Was habe ich gesehen?
Shaun das Schaf, erste Staffel, 2007, Laufzeit: 10 x 7 min, von Nick Park.
Warum habe ich es gesehen?
Geplant war das Handball-WM-Finale, Schweden gegen Dänemark. Aber Schweden schied im Halbfinale zu Recht gegen den späteren Weltmeister Frankreich aus. Manchmal muss man sein Sehverhalten der Wirklichkeit anpassen. Inzwischen bin ich Skifahren mit den Kindern. Die lange Zugfahrt wird überbrückt mit dem besten, was die BBC seit der Sitcom Blackadder hervorgebracht hat: Shaun das Schaf.
Worum geht es?
Um die herzzerreissend schöne Vorstellung, dass sich Tiere (in diesem Fall Schafe, Hunde, Schweine), wenn niemand hinschaut, wie Menschen benehmen. Es ist die alte Gary Larson-Idee, dass Tiere ein Eigenleben haben, das mindestens so neurotisch ist wie das unsere.
Was bleibt?
Der Film in der Stop-Motion-Technik stammt von Nick Park. Ihm ist etwas wahrlich seltenes gelungen: er hat sein eigenes Meisterwerk (Wallace & Gromit), das viele für das beste halten, was jemals im animierten Film geschaffen wurde, übertroffen. Das ist so, als ob Roger Federer plötzlich als Konzertpianist bei den Philharmonikern reüssieren würde. Als ob die Aposteln nach der Bibel noch Der Name der Rose verfasst hätten, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Für mich jedenfalls verdient Nick Park allein für die Auftaktsequenz (die Schafe machen morgendliche Turnübungen in der Scheune) den Oscar. Und den Friedensnobelpreis; nie bin ich friedfertiger, nie gleichmütiger mit meinen Kindern als während einer Episode von Shaun das Schaf. (Dass jede Folge zeitgemäß und kindgerecht bloß 7 Minuten dauert und ohne Worte auskommt, ist ein nicht zu verachtender add-on).
Diese Frage stellt der Film:
Vergleichen Sie Ihren Lebens-Partner mit einem Tier. Welches wäre es?
Der Film in einem Satz:
Vermittelt das Eigenleben von Tieren besser als eine wochenlange Lektüre von Jonathan Safran Foer und George Orwell.
Wer sollte es sehen?
Jeder, der Kinder hat.
Was sehe ich als nächstes?
Vorschläge?
Unser Kolumnist Mikael Krogerus sieht sich jede Woche einen Film an. Vergangene Woche sah er Cocksucker Blues.
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"Ja Shaun das Schaf ist Shaun das Schaf, es macht gern Unsinn und ist nicht besonders brav...", funktioniert auch ohne Kinder, immer sonntags kurz vor dem Presseclub, das Timing ist manchmal sehr angenehm. Am Rande: Roger Federer war einmal, der neue Hero heisst Nadal.
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Ja, aber Nick Park war auch einmal ein Hero. Und dann, aus dem Nichts, als niemand mehr mit ihm rechnete, legte er so ein Meisterwerk hin wie Shaun… übrigens würde ich Federer nicht abschreiben. Porgnose: Wimbledon Sieg 2011. (Nadal ist, wenn es mir Recht ist, öfter verletzt als Arjen Robben).
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Herr Krogerus, Federer ist nicht mehr der jüngste, macht nur noch Furore als Werbestar, auch wenn er 2012 in London den Titel holen will; den hat er nämlich nicht, aber Nadal...! Aber Nick Park, ja, zu recht preisgekrönt. Da gibts dieses ganz dicke Schaf in dessen Wolle immer Gegenstände liegen, köstlich. Und jetzt hab ich den Song als Ohrwurm. Schönes Wochenende.
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Ausgabe 20/2012
16.05.2012
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