Alltag

Ritual der Woche | 23.04.2011 12:00 | Axel Brüggemann

Ab heute ist gelb dann grün!

Die Politik glaubt an die Wiedergeburt. Aber warum können Westerwelle und Co. etwas, was Normalsterbliche nicht können?

Manchmal möchte ich so sein wie er. Damit wir uns nicht missverstehen: Ich mag Guido Westerwelle nicht. Eigentlich nichts an ihm: weder seinen zickigen Charakter, noch seine aufgesetzte Gestik – und schon gar nicht seine politischen Vorschläge. Aber wenn ich ihn so sehe, denke ich manchmal: Der ist wie ein Osterhase. Oder mehr noch: wie ein Heiland. Er ist einer, der sich schon auf Erden unendliche Male wiedergeboren hat. Aus dem Guidomobil-Guido wurde der Freiheitsstatue-Guido und dann Guido der Staatsmann – auch wenn ihm das nicht alle abnehmen wollten. Aber allein in den letzten Wochen war er der Dafür- und der Dagegen-Guido. Atomkraft, Libyen, mit und ohne Parteivorsitz. Heute so. Und morgen ganz anders.

Ja, manchmal werden wir gewöhnlichen Fernsehzuschauer neidisch, wie schnell Politiker sich neu erfinden können. Wenn ich mir vorstelle, dass ich am Frühstückstisch sitze und meiner Tochter erkläre: „Kind, ab heute ist gelb grün“, lacht sie und denkt, wir machen das „Umgedrehtspiel“. Das Spiel, in dem wir sagen „Du bist doof“ und meinen: „Ich hab Dich lieb.“ Meine Tochter liebt dieses Spiel. Vielleicht wird sie irgendwann Politikerin.

Die Wiedergeburt ist normal

Der Unterschied zwischen mir und Guido Westerwelle ist, dass ihm die Farbe Gelb gehört – und mir nicht. Auf jeden Fall glaubt er das. Klar, ich kann zu Hause sagen: „Bis heute habe ich den Müll rausgebracht, ab morgen macht ihr das.“ Aber meine Familie ist so demokratisch, dass das nicht ohne lange Debatte funktionieren würde. Meine Tochter würde sagen, dass sie mitbestimme, was gelb ist und was nicht. Schließlich gehöre ihr die Farbe ebenso. Am Ende würde ich weiter den Müll rausbringen.

Wahrscheinlich ist die Politik die einzige Sphäre in diesem wenig religiösen Land, in der man noch fest an die Auferstehung glaubt. In der Politik ist das Umdefinieren – und die Wiedergeburt als jemand ganz anderes vollkommen normal. So macht es die Kanzlerin, so macht es der Außenminister, so hat es Oskar Lafontaine gemacht und so machen es derzeit die Grünen als neue Konservative. Nur wir Normalsterblichen müssen immer dieselben bleiben.

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Für uns ist es ungleich schwerer, sich über Nacht als jemand anderes neu zu erfinden. Es ist uns unmöglich, nach einem Seitensprung einfach zu sagen: „Ach Schatz, Schwamm drüber, war ein Ausrutscher.“ Und selbst der privat-politische Kurswechsel ist für uns unvorstellbar. Wie wäre es nur, wenn ich jahrzehntelang Atomkraft-Nein-Danke-Sticker an der Tür hatte, mein Freundeskreis mich als Anti-AKW-Aktivisten kennt und ich – vielleicht weil ich eine Eingebung hatte – irgendwann aufstehe und sage: „Leute, ab heute bin ich in der FDP.“ Meine Freunde würden mich für verrückt erklären. Wenn ich überhaupt noch welche hätte. Denn wer will schon einen Prinzipien-Verräter als Kumpel.

Der zentrale Unterschied ist, dass Politiker eben nicht nur sich neu erfinden, sondern ihre gesamte Anhängerschaft gleich mit. Nehmen wir noch mal Guido Westerwelle. Der ist nun als Parteichef zurückgetreten. Man kann mir erzählen, was man will: aber das tut ihm weh. Das sagt er allerdings nicht. Im Gegenteil: Jetzt könne er sich auf das Amt des Außenministers konzentrieren, und überhaupt: In der FDP gebe es so viele junge Kräfte, und man müsse die auch mal machen lassen. Ich habe ernste Zweifel daran, ob die Leute von der FDP Philipp Rösler wirklich so nett und toll finden, wie die FDP das behauptet. Aber was bleibt den Parteimitgliedern anderes übrig, als ihn als Hoffnungsträger für die Wiedergeburt ihrer Partei zu akzeptieren. In der Politik ist es schließlich so: Wenn nicht alle mitziehen, wenn nicht alle am gleichen Tag ihren Kurs wechseln, wenn sich nicht alle Mitglieder per Anordnung ihres Messias neu erfinden, scheitert die Wiedergeburt.

Bei uns zu Hause wäre an so etwas nicht zu denken. Meine Tochter, meine Frau – die würden mir was erzählen, wenn ich von heute auf morgen neue Regeln einführen würde. Und selbst wenn ich erkläre: „Der Name Brüggemann ist in Gefahr, wir müssen als ganze Familie umdenken. Also: Es gilt, was ich sage.“ Nein, mit meiner Familie ist keine Partei zu machen. Und das ist – ehrlich gesagt – auch gut so.

Es fehlt das Korrektiv

Ich glaube, die Sache mit der Wiedergeburt auf Erden hat auch etwas mit dem Kosmos der Politik zu tun. Der hat etwas Göttliches. Es fehlt ihm das Korrektiv des Menschenverstandes. Der wird angeblich durch die Medien übernommen, die ja so eine Art Volk darstellen sollen. Doch diese merkwürdige Macht bleibt anonym. Möglicherweise macht es Westerwelle sogar Spaß, seinen Kurs vor hunderten Mikrofonen einfach so zu ändern. „Ätschmann-Bätschmann“ denkt er sich dann. Und sollte jemand ihn fragen, wie das sein könne, fängt er an, zu erklären, dass die Welt sich eben geändert habe – wer sich nicht mir ihr ändere, sei ein ewig Gestriger. Ob er das seinem Freund, seiner Mutter oder sonst wem auch so sagen würde?

Auf jeden Fall bewundere ich Westerwelle – und viele andere Politiker. Sie haben, qua Amt, die Möglichkeit, sich neu zu erfinden. Das Recht auf ewige Wiedergeburt innerhalb ihres Daseins auf Erden ist ihrer schier messianischen Rolle geschuldet. Wahrscheinlich verstehen sie sich wirklich als Nachfolger Jesu – und es gehört zu einem ihrer Rituale, sich vor der Jüngernschaft ewig neu zu erfinden.

Nur ein Leben

Wir Normalos dagegen haben nur ein Leben. Und da müssen wir genau sehen, was wir fordern. Wir können nur sein, was wir sind. Wir entwickeln langfristige Lebenspläne, unsere politischen Vorstellungen können sich ändern – aber nur über Jahre und Jahrzehnte. Wir sind unseren Mitmenschen gegenüber verpflichtet. Und die ertragen es nicht, jeden Tag einen anderen Vater am Küchentisch sitzen zu haben.

Aber es gibt noch einen letzten, entscheidenden Unterschied zwischen Guido Westerwelle und mir: Ich bin glücklich mit meinem einem Leben.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
mr.h-man schrieb am 25.04.2011 um 08:28
Herr Brüggemann, Ihre Sicht der Dinge kann ich durchaus teilen. Ich finde es durchaus positiv, wenn Parteien ihre Meinung zu einem Thema revidieren und einen neuen Weg einschlagen. Dagegen ist prinzipiell nicht einzuwenden. Selbst der FDP ist es gestattet, einen neuen Atomkurs einzuschlagen. Die Frage ist nur, aus welchen Gründen dies gemacht wird - und hier liegt das Problem. Wenn man glaubhaft eine Fehleinschätzung zugibt und der Öffentlichkeit dies auch so vermittelt, würde man selbst Neoliberalen oder auch Konservativen es abnehmen, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt haben. Doch dieses Vorgehen der Wiedergeburt, wie sie es ausdrücken (ich würde es als Prinzipienlosigkeit bezeichnen), macht die Neuorientierung unglaubhaft. Zudem ist die Summe entscheidend. Es ist in den vergangenen Jahren seitens der Politik zuviel schlecht kommuniziert worden, die Bürger sind misstrauisch und verunsichert. Die Repräsentative Demokratie hat Risse bekommen. So ist es mehr als berechtigt und wünschenswert, dass die Bürger nun anfangen, selber mehr Einfluss auf politische Entscheidung zu nehmen. Damit ist nicht gesagt, dass alles besser sein wird. Doch die Leute bekommen wieder ein Gefühl für richtige oder falsche politische Maßnahmen, weil sie diese mitverantworten. Die Transparenz muss wieder zurück in das politische Handeln.
Axel Brüggemann schrieb am 25.04.2011 um 12:47
Ja, so ist es ... :-) Frohe Ostern!
Richard der Hayek schrieb am 27.04.2011 um 19:34
@mr h-milch
Es ist nicht Prinzipienlosigkeit, sondern ein anderes Prinzip.
Das Prinzip der Machterhaltung, ganz einfach.

Wenn zuviele Leute ganz unbedingt gegen Atomkraft sind, bleibt nichts anderes übrig.

Sicherlich wünschte man sich Politiker an der Macht, die aus Prinzipien handeln, vielleicht sogar gegen aktuelle Strömungen, weil sie Dank ihres Informationsvorsprungs mehr wissen.

Aber in diesem Fall laufen die Politiker den Wählern nach.

Allerdings sollte man die auch nicht unterschätzen. Die wissen nämlich genauso: ohne Fukushima hättes sie selber sich auch nicht so kompromislos engagiert, würde zu viele zu bequem und kompromißbereit sein, um diesen Schwenk zu erzwingen.

Deshalb verzeihen sie diese Schwenks, mehr oder weniger.
Sie sehen ein bischen ein, daß dies die einzig mögliche Reaktion ist.
Calvani schrieb am 27.04.2011 um 20:03
@ Richard

Das sehe ich ähnlich, nur ist das Prinzip der prinzipienlosen Selbsterhaltung keines, das sich auf Politiker beschränkt.
"Küsse die Hand, die dich füttert" ist auch für Bürger oft die ausschlaggebende Handlungsmotivation.
mr.h-man schrieb am 27.04.2011 um 21:11
Nun, wir können gerne so argumentieren, doch das bringt uns nicht wesentlich weiter. Das Prinzip des Machterhalts funktioniert durchaus, aber nur für eine gewisse Zeit. Langfristig wird es der Demokratie erheblich schaden. Mir ist schon klar, dass die Politiker nicht aus gutem Gewissen ihre Herangehensweise ändern werden. Wir aber, die Wählerinnen und Wähler, müssen ihnen immer und immer wieder signalisieren, dass es so nicht geht. Die Wahlen in BW haben solch ein Zeichen gesetzt. Doch selbst das reicht nicht. Das einzige Mittel, noch einmal, ist die Bürgerbeteiligung, wenn sie so wollen Einflüsse direkter Demokratie (z.B. Volksentscheide oder Planungszellen). Dann wären solche gelb-grün Spielchen nicht mehr so ohne Weiteres möglich. Ich verteufele die Politik nicht – im Gegenteil. Doch sie muss wieder Boden unter den Füßen bekommen und die Bürger mitnehmen. Momentan driften Wähler und Gewählte immer mehr auseinander.
Richard der Hayek schrieb am 27.04.2011 um 21:26
Mein wesentliches Argument war, daß die Wähler selber wie die Politiker handelten.
Das war eben eine ziemliche Ausnahme mit Fukushima.
Calvani schrieb am 27.04.2011 um 21:31
@ mr.h-man

Was für ein Zeichen haben die Wahlen in BM Ihrer Meinung nach denn gesetzt?
Und dazu, dass Politker und Bürger immer weiter auseinander driften, dazu hat Brüggemann hier ganze Arbeit geleistet, finde ich jedenfalls.

Calvani
Richard der Hayek schrieb am 27.04.2011 um 21:43
Immerhin wurde die CDU nach 40 oder 50 Jahren zum ersten Mal abgewählt.
Ich glaube, du übertreibst mit der harten Wertung für Brüggemann. Er verteidigt die Verhältnisse nicht, im Gegenteil, er macht sie deutlich.
Die Politiker handeln nach Prinzipien, die im Alltag nicht sehr schön wären.
Er verurteilt es nicht ausdrücklich, aber allein diese Beschreibung bedeutet schon Kritik, finde ich.
Calvani schrieb am 27.04.2011 um 22:00
@ Richard

Dazu habe ich mich gerade ausführlich in meinem Blog ausgelassen...kurzum: Brüggemann betreibt hier einseitiges und destruktives Politiker-Bashing. Das geht mir auf die Nerven. Nicht nur bei Brüggemann.

Und dass er nicht verurteilt, kann ich nicht behaupten. Im Gegenteil! Göttliche Politiker ohne Menschenverstand?

Du weißt ja, ich mag die Provokation inzwischen, aber Brüggemanns Meinung teile ich nicht.
Richard der Hayek schrieb am 27.04.2011 um 22:13
Habe den Blog nochmal langsamer gelesen. Es ist eine Art Satire, und eine gute. Er stellt wahre Sachverhalte dar.
Das ist kein Politiker-Bashing, sondern eine treffende Kritik.
Glaubst du denn, die Politiker tricksen nicht, und wissen nicht, daß sie tricksen ?
Calvani schrieb am 27.04.2011 um 22:23
@ Richard

Natürlich tricksen Politiker und ändern plötzlich ihre Meinung! Aber der Punkt ist, das tun Bürger auch und das streitet Brüggemann ab.

Du sagst ja selbst, dass im Fall Atomkraft die Politiker den Bürgern nachgelaufen sind, also waren es doch die Bürger, die hier plötzlich den Kurs geändert und angegeben haben. Brüggemann behauptet, die politischen Ansichten der Bürger würden sich nur innerhalb von Jahren und Jahrzehnten ändern. Das stimmt nicht! Siehe Atomkraft.
Richard der Hayek schrieb am 27.04.2011 um 22:36
Also, ganz allgemein gibt es in jeder Gruppe von Menschen verschieden schnelle Meinungswechsel.
Prinzipiell hast du recht, aber es ist nicht so einfach.

Ich sagte nicht , die Bürger haben ihre Meinung um 180° gedreht, wie die Politiker. Sie wurden so bestärkt, daß es zu deutlichem statt zu latentem Widerstand reichte.
Aber das Grundprinzip bleibt: die Bürger hätten die Politiker vorher schon zwingen können, durch Wahlen, wie du richtig schreibst.
ABer erst die Katastrophe veranlaßte sie zu der Kompromißlosigkeit.

Außerdem haben die Politiker in keinster Weise ihre Meinung zur Atomkraft geändert, sie handeln nur anders. Solange sie gezwungen werden.
Beachte diesen Unterschied: wenn die Bürger die gleiche Meinung behalten, sich aber nicht mehr so motivieren lassen, springen CDU und FDP wieder zurück zur industriefreundlichen Atompolitik.
Ob sie überhaupt eine eigene Meinung dazu haben, ist fraglich. Sie haben eher ihre Karrieren in den Parteien, die ihrer Grundrichtung entsprechen, begonnen, und taktieren jetzt nach Machterhalt, das ist alles.

Wenn du an dich selber denkst: bis sich eine deutliche deiner Meinungen ändert, muß viel geschehen, viele Dinge anders werden, oder du must viele neue Dinge erfahren, bis es reicht.
Calvani schrieb am 27.04.2011 um 23:03
@ Richard

Mit der Wandlung vom latenten zum drastischen Widerstand in Sachen Atomkraft, hast du völlig recht und mit der mangelnden Meinungskraft und -konsequenz vieler Politiker leider auch.

Trotzdem wählen wir und zwar demokratisch, wir sind also indirekt irgendwie selbst schuld, oder?

Was mich anbelangt, da irrst du dich. Ich bin höchst ambivalent. Mal abwartend und besonnen und dann ändere ich radikal Meinung und Kurs, springe ins kalte Wasser und bin dann oft entsetzt darüber, wie kalt das Wasser wirklich ist...
Richard der Hayek schrieb am 27.04.2011 um 23:14
Wir können keine anderen Politiker wählen, als da sind.
Und die sind, grob gesagt, naive Linke wie SpD und die Linken und durchtriebene Konservative wie FDP und CDU CSU.

Du bist noch jung.
Ich dachte aber mehr an fundamentalen Ansichten.
Vielleicht kommt das noch.

Schwer zu sagen, was es ist: Altersweisheit oder -starrsinn ?
Calvani schrieb am 27.04.2011 um 23:27
@ Richard

"Wir können keine anderen Politiker wählen, als da sind."

Stimmt. Da stellt sich doch die Frage, warum es keine anderen Politiker gibt.
Weil Menschen nunmal grundsätzlich mehr auf ihren eigenen als auf einen gesamtgesellschaftlichen Vorteil aus sind? Oder weil die Bedingungen in der Politik - flankiert vom Journalismus - andere Menschen abhält, in die Politik zu gehen? Woran liegt's?

Nur Motzen oder Bashing gilt nicht! Nicht bei mir!

Was für fundamentale Ansichten meinst du denn?
Richard der Hayek schrieb am 28.04.2011 um 10:34
Solche, die kaum beweisbar sind und sich irgendwie ergeben. Darüber wird umso erbitterter gestritten.

Etwa Binding - Merdeister: Homöopathie pro und contra
Richard der Hayek - Rahab Islamkritik
manche Linke - Rest der Republik Kommunismus
Richard der Hayek schrieb am 28.04.2011 um 10:37
Calvani - diverse User hier Frauenquote der Topthemen
Calvani schrieb am 28.04.2011 um 12:02
@ Richard

Islamkritik? Kommunismus? Oje! Das sind alles so gewaltige Begriffe! Auch diese Grundsatz-Feminismus-Emanzipations-Debatte...war das hier vorher auch schon so ein häufiges Thema?
Interessiert mich Null.

Ich schaue mir viel lieber einen konkreten Sachverhalt an, nehme einen konkreten Anlass und wenn es dann nötig wird, dann erst greife ich in die Geschichts- und Anthropologiekiste...

Was die Quote anbelangt, hast du voll ins Schwarze getroffen. In diesem Punkt hat sich meine Meinung in den letzten Jahren langsam und stetig um 180 Grad gewendet und damit bin ich dann in der FC bruchgelandet...

Warum interessierst du dich für den Islam?

"naive Linke wie SPD und die Linken und durchtriebene Konservative wie FDP und CDU CSU"

Mhm, wo soll ich da anfangen zu fragen? Ich versuch's mal so: Kann man das so allgemein behaupten?
Richard der Hayek schrieb am 28.04.2011 um 12:31
Ein weites Feld, Luise.

Ich interessiere mich für ziemlich viel.

Du beschränkst dich auf konkrete Anlässe. Jede Aussage benutzt Prinzipien, die allgemein gelten sollen und deshalb an anderen Anlässen auch gemessen werden sollten. Auch sind solche Anlässe das Produkt langer Entwicklungen, ob man die aussparen kann ?
Kommt wohl auf das konkrete Problem an.

naive Linke - durchtriebene Konservative
was heißt allgemein behaupten: alle sind genau so sicher nicht. Tendenzen: viele sind dort so, die vertretenen Positionen oft, auch nicht alle.
Calvani schrieb am 28.04.2011 um 12:49
@ Richard

Dass das Feld weit ist, erklärt nicht, warum du dich dafür interessierst, Oskar!

Klar: Wenn man in einem Disput an einer Stelle angelangt, an der Werte entscheidend sind, dann müssen sie her, die Grundsätze und Prinzipien. Aber dann mit dem Feminismusbegriff von anno Tobak gegen den Emanzipationsbegriff von MüllerMeierSchmitt, also ich weiß ja nicht...

Um jetzt mal konkret zu werden, lass' die Blume der Phantasie zu dir sprechen: Du bist ab morgen Bundeskanzler. Was sind deine drei wichtigsten politischen Ziele? 1. 2. 3.?
Richard der Hayek schrieb am 28.04.2011 um 13:28
Ich habe Effi Bries vor langer Zeit angefangen und nicht fertig gelesen. Hieß er Oskar ?

Es geht nicht nur um Werte.
Siehe etwa Cato's Blog Vernichtung auf Raten über den türkischen Genozid an den Armeniern vor 100 Jahren, der von vielen Türken abgeleugnet wird.
Die Probleme enstehen auch durch verschiedene Deutung der unvollständigen Informationen. Jeder sucht sich raus, was er haben will.

Oder die Grundlage der Esoterik-Debatten: gibt es GEist ohne Materie ?

Der Islam hat großen Einfluß und wird sehr verschieden bewertet. Außerdem habe ich auch einen Hang zu letzten Dingen: gibt es Gott überhaupt, wenn ja, in welcher Form ?
Wenn vielleicht, was hat dann als Gottesdienst Sinn ?

Als Bundeskanzler bin ich Durchgangsstation für die Sachzwänge, keine Lust.

Ich gehe jetzt auf die Wiese, ernte eine Schüssel voll Löwenzahnblüten, die Wiesen sind gerade voll davon, leuchtendes Gelb. Die brate ich in der Pfanne in Fett mit Zwiebeln und Schinken.
Dann setze ich mich hin, widerstehe der Versuchung, hier weiter rumzubloggen sondern mache das wofür ich konstruiert bin: nachdenken, schreiben, nachdenken ...

lieben Gruss noch und viel Spaß
Calvani schrieb am 28.04.2011 um 17:49
@ Richard

Gut, dein Interesse an Religion lässt sich dergestalt nachvollziehnen.

"Als Bundeskanzler bin ich Durchgangsstation für die Sachzwänge, keine Lust."

Tja, mein lieber, jetzt hab' ich dich!
Deshalb kritisiere ich doch diesen Artikel hier, weil Politiker eben nicht immer so können wie sie wollen...leider oder Gott sei Dank, das lasse ich jetzt mal dahin gestellt.

Calvani
miauxx schrieb am 27.04.2011 um 22:29
Ich finde den Artikel recht bemüht und konstruiert.
Ich habe aber auch nicht eine solche Vater-Mutter-Kind-Familie wie Hr. Brüggemann ... :-)
Dass die Parteien, oder bleiben wir bei der FDP, sich nun ständig neu erfinden, nehme ich allerdings nicht so wahr. Dass sie, zumal wenn es um Wahlkampf oder Aufholjagden aus Stimmungstiefs geht, gerne mal das Licht wechseln, in das sie sich stellen, kennt man. Aber es ist eben meist zu durchsichtig; weshalb, Hr. Brüggemann schreibt es, man Guido seine Show(s) auch nicht wirklich abnimmt.
In der Familie mag ein Sich-Neu-Erfinden tatsächlich größere Schwierigkeiten aufwerfen (Wer bringt den Müll raus? mal asugenommen). In Freundeskreisen mit Sicherheit auch - auch wenn es weit häufiger vorkommt, als Hr. Brüggemann meint.
In der Politik sehe ich bald mehr einen umgekehrten Trend. Bspl. Die Grünen: Sie werden gerne noch immer für eine "linke Protestpartei" gehalten und profitieren von Protesthaltungen, obwohl sie längst, wenn auch schleichend, zu den Arrivierten gehören.
Calvani schrieb am 27.04.2011 um 22:39
@ miauxx

"Ich finde den Artikel recht bemüht und konstruiert."

Ich auch.

"Ich habe aber auch nicht eine solche Vater-Mutter-Kind-Familie wie Hr. Brüggemann."

Ich auch nicht.

Und warum du, miauxx, mir geraten hast, hier nicht weiter zu kommentieren, wo wir doch so schön einer Meinung sind - keine Ahnung!
GeroSteiner schrieb am 27.04.2011 um 22:38
Ja, die Welt ist ungerecht. Wir sitzen alle in einem Boot, aber wir schreiben wieder mal aus dem Maschinenraum an die auf dem Sonnendeck.

Was man gekauft hat, darf man auch irgendwann wieder verkaufen. Nichts anderes macht der gewählte Politiker, unser aller Volksvertreter.

Während also Staubsaugervertreter den lieben langen Tag Staubsauger verkaufen und Versicherungsvertreter ihre Versicherungen verkaufen, da verkaufen Volksvertreter das Volk oder eben die eigenen Wähler für dumm, je nachdem, was gerade opportun scheint. Wenn sie damit Schwierigkeiten hätten, oder nicht zufrieden wären, dann würden sie ja zurücktreten - wenn sie denn könnten - oder ihre Klientel sie ließe.
luzieh.fair schrieb am 27.04.2011 um 22:43
Hallo Herr Brüggemann,

"Man kann mir erzählen, was man will: aber das tut ihm weh. Das sagt er allerdings nicht. Im Gegenteil: Jetzt könne er sich auf das Amt des Außenministers konzentrieren(...)"

Könnte es vielleicht sein, dass die Halbwertszeit des Schmerzes in nicht-privaten Gefilden einfach kürzer ist?
Kennen Sie das nicht auch von früher (vor der Familie): Da haben sich zwei geliebt, für eine Zeit, die irgendwann vorbei war. Das tat dann weh...auch mal länger. Und dann eines schönen morgens wacht man auf und denkt sich: ach, dafür war das Ganze also gut?!
Na dann: weiter gehts...
Nur, dass in nicht-privaten Sphären dieser Morgen auch schonmal der Morgen danach sein kann...
KalleWirsch schrieb am 27.04.2011 um 23:18
Meine heile Familie gegen Guido.

Ich weiß nicht, was ich da lese. Glosse, Kommentar, Polemik? Mir war das jedenfalls zu wenig. Nach ein paar Zeilen, weiß ich worauf es hinausläuft und dann kommt doch immer nur immer wieder, dass sie in ihrer heilen Familie den Müll rausbringen, basisdemokratisch handeln und Guido charakterlos, nein zickig (im Übrigen ist es interessant, dass nur weibliche und schwule Politiker zickig genannt werden) ist, und sein Fähnchen in den Wählerwind hängt. Ich glaueb, es hat mich so gelangweilt, weil, das erste glaub ich nicht und das Zweite hat einen langen Bart.

PS: Herr Westerwelle hat keinen Freund(jedenfalls keinen offiziellen), sondern ist wie sie verheiratet. Da sie ja den Familienvergleich bemühen, wollten Sie sicherlich Mann sagen.
luzieh.fair schrieb am 27.04.2011 um 23:39
KALLE!!!

"im Übrigen ist es interessant, dass nur weibliche und schwule Politiker zickig genannt werden"

Genau das hab ich auch gedacht, inklusive dem was über die "aufgesetze Gestik" gesagt wurde.

Achja...
KalleWirsch schrieb am 28.04.2011 um 09:17
Bei JJK sind die Videos zum Medienkongress verlinkt. Da gibt es auch eines vom Panel "Heteronormativität in den Medien" mit einer spannenden Analyse von der medialen Wahrnehmung von Westerwelle in den Medien.

Hochzeitsbilder wurden da auch gezeigt. Geküsst wird sich da nicht und die Gäste im Hintergrund sind unkenntlich gemacht. Anschauen, war echt spannend.
luzieh.fair schrieb am 28.04.2011 um 22:48
na, das heb ich mir dann für Sonntag auf...

Schönes Wochenende sag ich mal...wenn dann komm ich hier sporadisch vorbei;-)


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