Alltag

Frauensache | 15.12.2011 12:35 | Ulrike Baureithel

Warum verdienen Frauen weniger als Männer?

Gender Gap bei den Löhnen: Für unsere Kolumnistin ist das ein altes Lied. Nur schließen sich die Frauenbranchen nicht zusammen, um kollektiv für ihr Recht zu kämpfen

Das Lied wird angestimmt, seitdem sich Männer und Frauen auf einem einzigen Arbeitsmarkt umherschubsen. Während Hänsel kräftig Gold scheffelt, muss Gretel froh sei, wenn sie drei Viertel davon abgreifen kann, selbst wenn sie so alt ist, genauso viel kann und (noch) keinen Anhang hat: 23 Prozent, sagt das Statistische Bundesamt, liegt das durchschnittliche Gehalt eines Mannes über dem seiner Konkurrentin.

Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen im Zeitalter von gender mainstreaming, Unisex und öffentlich beklagtem Fachkräftemangel! Sind die Frauen einfach zu doof, ihre historische Chance zu ergreifen? Und selbst schuld an ihrer „Selbstverzwergung“, wie es der Spiegel jüngst so niedlich umschrieb. Den Mädels, heißt es dort, fehle das nötige Selbstbewusstsein, sie könnten einfach nicht richtig feilschen. Oder im Jargon der FTD: Sie leiden am „Bescheidenheits-Gen“. Also kriegt der Betriebswirt 50.000 Euro als Einstiegsdroge per anno plus Dienstwagen, während seine weibliche Konkurrentin nur 40.000 nach Hause bringt und sogar mit dem Fahrrad zu wichtigen Terminen fährt. Kommt nicht so gut, aber frau wollte bei den Verhandlungen „den Bogen nicht überspannen“ (und ist ohnehin viel umweltbewusster).

"Schmutzkonkurrenz"

Gender pay gap nennt sich dieses Phänomen. Ungleicher Lohn für gleiche Arbeit. Ein Friedrich und eine Friederike hätten dieses Problem im 19. Jahrhundert noch nicht gehabt; einerseits, weil Friederike ohnehin außen vor war und gar nicht mit ihrem Friedrich hätte konkurrieren können. Zum anderen, weil der Arbeitsmarkt damals noch hübsch separiert war: hie die Männlein, dort die Weiblein. Erst mit den Fabrikarbeiterinnen, von den Genossen als üble „Schmutzkonkurrenz“ diffamiert, wurde sichtbar, was der olle Marx dann ein bisschen umständlich ausklamüserte: Dass sich der Lohn nämlich nicht nach dem bemisst, was einer leistet, sondern danach, was notwendig ist, sich und die seinen so halbwegs über Wasser zu halten. Bemessen am Status, versteht sich. Und natürlich für den Mann als Haupternährer.

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In den Fabriken benachteiligte man die Frauen, indem man sie in die so genannten Leichtlohngruppen abschob, und der Zoff um die Abschaffung dieser diskriminierenden Struktur ist noch gar nicht so lange her. Gegen sie kämpften die Frauen übrigens mit vereinten Kräften. Auch beim Mindestlohn geht es heute noch auffallend oft um „Frauen“-branchen. In der höheren Liga und der außertariflichen Zone wird das kollektive Fighten schon ein Problem: Denn da geht’s ja erst mal drum, den Konkurrenten wegzudrücken und den Job zu er­gattern, mit Chuzpe und Ellenbogen. Möglicherweise greifen da auch eingeübte Verhaltensstrategien, weibliche Zurückhaltung oder männliche Frechheit.

Nur: Wer darin den Grund für die eklatanten Gehaltsunterschiede – die sich nach oben übrigens noch verstärken – erkennen will, liegt falsch. Nicht Frauen ohne Boxhandschuhe sind das Problem, sondern die offenbar noch immer vorherrschende Vorstellung, Frauenarbeit sei entweder Zubrot oder Hobby. So­lange die Chefs glauben, familiäre Verpflichtungen hätten in der Kalkulation nichts zu suchen, solange es um Frauen geht, bleibt alles wie es ist. Wie wär’s, wenn Frauen mal Freistil übten, nicht für dicke Gehälter, sondern für die nicht nur symbolische Anerkennung dieses Teils gesellschaftlicher Arbeit? Ganz ohne Selbstzweifel. Und gemeinsam.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Baszlo schrieb am 15.12.2011 um 17:11
Warum behaupten eigentlich Frauen immer das sie weniger verdienen als Männer? In den Jobs in denen ich das vergleichen kann (Krankenpfleger/Krankenschwester, Elektromechaniker/Elekromechanikerin, Arzt/ Ärztin, Verkäufer/Verkäuferin) verdienen alle dasselbe. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Buchhändlerin (gelernter Job der Artikelautorin), weniger verdient als ein Buchhändler, oder doch? Oder verdient gar Fr. Merkel weniger als ihre männlichen Vorgänger?
M.M.n gehört diese Aussage in das Reich der urbanen Legenden, da mir bisher noch keine Frau einen Job nennen konnte, in dem sie weniger verdient, als ihr männliches Pedant.
crumar schrieb am 15.12.2011 um 20:50
Aaaaaaaaaaaahhhrrg. Frau Baureithel:

1. Das statistische Bundesamt beziffert den bereinigten gender pay gap auf 8 (in Worten acht) Prozent für 2006, der gender pay gap für Berufsanfängerinnen ist aktuell 2,5%.

Noch einmal für SIE:

"Das verbleibende Drittel des Gender Pay Gap lässt sich nicht (!!!!! zwei Drittel hingegen lassen sich Anm.) auf strukturell unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale zurückführen. Bezogen auf den für 2006 veröffentlichten Gender Pay Gap lag der um den Einfluss dieser Merkmale statistisch bereinigte Verdienstunterschied bei rund 8%. Dies bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde durchschnittlich 8% weniger als Männer verdienten."

Und ergänzend für SIE:

"Dieser Wert stellt insofern eine Obergrenze (!!!!!!!!!!! Anm.) dar, als einige weitere Faktoren, die zur Erklärung des Verdienstunterschieds beitragen könnten, in der Analyse nicht berücksichtigt werden konnten, da die entsprechenden Angaben nicht vorlagen."

www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2010/10/PD10__384__621,templateId=renderPrint.psml

Die 23% sind schlicht und ergreifend FALSCH.

2. Das Problem der "Selbstverzwergerinnen" im Spiegel-Artikel bestand von vorneherein darin, dass sie sich (bitte selber nachlesen) VORHER NOCH NIE Gedanken über ihr Gehalt gemacht hatten. DESHALB der Kurs für das Feilschen, was für einen Mann ein normaler Vorgang ist - und komischerweise für Frauen nicht: VOR dem Bewerbungsgespräch mache ich mich kundig, was eine angemessene, branchenübliche Entlohnung ist.
Gute Güte, wir sind im Jahr 2011!
Wann übernehmen Frauen eigentlich Verantwortung für ihr Leben?

3. Die gleichwertige Qualifikation des Paares aus dem Artikel war ERSTUNKEN und ERLOGEN. Dies habe ich unter meinem Blog beim Freitag im Teil 2 "Illuminaten Feminismus" ausführlich geschildert.
Die gute Frau hatte ihre Regelstudienzeit um satte 7 (sieben) Semester überschritten und DAHER auf ihre Bewerbungen keine positiven Antworten erhalten.
Der Mann hingegen hatte bereits eine Ausbildung in dem Bereich, in dem er dann studiert hat, Berufserfahrung und zusätzlich sein Diplom bei der Firma geschrieben, die ihn eingestellt hat.
Die Infos der Autorinnen waren so gut über den Artikel verstreut, weil sie einen anderen Eindruck erzeugen WOLLTEN und sie wollten ihn genau so lesen.

4. Der olle Marx nannte den Betrag den für die Reproduktion der Ware Arbeitskraft notwendigen, welcher abhängig ist von politischen Kräfteverhältnissen und unheimlich oll formuliert: Vom Stand des Klassenkampfes.

Das Frauen UND Kinder des Proletariats gezwungen wurden mitzuarbeiten, ist der Tatsache zu verdanken, dass die Löhne gedrückt wurden.
Was wiederum bedeutet: Die Männerlöhne reichten eben NICHT mehr aus die Familie zu ernähren.
DESHALB mussten Frauen und Kinder in den Fabriken arbeiten.
Sie jedoch stellen die Geschichte auf den Kopf.

5. Die "Leichtlohngruppen" sind ein Resultat der BRD-Geschichte (wie auch die geringere Entlohnung von Akademikerinnen).
Warum ist die spezifische Entwicklung in der BRD nach 1945 eigentlich IMMER Voraussetzung für einen historischen Rückblick?
Wieso NIE die andere Entwicklung in der DDR?
Das Phänomen der "Zuverdienerin" gab es in der DDR nicht, in der heutigen BRD ist es immer noch ein Massenphänomen.
Glauben Sie ernsthaft, Männer wollten heute noch so leben wie ihre Väter?

7. Geringverdiener gibt es ebenso und das Segment der "Leiharbeit" ist männlich dominiert.
Wo wollen Sie hin?
Eines gegen das andere ausspielen?????

8. Zum einzigen Punkt, wo wir Einigkeit erzielen können: Es müssen die Unternehmer qua Durchsetzung der Bedingung, dass für Kinder beide Geschlechter gleichberechtigt zuständig sind *gezwungen* werden anders zu kalkulieren.

Das betriebswirtschaftliche RISIKO Kinder (in dieser Sichtweise ist es eines) muss für beide Geschlechter gleichermaßen "eingepreist" werden.
So lange sich Frau auf Kind reimt, werden sich Männer auch nicht trauen Ansprüche zu stellen.
Denn: Mit Frau und Kind steigt der finanzielle Mehrbedarf bei gleichzeitigem Ausfall der anderen Ernährerin.
Da befinden sich Männer in einem bescheuerten Teufelskreis.
DESHALB arbeiten Männer mit Kindern auch länger als Männer ohne Kinder - und nicht weil sie böse Menschen sind, die ihren Anteil an der Hausarbeit nicht leisten wollen.

Auf der anderen Seite müssen Frauen *gezwungen* werden, von einem Lebensplan B Abstand zu nehmen.
Bei einem erklecklichen Anteil ist jedoch genau das: Ausstieg aus dem Berufsleben qua Kind/er noch immer im Hirn.

Gruß, C.
Paracelsius schrieb am 16.12.2011 um 23:01
Dass Frauen 23 Prozent weniger verdienen wird durch ständiges Wiederholen nicht richtiger! Richtig ist, dass es gerade einmal 8 Prozent sind! Diese Zahlen sind vom Statistischen Bundesamt bestätigt: Guckst du hier:

manndat.de/feministische-mythen/eine-legende-broeckelt-nun-auch-offiziell.html

Es ist ein beliebter feministischer Mythos, sich die Zahlen hier so zurechtzubiegen, dass sie der eigenen ideologischen Richtung passen! Dass Männer mehr verdienen liegt u.a. daran, dass sie viel öfter bereit sind Überstunden zu machen und auch sonst ihr Privatleben eher bereit sind zu opfern, als - klug oder nicht, sei mal dahingestellt - die Frauen. Denn die gehen lieber eher nach Hause und möchten mit Freunden was unternehmen, als in der Firma zu bleiben. Jedenfalls sieht man selten Frauen nach 18 Uhr noch in Unternehmen, sondern vor allem Männer. Dass sich das dann am Gehalt bemerkbar macht, wundert dann aber nur die Berufsfeministen.
zelotti schrieb am 15.01.2012 um 23:42
Frauen leben statistisch länger, kassieren also länger Rente. Frauen sterben statistisch seltener im Krieg. Viele Frauen sind Humankapitalisten, sie haben einen Mann, der für sie die Erwerbsarbeit leistet.
Paracelsius schrieb am 17.12.2011 um 13:18
Frage an die Admins:

Stimmt was mit der Technik nicht, oder warum ist mein Beitrag nur bei einem Login zu lesen? Ohne wird er nicht angezeigt. Und warum dauert es generell so lange, bis die Seiten auf freitag.de aufgerufen werden?

Danke für die Info.
bene.buettner schrieb am 25.03.2012 um 10:57
Zu der Streitfrage mit der "Gender-Pay-Gap" 8 oder 23 Prozent: Wenn ich das richtig verstanden habe, sind beide Zahlen richtig. Die 23% beziehen sich auf den durchschnittlichen Stundenlohn aller arbeitenden Frauen und Männer. Dabei ist also nicht gesagt, in welchen Berufen die jeweils arbeiten. Die 8% sind eine Zahl, die angeblich das durchschnittliche Einkommen bei gleichem Beruf und vergleichbarer Qualifikation betrifft.
Meine Meinung zu dem Thema lautet: Die Frauen sind selbst schuld daran, dass sie weniger verdienen als Männer. Wie ich dazu komme, erkläre ich in meinem Blog unter

www.gedankeneinesdurchschnittsmenschen.blogspot.de/2012/03/warum-die-frauen-selbst-schuld-daran.html


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