Angelika Gutsche

Trauer um Libyen

28.12.2011 | 18:08

Was ist los in Libyen?

„… [Es] ist ein gespaltenes und zerstörtes Land ohne funktionierende staatliche Institutionen. Die Zahlen der Witwen und Waisen, der „Verschwundenen“ und der Kriegsversehrten gehen in die Zehntausende. Die konfessionellen Spannungen haben zugenommen, und al-Qaida ist im Untergrund nach wie vor aktiv…“ so schreibt Alain Gresh in Le Monde Diplomatique …über den Irak von heute. Irak, das Land, gegen das die USA mit ihrer Allianz der Willigen Krieg führte und es zehn Jahre besetzte. In Libyen hat es die Nato nach nur neun Monaten geschafft, die Situation immer mehr jener im heutigen Irak anzugleichen.


Bereits vor den Kämpfen um die Gaddafi treuen Städte Tripolis, Bani Walid und Sebha gab der Nationale Übergangsrat die Zahl der Todesopfer in Libyen mit 30.000 bis 50.000 an. Wie hoch mag die Zahl der Toten nach den äußerst blutigen Kämpfen und den fortwährenden  Nato-Bombarierungen um diese drei Städte angestiegen sein? Bis heute sind keine offiziellen Schätzungen veröffentlicht, so wie die ganze Situation in Libyen in einem medienpolitisch schwarzen Loch verschwindet. Libyen ist aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden, man liest  nichts von den Zuständen in vielen der Orte, die bis zum Schluss zu Gaddafi standen und von denen heute nur noch Trümmer vorhanden, die Bewohner tot oder geflohen sind. Patrik Haimzadeh, einst französischer Diplomat in Libyen, schreibt dazu in Le Monde Diplomatique: „West-Riyayna [das bis zum Schluss zu Gaddafi gehalten hatte, Anm.d.Verf.] ist heute ein Geisterdorf mit ausgebrannten Häusern, eingeschlagenen Haustüren und geplünderten Geschäften.“ Und an anderer Stelle: „… Menschen aus den Dörfern und Städten, die das gestürzte Regime unterstützt hatten und deshalb Repressalien ausgesetzt sind. Auf den Landstraßen und in den Städten findet eine systematische Hetzjagd auf Autos mit Nummernschilder aus Bani Walid oder Sirte statt: Sie werden angehalten, die Insassen kontrolliert und gefilzt, manchmal auch ausgeraubt.“ Aus dieser Bescheibung kann nur der Schluss gezogen werden, dass Zivilisten, die zu Gaddafi hielten, von der Nato nicht zur schützenswerten Zivilbevölkerung gezählt werden.

Ungläubiges Grauen löste kurz vor Weihnachten in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ die Bemerkung von Peter Scholl-Latour aus, Muammar Gaddafi sei keineswegs erschossen, sondern auf brutalste Art und Weise mit einer Eisenstange gepfählt worden. Wie es die neuen Vertreter Libyens mit Rechtstaatlichkeit halten, konnten Fernsehzuschauer bereits vor einiger Zeit jeden Abend begutachten, als die schon in Verwesung übergegangene Leiche Gaddafis auch in unseren Nachrichten zur Schau gestellt wurde, und dies trotz der islamischen Pflicht, die Leiche noch möglichst am Todestag zu bestatten. Es sind Gesten wie diese, die eine Aussöhnung der Stämme wohl für lange Zeit unmöglichen machen werden und weiter zur Spaltung des Landes beitragen.

Auch war Scholl-Latour der Meinung, dass man vor allem in Südlibyen mit einer Somalisierung des Landes zu rechnen habe. Einen Vorgeschmack davon gaben die Erschießung eines Deutschen und weitere Entführungen in Timbuktu. Die Stadt liegt in Mali und ist Kreuzungspunkt zwischen dem Übergang von Sahara zur Sahelzone, also der Übergang des von den Tuareg beherrschten Wüstengebietes zu einer kargen Ackerbauzone. Den Tuareg ist es freigestellt, sich in den Ländern der Sahara, also zwischen Mauretanien, Mali, Algerien, Niger und Libyen frei zu bewegen. Bis auf einige im Wüstengebiet stationierte Grenzposten sind Grenzsicherungen nicht vorhanden. Nur wenige Pisten durchqueren die gesamte Sahara in Nord-Süd-Richtung, eine Teerstraße gibt es nicht. Sahara ist Beduinenland und nur wer sich dort wirklich gut auskennt, ist überlebensfähig. 97 Prozent von Libyen sind Wüste. Wenn diese Wüste auf libyschem Gebiet auch relativ gut mit Straßen erschlossen ist, so bleibt doch ein riesiges, kaum kontrollierbares Staatsgebiet als Rest, denn Libyen ist mit seinen circa 1,8 Mio. Quadratkilometern das viertgrößte Land Afrikas. Wenn auch die Tuareg nur einen relativ kleinen Prozentsatz der Bevölkerung Libyens ausmachen, so waren sie Gaddafi in tiefer Treue verbunden. Gaddafi bot den Tuareg stets Schutz und stellte jedem dieser Wüsten-Beduinen auf Wunsch einen libyschen Pass aus, mit denen sie in den Genuss des libyschen Öl-Wohlfahrtsstaates kamen. Viele Tuareg dienten in Gaddafis Armee. Als Teil dieser Armee sind sie nach dem Sturz des Regimes auf malisches Gebiet geflohen und brachten auch gleich ihre Kurzstreckenraketen und Flugabwehrgeschosse mit.

Seit einiger Zeit ist die Sahara aber auch Rückzugsgebiet für islamistische Gruppen, so genannte Al-Qaida-Gruppen. Tuareg und Al-Qaida stehen sich zwar nicht wirklich nahe, da die Tuareg, obwohl Moslems, für islamistischen Geschmack einen recht laxen Islam ausüben. Auch bezüglich der Rolle der Frau gehen die Ansichten auseinander. Dies heißt aber nicht, dass islamistische Gruppen und Tuareg nicht in Stunden der Not ein Zweckbündnis eingingen. So wohl geschehen Anfang Dezember im Osten Malis bei der Entführung zweier Franzosen, die eindeutig im Dunstkreis westlicher Geheimdiensten agierten (SZ vom 10./11.12.11).

Doch auch im Nordwesten Libyens, entlang der Küste ist die Lage keineswegs stabil. So erhielten wir die Nachricht, dass der Grenzübergang zwischen Libyen und Tunesien, Ras Ajdir, so wie fast die gesamte libysch-tunesische Grenze, auf libyscher Seite unter Kontrolle von Aufständischen ist. Einige Tausend Tunesier, die auf der Suche nach Arbeit sind, können aus diesem Grund nicht nach Libyen einreisen. Ohne ausländische Arbeitskräfte ist die Wirtschaft Libyens aber nicht funktionsfähig. Wann wird da libysche Öl für den Westen wieder fließen. Und darum ging es doch neben der Destabilisierung des Landes vor allem in diesem Krieg.

 Und was ist von der Nachricht zu halten, dass der sich in einem bedenklichen Gesundheitszustand befindliche Sohn Muammar Gaddafis,  Saif al-Islam al-Gaddafi, inzwischen von der „auf Mord und Anstiftung zum Mord“ lautenden Anklage in Zintan freigesprochen wurde und auf freiem Fuß ist? Diese Nachricht stammt vom Iranischen Rundfunk, während sie bei uns im schwarzen Presse-Loch versank.

 Und die Nachrichten aus der Hauptstadt Tripolis? Am 15. Dezember berichtete die SZ, dass General Kalifa Hiftar, einer der ranghöchsten Soldaten des heutigen Libyen, mit seinem Konvoi in eine Schießerei mit den westlichen Truppen verwickelt wurde, bei der es zwei Tote und mehrere Verletzte gab. Von der einen Seite wird behauptet, Hiftar habe eine Straßensperre durchbrochen, um den Flughafen unter seine Kontrolle zu bringen, die andere Seite sagt, auf Kalifa Hiftar, Nachfolger des ebenfalls unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen Generals ‚Fatah Junes, sei ein Anschlag unternommen worden. Die Rivalitäten zwischen den einzelnen Gruppen sind groß und die Lage alles andere als sicher. Zwar hat Turkish Airways mit einem Flug aus Istanbul den zivilen Flugverkehr am 7. November offiziell wieder aufgenommen, doch werden Reisende auf der Suche nach einem Tripolis-Flug auf der Homepage der Fluggesellschaft nicht fündig werden. Dafür findet sich auf der Homepage des Auswärtigen Amtes dieser Hinweis: „Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Libyen. Die Lage im ganzen Land ist weiterhin unübersichtlich. Bewaffnete Auseinandersetzungen finden vereinzelt weiterhin statt und sind jederzeit möglich.“

Die Tochter Gaddafis, Aischa al-Gaddafi, bei Kriegsausbruch von der UNO geschasst, wo sie sich als Ehrenbotschafterin des Entwicklungsprogramms gegen die Verbreitung von Aids und die Unterdrückung von Frauen in der arabischen Welt einsetzte, ruft derweil aus ihrem Asyl in Algerien zum Widerstand auf. Und in etlichen Stadtvierteln werden immer aufs Neue Pro-Gaddafi-Parolen an die Hauswände gemalt und die Stunde der Rache beschworen. Denn es gibt sie noch, die eine Million Gaddafi-Anhänger, die während des Krieges am 1. Juli 2011 in Tripolis für Muammar Gaddafi demonstrierten – in einem Land mit insgesamt nur gut sechs Millionen Einwohnern. Davon nahmen die westlichen Medien keine Notiz, während es Schlagzeilen hagelt, wenn in Russland mit seinen 143 Millionen Einwohner gerade mal ein paar Dutzend Menschen auf die Straße gehen.

 Des Nachts kommt es in Tripolis zu Schießereien, auch zwischen Milizionären und der Nationalen Befreiungsarmee. Verschiedene Clans mischen mit, ebenso wie Dschihadisten, unterstützt durch den Emir von Katar und seinem inzwischen in vielen arabischen Ländern verhassten Sender al-Jaseera. Und es soll Gaddafi treue Zellen geben, die sich noch ruhig verhalten, um einen günstigen Zeitpunkt für ihre Rache abzuwarten.

Doch wie sieht es im Osten, in der Kyrenaika aus, von wo der Aufstand seinen Anfang nahm? Hier bestimmen nach wie vor die tribalen Führer und Politiker von Großfamilien das Geschehen. Sie sorgten nach dem Sturz des alten Systems für Sicherheit und Ordnung in der Region und sind bemüht, ihren Einfluss und die soziale und ökonomische Teilhabe auszuweiten und ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Auf die regionalen Führer, die ihre alte und neue Macht bestimmt nicht wieder abgeben wollen, ist auch der Übergangsrat in Bengasi angewiesen.

Der Aufstand gegen Gaddafi speiste sich zuerst vor allem von den jungen Menschen aus Bengasi und Umgebung, deren politische Teilhabe in der tribalen Gesellschaft gegen Null geht. Der Anteil der 16- bis 35-Jährigen beträgt in der Kyrenaika etwa fünfzig Prozent. Wie Thomas Hüsgen in seinem Aufsatz „Politische Kultur und die Revolution in der Kyrenaika“ (Libyen, Hg. Fritz Edlinger, 2011) schreibt, „…geht die ökonomische und politische Integration der Massen an Jugendlichen über die Leistungsfähigkeit des Systems hinaus“. Diese städtische Jugend diskutiert über Demokratie und Menschenrechte und interessiert sich für das westliche System, von dem sie sich mehr Chancen verspricht. Doch aus der politischen Realität sind sie auch nach dem Sturz Gaddafis verdrängt, dort haben weiterhin die Stämme das Sagen. Nach den Kämpfen stilisieren sich die jungen Männer als opferbereite Märtyrer und organisieren sich in Bünden, wobei sie sich von der restlichen Gesellschaft immer weiter entfernen.

Davon, dass der Nationale Sicherheitsrat die Lage im Griff hat, kann überhaupt keine Rede sein. Es ist nicht einmal bekannt, wie viele Mitglieder der Übergangsrat hat – es sollen 33 oder 48 sein – geschweige denn, dass man die Namen aller Mitglieder oder ihre früheren Funktionen kennt. Dies hielt den UN-Sicherheitsrat aber nicht davon ab, Mitte Dezember seine Sanktionen gegen die libysche Zentralbank aufzuheben und damit etliche Milliarden Dollar der neuen libyschen Führung zugänglich zu machen. In welchen dunklen Kanälen mögen diese Gelder, die rechtmäßig dem libyschen Volk zustehen, nun versickern?

Gaddafi weg und alles ist gut? Davon kann nun wirklich keine Rede sein. Ein vorher prosperierendes Land, das reichste Afrikas, dessen Bewohner die längste Lebenserwartung auf dem ganzen Kontinent hatten, ist zerstört. Über 20.000 Einsätze hat die Nato geflogen. Anschließend glich die schnelle Beendigung des Nato-Einsatzes mehr einer Flucht als einem geordneten Rückzug. Der Hass der Bürgerkriegsseiten hat sich ins Unermessliche gesteigert. Diese Konsequenzen müssen dem Westen schon vor seinem Kriegseinsatz bewusst gewesen sein, wurden aber zynisch missachtet beziehungsweise wurde die Destabilisierung des Landes bewusst herbeigeführt, denn nur ein schwacher arabischer Staat ist ein guter arabischer Staat. Und der Westen macht weiter – als nächstes ist Syrien an der Reihe.

Ein weiterer Kollateralschaden ist das gnadenlos schlechte Ansehen des Westens und der Nato in ganz Afrika, Lateinamerika und in weiten Teilen der übrigen Welt. Wen es interessiert, der sollte sich auf Youtube die vielen Videos ansehen, in denen Gaddafi als geliebter „Hero of Afrika“ gefeiert wird. Sein Tod machte ihn für viele Menschen endgültig zum Märtyrer. Und die Verschlechterung der gesamten Lebensumstände in einem zerstörten Libyen werden das Land gewiss nicht befrieden. Aber darum ging es ja von Anfang an nicht.

 
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Kommentare
Rapanui schrieb am 28.12.2011 um 18:45
Vielen Dank für diesen Einblick.

Die zur Zeit völlig fehlenden Nachrichten aus Libyen lassen vermuten, dass die NATO-Intervention selbst aus der Sicht des französischen Präsidenten und des britischen Premiers ein katastophaler Fehlschlag war.

Ich nehme mal an, dass die beiden selbst einen wiedereröffneten Olivenhain genutzt hätten, um Oliven der Freiheit vor den Fernsehkameras zu verspeisen.
Zeitleser schrieb am 28.12.2011 um 20:16
Auch von mir vielen Dank. Ich denke, dass man das alles vorher wissen bzw. voraussagen konnte und hat sich gleichwohl auf die eine Seite geschlagen. Statt die Kombattanten - für beide Seiten wirksam - geographisch zu trennen, hat man den Aufruhr zum Krieg werden lassen. Das war schändlich und das geht auf die Schuld der NATO. Es wurde keine Realpolitik gemacht sondern Politik aus abstrakten Begriffen und diese als gute Tat / Rechtfertigungsfassade unters Volk in unseren Breiten stilisiert. Wie wenn diese Begriffe je auf die Situation in dem unglücklichen Land je gepasst hätten, vorher nicht und in der Zukunft - wie Sie es beschreiben - auch nicht. Viele Kriege werden aus Langeweile gemacht oder angeheizt, man lässt es halt mal wieder krachen. Mir tun auch die Soldaten leid, die jetzt damit leben müssen, dass sie aus der Position der Unangreifbarkeit Leute und Werte auf Befehl vernichtet haben. Das wird ihnen ein Leben lang auf der Seele liegen. Denn niemand wird sagen, ihr habt etwas notwendiges und richtiges getan.
Dreizehn schrieb am 28.12.2011 um 20:24
Ebenfalls ein herzliches Dankeschön. Was die westlichen Medien bieten, ist perfide Frontberichterstattung. Wenn die eigenen Truppen keine Erfolge zu vermelden haben, herrscht Schweigen im Blätterwald. Rest ist egal. "Demokratie"? "Menschenrechte"? Wen interessiert's noch?
koslowski schrieb am 28.12.2011 um 20:38
„die eine Million Gaddafi-Anhänger, die während des Krieges am 1. Juli 2011 in Tripolis für Muammar Gaddafi demonstrierten“ / „wenn in Russland mit seinen 143 Millionen Einwohner gerade mal ein paar Dutzend Menschen auf die Straße gehen.“ – Ich hoffe, dass Ihre Informationen über Libyen seriöser sind als Ihre Informationen über die Zahl der Demonstranten in Moskau ( 120000 nach Angaben der Veranstalter, 29000 nach Angaben der Polizei ).
Zeitleser schrieb am 28.12.2011 um 22:44
So weit ich weiß, beträgt die Einwohnerzahl 9 Mio. Nimmt man die größere Zahl von 120.000 Demonstranten so sind das 0,13 % der Moskauer. Da von "dem Volk" oder den "Moskauern" zu sprechen, fällt mir etwas schwer. Gibt es überhaupt noch eine Wahl, nach der nicht behauptet wird, der Erfolg der Gewinner beruhe auf Wahlfälschung? Diese "Nach-Wahl-Szenarie" geht von der 2. Bush-Wahl aus (man erinnert sich die Auszählung in Florida) - wobei man mit Gewissheit sagen kann, das war nun definitiv eine Wahlfälschung, die dem Bush II. eine zweite Amtszeit einbrachte und der Welt die Segnungen seiner Politik, über die Bush I. auch nur ein Wort fallen ließ. Das sagt eigentlich alles.

In der politischen Theorie sagt man, die Demokratie ist strukturell unfähig Kriege zu führen. Das war eine der großen Hoffnungen des 20. Jahrhunderts. Auch die ist erledigt.

Dass unser Land sich aus den beiden arabischen Kriegen (Irak und Lybien) herausgehalten hat, war positiv - das sollte auch mal gesagt werden.
goedzak schrieb am 28.12.2011 um 23:08
"Dass unser Land sich aus den beiden arabischen Kriegen (Irak und Lybien) herausgehalten hat, war positiv - das sollte auch mal gesagt werden." - Ja, aber ein guter, taz-lesender Linker goutiert ja nichts, was von Westerwelle kommt. :)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.12.2011 um 22:02
humorlos (ich hoff, nicht zu groß :oops: )
humorlos (tageslicht)

+
libyancivilwar.blogspot.com/

+ was derzeit an berichten ala "No. Astonishingly, it was not depleted uranium. It was slightly enriched uranium, the kind that is used in nuclear reactors or atomic bombs. We found it in the hair and also in the soil. We concentrated the soil chemically so there could be no mistake. Results showed slightly enriched uranium – manmade. " www.uruknet.info/?p=m82624&hd=&size=1&l=e
zum iraq kommt, wird weit schneller, früher richtung libyen "am-rande" bemerkt werden...

ich les zuviel "in english", als daß ich noch "deutsch" bzw zumindest "mein deutsch" schreiben könnt, english schon gar nicht ;-)

lieben gruß an rapanui und vor allem phineas
auch von herrn g. ( tomgard.blog.de/ )
Phineas Freek schrieb am 31.12.2011 um 14:13
Hallo jana g,

...dieselben Grüße zurück,
selbstverständlich auch an Tom Garst - pardon
Gard!
Das mit dem "in english" geht mir ebenso - es sind
fast ausnahmslos in englisch verfasste Beiträge, durch die man sich kämpfen MUß, um diesen widerlichen und bizarren "Medienkrieg" (wenn es doch nur ein solcher wäre!!) einigermaßen "umschiffen" zu können.
Oder eben solche Beiträge wie oben (das ist eine wirklich anständige Arbeit, Frau Gutsche! - jetzt erst entdeckt).

Trotz alledem - alles Gute fürs neue Jahr!

Phineas
Ehemaliger Nutzer schrieb am 31.12.2011 um 19:27
dir auch,
herr garst is very ungarstig actually , I can confirm ...

ich versuch gleichmal, unten herrn gaddafi reden zu lassen und wenn du ebenso "in english" steckst, wirst ebenso zynisch lachen können, der herr hatte humor aber ...nuja... mensch kann soetwas schon verlieren, am end bleibt nur sarkasmus, zynismus...

es ist ein ausblick, wie auch ein einblick an/in gaddafis status, stellung... wenn er sagte immerzu, er sei nicht "herrschend", würde dies land nicht "regieren", so zeigt der text zumindest die leise klage darüber, über eben diesen umstand. ein sarkastischer abriß der entwicklungen im land ...

werds teilen, dann paßts rein...

wir rutschen leis mit vollem bauch, drunken perhaps ... ;-)

+wenns allzu deprimierend wird, lies wirklich mal in die commentarstränge bei caustic logic (siehe oben der link unterm bild) rein+herrn busby lauschen+sehen tut ebenfalls gut bzw kann n lächeln erzeugen :yes: .
uruknet hat ein längeres interview verlinkt nun (ich auch, ...gleich zu mir genommen), in dem einfach mal das zu erwartende maß an zerstörung - schleichender genozid gewissermaßen - über die schilderungen der zerstörungen im iraq beschrieben werden.

ich hock ab januar in ner tankstelle - vollzeit und werd mal den dort erhältlichen blätterwald durchforsten, wann immer zeit dafür bleibt. irgendwie scheint das notwendig, um nicht ständig sprachlos mit offenem maul die dir in aller rechtschaffenheit und moralität entgegensprudelnden lügen ertragen zu müssen. sprachlos immer wieder, weil ich nie/selten les, wie "die leuts auf sowas kommen"...

nuja, wünsch dir auch ne angenehme nacht :yes: ,
herr gard fuchtelt grad wild mit einem messer herum...
bereitet s näxte "große fressen" ;-)

:wink:
miauxx schrieb am 29.12.2011 um 14:21
Dank auch von mir für den Artikel! Wenngleich mir die, im Vergleich zur richtigen Kritik am westlichen Eingreifens in fremde Staatssysteme, welches wiederholt mehr Schaden als irgendeinen friedenbringenden oder gar demokratiestützenden Nutzen brachte (davon abgesehen, dass solche Eingriffe per se fraglich sind), recht distanzlose Belobigung des Gaddafi-Systems (s.a. hier: www.freitag.de/community/blogs/gela/es-war-einmal-zum-tod-gaddafis) nicht so gefällt.
antares56 schrieb am 29.12.2011 um 15:09
Sehr guter Beitrag!
Es war doch von Anfang an klar, dass die USA mit Hilfe der Nato einen unliebsamen Gegner loswerden wollten! Das Libysche Volk hat doch da niemanden interessiert!
Jetzt haben wir nach dem Irak ein weiteres Land im Chaos und es wird wohl so weitergehen. Zunächst Syrien, dann wohl der Iran - wer weiss, was die USA noch alles für sich beanspruchen wollen?
Und wofür das alles? Für die Interessen von ein paar amerikanischen Milliardären, die eigentlich die Politik der USA bestimmen!
Michael Jäger schrieb am 29.12.2011 um 21:59
Vielen Dank.
ostello jaeger schrieb am 29.12.2011 um 22:41
noch ein danke für diesen beitrag.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 31.12.2011 um 19:28
Escape to hell
And other stories

Muammar Gaddafi

(Text copyright 1998 Stankè, New York)

The blessed herb and the cursed tree

Good news for the mentally disturbed, wether male or female.
A herb has been discovered in the plain of Benghazi, and it is now sold an Haji Hasan`s shop. In a television interview I personally conducted with him, and which was seen by more than three million people, Haji Hasan said that the herb was a cure for the metally disturbed. As for those who have not yet become mentally disturbed, Haji Hasan said nothing about them. But as soon as they should become so, the herb will serve as their medicine. So much for the herb for the mentally disturbed.
As for other disaeses, Haji Hasan has the required medicines, other than that blessed herb, at his shop as well. There are in fact other kinds of herbs. There is one for sterility, in all its forms (as he himself confirmed), lack of fertility, low productivity, perhaps even intellectual barrenness.
There is also anti-dizziness medicine. If you should feel light-headed or dizzy for any reason, for example… if you get dizzy after shopping for a shirt for your son that costs one dinar at the state-owned store, then finding it at a private store for 20 dinars, returning to the state-owned store to find it gone, then back to the private store only to find that its price had risen to 25 dinars while you were gone only for five minutes, then Haji Hasan can assure you that he has the right medicine for you, made from plants growing in green pastures.
Moreover, there is another medicine, discovered by our Haji Hasan as well, which is made from a kind of cactus, growing abundantly within the walls of old cemeteries. People who take this medicine gain the patience of the dead, even if they should be exposed up close and personally to local or international problems. And this is the secret of these plants, which grow in graveyards.
And at least, in this store, there is a long list of plants which, according to Haji Hassan, allow you to dipense with the usual forms of treatment and prevention, such as hesitantly going to private and public clinics and hospitals. If only God gave us the wisdom to visit this store and wait in line for hours, or days, or month in order to get these medicines, we would be well rewarded. Why should we not be patient enough to wait in a line to buy these medicines?
We have cut down trees on farms and turned them into buildings; we have slaughtered animals, and will slaughter them again on the next feast-day. Society pays for education of our children, while we receive audio-visual media free of change; all we have to do is sit and watch and listen and criticize as much as we want. They purchase cartoons so that they, instead of us, can entertain our children. It does not matter, whether these cartoons may be harmful or western… who has made them, and what are the animating ideas behind them?
The important thing is that we do not care of our children; all of this is done by society for us.
He who does not work, does not produce, but yet he eats. As for defence, this does not appear to be one of his responsibilities, although we have lied to ourselves, and said, `Defence of the nation is the responsibility of every citizen, man or woman.`We work hard to avoid this sacred duty. We call for peace and love, and our motto is `Peace, God`s mercy and blessings be upon you`, for the Israelis our motto is `peace, mercy and blessings`(for the Americans as well as for the Nato Pact and the Pact of David): They should treat us in the same way, or even better. Every day, we wait for the Israelis to say: `Peace be on Rabta, Tajura, Ras Lanouf, Jerusalem, Baghdad.` Truly, what we need have we of medicine factories in Rabta and Ras Lanouf as long as we have Haji Hasan and all of his herbal medicines which cure diseases, even afflictions such as sterility, heart problems, or bad eyesight, dysentery, or dignity.
But the interview began to fade out when Haji Hassan was explaining the effects of a particular, important herb. I heard him say that it works against dysentery or dignity, and perhaps even old age, because I believe that I heard him say `works against growing old or growing vain`, or something like that, with apparently some connections to senility.
Therefore, we are in fact happy, because we have freed ourselves from everything. There are poor people, unlike us, who defend their countries with their lives, and bleed for these causes. They sweat and toil to produce, digging the ground with their fingers. Plant trees, cucumber, garlic. Poor Israelis, living with their fingers on the trigger to maintain their occupation of Palestine. Poor Noriega, and Oriega. Poor `Mericans`, who spend billions on arming outer space so that they can defend America.
We, however, must go forward with this herb for treating the mentally disturbed, as well as using artichokes. We must set foot on this path, without hesitation, without being frightened by howls of denial – we must not let anything stand in our way. With complete determination, we must begin our trek. We must cut down trees, because the World Company was charged by the people to import cans, even from the sky. Move on, now that you have been liberated and the power has become the people`s, and no one else`s. Onward, to eradicate agriculture and tear out its roots. Hurry to transform – not in a revolutionary way – but rather transform yourselves into merchants, pastry peddlers, and travelling salesmen. Teach your children how to make deals and get commissions, sell the choicest swamp land or property on other planets. You free men, my friends: whether in the middle of the day or night, you should continue to cut down trees and erase greenery on the face of the good earth. With your muscled arms, destroy the forest of Jabal al-Akhdar and palm trees of your farms; over their corpses construct stores, beauty shops, candy shops, limestone quarries. What does a palm tree matter, since the world is making our sweets for us? We prefer dates without any thorns, oranges with no peels, olives with no trees. Cut down the trees, especially the cursed palm and olive tree.
In this way, we will become equal with the haughty, powerful nations. We will be safe from nuclear missiles; we will defeat backwardness, which has lasted for so long, and create progress.



ISBN 978-1-85782-346-2
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.03.2012 um 21:11
"
warum?... fragst... (naives Geplapper)

Dem Einen war es Vietnam, dem Nächsten Somalia, jemand Anderem ists Afganistan oder der Iraq oder Jugoslawien, Manchem ists nichts davon, Mancher bleibt nirgens HÄNGEN, ich häng an/in Libyen, fest häng ich , dran häng ich, drin häng ich und werd dort bleiben.

Jemand schrieb, da trotz Ablehnung der Stadt als angenehmer Lebensraum, er festhinge an/in diesem Bahnhof , diesem S21, diesem doch gar nicht gemochten Stuttgart, dem es einstmals zu entfliehen galt, sei es auch in ein katholisches Internat.

Mir scheint, ich mag "die Libyer" nicht, les ich Frau Gutsches Berichte.
"Die Libyer" als "Araber". Das klingt scheußlich, nicht wahr?

Gestern sah ich ein Video, in etwa überschrieben mit "Kämpfer der Armee bereiten sich auf den Einsatz vor". Irgendwann im Mai, vielleicht auch April aufgenommen. Ein bunter Mix von Hautfarben, Gesichtern, Tanzarten auch. Sie tanzten. Diese Männer und die Musik waren ein Mix, ein arabisch-afrikanischer Mix. Anflüge von etwas wie Reggea oder ähnlichem im "üblichen" arabischen "Sound". Tanzbar durchaus, beim Zuschaun zuckten die Beine, die Finger .

Das leere Ghadames.
Kommentatoren wiesen die "Jungs" im (blog- ) Eintrag zuvor darauf hin, daß es sehr wohl Einwohner gäbe, die Stadt nicht leer sei, reinstes Kulturerbe ohne Erbträger. Frau Gutsche schrieb, daß vorwiegend schwarzafricanische Gastarbeiter in den nicht restaurierten Vierteln lebten und sich junge Tuareg wie auch andere junge Libyer eben in neugebaute hochmoderne Siedlungen um die Altstadt ver-zogen hätten.

Wer führt den Handel, wer verkauft das billige Brot, stellt es her, wer treibt,versorgt die Kamelherden, die gleich Bungalows am Wochenende besucht werden ?

Das tätige und produzierende Libyen ist/war ein schwarzafrikanisches bzw internationales Gastarbeiter - Libyen und ja, die Libyer, diese auf ihre arabische Zugehörigkeit pochenden Libyer hätten gut daran getan, Herrn Gaddafi zu folgen in seinem Aufruf zu "mixen"!

Der Mix beantwortet zum Teil die Frage "Warum?" .

In allen Reiseberichten, durch alle Beschreibungen zieht sich der ins Englische übersetzte O-Ton Gaddafis, seine Klagen über die Städte, seine Verzweiflung an der mehr und mehr -gewissermaßen- westlichen Jugend. Das, was "nicht wie hier" ist, ist die "Gastarbeitersiedlung","slums", sind die Märkte, sind die noch Familien- und weitergehend Stammesgebundenen, auch dort Jüngere, so zu finden.

Ich hätt gern ein Stück Land bekommen, genommen, angebaut, gepflegt, bewässert, bekümmert, be... Ich ...

Wahrscheinlich mag ich die Libyer nicht, ich mag den Mix.
Wahrscheinlich würd ich das Klima, den Wind, diesen Kalt-Warmen gleichzeitig nicht aushalten , nur unter ausdauerndem Kopfschmerz, der sich bei solcher Wetterlage rechtsseitig durch den Schädel zieht, in den Hals hinein, ich würds nicht ertragen, aber ein Fluchtort bliebe es doch.

Diesen Fluchtort zu entdecken, nachdem bzw während er vernichtet wird, ist vernichtend! Das, die Menschen, Libyen als Wohn-/Lebensstätte , das, was der Ort gewesen wäre, zerstört, getötet, malträtiert, systematischer Vernichtung unterworfen zu sehen, dies zu begleiten, wirkt vernichtend!

Ich habe die letzten Wochen in viele Gesichter geschaut, verwunderte, ängstliche, schockierte und sie waren schwarz zumeist. Der Schock ist miterlebbar, ich kenne ihn. Er ist leise, normaltemperiert, kein Fieber, eher leicht unterkühlt. Es sind weniger die Augen als alles um sie herum, vor allem die Stirn, die Nase, Nasenflügel.

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Und ich habe Gaddafis Gesichter studiert, unzählige davon gesichtet und den "Mix" gesehn wie auch diese Art Schock. Über die Jahre immer wieder, dort in seinem Gesicht dieser Schock auch, dies beständige Erleben einer den ganzen Körper einnehmenden Verwunderung.

Nennt es Naivität, benannt wurde es "Naivität" . Und wärs ein "aus einer Diskussion ausschließendes Kriterium", für mich und auch mein Erleben ists eine Art Auszeichnung, es ist das aus einem Pulk an alleswissender Unwissenheit herausragendes Fragen. Ein wirkliches Fragen, ein überhaupt erst Etwas fraglich Stellendes, es ist ein reales Interesse am Wahrgenommenen, ja überhaupt ein Wahrnehmen erst.

Schlüsse aus den beantworteteten oder auch nur teilbeantworteten Fragen mögen unterschiedlich sein, doch ich anerkenne ein Gegenüber als mein Gegenüber erst und nur, wenn ich solche "Naivität" entdecke und ich sah so viel davon auf den Gesichtern, auf den Photos der "mercenaries Gaddafis" . Daß ihr Dasein, ihr Tun, ihr Arbeiten, daß all dies als "Sklavendasein" gesehen und abfällig behandelt wurde, ist das Eine.

Ich selbst habe kein Problem damit, putzen zu gehen oder in einem Laden zu stehen, Produkte zu erarbeiten oder die Tankstelle zu öffnen, den Leuten ihre Bildzeitung und den morgendlichen Kaffee zu verkaufen, manchmal auch Sprit ;-) .

Es ist das Problem der anderen, die solche Tätigkeiten als "nieder" betrachten.
Es ist das Problem der jungen Libyer, diese Tätigkeiten -auch einen Farmbetrieb am Laufen zu halten bspw- bzw grundsätzlich "Arbeit" als "nieder", grundsätzlich als "Sklavenarbeit" anzusehen. Es ist das Problem der arabischen Libyer, solche "Sklavenarbeit" den Afrikanern zu überlassen. Es ist/war nicht das Problem der Gastarbeiter.
Der Status einschließlich abfälliger Blicke , Bemerkungen usw kann Probleme bereiten, doch "unter sich" belassen, randständig vielleicht auch, muß sichs irgendwie nicht superschlimm gelebt haben dort. Ein : Ihr müßt zurückbleiben in den alten Ansiedlungen, in den Dörfern , in...ihr müßt dort -im Alten- leben, siechen, verharren, während wir ... ihnen gegenüber, wäre mir -gegenüber geschehen- nur ein müdes Lächeln wert.

Ja, ich könnt so gut wie jede "Klage" in "Escape to Hell", in dem Sammelbändchen unterschreiben und belasse es beim müden Lächeln. Ich fühl mich nicht als "die Arme", die aus der Hauptstadt stammend/kommend nun an ner Provincetankstelle gestrandet sei. Das bin ich nicht, nicht "arm dran". Ich bin nicht arm dran, wenn ich Pflanzen pflege, beschneide, wenn ich Gehölzen das kommende Frühjahr schmackhaft mache, Böden vorbereite. Ich bin nicht arm dran, wenn ich ernte, Brot backe oder Leuten, die unterwegs sind in ihrem zumeist "reichen Leben" zwischendrin den Preis für ihr Unterwegssein(- !Müssen!) abzunehmen.

"Das tägliche Brot", Wasser, Basisversorgung... keine Miete, das wärs , ein "Eigen-Heim" nach libyschen Vorbild, ... ja, wenn man die auferzwungenen Notwendigkeiten im Hierdasein wegließe, so wärs wirklich ein Gastarbeiterdasein dort, was sich leben ließe.

Romantisches Verklären? Sicher!

Wäre-s, Hätte-s usw.

St. , ein Freund, der nun das kleine Netbook, an dem ich schreibe, wlan-tauglich gemacht hat, meinte, er ließe seit dem ersten Iraqkrieg die Finger von allzu intensiver Beschäftigung, schlicht um sich eine "gute Laune" zu erhalten. Recht hat er ... an sich.

Der Freitag und Community kehren auch lieber ausdauernd vor der eigenen Haustüre,in der Community, im Land, in Deutschland nun eben vorwiegend, soll man ja auch machen. Aber es ist real das, was St. sagt, es erhält die "gute Laune", eine Art "Humor" eben auch, nichts Verwerfliches!

Ich bin nun gebunden , an "auswärtige Angelegenheiten" gebunden, an etwas, was irgendwo passiert, an Leute, die irgendwo "tortured" werden, an ein "Irgendwoanders".

Und es ist, wenn auch die Entwicklung dahin gehen wird, gar nicht der Punkt, dem hier im eigenen Leben, also anderen Leben irgendwann mal ebenso ausgesetzt zu sein.
Ich bin dem jetzt und hier schon ausgesetzt in meiner Anteilnahme. Das Lügen, dies Geschichts-um-schreiben, dies 1984-artige steht gar nicht mehr so sehr im Vordergrund. Es wäre -vernunftbegabterweis- ein Grund fürs Nachhängen, Anhängen, es wäre ein "direkter betroffen" scheinbar.

Nur ists jetzt eher ein "zu spät", ein "Verlorenhaben", was vorab nie gewonnen.

Es war dieser ehrliche Versuch eines "Unter-Einen-Hut-Bringens" , dies "Libyen"...

(@ Frau Gutsche
Wenn es nicht korrekt sein sollte, aus Ihren Berichten hier zu zitieren, bitte ich darum, das mitzuteilen + den Kommentar hier zu löschen...wie ich auch in meinem Blog das Zitierte löschte daraufhin)


www.angelika-gutsche.de/html/reiseberichte.html

www.angelika-gutsche.de/2005_libyen.html

www.angelika-gutsche.de/2004_libyen.html

www.angelika-gutsche.de/html/2000_libyen.html

"...Al Awaynat besitzt eine Tankstelle, eine Post, und einen kleinen Markt. Wir decken uns mit frischem Obst und Gemüse ein. Als Verkäufer verdingen sich natürlich nur Schwarzafrikaner. Bei einer Marktfrau erstehe ich ein Glas mit einer klebrig-braunen Masse, nur „pour femme“, wie mir versichert wird. Frau wirft etwas von dieser Masse in die Glut eines Öfchens, worauf sich süßlicher Wohlgeruch verbreitet. Diesen Wohlgeruch soll frau sich nun an ein bestimmtes Körperteil fächeln. Wenn’s was bringt... Auch einige junge Tuareg sind hier als Händler tätig. Sie erzählen, sie seien 15 Jahre alt, kämen aus Burkina Faso und dem Niger und verkauften hier ihren traditionellen Silberschmuck an Touristen....
...
Die Stadt Ubari ist seit unserem letzten Aufenthalt sehr gewachsen, modern geworden, verfügt über reichlich Läden, Cafes, Restaurants. Am großen Kreisverkehr lungern viele junge schwarze Männer herum, die meisten aus Nigeria stammend. Nach der langen Fahrt durch die Sahara auf den überfüllten Schmuggel-Lkws sind sie hier gestrandet und warten darauf, von den Einheimischen einen Job als Tagelöhner angeboten zu bekommen. Wie viele von ihnen werden in der Hoffnung auf eine Zukunft den Weg bis an die Küste Libyens und darüber hinaus über das Mittelmeer bis Europa finden?

Wir kehren in einem kleines Restaurant ein. Es wird von einem Türken betrieben, den es vom Schwarzen Meer hierher verschlagen hat und der tatsächlich, wie es sich für einen guten Dönerverkäufer gehört, auch ein bisschen deutsch spricht. Wir fühlen uns fast wie zu Hause. Essen und Trinken für alle kosten 12 Dinar, das entspricht ungefähr 8 Euro.

Da die Bäckereien alle geschlossen haben, bekommen wir schon wieder das Brot geschenkt. Diesmal von einem Passanten, den Djima nach einer Bäckerei gefragt hat, weil er sah, dass er etliche Weißbrotstangen unter dem Arm getragen hat. Das Brot überlässt er uns gerne. Er besorgt sich morgen neues....
...
Bei der Ausfahrt aus Murzuk verirren wir uns in dem Labyrinth einer Emigrantensiedlung. Wir könnten uns auch in Schwarzafrika befinden. Eine eigene Infrastruktur ist entstanden: Hier lädt ein Restaurant ein, da bietet ein Bäcker Brot feil und in diesem Hinterhof schlachtet ein Metzger gerade ein Schaf. Die Menschen winken uns zwar freundlich, doch etwas irritiert zu. ...
..."

"...Sebha und sein Emigrantenproblem

Wir campieren etwas außerhalb des Ortes. Das Klima wird angenehmer, der Wind nimmt ab und die Temperaturen erreichen beim Frühstück ganze 8°C. Auf der Teerstraße nähern wir uns von Süden kommend Sebha.Libyen Sheba Verladeplatz Ungefähr 30 Kilometer vor der Stadt befindet sich der Be-und Entladeplatz für die aus dem Niger und dem Tschad kommenden Lkws. Es ist ein Endpunkt der Transsahara-Strecke. Hier stranden die aus Schwarzafrika einreisenden Emigranten. Kurze Zeit später säumen großflächig Schuttberge die Straße an beiden Seiten. Hier standen noch vor nicht allzu langer Zeit Trabanten-Slum-Städte, in denen sich die Flüchtlinge aus dem Süden eingerichtet hatten. Im Göttler-Reiseführer kann man darüber lesen: „Im Süden Sebhas am Außenring existiert für diese Menschen eine ganze Stadt (offensichtlich von den Behörden nicht mehr kontrollierbar) mit schätzungsweise mehreren zehntausend Bewohnern; teilweise hier gestrandet, können sie sich nur noch durch kriminelles Verhalten über Wasser halten... von geschlossenen Höfen in dieser Out-Law-Trabantenstadt starten die Lkw in die Sahel-Länder, voll bepackt mit (Schmuggel-)Waren und Menschen ohne Papiere...“ Die Trabantenstadt existiert nicht mehr. Alles ist von Bulldozern niedergewalzt. Was ist aus den Menschen geworden, die diese Stadt einst bewohnten? Sind sie zurückgewandert in den Süden? Sind sie auf den Weg nach Europa? Es keimt der Gedanke, dass diese Transsahararouten auch heute noch moderne Sklavenstraßen sind, auf denen sich Ströme von Leiden, Armut und Hoffnungslosigkeit aus Schwarzafrika einen Weg in die reichen Länder des Nordens bahnen. Wie sind angesichts dieser libyschen Erfahrungen Vorschläge deutscher Minister zu bewerten, die Auffanglager für afrikanische Wirtschaftsemigranten in nordafrikanischen Ländern fordern?

Djima versichert uns, Sebha wäre wieder sicher, das schwarzafrikanische Problem gelöst.

In Sebha besuchen wir unsere Reiseagentur, die hochmodern ausgestatteten Büros von „Africa Tours Libye“. Wir werden herzlich empfangen, bekommen Tee serviert und können über Computerverbindung mit der Heimat telefonieren. Tina lässt sich zum Markt fahren, um Myrrhe, hier „Loban“ genannt, einzukaufen. Es soll helfen, den rechten Weg zu finden. Das hätten wir uns vielleicht schon vor der Reise besorgen sollen. Dann machen wir noch einen kleinen Stadtbummel, versorgen uns mit Reis und Nudeln gefüllten Hühnchen und kaufen CDs mit libyscher Musik.

Beim Verlassen der Stadt fahren wir durch Vororte, Slums, von Schwarzafrikanern bewohnt. Es gibt sie also doch noch, auch hier in Sebha, wenn auch in geringer Anzahl. Nach den Slums folgen die Libyen Sahara DüneStallungen und Verschläge für die Tierhaltung (Kamel, Schafe, Hühner) und dann wird es richtig grün, Oasenanbau, vor allem das dringend benötigte Viehfutter wird hier erzeugt. Langsam türmen sich links und rechts der Straße Dünen auf, Ramlah Zelaff. Dieses Dünenfeld wird uns noch lange in Erinnerung bleiben, denn um uns einen kleinen Mittagsimbiss zu gönnen, fahren wir rechts neben die Teerstraße. Der Blaue gräbt sich ganz schrecklich in den Sand ein, viel Blech muss untergelegt werden, und es dauert eine volle Stunde, bis die zehn Meter zurück zur Teerstraße überwunden sind. Die in ihren Autos vorbeifahrenden Libyer erteilen gute Ratschläge und amüsieren sich.
...
...
Vor dem Grenzübergang haben sich lange Autoschlangen gebildet. Die meisten Wagen tragen tunesische Kennzeichen. Manche dieser Fahrzeuge überqueren die Grenze bis zu vier mal am Tag, um in Libyen günstig Sprit einzukaufen und diesen mit Profit in Tunesien zu verkaufen. Auch andere Dinge des täglichen Lebens, vor allem aber auch Elektroartikel, die in den Bazaren der libyschen Grenzorte billig, weil subventioniert, angeboten werden, finden sich gleich hinter der Grenze zum Wiederverkauf in den Bazaren der tunesischen Grenzorte. Dieser kleine Grenzhandel wird sowohl von Libyen als auch Tunesien toleriert.

Während wir auf die Zollbeamten warten, unterhalten wir uns mit einem ägyptischen Arzt, der gerade die Einreiseformalitäten nach Libyen erledigt. Er ist Facharzt für Hautkrankheiten und möchte in Tripolis eine Praxis eröffnen. Er erzählt, dass in Libyen auf die knapp sechs Millionen Einheimischen volle acht Millionen Ägypter kämen, die in Libyen ein Auskommen gefunden haben. Dazu bietet Libyen einer Unmenge Algeriern, Marokkanern und Tunesiern Jobs, nicht zuletzt in der Gastronomie. Hinzu kommen Abertausende illegal eingereiste Menschen aus den südlich angrenzenden Armenhäusern Afrikas wie Nigeria, Tschad und Niger. All diese Menschen zu integrieren und am Reichtum Libyens partizipieren zu lassen, stellt eine wahrlich große Leistung dieses Wüstenstaates dar.

Unsere Fahrt durch Libyen war eine aufregende, interessante und intensive Reise, auf der wir für alle Strapazen mit neuen Erfahrungen und spannenden Erlebnissen belohnt wurden. Der Abschied von Djima, unserem zuverlässigen und liebenswerten Reisebegleiter, ist herzlich. Wir winken zurück während wir langsam auf die tunesische Grenze zurollen. Wie heißt es doch gleich in Gaddafis „Grünem Buch“: „Beziehungen entstehen zwischen Menschen und nicht zwischen Völkern“. "




www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=yuCJcaQRIuA
Angelika Gutsche
Ausgedehnten Reisen führten Angelika Gutsche unter anderem auf den afrikanischen Kontinent und quer durch den Balkan. Zahlreiche Reportagen und Reiseberichte fanden Veröffentlichung.
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Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

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Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
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