Sebastian Dörfler

Blog von Sebastian Dörfler

25.06.2010 | 23:58

Kommunismus-Kongress Tag 1: Denken vor Handeln

Seit heute Mittag findet in der Volksbühne Berlin ein Kongress zur „Idee des Komunismus statt“ (Programm), der den „Begriff des Kommunismus neu und in seiner ganzen Bedeutungsvielfalt“ denken will. Alain Badiou, Slavoj Zizek und Antonio Negri sind mit dabei. Volksbühnen-Intendant Frank Castorf zeigt Brechts Lehrstück. Performance-Künstler, Installationen, Filme „beleuchten das Thema ästhetisch“, wie es heißt. Manche fragen sich schon jetzt, was das bringt. Sie attestieren Geschichtsvergessenheit und meinen, dass ein ordentliches Arbeitsrecht der Kapitalismuskritik mehr dienen würde als jede Konferenz.

Ich schau mir das ganze an und gebe hier ein paar Eindrücke von wieder. Tagsüber per Twitter und abends im Blog. Unvollständig, natürlich. Heute fand ich zum Beispiel den Vortrag von Cecile Winter etwas daneben. Weil er eigentlich nur eine Hommage an Mao war. Oder ich habe ihn nicht verstanden. Ebenso Hening Teschke. Der sollte eigentlich über den Begriff der „Gleichheit“ im Kommunismus reden, hat das Wort selbst aber kein einziges Mal verwendet. Ich weiß nicht, ob irgendjemand mitbekommen hat, worum es ging. Ich leider nicht. Alles in allem ein knapper Zeitplan heute und sehr Badiou-lastige Vorträge (er und Zizek haben den Kongress initiiert).

Nur Antonio Negri ging ein bisschen auf Konfrontation. Zu einer Diskussion unter den „roten Brandstiftern“, wie die drei Philosophen im Vorfeld bezeichnet wurden, kam es aber leider am ersten Tag nicht. Zwischen den Vorträgen gab es ein 10-minütiges Zeitfesnter für Fragen. Zizek, der Popstar unter den dreien, mischte sich nach dem 1. Panel unter das junge Publikum. Wild gestikulierend und stets so, dass kein anderer mehr zu Wort kam (hier das heutige Interview mit ihm in der TAZ).

Zeiten der Desorientierung

Um halb drei ging es los und Alain Badiou sprach eine kurze Einleitung. Der Begriff „Kommunismus“ sei vor geraumer Zeit aus der Debatte verbannt worden, unser Heilversprechen heiße nun „Demokratie“. Demokratie, die auch durch Kriege in die Welt gebracht werden soll. Die Geschichte einzelner Staaten habe die gesamte Idee des Kommunismus diskreditiert. Doch „Kommunismus“ sei mehr als nur die Geschichte einiger Staaten. „Wir ignorieren die Vergangenheit nicht“, so Badiou, „aber wir müssen über die Idee des Kommunismus wieder reden und uns darüber klar werden, was damit verknüpft ist.“ Das soll die nächsten zwei Tage hier geschehen.

Frank Ruda und Jan Völker eröffneten das Panel mit acht Thesen zu einer „Kommunistischen Morale Provisoire“. Entscheidendes Merkmal der Demokratie sei das Paradigma der „freien Wahl“. Diese freie Wahl ist jedoch durch Äußerlichkeit bestimmt, denn aus welchen Objekten man wählt ist immer schon vorgegeben. Demokratie ist demnach die „Objektifizierung der Freiheit“ und damit ein „Signifikant der Desorientierung“. Desorientierung deshalb, weil sich die Wahl nur auf das Bestehende konzentriert, und alles andere „unmöglich“ erscheinen muss. Auch der linke Rebell, der sich dadurch definiert, dass er das bestehende Gesetz negiert, verfällt demnach der Desorientierung. Denn er macht das bestehende Gesetz zum Bezugspunkt und zur Grundlage seiner Identität.

Innerhalb dieser Wahl beherrsche der Imperativ des „Genießens“ jedes Subjekt. Die Objekte des Genusses sind beliebig und austauschbar. Eine „Morale Provisoire“ müsste sich deshalb zunächst einmal eingestehen: „Ja, ich bin ein Materialist“. Eine Orientierung aus der Desorientierung heraus könne in Anlehnung an Descartes nur aus den Tugenden „Vertrauen“ und „Mut“ entstehen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und den eigenen subjektiven Standpunkt und darauf, neue Standpunkte zu erfinden. Dazu benötige man ein umfangreiches Wissen über die eigene Geschichte: Man bräuchte eine Geschichte der revolutionären Situationen, eine „Enzyklopädie der Ausnahmen“, aus der man lernen könne.

Kommunismus oder Barbarei?

Wie ist nun der Weg zur Praxis? Die Politik der Furch lasse die Subjekte mittlerweile in einer reaktiven Angst erstarren. In dieser Angst „lebt das Leben nicht“ (Adorno). Auf dem Weg zu einer Praxis müsse zuerst diese Angst konfrontiert werden und durch philosophische Selbstkritik in Mut verwandelt werden. Diese Selbstkritik sei wichtiger als das reflexive Handeln, das „Pseudo-Handeln“, das nur das Bestehende bestätigen würde. Denken kommt so vor dem Handeln. Erst wenn wir uns selbst „entängstigt“ hätten – erst dann kann der Kommunismus anderen wieder Angst machen. Das sei ein notwendiges Ziel.

Schlussendlich lasse sich alles auf eine entscheidende Frage reduzieren: „Kommunismus oder Barbarei“. Diese Frage müsse heute jeder beantworten. Für den Kapitalismus sei der Mensch nur ein Tier, von dem permanent alles menschliche abgezogen wird. Menschen seien nur auf Begehren und Interessen ausgerichtet, ohne Platz für Ideen. Diese Reduzierung auf das tierische kann man Barbarei nennen. „Jeder Anti-Kommunist ist ein Hund“, wie Sartre bereits gesagt habe. „Menschlich“ sei es dagegen, sich selbst für die Geschichte und das Tier in einem zu kritisieren.

Zizek entgegnete in der Diskussion zwei Dinge: Für ihn ist der Anti-Kommunist kein Hund, sondern eine Ratte. Ratten fressen sich selbst. Wie der Anti-Kommunist, der bei Starbucks einen extra teuren Kaffee kauft, weil Starbucks sagt, sie würden einen Teil des Preises in wohltätige Dinge investieren. Außerdem sei die Unterscheidung Mensch – Tier falsch. Denn sie lasse kein Raum für Freuds Todestrieb. Den fasst Zizek als ein eine Art unstillbares Verlangen. Der Mensch sei also keineswegs ein Tier mit einer Idee.

Die Gemeinschaft, das "Unmögliche der Welt"

Der Literaturwissenschaftler Gernot Kamecke sprach daraufhin über den Begriff der Gemeinschaft im Kommunismus. Die Idee des Kommunismus sei mit Badiou die „Hypothese über die Möglichkeitsbedingung einer politischen Wahrheit“. Badiou unterscheidet in seinem Werk vier Wahrheiten: Liebe, Kunst, Mathematik und Politik. Während die Wahrheit der Liebe nur für zwei Menschen gilt, die der Kunst auch für andere Künstler, muss die politische Wahrheit für alle gleichermaßen gültig sein. Der real-existierende Kommunismus sei demnach nicht mit der Idee des Kommunismus gleichzusetzen, sondern stellte lediglich den Ausbau von Kadermacht dar.

Kommunismus sei mit Marx die „freie Assoziation von Schöpfern und Produzenten“. Ursprung ist eben das Wort „communitas“, die Gemeinschaft. Der Begriff der Gemeinschaft schließe stets eine „strukturelle Negativität“ ein, denn sie definiert sich stets durch das, was sie von dieser Gemeinschaft ausgeschlossen ist. Der Kommunismus weist dieses Ausschlusskriterium nicht auf, er sei die Gemeinschaft der Gemeinschaftslosen, oder mit Badiou „das Unmögliche der Welt“. Dann kam Antonio Negri an die Reihe (vor einem halben Jahr bereits zu Gast in der Volksbühne). Er fragte, ob es möglich ist, ohne Marx Kommunist zu sein.

In uns bestehe nach wie vor der „Materialismus des Wunsches“ nach einem Kommunismus im Sinne Marx, der Wunsch die Welt zu formen und zu bilden. Unf zwar kollektiv, als Multitude, denn der Mensch leide an der Einsamkeit. „Multitude“, das ist die Gemeinsamkeit von Singularitäten. „Universell“ sei dagegen das, was jeder Mensch in seiner Einsamkeit zu denken vermag. Die Französischen Poststrukturalisten (Deleuze und Guattari) hätten es zwar geschafft, Kommunisten zu sein, ohne dabei Marxisten zu sein. Denn sie traten für dieselbe Praxis ein.

Doch Badious Ereignisphilosophie fege nun die ganze marxistische Ontologie hinweg. Badiou denke das Ereignis nur a posteriori und negiere damit die Geschichte des Klassenkampfes. Er werte die Rolle der kollektiven Intelligenz der Arbeiter ab. Für Negri geht es heute nicht mehr darum, die Gesetze des Kapitals zu studieren, sondern die Aktivität des Klassenkampfes: „Es war immer nötig, sich die Hände schmutzig zu machen.“ Man müsse die Arbeiterklasse wieder zum politischen Subjekt machen, nicht nur zum soziologischen. Negri will in diesem Punkt die Debatte mit Badiou. Statt vom Kommunismus zu reden, sollte man lieber über den Klassenkampf reden.

Keine Zeit für die Revolution

Badiou saß die ganze Zeit in der ersten Reihe. Und es sah so aus, als wollte auch Zizek gerne eine Erwiderung seinerseits und eine richtige Diskussion hören. Doch nach einer kurzen Fragerunde war die Zeit bereits überschritten und das Podium musste für das restliche Abendprogramm geräumt werden. Eine sehr engagierter Redner hatte sich noch zu Wort gemeldet und verlangte die sofortige proletarische Revolution, man müsse sich hier mal die Frage stellen, ob man die überhaupt wolle. Nein, entgegnete Teschke daraufhin. Jetzt sei die Zeit des Denkens, man könne doch realistisch eh nichts erreichen. „Keine Zeit für die Revolution“ scherzt ein Moderator später.

Um halb neun fand eine weitere Diskussionsrunde zur Verbindung von Kunst und Kommunismus statt. Die Philosophin und Dramaturgin Bojana Kunst aus Ljubljana erkennt im heutigen Künstler die letzte Verkörperung des Kommunisten. Er führt ein Nomadeneben und sucht permanent nach einer Welt, die es noch nicht gibt. Und zwar durch permanente Überproduktion. Der französische Intendant Jan Ritsema plädierte daraufhin für eine Revolution in den Köpfen. Millionen Revolutionen werden eines Tages den Unterschied machen. Dabei spiele die Kunst und die Bildung eine entscheidende Rolle. Mehr als die Philosophie, denn die streiten sich eh nur um die großen Wahrheiten.

Hoffentlich streiten sie sich morgen ab zehn Uhr ein bisschen mehr.

Tag 2: Was kommt nach der Ewigkeit?
Tag 3: "We are the ones, we've been waiting for"

 
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Kommentare
ed2murrow schrieb am 26.06.2010 um 01:38
Vielen Dank für diesen ersten Teil, gern gelesen.
Michael Angele schrieb am 26.06.2010 um 09:21
Schliesse mich ed2murrow an.
goedzak schrieb am 26.06.2010 um 12:53
dito!

Auch weil sich mein Eindruck verstärkt, einen Bericht darüber zu lesen, ist ein ausreichender Ersatz für Selberteilnehmen...
Zachor! schrieb am 26.06.2010 um 11:13
Denken vor Handeln war schon immer richtig.

Nur haben das manche nicht verinnerlicht. Z.B.:

"Zizek entgegnete in der Diskussion zwei Dinge: Für ihn ist der Anti-Kommunist kein Hund, sondern eine Ratte."

Das haben wir die alte Menschenverachtung kommunistischer Revolutionäre, die dem Leben des Einzelindividuums keinen Wert beimessen - erst recht nicht, wenn dieses Individuum gar abweichender Meinung ist. Von Lenin über Stalin bis Che Guevara und Mao lassen alle Verbrecher Zizek grüßen.

"Dann kam Antonio Negri an die Reihe (vor einem halben Jahr bereits zu Gast in der Volksbühne). Er fragte, ob es möglich ist, ohne Marx Kommunist zu sein. In uns bestehe nach wie vor der „Materialismus des Wunsches“ nach einem Kommunismus im Sinne Marx, der Wunsch die Welt zu formen und zu bilden. Unf zwar kollektiv, als Multitude, denn der Mensch leide an der Einsamkeit. „Multitude“, das ist die Gemeinsamkeit von Singularitäten. „Universell“ sei dagegen das, was jeder Mensch in seiner Einsamkeit zu denken vermag. Die Französischen Poststrukturalisten (Deleuze und Guattari) hätten es zwar geschafft, Kommunisten zu sein, ohne dabei Marxisten zu sein. Denn sie traten für dieselbe Praxis ein."

Eben - die Frage und das Wünschenswerte wäre eben, Kommunist zu sein ... trotz und ohne Marx. Darüber lohnte sich das Nachdenken und wenn das zu Ende ist dann wieder kurz nachdenken, bloß um danach weiter ein bisschen nachzudenken und erst dann mal zu handeln. Das Problem all der erwähnten Verbrecher war nämlich, dass sie beim Nachdenken alles Menschliche beiseite geschoben haben und so das Unmenschliche ermöglichten und förderten sowie forderten. Mehr Nachdenken in Richtung Freiheit und Humanität hätte gut getan.

Dies - als meine Meinung.
Uwe Theel schrieb am 26.06.2010 um 13:18
Werter Zachor,

ohne Fehler und begangenens Unrecht in der (historischen) kommunistischen Bewegung kleinreden, oder gar verschweigen zu wollen, aber so wie Sie dieses hier vollständig in Marx selbst, d.h. dessen Kritik der politischen Ökonomie, gleichsam als deren unvermeidbaren Ausfluss darstellen, zeugt auf Seiten Ihres Antikommunismus für mich nicht gerade von viel Nachdenken vor dem - hier - Schreiben. Gleichwohl, würden Sie zweifelllos, hätten Sie die Möglichkeit dann ja wohl auch handeln. - Wie wohl?

Das Unrecht, das im Namen oder im vorgeblichen Namen des Sozialismus und/oder Kommunismus begangen wurde, hat wohl insgesamt komplexere, historische Ursachen, als die "reine Lehre" des Karl Marx.
Zachor! schrieb am 26.06.2010 um 18:09
Werter Theel,

mit den Ursachen mögen Sie Recht haben, dass Sie aber zu der Diffamierung aller vermeintlichen Nicht-Kommunisten (und wir wissen ja: wer Kommunist oder Nichtkommunist ist, hat schon immer die Partei zu bestimmen gewusst - mit all den tödlichen Konsequenzen) als Ratten nichts zu sagen hatten, ist bezeichnend. Für den Diffamierer wie den Leser.

Gerade solche Aussagen wie die von Zizek machen einem das Linkssein schwer (vom Kommunistensein gar nicht zu reden).

(Nebenbei: Wessen reine Lehre transkulturell und systemübergreifend derart krass missverstanden werden konnte, dessen Lehre kann so rein gar nicht gewesen sein).
KalleWirsch schrieb am 26.06.2010 um 11:47
Ich kriege bei soviel Theorie immer Kopfschmerzen. Und das Gefühl, dass am Ende nichts dabei heraus kommt.
KalleWirsch schrieb am 26.06.2010 um 11:49
Ich vergaß zu erwähnen, dass ich den Kongress meinte.
Sebastian Dörfler schrieb am 26.06.2010 um 12:23
Das Gefühl teile ich im Moment, die Kopfschmerzen langsam auch.
ed2murrow schrieb am 26.06.2010 um 13:14
Bitte durchhalten, lieber Sebastian Dörfler! Ihre Zusammenfassung liest sich gut und wird sicher Grundlage für einen Artikel im Paper. Hoffe ich, bei der Qualität.
Sebastian Dörfler schrieb am 26.06.2010 um 13:58
;-) Keine Sorge, jetzt ist zum Glück erstmal Mittagspause.
j-ap schrieb am 26.06.2010 um 15:05
I concur, Sir: Gerne gelesen, weil gut und eloquent zusammengefaßt. Gleichwohl fehlt mir persönlich eine kritische Würdigung dessen, was dort verhandelt wurde, weshalb der Artikel in dieser Form auch nichts im Print verloren hat.

So wie ich Ihrem Resumee entnehmen kann, gilt nämlich nach wie vor mein damaliges Urteil über Hardt&Negri, und, da um Zizek erweitert, sogar in noch stärkerem Maße: Das meiste ist autoritäres Geschwätz studierter Kleinbürger, denen ihr eigener Jargon nun einmal so gut gefällt, daß sie ihn eine Dekade nach der Buchform immer noch gerne auf Bezahlung hin abspulen. Was triftig ist, steht woanders schon länger und weit besser oder ist schlicht zu banal (zB Mensch vs. Tier), um darauf nur eine einzige Seite Papier zu ver(sch)wenden.

Hat es eigentlich auch geregnet, als Sie das Theater verließen, Herr Dörfler? ;-)
ed2murrow schrieb am 26.06.2010 um 17:37
Geehrter J.A.-P.,

natürlich kann eine Tageszusammenfassung, vor allem eine so breit und gut angelegte nicht auch noch die Würdigung, gar die kristische enthalten. Einen solchen Riegel würde hier (!) kaum wer lesen, es sei denn, er ist Buchstabenpantophage und heißt Josef.

Es gab in der SZ vom 24.06. einen hinweisenden Artikel,
mit dem Titel "Der ewige Charme der obersten Heeresleitung" von Jens Bisky, den ich nun auch hier

jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/506501

gefunden habe. So wird das immerhin zu München und auf einem bestimmten Niveau verhandelt. Ich werde das jedenfalls interessiert weiter verfolgen.
ed2murrow schrieb am 26.06.2010 um 17:43
N.B.: Nicht dass jetzt jemand auf die Idee kommt, das könnte die neue kapitalistische Masche des "Feuilleton on demand" werden.
Sebastian Dörfler schrieb am 26.06.2010 um 17:45
Noch scheint die Sonne (glaube ich). Und in die Meinungsmedium-Zeitung kommt das natürlich nicht, keine Sorge ;)
ed2murrow schrieb am 26.06.2010 um 17:48
Hmpf
Sebastian Dörfler schrieb am 26.06.2010 um 17:48
... @j-ap
Sebastian Dörfler schrieb am 26.06.2010 um 18:16
"... @j-ap" war als Nachtrag zu meinem Kommentar gedacht, damit der Bezug klar ist. Dann war ed2murrow mit seiner Antwort zwei Mal schneller. Aber ein "Feuilleton on Demand" wird das nicht mehr, das haben in der Tat andere schon zur Genüge im Voraus betrieben. Ich wollte das einfach mal aufschreiben, ein kurzes Fazit kommt dann evtl. morgen mit.
KalleWirsch schrieb am 26.06.2010 um 18:28
"Feuilleton on Demand"

Sehr schöne Formulierung. Gibt es das auch als PayPerView bzw. PayPerRead?
ed2murrow schrieb am 26.06.2010 um 18:40
@ Sebastian Dörfler
Es wird schon wohl getan sein, so oder so. No panic :)
ed2murrow schrieb am 26.06.2010 um 18:42
@ KalleWirsch
Wär doch gelacht, wenn nicht wer auch noch auf das kommen würde. Lassen Sie uns darüber reden.
j-ap schrieb am 26.06.2010 um 23:03
Meine Herren Dörfler und ed2murrow,

ich suche seit Jahren etwas, was immer zunehmend schwerer zu finden ist: eine Polemik. Eine, die diesen Namen verdient. Eine, die echte und ernstzunehmende Kriterien anbietet, die mich aus dem Sessel auffahren und verzückt und hingerissen ausrufen läßt: Schön, daß ich's noch erleben durfte!

Lang, allzulang ist's her, daß ich zuletzt so eine las — in den Hauptstrommedien zuletzt, als Raddatz noch bei der ZEIT war. Wenn Sie heutzutage in das Feuilleton (jedenfalls ins kontinentale) blicken, dann ertragen Sie das ja ohnehin nur mehr mit Grauen und Schauder. Nichts, aber auch gar nichts ist da zu spüren von Kritik, denn das meiste ist dort wahlweise Propaganda der allerplattesten, saudümmsten Sorte (besonders dann, wenn dem sog. »Volk« zuerst etwas in den Mund gelegt wird, um ihm dann umso schneller aufs Maul schauen zu können) oder aber glatte geistige Impotenz und fade Konsensmeierei. Konsens aber heißt Identität, und Identität bedeutet Tod.

Es wäre höchste Zeit, die Polemik als schwierigste, aber auch glänzendste Gattung des Feuilletons wieder zu rehabilitieren: Suche Widersprüche, und du kommst zu Erkenntnissen. Suche Selbstverständlichkeiten, und du stößt auf Irrtümer.

Grüße
J. A.-P.
Ingo Stützle schrieb am 26.06.2010 um 12:21
Ach ja, wenn die kommunistischen Popgrößen diskutieren bleibt kein Auge trocken. Der ak war bereits in der Vorrunde 2008 dabei und diskutierte die Thesen Badious über mehrere Runden. Hoffentlich etwas verständlicher als derzeit auf den diversen Podien.

ak 525 | Wo er einfach Recht hat ... - und wo er Fragen aufwirft. Eine Auseinandersetzung mit Alain Badiou | Frieder Otto Wolf | 15.2.2008

ak 526 | Vergesst Platon! Von Badious Zauberwald zur Organisationsfrage |Daniel von Fromberg | 21.3.2008

ak 526 | Recht haben ist einfacher als Recht bekommen. Zur Auseinandersetzung mit Alain Badiou | Klaus-Peter Lehmann | 21.3.2008

ak 527 | Der Zirkel des Subjekts. Eine Drehung weiter in Sachen Badiou, Philosophie, Revolution | Thomas Seibert | 18.4.2008

ak 527 | Wissenschaftliche Wahrheit und politische Richtigkeit. Anmerkungen angesichts der Wahrheitskonzeption Badious | Detlef Georgia Schulze |18.4.2008

Ach ja, das neue Buch von Antonio Negri und Michael Hardt »Common Wealth« hat im ak auch zu Kontroversen geführt:

ak 548 | Die Neukonstitution des Politischen. Mit Spinoza in den Common Wealth | Robert Zion | 19.3.2010

ak 549 | Common Wealth - Glaube, Liebe, Hoffnung. Zum Ende der Trilogie von Michael Hardt und Toni Negri | Christian Frings | 16.4.2010
stado schrieb am 26.06.2010 um 16:58
Zum Kongress findet sich in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni ein Artikel von Jens Bisky

jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/506501

und in der taz vom 26. Juni ein kurzer Kommentar des ehemaligen Herausgebers der Zeitschrift Beute und heutigen taz-Kulturredakteurs Andreas Fanizadeh, der Badiou und Negri folgendermassen gegeneinander positioniert: "Wo Negri eine moderne Globalisierungs- und Kapitalismustheorie vertritt - die die Fehlannahmen und Verbrechen der autoritären Linken reflektiert! -, schwelgt Badiou in esoterisch anmutender Antikapitalismus- und Arbeiterklassen-Kampfrhetorik."
Er wendet sich damit auch gegen Thomas Assheuer, der in seinem in der letzten Zeit erschienen Artikel "Vorwärts Genossen!" (nicht im Netz vorhanden) eine humanistisch orientierte Kapitalismuskritik mit der totalitären in einen Topf werfe.

www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=pb&dig=2010%2F06%2F26%2Fa0038&cHash=8f98288758

Im Freitag hat Michael Jäger vor einiger Zeit Thomas Seiberts Buch "Krise und Ereignis" besprochen, das sich stark auf die Ansätze von Negri/Hardt einerseits und Zizek/Badiou andererseits bezieht. Vielleicht interessiert das den einen oder die andere in diesem Zusammenhang ja ebenfalls:

www.freitag.de/kultur/1021-im-wiederholungsfall
Gustlik schrieb am 26.06.2010 um 17:55
@Denken vor Handeln war schon immer richtig.

Und Handeln überhaupt, noch mehr.
Uwe Theel schrieb am 26.06.2010 um 18:07
@ Gustlik am 26.06.2010 um 17:55

Wenn ich fragen darf Gustlik,

welches

a) Denken

und welche Aussagen über

b) Handeln

konntest Du Zachors Beitrag vom 26.06.2010 um 11:13 Uhr denn entnehmen?

mfg
ut
Zachor! schrieb am 26.06.2010 um 18:13
Zu

a): ich habe versucht, Zizeks Aussagen einzuordnen (auch wenn der Denkprozess den hohen Erwartungen des werten Herrn Theel nicht genügte und zwar auch wenn ich den Bogen hin zu dem Rattengleichnis der Nazis (siehe: Jud Süss) nicht gespannt habe.

Zu
b): das Handeln war der Beitrag selbst. Als Teil des Denkprozesses.
Uwe Theel schrieb am 26.06.2010 um 18:54
@ Zachor! am 26.06.2010 um 18:13

unabhängig davon, obGustlik Sie so verstanden hat, wie sie meinten an seiner statt mir zu antworten, habe ich da doch eine Rückfrage zu a):

Wenn Zizek seine Gegener tatsächlich Ratten nennte - Hunde wäre genauso schlimm - dann verurteile ich dies von mir aus selbstverständlich auch.

In einer Debatte wie dieser hier, müsste aber zusätzlich ausgeführt werden, wie Zizek dazu kommt. Ihren Worten zufolge scheint es so zu sein, dass eine solche Aussage inhaltlich zwingend aus dem marxistischen Ansatz, den Sie gleichsetzen mit kommunistischem Ansatz, folgte, wenn man sich auf ihn einließe und belegen dies damit, dass Sie behaupten Lenin, Stalin, Che Guevara und Mao hätten dies ebenso getan, seien Marxisten/Kommunisten gewesen und hätte also verbrecherich gehandelt.

Nur den innertheoretischen Zusammenhang als zwingend zu belegen, bleiben sie schuldig. Sie müssten aufweisen, das das "Denken", das Sie an den genannten Personen entdeckt haben wollen, zu deren Handeln führte, sie nicht anders hätte führen können. Ansonsten handelte es sich um einen, im Einzelnen folgenreichen Irrtum der Protagonisten im eigenen Denken, nicht aber um die Anweisung die der Ansatz herzugeben beansprucht.

Es gibt noch zu denken, wenn sie nicht im bloßen Meinen und Behaupten ideologischer Vernebelung verharren wollen. Die Verkehrung des Verhältnisses von Basis und Überbau (Sein und Bewußsein), die Sie hier hinterrücks einschleppen, gar nicht noch mit eingerechnet. - Handeln Sie bitte.
Zachor! schrieb am 26.06.2010 um 21:11
@ Theel:

"In einer Debatte wie dieser hier, müsste aber zusätzlich ausgeführt werden, wie Zizek dazu kommt."

Einfach: er ist anscheinend (von der Gesinnung her) Kommunist. Der Kommunismus als Erlösungsideologie erkennt (wie auch die anderen Erlösungsideologien bzw./oder die Religionen) keine anderen Wahrheiten neben und außer sich an, toleriert diese nicht. Daher diffamiert Z. alle anderen, die keine Kommunisten sind, zwangsläufig als Ratten (und was damit geschieht und geschehen sollen, wissen wir). Daher war z.B. 1932 der den Kommunisten selbst die Machtergreifung der Nazis lieber als eine Zusammenarbeit mit der SPD (da sie hoffte, das kapitalistische System geriete so schneller in den Abgrund).

Es liegt im Wesen solcher politischen Ideologien totalitär sinnstiftend zu sein, daher die rücksichtslose Eliminierung aller echten und konstruierten Gegner. Ich empfehle Ihnen als Grundsatzliteratur: Baberowski: Der Stalinismus, Figes: Die Flüsterer usw. usf. Ich habe aber mit keinem Wort behauptet, Marx hätte eine solche eliminierende Politik gefordert und sie sei etwa in seinem Werk drin.
Uwe Theel schrieb am 27.06.2010 um 01:30
Entschuldigen Sie Zachor,

aber Sätze wie diese

"Der Kommunismus als Erlösungsideologie erkennt (wie auch die anderen Erlösungsideologien bzw./oder die Religionen) keine anderen Wahrheiten neben und außer sich an ... Daher diffamiert Z. alle anderen, die keine Kommunisten sind, zwangsläufig als Ratten "

sind für mich höchst ideologische Sätze, keine der politischen Analyse.

Bei z.B. Baberowski scheinen Sie das "Erklärungsmodell" gefunden zu haben, Kommunismus sei Religion gleichzusetzen, seine Vertreter quasi Preister in Parteiuniform mit Revolver, die in Wahrheit Gewaltverbrecher seien, die nach innen und außen über Leichen gingen. Die Antrittsvorlesung von Baberowski in Berlin an der HU aus 2003 ist jedenfalls mehr ein reißerischer, bürgerlicher Leitartikel mit hohem Idologiegehalt, als eine wissenschaftliche Arbeit. Mit soetwas können Sie mich nicht überzeugen.

Sie halten jetzt Marx draußen, können mir aber immer noch nicht sagen, warum Kommunismus, der ja "irgendwie" den Marx mitnimmt zwanghaft zu Gewaltverbrechen führe. Dem Kapitalismus schreiben Sie in Ihrer Antwort an Achtermann dassselbe zu. Ab spätestens dann werden Sie vollkommen unübersichtlich, landen allenfalls in längst widerlegter Totalitarismustheorie.
Zachor! schrieb am 27.06.2010 um 09:53
@ Theel:

"aber Sätze wie diese [...] sind für mich höchst ideologische Sätze, keine der politischen Analyse."

Das habe ich auch nicht behauptet. Oder war etwas Zizeks Gleichsetzung aller Nichtkommunisten mit Ratten eine?

"Bei z.B. Baberowski scheinen Sie das "Erklärungsmodell" gefunden zu haben, Kommunismus sei Religion gleichzusetzen, seine Vertreter quasi Preister in Parteiuniform mit Revolver, die in Wahrheit Gewaltverbrecher seien, die nach innen und außen über Leichen gingen."

Nein, nicht bei Baberowski und es tut auch nichts zur Sache wo und bei wem. Werde jetzt nicht den Fetscher aus dem Regal holen um nach Belegstellen zu suchen und Lenin habe ich eh nicht parat, aber wie gestern schon geschrieben: die transnationale und transkulturelle Praxis (=Umsetzung) des Kommunismus hat zur Genüge gezeigt, dass er zur totalitären Umgestaltung (je)der Gesellschaft neigt, (ja: neigen und führen muss) somit keine abweichenden Meinungen neben sich duldet und daher in Terror mündet. (Man mag nun einwenden und das wurde auch getan: der Terror sei vorübergehend und nur zum Wohl der Uneinsichtigen, die es später danken werden). Doch mag der Terror auch nur eine Minute dauern: diese eine Minute ist schon zuviel und widerspricht jener Herrschaftsfreiheit, die doch die Linke immer fordert und im Munde führt, solange sie selbst nicht herrscht.

Aussagen wie "Die Antrittsvorlesung von Baberowski in Berlin an der HU aus 2003 ist jedenfalls mehr ein reißerischer, bürgerlicher Leitartikel mit hohem Idologiegehalt" stellen für mich keine politische Analyse dar, sondern durch die offensichtlich als diffamierend beabsichtigte Benutzung des Wortes "bürgerlich" eine Reminiszenz an den klassisch-stalinistischen-klassenkämpferischen Duktus von Ostblockzeitungen aus der zweiten Hälfte der 40er Jahre. (Davon abgesehen, dass der Gebrauch von Begriffen wie "bürgerlich" heute in keiner ernsthaften soziologischen oder historischen Literatur zu finden ist. Lesen Sie sich also erst einmal durch die einschlägige Literatur der letzten vierzig Jahre durch und melden Sie sie dann).
goedzak schrieb am 27.06.2010 um 10:46
@zachor!
"Zizeks Gleichsetzung aller Nichtkommunisten mit Ratten" - Nun, die Rede war nicht von DEN Nichtkommunisten, sondern von DEM Anti-Kommunisten, Du als konkretes und besonderes antikommunistisch fühlendes Wesen bist also nicht gemeint. Mir persönlich liegt ja dieses metapherngesättigte Philosophieschwurbeln auch nicht so, aber man/frau sollte schon genauer hingucken, bevor einem Zizek die 'Ratten und Schmeißfliegen"-Denke eines FJS unterstellt wird.

Außerdem: Bevor Du jemand, der hier recht sachlich argumentiert (Theel), ein Lektürepensum als Vorbedingung für seine nächste Meldung hier diktierst, geh' doch bitte selber erstmal in Klausur und überprüfe ein paar Deiner Sichtweisen: Herrschaft durch Herrschaftsfreiheit bekämpfen? DIE Linke, Stalinismus, Kommunismus - alles lustig durcheinander; desgleichen das Bürgerliche, der Kapitalismus usw.?!!

Nebenbei noch: Der "Verbrecher" eignet sich immer gut für moralische Empörung. Für die meisten der genannten historischen Figuren habe ich das Wort auch schon benutzt, in der Kneipe. In der ernstzunehmenden "soziologischen oder historischen Literatur", auch in der politikwissenschaftlichen usw., nicht nur der letzten vierzig Jahre findet man das Wort nicht.
Zachor! schrieb am 27.06.2010 um 11:13
"bürgerlich" wurde nicht von mir in die Diskussion eingebracht. "Kapitalismus" habe ich nicht benutzt. In puncto Herrschaft/Herrschaftsfreiheit habe ich linke Diskurstopoi paraphrasiert. Von DIE Linke (also der Partei) sprach ich auch nicht, sondern von Linken. Stalinismus wiederum war eine der Umsetzungen des Kommunismus, also ist seine Heranziehung als Beispiel legitim. Doch genauso gut könnte ich auch den Castroismus oder Ceausescuismus erwähnen. Große Unterschiede bestehen nicht.
Ja, und jetzt werde ich Protest ernten: und Unrechtsregime waren sie allesamt.
goedzak schrieb am 27.06.2010 um 11:52
"Ja, und jetzt werde ich Protest ernten: und Unrechtsregime waren sie allesamt." - Na, von mir nicht. An solchen Gesinnungs- und Bekenntnisdiskusssionen habe ich keine Lust (mehr) teilzunehmen.

Hier noch eine Anmerkung zu deiner (leider unvollständigen) Antwort auf meinen Kommentar:
Auch ich meinte nicht die Partei, wie kommst Du darauf? Wegen der Versalien? Sollte nur die übliche Pauschalisierung betonen, die in dem auch von Dir benutzten 'die Linke' steckt. Links fühlt sich doch schon die/der, die/der im Bioladen einkauft...

Bestätigung also für meinen Eindruck, dass Du z.B. Kommunismus und Stalinismus als synonym betrachtest. Nun ja, da hast Du natürlich den allergrößten Teil der Geschichts- und Politikwissenschaftler, der Medien sowieso, der Gymnasiallehrerschaft usw. hinter Dir. Mir gibt immer zu denken, dass heute zwar die Selbstaussagen der Nazis über den Charakter ihres Gesellschaftssystems von den eben genannten 'Autoritäten' in den offiziellen Sprachgebrauch übernommen sind, dies mit den Selbstaussagen der 'Sozis' aber nicht passiert. Die deutschen Faschisten behaupteten, (National-)Sozialisten zu sein. Die Ideologie z.B. in der DDR sprach davon, den Kommunismus zwar anzustreben, aber bis auf weiteres erst noch mit dem 'Aufbau des Sozialismus' beschäftigt zu sein. - Haarspalterei, was? Na, dann schlage ich vor, doch ganz offen pauschal von Totalitarismus zu sprechen. Manchmal muss man/frau sich einfach bekennen.
oranier schrieb am 29.06.2010 um 10:36
Sehr erhellend, die Differenzierungen in goedzaks Kommentar, einerseits.
Andererseits: Ist es nicht traurig, dass man in einem solchen "irgendwie linken" Forum die elementarsten politischen Denkkategorien für die Diskutierenden offenbar erst einmal auf den angemessenen Begriff bringen und gegen den Strich ideologischer Vereinnahmung bürsten muss?
Uwe Theel schrieb am 01.07.2010 um 21:15
Melde jehorsamst Herr Oberst,

ick habe Baberowski nur erwähnt, weil sie`s och jetan haben. aba scheinbar ham`sen dann doch nich jelesen. Denn is ja jut.

Da hamsè mir dann aba trotzdem och die letzte Orientierung jenommen, det ick vastehn könnte, warum de Kommunisten nu so böse sint, muß ick´s ihnen wohl glooben.

Werde ma daher jetze befehlsjemäß nach 60 Jahre BRD-Haft und Ausbildung inne Anstaltsuni abmelden nach´n Osten, zwecks Behebung meina Bildungsmängel.

Bitte abtreten zu dürfen.
Giuseppe Navetta schrieb am 01.07.2010 um 22:04
@oranier

"Ist es nicht traurig, dass man in einem solchen "irgendwie linken" Forum die elementarsten politischen Denkkategorien für die Diskutierenden offenbar erst einmal auf den angemessenen Begriff bringen und gegen den Strich ideologischer Vereinnahmung bürsten muss?"

Wie wahr, wie traurig - und ausserdem anstrengend!
Giuseppe Navetta schrieb am 01.07.2010 um 22:24
@goedzak
Marxismus=Kommunismus=Stalinismus?! Auf welcher Grundlage soll in diesem Fall diskutiert/debattiert werden? Vorgefertigte Schablonen? Die jeweiligen sehr unterschiedlichen Strömungen innerhalb der Geschichte des Sozialismus' - in der Praxis wie in der Theorie - scheinen dem Kritiker völlig unbekannt zu sein!
Achtermann schrieb am 26.06.2010 um 19:53
Zachor schreibt: "Von Lenin über Stalin bis Che Guevara und Mao lassen alle Verbrecher Zizek grüßen."

Uwe Theel schreibt an Zachor gerichtet: "Sie müssten aufweisen, dass das "Denken", das Sie an den genannten Personen entdeckt haben wollen, zu deren Handeln führte, sie nicht anders hätte führen können."

Es ist zwar nützlich, Theorien und Praxis zu vergleichen. Es ist auch nützlich, die Bedingungen der Praxis zu untersuchen. Marxistische Ansätze in der Staatspolitik zu etablieren standen immer unter einem äußeren Druck. So kann man Che Guevara einen Verbrecher nennen, wenn man seine revolutionären Aktivitäten gegen das Batista-Regime Kubas, das von den USA installiert worden ist, betrachtet. Ebenso ist möglich, die vietnamesischen Aufstände gegen die Jahrzehnte währenden Besatzungen kapitalistischer Staaten als Verbrechen zu brandmarken. Die Intervention in Chile unter der Zuhilfenahme des amerikanischen CIA gegen Salvador Allende ist nach kapitalistischer Lesart desgleichen notwendig gewesen, handelte es sich doch dort aus antisozialistischer Sicht um eine verbrecherische Volksfront. Nicaragua ist ebenso in dieser Reihe zu nennen. Die Sandinisten stürzten die Somoza-Diktatur. Das kapitalistische Ausland, hier zuvorderst die USA, unterstützte die Stellvertreterarmee, die Contras. Acht Jahre lang wurde mit allen Mitteln versucht, die sandinistische Regierung zu stürzen.
Wie sind die illegalen internationalen Gefangenenlager der USA einzuordnen, die dort etabliert wurden, wo Folter möglich ist? Was ist mit Guantanamo?

Mich würde schon interessieren, ob Zachor die dafür verantwortlichen Staatsführer in seine Verbrecherreihe bereit ist aufzunehmen.
Zachor! schrieb am 26.06.2010 um 21:01
@ Achtermann:
Selbstverständlich; ohne wenn und aber.
Nur sehe ich es nicht als Entschuldigung oder akzeptabel an, wenn ein Verbrecher einen anderen Verbrecher umlegt. Davon unberührt bleiben nämlich beide: Verbrecher.
koslowski schrieb am 27.06.2010 um 11:50
„Wir ignorieren die Vergangenheit nicht, aber wir müssen über die Idee des Kommunismus wieder reden und uns darüber klar werden, was damit verknüpft ist.“ ( Badiou ) - Dazu hat der alte Linke und Gelegenheits-SPD-Wahlkämpfer Peter Rühmkorf vor vielen Jahren einen resigniert-entspannten lyrischen Kommentar geschrieben:

"Wer noch ein Ziel vor Augen hat, ist natürlich fein raus.
Damals - wie wir - als wir noch jung und unbelehrbar waren:
e i n e n K o m m u n i s m u s,
der mit möglichst wenig Blut auskommt
und die pausenlos investierten Mühen planmäßig wieder einspielt -
Der Kampf hat Ihnen kein Glück gebracht
und die Welt nicht gebessert.
Immer schwieriger mit der Zeit
hier noch eine glaubwürdige Faust zu ballen."

( aus dem Gedicht "Überraschendes Wiedersehen" in Peter Rühmkorf, Wenn - aber dann. Vorletzte Gedichte. Reinbek 1999, S. 90
zelotti schrieb am 29.06.2010 um 18:44
Find es schon komisch, dass das dumme Zeug von solchen Leuten, noch groß diskutiert wird. Deren "Kommunismus" ist jetzt dort wo der Jungnazi in den 80ern war, mit steilen Thesen und knuffigen Sympathien in bonbonfarbene zurück provozieren, aber natürlich ohne jede Massenbasis. Der Unterschied ist nur, dass es alles alte Säcke sind, deren Flachwitz von Leuten zitiert wird. Zizek ist ein Scharlatan.

Das heisst ja nicht, dass Kommunismus unmöglich wäre...
zelotti schrieb am 29.06.2010 um 18:44
Find es schon komisch, dass das dumme Zeug von solchen Leuten, noch groß diskutiert wird. Deren "Kommunismus" ist jetzt dort wo der Jungnazi in den 80ern war, mit steilen Thesen und knuffigen Sympathien in bonbonfarbene zurück provozieren, aber natürlich ohne jede Massenbasis. Der Unterschied ist nur, dass es alles alte Säcke sind, deren Flachwitz von Leuten zitiert wird. Zizek ist ein Scharlatan.

Das heisst ja nicht, dass Kommunismus unmöglich wäre...
Angelia schrieb am 29.06.2010 um 22:54
Ich hoffe Sie hatten trotz allem ein schönes Wochenende Herr Dörfler und Spass und Freude an ihrer wirklich umfangreichen, lobenswerten und informativen Arbeit. Und, dass muss ich sagen, es liegt nicht an Ihrer wunderbaren Ausführung, aber ich habe nix von dem verstanden, was die Herrschaften aussagen wollten. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben mich einzudenken, ehrlich. Und was den philosophischen Sprachstil betrifft, bekomme ich das normalerweise recht gut auf die Reihe. Aber ich scheiterte schon bei dem Begriff Arbeiterklasse, welche Arbeiterklasse? Oder sollte ich besser fragen in welchem Land? hmm..
h.vannna schrieb am 30.06.2010 um 11:10
„Jeder Anti-Kommunist ist ein Hund“, wie Sartre bereits gesagt habe. „Menschlich“ sei es dagegen, sich selbst für die Geschichte und das Tier in einem zu kritisieren.“

Sartres Ausspruch: „Die letzten Bande zerrissen: ein Antikommunist ist ein Hund (…) ich schwor der Bourgeoisie einen Haß, der erst mit meinem Leben enden wird“ markierte seine Abwendung vom „dritten Weg“ zwischen Sozialismus und Kommunismus 1952 und war auch eine Reaktion auf die Festnahme des Kommunisten Jacques Duclos unter fadenscheinigen Vorwänden. Zizek geht es dabei allein um die Metapher:

„Zizek entgegnete in der Diskussion zwei Dinge: Für ihn ist der Anti-Kommunist kein Hund, sondern eine Ratte. Ratten fressen sich selbst. Wie der Anti-Kommunist, der bei Starbucks einen extra teuren Kaffee kauft, weil Starbucks sagt, sie würden einen Teil des Preises in wohltätige Dinge investieren.“

Unmissverständlich:

„Außerdem sei die Unterscheidung Mensch – Tier falsch. Denn sie lasse kein Raum für Freuds Todestrieb. Den fasst Zizek als ein eine Art unstillbares Verlangen. Der Mensch sei also keineswegs ein Tier mit einer Idee.“

Daraus macht der hysterische Hetz-Reflex mit stramm antikommunistischem Ausrufezeichen:
@Zachor!:

„Das haben wir die alte Menschenverachtung kommunistischer Revolutionäre, die dem Leben des Einzelindividuums keinen Wert beimessen - erst recht nicht, wenn dieses Individuum gar abweichender Meinung ist. Von Lenin über Stalin bis Che Guevara und Mao lassen alle Verbrecher Zizek grüßen.“

@Angelia: Sie schrieben in Reaktion auf Robert Zions Blog an die „Herrn Kommunisten“ Dinge wie:

„Insofern gibt es mehr vielseitigere unterschiedliche Interessenlager und, wegen der sich rasant veränderten Welt, ganz andere Problemstellungen, aufgrund dessen Dialektik, mangels binärer Verhältnisse, als Denk- und Veränderungsmethode zwangläufig versagen muss. Ebenso natürlich auch alle sozialistischen, kommunistischen Konzepte, die in einer anderen Lebenswelt entstanden sind. Der Witz an der Sache ist, diese Konzepte und Ideologien sind antiquiert, da sie in der Vergangenheit dafür arbeiteten, dass wir überhaupt zu einem Kapitalismus mit sozialen Komponenten gelangten und die Lebenswelten nun so sind wie sie sind(…)Ideologien führten im schlimmsten Fall zum Totalitarismus - Wegen des Absolutheits- und Wahrheitsanspruchs.“

Der Witz so antiquierter Konzepte wie Sozialismus, Kommunismus, Antikapitalismus sei demnach, dass sie einen „Kapitalismus mit menschlichem Antlitz“ hervorbrachten, „die Lebenswelten“, wie sie nun mal zwischen Erster, Zweiter, Dritter Welt sind? Waren Sie schon einmal in einer Lebenswelt der letzteren Klasse? „Eine neue Lebenswelt“, darin scheint sich Ihr Bekenntnis zum Evangelium des politisch-ökonomischen Liberalismus als Denkmode nach seinem – immer wieder als mythische Metaerzählung überhöhten und unaufhörlich wiederholten - „Sieg“ über den Marxismus tatsächlich in behaglicher Ignoranz eingerichtet zu haben. Die „sich rasant verändernde Welt“ mit „ihren ganz anderen Problemstellungen“ (wurden arm und reich, die Religion des Geldes abgeschafft?) hin zu den „Lebenswelten“, die „nun so sind wie sie sind“ – das ist ein antiquiertes Modell blinden Fortschrittsglaubens, der auf einer Tautologie gründet, gekleidet in flexible Plastikworte.

www.freitag.de/community/blogs/h-vanna/ein-mann-sieht-rot---thomas-assheuers-gespenster?searchterm=h.vannna
Angelia schrieb am 30.06.2010 um 20:08
Hallo h.vannna

Zitiere Sie„Eine neue Lebenswelt“, darin scheint sich Ihr Bekenntnis zum Evangelium des politisch-ökonomischen Liberalismus als Denkmode nach seinem – immer wieder als mythische Metaerzählung überhöhten und unaufhörlich wiederholten - „

Mann, oh Mann, Sie reißen einen Satz aus dem Kontext einer Diskussion, werten die Aussage so um, dass sie in ihr Weltbild und vor allem in ihr binäres Denkschema passt. Entweder haben Sie den Kontext der Diskussion nicht richtig verstanden, denn es ging ja gerade darum, den Glauben an abstrakt ideologisch konzipierten Utopien (jede Art) zu überwinden. Oder sie verdrehen bewusst Kontexte.
Ich habe den Glauben an alles Religiöse bereits mit vierzehn Jahren aufgegeben und diesen keineswegs durch den Glauben an abstrakte Ideologien und Utopien ersetzt. Ich bin, wenn Sie so wollen, durch und durch Existentialistin mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und einem gnadenlosen Pragmatismus, wenn es um die Sache geht.

“Waren Sie schon einmal in einer Lebenswelt der letzteren Klasse?“

Sie werden lachen, ich war schon in so ziemlich allen „Klassen“ unterwegs. Eine meiner besten Freundinnen ist das, was man sozialschwach und bildungsfern nennt. Ich käme nie auf die Idee, sie irgendeiner Klasse zuzuordnen. Für mich ist sie in erster Linie Mensch. Und aus diesem Grund bin ich sehr dagegen, dass irgendwann mal wieder durchgeknallte Ideologen die meine und die Geschickte meiner Freundin bestimmen. Es macht keinen Unterschied ob es Ideologien der Kapitalisten oder Kommunisten sind.

Vielleicht geben Sie sich demnächst einfach mal mehr Mühe meinen Gedankengängen zu folgen, ich drücke mich eigentlich meistens allgemeinverständlich aus - bevor Sie mich zitieren, meine Aussage in einen anderen Kontext stellen und den Sinn total verdrehen. Das kann ich nämlich nicht leiden.

Nix für Ungut

Ihre Angelia
h.vannna schrieb am 01.07.2010 um 20:49
Hallo Angelia,

eine Ideologie ist Marx zufolge ein "Gebäude, das zur Verschleierung und damit zur Rechtfertigung der eigentlichen Machtverhältnisse dient."

Eine Ideologie ist unter anderem der so genannte Totalitarismus, er dient der Stabilisierung des Überbaus.
www.antifa.de/cms/content/view/1326/

Daher ist unabhängig vom Kontext ein Satz wie "Ideologien führten im schlimmsten Fall zum Totalitarismus - Wegen des Absolutheits- und Wahrheitsanspruchs.“ affirmativer Ausdruck einer Ideologie, statt einer Kritik daran: Den "Kapitalismus mit
sozialen Komponenten" als Grundlage der "Lebenswelten", die "nun so sind wie sie sind" rechnen Sie ja ausdrücklich und im Gegensatz zu Sozialismus/Kommunismus nicht zu den totalitären Ideologien, sondern betrachten ihn als deren Abwesenheit, die ein Reflektieren über "Totalitarismen" überhaupt erst ermögliche:

"Der Witz an der Sache ist, diese Konzepte und Ideologien sind antiquiert, da sie in der Vergangenheit dafür arbeiteten, dass wir überhaupt zu einem Kapitalismus mit sozialen Komponenten gelangten und die Lebenswelten nun so sind wie sie sind."

Daher ändern an meinem Vorwurf auch ihre besten, nicht-einer-Klasse-zugerechneten, wohl aber sie repräsentieren-sollenden FreundInnen leider -
nix.

h.vannna
Deaktivierter Nutzer schrieb am 30.06.2010 um 12:33
@Zachor! und andere. Meine Meinung:
Habe mich kurz gefragt, warum soviel Lob für die Darstellung dieses Kongresses durch Herrn Dörfler. Vermute, weil dadurch Leute, die sich mit Kommunismus beschäftigen -zumindest was diesen Kongress angeht-, als, vorsichtig gesagt, vernachlässigenswert dargestellt werden. Das ist okay.

In der folgenden Diskussion schlagen dann einige auf den toten Hund Kommunismus ein. Mao, Stalin, warum nicht Pol Pot?, werden als Verbrecher bezeichnet.

Das eine ist doch das Denken und etwas anderes oft das scheinbar entsprechende Handeln.

Wo haben die sog. Führer der Arbeiterklasse denn gesiegt? In agrarisch dominierten Ländern mit meist hoher Analphabetenrate und keiner demokratischen Tradition. Die lange autoritäre, ja antidemokratische Geschichte (zb Zarismus) und der desolate Zustand dieser Länder (Bürgerkriege, ausländische demokratische Interventionen, kaum Industrie) haben Programm und Handeln dieser Parteien schnell dominiert und vielleicht ursprüngliche Intentionen einer über die bürgerliche Demokratie hinausgehenden Ausweitung demokratischer Partizipation und Selbstorganisation unter sich begraben.

Letztlich war zB die Politik der SU russische Politik. Die KPs im Ausland wurden umgemodelt zu Agenten Russlands. Der Kollektivismus, Gegnerschaft zum Individualismus, Kolchosen, Paternalismus, das waren doch alles russische Erfindungen resultierend aus der russischen Geschichte.

Die KPs traten in russischer autoritärer Tradition als Erzieher der Massen auf, so auch der Dorfschullehrer Mao. In den fünfziger und sechziger Jahren passte ja auch das Gebaren der KPs in den entwickelten kapitalistischen Ländern zum fordistischen Produktionstypus. Weise Führer und einfache Arbeit realisierende Arbeitermassen.

Marx und Lenin hatten doch geschrieben, der Sozialismus könne nur in den höchst entwickelten Ländern funktionieren, sonst fange die alte Scheiße (von oben und unten) wieder von vorne an.

Summa summarum: was als Kommunismus gegeißelt wird, waren doch eigentlich nur Revolten agrarischer Entwicklungsländer gegen in- und ausländische Unterdrückung. Gut, man schwenkte rote Fahnen. Man zitierte, wenn es passte, auch mal Marx.

Ich finde, das einigermaßen Rationale dabei war die Abschottung vom Weltmarkt. Einigermaßen, weil für eine Entwicklung von Ländern, die auf der kapitalistischen Hühnerleiter (oder Hackordnung) der nationalen Produktivitäten und Intensitäten der Arbeit, eher unten stehen, eine gewisse Abschottung nötig ist. Beispiel: Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts.

Jemand von den Diskutanten, (Zachor!) ein Ostdeutscher, will den Kapitalismus verbessern, für ihn scheinbar eine technische Frage. Politik scheint demnach nicht der Widerstreit von Interessen zu sein, sondern ein quasi naturwissenschaftliches, technisches Verbessern einer Maschine.

Der Euroraum ist in einer Krise. Dann machen Sie doch mal einen Verbesserungsvorschlag. Schicken Sie ihn an Angela Merkel und die setzt ihn dann um und alles ist palletti.. Das ist dieselbe Denkweise, die in der DDR geherrscht hat. Sie kommen aus den Denkmustern, die Sie kritisieren wollen, selbst nicht raus.

Meiner Meinung nach wird vom Kommunismus die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie bleiben, so begrenzt sie ist. Die Wertlehre von Marx kann heute nicht konsistent die Oberfläche, also Preisentwicklung, erklären. Eine ausgearbeitete marxistische Wirtschaftspolitiktheorie gibt es, glaube ich, nicht. Sie wird durch sog. Linkskeynesianismus ersetzt.

Der größte Revolutionär der letzten 150 Jahre, der über Berge von Leichen gegangen ist, ist für mich der weltweite Kapitalismus.

Die Ramschpapiere in den Tresoren der Banken, die Ungleichgewichte in der Eurozone, die weltweiten Überproduktionskrisen in verschiedenen strategischen Branchen sind ungelöste und nur über eine gewaltige Vernichtung von Ressourcen (menschlich und sachlich) zu lösende Probleme. Die Weltwirtschaftskrise wird sich vertiefen. Auch die nationalen Gegensätze werden wachsen und die Verelendung. Vielleicht wird auch die Entwicklung der Realwirtschaft durch die Finanzmärkte weiter und schärfer behindert, so dass die Produktionsverhältnisse zur Schranke der Produktivkraftentwicklung werden.

Vielleicht wird sich die Partei USPD, sorry DIE LINKE in der Folge spalten und eine neue Art von KP entstehen, die sich nicht an Sozialismusvorstellungen aus Entwicklungsländern (zur Zeit in Mode: Venezuela mit seinem Führer) orientieren.

In diese Richtung, spontan geschrieben, müsste meines Erachtens eine materialistische Kritik der sog. kommunistischen politischen Bewegung gehen.

Wer von den Diskutanten meint, er gehöre zu den Siegern, zum Sieg einer zugegeben verbesserungswürdigen Gesellschaft, dem sagt Elias Canetti:

Es scheint ein Kitzel eigener Art zu sein, in einem mächtigen Bauch zu landen und mitzufahren -wenigstens in der Fantasie.
Giuseppe Navetta schrieb am 01.07.2010 um 22:50
Klasse Kommentar!
Sebastian Dörfler
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