Alltag

Bevormundungsstaat | 19.11.2011 11:00 | Jörg Friedrich

Die risikolose Gesellschaft

Hüten Sie sich vor allem, was es gibt? Unser Autor sieht am Horizont die Fahrradhelm- und Warnwestenpflicht heranziehen und argumentiert schon mal vorbeugend dagegen

Wer heute Mitte 40 ist, der kann sich noch erinnern, dass in seiner Kindheit Motorradfahrer ohne Schutzhelm unterwegs waren, und vermutlich wird er noch erleben, dass jeder Fahrradfahrer einen Helm tragen muss, ja es könnte sogar sein, dass er an seinem Lebensabend noch die ersten Diskussionen um die Einführung einer Helmpflicht für jeden Verkehrsteilnehmer erlebt. Das wäre nur die konsequente Fortsetzung einer Entwicklung, die wir seit Jahrzehnten beobachten können: Absicherung gegen jegliche Gefahr für Gesundheit und Leben wird nicht nur möglich, sie wird gleichzeitig zur Pflicht.

Schaut man sich Filme aus den 1960ern an, traut man seinen Augen kaum: In Autos schnallte man sich nicht an, Fahrräder hatten vielleicht vorn eine Funzel und hinten ein Katzenauge, aber von Reflektoren an Speichen und echtem Rücklicht war nichts zu sehen. All das ist heute zwingend vorgeschrieben.

Auf anderen Gebieten zwingt uns der sorgende Staat zur Gesundheit, indem er uns schlicht keine Möglichkeit mehr bietet, uns selbst zu schaden. Das Betreten einer Kneipe, in der geraucht wird, ist fast genauso unmöglich wie das Balancieren auf einem Brückengeländer: Gesetze und Vorschriften sorgen dafür, dass wir keine Chance bekommen, uns in Gefahr zu begeben. Als Student konnte ich noch aus der S-Bahn abspringen, bevor sie ganz zum Halten gekommen war, heute können die Türen erst geöffnet werden, wenn der Zug ganz zum Stehen gekommen ist.

Das Halteriemengefühl

Begründet wird das durch die Minimierung der Unfallzahlen im Promillebereich, gemessen an der Gesamtzahl der Verkehrsteilnehmer. So wird mein Leben immer sicherer, aber weniger durch die Möglichkeiten der Technik, die ich gerne nutze, sondern durch staatliche Verordnungen, die mich dazu zwingen, Gefahren zu vermeiden – so gering sie in Wirklichkeit auch sein mögen und so sehr ihre vorgeschriebene Vermeidung meine Entscheidungsfreiheit und Lebensqualität auch einschränkt.

Ich will mir beim Fahrradfahren keinen Helm aufsetzen, ich liebe den kühlen Wind am Kopf und hasse das schwitzige Gefühl der Halteriemen. Und ich weiß, dass der nächste Schritt die orangefarbene Warnweste mit Reflexionsstreifen sein wird, die ich mir irgendwann überziehen muss, bevor ich aufs Rad steige, aber ich finde die hässlich und die dunkle Jacke schön und gemütlich.

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Jede einzelne neue Vorschrift scheint hochgradig vernünftig zu sein, sie wird mit wissenschaftlichen Studien und mit Zahlen und Fakten belegt. Und selbst die Gegner argumentieren mit wissenschaftlichen Argumenten. Aber das ist eigentlich alles egal, weil die Zahlen und Wahrscheinlichkeiten ohnehin niemand wirklich bewerten kann und schon gar nicht können sie gegen die Einschränkungen der Freiheit und des Wohlbefindens aufgerechnet werden: Wer will entscheiden ob ein kühler Wind mehr wert ist als die Verringerung des Risikos eines Schädelbruchs um soundsoviel Prozent?

Ausnahme Airbag

Es ist schon erstaunlich, dass überhaupt fast jede neue Methode der Unfallvermeidung mit Gesetzen, Überwachung und Strafen durchgesetzt werden muss. Warum? Weil jede Methode eine Einschränkung ist. Es gibt nur eine Ausnahme: den Airbag. Der Grund ist, dass niemanden die Existenz dieses Ballons irgendwo im Lenkrad oder unter der Innenraumverkleidung des Autos stört. Aber alle Sicherheitssysteme, die irgendwie stören, werden von den Menschen abgelehnt, egal, ob es der Sicherheitsgurt oder der Schutzhelm ist. Offenbar schätzen die meisten ihre Freiheit höher als den Zugewinn von ein bisschen Sicherheit.

Was ist das überhaupt für eine Gesellschaft, in der die Menschen zur Vorsicht gezwungen werden? Und welchen Sinn hat das Ganze? Warum sollte nicht jeder selbst entscheiden können, ob er das Risiko eingeht, keinen Helm zu tragen, egal, ob als Fußgänger, als Fahrradfahrer oder als Motorradfahrer, oder sich nicht anzuschnallen, egal, ob im Auto oder im Bus?

Wozu ist diese Vorsicht, diese Vermeidung jedes Risikos gut? Versuchsweise könnte man ganz ökonomisch argumentieren: Die Schutzmechanismen helfen vielleicht, Genesungskosten von Unfallopfern zu reduzieren. Belastbare Zahlen dürfte es dazu aber kaum geben, und zudem ist unwahrscheinlich, dass diese Rechnung aufginge: Ein Motorradfahrer, der einen Helm trägt, oder ein Autofahrer, der angeschnallt ist, hat zwar eine größere Überlebenschance, aber die Kosten seiner Behandlung dürften nicht merklich sinken. Makaber formuliert: Einen Unfalltoten zu beerdigen ist sicher billiger als einen Schwerverletzten zu versorgen und wieder gesund zu bekommen.

Zwingt uns der Staat vielleicht dazu, unser bisschen Leben so gut wie möglich zu schützen, damit wir unserer Funktion nachkommen, diese Gesellschaft ganz physisch zu erhalten? Das wäre allerdings paradox, denn es ist schon auffällig, dass Gesellschaften, die um die Sicherheit ihrer Bürger am meisten besorgt sind, nicht etwa wachsen, sondern schrumpfen und allenfalls altern. Wo jedes Risiko vermieden wird, da liegt es auch nahe, die Risiken einer Schwangerschaft und des Eltern-Seins zu meiden. Statt Kinder in die Welt zu setzen, passen wir sorgsam auf unser bisschen Leben auf und setzen es möglichst keiner Gefahr aus: nicht der verrauchten Kneipe, nicht der Kopfverletzung beim Sturz vom Fahrrad und nicht der Geburt und Erziehung von Kindern.

Die Herrschaft des bürokratischen Apparats

Bleibt eigentlich nur eine Erklärung: Die staatliche Bürokratie neigt dazu, alles zu regeln und die Bürger zu bevormunden. Ihrem geregelten Verfahren ist jede emotional begründete Entscheidung zur Freiheit zuwider. Was wir als angenehm, schön, verlockend empfinden, das ist dem Apparat schlicht irrationales Zeugnis unserer Unmündigkeit, unserer Unfähigkeit, selbst zu entscheiden, was gut für uns ist.

Man kann hier wohl nicht einmal Politikern die Schuld geben, denn mit Rufen nach Helm- und Anschnallpflicht konnte man noch nie Wahlen gewinnen. Vielmehr scheint dieser Automatismus, der zu immer mehr Sicherheit führen soll und für den Einzelnen eigentlich immer nur mehr Einschränkung und Bevormundung bedeutet, ein Zeichen für die heimliche Herrschaft des Apparates der politischen Bürokratie zu sein, deren Erstarken schon Karl Marx im „18. Brumaire des Louis Bonaparte“ beklagte: „Jedes gemeinsame Interesse wurde sofort von der Gesellschaft losgelöst, als höheres, allgemeines Interesse ihr gegenübergestellt, der Selbsttätigkeit der Gesellschaftsglieder entrissen und zum Gegenstand der Regierungstätigkeit gemacht, von der Brücke, dem Schulhaus und dem Kommunalvermögen einer Dorfgemeinde bis zu den Eisenbahnen, dem Nationalvermögen und der Landesuniversität ... Alle Umwälzungen vervollkommneten die Maschine statt sie zu brechen.“

So zeigt im Bevormundungsstaat der bürokratische Apparat ganz unmittelbar seine alles regelnde Macht. Gestützt auf wissenschaftliche Expertise und statistische Belege zwingt sie uns, unsere Freiheit und unsere Bedürfnisse einer risikoscheuen Vollschutz-Absicherung zu opfern. Und dieser risikoscheue Bürger, der Angst vor jedem Kratzer und jeder Verletzung hat, ist dem Apparat ganz recht, denn er gibt nicht nur seine Selbst-Verantwortung fürs Fahrradfahren ab, er überlässt alles Unsichere gern der Regelungswut der Bürokratie. Und Regeln und Verfahren, das sind wiederum die Säfte, die den Apparat am Leben halten.

Was kann man da machen? Wer nicht eines Tages mit leuchtender Warnweste und Helm auf dem Kopf durch die Stadt spazieren will, dem bleibt im Moment nur, Sand ins Getriebe zu streuen. Keiner automatischen Verpflichtung, auch wenn man sie selbst für sich als angenehm empfindet, zuzustimmen. Niemand muss mir vorschreiben, etwas zu tun oder zu lassen, dessen Risiko nur mich selbst betrifft.

Vielleicht lässt sich auf diese Weise ein Umdenken auf den Weg bringen. Wer erst einmal verstanden hat, wie sehr er sich bevormunden lässt, der wird zum Rebell. Wir müssen uns die Frage stellen, wie viel Sicherheit wir uns eigentlich bieten lassen wollen.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
cybergabi schrieb am 19.11.2011 um 11:49
In den Niederlanden, wo ich seit drei Jahren wohne, gibt es nicht mal Helmpflicht für Mofas, Mopeds, und Scooter, und Radhelme werden ausschliesslich von Sportradlern getragen. Stattdessen gibt es ein hervorragendes Radwegenetz, welches sicherstellt, dass Auto- und Zweiradverkehr hinreichend voneinander getrennt sind, ohne zu Lasten der Fussgänger zu gehen. Aber es ist natürlich einfacher, BürgerInnen zum Zwangskauf eines €50 Radhelms zu verpflichten, anstatt die Infrastruktur für Sicherheit und Komfort aller Verkehrsbeteiligten zu ändern.
Jörg Friedrich schrieb am 20.11.2011 um 14:20
Aber worin unterscheiden sich - grundsätzlich - Niederlande und Deutschland? Darauf habe ich noch keine Antwort. Der bürokratische Bevormundungsstaat regiert doch nicht nur hier?
lemrez schrieb am 19.11.2011 um 12:14
Ja es ist schrecklich wie wir zu heutigen Zeit in unserer persönlichen Entfaltung unterdrückt werden. Fahrradhelme und Sicherheitsgurte, warum hindert niemand die Regierung, uns solche Bürden aufzuerlegen? Das riecht nach REVOLTE!

Nein im Ernst:
Lassen Sie mich zwei einfache Gegenbeispiele zu ihrer Argumentation finden:
1. Eines schönen Tages fahren Sie entspannt Nachts nach Hause. Leider sehen Sie den Radfahrer, dem Sie die Vorfahrt nehmen aufgrund seiner dunklen Kleidung nicht. Das wäre auch jedem anderen passiert, es liegt nicht an Ihren Fahrkünsten, denn Sie fuhren sicher auch schon vor dem 1.Januar 1974 Auto. Jedenfalls wird der Radfahrer (übrigens hatte er keinen Helm auf) 20 m weit geschleudert. Sie kommen für fahrlässige Tötung für 5 lange Jahre in den Knast und wettern:"Warum hat die Sau keinen Helm angehabt, und seit wann müssen Fahrräder keine Reflektoren mehr tragen?"
Lange Rede kurzer Sinn: Mit einer Helmpflicht ist allen geholfen: Ihnen, Sie bekommen nämlich mindestens 2 Jahre weniger, wenn der Radfahrer überlebt, und dem Radfahrer und seiner Familie aus Gründen die einleuchten.

2. Eines schönen Tages fahren Sie entspannt Nachts nach Hause. Leider sehen Sie das Wildschwein, das vor Ihnen auf die Straße läuft zu spät. Da Sie ein Tierfreund sind, sich erschrecken oder schlicht und einfach in der Fahrschule nicht aufgepasst haben, fahren sie nicht geradewegs in das Schwein hinein, sondern weichen aus und wählen damit den direkten Weg zum nächsten Baum. Natürlich sind Sie nicht angeschnallt, der Gurt kratzt immer so am Hals. Als ihr Kopf kurz vor ihrem Lenkrad hängt, erinnern Sie sich an ihren Airbag und freuen sich auf das fröhliche Zusammentreffen. Doch kurz darauf schleudert ein Explosion ihren Kopf mit 300 km/h an ihre Kopfstütze und zerschmettert ihr Gehirn.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne den von Ihnen verteufelten Gurt bringt der von Ihnen im selben Maße geheiligte Airbag nur eines, nämlich nichts. Darüber sollte man sich vor einer Argumentation wie Ihrer eigentlich im klaren sein.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ich Ihr Genörgel für überaus kindisch halte. Und abgesehen von der Tatsache, dass dieser Artikel sowieso in die Kategorie Jammern auf hohem Niveau fällt, sollten sie vielleicht mal drüber nachdenken ob wir nur aus unseren eigenen Fehlern lernen sollten. Denn nach manchen Fehlern kann man nicht mehr lernen. Deshalb mögen es Eltern nicht, wenn ihre Kinder zu nahe an einem Abgrund stehen oder mit Medikamenten spielen und deshalb sollte man nicht gegen Sicherheitsvorschriften argumentieren, vor allem nicht so furchtbar egozentrisch und kurzsichtig.
jep! schrieb am 19.11.2011 um 18:40
Zusammengefasst: Sie (aber auch andere) haben den tieferen Sinn des Artikels leider nicht erfasst. Es lebe die aufgeklärte Bevölkerung in der es jeder Person erlaubt ist sich selbst vorzustehen.
lemrez schrieb am 19.11.2011 um 21:16
Wenn es dem Autor wirklich darum ginge, dann hätte er sich tausend bessere Beispiele aussuchen können, an denen er seine Argumentation aufhängt als dieses. Und vor allem hätte er sich informieren sollen über die Sinnhaftigkeit seiner Aussagen und über die Aussagekraft seiner Argumente, die hier schon mehrfach wiederlegt wurden. Es ist einfach sinnlos über "Repressalien" zu klagen, die eigentlich bei vernünftiger Betrachtung keine sind. Und ich denke in einer 'aufgeklärten Gesellschaft' sollte gerade diese Rationalität herrschen. Denn das Erfüllen dieser Vorschriften betrifft eben nicht nur den einzelnen sondern alle. Man siehe nur auf die Kommentare von glamorama und gweberbv.
Dennis82 schrieb am 19.11.2011 um 22:06
Zitat: <>

Genau das ist ja der falsche Gedankenansatz! Und dagegen schreibt der Autor ja auch in erster Linie an! Warum wird einem Menschen, welcher unschuldig verunfallt inzwischen eine Schuld zugewiesen, weil er keine passiven Sicherheitsvorrichtungen wie einen Fahrradstyroporhelm auf hatte? Das Opfer wird genötigt, sich für das (finanzielle) Wohlergehen des Täters "privat abzusichern".

Es gibt aufgrund völlig irrationaler öffentlicher Meinung entgegen jeder statistischer Datenlage teils haarsträubende Urteile von OLG'en, die die Mithaftung von Radfahrern für Kosten von unverschuldet erlittenen Kopfverletzungen davon abhängig machen, welches Fahrrad gefahren wurde...!

Das einzige, was der Autor sich nicht ganz zu Unrecht vorwerfen lassen muss ist, dass er z. B. mit dem Nichtraucherschutz oder dem Gurt im Auto falsche Beispiele für die Untermauerung seines wesentlichen, richtigen Gedankens nimmt - denn die Wirksamkeit des Gurtes ist inzwischen empirisch nachgewiesen (auch wenn es hier Kolateralschäden gibt - nämlich jene, die im Auto deshalb ertranken oder verbrannt sind). Wie man sieht - es gibt immer ein für und wieder.
lemrez schrieb am 19.11.2011 um 22:34
Die Menschen sind nicht am Unfall Schuld, da haben Sie voll Recht. Aber sie können sehr wohl die Folgen eines Solchen Abmildern und so der Gesellschaft weniger zur Last fallen. Es wird doch keine Schuld zugewiesen.

Ich finde es wäre besser wenn dadurch Gelder für Pflegekosten gespart würden, die dann in andere Projekte fließen können.
Jörg Friedrich schrieb am 20.11.2011 um 13:45
lemrez, mit Ihrer Argumentation müsste die Helmpflicht für jeden Fußgänger tatsächlich bald eingeführt werden, denn so, wie Sie für den Fahrradhelm argumentieren, lässt sich auch für den Fußgängerhelm sprechen - einschließlich obligatorischer Reflexionsstreifen in jeder Jacke.

Wir können diese Argumentation beliebig weit führen, und genau darum geht es mir: Wer darf überhaupt Fahrrad fahren? Wer darf Marathon laufen, bergsteigen. Wie viele Möglichkeiten, sich Gefahren auszusetzen, sind mit den verschiedenen Freiheiten verbunden, die wir uns nehmen ohne dass wir vorab alle Risiken bedacht haben und alles abgesichert haben? Ich habe gar nichts dagegen, dass jemand sich für einen Helm entscheidet oder sich eine Warnweste anzieht - aber ich möchte, dass jeder für sich selbst die Entscheidung zwischen Sicherheit und Freiheit treffen kann - wenn das Risiko vor allem ihn selbst betrifft.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.11.2011 um 13:51
Jörg Friedrich schrieb am 20.11.2011 um 13:45
...müsste die Helmpflicht für jeden Fußgänger tatsächlich bald eingeführt werden, denn so, wie Sie für den Fahrradhelm argumentieren, lässt sich auch für den Fußgängerhelm sprechen - einschließlich obligatorischer Reflexionsstreifen in jeder Jacke.

...und auf U-Bahnhöfen, besonders Nachts.
Da sind Helme noch wichtiger als bei Fahradfahren!
glamorama schrieb am 19.11.2011 um 12:17
Oh je, was für eine Argumentation! Oder ist der Artikel ironisch gemeint? Der Vergleich mit "früher" funktioniert nämlich nur, wenn man so tut, als sei die Verkehrsdichte heute noch genauso niedrig wie in den Fünfzigerjahren, als eine handvoll VW Käfer mit 112km/h über die einsamen Autobahnen kroch.

Der Tipp, sich nicht anzugurten, ist übrigens grob fahrlässig: Ohne Gurt kann selbst ein kleiner Unfall in einem modernen Fahrzeug tödlich enden - wenn man ungebremst in Richtung Lenkrad saust und einem dann der Airbag (mit einer Geschwindigkeit von ca. 300 km/h und einer Wucht von 2 Tonnen) ins Gesicht schlägt.

Und was die Sache mit dem Helm angeht: Spätestens nachdem man (als Folge eines Fahrradunfalls ohne Helm) dreimal am offenen Schädel operiert wurde und seitdem Titanschrauben im Kopf hat, stört man sich nicht mehr an den "schwitzigen Riemen". Glauben Sie mir, ich spreche aus Erfahrung …
Jörg Friedrich schrieb am 20.11.2011 um 13:55
glamorama, ich gebe niemandem den Tipp, sich nicht anzugurten. Es ist gut, wenn über Wirkungen von Gurten auf unangeschnallte Personen gesprochen wird, sodass jedem klar ist, was im Fall des Falles alles passieren kann.

Auch Ihre Fahrradhelm-Geschichte mag den einen oder anderen dazu bringen, einen Helm zu tragen - und das ist völlig in Ordnung.

Aber zu allen Zeiten, solange es Autos und Fahrräder gibt, haben die allermeisten Menschen das Benutzen dieser Fahrzeuge überlebt. Das Überleben unserer Gesellschaft und die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems standen nie auf dem Spiel weil zu viele Menschen im Straßenverkehr gestorben sind oder verletzt wurden. Deshalb gehören die Risiken, bei denen der Einzelne nur sich selbst einer Gefahr aussetzt, ganz klar zu denen, um die sich die Menschen jeweils selbst Gedanken machen können und sollen und die den Staat nichts angehen.
gweberbv schrieb am 19.11.2011 um 13:18
"Belastbare Zahlen dürfte es dazu aber kaum geben, und zudem ist unwahrscheinlich, dass diese Rechnung aufginge: Ein Motorradfahrer, der einen Helm trägt, oder ein Autofahrer, der angeschnallt ist, hat zwar eine größere Überlebenschance, aber die Kosten seiner Behandlung dürften nicht merklich sinken. Makaber formuliert: Einen Unfalltoten zu beerdigen ist sicher billiger als einen Schwerverletzten zu versorgen und wieder gesund zu bekommen."

Glaubt der Autor das wirklich?

Falls dem so ist, ann sei darauf verwiesen, dass Gut, Helm, etc. nicht nur geignet sind, tödliche Unfälle in solche mit schwersten Verletzungen zu transformieren, sondern ebenso gut - und sogar noch viel öfter - dafür sorgen, dass Unfälle anstatt eines mehrwöchigen Krankenhausaufenthaltes nur ein paar leichte Blessuren zur Folge haben.
Jörg Friedrich schrieb am 20.11.2011 um 13:59
gweberbv, ich kenne keine Statistiken, die das eine oder das andere belegen, ich habe zwar danach gesucht, will aber nicht behaupten, dass es für die eine oder für die andere Argumentation sicher Zahlen gibt, dass man hier also ökonomisch nach einer Kosten-Nutzen-Analyse urteilen könnte.

Glauben Sie, dass man das tun sollte?
gweberbv schrieb am 20.11.2011 um 19:16
@Jörg Friedrich

Sie brauchen für einer groben Abschätzung der Wirkung eines Anschnallgurtes bei Autounfällen doch keine Statistik. Dafür reicht es völlig aus, sich mal einen typischen Auffahrunfall bei niedrigen bis mittleren Geschwindigkeiten vor Augen zu führen. Da es sich um eine der häufigsten Unfallarten handelt, stehen die Chancen sogar ganz gut, dass man schon selbst einen erlebt hat bzw. ein paar Bekannte hat, auf die das zutrifft.

Ohne Gurt wird der Fahrer nach vorne geschleudert und landet mit dem Kopf an der Windschutzscheibe und mit dem Oberkörper am Lenkrad - und neuerdings kommt ein explodierender Airbag entgegen. Sowas passiert jeden Tag dutzende, wenn nicht gar hundert Mal. Und in aller Regel passiert den Insassen dabei fast nichts - weil sie angeschnallt sind. Ansonsten wäre jeden Tag mit einigen Dutzend gravierenden Kopfverletzungen zu rechnen, selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten im innerstädtischen Verkehr.

Nicht zuletzt aufgrund der fortgeschrittenen Medizin und dem dichten Netz an Rettungskräften ist die Chance recht hoch, Kopfverletzungen - und allgemein schwere Verletzungen - zu überleben. Damit auch die Kosten im Vergleich zum schnellen Dahinscheiden - wobei da der Verlust einer (im Schnitt) gut ausgebildeten Arbeitskraft natürlich hinzuzurechnen ist.

So, zusammengefasst: Es ist durchaus kein "rocket science" vonnöten, um plausibel abschätzen zu können, dass der volkswirtschaftliche Gewinn durch die Vemreidung schwerer Verletzungen im Zuge von Bagatellunfällen weit höher liegt als der "Verlust", wenn mal einer Aufgrund des Gurtes als Pflegefall überlebt, der ansonsten schnell verstorben wäre.

Und sich das mal klar zu machen, ist ja nicht zu viel verlangt, oder? Umso mehr als das eigentliche Problem einer Felmpflicht für Fahrradfahrer im Vergleich zur Gurtpflicht für Auofahrer bisher überhaupt nicht angesprochen wurde.
Jörg Friedrich schrieb am 21.11.2011 um 15:23
gweberbv,
verstehe ich Sie also richtig, dass Sie eine Verpflichtung zu Maßnahmen des Selbst-Schutzes (Helm, Gurt) aus volkswirtschaftlich ökonomischen Gründen befürworten? Und dass die Senkung von Genesungskosten wichtiger ist als persönliche Freiheit? Müssten wir dann nicht wirklich die Helmpflicht für Fußgänger fordern und die Ausübung von Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko (sozusagen als Saldo aus Mehrkosten für Verletzungskosten und Minderkosten wegen verbesserter Gesundheit durch den Sport) verbieten?
gweberbv schrieb am 21.11.2011 um 23:46
@Jörg Friedrich

Sie verstehen mich erstmal insofern richtig, als dass ich - mit einigem Recht, wie ich meine - Ihre Behauptung/Vermutung, dass ein Nettogewinn aufgrund der Gurtpflicht zweifelhaft/unwahrscheinlich ist, für falsch halte. So offensichtlich falsch, dass es mich wundert, wie man auf derlei Gedanken kommen kann.

Allerdings haben Sie sicherlich Recht, wenn Sie mir unterstellen, dass ich die persönliche Freiheit hie und da gern eingeschränkt sehe. Dazu bedarf es meines Erachtens noch nichmal eines volkswirtschaftlichen Nutzens. Ich finde es sogar richtig, dass Bauherren auf die Finger geschaut wird, dass die mit ihrem Geld auf ihrem Grund und Boden errichteten Gebäude sich ästhetisch einigermaßen in das Umfeld einordnen (so subjektiv und willkürlich das im Einzelfall auch sein mag).

Genauso richtig finde ich aber auch, dass bei der ganzen Vorschriftemacherei etwas Augenmaß bewahrt wird - insbesondere im Hinblick auf nicht intendierte Nebeneffekte. Bei der Helmpflicht für Radfahrer halte ich es für wahrscheinlich, dass viele Gelegenheitsradler ihren Drahtesel dann eher stehen lassen würden. Für Menschen, die mit ihren Haaren aufwendige Dinge anzustellen pflegen, würde sich das Radfahren gar verbieten. Und das Radfahren dadurch sicherer zu machen, dass es partiell abgeschafft wird, das hat nun vermutlich keinen volkswirtschaftlichen Nutzen. Einverstanden?
Jörg Friedrich schrieb am 22.11.2011 um 08:55
gweberbv, die für mich entscheidende Frage bei der Einschränkung der Freiheit des Einzelnen, sich Gefahren aussetzen zu dürfen, ist, ob damit auch andere gefährdet werden. Wenn einer keinen Helm aufsetzt oder sich nicht anschnallt, gefährdet er sich vor allem selbst (möglicherweise auch seine Mitfahrer, mit denen er das auszumachen hätte). Wenn jemand hingegen alkoholisiert Auto fährt, gefährdet er auch andere - da ist ein entscheidender Unterschied.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 22.11.2011 um 09:11
Jörg Friedrich schrieb am 22.11.2011 um 08:55
Wenn einer keinen Helm aufsetzt oder sich nicht anschnallt, gefährdet er sich vor allem selbst...

Ist nicht die ganze Wahrheit.
Die Unfallfolgen sind ohne Helm auch für die schuldhaften Unfallverursacher beim Fahrad-/Kradfahrer größer.
Mit allen finanziellen Konsequenzen.
Verurteilung, Versicherungskosten etc..
Dennis82 schrieb am 19.11.2011 um 21:40
Vielen Dank für den Artikel; ich argumentiere schon seit Jahren ähnlich gegen diesen Sicherheitswahn an, der sich überall breit macht. Grade am Thema Fahrradhelme kann man diese Paranoia sehr gut erkennen. Helme, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht tragen dürften, da sie bestenfalls leichte Verletzungen verhüten. Aber eine wahre Goldmine für die Hersteller darstellen: viele Hobbyfahrer zahlen z. B. teilweise weit über 100 Euro für ein Stück Styropor.

Gerade Geschäftsinteressen der Hersteller und die der Versicherer (Privatisierung und Individualisierung der Kosten bei Schadensfällen) sollte man auch nicht aus den Augen lassen.

Realistische Gefahreneinschätzung spielt auch überhaupt keine Rolle - die allermeisten Menschen überschätzen und unterschätzen viele Lebensrisiken fundamentalst entgegen jeder Realität oder statistischer Wahrscheinlichkeiten.

Durch diesen allgegenwärtigen Wahn im Kleinen wird bewusst ein ständiges, permanentes Klima der Angst und Furcht erzeugt und geschürt, welches Sicherheitspolitikern und ihren feuchten Träumen von Überwachungsstaat und Abschaffung von Bürgerrechten sehr entgegenkommt. Die Menschen werden von kleinauf konditioniert - z. B. auch unter der Androhung schrecklichster Szenarien, was einem bevorstünde, wenn man denn ohne Helm Fahrrad fährt. Ich behaupte mal frech: Wer einen Fahrradhelm für unbedingt notwendig hält, der hat auch in den meisten Fällen keine Probleme damit, zugunsten des "Kampfs gegen den Terror" auf Freiheitsrechte zu verzichten.
Dennis82 schrieb am 19.11.2011 um 22:13
In diesem Zusammenhang (rundet das Bild ab) ein sehr interessanter Artikel: www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,505448,00.html
lebowski schrieb am 20.11.2011 um 13:25
Ein paar Bemerkungen zu dem Artikel:

In Schweden nennen Einheimische die Deutschen auch schon mal spöttisch "Rücksitzanschnaller".

Der Zugewinn an "Sicherheit" durch solche Dinge wie den Fahrradhelm wir natürlich durch die damit bedingte zunehmende Sorglosigkeit wieder neutralisiert. Wenn ich über eine Strasse laufe, muss ich selber darauf achten, dass die Straße frei ist.
Bei Ampeln verlasse ich mich alleine auf das Grün-Zeichen.
Übersieht ein Autofahrer eine rote Ampel, hat ein Fussgänger schlechte Karten.

Die größte Gefahr für Fahrradfahrer geht übrigens nicht davon aus, dass sie keine Helme tragen, sondern davon, dass es mittlerweile Usus geworden ist, freihändig im dichtesten Stadtverkehr zu fahren, während man mit Freundin auf dem Smartphone telefoniert, oder man scheckt direkt mal seine email-Nachrichten ab.
Es ist wirklich faszinierend, was Leute so alles treiben können, während sie Fahrrad fahren.
lurch schrieb am 20.11.2011 um 17:54
Schöner Artikel! Dass er einen Nerv trifft, zeigt die Entrüstung der Widersprechenden, die doch nur nochmal das Sicherheitsargument re-iterieren und damit am Argument des Textes vorbeiargumentieren. (Bis auf die Ausnahme, in der die Kosten für die Gesellschaft noch mit der Ebene der persönlichen Schuld, nämlich des Unfallopfers am Unfall, vermengt wurden...)

Wermutstropfen für mich ist allerdings die Erwähnung des Rauchverbots im selben Atemzug. Beim Rauchverbot handelt es sich um eine Einschränkung des Rauchers zum (gesundheitlichen) Wohl des Nichtrauchers. Damit ist es für mich eine "Repressionsbewehrung" eines Spezialfalls von "die Freiheit des Einen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beschnitten wird" und damit für durchaus verträglich mit der Mission des bürgerlichen Staats. Daher finde ich auch Fahrradlicht noch eher vertretbar, weil dies im Zweifelsfall als der Sicherheit eines Dritten, des Fußgängers, dienlich ausgelegt werden kann. Nicht so bei Gurt, Helm oder (ganz andere Richtung) Drogenverbot (nicht am Steuer, sondern allgemein).
Nansy schrieb am 21.11.2011 um 08:47
Die Erwähnung des Rauchverbots in diesem Zusammenhang ist kein Wermutstropfen, da es hier vom Ursprung her um die Durchsetzung einer tabakfreien Welt geht (nach eigener Aussage der WHO)
Allerdings führten die Rauchverbote und die Ausgrenzung der Raucher erst dann zum Erfolg, als man den sogenannten "Passivrauch" für die Argumentation entdeckte.

Auf der "Weltkonferenz über Rauchen und Gesundheit" in New York 1975 hat man diese Strategie entwickelt, um im Kampf gegen den Tabak Boden gut zu machen. Man hat den Antiraucher-Aktivisten erzählt, dass es die wesentliche Voraussetzung für die Eliminierung des Rauchens sein würde, "eine Atmosphäre zu schaffen, in der aktive Raucher so wahrgenommen werden, dass sie die Menschen um sich herum schädigen, insbesondere ihre Familien sowie jegliche Säuglinge und Kleinkinder."

Wie gut die Angstmacherei funktioniert hat, kann man daran sehen, dass die WHO in ihrem jetzt aktuellem Kampf gegen den Alkohol den ebenso unsinnigen Begriff "Passivtrinken" eingeführt hat. Die Eingabe des Suchbegriffs "passiv-drinking" in Google führt zu ersten Zeitungsartikeln mit diesem neuen/alten Kampfmittel.
Jörg Friedrich schrieb am 22.11.2011 um 09:02
Für mich ist das Rauchverbot dann nicht akzeptabel wenn der Nichtraucher frei entscheiden kann und akzeptable Alternativen hat. Ich habe lange vor dem Verbot das Gefühl gehabt, dass sich die gesellschaftliche Situation längst in diese Richtung entwickelt und ein Verbot überflüssig ist - deshalb kann ich es nur als weiteres Beispiel für die Bevormundung durch den Staat interpretieren, da mir die eigene freie Entscheidung nun nicht mehr möglich ist und ich als Nichtraucher Zwangsbeglückt werde. Das zeigt sich gegenwärtig besonders in den Versuchen des Staates, letzte Lücken zu schließen und auch noch die verbleibenden kleinsten Raucherclubs zu schließen.
merdeister schrieb am 24.11.2011 um 17:07
Ich habe lange vor dem Verbot das Gefühl gehabt, dass sich die gesellschaftliche Situation längst in diese Richtung entwickelt und ein Verbot überflüssig ist

Vielleicht haben Sie einfach das Haus seltener verlassen und sich bei Wein und Käse mit Freunden über helmtragende Radfahrer amüsiert.
staatsabzocke schrieb am 20.11.2011 um 20:07
m.E. ist diese Diskussion nur der Einstieg zur Einführung von Steuern und Haftpflichtversicherung für Fahrradfahrer. Damit rechne ich schon seit ca. 10 Jahren. Doch erst jetzt haben wir eine selbst ernannte Elitetruppe am Spreebogen, die sich nicht schämt, vom Kind bis zum armen Rentner alle Bevölkerungsgruppen in allen nur denkbaren Lebensbereichen abzuzocken.
claudia schrieb am 21.11.2011 um 10:01
>>Doch erst jetzt haben wir eine selbst ernannte Elitetruppe am Spreebogen, die sich nicht schämt, vom Kind bis zum armen Rentner alle Bevölkerungsgruppen in allen nur denkbaren Lebensbereichen abzuzocken.<<
Voraus ging dem eine andere "Elitetruppe", die mit grossen Steuergeschenken an Besitzende und Bezieher von Hocheinkommen die Staatsverschuldung weiter in die Höhe trieb. Was den Nutzniessern der Steuergeschenke ja schöne mühelose Einnahmen durch immer neue Staatanleihen bringt.
Damit wurde eine Mehrwertsteuererhöhung alternativlos.

Jede dieser "Elitetruppen" behauptet, dass die jeweils andere zu doof zum Regieren sei. In der Gesamtheit der Sprücheklopfereien ergibt das, dass alle Lobbyblockparteien zu doof zum Regieren sind, weswegen sie beliebige Koalitionen bilden können.

---
Fahrradsteuer?
Glaub ich eher nicht. Es gibt unter den Wählern der Lobbyblockparteien jede Menge Radfahrer (das meine ich ausnahmsweise mal wörtlich).

Wir müssen aber damit rechnen, dass nach der nächsten Wahl die Mehrwertsteuer sukzessive auf 25 % hochgesetzt wird. Irgendwo muss die Asche für die noch folgenden Kreditrettungsmassnahmen her kommen.

Dafür werden dann wieder allerhand neue Gags ausgeheckt, mit denen die lieben Bürger vor sich selber geschützt werden. Man muss ja Aktivität beweisen, als Regierung, nicht wahr?

Immer mehr Stresskrankheiten durch die Arbeit? Nicht rauchen, dann bleibt die Ausbeutbarkeit noch ein bisserl erhalten.
Das Prinzip lässt sich beliebig ausweiten, solange die Normdebilität erhalten werden kann...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 21.11.2011 um 18:22
staatsabzocke schrieb am 20.11.2011 um 20:07
m.E. ist diese Diskussion nur der Einstieg zur Einführung von Steuern und Haftpflichtversicherung für Fahrradfahrer.

Sind Sie mein Verbündeter?
Ihr Kommentar könnte auch von mir stammen.
Nach der Fahrradsteuer plus Versicherung werden die Narren vom Spreebogen wahrscheinlich Zusatzsteuern für Klopapier erheben.
Und für die Exkremente, natürlich nach Gewicht!
Wahrscheinlich wird dafür vorher ein Bundesministerium für "Exkrementreduzierung" (BMfEx) eingerichtet. Ministerkandidaten/innen gibt es ja reichlich!
claudia schrieb am 22.11.2011 um 05:58
steuerknecht & staatsabzocke:
Schöner Monolog.

Einen Vorteil hat ja das Abrutschen unter 5 %: Die Narrenfreiheit.
Nansy schrieb am 21.11.2011 um 09:11
Interessant ist, dass dieser Artikel in vielen Kommentaren offensichtlich missverstanden wird. Da wird für oder gegen Fahrradhelme argumentiert, dabei entwickelt sich in Deutschland (vielleicht auch in anderen Industrieländern) eine Gesellschaft, die sich nur noch mit staatlicher Bevormundung wohlzufühlen scheint. Wir haben inzwischen verlernt, selbst Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Daraus resultiert der absurde Anspruch an den Staat, er möge stellvertretend für uns alle Verantwortung übernehmen. Das führt dann zu der allseits bekannten Zustimmung der Bevölkerung für Verbote, Vorschriften und Überwachungsmaßnahmen. Wenn man mal längere Zeit in anderen Ländern der Dritten Welt verbracht hat, wird einem diese Mentalität äußerst befremdlich vorkommen.

Das macht sich nicht erst an einer möglichen Fahrradhelmpflicht fest, sondern eben auch an anderen Verbotsforderungen und Zwangsbeglückungen: natürlich sind die Dicken und Übergewichtigen im Fokus der Gesundheitsfanatiker, ebenso die Raucher und Alkoholtrinker, Salzverbote für Restaurants wurden schon in New York diskutiert, auch Parfümverbote für Angestellte in manchen Städten der USA und Kanadas haben sich durchgesetzt. Es wird wohl nicht lange dauern, bis diese Forderungen auch in Deutschland erhoben werden.

Was offenbar gar keine Rolle mehr spielt, ist die Entscheidungsfreiheit des einzelnen. Entscheidungsfreiheit bedeutet aber auch, dass man sich falsch entscheiden kann.
Kunibert Hurtig schrieb am 21.11.2011 um 18:05
@Jörg Friedrich

Anschnallen: Ekin = m/2 * V^2

Noch Fragen Kienzle?
hadie schrieb am 21.11.2011 um 18:44
Hauser ist tot.
Kunibert Hurtig schrieb am 21.11.2011 um 20:27
hadie schrieb am 21.11.2011 um 18:44

Hauser ist tot? schade, dann eben:

Noch Fragen Hadie?
Gruß
Rapanui schrieb am 22.11.2011 um 10:31
Der Versuch des Autors eine "staatliche Bevormundung" anhand von Alltagserscheinungen - hier Straßenverkehr - deutlich zu machen, ist plausibel.

Allerdings ist der Versuch des Autors, eine Begründung dafür zu finden, nicht sehr ertragreich. Er übersieht vollkommen den Zustand der Technik, der diese Regulierung bedingt.

Einem sogenannten modernen Auto, mit seiner absurden Motorisierung, mit seiner nutzlosen Masse, mit seiner egoindividualisierenden Ästhetik ein Ideal von Freiheit entgegenzustellen, ist einem ungedeckten Infanterie-Angriff gegen eine MG-Stellung gleichzusetzen.

Die gegenwärtige Technik präsentiert sich immer als die Lösung, niemals als das Problem. Diese Technik ist nicht das Ergebnis der Suche nach Freiheit, sondern der Suche nach der Optimierung der Kapitalverwertung. Eine Technik der Freiheit würde vollkommen anders aussehen.
Jörg Friedrich schrieb am 22.11.2011 um 15:14
Rapanui, wenn ich Sie richtig verstehe, sollte die Kritik bei den unsinnigen technischen Entwicklungen ansetzen, die den Schutz des Einzelnen vor den Konsequenzen dieser Technik erst nötig macht. Ich stimme Ihnen da auch zu, allerdings glaube ich dass die technischen Verfahren, die zur Produktion immer neuer Apparaturen führen, die wie Sie schreiben sich immer als Lösung und nicht als Problem präsentieren, und die bürokratischen Verfahren, die sich gleichfalls als Lösungen und nicht als Problem präsentieren, nur zwei verschiedene Erscheinungen des gleichen Grundproblems sind. Ich glaube, dass man mit einer Kritik des einen das andere auch infrage stellt. Leider kann man in einem kurzen Artikel immer nur einzelne Aspekte darstellen.
Rapanui schrieb am 22.11.2011 um 20:52
Dank für Ihre Entgegnung.

>>>wenn ich Sie richtig verstehe, sollte die Kritik bei den unsinnigen technischen Entwicklungen ansetzen<<<

Nein. Die Kritik sollte bei den Verhältnissen ansetzen, die eine solche Technik hervorbringen. Diese Verhältnisse bringen ja noch ganz andere Techniken hervor. An dieser Technik würde Ihre schlichte Kritik an der "staatlichen Regulierung" ad absurdum geführt. Diese Technik hat die "staatliche Regulierung" zur Voraussetzung und würde in "Freiheit" gar nicht funktionieren. Diese Regulierung ermöglicht es, Dörfer zu verlegen, damit die Technik Förderbrücke Raum für den Abbau des Rohstoffes hat. Diese Regulierung ermöglicht es, dass nur die Leute mit Kampftechnik abgeschossen werden, die in den Dienstvorschriften als Rohstoff für die Machtdemonstration festgelegt wurden.

Nun könnten Sie meinen, dass seien ja ganz andere Techniken und ganz andere Regulierungen, als die von denen Sie sprechen. Nein es ist die gleiche Technik, nur verschieden graduiert in ihrer Funktion bei der Kapitalverwertung.

Die gegenwärtige staatliche Regulierung ist die notwendige Voraussetzung für den Kapitalverwertungsprozess, die der aktuellen Qualität der Maschinen entspricht.

Wie Sie an der Kritik an Ihrem Text sehen, wird dann nur eine Diskussion darum geführt, ob diese oder jene Regelung Unsinn ist. Es wird nicht darüber diskutiert, ob nicht die Verhältnisse der Unsinn sind.

Warum kauft sich einer ein Motorrad mit 150 kW? Weil er die Freiheit genießen will? Und die vollkommene Freiheit besteht dann also darin, dass er ohne Helm fährt, weil er den Wind spüren will? Das ist doch wohl eher Kitsch als die Freheit, oder?
Jörg Friedrich schrieb am 22.11.2011 um 21:15
Rapanui, ich stimme Ihnen zum großen Teil zu. Ich schrieb ja schon, technische Verfahren und bürokratische Verfahren sind zwei verschiedene Erscheinungen des gleichen Phänomens. Allerdings bin ich nicht ganz so schnell bei dem (für mich etwas abstrakten und gleichzeitig vereinfachenden) Begriff der Kapitalverwertung. Das kann ich aber jetzt nicht auf die Schnelle komplett darstellen, sicher wird es dazu nochmal Gelegenheit geben.

Worin allerdings jemand seine Freiheit sieht und dass sie in der ganz irrationalen Freude am Klang eines 150-kW-Motorrades (ich nehme an, das ist viel Leistung für ein Motorrad?) und am Fahrtwind bestehen kann, das möchte ich nicht bewerten. Freiheit ist für mich tatsächlich die Möglichkeit, die eigenen Sehrnsüchte und Begierden ausleben zu können ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen (ja, auch diese Freiheit findet ihre Grenze natürlich bei der Freiheit und Unversehrtheit der Anderen).
Rapanui schrieb am 22.11.2011 um 21:58
>>>für mich etwas abstrakten und gleichzeitig vereinfachenden Begriff der Kapitalverwertung<<<

Vereinfachend ist nicht das richtige Wort, um den Begriff Kapitalverwertung als gesellschaftlichen Zustand zu beschreiben, eher passt: penetrierend. Er beschreibt den Zustand der von uns diskutierten Gesellschaft besser als der der "staatlichen Regulierung". Dieser Begriff ist relativ betrachtet vereinfachender als der Begriff Kapitalverwertung. Der Begriff "Staatliche Regulierung" ist vielleicht nicht so abstrakt, er ist anschaulicher - das mag sein.

Die konkrete Wirkung eine 150 kW - Motorrades ist so umfassend, dass sich der Nutzer auf jeden Fall dafür rechtfertigen muss. Über mehrere Kilometer werden z.B. in einer Großstadt Tausende (!) Menschen durch diese Technik bedrängt.

Ihr Begriff von Freiheit ist nicht konkret, sondern beliebig. Wie soll denn der Motorradfahrer rational die Grenzen der "Freiheit und Unversehrtheit der Anderen" wahrnehmen, wenn er dem irrationalen Klang seines Motors folgt. Es gibt ja gar keine gesellschaftliche Ebene von Kommunikation zur Freiheit des Motorradfahrens. Es gibt nur das unregulierte Interesse des Händlers und des Herstellers teure Motorräder zu verkaufen.

Die Ästhetik des Motorradklanges wäre zu betrachten. Sie unterscheidet sich meiner Meinung nach wieder nur graduiert von der Ästhetik des satten Tackens der AchtAcht, wenn Sie schmatzend den Gegner zerlegt. (Siehe Spielbergs "Soldat James Ryan", das Halten der Brücke in der letzten Kampfszene)
Magda schrieb am 22.11.2011 um 13:40
Verehrter Herr Friedrich,
Sie fragen:
"Was ist das überhaupt für eine Gesellschaft, in der die Menschen zur Vorsicht gezwungen werden? Und welchen Sinn hat das Ganze? Warum sollte nicht jeder selbst entscheiden können, ob er das Risiko eingeht, keinen Helm zu tragen, egal, ob als Fußgänger, als Fahrradfahrer oder als Motorradfahrer, oder sich nicht anzuschnallen, egal, ob im Auto oder im Bus?"

Das ist die Gesellschaft allgemeinen Jammerns über die Einschränkungen, die uns eine - in großen Zusammenhängen impotente Politik - aufzwingt, damit sie noch ein wenig Macht fühlt. Und eine Gesellschaft, in der ein solcher kokett-herummedisierender Beitrag auch ein Warnschild kriegen sollte. Aufschrift:

Vorsicht,Kleinrevoluzzer verbalisiert sich hier von links nach rechts.

Aber, wer hindert Sie denn, ein einsamer Cowboy des Zebrastreifens zu werden? Rasen Sie durch!!!
Oder wer hindert Sie, ohne Warnweste auf dem Fußweg herumzugondeln und die Fußgänger als Slalom-Stangen zu verwenden. Niemand. Höchstens eine wütende Oma, die ihren Krückstock durch Ihre Speichen steckt, wie sie es beim alten Wilhelm Busch gelernt hat.

Sie wollen - so verstehe ich das - Ihren Wagemut gesetzlich nicht eingeschränkt sehen. Prima: Umgehen Sie die Gesetze und zahlen Sie dafür,was das kostet. Das wollen Sie aber nicht. Sie wollen eine Garantie, dass es nach einem Unfall - ohne Warnweste - nicht so teuer wird bei der Versicherung. Denn die rechnen das gleich an. Das wollen Sie. Sie klären hier auch nur Versicherungsfragen.
Nur eben aus der Sicht eines Zeitgenossen, der ein bisschen Freiheit dringend braucht.

Abgesehen davon: Wenn es gelänge, in diesem Lande endlich ein Tempolimit durchzusetzen würde das vielen tausend Menschen über die Jahre das Leben retten.

Also kokettieren Sie rum, aber fahren Sie wenigstens mit dem Auto ein bisschen langsamer.

Übrigens: Der Herausgeber hat schon öfter mal erklärt, er zahle keine Strafen fürs Falschparken. Dessen Freiheitsdrang manifestiert sich wenigstens im Stillstand. Das ist doch verhältnismäßig zivil und ungefährlich.
Jörg Friedrich schrieb am 22.11.2011 um 15:24
Magda, ich würde gern verstehen was Sie mir oder meinem Beitrag genau vorwerfen. Ich sehe eigentlich nicht die Stelle an der ich über Versicherungsfragen rede. Wenn eine Versicherung mir keine Krankenhauskosten erstatten würde weil ich entgegen der Versicherungsbedingungen ohne Helm unterwegs war, wäre das ja sogar plausibel.

Es geht hier aber nicht um Versicherungen, mit denen ich nach freier Entscheidung Verträge abschließen kann an die ich mich dann zu halten hätte, es geht um staatlichen Zwang.

Nun können Sie einwenden dass der Zwang des Staates zum Tragen eines Helmes gering wiegt gegenüber anderen staatlichen Zwängen. Mir geht es aber um grundsätzliches, es geht um die Frage, was für Rückschlüsse wir auf die Prinzipien des Staates ziehen können wenn wir so einfache Alltagsbeispiele ansehen. Und welche Konsequenzen das hat. Und ob man diese Konsequenzen will.

Einer sachlichen Diskussion ist es übrigens meiner Erfahrung nach zuträglich, wenn man nicht über die persönlichen Verhaltensweisen des Anderen (hier über meinen Fahrstil auf dem Rad oder im Auto) spekuliert, sondern sich an dem orientiert, was im Text steht.
Magda schrieb am 22.11.2011 um 17:28
Ich habe mich an Ihrem Text orientiert. Absolut. :-((
Jörg Friedrich schrieb am 22.11.2011 um 17:50
Tut mir leid, aber auch nach nochmaligem Lesen meines Textes finde ich keine Stelle bei der es auch nur entferntesten um Versicherungsfragen geht. Ebenfalls finde ich keine Stelle aus der man ableiten könnte dass ich Spaß daran hätte, andere durch riskantes Fahren oder überhöhte Geschwindigkeiten zu gefährden.
Joachim Petrick schrieb am 22.11.2011 um 18:02
@Jörg Friedrich

wenn Sie mit dem absichtlichen Auslassen von Versicherungsfragen durch die Hinterür auf den gesellschafltihen Mangel an vielerlei Restrikoversicherungen verweisen wollen, ist Ihnen ein Geniestreich gelungen, denn keiner, nicht einmal Rainer, hat es ,aussser mir?, bmerkt?
Magda schrieb am 22.11.2011 um 21:50
Sie schreiben im Beitrag selbst:
"Vielleicht lässt sich auf diese Weise ein Umdenken auf den Weg bringen. Wer erst einmal verstanden hat, wie sehr er sich bevormunden lässt, der wird zum Rebell. Wir müssen uns die Frage stellen, wie viel Sicherheit wir uns eigentlich bieten lassen wollen."

Da bin ich aber ängstlich, wenn ich Ihr verbales Aufbäumen so verfolge. Mir fällt immer nur das Versicherungswesen ein:
Man sollte vielleicht eine Anti-Bevormundungs-Versicherung auf den Weg bringen. Oder eine Demokratie- und Freiheitsausfallversicherung. Wäre auch was Nettes.

"Ebenfalls finde ich keine Stelle aus der man ableiten könnte dass ich Spaß daran hätte, andere durch riskantes Fahren oder überhöhte Geschwindigkeiten zu gefährden."

Tja, das sagen sie alle. Ihr Freiheitsbegriff ist ein höchst einseitiger. Sie wollen "Born to be wild" sein, aber niemand gefährden. Da fällt mir auch noch was zu ein.
Wolfram Heinrich schrieb am 26.11.2011 um 16:03
@Magda
Übrigens: Der Herausgeber hat schon öfter mal erklärt, er zahle keine Strafen fürs Falschparken.

Wenn du den Herausgeber wieder mal triffst, könntest du ihm dann sagen, daß er irgendwann zur MPU geschickt wird. Das ist kein Witz, ich hatte als MPU-Gutachter mehrmals mit solchen Leuten zu tun, die nichts auf dem Flensburger Kerbholz hatten als eben viele nicht bezahlte Strafzettel für Falschparken.
Ich bin ja einer, der dergleichen für Unfug hält und ich habe alle Kandidaten mit einem positiven Gutachten durchgewunken. Ich kenne aber Kollegen, die dergleichen Gelassenheit nicht zeigen, bei denen bekommt man ein negatives Gutachten und dann ist der Lappen erstmal weg.

Ciao
Wolfram
chrislow schrieb am 22.11.2011 um 14:38
Vollkaskomentalität ...

Es scheint manchmal tatsächlich so, als ob die vielen Sicherheitsmaßnahmen eine Sicherheit vortäuschen, die recht dünn ist. Und so mag es sein, dass mit den Maßnahmen nicht wirklich Unfälle vermieden werden, sondern vielleicht sogar häufen, weil wir uns zu sicher fühlen...Die oben angesprochenen Sicherheitsmaßnahmen (Gurtpflicht, Helmpflicht, ...Reflektionsmarkierungen auf Kleidung...) sind für Extremfälle gedacht und geben nur im Unglück mehr Sicherheit.

Und wie ganz recht festgestellt wurde, kann man selbst bei Grün angefahren werden. ich würde mir als Fußgänger oder Fahrradfahrer nicht die Vorfahrt erzwingen wollen - weil ich es gegenüber eines Autos eben nicht kann. Mit den Fehlern der anderen ist eben darum immer zu rechnen - trotz aller Sicherheitsmaßnahmen...
Joachim Petrick schrieb am 22.11.2011 um 17:35
@Jörg Friedrich

Der Boulevard tanzt ausgewildert die gesellschaftlichen Verhältnisse, das Tanzpaar "Thilo Sarrazin & Eva Herrmann" lassen adrett nett herzlich grüßen?

"Was ist das überhaupt für eine Gesellschaft, in der die Menschen zur Vorsicht gezwungen werden? Und welchen Sinn hat das Ganze? Warum sollte nicht jeder selbst entscheiden können, ob er das Risiko eingeht, keinen Helm zu tragen, egal, ob als Fußgänger, als Fahrradfahrer oder als Motorradfahrer, oder sich nicht anzuschnallen, egal, ob im Auto oder im Bus?"

Was ist, wenn die Gesellschaft nicht einen risikolose ist, sondern eine, die das Riskovolumen gerade beschleunigt aufbläht, Sicherheitsgurte, Helme, Airbags verordnet, damit es den Kopf der reisenden nicht im Risikosaussewind aus den Angeln hebt?

Nein!,
unsere Gesellschaft ist längst vor die Aufgabe gestellt, eine Haftungsgesellschaft zu oganisieren, was aber nicht geschieht. Stattdessen werden gesetzlich Gefahren- , Risikolagen definiert, die jeder am besten allein privat versichern soll.

Die Risiken haben ständig zugenommen. heute ist es aus mehreren Gründen schon ein Abenteuer, den Fahrradhelm zu verweigern!

"Makaber formuliert: Einen Unfalltoten zu beerdigen ist sicher billiger als einen Schwerverletzten zu versorgen und wieder gesund zu bekommen."

Was ist mit den Kosten, die der Wegfall von Ernährern/innen verursacht`?

"Wo jedes Risiko vermieden wird, da liegt es auch nahe, die Risiken einer Schwangerschaft und des Eltern-Seins zu meiden. Statt Kinder in die Welt zu setzen, passen wir sorgsam auf unser bisschen Leben auf und setzen es möglichst keiner Gefahr aus: nicht der verrauchten Kneipe, nicht der Kopfverletzung beim Sturz vom Fahrrad und nicht der Geburt und Erziehung von Kindern."

Hier verwechselt der Autor die Beschreibung von Risiken mit deren angeblichen Ausfall durch Vermeidung.
Wieso werden hier vom Autor Schwangerschaft, das Eltern-Seins imlizit ohne Not noch Auftrag? zu Gefahrenlage, statt zur mentalen körperlichen Gesundheitsvorsorge umgedeutet?

"Was wir als angenehm, schön, verlockend empfinden, das ist dem Apparat schlicht irrationales Zeugnis unserer Unmündigkeit, unserer Unfähigkeit, selbst zu entscheiden, was gut für uns ist."

Wer auf den Staat wie die Maus auf die Schlange schaut, hat seine Freiheit auf Sand gebaut.
Wir leben doch in wahrlichch abenteuerlichen Zeiten, wo das "Rasen Betreten" schon als ein Abenteuer kommuniziert wird und ist?

"Niemand muss mir vorschreiben, etwas zu tun oder zu lassen, dessen Risiko nur mich selbst betrifft."

Das beschreit das Hohe Lied auf das Single Dasein auf einer verlassen einsamen Insel, die gerade, dank Klimawandel, untergeht.
Nicht einmal Adam konnte gegenüber Eva und umgekehrt im Paradies von einer risikoreichen Entscheidung sprechen, die nur ihn, bzw. nur sie betraf! oder?

tschüss
JP
Uwe Theel schrieb am 22.11.2011 um 21:16
Aua!
Rosa Sconto schrieb am 22.11.2011 um 22:43
Ich kaufe mir einen Gebrauchsgegenstand der alle Sicherheitsstandards für die Inbetriebnahme erfüllt und werde durch Verordnungen genötigt die Folgekosten selbst aus Eigenleistung aufzubringen. Bei einem Auto sind die Sicherheitsgurte im Preis weil sie Vorschrift sind. Mit dem Fahrradhelm wird es schon bedenklich und mit einer Leuchtweste auf dem Fahrrad wie ein bunter Papagei herumfahren zu müssen, da hört der Spass mit der Regulationswut dann aber wirklich auf. Aber das ist scheinbar das Salz in der Suppe des Konsumsystems. Insgesamt betrachtet halte ich diese Attitüde, alles regeln zu müssen, für eine Mangel an Vertrauen an den gesunden Verstand des Einzelnen. Wir sind doch nicht alle vollkommen blöd, - ?

Abgesehen davon kann ein ungeduldiger Dummkopf mit einem Airbag Probleme bekommen wenn er einer gelassenen Oma auf den Wecker geht ;-D

Omas Airbag from Rosane Scontovic on Vimeo.



@ Jörg Friedrich
Ihre Beteiligung an den Kommentaren ist sehr begrüssenswert. So entsteht eine Diskussion über die Absurditäten im "Nanny-Staat".

@ Rapanui
Das trifft genau die Wurzel des ganzen Übels: "Die gegenwärtige staatliche Regulierung ist die notwendige Voraussetzung für den Kapitalverwertungsprozess, die der aktuellen Qualität der Maschinen entspricht."
Rosa Sconto schrieb am 22.11.2011 um 22:53
Rosa Sconto schrieb am 22.11.2011 um 23:00
Jörg Friedrich schrieb am 25.11.2011 um 18:37
Rosa Sconto, Danke für das Lob und vor allem für das bemerkenswerte Video. Ich wüsste ja gern, wie das weitergegangen ist...
Meyko schrieb am 23.11.2011 um 08:01
Was man in dieser Gesellschaft besser auch nicht gegenüberstellt:

Wir haben uns im Jahr 2010 laut Statistik angeblich 3.648 Verkehrstote geleistet. Also täglich ziemlich exakt 10 Tote. Dafür benötigen politisch verirrte mehrere Jahre, aber die sollen jetzt zumindest ja mal wieder verboten werden...

Fühlt sich irgendwie voll daneben an ;-)
I.D.A. Liszt schrieb am 24.11.2011 um 16:39
Ein sehr hübscher Artikel.

Mir fällt anläßlich dessen ein, daß ich letzte Woche in den Radionachrichten hörte, daß nunmehr nur noch Zigaretten in der EU verkauft werden dürfen, die von selbst ausgehen.

Die Begründung war, daß damit jährlich innerhalb der EU 1000 Menschen in Brandunfällen sterben, die auf brennende Zigaretten zurückzuführen sind. Und diese Unfälle könnten durch selbst erlöschende Zigaretten vermieden werden.

Warum werden dann eigentlich nicht Automobile vorgeschrieben, die technisch bedingt allerhöchstens eine Geschwindigkeit von 30 km/h erreichen können?
Dadurch ließen sich aber gut dreimal soviele tödliche Unfälle jährlich allein in Deutschland vermeiden.

Ich bin der Ansicht, daß diese Bevormundung eine Art von unterschwelliger Angstmache ist, die uns beweisen soll, wie gefährlich das Leben ist, und daß wir daher dankbar sein müssen, daß sich ein sorgender 'Vater Staat' unserer Gefahren annimmt - natürlich nur zu unserem eigenen Schutz - vor uns selbst.
Diese Erzeugung von Angst geht Hand in Hand mit der erzeugten Angst Opfer von Diebstahl, Einbruch, Überfällen etc. zu werden. Auch diese dient dazu, uns Bürger zu verunsichern und nach einem starken Staat zu lechzen.

Verängstigte Bürger lassen sich leichter regieren.
merdeister schrieb am 24.11.2011 um 17:16
Begründet wird das durch die Minimierung der Unfallzahlen im Promillebereich

Mit Statistiken ist im Freitag zur Zeit kein Schnitt zu machen, Zahlen sind auch nur was für Eierköpfe, also versuche ich es mal mit Anekdoten:

Als ich 19 war, fuhr ich mit dem Roller (50km/h, sehr laut) zum Dienst, als mir jemand die Vorfahrt nahm und ich frontal in ihn reinknallte. Wenn nicht in den 80gern Helmpflicht eingeführt worden wäre, säße ich heute nicht hier. Sie können sicher sein, mit 19 hätte ich freiwillig keinen Helm getragen.

Einem Freund von mir, der auf dem Fahrrad unterwegs war wurde ebenfalls von einem Auto die Vorfahrt genommen. Den Aufprall mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe hat ein Helm gebremst, so dass er seine Ausbildung beenden konnte.

Ein Kommilitone fuhr mit seinem Motorrad nur ein kleines Stück, auf dem er leider die Kontrolle über die Maschiene verlor, sowie wegen des nicht richtig getragenen Helms sein Leben.

Über einige Promille bin ich echt froh.
Jörg Friedrich schrieb am 25.11.2011 um 18:32
merdeister, ich habe zu Ihrem Kommentar unter dem von RAJmue Stellung genommen.
RAJmue schrieb am 25.11.2011 um 17:55
Sehr geehrter Herr Friedrich,

Ihr Artikel folgt – so wie einige Kommentare – einem beliebten Lamento-Muster inklusive der unausweichlichen gesellschaftstheoretischen Ausschmückungen. Wie ich annehme, haben Sie allerdings noch niemals in der Notaufnahme eines größeren Krankenhauses hospitiert, und zwar vor und nach Einführung beispielsweise der Anschnall- und Helmpflicht. Das allerdings hätte zu störenden Erfahrungen führen können.

Ich kann "merdeister" nur zustimmen. Vor der Einführung der Anschnallpflicht etwa kam es beispielsweise nicht selten, bei Erwachsenen und Kindern, zu intensivem Kontakt mit der Windschutzscheibe oder anderen Autoteilen, mit teils bleibenden Schäden, und zwar auch bei relativ geringen Geschwindigkeiten. Ich kenne genügend Beispiele dazu. Hier sinken die Kosten der Behandlung drastisch, weil keine mehr anfallen. Von dem besonderen Hautgout der Aufrechnungen, über die Sie (ohne Belege) spekulieren, ganz zu schweigen. Der klassische Patient zur Organentnahme für Transplantationen ist heute auch nicht mehr der legendäre verunglückte Motorradfahrer mit Schädel-Hirn-Trauma, und zwar aufgrund der Helmpflicht. Usw. Für die Organversorgung negativ.

Tatsächlich kann man auch m.E. eine Pflicht zum Tragen von Warnwesten für überzogen ansehen, wenn beispielsweise eine ausreichende Beleuchtung gesichert ist. Ansonsten scheint es mir jedoch eine eher kärgliche Auffassung von „Freiheit“, wenn sich diese etwa an der Freiheit von der Helmpflicht emporranken muss.

Vor allem aber werden Sie, wenn Sie schon das Risiko komplett oder weitestgehend individualisieren wollen, in der heutigen Lage mit der Konsequenz zu rechnen haben, dass dann Versicherungen ebenfalls individualisieren wollen und entweder höhere Beiträge verlangen oder nicht zahlen, falls eine bekannte und effektive Vorsichtsmaßnahme bewusst ignoriert wird bzw. wurde. Wenn jemand wegen seiner Zausewind-Freiheit usw. leicht vermeidbare Risiken tragen will, dann bitte auch mit allen Konsequenzen, das jedenfalls würde m.E. die von Ihnen angerufene Selbstverantwortung suggerieren.

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Friedrich schrieb am 25.11.2011 um 18:29
merdeister, RAJmue, man kann es ja offenbar nicht oft genug wiederholen: Ich verfechte hier kein Helm- oder Anschnallverbot. Offenbar glauben Sie, dass ich das Helmtragen oder Anschnallen selbst als Freiheits-Beraubung empfinde - nur unter dieser Annahme machen Ihre Beispiel-Aufzählungen nämlich Sinn.

Es geht hier einzig und allein darum, dass wir es mit einer zunehmenden gesetzlichen Verpflichtung zum Selbst-Schutz zu tun haben. Mir geht es darum, aufzuzeigen, was das in letzter Konsequenz bedeutet, und alle Ihre Argumente und Beispiele zeigen mir, dass meine Befürchtungen zurecht bestehen. Mit Ihren Argumenten muss nämlich zwangsläufig der Aufenthalt in den Bergen und auf Segelbooten verboten werden, ebenso das Marathon- und Triatlon-Laufen usw. usf.

Sie müssen übrigens nicht das Risiko "individualisieren, in jeder Hausratsversicherung bspw. steht, dass sie geringeren oder keinen Versicherungsschutz haben wenn Sie die Türen oder Fenster beim verlassen des Hauses offen stehen lassen. Es spricht gar nichts dagegen, dass Versicherungen entsprechende Klauseln zum Fahrradhelm aufnehmen, so wie Lebensversicherungen heute schon Risikosportarten ausschließen. Aber Versicherungen sind, wie ich oben schon darstellte, gar nicht mein Thema. Es geht einzig und allein um den gesetzlichen zwang zum Selbstschutz und um die Frage, wo der herkommt und wo er hinführt.

Wenn wir die Ereignisse in den Notaufnahmen von Krankenhäusern und die Anekdoten Einzelner zur Grundlage der Gesetzgebung erheben dann werden wie bald auch keinen Sex mehr haben und werden nicht mehr Karussell fahren dürfen. Das ist alles mit vermeidbaren Risiken verbunden. Die allermeisten Menschen die ich kenne sind aber sowohl beim Sex, beim Fahrrad- und Motorradfahren, als auch beim Karussell-Fahren noch nicht verunglückt und sie werden die damit verbundenen Risiken offenen Auges weiterhin eingehen.
Rapanui schrieb am 25.11.2011 um 20:50
@ Jörg Friedrich schrieb am 25.11.2011 um 18:29

>>>Mit Ihren Argumenten muss nämlich zwangsläufig der Aufenthalt in den Bergen und auf Segelbooten verboten werden, ebenso das Marathon- und Triatlon-Laufen usw. usf.<<<

Jetzt kommen Sie sehr schön auf den Punkt. Diese von Ihnen aufgezählten spätbürgerlichen Verrichtungen, sind vor allem eines, sie sind schön teuer. Als Erscheinungen des Massenkonsumes sind sie sozial disziplinierend. Wie kommen Sie denn darauf, dass dies die natürlichen Übungen der Freiheit seien?

Sie sind vor allem Distinktion, Konsum, Ablenkung, Zerstreuung.... Um auf einem Fahrrad einen schönen Tag zu verleben, brauche ich Ruhe, freundliche Leute, eine gut geölte Kette und Reifen, die keine Luft verlieren. Ich aber sehe immer mehr grellbunte Fettwänste, hechelnde Leistungsjunkies und getunte Jungbuben, die sich als eine Ware inszenieren.

An dem von mir zitierten Beispiel Ihrer "Freiheit" sieht man sehr gut, dass diese Freiheit nicht aus dem von den Kapital-Verhältnissen gesetzten Rahmen hinaus will.

Den Alpinismus als Massenerscheinung gibt es erst seit den 1920er Jahren und er wurde mit Luis Trenker auch gleich noch zur Massenerziehung des deutschen Soldaten verwendet. Der völkische Bergsteiger stieß den Juden aus dem Alpenverein und ergötzte sich an Nietzsche. Heute scheint es, ist der Alpinismus eine von Jack Wolfskin gesponsorte Veranstaltung.

Zurück zu Ihrem Ansatzpunkt: es gibt keinen materialisierten Ausdruck von Freiheit. Eine Kritik des Freiheitsbegriffes anhand der Helmpflicht ist ein eher sparsamer Ansatz.
RAJmue schrieb am 25.11.2011 um 20:53
Sehr geehrter Herr Friedrich,

1. Wenn Sie die individuelle Risikobewertung durch Versicherungen akzeptieren, müssen Sie m.E. auch die damit einhergehende Überwachung in Kauf nehmen. Es ginge ja aus Gründen der Gerechtigkeit nicht an, dass jemand Jahre lang eine geringe Prämie zahlt, weil er falsche Angaben macht und im Wirklichkeit das erhöhte Risiko jahrelang eingeht, um dann bei einem Unglücksfall wahrheitswidrig zu behaupten, es sei nur ein Versehen gewesen, dass er nicht … usw. Wer Individualisierung befürwortet, läuft Gefahr, vom Regen in die Traufe zu kommen.

2. Schade, dass Sie zu so wohlfeilen Ausreden greifen wie derjenigen von den Notaufnahmen als irrealen Maßstäben der Lebensführung. Es geht nämlich um leicht vermeidbare Risiken und nicht um Unsterblichkeit. Was soll dieses Verallgemeinern, wo es um ganz Konkretes geht? Warum überhaupt sich schützen, warum überhaupt Medizin usw., wenn wir doch ohnedies sterben müssen, könnte ich auf diesem Niveau kontern.

3. Zieht man zum Vergleich etwa die Anzahl der Arbeitsunfälle heran, und zwar vor und nach Einführung von Schutzmaßnahmen, dann sieht man daran die Effektivität selbst einfacher Maßnahmen. Die Unfallstatistiken und auch die „Anekdoten“ von merdeister tun Sie allzu leicht ab. Auch ich kenne sehr gut Personen, die leicht vermeidbare schwerstwiegende Unfallfolgen erlitten haben, welche heute nach aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr vorkämen.

4. Bitte führen Sie einmal eine Studie durch, in der Sie erfragen, ob Personen, die einen schweren Unfall erlitten und aus Freiheitsdrang auf eine Schutzmaßnahme verzichteten, welche nach aller Wahrscheinlichkeit die Folgen wesentlich reduziert oder verhindert hätte, sich wieder so verhalten würden. Freiheit ist doch etwas, wozu man steht. Ich fürchte aber, das Ergebnis wird anders aussehen. Analog dazu ist beispielsweise bekannt, dass viele Raucher bereits mehrfach vergeblich versucht haben, sich das Rauchen abzugewöhnen. Das hindert manche nicht, bei passender Gelegenheit die Freiheit des Rauchens zu preisen. Wenn Sie aber einmal aufgehört haben, nehmen sie sich in der Regel nicht die Freiheit, wieder anzufangen. Auch sind die Rauchverbote in der Öffentlichkeit nicht einfach Terror, sondern haben messbare Folgen selbst in der Hinsicht, dass zu Hause weniger geraucht wird. Lungenkrebs wäre ohne das Rauchen eine seltene Erkrankung, und die wenigsten Tumorpatienten würden wieder mit Rauchen anfangen, wenn sie noch einmal zu leben hätten. Das Alles zeigt doch, wie eigentümlich es um diese Art von Freiheit steht. Ich jedenfalls bin altmodisch genug, um zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem unterscheiden zu wollen.

5. Manches in dieser Art von Diskussionen erinnert mich an eine Tagung von Jusos vor vielen Jahren, in der die mangelnde soziale Fürsorge usw. bitter beklagt wurde. Auf der anderen Seite stand die Tagung unter dem Titel „Wild und gefährlich leben“ und einige Teilnehmer demonstrierten dies durch öffentlichen Drogenkonsum. Die Präferenzen scheinen mir heute nicht weniger divergent. Ihre Extrapolationen auf und Einbettungen in den mentalen Gesellschaftszustand finde ich überzogen. Und dass Sie meine Ausführungen als Bestätigung Ihrer Befürchtungen sehen, wundert mich nicht, wenn es bei Ihnen in der Hauptsache um „letzte Konsequenzen“ geht, ganz so als ob es nicht immer divergente Ziele gäbe, die sich schon aus Gründen der politischen Opportunität wechselseitig begrenzen. Zugleich fürchte ich, dass Sie paradoxerweise gerade Zustände befördern, die Sie an die Wand malen (siehe 1.). Es tut mir leid, wenn ich Ihre Befürchtungen weiter bestärken muss. Ich nehme es aber gerne hin, denn ich kann ja bei Bedarf jederzeit in der Unfallchirurgie Konkretes sehen, und das genügt mir.

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Friedrich schrieb am 26.11.2011 um 11:55
Rapanui, ich weiß nicht, wie oft Sie an Laufveranstaltungen teilnehmen oder in den Bergen unterwegs sind aber aus Ihrer Einschätzung muss ich vermuten dass dies nicht eben häufig der Fall ist. Spätbürgerliche Verrichtung - entweder Sie haben einen sehr allgemeinen Begriff vom "Spätbürger" oder was Sie da behaupten ist schlicht falsch. Eigentlich sind mir in Ihrem letzten Kommentar viel zu viele nichtssagende leere abstrakte Phrasen enthalten, Sie werfen Antisemitismus mal eben mit Nitzsche und Jack Wolfskin zusammen und mixen sich daraus eine Kapitalismuskritik die so nebulös ist, dass sie völlig wirkungslos bleiben muss. Damit kann man sich vermutlich sehr subversiv fühlen, eine wirkliche Kritik der Verhältnisse dürfte man so aber verfehlen. Das ist nicht mal unterhaltsam.
Jörg Friedrich schrieb am 26.11.2011 um 12:00
RAJmue, nur zu Ihrem ersten Punkt, in den anderen reden wir ohnehin weiter aneinander vorbei: Ich habe gestern extra mal recherchiert, in Unfallversicherungen gibt es eine sogenannte Helmklausel, wenn Sie die im Vertrag haben, dann haben Sie schlicht keinen Versicherungsschutz wenn Sie ohne Helm reiten oder radfahren. Das funktioniert ganz ohne gesetzliche Regelung und ist auch völlig in Ordnung. Jeder muss und darf selbst entscheiden, welche Versicherung er abschließen möchte und welche Maßnahmen er dazu selbst ergreift.
Rapanui schrieb am 27.11.2011 um 20:54
>>>Rapanui, ich weiß nicht, wie oft Sie ....in den Bergen unterwegs<<< oft.

Sie stellen im Dialog mit RAJmue + merdeister diese These auf: >>>Mit Ihren Argumenten muss nämlich zwangsläufig der Aufenthalt in den Bergen und auf Segelbooten verboten werden, ebenso das Marathon- und Triatlon-Laufen usw. usf.<<<

Ich sehe solange kein Problem in diesem Thema, wenn Sie sich ein wenig über den zunehmenden Drang zum Helmtragen erregen würden. Da bin ich doch dabei.

Aber zu meinen, dass die gesetzliche Pflicht zum Helmtragen als ein Beweis für Ihre These tauge >>>Die staatliche Bürokratie neigt dazu, alles zu regeln und die Bürger zu bevormunden<<< ist ein geringer Ertrag für Ihr Blog.

Mit meiner Beschreibung des Alpinismus, zeige ich an zwei historischen sozialen Konstellationen, dass der Aufenthalt in den Bergen nicht a priori ein Indiz von Freiheit und persönlichem Risiko ist, sondern ganz wesentlich ganz anderen sozialen Parametern folgt als der von Ihnen unterstellten Freiheit.

Wenn Sie meine kurze Kulturkritik des Alpinismus nur als >>>Sie werfen Antisemitismus mal eben mit Nitzsche und Jack Wolfskin zusammen<<< verstehen, dann habe ich für die Kürze im Thread meinen Gedankengang nicht genug ausgebreitet.

Ich gehe jetzt aber davon aus, dass Ihr Blog eher von der Idee getragen wird: "Früher war mehr Freiheit".

"Berg Heil!" Diese Ausstellung des Alpenvereins können Sie sich zur Zeit in München ansehen. Vielleicht verstehen Sie dann, was ich meine.

www.sueddeutsche.de/bayern/ausstellung-des-alpenvereins-berg-heil-1.1197402
Streifzug schrieb am 26.11.2011 um 12:42
Die Diskussion ist alt, uralt.
(Das folgende Zitat habe ich schon an anderer Stelle im Freitag veröffentlicht. Scheint ein Universalfamilienbenutzerzitat zu sein ;)
"Weder reagiert die natürliche Selektion auf etwas, noch entscheidet sie sich (für oder gegen etwas), noch erzwingt, vergrößert, erschafft, verändert, formt, bedient, begünstigt, erhält, treibt, stößt, passt sie etwas an. Die natürliche Selektion macht nichts."

Quelle: William B. Provine


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