Benjamin Mattausch

Einen Augenblick zurück

26.04.2009 | 15:24

Generation Porno

Ob Sexbilder via MMS oder Sex-Filme in drei Klicks aus dem Internet: Wir sind die Generation Porno.

TV-Sender sind - gewohnt- nachts gefüllt, vom ZDF-Erotikthriller über den Softporno auf VOX bis hin zu den DSF-Erotik-Sportclips. Eines fällt auf: Es fehlen die alten Formate wie „Wahre Liebe“, „Liebe Sünde“ oder „Peep“, die sich im nachblickenden Vergleich recht sensibel und aufgeklärt Erotik-Themen näherten. Für die Generation Porno wäre dies eh nur kalter Kaffee. Heute klären Pornos auf: Nackt und unzensiert, vorallem aber unkommentiert.

Ohne etwas zu bezahlen können im Netz aktuelle Sex-Filmchen mit wenigen key-words gegoogelt und im Stream angesehen werden. Nach Eingabe des individuellen Fetisch, ob Natursekt, Blasen, anal oder SM, kann die Befriedigung losgehen. Die Frau, besser: die Mädchen, bleiben klares Sex-Objekt. Übertrieben?

Sex-Seiten im Internet gehören zu den meist besuchten Seiten im Netz. Die Generation Porno ist heran gewachsen. Die Konsumenten: Männer, beginnend im Kindes- und Jugendalter. Eltern werden überrascht, wenn ihre jungen Sprößlinge fragen, was 'Fisting' ist, noch lange bevor sie den ersten Kuss gewagt haben. Sex-Seiten sind ungesperrt und mühelos zugänglich, treten jeglichen ethischen Konsens in Grund und Boden. Pornos sind Umfragen zufolge oftmals tägliches Hobby, meist aber schon Sucht.

Welches Sex-Leben soll sich nach internalisierten Porno-Bildern entwickeln? Was löst Porno-Konsum im sensiblen Jugendalter aus? Inwieweit wird die Schere zwischen Liebe und Sex weiter auseinander gehen?

Macht die Partnerin nicht mit, sucht mann sich eines der zahlreichen Bordelle, Sex-Clubs oder Straßenstrichs aus. Wem das zu umständlich, zu teuer oder zu peinlich ist, geht schnell ins Internet. Schon heute gibt es in der BILD genügend Anzeigen, die nach posierenden Studentinnen vor Web-Cams suchen, dafür schnelles, gutes Geld bieten.

Unsere christliche Scham und Prüderie ist aufgeweicht. In unserem christlich-abendländlichen Verständnis war und ist Sex etwas Anstößiges, Unvernünftiges, Verbotenes, nur nach der Heirat und dann auch nur zur Zeugung der Kinder erlaubt. Die pornografische Revolution hat uns nun längst eingeholt, Pornos gehören zum Alltag dazu. Eine öffentliche Auseinandersetzung gerade auch zu Themen wie die Versklavung von Sexarbeiterinnen und Soziale Ursachen für Kinderpornografie bleibt aus. Das öffentliche Tabu ist geblieben.

 
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Kommentare
revoLutz schrieb am 27.04.2009 um 07:56
Dieser Beitrag fällt wohl eher unter die Rubrik Meinung. Eine Recherche hätte ergeben, dass die so bezeichnete Generation Sex romantischere Vorstellungen von der Liebe hat und praktiziert, als jede Generation zuvor. Dafür spricht auch, dass heute weniger junge Männer den Weg in die Bordelle finden als in früheren Zeiten. Nach diesen ersten offensichtlichen Recherchefehlern jetzt ein Argument pro Pornographie aus der Generation Sex: Alle Gesellschaften, die Pornographie legalisieren verzeichnen einen signifikanten Rückgang in nahezu allen Feldern der sexualisierten Gewalt, bis halt auf Pornos. Die bleiben weiter doof und langweilig - auf ihre interessante Art. In diesem Sinne für mehr schöne Zweisamkeit und eine hoffentlich bessere Pornographie.

Lutz
kay.kloetzer schrieb am 27.04.2009 um 20:26
Ich würde die Generation Porno gar nicht auf Erotisierung der Botschaften oder sexuelle Entgrenzung beschränken. Zeigt sich das Wesen dessen, was bisher als Pornographie vor allem in den Köpfen stattfand, nicht längst im ursprünglich weniger bis gar nicht sexualisierten Alltag? Ist die generelle Erregung nicht immer mehr Ziel aller Kommunikation? Der Reiz zählt, die Mittel sind dabei so brachial wie primär. Je gröber die Darstellung, umso diffuser die Begierde. Die Verfügbarkeit der Hure wird abgelöst von der Verfügbarkeit der Konsumenten-Persönlichkeit. In ihrer von Überforderung provozierten Willenlosigkeit wird den in Passivität Geschaukelten die virtuelle Welt zum Wirklichkeitsrausch. Die Machtstrukturen dieser Darbietung sind jenen nicht unähnlich, die in pornographischen Bildern, Filmen, Texten zum Regelwerk gehören. Der Softporno im Spätprogramm ist für mich da weniger das Problem, als Psychogewaltformate wie DSDS, Germanys Next Topmodel oder die Dschungelshow. Wenn Sucht, Vereinsamung und Frustration sich im Kreise drehen, wird Porno schlicht asozial.
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