Magda

Mal sehen

19.12.2009 | 09:13

Ein Schatten auf Tellkamps Heiligenschein

"Sorgfältig abgeschrieben"

So die Überschrift eines Beitrages in der NZZ über Uwe Tellkamps Roman "Der Turm", welcher gerade mit großem Aplomb den xten Preis - diesmal von der Adenauer-Stiftung - erhalten hat. www.nzz.ch/services/sorgfaeltig_abgeschrieben_1.4260528.html

Mich hat Tellkamps Buch geärgert.

www.freitag.de/community/blogs/magda/-uwe-tellkamp-der-turm---eine-verschwoerungstheorie

Möglicherweise sei das so, legte man mir nahe, weil die Rezeption zum Teil ideologisch so eingefärbt war, dass man an dem Buche selbst keine Freude mehr haben kann, wenn man die DDR nur ein wenig anders erlebt hat. Wenn Rezensenten nur noch jubeln, das sei das ultimative DDR-Buch bzw. Anti-DDR-Buch, dann wird man als auch noch DDR-Bürger hellhörig. Solche Urteile klingen nach Leseanweisung und nicht nach Rezension.

Der Autor habe „den ultimativen Roman über die DDR, diese lächerliche sowjetische Satrapie auf deutschem Boden (geschrieben). Und zwar aus der Sicht derer, die nicht eine Sekunde daran zweifelten, dass sie dagegen waren. Das allein ist schon, nach all dem Wischiwaschi der Christa Wolfs, Volker Brauns, Christoph Heins und tutti quanti, eine nahezu erlösende Tat. So klar antikommunistisch, so voller schneidender Verachtung für das Proleten- und Kleinbürgertum, das 40 Jahre lang im Ostteil dieses Landes sein Gift verspritzen durfte, hat noch keiner, der aus diesen Breiten kommt, den Stab gebrochen." So giftete zum Beispiel ein gewisser Tillmann Krause in der "Welt"

Aha, deshalb also der Preissegen.

Die Laudatio der Konrad-Adenauer-Stiftung enthält auch so allerlei Bildungsauftragliches: "Gemäß der klassischen Definition, dass ein Bildungsroman Bildung „zugleich darstellen und ertheilen" soll, bildet Tellkamps Roman auch seine Leser. Sie können an Christians Entwicklungsweg symptomatisch den Untergang der DDR ablesen"

Eine Erziehungsdikatur - so wird die DDR im Roman gezeichnet - wird mit den Mitteln eines Bildungsromans "ausgetrieben", wobei "Bildung" hier auch wieder das Festzurren von genormtem Bildungsgut auf dem Transportwagen in eine neue Anpassungsgesellschaft zu sein scheint.

Wie auch immer, die Tatsache, dass Tellkamp beim fast wörtlichen Abschreiben einer ganzen Passage aus Jens Wonnebergers Roman "Die letzten Mohikaner" erwischt worden ist - etwas, das Insider schon seit geraumer Zeit wissen und kolportieren - trübt den Heiligenschein wahrscheinlich nicht ein, der diesen Dichter umschwebt, aber er sorgt dafür, dass die Leute davon nicht mehr allzusehr geblendet werden, hoffe ich.

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.12.2009 um 09:31
Gemeine Sache. Zu Preisverleihungen habe ich auch meine eigene Meinung. Sehr gut gefällt mir dazu die Haltung von Elfriede Jelinek.
Wenn ich demnächst mal den Nobelpreis erhalten werde, wüßte ich auch nicht ob ich Zeit hätte.
Vielleicht bin ich dann gerade in der Disco?
Den Scheck können die mir über Best-Western auch gerne auszahlen.

Wenn man sieht wer Preise erhält & wofür...
Im Grunde feiern die Veranstalter doch nur sich selbst.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.12.2009 um 10:36
Hallo Tillmann Krause, man sieht sich immer zweimal im Leben.

Ich werde vorbereitet sein.
Joachim Petrick schrieb am 26.12.2009 um 13:30
Hallo meisterfalk,
sehr teffend formiliert! Danke.

"Man sieht sich immer zweimal im Leben" ist Angela Merkels uckermarxsches Leitzmotiv:
"Zuerst beim Jubel, beim zweiten Mal dann beim Verriss ihrer Politik!?".

tschüss
JP
kay.kloetzer schrieb am 19.12.2009 um 10:38
Liebe Magda,
ach du heiliger Bimbam, nun hat er also sein Skandälchen. Weißt Du zufällig, was er selbst dazu sagt? Könnten es auch bewusste Zitate sein? War oder ist Tellkamp mit Wonneberger befreundet? Setzt es hier womöglich neben all den anderen Dresdner Eigenheiten auch dem Dresdner Autor ein Denkmal (auch wenn man darüber streiten mag, ob T. in der Situation ist, W. ein Denkmal zu setzen)?
Du siehst, mich machen solche Enthüllungen/Beschuldigungen immer misstrauisch. Eine Episode innerhalb von 1000 Seiten - ist das ein Plagiat? Der Roman lässt etliche Fragen offen, und sicher hätte es nicht jeder der Preise sein müssen (ich befrage besonders den Nationalpreis). Letztendlich hat Tellkamp aus einer Fülle (einem Zuviel?) an Material einen Roman geschöpft. die man nicht mögen muss. Anders also als Andrea Maria Schenkel, die aus überschaubarem Material einen literarisch überschaubaren Krimi (um)formulierte und für "Tannöd" dem Plagiatverdacht meines Erachtens zu recht ausgesetzt war. (Die Begeisterung dafür habe ich nie verstanden.)
Ich bin sehr gespannt, wie das jetzt weitergeht!
Ein schönes Adventswochenende
wünscht Dir
kk
Magda schrieb am 19.12.2009 um 10:59
Hallo kk,
natürlich kann man so eine Passage auch als längeres Zitat betrachten, man kann. Oder ist geht das auch als Montage-Technik?

Ich weiß nur, dass es in Dresden wohl kaum einen Schriftsteller gibt, der Tellkamp liebt oder dem Tellkamp ein Denkmal setzen will. Der ist dort reineweg verhasst, soweit die Fama dieses Urteil zulässt. Ich hatte da mal Verbindungen hin.

"Eine Episode innerhalb von 1000 Seiten - ist das ein Plagiat?" -

Glaube ich auch nicht, keineswegs. Ich finde nur: Einer, dem man so Zucker in den...bläst, der so unglaublich einseitig rezensiert worden ist, bei dem guckt man eben genau hin, wenn plötzlich solche leicht süffisanten Beiträge auftauchen. Mir ist das zuerst in der Kulturpresseschau vom dradio berlin entgegengekommen.

forum.die-leselust.de/viewtopic.php?f=7&t=428&p=25969

Wenn es Dich interessiert - auf dieser Forenseite der Leselust gabs einen ganz guten Disput über das Buch, in dem ich auch als Madge auf der Seite oben auftauche, aber ich antworte da nur einem auf der Vorseite. Danach kommen hochinteressante postings von einem "signalgast" und "dirk-wi". Da taucht auch mal kurz Wonnerberger auf.

Vielleicht, wenn Du oder auch meisterfalk mal Zeit habt.

Achso: Ich wüsste gern, was jayne als jetzt- Dresdnerin dazu sagt. Na, vielleicht guckt sie noch rein.

Dir auch schönen Advent
Magda
Magda schrieb am 19.12.2009 um 11:16
Und in den tags habe ich das plagiat rausgenommen. Ist sicherlich ein bisschen übertrieben.
jayne schrieb am 19.12.2009 um 11:19
naja, moment mal, da muß ich mich doch einmischen - es scheint nicht die einzige evtl. abgeschriebene passage, denn im verlaufe des tellkamp-romans entdeckte ich dort, wo es um die armeezeit resp. die einlieferung und den alltag in "schwedt" geht, eine wörtliche längere passage aus stefan wachtels "delikt 220", das 1991 erschienen ist und des autors erlebnisse im armeeknast schildert.
kay.kloetzer schrieb am 19.12.2009 um 11:19
Liebe Magda,
danke für den Link. Wir sind da ja in vielem einer Meinung. Auch ich finde es fragwürdig, den "Turm", nur weil er so massiv ist, für ein güliges DDR-Monument zu halten. Tellkamp und ich sind gleichaltrig, ich habe nicht nur andere Erfahrungen als er, ich würde sie auch anders gewichten, interpretieren. So ist das ja. Zum Monster aber machen Autor wie Werk doch vor allem die Reaktionen, die - wie Tillman Krause - gar nichts verstanden haben und den Roman benutzen als Beweis ihrer Botschaften (so interpretiere ich auch den Adenauer-Preis). Weil in deren Gebrüll alle Argumente und Zweifel untergehen, gibt es jetzt den Plagiatsvorwurf. Denke ich mal ganz verschwörungstheoretisch. Um das gute oder schlechte, lesbare oder unzumutbare, bewältigte oder unbewältigte Stück Literatur geht es vielleicht auch dabei nicht.

herzlich
kk
kay.kloetzer schrieb am 19.12.2009 um 11:23
Liebe jayne,
oje. Was denkst Du: Ist das zulässig, quasi als Zitat oder Inspiration (wenngleich nicht gekennzeichnet), oder schmälert es die literarische Leistung?
kk
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.12.2009 um 11:29
Stefan Wachtel hat, nebenbei gesagt, nach seinen Knasterfahrungen studiert, Sprechwissenschaften, ein Orchideen-Studium, wo nicht leicht ranzukommen war, und nebenbei künstlerische Projekte entwickelt. - Soviel nur zu der heute üblichen Lesart, politisch auffällige Leute hätten nicht studieren oder sonstwie Karriere machen können.
Magda schrieb am 19.12.2009 um 11:30
@ kk - "Um das gute oder schlechte, lesbare oder unzumutbare, bewältigte oder unbewältigte Stück Literatur geht es vielleicht auch dabei nicht" -
ist sicherlich so, aber bei dem geht es schon lange nicht mehr darum, glaube ich...

@ jayne - jetzt wirds spannend. Das ist ja interessant .

Übertreibe ich, wenn ich sage, der Tellkamp hat keine Freunde in Dresden?

Gruß
Magda schrieb am 19.12.2009 um 11:32
"Soviel nur zu der heute üblichen Lesart, politisch auffällige Leute hätten nicht studieren oder sonstwie Karriere machen können"

Das ist ein Feld für sich. Da kam es sehr darauf an, mit wem man zu tun hatte.
jayne schrieb am 19.12.2009 um 11:35
liebe kk, liebe magda, als zitat müßte man die wortwörtliche übernahme einer längeren textpassage schon kennzeichnen - als ich diese übereinstimmung entdeckte, war ich überrascht; das beeinflußt aber nur sekundär meinen gesamteindruck eines vor allem von denunziatorischem gestus bestimmten romans ...
jayne schrieb am 19.12.2009 um 11:36
ach ja, und ob er freunde in dresden hat, kann ich nicht beurteilen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.12.2009 um 11:38
@Magda
Ganz sicher ist vielen der Weg zum Studium verbaut worden. Mir hat mein stalinistisch-erbsenzählender Schuldirektor den Zugang zur EOS verwehrt. Habe andere Wege gefunden. So ist das Leben.
Magda schrieb am 19.12.2009 um 11:40
"das beeinflußt aber nur sekundär meinen gesamteindruck eines vor allem von denunziatorischem gestus bestimmten romans ..."

Bingo jayne - danke Dir.
ich denke ja immer, ich bin voreingenommen, aber es ist doch wirklich so, wie ein Internet-Rezensent mal konstatierte: Es scheint, als sei dieses Buch mit dem Zettelkasten an Reizwörtern neben dem Autor verfasst worden.

Und was den Stil angeht: Ich bin da ratlos, aber mir war der zu schwurbelig.
Magda schrieb am 19.12.2009 um 11:47
@ meisterfalk - sowas habe ich hier u.a. auch schon mal geschildert.

www.freitag.de/community/blogs/magda/schulgeschichten-ii/?searchterm=Schulgeschichten
kay.kloetzer schrieb am 19.12.2009 um 11:52
@magda, jayne, meisterfalk
Ich denke, Tellkamp lebt(e) in einer anderen Welt. Ob es ein Turm war/ist - ich glaube nicht. Mich stört, dass der Roman dazu herhält, die DDR zu erklären oder, noch schlimmer, durch die Lektüre erkannt zu haben.

herzlich
kk
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.12.2009 um 19:51
@Magda
Diesen Deinen Beitrag muss ich damals verpasst haben, lesen wurde nachgeholt.

@kay.kloetzer
Du wirst schon Recht haben damit, dass dem Autoren weniger, den 'Benutzern' mehr ein Vorwurf zu machen ist...
jayne schrieb am 30.12.2009 um 16:03
meinen kommentar vom 19.12. muß ich doch in seiner aussage etwas relativieren: die texte von tellkamp und wachtel hatte ich vor einem halben jahr zeitversetzt gelesen, zuerst tellkamp, dann drei vier tage später wachtel, und da hatte ich den eindruck, das gleiche noch einmal zu lesen, wobei ich in diesem augenblick tellkamps text nicht mehr zur verfügung hatte, um direkt zu vergleichen. Jetzt habe ich beide bände gleichzeitig vor mir liegen - der eindruck von parallelitäten bestätigt sich, doch wortwörtlich wiederholen sich bei tellkamp nur gewisse stereotype, z.b. die äusserung des militärstaatsanwaltes ("Ich mißbillige Ihr Verhalten. Ich muß ein Ermittlungsverfahren gegen Sie einleiten" Wachtel S. 22, Tellkamp S. 804).
Ab seite 800 des turms finden sich parallelitäten, da wird z.b. der hocker in der arrestzelle eingehend bei beiden autoren gewürdigt (wachtel s. 15), das erzähl-ich bei wachtel legt die hände unter die oberschenkel beim sitzen, tellkamps christian auch (s. 800); erzähl-ich wachtel legt sich in der arrestzelle auf den fußboden unters fenster, nahe der heizung (s. 17), christian ebenfalls (s. 801); weiter gehts mit der untersuchungshaftanstalt, beiden personen fallen die blauen uniformen des personals dort auf, die sie vorher noch nie gesehen (wachtel s.27, tellkamp s. 804), der gang durch die fluren mit den vielen alutüren, vor denen man sich anmelden muß, knopfdruck, summen, krächzen aus kleinen lautsprechern (wachtel s. 27, tellkamp 805) ... ich könnte hier weiter fortfahren, von der vorstellung bei militärrichter und -staatsanwalt, über den "sprecher" mit dem jeweils von der familie bestellten rechtsanwalt mit dem bonbon am linken revers bis zur ankunft in schwedt, erspare das mir aber ... Von plagiat möchte ich da ausdrücklich nicht sprechen, es verhält sich wohl eher so wie mit dem in der nzz beschriebenen sachverhalt der parallelitäten zum "letzten mohikaner", tellkamp hat motive übernommen, variiert und ausgeschmückt ...
Magda schrieb am 30.12.2009 um 16:09
Das ist interessant. Ich weiß ja auch nicht, wie sich jene dann fühlen, deren Motive übernommen, variiert und ausgechmückt wurden.

Aber, stimmt schon, man soll nicht ohne Grund falsche Anschuldigungen erheben. Es reicht auch so...
cms schrieb am 06.01.2010 um 10:16
Um nur auf den Plagiatsvorwurf einzugehen: Ich sehe das eher entspannt, ohne eines der genannten Bücher aber gelesen zu haben. Schaut man sich bspw. einige Songtexte von z.B. Blumfeld/Jochen Distelmeyer oder Tomte an, dann finden sich da haufenweise Zitate und sehr deutliche Anspielungen - man hat manchmal den Eindruck, die Songs bestehen nur aus Zitaten. Ich finde das absolut nicht verwerflich, ich mag das. Denn es ist eben auch eine Kunst, Remineszenzen in die eigenen Texte einzubauen, so dass sich, für den der sie entdeckt, evtl. ein neues, weiteres Interpretationsfeld öffnet. Tellkamp scheint das allerding in einigen Szenen sehr, sehr ausführlich zu machen. Da begibt er sich natürlich in die Gefahr eines Plagiatsvorwurfs. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er so doof ist, zu denken, er könne abschreiben und es werde nicht entdeckt; was für mich einmal mehr für die Remineszenz-Variante spricht. Hat er selbst sich eigentlich dazu geäußert?
poor on ruhr schrieb am 19.12.2009 um 13:08
Liebe Magda,

Vielen Dank für den Blog.

Manchmal kann ein Schatten auf einem Heiligenschein

doch sehr wichtig sein.

Danke für dei Aufklärung.

por
Joachim Petrick schrieb am 26.12.2009 um 13:43
für manche verschärft erst der Schatten, der über einen Heiligenschein von Gnaden Der Welt fällt, ausgerechnet diesen Heiligenschein mit seinen dämonisierenden Umrissen hochgerüstet zur entsicherten Waffe im kalten alten Kaffee Kulturkrieg.
tschüss
JP
jayne schrieb am 19.12.2009 um 14:26
noch ein interessanter vorgang in sachen uminterpretierung bzw. vereinnahmung von geschichte, gefunden auf der homepage der cdu-sachsen:
wissen.cdu-sachsen.de/blog09/61-meldung/720-patzelt-und-klose-werben-fuer-mehr-c-in-der-cdu#yvComment720
jayne schrieb am 19.12.2009 um 18:54
in dem von mir verlinkten papier heißt es auf seite 1: "Jene, die die Friedliche Revolution gestalteten, wurden von zwei wesentlichen Beweggründen getragen: der Demokratisierung Ostdeutschlands nach 66 Jahren Diktatur und der Gestaltung der erneuerten Gesellschaft nach christlichem Grundverständnis. Die Mehrzahl der Friedlichen Revolutionäre kam aus den Kirchen, wo zur DDR-Zeit die Opposition ihren wichtigsten Schutzraum fand." So kann man die sache auch ganz gut für sich reklamieren ...
Magda schrieb am 19.12.2009 um 19:38
Ich hab das in Ansätzen gelesen - es ist schon dreist, wie da jetzt Definitionsmacht ausgeübt wird.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.12.2009 um 19:48
Der eine von den beiden Autoren, Patzelt, wird an der TU Dresden auf Politikwissenschaftsstudenten losgelassen!
Magda schrieb am 19.12.2009 um 19:50
Auch aus dem Papier -

"Der christliche Glaube verhilft dazu, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen: Man ist Teil eines größeren Ganzen – und geneigt zu Fehlern."

Ist das nich herrlich - das kennt man doch von anderen Glaubensgemeinschaften auch.
jayne schrieb am 19.12.2009 um 19:59
darüberhinaus wird patzelt sehr gern und regelmäßig vom mdr-hörfunk als politik-experte und parteienforscher konsultiert resp. interviewt ...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 19.12.2009 um 18:59
Uwe Tellkamps Roman "Der Turm" muß man als Leser nicht lesen.
Magda schrieb am 19.12.2009 um 19:38
Lieber Rainer Kühn, sag doch mal was mehr dazu. Du bist doch Lektor und kennst Dich auch aus.

Immer solche Splitterchen, Mensch...
Mona schrieb am 19.12.2009 um 20:43
Liebe Magda,
du hast es doch selbst in deinem anderen beitrag schon geschrieben:

"...eine Ansammlung von Stilübungen ist noch kein Roman."

jepp. ich hab den turm nach rund 300 seiten weggelegt. und ich hab auch nur so lange durchgehalten, weil zwei bis drei kolleginnen, auf deren urteil sonst durchaus verlass ist, mir dieses buch so eindringlich nahegelegt hatten, dass ich dachte, da muss doch verdammt nochmal irgendwas dran sein. aber ich hab's nicht finden können ... fand's einfach nur anstrengend, ermüdend.

... also danke für diesen und den anderen beitrag zum turm. auch wenn diese kleinen schatten den heiligenschein letztlich wohl nur unwesentlich trüben, sind sie doch tröstlich für jemanden, der am großen, dicken turm gescheitert ist. ;)

ähnlich wie das hier, sehr amüsant zu lesen:

www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E57B16E0C051C40BC804B4DE62EB0ECD3~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Magda schrieb am 19.12.2009 um 20:54
Danke Mona, bei mir hat der wachsende Zorn den Willen zum Durchhalten gestärkt.

Aber sag mir bloß, wie Du diese Formatierung hingekriegt hast.

Den Link hättest Du verkleinern müssen, , aber wenn man ihn per copy und paste kopiert, kriegt man ihn hin.
Magda schrieb am 19.12.2009 um 20:57
tinyurl.com/l873bk

Das ist ja herrlich. Erst schwelgt die FAZ in Begeisterung und dann das. Kannte ich gar nicht.
Mona schrieb am 20.12.2009 um 19:18
schön, oder? sind bei der faz halt auch nur menschen mit meinungen...

"Das sind halt so Kritikerfragen, die von Poesie nichts wissen."

harrharr.

das mit der formatierung ist mir allerdings auch ein rätsel, dachte, es handelt sich um einen darstellungsfehler, den nur ich so sehe. hm. vielleicht liegt's auch an dem langen link. tinyurl hatte ich noch nicht so wirklich auf dem schirm, sorry. nächstes mal.
mahung schrieb am 21.12.2009 um 15:54
Hallo Magda,

auch wenn ich ein bisschen verspätet hier erscheine, will ich Dir danken für diesen Beitrag. Ich habe Tellkamps bildungsbürgerliche Selbstbeweihräucherung auch gelesen, was sehr viel Durchhaltevermögen verlangte. Jedenfalls, um es kurz zu machen, es gab Ende 2008 in der TITANIC eine längere Kritik zu Tellkamps Turm. Leider ist die nicht Online verfügbar. Trotzdem ein Auszug:

„Der Turm“ endet, logisch, am „Reichsmauertag“ (Th. Gsella), dem 9. November 1989 – „Wende gut, Ende gut, fertig ist der feuilletontaugliche DDR-Roman“ (MZ) - , und für die Ärzte, Intellektuellen und zum Schluß natürlich Bürgerrechtler der Turmgesellschaft wird natürlich alles besser werden, so wie es sich für den Prosa-Grünbein Tellkamp gefügt hat, der neben Daniel Kehlmann – nach dessen Augsburger Ausfällen gegen den politischen Brecht, „der zuverlässig bei denen stand, die die Maschinengewehre hatten“ – ab sofort als zweiter „Hofdichter der Republik“ (Konkret) gelten kann.
Was aber aus der Arbeiterklasse, die der von Tellkamp so innbrünstig beschworenen Bildung niemals näher gewesen sein dürfte als in der DDR, mit dem Sieg des freien Geistes geworden ist, kann, wer will, gerne im sog. Unterschichtenfernsehen verfolgen.

Stefan Gärtner: Bürger Tellkamps Widerstand – Mit Goethen in der Wagenburg: Anmerkungen zum neuen „Volksbuch“ der Deutschen, TITANIC 12/2008; S. 20 ff.
Magda schrieb am 21.12.2009 um 15:58
Danke Dir für den Hinweis. Klasse, klasse.
Wunderbar. Dieser Tellkamp - immer gut wenn der eins auf die Mütze kriegt, wozu hat er sie schließlich dauernd auf.
Franz malef schrieb am 22.12.2009 um 13:02
Hallo Ihr alle,

ich freu mich über diesen Blog von Herzen. Und da ich gebürtiger, hier lebender, bekennender Dresdner bin, kann ich auch etwas zu diesem Thema "Dresden" sagen. Zunächst: Hat Tellkamp "Freunde" in Dresden? Er ist ja ins (noch immer) Privilegiertenviertel "Weißer Hirsch" gezogen, wartet auf seinen Meno II (=Nemo) sein zweites Kind, das ihm seine "Miss Annette" zur Welt bringen wird. Er lässt sich kaum sehen. Manche haben ihn in seinem Viertel "lustwandeln" sehen. Natürlich hat er unter den Dresdner Dichtern ein paar Freunde, doch das sind solche, die sich in seiner Sonne "wärmen" wollen und die selber ein wenig Licht brauchten. Allerdings, Sie haben nicht bedacht: Tellkamps Sonne "bräunt"!
Jetzt hat er ja "verlauten" lassen, er arbeite an seiner "Turm-Verlängerung mit dem Titel "Lava" - die Nachwende habe ihn an hervorbrechende Lava erinnert, die beim Hinabfließen erkaltet. Man darf vermuten, dass er in Vorbereitung dieses Buches wieder, wie schon beim "Turm", in Biedenkopfs Schweizer Villa eingeladen wird. Auch saß er unlängst in der inzwischen von anständigen Dresdner gemiedenen Frauenkirche und schwafelte mit dem De Maiziere über die Wende und die Nachwende: Was die Beiden eben so davon verstehen - zwei Laienmusiker unter sich. Eine Freundin sagte mir, als ich ihr davon sprach wie sehr doch Tellkamp die Nähe der Politik (CDU) suche, dies sei umgekehrt: Tellkamp brauche das, denn ohne sie wäre seine Literatur überhaupt nicht mehr vorhanden, er schriebe nunmal die Romane zur Politik. So einen hätte die CDU gesucht und gefunden, deshalb auch regneten alle Preise aus derselben Wolke ...
Nee, liebe Leute, man muss wirklich diesen Tellkamp nicht lesen und irgendwann wird er sich selber "abschaffen" - wetten dass?
Magda schrieb am 22.12.2009 um 15:27
Hallo alter Dresdner Freund,
Mitstreiter und oller Knarzbruder?

Frieden?
Franz malef schrieb am 22.12.2009 um 16:51
Na klar. War denn überhaupt Krieg? Und bitte, was ist ein Knarzbruder? Was ein Knastbruder ist, weiß ich, aber ein Knarzbruder?

Ja, ja unser Tellkampchen - er ist nun in seine alte Heimat, in die Villen seiner Phantasie gezogen und lebt dort, ob nun mit Dienstboten und standesgemäß, weiß ich nicht, auf alle Fälle hört und sieht man ihn nicht. Mit Jens bin ich in engem Kontakt, er hat mich auch auf den Artikel in der NZZ aufmerksam gemacht. Auch Jayne kenne ich, will aber den "Klarnamen" hier nicht verraten, aber sie ist eine veritable Dichterin und Sprachkünstlerin mit hohem Anspruch. Ich freue mich, dass sie mit uns ist, denn ich wusste das bisher gar nicht. Jaaa, der Tellkampsche Freundeskreis, eigentlich ein Kreis "kleiner Lichter", auch ein Buchhändler ist dabei, in dessen Laden "Mister Tower" seiner ersten Auftritte absolvierte usw. aber alles eher "unbedeutende" Leute. Aber, man weiß ja auch vom Dichterfürsten Goethe, dass er sich mit kleineren Sternen umgab, deshalb gewiss, dass der seinige um so heller leuchtet. Ein altes Prinzip von Egomanen. Ich bin inzwischen der Auffassung, dass man um Herrn Tellkamp nicht so viel Wirbel machen sollte. Man sollte ihn beobachten und immer wieder auf seinen Flirt mit den Mächtigen hinweisen, weil er damit genau das tut, was er in seinem Epos verurteilte - aber sonst, das Politische mal beiseite gelassen, was bleibt denn dann von seiner Literatur: Schwache Figuren, unglaubwürdiger Plot, Ungenauigkeiten und eine überbordende Sprache, die nur den literarischen Anfängern gefällt, weil die glauben, wer viele Worte macht, sei auch ein Literat - gefehlt. Denn Kunst besteht in Knappheit und Weglassen. Nein, nein, lassen wir den Tellkamp sein, was er ist - ein Spätpubertierender und Wichtigtuer, über den, da bin ich gewiss, in 10 Jahren keiner mehr reden wird,
Magda schrieb am 22.12.2009 um 17:04
Lieber Franz malef

Ein Knarzbruder ist - in meiner Definition - einer, der gern mal ein bisschen loslegt, wenn ihm die Gefühle durchgehen.

"Auch Jayne kenne ich, will aber den "Klarnamen" hier nicht verraten, aber sie ist eine veritable Dichterin und Sprachkünstlerin mit hohem Anspruch."

Da bin ich sehr einverstanden. Bei ihr denke ich manchmal "der Freitag" weiß nicht, was er hier für Persönlichkeiten hat.

"Ich bin inzwischen der Auffassung, dass man um Herrn Tellkamp nicht so viel Wirbel machen sollte. Man sollte ihn beobachten und immer wieder auf seinen Flirt mit den Mächtigen hinweisen, weil er damit genau das tut, was er in seinem Epos verurteilte "

Genau, genau.

"Schwache Figuren, unglaubwürdiger Plot, Ungenauigkeiten und eine überbordende Sprache, die nur den literarischen Anfängern gefällt, weil die glauben, wer viele Worte macht, sei auch ein Literat - gefehlt. Denn Kunst besteht in Knappheit und Weglassen. "

Es gab ja immer mal Zwischentöne in Rezensionen, die eingeschüchtert in der Welle der Beifallsbekundungen, eingewendet haben, dass der Meister keine Charaktere zeichnen kann.

Noch mehr einverstanden mit "Knappheit und Weglassen" (und sagtest Du nicht auch immer mal im Konjunktiv besteht sie auch, die Kunst?)

In dem Sinne

Gruß Magdamatsch
Joachim Petrick schrieb am 26.12.2009 um 14:02
Lieber Magdamatsch,
im Eifer Deines Tellkmpschen Weltgefechts drohen Dir, scheint es mir, die Gäuler durchzugehen.

Ich habe den dicken Roman"Der Turm" von Tellkamp lange ungelesen liegen:
Erst jetzt nach Deinem Total Verriss werde ich als tellkamp Leser große Augen kriegen. Danke!

Jeder Roman ist bei Gedichte der Gedankengelichte betrachtet ein Marathonlauf der Botschaften, die nicht der Wahrheit, Klarheit gelten, sondern vagabundierenden Gefühlen, die es sich durchaus lohnt als Sternschnuppen des grauenhaft hellen Wahns im dunklen Anzuge zu archivieren.

Machst Du womöglich, so gesehen und gefeutet, aus einem "Marathonläufer" Tellkamp den Botschafter, der an den P-ranger des ostwestliche Di Wahns genagelt, erschlagen werden soll, weil er der Bote der verschwiemelt schlechten Nachricht vom teutschen gemüt ist?

tschuss
JPatsch
Joachim Petrick schrieb am 26.12.2009 um 14:26
wohnt doch als Ach unter dem Dach einer jedweden vermeintlichen, wie wirklichen Denunziation innig die Vorführung einer Selbstanzeige inne.
tschüss
JPatsch
Magda schrieb am 26.12.2009 um 14:57
"Machst Du womöglich, so gesehen und gefeutet, aus einem "Marathonläufer" Tellkamp den Botschafter, der an den P-ranger des ostwestliche Di Wahns genagelt, erschlagen werden soll, weil er der Bote der verschwiemelt schlechten Nachricht vom teutschen gemüt ist? "

Nee, erschlagen werden soll er nicht - nur ordentlich gelesen und zwar von Angang bis Ende. Das ist Strafe genug.

Apropos: Teutsches Gemüt. Wenn man sich den "Eisvogel" von ihm mal zu Gemüte gezogen hat.: Das ist ein rechtselitärer Quark und das gesamte westdeutsche Feuilleton hat die Nase gerümpft weil die sich in dem geschilderten Milieu überhaupt nicht wiederfanden, und am allerwenigsten einen Jargon, der zumindest einleuchtete.

Der spinnt, der Tellkamp.

Vielleicht: Der sollte dichten, ordentlich verdichten und eindampfen.

Noch was Joachim: Viele ernstzunehmende Rezensenten haben sich drum "gedrückt", über den Tellkamp was ernsthaftes zu sagen. Es ist eben ein Flickwerk, das Ganze.

Mein Gott, was rege ich mich denn so auf. (Das muss die Schilddrüse sein - :))

Gruß Magda
Joachim Petrick schrieb am 26.12.2009 um 15:38
Liebe magda,
eine Rose ist eine Rose. Eine meinung ist eine meinung.
danke für die Rose.

korigiert heißt es klatsch bei meinem JPatsch:

"Machst Du womöglich, so gesehen und gedeutet, aus einem "Marathonläufer" Tellkamp den Botschafter, der an den P-ranger des ostwestliche Di- Wahns genagelt, erschlagen werden soll, weil er der Bote der verschwiemelt schlechten Nachricht vom teutonisch verdrießliche Gemüte ist?
Wünsche frohe Weihnachten gehabt zu haben, wie man/frau anno dazumal am zweiten Weihnachtstag "Eulen nach Athen tragend" froh und munter lockend zu sagen wagte.

tschuss

JP
Joachim Petrick schrieb am 26.12.2009 um 15:39
verdrießlichen Gemüte ist?
JP
Franz malef schrieb am 28.12.2009 um 12:45
Lieber JP - Das ist das einzige, was ich von Deinen Einträgen unterschreiben kann. Dem aufmerksamen und weltkritischen Leser gegenüber denunziert Tellkamp sich selber ... doch vorallem, wenn man nur das sog. Künstlerische betrachtet, ist dieser Roman eine handwerkliche Ausschussarbeit, viel Materiak verbraucht, aber nichts ist draus geworden. Nun gut. WEnigstens hat es Tellkamp jetzt in die Oma-Mutti-Tanten-Sendung "Sonntagsraten" geschafft. Der mit seiner öligen Stimme durch die Wende gerutschte Moderator Jürgen Schulz ließ die Hörer raten - und Tellkamp kam raus. Lasst ihn dort, den großen Helden.
Jeenfalls, ich sage, wer gute Literatur mag, muss Tellkamps "Turm", aber auch schon den "Eisvogel" verabscheuen. Ob er nach Oslo schielt, wer weiß. Das dortige Kommitee ist ja für seine gelegentlichen literarischen Fehlentscheidungen bekannt - das hängt damit zusammen, dass dort der politische gegenüber dem literarischen Aspekt überwiegt. Und so gesehen hätte Tell eine Chance, spätestens mit seinem neuen Opus "Lava", dem ultimativen Nachwenderoman "nobel" belohnt zu werden. Was er schreiben wird, ist schon jetzt klar - aber es wird den Geschichtsumdeutern und Geschichtsvergewaltigern sicher gut gefallen, und sicher wird es scon vorher, wie schon der "Turm", in den Parteizentralen der CDU begutachtet ... ich muss aufhören, mir wird übel von all dem. Wann endlich, kommt, außer uns armen Würstchen hier in diesem Blog, mal einer wirklich Bedeutender und sagt, wie der kleine Junge in Andersens Märchen, in Richtung Tellkamp: "Der ist ja nackt!" Darauf freue und hoffe ich im Neuen Jahr, zu dem ich allen hiesigen Bloggern alles Gute wünsche
Magda schrieb am 28.12.2009 um 12:51
Also ich finde weiter unten ist doch schon eine ganz seriöse Stimme, die sowas sagt. Ab wann fängt denn bei Dir die Bedeutung an? Wer soll denn da die Trommel schlagen?
Franz malef schrieb am 28.12.2009 um 13:00
Mal ein wirklich großer Autor. Meinetwegen auch Dresdner: Ingo Schulze zum Beispiel - oder Daniel Kehlmann oder Walser oder auch der Wittenberger Pfarrer. Grass soll sich schon geäußert haben - wie immer im Pustewind des Mainstream.
Franz malef schrieb am 28.12.2009 um 13:02
Ach Magdalein, da stocherst Du nun rum in meinen Worten, anstatt sich über den Märchenvergleich "Der ist ja nackt" zu freuen. Bin nämlich stolz auf den Einfall. Jawohl.
Magda schrieb am 28.12.2009 um 13:04
Naja, wenn ich Ingo Schulze wäre, ich würde mich da auch zurückhalten. Wie schnell sagt man dann, der ist neidisch oder irgendwas in der Art. Und Schorlemmer, der ist im Moment auch vorsichtig geworden. Ich sage Dir ja, sie haben alle ein bisschen Furcht vor der Mainstream-Medien-Macht.

Von Grass habe ich noch nichts gehört. Muss mal googeln.
Magda schrieb am 28.12.2009 um 13:05
Ich stochere nich, ich stimme ja zu.
Ludwig Hasselberg schrieb am 26.12.2009 um 18:10
Immerhin ist es ein Ostdeutscher, sogar ein Wendesachse, der das ultimative DDR-Buch bzw. Anti-DDR-Buch geschrieben hat! Was wollen wir mehr - ein bisschen Dankbarkeit, bitte auch mal!
Magda schrieb am 26.12.2009 um 19:26
Wendesachsen gibts massenweise. Man erkennt sie an ihren ostdeutschen Wendemänteln aus weißem Hirschfell mit tapfer aufgestelltem Oppositionsoppossums-Kragen.

Bitteschön, gern.
Michael Jäger schrieb am 26.12.2009 um 23:58
Ich hatte mich um den ganzen Rummel nicht gekümmert und wußte von gar nichts, bis ein Freund mir das Buch empfahl und ich es einfach als Roman lesen wollte, so wie ich mit dem Gefühl, Dichtung in der Hand zu haben, und nicht ein verschriftliches Fernsehspiel, Jean Paul oder Peter Weiss gelesen habe. Diesen "Roman" von Tellkamp lege ich jetzt auf S. 166 beiseite. Man kommt zwar in alle guten Bücher schwer rein und muß mit dem Anfang zweimal anfangen, aber nach 166 Seiten sollte sich doch schon irgendein Thema gezeigt haben, das die Rede wert ist, oder eine Problematik. Absolute Fehlanzeige! Jetzt ärgere ich mich, daß ich nicht schon auf S. 23 aufgegeben habe, denn da war eigentlich schon alles klar: hingebungsvolle Beschreibung einer Seilbahn - "Die Wagentüren schlossen sofort, sobald man sie losließ" (S. 17), dann sieht man, "wie sich Weg und Wartehof perspektivisch verkleinerten", das "Oval" der "Tunnelhöhlung" wurde "allmählich ebenfalls kleiner" (S. 18), die Bahn wurde "hin und wieder von Unebenheiten in den Rollenwechseln ruckend erschüttert" (S. 19) - so jenau wollt ick det janich wissn, wie der Berliner sagt.
Magda schrieb am 27.12.2009 um 10:47
Ach Herr Jäger, ich hatte schon hochbeklommen gedacht, als Ihr Eintrag angezeigt wurde, jetzt kommt eine Maßregelung wegen Unterschätzung des literarischen Gehalts.

Aber so, wenn Sie das sagen, den ich für kompetent und sachkundig halte, wunderbar. Hinweg mit dem Schrott. Es ist nichts damit, es ist aufgeblasener Kohl.

In diesem Sinne

Immer wieder Dank
almostthere schrieb am 27.12.2009 um 16:50
Hallo allerseits!

Der Turm ist massiv, man rennt sich den Kopf daran ein. Der bekennende Grass-Bewunderer wähnt sich bestimmt auf dem besten Weg nach Stockholm. Womöglich ist er es sogar.
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Oder auf den Spuren des alten GraSS? Panzerkommandant Tellkamp hatte sich mit der Hingabe des Opportunisten für einen verlängerten Wehrdienst von drei Jahren verpflichtet. Darüber spricht jedoch keiner mehr, denn der NVA-Unteroffizier a.D. setzt auch ans Ende dieser Episode eine monumentale Heldengeschichte.
Franz malef schrieb am 29.12.2009 um 09:39
Liebe "Immer die",
ich gebe Dir recht und sagte es schon früher: Vergessen ist, oder unterdrückt oder abgeschoben, die Frage - ob man noch weiß, was es hieß 3 Jahre freiwillig bei der NVA zu dienen, und dann Panzerkommandant. Panzerkommandasnt klingt natürlich wunderbar und ist in Deutschland sofort mit der "Heldentruppe" des Panzergenerals Guderian besetzt. Wahrscheinlich reflektierte Tellkamp auf diese Assoziation, wo er doch ein bekennender "Nationaler" ist. Nein, wer in der DDR 3 Jahre zur "Asche" ging, der war entweder ein glühender Anhänger dieses Staates oder ein Karrierist, und als Panzerkommandant wahrscheinlich auch Kandidat/Mitglied der SED, denn nur solche durften "am Ruder" eines Panzers sitzen. Ich will das niemandem vorwerfen, der redlich damit umgeht, aber Tellkamp benutzt das Ganze für seine eigene PR-Kampagne, für das "Märchen" seiner DDR-Identität, und jetzt - die Medien! Bei jedem anderen hätte man aufgeheult. Wo bleibt die Birthlerbehörde? Wäre Tellkamp ein Abgeordneter der Linken im Deutschen Bundestag oder in einem Länderparlament, müsste er sich rechtfertigen, aber so ein Tellkamp wie der Schriftsteller, der so "recht(s)" nach dem Geschmack seiner Förderer von der CDU ist, bei dem darf eine Heldengeschichte drauswerden. Deshalb, liebe "Immer die" hast Du ins Schwarze (oh, welch herrlicher Wortwitz!) getroffen.
Und wie ich sonst immer sage - über den Roman "Der Turm" braucht man nicht zun reden, denn er ist eine saumiese Handwerksarbeit, der, wie "Jayne" oben schrieb, nur den einen Zweck erfüllt, denunziatorisch zu sein ...
mahung schrieb am 30.12.2009 um 16:40
"Nein, wer in der DDR 3 Jahre zur "Asche" ging, der war entweder ein glühender Anhänger dieses Staates oder ein Karrierist ..."

na, na. ein bisschen mehr differenzierung wäre gerade beim thema nva angebracht, auch wenn ich ihre sonstigen einlassungen zum tellkamp dick unterstreichen möchte.

einen guten rutsch und gesundes neues jahr ...
Franz malef schrieb am 31.12.2009 um 15:13
Allen Frauen und Männern dieser Seite, die sich hier versammelt haben, um ihre Wahrheit über Uwe Tellkamp und seine literarischen Anbiederungen herauszuschreien, ein gesundes und schönes, möhlichst Tellkamp-freies Jahr 2010! Möge unter Schriftstellern diese Art der Denunziation und der Politschreiberei, die Schoßsitzerei auf den Knien einer politischen Partei und die Glitterung der eigenen Biografie die Ausnahme bleiben. Aber, der Herr wird uns die Freude nicht machen, sein angekündigter Erguss "Lava" wird alle Fälscher der Geschichte von Herzen erfreuen und die ehrlichen, fleißigen und meistens nicht sehr erfolgreichen Poeten mit Enttäuschung und Galle anfüllen. Leider gibt es den zeitweiligen Sieg des schlechten Geschmacks immer wieder - aber wir lassen uns nicht entmutigen und glauben weiter an die Entzauberung des Bösen. Bleibt gesund, liebet und mehret euch und bedenkt das Wort Robert Schumanns: "Es gibt zu allen Zeiten ein geheimes Bündnis verwandter Geister ..."
Franz malef schrieb am 02.01.2010 um 13:24
Hallo Freunde! Heute am 02.01.10 ab 19.00 Uhr im MDR-Fernsehen - Sachsenspiegel - äußert sich der Dresdner Schriftsteller Jens Wonneberger zum Plakiatvorwurf gegenüber Uwe Tellkamp. Der große Schriftsteller Tellkamp aber war, wie ich vorab erfuhr, für diesbezügliche aktuelle Interviews nicht erreichbar. Tja, so sind Sie die Helden aus dem Turm ... Schaut mal rein, wenn ihr könnt.
Magda schrieb am 02.01.2010 um 14:15
Danke für den Tipp.

Gruß
Magda
Franz malef schrieb am 03.01.2010 um 10:19
Eine Ruhe herrscht hier auf dem Blog. Der Sendebeitrag im MDR-Fernsehen (Sachsenspiegel) war ganz o.k. - kurz, aber wirkungsvoll. Sie wollen weiter dran bleiben und berichten. Nun wäre es natürlich sinnvoll, wenn das Fernsehteam erführe (vielleicht wissen sie es schon), dass der Meister auch an anderer Stelle abgeschrieben hat, wie hier weiter oben zu lesen war. Ich denke, es ist jetzt die Gelegenheit aktiv etwas dafür zu tun, Herrn Tellkamp und seine Gönner zu entzaubern. Oder wollt ihr weiter nur im Net rumjammern und mehr oder weniger geistvolle Sprüche tun? So ein Pickel muss "ausgedrückt" werden, wenn es nicht eitern soll.
Franz malef schrieb am 03.01.2010 um 10:28
Hier kommt der MDR Fernsehen Sachsenspiegel Beitrag vom 02.01.10 www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3580106 - schaut mal rein.
jayne schrieb am 03.01.2010 um 10:29
habe den beitrag im mdr (in der länge eines werbespots) gesehen und weiß nicht, ob das dann wirklich so wirkungsvoll war - dem nachbarn, der sich mit mir den beitrag anschaute, war dieses eine beispiel zu wenig, um ihn zu überzeugen ... Vielleicht hat Jens Wonneberger den leuten vom mdr ja einen tip gegeben, wo sie weiter recherchieren könnten; allerdings bei anderthalb minuten sendezeit für so eine geschichte bringt das nichts, der beitrag war ja nicht einmal vorangekündigt, man mußte tatsächlich fast den gesamten sachsenspiegel über sich ergehen lassen, eine zumutung übrigens, für die man geld bekommen sollte, statt dafür gebühren zu zahlen
Franz malef schrieb am 03.01.2010 um 10:55
Das stimmt schon. Alles knapp und oberflächlich. Aber ich meine, es ist trotzdem eine Handhabe, die Sache nun zu forcieren. Die haben das ganz kurzfristig reingenommen. Am Samstagvotrmittag waren sie bei Wonneberger zur Aufnahme und der hat natürlich auch mehr gesagt, als die dann gesendet haben. Trotzdem. Es muss nun weitergehen, wenn es Sinn machen soll ... ich jedenfalls werde mal den Kontakt zum MDR suchen.
jayne schrieb am 03.01.2010 um 10:55
möchte noch ergänzen: Jens Wonneberger wirkte seriös, der schnell abgeschossene beitrag des mdr indes eher verharmlosend - wenn sie wirklich interessiert wären, etwas offenzulegen, hätten sie noch zwei drei tage recherchiert und dann zumindest einen fünf-minuten-beitrag mit noch mehr belegen daraus gemacht. So ist das "pulver" einfach verschossen worden (diese "häppchen" sind für tellkamp lange nicht so gefährlich, möglicherweise sogar förderlich).
Magda schrieb am 03.01.2010 um 11:04
Ich habs auch gesehen. Mein Eindruck: Wonneberger will sich nicht mit irgendwem anlegen. Hinter Tellkamp steckt eine ganze PR-Medien-Maschine. Und da kann man sich nur vorsichtig bewegen.

Tellkamp entzaubern, mein Gott. Das geht ja jetzt schon gerade los. Aber es müsste ja erstmal ein Zauber da sein. Glaube mir, malefs Franz, das zweite Buch wird nichts. Der ist ein "One-Book-Wonder" der Tellkamp. Die weitere Geschichte von Leuten im Osten interessiert - aus Tellkamps Feder - ganz sicherlich niemanden.
Der hat gebracht, was er bringen sollte.

@ jayne - ist ja wirklich nur ein Häppchen. Ich denke auch, die recherchieren da noch ein bisschen weiter.

GRuß
Magda
Franz malef schrieb am 03.01.2010 um 12:38
Ihr habt ja alle Recht, und ich will mich mit euch nicht streiten. Es gibt ja auch den Spruch: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan ..." oder "Man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter" - insofern, liebste Magda, wirst Du (hoffentlich) den Nagel auf den berühmten Kopf getroffen haben, was Tellkamps weitere Werke angeht. Ich will mal sehen, ob man den MDR nicht ein wenig weiter interessieren und anfüttern kann - als Medienanstalt sind die zwar angepasst und eine Mainstream-Maschine, aber an Skandälchen vielleicht doch interessiert. Sie haben vielleicht da ein Thema gefunden, das, weil auch regional verwertbar und überregional wahrgenommen wird, ausbaufähig erscheint. Glaubt mir, da ist überall Schadenfreude, denn Tellkamp hat sich durch seine abgehobene Arroganz (die zum großen Teil unbegründet ist!)rundherum keine Freunde gemacht. Ich kenne viele Leute, auch ganz normale Leute, die wünschen sich, dass ihm endlich der Lack beschädigt wird, denn er hat mit seinem "Denunziationsbuch" viele, auch ganz brave Leute, verärgert. Und, schließlich "fällt auch tief, wer allzu hoch steigt!" Damit nichts falsch verstanden wird: Ich gönne Jedem seinen literarischen Erfolg, wenn er ihn redlich und ehrlich kraft seines Talents erarbeitet hat. Aber mich ärgert, mit welchen Mitteln er im Falle Tellkamp erreicht, ja inszeniert und "gemacht" wurde und wie Tellkamp ihn selber pflegt und ausnutzt. Vielleicht weiß der Jungstar noch nicht: Wer sich zu den Politikern auf die Schoß setzt, muss damit rechnen "bekleckert" zu werden. Für manch einen Autor eine "tödliche" Sache. Es gibt Beispiele ...
Magda schrieb am 03.01.2010 um 12:45
"Aber mich ärgert, mit welchen Mitteln er im Falle Tellkamp erreicht, ja inszeniert und "gemacht" wurde und wie Tellkamp ihn selber pflegt und ausnutzt."

Da hast Du völlig Recht.

Gutes Neues
Franz malef schrieb am 03.01.2010 um 13:50
Gutes Neues auch Dir! Bleibt so und ändert euch - dann wird alles gut!
jayne schrieb am 03.01.2010 um 15:56
nehmt es mir nicht übel, am sonntag, aber ich muß noch eine stelle aus der turm-prosa zitieren, die so überaus lyrisch: "Aber es dämmerte schon, die in diesem Jahr unerbittliche Julisonne sank, die tagsüber wie eine Scheibe aus kochender Milch am steinweißen Himmel stand, kenntlich nur durch Druckschlieren, die in Wellenkreisen abpulsten; als wäre die Luft ein Körper, dem die tiefstehenden Strahlen Schnittverletzungen zufügten, hatte sie eine Lineatur aus rötlich-metallischen Verfärbungen überzogen, wundgescheuertes Licht: Hämoglobin, das sich auf den Zäunen, den Glanzflächen dunkler spiegeleiheißer Autodächer, dem rissigen Asphalt auf den Straßen in Flugschichten ablagerte, seine Lebensröte vorher und die Eisenmoleküle preisgab, glitzernder Rost, der liegenblieb." Der Lektor muß sich schon vorher aus dem Staub gemacht haben, samt Operationsbesteck ...
jayne schrieb am 03.01.2010 um 15:56
nehmt es mir nicht übel, am sonntag, aber ich muß noch eine stelle aus der turm-prosa zitieren, die so überaus lyrisch: "Aber es dämmerte schon, die in diesem Jahr unerbittliche Julisonne sank, die tagsüber wie eine Scheibe aus kochender Milch am steinweißen Himmel stand, kenntlich nur durch Druckschlieren, die in Wellenkreisen abpulsten; als wäre die Luft ein Körper, dem die tiefstehenden Strahlen Schnittverletzungen zufügten, hatte sie eine Lineatur aus rötlich-metallischen Verfärbungen überzogen, wundgescheuertes Licht: Hämoglobin, das sich auf den Zäunen, den Glanzflächen dunkler spiegeleiheißer Autodächer, dem rissigen Asphalt auf den Straßen in Flugschichten ablagerte, seine Lebensröte vorher und die Eisenmoleküle preisgab, glitzernder Rost, der liegenblieb." (S. 457/458) Der Lektor muß sich schon vorher aus dem Staub gemacht haben, samt Operationsbesteck ...
Magda schrieb am 03.01.2010 um 16:06
"spiegeleiheißer Autodächer,"

Das sind Bilder, da kommste ins Grübeln. Lyrikerrhoe gibts vielleicht auch. spiegeleiheißerassalein Autodächerlein.

"Der Lektor muß sich schon vorher aus dem Staub gemacht haben, samt Operationsbesteck ..."

Nee, das kann man nicht übel nehmen, das ist ein Zeichen, dass einen da was überkommt.

abgelagerte Hämoglobingrüße
liebe jayne
Franz malef schrieb am 03.01.2010 um 16:23
Ach Danke, liebe Jayne, für diesen Ausschnitt. So konnte ich endlich meiner Verstopfung Herr werden und mich so wunderbar erleichtern. Man muss sich allerdings fragen, wieso ein Verlag und sein Lektorat derartig aufgeblasenen Schwachsinn, dem nichteinmal der Hauch einer Lyrik innewohnt, denn bei allem Lyrikverständnis sollten die Bilder doch wenigstens stimmen, durchgehen lässt. Es überkommt einen der Verdacht, dass hier gar keiner dran war vom Lektorat oder Herr Tellkamp sie alle abgewehrt und weggebissen hat, so wie er seinerzeit, als das Manuskript noch bei Rowohlt lag, die dortige Lektoratsmitarbeiter zur Verzweiflung gebracht hat, was schließlich zum Bruch mit Rowohlt führte. Man kann Rowohlt/Berlin nur gratulieren, dass sie standhaft geblieben sind. Also lieben Dank für die Textstelle, sie hat meine durch andauerndes feiertägliches Völlern liegengebliebene Verdauung wieder angekurbelt. Sch ... drauf!
Und so ein Schwachsinn wird uns als Preisträgersprache verkauft, selbst RW würde sich im Grabe rumgedreht haben, wenn er diese Worte seines "Librettisten" gelesen hätte. Himmelherrgottwasfür einelendaberauchaufdieserweltherrscht!

Mit viel Lebensröte grüßt euch ...
weinsztein schrieb am 03.01.2010 um 16:53
Tellkamps Turm habe ich nicht gelesen, das Buch erschien nicht nur im Verbreitungsgebiet des MDR.

Dass Tellkamp sich bei Jens Wonneberger ("Die letzten Mohikaner") bedient hat, dürfte auch die Kulturredaktionen anderer Sender interessieren. Also ARD, ZDF, WDR, NDR, 3sat, Arte ...
Franz malef schrieb am 03.01.2010 um 17:21
Hoffentlich!
weinsztein schrieb am 03.01.2010 um 17:39
Also verlinkt mit der ARD-Mediathek ist der gestrige MDR-Beitrag schon.

www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2572?tagId=930292
Der Garst schrieb am 04.01.2010 um 13:58
Es gab noch einen dritten Grund, warum man 3 Jahre zur Armee ging. Wenn man unbedingt studieren wollte, die Eltern aber relativ gut verdienten, dann bekam man ein Stipendium nur, wenn man sich für 3 Jahre Armee verpflichtete. Andernfalls waren die Eltern verpflichtet, das Stipendium zu zahlen, wobei die Grenze, ab der diese Regelung galt, nicht allzu hoch lag (ich glaube bei 1.500 Mark für beide Eltern zusammen, aber ich bin mir nicht mehr sicher). Wer sich also nicht von den Eltern bezahlen lassen wollte oder konnte, der kam nicht um eine dreijährige Dienstzeit drumrum. Diese Regelung wurde aber Anfang der 80er Jahre abgeschafft, so dass sie für Tellkamp nicht mehr in Betracht kam. Insofern haben Sie ganz recht, Herr Malef, ich wollte das nur anmerken.

Der Garst
jayne schrieb am 06.01.2010 um 08:57
Deaktivierter Nutzer schrieb am 06.01.2010 um 09:13
Ick globe, ick les die falschen threads... Ihr habt ja hier noch schön weitergemacht! Danke für den link!



Schönen Tag 6 des Jahres 2010!
franzmalef schrieb am 06.01.2010 um 09:37
Gerade gelesen. Wohltuend sachlich und unaufgeregt. Und die Schwerpunkt sind richtig gesetzt, denn es muss darum gehen, zu erhellen, warum der schwache Text Uwe Tellkamps solchen Erfolg hat, was es für Hintergründe gibt, und dass es, obwohl es manche meinen, bei der Lobpreisung Tellkamps gar nicht so sehr um Literatur ging, sondern um das "politisch zu Nutzende", welches bestimmten Kreisen gerade recht kam. Jawohl - Deutungshoheit! Wer darf unsere jüngste Vergangenheit allgemeingültig interpretieren. Und da sind eben nicht nur die Politiker gefragt, sondern "helfende Schreiberlinge" - und so komme ich auf meinen Lieblingssatz: Tellkamp schrieb zur rechten Zeit das Buch zur Politik (i.d.F. der CDU-Politik). Schönen Epiphanias noch!
Magda schrieb am 06.01.2010 um 12:40
Ich habs auch gelesen. Ich finde, prima analysiert und nicht zuviel "Schaum vorm Mund".

Und ich freue mich, dass ich mit meinem Blog da den "Anstoß" geliefert habe und die Debatte hier ja auch schon recht lebhaft war.
weinsztein schrieb am 06.01.2010 um 14:56
Liebe jayne, danke für den link zum guten Beitrag von Janina Fleischer zu Uwe Tellkamp in der LVZ.
jayne schrieb am 06.01.2010 um 15:27
Die geschichte geht weiter, ein artikel erschien heuer auch in der sächsischen zeitung, allerdings weniger pointiert und im netz auch nur für abonnenten einsehbar.
Michael Ernst hebt darin lediglich auf die plagiatvorwürfe ab, sein beitrag endet folgendermaßen: "Erstaunlich, dass im Roman „Der Turm“ nicht nur die Beschreibungen des Antiquariats mit denen von Wonneberger wörtlich übereinstimmen, sondern auch die originellen Notizzettel. Sollte sich da doch ein Schriftsteller in einen Buchladen verirrt haben?

Anderes Thema, anderer Ort: der Armeeknast. Auch davor sind Autoren wie deren Figuren nicht gefeit. Stefan Wachtel notierte 1991 in seinem Gefängnistagebuch „Delikt 220“ Schwedt-Erfahrungen. Mancher „Turm“-Leser fühlt sich nun daran erinnert. Petitessen in einem 1000-Seiten-Roman? Ein gefundenes Fressen für die Gegner literarischer Heiligenbilder."
Doch nun schluß für heute, ehe ich noch gefahr laufe, als weitere "dr. tell. crit." in die geschichte ein- bzw. aus ihr herauszugehen ...
franzmalef schrieb am 06.01.2010 um 16:40
Hallo, hab den SZ-Beitrag auch gelesen - schwach, verquast, undifferenziert. Man weiß nicht, auf wessen Seite Herr Ernst steht, noch nicht mal auf seiner eigenen. Wer den Sachverhalt nicht kennt, wird durch diesen Beitrag nicht schlauer - aber vielleicht soll mans auch nicht. Nur ja mit keinem verderben, und schon gar nicht mit Uwe Tellkamp - wenn der nun weitere Preise kriegte, und der SZ ein Exclusivinterview verweigerte. Oh weh! Die Literaturredakteurin der SZ, eine kluge und pointierte Rezensentin, hat von ihrer letzten Tellkamp-Kritik noch blaue Flecke. Man hat sie kurzerhand nicht mehr zum Thema schreiben lassen und das Ganze durch einen Tellkamp-Hymniker ersetzt. Jetzt spricht sie von "Provinzposse" - ist schon spaßig, wenn eine Provinzzeitung von einer Provinzposse spricht. So verschieben sich die Gewichte. Man spürt die Wirkung und man ist verstimmt. Zurück, zum SZ-Beitrag: Tellkamp wird sich in seine Heldenfaust lachen, wenn er den Artikel liest. Läuft doch gut. Es gibt eben welche, die dürfen, und andere, die dürfen nicht. Denn man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht ...
Magda schrieb am 06.01.2010 um 17:42
Also ich meine auch, dass man offensichtlich eine gewisse Furchtlosigkeit braucht, wenn man Tellkrampf an die Karre fährt. Seltsam, früher wusste man, woher sowas droht, heute - sehr schwer zu orten - die Schützen in der Hecke.
mahung schrieb am 06.01.2010 um 18:01
@franzmalef

"Jetzt spricht sie von "Provinzposse" - ist schon spaßig, wenn eine Provinzzeitung von einer Provinzposse spricht."

Sie haben vollkommen recht. Nur damit bei Nicht-Dresdnern keine Missverständnisse aufkommen:

SZ = Sächsische Zeitung (manche kennen als SZ wohl nur die Süddeutsche Zeitung)
almostthere schrieb am 06.01.2010 um 21:18
Die Geschichte geht weiter: Und jetzt wird es peinlich!
oder: Tellkamp schlägt zurück …

Bei allem Respekt, nachdem der Dieckmann-Artikel die Provinz-Gazetten aus der Reserve gelockt hat, dürfen sich jetzt dort Praktikanten wie Michael Ernst versuchen. Ich bin ganz deiner Meinung, franzmalef, dieser Beitrag ist "schwach, verquast, undifferenziert". Man fragt sich, warum da einer unbedingt auf den Zug aufspringen wollte. Und auf welcher Seite er steht.
jayne schrieb am 07.01.2010 um 09:03
guten morgen, und noch der verweis auf ein interview mit tellkamp im tagesspiegel, oktober 2008, sehr aufschlußreich auch dieses ...
www.tagesspiegel.de/kultur/Uwe-Tellkamp-Buchmesse;art15911,2634808
jayne schrieb am 07.01.2010 um 09:12
aus irgendeinem grund ist oben nicht der vollständige link aktiviert, vielleicht des semikolons in der adresse wegen, ich versuche das hier mal durch schrägstrich zu ersetzen, ansonsten kopiert bitte die adresse
www.tagesspiegel.de/kultur/Uwe-Tellkamp-Buchmesse/art15911,2634808
jayne schrieb am 08.01.2010 um 15:22
Neue Entwicklung in Sachen Tellkamp - Deutschlandradio Kultur meldete 14.30 Uhr: "Autor Tellkamp wehrt sich gegen Plagiatsverdacht.
Über diesen Fernsehbeitrag hat sich Uwe Tellkamp nicht gefreut. Der Schriftsteller forderte den Mitteldeutschen Rundfunk über seinen Anwalt auf, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen. Tellkamp moniert darin einen Beitrag über seinen Roman "Der Turm" in der Sendung "Sachsenspiegel". In einem Interview hatte Tellkamps Schriftsteller-Kollege Jens Wonneberger erklärt, er selbst sei Autor einer Passage des Romans. Der MDR teilte mit, man überprüfe Tellkamps Forderung juristisch."
Abgesehen davon, daß Jens Wonneberger das im Interview nicht so explizit formuliert hat, spricht der Vorgang für sich ...
Magda schrieb am 08.01.2010 um 15:39
Hallo jayne,
na jetzt kommt Leben in die Bude. Danke für die Infos.
franzmalef schrieb am 08.01.2010 um 16:16
Wie heißt es im Volksmund: "Getroffene Hunde jaulen!"
Die Sache ist doch die: Offensichtlich hat sich Tellkamp u.a.bei Wonneberger "bedient", vielleicht auch bei anderen noch. Ein anständiger Charakter hätte das Problem längst mit einem Handschlag und bei einer Tasse Kaffee "unter Kollegen" bereinigt, aber Herr Tellkamp, den damalige Kommilitonen und heutige Ärzte schon während seines Mediztinstudiums in Leipzig als "hochnäsigenm Kerl" charakterisierten, gefällt sich in der Rolle des angriffslustigen "Lügners", nach dem Motto "erstmal angreifen, das hat Schneid ... der Sieger wird später nicht gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat oder nicht ..." - wie gesagt ein anständiger Kerl und Kollege hätte so nicht reagiert. Aber, wenn er meint, dass sich sein Image auf diese Weise bessert, so irrt der Herr ... Kopf hoch, Herr Wonneberger, im Ernstfall sind wir auch noch da ... und haben Anwälte ...
kay.kloetzer schrieb am 08.01.2010 um 16:30
In der Sachsenspiegel-Sendung hieß es, Tellkamp sei für eine Stellungnahme nicht zu erreichen gewesen. Wenn sie es vielleicht gar nicht versucht haben, dann darf Tellkamp diese Gegendarstellung verlangen, glaube ich. Und wenn sie es versucht haben, dann können sie die später eingetroffene Stellungnahme ja ruhig verlesen oder zitieren oder so. Mehr hat er, so wie ich das gehört habe, nicht verlangt, als dass eine persönliche Erklärung im Pogramm verlesen wird. Klar, ein Interview wäre schöner.
DRKultur drückt es wirklich nicht korrekt aus. Das mag zwar Leben in die Bude bringen, lenkt aber bisschen vom Thema ab, sollte es jetzt vor allem in einen Formulierungsstreit ausarten, wer was wann wie gesagt und gemeint hat.
In der LVZ steht heute Tellkamps Stellungsnahme zum dortigen Text, darin heißt es:
„Die in den Buchzitaten angegebenen ,Zettel des Fräulein Leukroth‘ hat es tatsächlich gegeben. Sie sind keine künstlerische Schöpfung von Herrn Wonneberger. Einige dieser Zettel wurden mir bei einem meiner vielen Besuche im Antiquariat Dienemann Anfang der 90er Jahre von einer dort langjährig tätigen Angestellten gezeigt, unter anderem ein Schriftstück, das sich mit dem Gießen einer Porzellanblume befaßt. Ich habe mich – wie offenbar auch Herr Wonneberger – aus dieser Wirklichkeit bedient und sie auf meine Weise künstlerisch geformt. Das Antiquariat Dienemann war eine öffentlich zugängliche und stadtbekannte Institution.“
franzmalef schrieb am 08.01.2010 um 17:18
Auf alle Fälle zeigt sich wieder, was der werte Herr Tellkamp für ein Depp ist: Anstatt die offene und ehrliche Tour zu wählen, klagt er gegen den MDR. Das wird den MDR nicht freuen, aber auch nicht aus der Ruhe bringen - und: Herr Tellkamp wird im MDR künftig weniger oder gar nicht mehr besprochen. Es zeigt sich, was man schon beobachten konnte - der Herr hat kein Gefühl, mit den Medien umzugehen.
jayne schrieb am 08.01.2010 um 17:55
seltsam, auf die wachtel-geschichte ist er gar nicht eingegangen ...
Daß t. nun allerdings im mdr nicht mehr oder weniger als bisher besprochen würde, glaube ich kaum, und eigenartiger weise hat sich ja auch unser kultursender (mdr-figaro) nicht einmal ansatzweise für diesen vorgang interessiert, nicht mal im morgendlichen feuilleton-überblick vom 6. januar.
franzmalef schrieb am 08.01.2010 um 18:43
Abwarten. Man liebt es in den Medien nicht, sich korrigieren zu müssen, und irgendjemand wird dann sagen: Tellkamp? der hat doch damals diesen Krach inszeniert? Nee, den nehmen wir nicht rein ...
Ein rel. guter Artikel findet sich im Spiegel-online, T. reagiere wenig souverän und zeige keine Größe - und Wachtel? Das hängt entweder mit T.´s Provinzialität zusammen, er will den "eigenen Hinterhof", also Dresden, sauber haben, oder ist an der Wachtel-Sache doch noch mehr dran, und er möchte "diesen Hund" schlafen lassen. Jedenfalls, nach Insiderinformationen, wird die "Gegendarstellung" in Form einer "verlesenen Erklärung"! wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen gesendet ... aber Leute, eine vorgelesene Erklärung!? das ist doch allerschwächste Sorte, oder ist der T. schon so abgehoben oder in die Mittel seiner Gönner eingesunken, dass er "erklären lässt" ... wie gesagt, wenn er ein ganzer Kerl wäre, würde er anders reagieren. Interessant wäre doch mal eine offene Talkrunde in einer Dresdner Buchhandlung, wo Tellkamp seinen Kollegen in Rede und Gegenrede gegenüber treten könnte, aber soweit wird es nicht kommen, denn er weiß von seiner eigenen "Jämmerlichkeit" und dem "dünnen Eis", auf dem er wandelt, seien es nun seine "Musikkenntnisse" oder anderes ...
jayne schrieb am 11.01.2010 um 21:42
muß doch noch einen 101. kommentar zufügen (märchen aus 101 nacht sozusagen) - es ist natürlich seitens Tellkamp gewieft, nur auf die wonneberger-geschichte einzugehen und so den sachsenspiegel-beitrag in den mittelpunkt zu stellen, die anderen medien haben das dann ja brav übernommen, und dafür die weitergehenden hinterfragungen marginalisiert bzw. ganz aus der optik verschwinden lassen - damit ist die diskussion gestoppt, es sei denn, die lvz oder dnn bohren noch mal nach und fragen in dem zusammenhang auch bei Stefan Wachtel an ...
franzmalef schrieb am 11.01.2010 um 23:00
Hallo Jayne - Sachsenspiegel von heute verpasst? Der Schuss, den Tellkamp beabsichtigte, ist nun nach hinten losgegangen, denn das Fernsehen hat einen stärkeren Beitrag hingelegt, mit Befragung von Herrn Wachtel, Herrn Weiß, natürlich auch mit einem FAZ-Fuzzi, der an Tellkamps Roman "mitverdient" hat und ihn pflichtschuldigst lobte, aber das änderte nicht an der Gesamtaussagem, auch, wenn Tellkamp seine gewünschten Einlassungen, die tatsächlich nur das eine Zettelchen von Frau Dienemann betrafen, loswerden konnte - und diese Gessamtaussage war: Tellkamp ist ein mieser Typ, der irgendwie doch abgeschrieben hat und nicht das "Kreuz" besitzt, mit Herrn Wonneberger vernünftig zu reden. Wie das Motto dieses Blog sagt: Ein Schatten auf Tellkamps Heiligenschein bleibt und er ist noch schwärzer geworden. Irgendwie muss es den Sendebeitrag auch als Stream geben oder in deer ARD-Mediathek. Schaut mal rein!
franzmalef schrieb am 11.01.2010 um 23:07
www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3618394 - Da ist er der Sachsenspiegel-Beitrag von heute. Schaut ihn euch an und sagt eure Meinung!
jayne schrieb am 12.01.2010 um 07:46
hallo franzmalef - hab mir den beitrag jetzt angesehen (ich sehe den sachsenspiegel ja sonst nie), finde es schon gut, daß auch wachtel sich dazu geäußert und auf die begutachtungen dritter verwiesen hat (naja, konkrete stellen hätte man da schon anführen können) ...
jayne schrieb am 12.01.2010 um 08:16
noch ein bemerkenswertes interview für den merkur von ende dezember 2009:
www.merkur.de/2009_52__Ich_liebe_das_Z.39378.0.html?&no_cache=1
Magda schrieb am 12.01.2010 um 08:43
Hallo,
hier ist ja immer noch ein bisschen Debatte.
Tellkamp ist sicherlich ein gut beratener Autor, kann ich mir vorstellen. Außerdem ist es sicherlich richtig, dass man nachbohren kann, aber künstlerisch lässt sich sowas sauber begründen.

@ franzmalef - Danke für die Infos. Ich muss mir das mal ansehen, ich habe nichts mehr verfolgt. Obwohl ich ganz sicher bin, wenn ich Tellkamp nicht mit seinem nächsten Buch den rechtskonservativen Leuten empfiehlt, wird das alles in der Versenkung verschwinden.
Magda schrieb am 12.01.2010 um 08:54
Also der Beitrag im Merkur ist auch dermaßen von Hybris bestimmt bei Tellkamp. Der Bezug zu Thomas Manns Zauberberg - um Himmelswillen.
Und noch anderes. Aber damit wird er sich - wie ich denke - "empfehlen".
franzmalef schrieb am 12.01.2010 um 11:37
Hab den Beitrag im "Merkur" gelesen. Ich denke, T. fühlt sich als neuer "Ernst Jünger" und glaubt sich allen Ernstes in der Nachfolge Thomas Manns. Viel "Heldennebel", viel "Wagner", als dessen schriftstellerischer Ableger er sich außerdem zu fühlen scheint. Das könnte man alles als spätpubertierendes Getöse abtun, wenn es nicht "Futter" für bestimmte rechtskonservative Kreise wäre - und insofern ist T. tatsächlich eine Gefahr. Ich denke, er wird mit seinem neuen Buch den "Eisvogel"-Kurs fortsetzen, in seiner Nachwendeapologie die rechtsnationale Alternative benennen und sich auf diese Weise zu einer Art ideologischen Wegweiser für rechte Kräfte entwickeln (er ist es schon). Ansonsten ist sein "Geschwätz" im "Merkur" (dort passt es ja auch hin)von einer abstoßenden Altklugheit bestimmt. Ein Unsympath erster Güte, aber eben auch ein "Strohpüppchen" bestimmter rechter CDU-Kreise, und deshalb, liebe Magda, glaube ich nicht, dass er so einfach "verschwindet", er wird weiter benutzt und sich benutzen lassen, wie ein "Hürlein" - pfui Deibel!
jayne schrieb am 12.01.2010 um 16:23
mdr-figaro hat sich nun am 11.01. auch mit der sache befaßt, nachzuhören unter:
www.mdr.de/mdr-figaro/7002146.html
Magda schrieb am 12.01.2010 um 16:56
Weniger Plagiat, mehr Posse. Sagt Figaro.

Plagiat sicher nicht, Posse aber auch nicht.

War ganz interessant, der Beitrag.
franzmalef schrieb am 12.01.2010 um 17:47
Nun ja, ich kenne den Beitrag im MDR-Figaro auch. Er ist von gleicher Güte wie der SZ-Artikel. Man will sich nicht als "Partei" instrumentalisieren lassen - ist auch i.O. Oder man denkt, dass man den "großen Autor" irgendwann als Interviewpartner brauchen könnte. Wer weiß? Andererseits stimmt es schon, die ganze Sache ist nicht des Aufhebens wert, nur so viel: Tellkamp kocht mit Wasser und er verdünnt mit Wasser, er ist weder genial, noch ein großer Autor, mir erscheint er wie ein unreifer Junge, der sich in verschiedenen Posen übt, und er scheint politische Gönner zu haben. Man muss immer wieder sagen: der Roman "Der Turm" ist literarisch nichts wert, er hat kaum ein ernsthaftes Lektorat gehabt, und er ist eine gewollte politische Denunziation. Tellkamp kann nicht erzählen, er kann keine Spannung aufbauen, keine Figuren zeichnen. Seine schwülstige Sprache hat mit einer guten Literatursprache nichts zu tun, in dieser Beziehung ähnelt er tatsächlich seinem Idol Richard Wagner, der seinerzeit glaubte mit seinen ständigen chromatischen Tonläufen wahre Musik zu schreiben, in Wahrheit indes nur leeren Rausch erzeugte. Wagner hat in der reinen Musik so wenig geleistet wie Tellkamp bisher in der Sprache. Beide sind, wenn ein Vergleich überhaupt sinnvoll ist, vom Schöpfungsrausch überwältigte Schwärmer. Und irgendwann, da gebe ich Dir recht, Magda, wird Tellkamp an sich selber scheitern. Wir müssen alle nur mächtig pusten, damit er sich aufbläht. Seine innere Überdehnung führt dann zum Platzen. Sollte ich ihm mal irgendwann und irgwendwo in Dresden begegnen, werde ich ihm das ins angespannte Gesicht sagen. Vielleicht explodiert er dann schon vor der Zeit ...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 14.01.2010 um 17:21
Ich hab zwar nur im Stehen gelesen, in der Buchhandlung meiner Wahl, und übers im Stehen Gelesene im Radio gehört und in Zeitungen gelesen. Doch ich denke, Deine Einschätzung ist genau richtig. Kritik ist für Leser wichtig.
Magda schrieb am 12.01.2010 um 19:35
www.freitag.de/kultur/1001-tellkamp-plagiatsvorwurf

Inzwischen hat die Redaktion einen Experten "eingeschaltet". Im Beitrag wird auch auf unseren Blog verwiesen. Liest sich auch sehr "bestallt" und vorsichtig.
jayne schrieb am 13.01.2010 um 07:33
Bei mdr-figaro gibt es jetzt zusätzlich einen text, der etwas über den audiobeitrag hinausgeht und auch die kritik an der instrumentalisierung des "turms" für politische zwecke mitbenennt:
www.mdr.de/mdr-figaro/journal/7002230.html
Magda schrieb am 13.01.2010 um 08:48
Ich habe es gelesen. Ich werde aber jetzt unter den Experten noch was ablassen, hinter dem erzürnten Malef. :-))

Gruß an Dich
jayne schrieb am 14.01.2010 um 17:08
der schriftsteller Georg M. Oswald hat sich heute im börsenblatt zum vorgang geäußert - quintessenz: "Weder Uwe Tellkamp, noch sein Roman haben Ehrenerklärungen nötig." Und er hält das buch natürlich für einen großen roman ...
www.boersenblatt.net/353323/
mwagener schrieb am 15.01.2010 um 08:12
liebe tellkamp-diskutierende, sind ihnen eigentlich die diversen
ähnlichkeiten zwischen der "totenhaus. novelle" sascha andersons, die
ja ein jahr vor "der turm" erschienen ist, aufgefallen? die spielt
über große strecken ebenfalls am weißen hirsch. auch der dem ganzen
buch äußerst fremde anfang klingt wie eine die elbe beschreibende
passage aus TOTENHAUS.
mit freundlichen grüßen, michael wagener, verleger (gutleut verlag,
frankfurt und weimar)
Magda schrieb am 15.01.2010 um 09:08
Leider kenne ich das Buch nicht, aber vielleicht greifen es andere hier im thread noch auf.

Mir kommt ja auch immer der Gedanke, dass Tellkamp ein Auftragswerk geschrieben hat, und damit nicht "fertig" geworden ist. Wobei: Anleihen ja - wie schon ausgeführt - für sich noch nichts besagen.
Spannende These - müsste kriminologisch-literaturwissenschaftlich bewiesen werden.
jayne schrieb am 15.01.2010 um 13:01
tellkamp, tellkamp und kein ende - heuer ein ritterschlag per essay in der "welt":
www.welt.de/die-welt/debatte/article5854502/Zum-Glueck-gezwungen.html
Magda schrieb am 15.01.2010 um 13:09
Ja, von Richard Schröder, eine ganz fürchterliche Erscheinung. Ich glaube, der war auch mal kurze Zeit im "Freitag" zu lesen. Jetzt ein sozialdemokratischer Rechtsausleger, bei der KAS angelandet.

Was sagst Du zu obigem Hinweis mit Anderson? Kennst Du Dich da aus?
jayne schrieb am 15.01.2010 um 13:26
das müßte ich auch erst lesen, und wenn das zuträfe, wäre das ja sehr pikant, denn sascha anderson gilt ja nunmal als ausgemachter bösewicht ob seiner IM-vergangenheit ...
franzmalef schrieb am 15.01.2010 um 14:52
Ja, liebe Jayne, irgendwas machen wir falsche, denn auch in der DNN schlug man ihn, wenn auch nicht zum Ritter, so doch zum Knappen: Ehrung als herausragender Dresdner der letzten zehn Jahre! Er erschien mit Frau frischgeborenem Nibelungenkind.
Ich glaube, die "Boulevardisierung" unseres Alltags hat begonnen. Doch, sollen sie ihn ehren, auf diese Weise diskreditieren sie sich selber ... und der Schröder, eigentlich muss man Äußerungen dieses Hobbypolitikers nicht ernst nehmen. Magda hat recht, ein "Wurm" in Schiller´schem Sinne ...
franzmalef schrieb am 15.01.2010 um 14:53
Ja, liebe Jayne, irgendwas machen wir falsch, denn auch in der DNN schlug man ihn, wenn auch nicht zum Ritter, so doch zum Knappen: Ehrung als herausragender Dresdner der letzten zehn Jahre! Er erschien mit Frau frischgeborenem Nibelungenkind.
Ich glaube, die "Boulevardisierung" unseres Alltags hat begonnen. Doch, sollen sie ihn ehren, auf diese Weise diskreditieren sie sich selber ... und der Schröder, eigentlich muss man Äußerungen dieses Hobbypolitikers nicht ernst nehmen. Magda hat recht, ein "Wurm" in Schiller´schem Sinne ...
franzmalef schrieb am 15.01.2010 um 15:03
www.dnn-online.de/aktuell/content/120247.htm - da schaut den Festakt der Dresdner Provinzzeitung DNN an. Tellkamp unter den Geehrten, neben den Paradiesvögel Stumph, Pauls usw. - bemerkenswert, Biedenkopf hielt die Laudation und ist natürlich auch im Festkomitee. Da weiß man schon, wie´s zustande kam ...
franzmalef schrieb am 15.01.2010 um 15:04
www.dnn-online.de/aktuell/content/120247.htm - da schaut den Festakt der Dresdner Provinzzeitung DNN an. Tellkamp unter den Geehrten, neben den Paradiesvögel Stumph, Pauls usw. - bemerkenswert, Biedenkopf hielt die Laudatio und ist natürlich auch im Festkomitee. Da weiß man schon, wie´s zustande kam ...
franzmalef schrieb am 15.01.2010 um 15:27
Hallo Magda, nimm mal bitte meine Dopplungen heraus. Versehentlich entstanden. Danke.
Magda schrieb am 15.01.2010 um 16:47
Lieber franzmalef, das kann hier nur die Administration. In allen threads gibts Dopplungen. Liegt am System.
franzmalef schrieb am 24.01.2010 um 12:00
Hallo, nach einiger Pause - hier etwas Tratsch: Von gut informierten Nachbarn aus dem Nobelviertel erfuhr ich, dass der Großschriftsteller beim Versuch, seinen Sohn im Kindergarten/Kinderkrippe anzumelden, eine Absage hinnehmen musste und ihm beschieden wurde, sich wie alle anderen in eine Warteliste einzureihen. Daraufhin Tellkamp, empört: Wieso denn das!? Sie wissen wohl nicht, wen Sie vor sich haben? - Ja, das scheinen die bedauernswerten Mitarbeiter der Kindereinrichtung wirklich nicht gewusst zu haben ...
franzmalef schrieb am 27.01.2010 um 09:33
Das Mützchen macht´s! Habt ihr gesehen, was für ein Mützchen Ulla Unseld-Berkewicz zum Festakt anlässlich ihrer Berlin-Eroberung trug? Fast wie das Winzermützchen ihres Starautors, nur ohne die schwarz-weiße Kante. Ansonsten schob Uwe Tellkamp seinen Kinderwagen mit Töchterchen Malasinta(!)durch die Ehrengäste. Auffallen ist Pflicht! Auch in die Kamera hat er bedeutende Worte gesagt - ich hab sie allerdings komplett vergessen. Ob Handke und Tellkamp sich die Hand gegeben haben, ist nicht überliefert, aber mit ein paar anderen wird er schon Küsschen getauscht haben, bestimmt sogar mit der Ulla. Ja, die Frauen sind ihm zugetan, von kleinen Provinzbuchhändletrinnen bis zu Verlagschefinnen. Alle lieben ihn - weil es in bestimmten Kreisen jetzt Mode ist, Tellkamp zu loben und zu preisen. Ich war übrigens auch zu diesem Festakt - in Verkleidung. Ratet mal als was?
jayne schrieb am 27.01.2010 um 09:55
habs gesehen, nützliches teil bei jetzt eisigen temperaturen, unser held dafür ohne dienstmützel ...
Magda schrieb am 27.01.2010 um 11:38
Wie heißt das Töchterchen?
Malasinta- oh Gott, das arme Kind. Vielleicht nennt sie sich eines Tages "Sinti".

"Ich war übrigens auch zu diesem Festakt - in Verkleidung. Ratet mal als was?"

Ich vermute als Wiedergänger von Thomas Bernhard. Sie haben Dich aber nicht erkannt, weil Du nicht genug gemault hast.

:-))
jayne schrieb am 27.01.2010 um 11:53
"Sinti" - na, ich tippe eher auf Ramona!
Malef habe ich leider auch nicht erkannt, aber vielleicht gibt er uns noch einen hinweis ...
viele grüße, heuer eher unernst - jayne
franzmalef schrieb am 27.01.2010 um 17:34
Danke für den "Bernhard" - das trifft meine Intensionen tatsächlich. Aber man könnte ja auch wirklich "Holzfällen" bei dem Theater. Nein, ich saß im Ohrensessel und betrachtete die Festgäste. Die Berkewicz fast wie die Auersberg und "Burgtheaterschauspieler" waren gleich im Dutzend anwesend. Und überhaupt. Ich wäre geneigt, über diesen Festakt ein Stück im Bernhardschen Stil zu schreiben. Es tut not.
jayne schrieb am 28.01.2010 um 10:17
das lehrbuch zur ddr wird ins schwedische übersetzt, und wie die sächsische zeitung stehen einige stiftungen bereit, das projekt großzügig zu unterstützen:

Stiftung hilft bei der Übersetzung von Tellkamps „Turm“

Dresden. Der preisgekrönte Roman „Der Turm“ von Uwe Tellkamp wird bis Mitte Februar in Dresden ins Schwedische übertragen. Die 1944 in Stockholm geborene Aimée Delblanc kann dafür mit Unterstützung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, des Goethe-Instituts (München) und der Alfred Töpfer Stiftung (Hamburg) den Dresdner Schriftsteller treffen und die von ihm im „Turm“ beschriebenen Orte aufsuchen, teilte die Stiftung gestern in Dresden mit.

Delblanc sei die erste Übersetzerin, die das Aufenthaltsstipendium der drei Institutionen erhält. Nach Angaben der Kulturstiftung hat sie bereits Erzählungen von Bernhard Schlink und Romane von Elfriede Jelinek übersetzt. Mit dem Programm sollen Übersetzer aus Mittel- und Osteuropa konzentriert an der Bearbeitung eines literarischen Werks für die Sprache ihres Heimatlandes arbeiten können. Damit werde eine Förderlücke geschlossen, da Übersetzer oft im Schatten des Literaturbetriebes stünden und die Honorare für ihre Leistungen gering seien, hieß es.[Ende der Pressemeldung]

Wann in der jüngeren geschichte haben übersetzerInnen bellestristischer werke, oder gar noch poetischer, solch eine unterstützung erfahren dürfen ...
Magda schrieb am 28.01.2010 um 10:31
So wirds gemacht. Aussortiert, Favorisiert wird immer. Und, weil man heute wenig direkt verhindern kann, greift man zu diesen Instrumenten, mit denen man Bilder so fest einprägen kann, das politisch Gewünschte sicher transportieren, dass einem schon ziemlich eigen wird.

Aber die Übersetzerin wirds nicht einfach haben mit dem Dichter. Das wird ein Hickhack. Herrlich.
jayne schrieb am 08.02.2010 um 08:20
auch Gerhard Zwerenz hat sich heute indirekt zum turm geäußert und schreibt vor allem wichtiges und kenntnisreiches zu Stefan Wachtel:
www.poetenladen.de/zwerenz-gerhard-sachsen99-14-kampf-der-deserteure.htm
Magda schrieb am 08.02.2010 um 08:58
Hallo,
danke ich habs gelesen. Das ist wirklich sehr nachdenklich und tiefgründig. Mir gefällt auch diese tatsächlich lakonische Wachtelsprache.
Ich denke mir immer, dass die ganze Chose mit der DDR und dem davor und dem danach einfach nichts ist für so schnelle Urteile und Medienkampagnen. Aber das ist schon voll im Gange, ein Schwungrad, das jede einzelne Erfahrung hinwegfegt.
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