Magda

Mal sehen

26.08.2009 | 13:57

Ostdeutscher Selbsthass? Nein ostdeutscher Furor

Als die Schriftstellerin Monika Maron kürzlich ein Buch über Bitterfeld veröffentlichte, jenes ostprovinzlerische Bitterfeld über dessen zunehmende Verschmutzung sie in den 70er Jahren so anklagend mit ihrem Roman „Flugasche“ angeschrieben hatte, da resümierte ein Rezensent der Frankfurter Rundschau: „Und auch wenn "Bitterfelder Bogen" weit weg ist von der Darstellung eines Idealzustandes oder eines Idylls - von Monika Maron hätte man ein solches Buch dennoch nicht erwartet; ein Buch, das als Therapieversuch gegen den von den Medien potenzierten ostdeutschen Selbsthass zu lesen ist“...

 Ostdeutschen Selbsthass kenne ich nicht, sondern eher einen ostdeutschen Furor, über den sich der Herausgeber dieser Zeitung, Jakob Augstein, in einem Mediengespräch so verwundert geäußert hat. Das sei doch alles zwanzig Jahre her, meinte er.

Das dachte ich ja auch. Aber in diesem Jubiläumsjahr erinnere ich mich und werde ständig daran erinnert. Vor zwanzig Jahren hatte ich überhaupt keinen Zorn, sondern fand – auch gegen weinerliche SED-Altgenossen – wir müssten lernen, auch einmal von Fremden, von Außen beurteilt zu werden und nicht komplettes Verständnis für alles und jenes einfordern. Gelassenheit sei am Platze. Da wusste ich allerdings noch nicht, wie westdeutsche Zeitgenossen auf Beurteilung von außen reagieren. Die Goldhagen-Debatte stand noch aus.

Osttrotz fand ich damals übertrieben
heute nicht mehr

Damals schon war "Freitag"-Mitherausgeberin Daniela Dahn zugange mit dem Osttrotz und ich wollte ihr in dieser Intensität eigentlich gar nicht folgen. Aber jetzt – nach zwanzig Jahren – bin ich genau dort angekommen. Und zwar nicht durch ständige Beeinflussung durch ostdeutsche Lehrer, die in mir das Gefühl nährten, ich gehörte zu den Besiegten, wie Monika Maron in einer Preisrede andeutet, sondern durch eine westdeutsch bestimmte und herbeigezeterte Ostalgie, die mich restlos ratlos, ohnmächtig und zornig macht.

Wer beschwört denn die DDR andauernd wieder herauf? Ein DDR-Bürger doch nicht, der hin und wieder meint, sein Arbeitsplatz sei sicher gewesen und die Kinder hätten keine Drogen genommen, der manchmal die Zwänge der Gegenwart mit den Zwängen der Vergangenheit in Beziehung setzt und nicht immer zu den gewünschten Resultaten kommt (Freiheit, Freiheit, ist das Einzige was fehlt“)

 Neue Bundesländer als
„Bad Bank“ der Gesellschaft

Heraufbeschworen wird die alte DDR, wenn es darum geht Probleme, die die gegenwärtige Gesamtgesellschaft betreffen und belasten, in den Osten abzuschieben. Die ostdeutschen Bundesländer – mit ihren Wurzeln der ehemaligen DDR – sie sind die „Bad Bank“, in die die Gesellschaft der bundesdeutschen Mitte ihre dunklen Seiten entsorgt.

Keine Sorge, ich leugne nicht, dass es im Osten prozentual verstärkt Neonazis gibt, aber die sind einmal aus dem Westen sehr ermutigt worden und als die ersten Aufmärsche im Osten waren, hat man denen im Osten erklärt, sie müssten lernen, dass zur Demokratie auch diese polizeilich geschützten rechten Aufmärsche gehörten.

Eine Art von materialisierter „Totalitarismus-Doktrin“, das sind die neuen Bundesländern nach dem Willen mancher definitionsmächtigen Zeitgenossen. Was sich an diktatorischen, autoritären, undemokratischen Strukturen findet, ob rechts oder links, alles, alles hat seine Ursprünge in der DDR. Die vergangenen zwanzig Jahre haben nichts an Erleuchtung gebracht, weswegen man die Freiheitsbeschwörungen und die Erziehungsprogramme verstärken muss.

An der Erziehung der alten DDR liegt es, dass die Menschen fremdenfeindlich sind, in der Erziehung der alten DDR liegt es, dass sie gewalttätiger geworden sind, in der Erziehung der DDR liegt es, dass sie kirchenfremder und entbürgerlicht sind. Rechtes Gedankengut hat schnell Eingang gefunden – wegen der alten DDR. Und – Totalitarismusdoktrin hallo - Linkes Gedankengut hält sich hartnäckig und – wie passend – ebenfalls wegen der alten DDR. Ist das nicht  bequem und einfach. Nicht die gegenwärtigen Verwerfungen sind schuld, sondern totalitäre Erziehung an sich. Die verdirbt die Ostdeutschen und macht sie zu einem herrlichen Projektionsfläche für viele geleugneten Probleme.

 Das Beispiel des Pfarrers Neuschäfer

Im vergangenen Jahr gab es ein Riesenmedien-Echo, weil der evangelische Pfarrer Neuschäfer aus Westdeutschland sein Tätigkeitsgebiet in Rudolstadt verließ, wie er angab, sehr schnell, weil er wegen seiner indischstämmigen Frau ständig angepöbelt worden ist.Die Medien stürzten sich darauf. Alle Erklärungsversuche wurden als typische Beschönigung abgeschmettert. Die ARD meldete eine Art Nacht- und Nebel-Flucht. Sie hat sich später für diese verkürzte Sicht entschuldigt. Dass es seit Jahren ein internationales großes Liederfestival in Rudolstadt gibt, mit beachtlichtem Zuspruch, wurde noch nie erwähnt, hingegen die Irritation um Neuschäfers Abgang allerorten. Auch er – der gern die Erwerbsneigung der Frauen im Osten und den Verfall der Familien brandmarkte - forderte, es sei dringend die DDR-Vergangenheit aufzuarbeiten, weil sie – wie das Dritte Reich - Ursache sei für die ihm wiederfahrende Diskriminierungserfahrung.  Da ist sie erneut, die Totalitarismusdoktrin!!.

Bis zu den bestürzenden Ereignissen um einen aus Angola stammenden Kreistagsabgeordneten der CDU in Hildburghausen hat überhaupt niemand in den Medien davon Kenntnis genommen, dass einer mit seinem Hintergrund in einem ostdeutschen Parlament wirken konnte. Seit Jahren gibt es einen indischstämmigen deutschen Bürgermeister in einem Brandenburger Ort, der jetzt auch in den Landtag gewählt wurde. Der Integrationswillen vietnamesischer Bürger wird – hin und wieder – mit der guten Ausbildung, die sie in der DDR genossen haben, erklärt. Ansonsten ist immer nur die Rede von Ausgrenzung, Isolierung.

Durchaus in der DDR begangene Fehler werden in den Vordergrund gestellt, als hätte es die – fast an KZ-Musterungen - erinnernden Bilder von der medizinischen Untersuchung türkischer Gastarbeiter in den 60er Jahren nicht gegeben. Es muss alles am Beispiel Ost abgehandelt werden, alles.  Die Fremdenfeindlichkeit – sie ist kein ostdeutsches Spezialproblem. Heute wurde ein Interview mit Uwe Karsten Heye von der Aktion „Gesicht zeigen“, auf Deutschlandradio Kultur gesendet. Auch der ehemalige Regierungssprecher verwies energisch auf diese Tatsache. Auf irgendeine wundersame Weise geraten Ausschreitungen in Taucha bei Leipzig und Mülsen schneller und umfassender in die Medien als die von Hamburg oder München.

Nein, das ist keine Entschuldigung

Noch einmal nein, das ist keine Entschuldigung, es gibt sie beängstigend, die Neonazis in Ostdeutschland. Man muss sie gemeinsam bekämpfen und nicht durch Bezichtigungen alle Kraft für diesen Kampf in die falschen Kanäle lenken.

Rechtes Denken und rassistische Haltungen finden sich auch in den alten Bundesländern, aber dort werden sofort all die Entlastungsargumente eingesetzt, die man im Osten als Verdrängung oder Beschönigung brandmarkt. Und – man führt dort eine andere, verdecktere Sprache, vor allem wenn so etwas  in der Mitte der Gesellschaft verhandelt wird.  Hier nur ein Beispiel: tinyurl.com/mdl5ew

 Die Debatte um
Hans-Ulrich Wehlers DDR-Sicht

Als vor kurzem der Wissenschaftler Hans-Ulrich Wehler den fünften Teil seiner „Deutschen Gesellschaftsgeschichte vorlegte, da meldete sich Monika Maron mit einer sehr ungehaltenen Meinungsäußerung. „Kein Land ohne Innenleben“, so die Reaktion der jeder Art von Ostalgie Unverdächtigen auf die Art, der DDR-Behandlung in diesem Buch. Sie schrieb in der FAZ: „Von dem geistigen und emotionalen Innenleben der DDR findet sich in Wehlers Geschichtsschreibung nichts. Im Personenregister tauchen außer den Namen der Machthaber und ihrer innerparteilichen Kontrahenten von Ulbricht über Schirdewan bis Krenz und Gysi gerade einmal Havemann und Biermann auf. Selbst Stefan Heym, der ihm im Text immerhin als Zitatengeber dient, ist im Register wieder verschwunden. Weder Ernst Bloch noch Hans Mayer, noch Harich und Rudolf Bahro, kein Schriftsteller, nicht einmal der bedeutendste, Uwe Johnson, weder Bertolt Brecht noch Heiner Müller sind ihm einen Gedanken wert, kein Film, einfach gar nichts. Und so bleibt eben nichts als Sultanismus, Feigheit, Dummheit, Brutalität und Knechtschaft, eine fast überflüssige Fußnote eben.“ Zu diesem Format ist die DDR in Wehlers Buch geworden.

 Eine Fußnote als
antikommunistische Reserve

Ein Land wird zu einer Fußnote als antikommunistische Reserve, jede normale Erinnerung daran verteufelt. Aber es wird ständig auf den Plan gerufen, nicht von Ostdeutschen, nein von der westdeutschen Politik, von den Medien, wenn es gilt, einen finsteren Hintergrund für die eigene strahlende Verfasstheit zu bilden. So charakterisiert auch Martin Sabrow vom Zentrum für zeithistorische Forschung die gegenwärtige Haltung, wie sie in der triumphalistischen Gegenwart und nicht nur bei Wehler deutlich wird: „Die DDR und auch ihre Gesellschaft taugen für Wehler nur als Kontrast für das erfolgreiche Land westlich der Elbe. Für den Jahrgang 1931, ganz und gar im Westen sozialisiert, bleibt die Bundesrepublik der einzige Maßstab.“

Wenn man aber einen Maßstab anlegen will, dann braucht man auch eine zur Warnung taugliche Abweichung vom Maßstab: Und da liegt sie – die seltsame West-Ostalgie, der feste Wille, die DDR Endzulagern, eigene unbequeme Wahrheiten dazu zu tun und das alles möglicherweise mit  dem Gedanken, dass eine hohe Halbwertzeit auch die ständig neue Beschwörung der „Gefahren aus dem Osten“ gewährleistet.

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.08.2009 um 21:51
Liebe Magda, tatsächlich ziemlich zornig, natürlich berechtigt. Mich wundert der Kram schon seit langem nicht mehr. Besser gesagt, er hat mich noch nie gewundert. Das einzige, was mich gewundert hat, ist, dass ein großer Teil des DDR-Volk damals um den 18. März 1990 rum solche Illusionen hatte. Dass ein Leidensdruck da war und entsprechende Hoffnungen finde ich nachvollziehbar. Aber dass der große Volksgenosse die armen Ost-Brüder nicht mitleidsvoll aufnehmen, sondern ihnen mit Achtung als gleichwertige Partner gegenübertreten würde, war von vornherein nicht zu erwarten. 'Zu Kreuze kriechen' eben, wie es Herr Generaldingsbums Sch. ja immer noch verlangt.
Magda schrieb am 26.08.2009 um 22:02
Ach meisterfalk,
danke Dir auch für den Verweis weiter vorn.
Wobei ich sagen muss, dass es schwierig ist, eine Debatte dazu zu führen. Ich glaube natürlich auch,dass das so richtig niemand interessiert. Andererseits gab es - gerade in dem Medium dass Herr Augstein gern liest - darüber eine interessante Debatte. Macht aber nichts. Ich wollte einmal etwas geschlossenes dazu formulieren.
Joachim Petrick schrieb am 27.08.2009 um 03:09
Lieber meisterfalk,
vielen Dank für Deinen zündende Hinweis auf Magdas Blog- Beitrag.
JP
archinaut schrieb am 26.08.2009 um 22:34
Zwanzig Jahre sind keine Ewigkeit,
nach der Sehnsucht
nach der Vergewaltigung
eine (möglicherweise ungewollte?) Empfängnis
Verwandte Seelen können sich fremd werden
wie in alten Märchen:

Ein Jahr war ich unter der Erde beim Zwergenvolk,
als ich heimkehrte in mein Dorf,
erkannte mich niemand mehr,
mein Hof lag verwüstet,
meine Liebste lag schon längst kalt in der Erde
unsere Kinder zerstreut in alle Himmelsrichtungen
Magda schrieb am 27.08.2009 um 12:50
Das ist ein nachdenkenswertes, wenn auch trauriges Gedicht.
Mir fällt dazu eine - zugegeben ebenfalls traurige - Strophe ein.
Das ist aus einem Lied der bierfiedler, die leider nicht mehr zusammen singen.

Bevor

Schon so oft hat der Wind an den Dächern gezerrt
aber meins hielt bisher noch immer Stand
Andern hat er das Leben in Scherben gekehrt
aber das war in einem andern Land

Auch ich stand schon da und es hat mich durchweht
so dass ich gar bitterlich frohr
doch der große Sturm, der ganze Sturm,
der steht uns wohl noch bevor

Leider gibt es nichts von der gruppe im Internet.

Gruß Magda
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.08.2009 um 13:17
Magda schrieb am 27.08.2009 um 13:40
Klasse meisterfalk, das sind sie- sie nannten sich dann sieben Leben. Da sind auch viele Sachen drauf, die ich hier habe. "Nimm von mir, heißt die CD"

Danke, danke
Magda
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.08.2009 um 13:55
Magda, ich sehe in den Clips, die man auf youtube findet (suche unter Folkländer und/oder Bierfiedler) u. a. Manfred Wagenbreth und Ulli Doberenz, in manchen Songs hört man Jürgen Wolff singen, die drei haben mal in den späten 70ern in Leipzig die Folkländer gegründet und in den 90ern das Folkfest in Rudolstadt aufgezogen. Als ich in Leipzig Klubhausleiter war (hatte es an anderer Stelle erwähnt), fand einmal im Monat bei uns im Haus ein 'Folkstanzabend' mit den Folkländern und der Tanzgruppe Kreuz&Square statt.
jayne schrieb am 27.08.2009 um 16:51
lieber meisterfalk, in welchem klubhaus warst Du leiter? Das würde mich interessieren, da ich die leipziger szene aus eigener anschauung kenne und oft zu konzerten oder folktanz war ...
Knüppel schrieb am 26.08.2009 um 22:52
Ein "naiver Wessi" formuliert einige "unbedeutende" Anmerkungen:

SexPower, Jahrgang 1950, aufgewachsen in der norddeutschen Provinz (West). Das DDR-Fernsehen war bei uns zu empfangen, ich habe es häufig gesehen: Pittiplatsch, der liebe, Schnatterienchen, Der schwarze Kanal, tolle russische Zeichentrickfilme, heroische Filme über Ernst Thälmann, "Reise in die Vergangenheit" usw. (ich war ein Kind und ich sah das DDR-Fernsehen gern).

'Ich hatte eine stark (vom "schönfärberischen" DDR-Fernsehen) positiv gefärbte Vorstellung vom Leben in der DDR.' Dann wurde ich älter und hatte einen jüdischen Schulfreund. Der verblüffte mich eines Tages mit der Frage, wo ich mir vorstellen könne, außer in (West-) Deutschland, zu leben. Mir fiel so schnell nur Holland, Belgien und Österreich ein (war spontan, wenn ich länger nachgedacht hätte, wäre die Antwort wohl differenzierter ausgefallen). Mein jüdischer Schulfreund gab nun seinen Favoriten bekannt: Die DDR! Ich war überrascht und fragte warum? Er antwortete: "Weil dort dieselbe Sprache gesprochen wird, weil ich Verwandte in der DDR habe, diese regelmäßig besuche und es mir dort ganz gut gefallen hat."

Ich wurde langsam erwachsen, interessierte mich für vieles (Markus Wolf fand ich interessant, weil er es den westdeutschen Geheimdienstlern so richtig schwer machte, Jurek Beckers "Jakob der Lügner" hat mich sehr beeindruckt ...).

Und dann kamen die ersten TV-Bilder von DDR-Bürgern in den westdeutschen Botschaften in Ungarn ... ich war elektrisiert, weil ich merkte, das läßt sich nicht mehr eindämmen (etwa, wie die Zahnpasta, die man nicht mehr zurück in die Tube bekommt) ... schließlich fiel die Mauer und - ja, auch ich habe geweint.

Einige Zeit später kam meine Ernüchterung:
DDR-Bürger hatten offenbar nichts davon geglaubt, was ihnen z.B. das DDR-Fernsehen über den Westen berichtet hatte: "Eine ausschließlich auf Profit ausgerichtete, egoistische Ellbogengesellschaft, Werbung, die übertreibt und falsche Versprechungen liefert usw."

Die ersten Berichte erschienen in den Zeitungen: Tausende DDR-Bürger lassen sich schrottreife Gebrauchtwagen von skrupellosen westdeutschen Händlern andrehen, sie verschulden sich beim Einkauf via Versandhauskatalog usw.

Helmut Kohl, abgehalftert, ungeliebt und ins Zwielicht geraten, wurde wieder gewählt ... mit den Stimmen der ostdeutschen Wähler (sonst wäre er "weg vom Fenster" gewesen). Das habe ich bis heute nicht vergessen, obwohl ich verstehen kann, dass die Ostdeutschen "das Geld" wählten, weil sie meinten, der Mann bringt uns den Wohlstand ("blühende Landschaften" ...)

Liebe Magda, lieber meisterfalk,
das war jetzt sehr unsortiert und spontan geschrieben. Vielleicht betrachtet ihr meinen Kommentar einfach, als so eine Art "Streiflicht."

Liebe Grüße
SexPower
Knüppel schrieb am 26.08.2009 um 23:41
Korrektur:
Dieser Jugendfilm hieß "Reise in die Urzeit", war eine CSSR-Produktion? Gedreht in schwarz-weiß und gehörte zu meinen Lieblingsfilmen
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.08.2009 um 23:50
"Reise in die Urzeit", eine Art Jurassic Park-Vorläufer.
Da haben wir beide also möglicherweise zur selben Zeit vor'm Fernseher gesessen und "Professor Flimmrich" geguckt?!
Magda schrieb am 27.08.2009 um 13:42
Lieber SexPower,
Du formulierst eine Enttäuschung, wie ich sie in vielen Varianten schon gehört habe. Die Deine ist die Enttäuschung eines - sagen wir mal vagen Sympathisanten - dem die DDR Leute real und wie sie in den Medien auftauchten, ziemlich unangenehm waren. Mir auch. Die Medien sind einfach nicht die Wirklichkeit. Ich bin in Leipzig aufgewachsen, aber ich zucke auch zusammen, wenn ich sächsisch höre.
Dass die berühmte Zonengabi mit der Banane in der Titanic die westdeutsche Bekannte eines Titanic-Redakteurs war, spielt da auch weniger eine Rolle

Wenn Du die DDR-Bürger mit ihrer Mehrheit für die Allianz für Deutschland, zu der nicht nur die CDU Ost gehörten, verantwortlich machst für die Wiederauflage von Kohl, dann müsstest Du doch die Bürger der alten Bundesländer genau so betrachten. Gut, die hatten damals die Schnauze voll von Kohl - die Bürger Ost haben sich darüber viel weniger Gedanken gemacht. Die kriegten- in Seitenstraßen standen die Autos, entsprechende Winkelemente "Wir sind ein Volk" und los ging die Demo.

Aber die Bürger-West, sie wählen doch auch immer konservativ - in der Mehrheit. Sieh Dir die Wahlprognosen an. Das ist doch viel kritikwürdiger - die kennen sich ja schließlich aus mit der Politik.
Da findest Du politische Naivität, Politikferne, eine Gutbürgerlichkeit, die es schwer macht, in dieser Gesellschaft anders leben zu wollen. Da hast Du - bei manchen Bürgern - ähnliche Eigenschaften, aber in vertrauterer Umgebung.
Der Unterschied: Die Ost-Bürger sind eine bisschen unvorsichtiger mit dem Wort, und es fehlte und fehlt ihnen manchmal noch eine gewisse "Weltläufigkeit", die sich Bundesbürger aneignen, manchmal aber auch nur vorgeben.

Also Deine Kritik geht den mir inzwischen auch hinlänglich bekannten Weg - in eine Richtung: Nach Osten. Davon handelt mein Beitrag. Dass auch links orientierte Leute einen Zeigefinger in Richtung Osten haben, ist mir schon bekannt. Und deren Abneigung ist eben so merkwürdig verachtungsvoll, wie ich sie von allen anderen politischen Orientierungen kenne. Diese Ostbürger - gestandene Ästheten sagen dann noch: Und alle so mies angezogen, furchtbar.
Joachim Petrick schrieb am 27.08.2009 um 17:43
Hallo SexPower,
mir gefielen immer besonders Filme der dänischen Ohlsen Bande im DDR- Fernsehen gut, die ich in Hamburg sehen konnte.

Textstarke Filme wie „Professor Mammelock“ von Friedrich Wolf, der „Unteran“ von Staudte nach dem Roman von Heinrich Mann hatten es mir angetan.
Film- Experimente, wortkarge Film- Studien von Stephan Hermelin fand ich handwerklich eingehend beachtlich, künstlerisch für mich als Laien erstaunlich in den Bildfolgen gut.

Wiederholt habe ich sogar, seitdem es eine direkte Leitung nach Ostberlin gab, 00372- fing die an, in der Sendung Urania des DDR TVs angerufen, um meine Kommentare, Fragen zum Besten zu geben.
Die wurden herzlich begrüßt mit Gruß nach Hamburg, einmal soagar ausdrücklich in der Sendung diekt ins Ausland nach Hamburg.

JP
Joachim Petrick schrieb am 27.08.2009 um 03:07
Liebe Magda,

angerührt wie angeregt von Deinem Beitrag:
www.freitag.de/community/blogs/magda/ostdeutscher-selbsthass-nein-ostdeutscher-furor

begründe ich hiermit ein neues Freitags- Community- Format:
“Den Freitag- Brief von Blog- Beitrag zu Blog- Beitrag an allen Top Blog Formaten vorbei!“.

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/brief-an-magdaost--west--trotz-ressource-der-unregierbaren

27.08.2009 um 02:54 Joachim Petrick
Brief an Magda“Ost- West- Trotz!“. Ressource der „Unregierbaren"

Brief an Magda“Ost- , West- Trotz!“. eine Ressource der „Unregierbaren.

„Ost- wie West- Trotz!“. ist eine nachhaltige gesellschaftspolitische Ressource der „Unregierbaren“ in zeiten rabiaten Durchregierens.

Los geht es:

Liebe Magda,

Hans-Ulrich Wehlers DDR-Sicht finde ich wie Du wenig hilfreich, Debatten über die jüngere Geschichte umsichtig wie generationsübergreifend anzustossen.
Debatten brauchen Adressaten, wr diese sich weigert zu benennen, offenbart welch verkümmerten Geistes Kind er bis auf Weiteres zu bleiben gedenkt. ........

tschüss
JP
Magda schrieb am 27.08.2009 um 13:43
Lieber JP – für Dich muss ich noch einen eigenen Blog-Antwortbeitrag machen. Einiges habe ich in dem Deinen schon gesagt.

Gruß
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.08.2009 um 09:14
Ich halte dieses leider nicht zum Maßstab der Verständigung über die "Deutsche Einheit" gewordene Gespräch zwischen Moeller und Maaz für beispielhaft. "Die Einheit beginnt zu zweit" hat 1990 stattgefunden und ist wohl fast vergessen. Ich will nochmal zitieren:
Moeller:"...wie ich das Verhältnis zwischen BRD und DDR plötzlich mit dem klassischen Verhältnis eines bundesrepublikanischen Paares in Zusammenhang brachte. Die Frau gilt darin im wesentlichen als zwanghaft und depressiv - beinahe wie das Selbstbild eines klinisch kranken Menschen. Der Mann hingegen scheint vor glänzender Gesundheit zu strotzen und zeigt eine hohe Neigung zu konkurrieren - im Prinzip ein Herzinfarkt-Mensch, der von seelischen Dingen nicht viel wissen will. Die Frau erscheint als Kranke, weil sie leidensfähiger ist und unbewußt sehr viel deutlicher wahrnimmt, was in der Beziehung vorgeht....beide repräsentieren jeweils eine andere Seite ein und derselben Grundangst. Der Mann erscheint gesünder, obwohl er kränker ist, wie die Frau kränker erscheint, obwohl sie gesünder ist - das kann man direkt auf das Verhältnis BRD und DDR übertragen....(es) läßt sich eine Kollusion, ein unbewußtes Zusammenspiel zwischen DDR und BRD erkennen...Auf unserer Seite war die seelische Lage eher hypomanisch unbesorgt, auf eurer Seite eher depressiv."

An anderer Stelle:"...die Westdeutschen haben eine hvervorragende Abwehrmöglichkeit:Sie müssen nicht - dafür brauchten sie Selbstoffenheit - in ihren eigenen Keller sehen, sondern können immer nach Osten zeigen und sagen:Seht mal, wie vergiftet der Boden dort ist!... damit ist wieder die Gelegenheit zur Projektion gegeben...Vielleicht ziehen es die Westdeutschen aber vor, sich menschlich nicht zu vereinigen, weil sie eben dadurch die Projektion beibehalten können..."

Die geradezu zu Politik geronnene Dauerprojektion ist m.E. ein deutlicher Hinweis auf die von Moeller beschriebene Situation. Der Westen ist nach wie vor nicht bereit, seine eigenen schweren Beschädigungen wahrzunehmen. Diese nervende Besserwisserei, zumal in ihrer ewigen rechthaberischen Anklagehaltung(siehe Schönbohm u.a.), dient der Abwehr eigener, mit Sicherheit schmerzlicher Wahrheiten.
Eine Antwort, wie aus dieser Kollusion herauszukommen sei, habe ich natürlich auch nicht. Der Westen wird nicht morgen mit der angesprochenen Selbstoffenheit beginnen. Man stelle sich vor, vergleichbar den Stasiakten würden die Akten von BND, CIA, Finanzämtern,... geöffnet werden. Ich bin mir sicher:Es würde kein Stein auf dem anderen bleiben... Eine "große" Lösung sehe ich nicht. Ein paar tausend Jahre Einübung der Haltung "Du bist Schuld" mit all den daraus entstandenen und entstehenden Folgen sind eine schwere Last. Man stelle sich vor, G.W.Bush und die USA (der Westen) hätten sich an 9/11 ernsthaft die Frage gestellt:Warum haben die uns überfallen? Eine utopische Vorstellung. (Auf youtube ist übrigens zu sehen, daß die Flugzeugträgerproduktion auf Hochtouren läuft...)

Im individuellen kann ich dieser (und anderen) Kollusionen durchaus in gewissem Umfang entkommen, wenn ich sie denn als solche erkannt habe. Das glückliche Leben beginnt jenseits von Projektion, Konkurrenz und Kampf gegeneinander. Manchmal scheint es möglich.
Magda schrieb am 27.08.2009 um 13:46
Lieber Gerhard HM – Die Beiträge von Maaz und Moeller habe ich – auch zu Zeiten – mit großem Interesse und großer Zustimmung gelesen. Und erinnere noch das Dominanzgefälle einschließlich der entsprechenden Geschlechterzuschreibung. Ein bisschen hatte ich das auch bei meinem Beitrag noch im Hinterkopf. Mir ist der Maaz jetzt manchmal zu sehr psychotherapeutisch und auch seine Haltung zu Geschlechterfragen ist mir nicht so nahe. Aber insgesamt fand ich den Disput gut.

Du schreibst: „Man stelle sich vor, vergleichbar den Stasiakten würden die Akten von BND, CIA, Finanzämtern,... geöffnet werden. Ich bin mir sicher:Es würde kein Stein auf dem anderen bleiben...“

Das ist genau die Geschichte. Die DDR-Bürger sind ständig nachprüfbar, manche müssen sich rechtfertigen, weil sie da erfasst sind, andere müssen sich rechtfertigen, weil es über sie keine Akte gibt. Das ist ungut und demütigt auch jene, die mit der Stasi nun gar nichts zu tun hatten.
Und –in der Gegenwart und ganz aktuell – wird immer mehr erkannt, welches Machtpotential – auch in Richtung Westdeutschland in diesen Akten steckt. Damit kann man schon einige Leute fertig machen und kalt stellen. Ist ja schon passiert, wie ich kürzlich gelesen haben.

Du schreibst: „Im individuellen kann ich dieser (und anderen) Kollusionen durchaus in gewissem Umfang entkommen, wenn ich sie denn als solche erkannt habe. Das glückliche Leben beginnt jenseits von Projektion, Konkurrenz und Kampf gegeneinander. Manchmal scheint es möglich.“

So sehe ich das auch. Privat habe ich mit vielen Leuten – aus Bayern, Köln, Frankfurt und Essen – hervorragende Kontakte geknüpft und da spielen solche Sachen überhaupt keine Rolle. Nur dann allerdings, wenn ein Streit entsteht, dann kommt manchmal etwas aus der Kiste „das ist typisch Ost“. Ansonsten – beginnt die Einheit nicht immer zu zweit, aber immer zwischen Menschen.

Mit Grüßen
Magda

@ meisterfalk - danke für die Info. Ich komme gar nicht nach mit meinen Kommentarantworten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.08.2009 um 15:05
Liebe Magda,
"...beginnt die Einheit nicht immer zu zweit, aber immer zwischen Menschen." Und, so bin ich überzeugt, in ehrlicher Selbstreflexion. Die alte Geschichte eben vom anderen Stachel und vom eigenen Balken im Auge.
Vielleicht entsteht aber eines Tages genau aus all diesem Unerlösten mit der "Deutschen Einheit" doch noch irgendwas Neues? Und selbst Herr Schönbohm u.a. hätten mit ihren so oft so wirren Einlassungen dazu beigetragen. Wir werden sehen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.08.2009 um 13:34
Schau an, Top!
outnumber schrieb am 27.08.2009 um 15:10
sehr gerne gelesen, inhaltlıch wurde schon eınıges gesagt, ıch kann nur noch unterstreichen, was du auch schon geschrieben hast: medien sind nıcht die Wırklıchkeit.
mann, bei dieser Tastatur ist alles anders angeordnet.und ich kann nur schwer allen ınteressanten texten folgen und bın froh, dass ıch deines erwischt habe :-)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 27.08.2009 um 15:23
Sieht lustig aus mit den i's ohne i-Punkt.
Habe gerade die Printausgabe und darin nochmal Deinen Beitrag von neulich gelesen. Gratulation! Hast es verdient!
Magda schrieb am 27.08.2009 um 16:26
Hallo outnumber, danke auch Dir. Was ist denn das für eine Tastatur - eine türkische?
outnumber schrieb am 28.08.2009 um 10:16
danke Meisterfalk.
wegen der textlaenge konnten sie sich auf einen erzaehlstrang konzentrieren

die andere waere mir fast wichtiger gewesen, also über hofische pawiane, klingt vielleicht nicht so romantisch :-))
ich habe mich aber über die übernahme in den print auch in dieser form gefreut.
outnumber schrieb am 28.08.2009 um 10:20
@magda,

ja eine türkische mit folgenden sonderzeichen auf der tastatur:
ı, ş, ç, ğ, und deswegen ist die für mich gewohnte anordnung jeweils verschoben.

Beim Zweiten Mal fand ich Deinen Beitrag noch ergiebiger, so funktioniert es wohl auch mit anderen gruppen.
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Mein Web:
Logbuch
22:24
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:24
gerhard monsees hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:23
luggi hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:21
Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
22:20
TST hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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