Alltag

Alltagskino | 03.09.2010 16:05 | Mikael Krogerus

Panik und Attacke

Unser Kolumnist Mikael Krogerus teilt seinen exklusiven Geschmack mit Tausenden und findet "Der weiße Hai" großartig - weil er von mehr als einem Blechfisch handelt

Was habe ich gesehen? Der weiße Hai von Steven Spielberg, 1975, Laufzeit: 124 min.

Produktionskosten: 7 Millionen US-Dollar.

Einnahmen: 475 Millionen US-Dollar.

Warum habe ich es gesehen?

Es sind bei uns die Roy-Scheider-Wochen, dies ist vielleicht sein bester Film.

Worum geht es?

Vor Amity, einer reizenden Sommer-Insel in New England, USA, schwimmt ein Hai. Ein großer Hai. Mehrere Badende und Fischer werden gefressen. Panik bricht aus. Ein kreuzbraver Polizist (Roy Scheider), ein crazy Meeresbiologe (Richard Dreyfuss) und ein knochentrockener Hochseefischer (Robert Shaw) machen sich nach einigem Hin und Her auf die Jagd nach dem Tier.

Was bleibt?

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Es ist einer meiner Lieblingsfilme (ich habe also den gleichen Lieblingsfilm wie Tausende andere Menschen, die auch alle meinen, ihr Geschmack sei etwas Besonderes). Ich liebe jede Szene, jede Sekunde dieses Films. Nur Erstseher werden sich an dem etwas zu groß geratenem Blech-Hai stören, der durch die Kulisse schwimmt. Tatsächlich handelt dieser Film von so viel mehr: von dem Versuch, den Schein zu wahren („Amity, as you know, means Friendship“), von Amerika in den 1970ern, von der Angst der Menschen vor dem Unbekannten (genauer: Unsichtbaren). Er handelt von der Lust an dieser Angst. Und er handelt ganz nebenbei von drei anregend unterschiedlichen Männer-Entwürfen, die alle auf ganz wunderbare Weise heldenhafte Versager sind.

Welche ist die stärkste Szene?

Diese, in der Fischer Quint über die USS Indianapolis spricht:

 

(Wichtig für den Kontext: Zuvor haben sich die drei Männer in einer ebenfalls hinreißenden Szene Witze erzählt und mit ihren Narben geprahlt.)

Steven Spielberg wollte eigentlich, dass Lee Marvin den Quint spielt. Es wurde Robert Shaw. Die Szene rechtfertigt den Cast. Es ist einer der Top-3-Filmmonologe.

Welche Figur wäre ich gern? John Milius. Der Drehbuchautor, der die genannte USS-Indianapolis-Szene textete.

Der Film in einem Satz: „There is a fine line between bravery and stupidity.“

Was sehe ich als nächstes? Enter The Void.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
ed2murrow schrieb am 03.09.2010 um 19:27


Ganz Ihrer Meinung, Mikael Krogerus, ein wirklich guter Monolog in der passenden Umgebung. Es sollte nicht vergessen werden, dass die unkontrollierte, unkontrollierbare Bedrohung durch etwas besonders Großes, Getriebenes schon in „Duell“ zu sehen war.


Truck und Fisch ähneln sich darin. Das, was sie lenkt, bleibt unsichtbar, (Killer-)Instinkt? Um letztlich die Sätze zu umrahmen, die Spielberg Jahre später mit der Landungsszene in der Normandie bei „Saving Private Ryan“ vergeblich versucht hat, in Bildern auszudrücken.

Das ist der Grund, warum ich mir Nosferatu ansehe, gerne im Doppelpack bei Murnau und Herzog, DVD-Technik sei Dank

Gustlik schrieb am 04.09.2010 um 18:22
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