immer schon war, das Ab-Norme der Allgemeinheit vorzuführen, zunächst im 19. Jahrhundert das körperlich Entstellte, Missgebildete, dann das Hässliche, das Kranke, das Fremde. Aus dem schlichten Käfig, in dem die Menschen damals vorgeführt wurden, sind heute viele Käfige geworden: all die Ton- und Bild-Kanäle, die über Netz und Rundfunk empfangen werden. Und heute sind es vorzugsweise die Arbeitslosen, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen, ganz egal, ob es denn nun Arbeit für alle überhaupt gibt oder auch nicht - für alle anderen Ausstellungsobjekte der Vergangenheit gilt nun der Schutz der politischen Korrektheit. Wenn man da mal nicht von Fortschritt oder gar Zivilisation reden kann...
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Liebe Frau Lang,
klasse Artikel! Ich bin erhrlich begeistert, wie sie es schaffen dieses eigentlich traurige Thema doch noch mit einer Prise Humor zu würzen. Ich bekomme immer einen dicken Hals wenn ich solche Überschriften sehe. Ich habe eine Arbeit, aber ich weiß nur zu gut , wie schnell man aus dem System rausfliegen kann und wieviel unendliche Mühe es kostet, dann überhaupt noch eine Stelle zu finden. Diese Bild-Kampagne mit Herrn Dübel ist unglaublich hohl und inhaltlich sehr dumm!!! Ist das schon die erste Attacke von Friede Springer für Sozialkürzungen im Mai? Immer wieder läuft es nach dem selben Schema. Die Unterschicht und die Mittelschicht werden gegeneinander ausgespielt und in viele weitere kleinere subalterne Gruppen zerteilt. So kann die herrschende politische Klasse zusammen mit der Wirtschaft und zum Teil sogar mit den Gewerkschaften Politik gegen das Volk machen. "Die FDP setzt munter Forderungen für ihre Klientel durch" (a&k) und die Unterschicht darf sich mit Arno Dübel auseinandersetzen. Ich glaube der BILD-Zeitung sowieso nicht, aber selbst wenn sie die Wahrheit über diesen Menschen sagt, macht das jemand mit Anstand nicht, Menschen so zur Schau zu stellen, wie Sie es vollkommen zutreffend und menschlich einfühlsam in ihrem Text dargelegt haben. Danke dafür! Frau Friede Springer würde gegen eine solche Zurschaustellung ihres Privatlebens sicher nur alle denkbaren rechtlichen Geschütze auffahren, aber sie lebt ja auch von ihrem Kapital und gibt sich als die personifizierte Ehre. Ihr Name fällt so gut wie nie in der Bild-Zeitung und wenn dann nur bei der Verteilung von Wohltaten und Ehren. Als Single kommt man sich mit vielen Ansichten die heute dem Mainstream nicht entsprechen, schnell sehr vereinzelt und alleine vor! Ihr Artikel zeigt zum Glück, dass man in dieser Hinsicht die Realität trotz all ihrer Härten nicht aus der düstertsten Perspektive betrachten sollte. Herzliche Grüße por |
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Der Mörder ist immer der Gärtner, und der Faule ist immer der Arbeitslose. Der aber macht sich ein tolles Leben mit Rauchwaren und Schnaps aus fast keinem Geld. Er realisiert also die Utopie derer, die Arbeit haben, und dort, auf ihrer Arbeit, selber lieber schwänzen würden.
Übrigens, in Deutschland gibt es Schulzwang. - Und mit Schwarz-Gelb und Hartz 4 fast schon wieder Niedriglohnarbeitszwang. |
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Und diesen "Sinn" rauchte ich auch gern in der Pfeife.
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So etwas nennt man in der Psychologie wohl Kollusion. Dübel gibt gegen Honorar den faulen Arbeitslosen, um das Ressentiment vom faulen Arbeitslosen zu bedienen. Eine win-win-Situation für Dübel und "Bild".
Die größte Katastrophe wäre es aber, wenn morgen sämtliche "faulen" Hartz-IVer topmotiviert und mit Bildung bis Oberkante Unterlippe auf dem Arbeitsamt erscheinen und einen Job verlangen würden. Am Ende noch einen, von dem man leben kann. Dann wäre Holland in Not. Interessant ist auch, dass man im allgemeinen davon ausgeht, dass jeder, der einen Arbeitsplatz hat, auch tatsächlich arbeitet. Meine Erfahrung an einer Behörde sagt da etwas anderes. |
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Meiner Erfahrung nach weiß das Arbeitsamt mit arbeitswilligen Leuten nicht viel anzufangen - am wenigsten, wenn ein Arbeitsloser eine bessere Ausbildung hat als der sogenannte Vermittler, der am Ende nicht mal die Berufsbezeichnung kennt....
Klasse Artikel - Bild hat seit "Hans Esser" nicht mal seine Überschriften geändert, wies scheint. Traurig, dass immer noch so viele Menschen dafür zahlen. Das lässt mich, was die schweigende Masse in Deutschland angeht, doch immer sehr zweifeln. |
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Danke, Freitag, da braucht man nicht mal mehr Bild zu lesen, wenn man über Herrn D. informiert werden will. Mit ein bisschen Kulturkritik und Bild-Bashing gewürzt, und schon kann man sich an die Kampagne ranhängen. Meine Sympathien gehören weder Dübel (den ich in vieler Hinsicht als verwahrlost empfinde) noch der Bild (ebenso verwahrlost wie Dübel), sondern denen, die sich einerseits mit vielerlei Listen der Zwang zu entfremdeter Arbeit entziehen, andererseits aber allerlei Zumutungen auf sich nehmen, um ein Höchstmaß an Bewusstheit und Einsicht die gesellschaftliche Organisation der Arbeit unter dem Kommando des Kapitals zu gewinnen. Es wäre vielleicht sinnvoller gewesen, sich dazu mal zu äußern - oder darüber, warum ausgerechnet der Boulevard sich(über das politische Interesse hinaus) von Gestalten wie Dübel so magisch angezogen fühlt.
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In der Tat. Was soll uns der Artikel eigentlich sagen? Daß Bild auf Arbeitslose eindrischt und sich gleichzeitig stimmungsmachend als Koch's PR Agent betätigt? Wußten wir das nicht?
Wäre für mein Geschmack zB Gelegenheit gewesen, dem ver-dübel-ten Bedingungslosen Grundeinkommen auf die Beine zu helfen. Soll das vielleicht mit solchen Artikeln in immer weitere Ferne gerückt werden? |
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Lieber cnorthe,
ich glaube schon, dass man im Grunde nicht oft genug sagen kann, wie die "öffentliche Meinung" so gemacht wird. Im Grunde kann Bild doch auf eine Grundstimmung aufspringen, die ich bedenklich finde: Der Mensch ohne Arbeit ist eben immer noch das Ab-Norme. Es sollte endlich um eine Wertdebatte gehen, die Arbeit nicht mehr als wichtigstes Identitäts- und Status-Kennzeichen voraussetzt. Die protestantische Arbeitsethik trägt vielleicht nicht mehr?! Auch wenn sie mal eine nette Idee war... |
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Der arme Mensch! Was für ne verdammte Brainf***e!
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Ein super Artikel der mich hoffen lässt, dass nicht alle Leute so abgestumpft sind und mein Hang zur Desillusion dämpft. Danke!
Aber wohin mit den Überflüssigen? Ist es nicht so, dass die Arbeitslosen zum Sündenbock herhalten müssen, um den wahren Grund der strukturellen Massenarbeitslosigkeit zu verschleiern? Es ist doch viel einfacher diese Missstände zu personalisieren, bzw. den arbeitslosen Massen mangelnde Motivation und Qualifikation zu unterstellen. Sonst müssten die Verfechter der "Sozialen Marktwirtschaft" zugeben, dass eben die innere widersprüchliche Logik des Kapitalismus immer mehr sogenannte "Normalarbeitsverhältnisse" durch Transnationalisierungsprozesse verlagert, oder ganz abschafft. Sie müssten zugeben dass der Kapitalismus seine eigene Lebensgrundlage selbst auffrist. www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=schwerpunkte&index=8&posnr=1&backtext1=text1.php MÜßIGGÄNGER ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH Macht Arbeit frei? Der Mensch getrimmt durchs Arbeitsethos „Die Arbeit sei des Lebens Zier“ den Zwang verkannt und umgedeutet fleht manche Kreatur nach ihr Gar bettelnd drängen sie zu Markte der sie vom eigenen Willen trennt durch eingefolterte „Notwendigkeiten“ erscheint die Arbeit als Chance zur Existenz „Lasst uns faul in allen Sachen Nur nicht faul zu Lieb und Wein Nur nicht faul zur Faulheit sein“* Sie schreien, sie schreien, Arbeit über alles Aber macht Arbeit frei….?? opfert euch weiter euren Arbeitsgötzen jagt weiter euer scheintotes Phantom ihr werdet euch noch weiter an ihr laben der Illusion vom „gerechten Lohn“ Sein Leben bewusst erhalten heißt Bedürfnisse, in echter Freiheit, ohne Zwang in Selbstbestimmung zu gestalten doch durch den Zwang sich zu verkaufen wird Selbstbestimmung drangsaliert Bedürfnisse kaputt geschlagen denn Profit wird nur durch Ausbeutung generiert. *G.E. Lessing |
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"Die Liebe zur gut durchgeführten Arbeit und der Wunsch nach einem Vorwärtskommen in der Arbeit sind heute unauslöschliche Zeichen von Stumpfheit und allerdümmster Unterwerfung.
Deswegen bahnt sich überall dort, wo Unterwefung gefordert wird, der alte ideologische Furz seinen Weg, von dem "Arbeit macht frei" der Konzentrationslager bis zu den Reden von Henry Ford und Mao Tse-Tung." Raoul Vaneigem , Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen, 1967 |
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Da wiederholt sich aber jemand.
Da wäre dann auch mal eine längere Erläuterung angebracht. Punkt. |
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schrieb am
05.02.2010 um 14:40
@ich
So ist das Leben - lauter Wiederholungen. Was ist denn an diesem Zitat - und das nach seiner zweiten Verwendung - nicht zu verstehen? Wozu Moral gut ist, wer sie und zu welchen Zwecken in seinem obrigkeitlichen und herrschaftlichen Interesse in die Welt setzt, ist doch sehr schön kenntlich gemacht in diesem kurzen Zitat. Verweisen möchte auch auf den Link in dem Beitrag des Kollegen AEGAL, direkt hier über meinen bescheidenen Beiträgen. |
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zu "Florida Rolf" bitte hier nachlesen
www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2004/Florida-Rolf_Viagra-Kalle_Yacht-Hans.html wenn's geht, bis zum schluß. weil sonst der unterschied nicht klar wird. |
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Als Maßstab für Herrn Dübels späte Musikkarriere käme vielleicht folgendes possierliches Stück in Frage:
Nachlader - Arbeitsgeld |
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Den Artikel finde ich sehr gut und treffend geschrieben.
Diese Diskussion über die sog. faulen HartzIV-Bezieher ist doch vollkommen blödsinnig. Es gibt keine Jobs für sie. Es wird in diesem System des Wirtschaftens immer eine große Anzahl von Arbeitslosen geben. Die, die noch arbeiten, können dankbar sein, wenn sich einige freiwillig ein Leben als Arbeitsloser wählen und nicht bereit sind, ehemals gut bezahlte Jobs für einen Hungerlohn zu übernehmen. Arbeitsverweigerer sind Niedriglohnarbeitsverweigerer und stabilisieren das Lohngefüge. Es ist nur eine Minderheit, die sich mit dem HartzIV-Satz zufrieden gibt. Die meisten wollen einen Job - menschenwürdige Arbeit mit gerechter Entlohnung. Warum wird nicht dafür gesorgt, dass es sie gibt? Und da kommen wir auch schon zur flächendeckenden Arbeitsverweigerung unserer Politiker. Natürlich kann die Politik Rahmenbedingungen schaffen, in denen die Arbeit und der erarbeitete Reichtum unserer Gesellschaft besser verteilt werden. Aber unsere Politiker – die faulen Säcke und Mehrfachabzocker – lassen sich lieber auf irgendwelchen Lobbyistenempfängen mit Schampus voll laufen und veruntreuen unsere Steuergelder. Ein ganz anderes Kaliber als Dübel. Das wäre doch mal ein Serienthema von allgemeinem Interesse. Was mir am Fall Dübel auch übel aufstößt ist, dass er anscheinend von Bild angestiftet wird, seine Millionen HartzIV-Kollegen in ein schlechtes Licht zu rücken und letztlich dafür zu sorgen, dass sie demnächst mit „Zwangsarbeit“ und verringerten Zuwendungen noch massiver unter Druck gesetzt werden. |
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„Aber unsere Politiker – die faulen Säcke und Mehrfachabzocker – lassen sich lieber auf irgendwelchen Lobbyistenempfängen mit Schampus voll laufen und veruntreuen unsere Steuergelder.“
Das ist eine populistische, leicht satirische Antwort auf die Hetzkampagne gegen HartzIV Bezieher. Es gibt natürlich auch andere Politiker.:) |
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Genau, und dann werden sie Popstars, erinnere nur an Schröders "Hol mir mal 'ne Flasche Bier"-Durchbruch in den Charts ;)
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MENSCHEN UND MASSNAHMEN
Neues von der Arbeitsagentur Qualifizierungskurs: Arbeitslose singen Streiklieder! gefördert von der Agentur für Arbeit mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Jobcafé. Das Singen von Streikliedern stärkt nachhaltig das Selbstbewusstsein unserer Kunden und verschafft ihnen ein nachhaltiges Gemeinschaftserlebnis. Neue soziale Strukturen werden in anarchistischen Gruppengesängen ganz spielerisch eingeübt. Mit Pauken und Trompeten werden Werte wie Pünktlichkeit und Fleiss vermittelt und so die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöht. Parallel dazu beginnt der Qualifizierungskurs „Ein Euro-Jobber singen Streiklieder“. Natürlich abends, damit vorher die Arbeit erledigt werden kann. Über die Einrichtung der Maßnahme „Aufstocker singen Streiklieder“ wird noch nachgedacht. Neue Selbsthilfegruppe Die arbeitslosen Arbeitsvermittler haben inzwischen auch eine Selbsthilfegruppe gegründet und wenden sich geschlossen wegen Arbeitsvermittlung an ihre noch arbeitenden Kollegen. Ihre Arbeitsagentur meint: Ein ausgezeichnetes Beispiel für gute Zusammenarbeit! Katalog Der neue Maßnahmenkatalog der Agentur für Arbeit ist erschienen. Bitte sofort abholen! Eine Zusendung ist aus Kostengründen leider nicht möglich. Frische Farbe Die Wartewaben im Wartebereich des Integrationscenters für Arbeit (IA) wurden jetzt grün gestrichen, weil grün nachweislich eine beruhigende Wirkung hat. Wir wünschen unseren Kunden noch mehr Spaß beim Warten. Umschulung zum Neonazi. Inklusive eines dreimonatigen Praktikums im Führerbunker. Sie arbeiten in einer zukunftsträchtigen, dynamischen Wachstumsbranche an verschiedenen Einsatzorten, auch im Ausland. Bedingung ist die deutsche Staatsangehörigkeit. Österreichische Staatsbürger können vor Beginn eingedeutscht werden! Der rechte Arm sollte vorhanden, nicht gelähmt und voll funktionsfähig sein. Wir erwarten knallhartes Durchsetzungsvermögen und die Bereitschaft, auch zu ungewöhnlichen Zeiten und an Wochenenden zu arbeiten. Fühlen Sie sich angesprochen? Sofort bei uns melden! Zusammenlegung Achtung, Achtung: Hartz IV und Sterbehilfe werden jetzt wegen Sparmaßnahmen zusammengelegt. Bitte schon mal dazulegen. Da gibt es doch genug coole Jobs - auf Dübel komm raus! ... |
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Die Veranstaltung "Arbeitslose singen Streiklieder" ist natürlich fulminant! - - -
Ich definiere eh lieber Tätigsein, was machen, was begreifen - statt Arbeit, die nur noch im kapitalen Vernutzungsverband der Gesellschaft ihren Wert und ihren Abwertungswert hat. Arbeit in einer globalen kapitalen Welt ist scheisse, auch am eigenen Wohnort. Wir/Ich wollen anders "arbeiten". |
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Ballett der Absagen
Tänzerinnen und Tänzer mit umgehängten großen Plakaten, auf denen Original-Absagen stehen, fassen sich an den Händen und drehen sich immer schneller im Kreis. In der Mitte, auf einem Scheiterhaufen aus Aktenordnern sitzend, salbadert die Sozialberatung (deutlich beschriftet) immer lauter und lauter. Auf einer Leiter steht die Agentur für Arbeit und wirft unablässig Geldscheine auf die Sozialberatung herab. Von Zeit zu Zeit steht die Sozialberatung auf und zündet einige Geldscheine an. Nun singen die Tänzer, mal laut und mal leise, in abwechselnden Tonhöhen, kurze Passagen aus den Absagen. Zum Beispiel: Vielen Dank für Ihr Interesse, haben uns leider für einen anderen Bewerber entschieden, Ihre Unterlagen haben wir der Vernichtung (ganz laut mit schrillem Ton!) zugeführt. Die Sozialberatung schreit Worte dazwischen: Profiling, social engineering; das Arbeitsamt brüllt unablässig: Weiterqualifizieren! Der Tanz der Absagen wird immer schneller. Schwarzer, stinkender Rauch wird auf die Bühne geleitet, der Lärm schwillt infernalisch an. Die Tänzer sterben. Nur Sozialberatung und Arbeitsamt überleben und kriechen hilflos umher. Graue Formulare rieseln in den Zuschauerraum. Vorhang Als Musik schlage ich Auszüge von Orff: Carmina burana vor. Auffführungsort: Arbeitsamt |
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Die Arbeitsmärkte des Westens errodieren rasend schnell, die Arbeitslosenstatistiken hinken hinter den realen Verhältnissen in der "modernen" Erwerbswelt hinterher, unsere Rechte (und Teile der übergelaufenen Linken) schmückt sich entgegen aller wissenschaftlicher Erkenntnisse mit Begriffen wie Vollzeitbeschäftigung und schmiedet damit ein politisches Prügelinstrument gegen "die Arbeitslosen", die ja eh alle zu faul sind und durchaus arbeiten könnten, wenn sie denn wollten- nur eben: Diese "falschen Anreize" unserer sozialen Sicherungssysteme, DIE sind an allem schuld, deshalb gibt es ja all diese faulen Subjekte- ohne Sozialstaat, ach, da ginge es allen viel, viel besser! Dabei wird gerne immer wieder vergessen, dass die ersten sozialen Sicherungssysteme nicht etwa das Resultat purer Nächstenliebe waren, sondern vielmehr dem macht- und innenpolitischen Kalkül Bismarcks entsprungen sind, der sich der gefährlichen Macht der gerade eben entstandenen Arbeiterschicht im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert sehr wohl bewusst war.
Da unsere Leistungs"eliten" sehr wohl wissen, dass nur die allerwenigsten Menschen die Wirklichkeit in der Arbeitswelt kennen, werden prägnante Plots mit Figuren wie diesem Dübel (welch passender Name!) geschmiedet- einem Claim gleich- um damit ihre ursprüngliche Message im Bewusstein der Menschen zu verankern: Alle Arbeitslosen sind in Wirklichkeit zu faul, es hat genügend Arbeit für alle! Um was für Arbeit es sich dabei handelt, wird natürlich wohlweislich verschwiegen. Man muss eine Lüge nur lange genug wiederholen, dann wird sie zur Wahrheit. |
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Leider merkt der deuschte Michel nicht, was mit diesen Kampagnen erreicht werden soll. Der "Mittelstand" soll sehen, dass die Bösen die HARTZ IVer sind, nicht die Politiker oder Banker. Der "Mittelstand" soll denken, wie gut es ihm geht und das er dankbar die Lohnkürzung, statt der Entlassung hinnehmen soll. Der "Mittelstand" soll sehen, dass der Kriminelle der Datendieb ist, nicht die Steuerdiebe oder die Politiker die Steuerhinterziehung decken (Hessen).
Der "Mittelstand" muss endlich erkennen, dass sein Stuhlbein bis über die Hälfte durchgesägt ist. "Unterschicht" und "Mittelstand" müssen zueinander finden und erkennen das beide im selben Boot sitzen! Die Macht dieser beiden Gruppen wäre unbezwingbar. Alle Räder stehen still..... |
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Von der Formalität des Prinzips her stimme ich Dir zu. Bei Zurhilfenahme historischen Denkens nicht.
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Was an diesem Artikel gut, klasse oder gar toll sein soll, erschließt sich mir (noch) nicht.
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Gemessen an der Intensität der aktuellen und massiv gelenkten Hetzkampagne müssen sich die so Angemachten ja auf einiges gefasst machen: egal ob „in Arbeit“ oder Ohne.
Da zappt man durch die einschlägigen privaten und öffentlich-rechtlichen Erziehungsprogramme und die immer gleichen Einpeitscher untertanenmoralischer Schafsgesinnung hetzen um die Wette, dass einen nur noch schlecht werden kann. Ganz vorneweg die Avantgarde des deutschnationalen Journalismus vom Schlage Maischberger (Bertelsmann zahlt halt seinen Agenten ein mehr als fürstliches Salär, da kann so ein Dübel nur von träumen) Kerner und Lanz (von wegen nur die böse Blödzeitung – der Dübel saß bei Maischberger als erstes auf dem Prangersofa, nachdem der Typ in den letzten Jahren durch fast alle Nachmittagstalkshows durchgereicht wurde), „Berichte“ in TV-Magazinen und Nachrichtensendungen mit den gleichen hetzenden Inhalten. Ständig die gleichen widerlichen A….löcher, die unwidersprochen ihre arbeitsmoralische Melange aus pfäffischen Protestantismus, Sozialdarwinismus und Lebensfeindlichkeit gleich kübelweise auf den unvorbereiteten Zuschauer ablassen. Ganz selbstverständlich, in so einer Runde vorbildlich-demokratischer Diskurskultur, ist es, das ein Kritiker dieser freiheitlich-demokratischen Lebenspraxis für Millionen von Menschen nicht vorgesehen ist (Heiner Geissler! darf diesen Part dann simulieren). Die Buschkowskys, Gersters, Henkels und Sinns dürfen dann ihre Galle unwidersprochen, und immer wieder unterfüttert mit neuen Stichwörtern aus der Ecke der beflissenen Schmierenjournaille, ablassen. Immer wieder auch das Selbe Muster der öffentlichen Hinrichtung: Neben dem sozial schmarotzenden Delinquenten sitzt die/der (meist ausgemergelte und physisch wie psychisch genauso fertige) Malocher/in, der/die 180000 Stunden die Woche für eine Stulle Brot arbeiten geht: Anerkennung, großes Lob und ganz viel Streicheleinheiten für den vorbildlichen, total entkernten und entseelten Marktroboter und Opferdeutschen der Zukunft(?). Dieses, für die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands, notwendige Elend ist für Millionen von Menschen heute schon Realität – damit Deutschland auf dem Rücken des herbeiregierten Elends wieder fit werden kann und die derzeitigen und zukünftigen Opfer auch die Fresse halten, kuschen, nicht frech werden oder gar noch etwas vom Leben erwarten, jagt eine Moralkampagne die Andere – und die, die doch frech werden, mit denen fertig zu werden, da hat Deutschland viel Übung und Erfahrung. Gute Nacht |
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Skal
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Genau! Ein schön formulierter Zorn, dem ich mich nur anschließen kann.
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liebe Susanne,
was mir an deinem Artikel gefehlt hat, haben die Kommentare, allen voran die von Fro, THX1138 und Phineas Freek dann nachgeholt. Und diesem Pornoblatt der Friede Springer und ihrem geölten Lakaien gegenüber kann es keine Fairness geben, nicht mal in der Wortwahl (ich muß schon echt aufpassen, was ich grade schreibe). So! Was anderes liegt mir aber noch am Herzen, kam schon so am Rande, und ich hab´in ´nem anderen Blog (Die drei Zitate - Serie - 2) was dazu geschrieben, hier bloß kurz: Ich halte Faulheit für ein Grundrecht, daß nicht nur der herrschenden (besitzenden) Klasse zugestanden werden darf, und aus diesem Grund wende ich mich auch gegen jede Forderung nach Mindestlöhnen. Wer ein bischen was kriegen will, muß alles fordern: der Kuchen ist ja da, bloß seltsam unter den Anwesenden verteilt. Wie THX1138´ Bemerkung über Bismarcks Intention: Ohne den nötigen Druck passiert nichts, es wird höchstens noch übler... mfg cf |
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wahrscheinlich brauchen wir erst noch ein paar mehr Promis, die über ihr Burn Out Syndrom schreiben, bis über ein Recht auf Faulheit wenigstens mal nachgedacht werden darf...:)
Die Frage des nötigen Drucks finde ich spannend: Wie kann man den erzeugen? |
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@rheinelbe,
einfach nur genial, bitte mehr davon! |
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Schöner Artikel! Ich hab eben Tränen gelacht!!! ...obwohl das Thema natürlich eigentlich ein Trauerspiel ist. Aber man kann dieser Art "Realitätswahrnehmung des modern geBILDeten Mitbürgers" nur mit derartigem Zynismus begegnen. Wäre eigentlich Stoff für`s Polit-Kabarett.
@ Nachlader - Arbeitsgeld Auf den ersten Blick ein witziger Song. Denk ich darüber nach, fällt mir jedoch auf, dass der Text hätte anders lauten können. Die Lösung des ganzen Problems liegt langfristig nicht darin "Geld ohne Arbeit" (z.B. in Form des BGE) zu erhalten, sondern darin lautstark und vereint "Arbeit ohne Geld" zu fordern!!! Aber nicht etwa im Sinne von Wertabspaltung als "ehrenamtliche Arbeit" oder sonstigen Varianten nur für "Arbeitslose", sondern als grundlegendes gesellschaftliches Prinzip für alle!!! In diesem Sinne stimme ich @ Reiner Kühn zu der mein "Wir/Ich wollen anders "arbeiten"" - ganz genau! Nämlich ohne die Formbestimmung Arbeit = Verwertung zu setzen! Denn das bedeutet, dass der Mensch als Schöpfer aller durch Arbeit erzeugten Dinge selbst einen Kostenfaktor darstellt. Das ist paradox, wenn man mal darüber nachdenkt und führt in der Endkonsequenz genau zu der Logik, die wir heute haben: Arbeitslosigkeit. Übrigens - ich hab irgendwann auf einer Punk-Seite mal einen witzigen Spruch gelesen: "Wenn Arbeit was geiles wäre, würden die Bonzen sie für sich behalten wollen!" In diesem Sinne... |
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Eine Ergänzung: Herr Dübel war gestern Abend zu Gast bei - na? Richtig. Johannes B. Kerner. Jetzt ist das Panoptikum perfekt...
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Auf Herrn Dübel müsste sein Arbeitsvermittler eigentlich stolz sein. Er hat seine Marktnische gefunden und verkauft sich dort offensiv - genau wie es jedem Arbeitslosen beim Bewerbungstraining eingebimmst wird. Und die FDP sollte ihm die Ehrenmitgliedschaft antragen, so perfekt spielt er für deren Klientel seinen Part als Gruselmonster aus dem Herz der Finsternis des Kontinents Unterschicht. Ich war kurzzeitig verwirrt, als ich gestern Abend im ZDF jemand anderen den arbeitsunwilligen Hartz-IVer geben sah; doch Dübel war ja schon bei Kerner und somit für diesen Termin ausgebucht.
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Public Relations ist dem sogenannten "Herrn Dübel" ja nicht unbekannt, wie ich auch feststellen muß. Ist er denn überhaupt arbeitslos im gesetzlichen Sinne, da er ja offenkundig wohl freier Mitarbeiter bei diversen medialen Multiplikatoren ist?
Warum er als vorgeblich fauler Arbeitsloser oder besser noch in der Sprache des dritten Reichs gesagt, Asozialer der jede Arbeit verweigert so im Mainstream ankommt verwundert mich. Haben öffentlich rechtliche Rundfunkanstalten keinerlei Ethik mehr? Muß denn tatsächlich jeder bezahlte Betrüger oder Heuchler eingeladen und bezahlt werden? Für mich ist jedenfalls klar....dieses öffentlich rechtliche erfüllt seinen Bildungsaufttrag nicht mehr. |
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Liebe Susanne,
wenn ich deine Frage beantworten könnte, hätt´ ich keine Zeit, mich hier zu äußern, dann wär´s vielleicht auch garnicht nötig, drüber zu reden oder zu schreiben: dann wäre das nötige Bewußtsein vorhanden. Dieses den Leuten auszutreiben war nicht so schwer, aber leider fällt mir auch kein Weg ein, die Köpfe wieder wachzurütteln. Noch sind es bloß 10%, die unten rausfallen, zuwenig, als daß sich das Gross der Arbeitssklaven solidarisieren will, noch stärkt diese Politik nur die Konkurrenz untereinander. Und ganz ehrlich: Unser Lebensstil, selbst wenn wir uns in den reichen Ländern wirklich massiv mäßigten, er tötet weltweit; die Logik der Ausbeutung lässt mich oft ratlos dastehen... mfg cf |
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Liebe Susanne,
wenn ich deine Frage beantworten könnte, hätt´ ich keine Zeit, mich hier zu äußern, dann wär´s vielleicht auch garnicht nötig, drüber zu reden oder zu schreiben: dann wäre das nötige Bewußtsein vorhanden. Dieses den Leuten auszutreiben war nicht so schwer, aber leider fällt mir auch kein Weg ein, die Köpfe wieder wachzurütteln. Noch sind es bloß 10%, die unten rausfallen, zuwenig, als daß sich das Gross der Arbeitssklaven solidarisieren will, noch stärkt diese Politik nur die Konkurrenz untereinander. Und ganz ehrlich: Unser Lebensstil, selbst wenn wir uns in den reichen Ländern wirklich massiv mäßigten, er tötet weltweit; die Logik der Ausbeutung lässt mich oft nur ratlos dastehen... mfg cf |
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Neue 1 Euro-Jobs vom Amt!
Hallo Herr Dübel, Ihre Agentur für Arbeit bietet diese Woche folgende Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) an: 1. Rote Autos zählen, 2. grüne Autos zählen, 3. ganz laaangsaham den Hof fegen, 4. ganz laaangsaham den Hof verschmutzen, 5. Maulaffen feilhalten auf dem Hof einer weiterführenden Schule! 6. Drehtür zuschlagen am Rathaus unter sozialpädagogischer Aufsicht. Wer gelbe Autos zählen will, muss sich dazu das graue Antragsformular 6^1237oha!2315XX08/15 in der Zeit zwischen 11.30-11.32 Uhr montags in acht Tagen in Zimmer 326 abholen und doppelt in DRUCKBUCHSTABEN beschrieben wieder abgeben (gegen Quittung! Bitte gut aufbewahren). Ansonsten bieten wir noch eine prima Umschulung zum Eintänzer in der Fischbratküche an. Voraussetzung ist der Angelschein. Bitte sofort melden! |
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Neue 1 Euro-Jobs vom Amt!
Folgende Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) sind in dieser Woche zu besetzen: 1. Rote Autos zählen, 2. grüne Autos zählen, 3. ganz laaangsaham den Hof fegen, 4. ganz laaangsaham den Hof verschmutzen, 5. Maulaffen feilhalten auf dem Hof einer weiterführenden Schule! 6. Drehtür zuschlagen am Rathaus. Wer gelbe Autos zählen will, muss sich dazu das graue Antragsformular 6^1237oha!2315XX08/15 in der Zeit zwischen 11.30-11.32 Uhr montags in acht Tagen in Zimmer 326 abholen und doppelt in DRUCKBUCHSTABEN beschrieben wieder abgeben (gegen Quittung! Bitte gut aufbewahren). Ansonsten bieten wir noch eine prima Umschulung zum Eintänzer in der Fischbratküche an. Voraussetzung ist der Angelschein. Bitte sofort melden! |
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supi, danke
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Das wirklich schlimme ist, dass die Leute darauf anspringen und sich von Bild u. Co. sagen lassen, auf wen sie einzuschlagen haben. Auch wenn es ihnen selber nicht besser geht.
Was eigentlich mit klarer Vernunft zu sehen ist und systemimmanent ist - dass eben nicht jeder Arbeitswillige überhaupt einen Job kriegen kann, der überdies auch noch seinen Qualifikationen entspricht - wird durch bestimmte Einzelbeispiele geschickt überschrien. Einst dachte ich, Bild u. Co. ginge es einzig um den besten tagesaktuellen Aufreißer; einzig, damit der Absatz floriert. Mittlerweile vermute ich auch schon Kalkül dahinter. Im Zusammenspiel mit Politikern, die sich auch immer häufiger aus der Deckung wagen, das letzte an vielleicht irgendwie vorhandener Solidarität ìm Volke` zu zerstören. |
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Was mir am Artikel allerdings nicht gefällt, ist die Formulierung "... zur Unterhaltung der Normalos".
Ich weiß, es geht im Artikel weniger um die soziale Tragweite als um den medialen Rattenschwanz, den dieser Hetz-Aufmacher nach sich zieht. Trotzdem passt mir die unterstrichene Distinktion vom "normalen Volk" nicht; sie ist gerade in diesem Zusammenhang wenig hilfreich. Jedem wird auch klar sein, dass der Freitag eher ein bürgerliches Gebildeten-Blatt ist, dass doch aber "irgendwie links" sein will. Und dann sollte man weniger von oben herab "auf`s Volk" schauen. Irgendwie wird dadurch implizit, dass letztlich "das Volk" ohnehin selber schuld sei - weil es eben, naja, etwas zu schlicht im Geiste ist. Gerade dieser Themenkreis der aktuellen Sozialproblematik ist zu ernst und umfassend, als dass er ausschließlich ein Problem der "Normalos" wäre. |
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Liebe(r) miauxx,
die Formulierung "Normalos" verwende ich mit Distanz, das ist mir nochmal wichtig, klarzustellen. In der Logik von Bild und Co. sind eben diejenigen, die zwar Arbeiten, aber im Grunde auch sehr gerne faul wären, und deshalb um so lieber auf Leute wie Dübel losgehen, die "Normalos", die dann unterhalten werden wollen. Über "das Volk" will ich mich da nicht stellen, ohne so genau zu wissen, ob ich mich "irgendwie links" verorten möchte (weiß nämlich nicht, was das sein soll), versuche nur, den Mechanismus zu beschreiben, und ja, zu kritisieren. Beste Grüße Susanne Lang |
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Das Erschreckende an der ganzen Geschichte ist für mich persönlich, dass sogar Menschen aus meinem Umfeld, Akademiker, die sich für links halten, darauf reinfallen. Sie stimmen ein und schimpfen über ausbildungsunwillige und Vandalismus betreibende Jugendliche. Ohne sich zu überlegen ob sie sich denn dafür abstrampeln würden, einen Ausbildungsplatz egal wo zu bekommen und dann dankbar dafür zu sein. Meine Geschichte zu dem Thema: www.freitag.de/community/blogs/mueslikind/warum-heldinnen-nie-leistungstraeger-werden
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Anscheinend haben die Vielen, die nur Blödsinn schreiben, noch nicht begriffen, was Ursache und Wirkung war und ist.
Ich helfe diesen Unwissenden mal auf die Sprünge: Am Anfang war, als Produkt des Kapitalismus, die Arbeitslosigkeit, die höher und höher wurde. Aus diesem Grunde wurde dann irgendwann eine Arbeitslosenunterstützung eingeführt, damit die Betroffenen Leute sich wenigstens irgendwie über Wasser halten können. Diese Unterstützungsleistung (so wie auch das ALG II) wurde demnach also nicht dazu eingeführt, um die "Arbeitenden" auf die Idee zu bringen, zu Hause zu bleiben und zu "faulenzen". Die Transferleistungen sind doch das Mindeste, was ein Staat als Entschädigung zur Verfügung stellen muss, wenn er schon einen großen Teil seiner Staatsbürger nicht in angemessene Arbeitsverhältnisse bringen kann und will. Warum sollte also der Betroffene in Form von Zwangsarbeit dem Staat etwas zurückgeben müssen ? |
Ausgabe 10/10
11.03.2010
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