05.07.2011 | 19:48

S21 – Bahn offensichtlich massiv geleakt

Foto: Fotoapparat

 

Im Moment überschlagen sich die Medienberichte. Offensichtlich sind in bislang unbekanntem Ausmaß bahninterne Dokumente an die Presse gelangt, die offensichtlich eindeutig belegen, dass die Bahn in den vergangenen Jahren systematisch Parlamente (darunter auch den Bundestag) und die Öffentlichkeit hinsichtlich der tatsächlich viel höheren Kosten für Stuttgart21 betrogen hat, um das Projekt durch die Parlamentarier absegnen zu lassen.

Weiterhin wird offenbar, dass sich politische Verantwortungsträger aller Ebenen in der Vergangenheit massiv an diesem Betrug beteiligten.

Gestern eröffnete der Spiegel in einem Beitrag den Reigen der Enthüllungen.

 

Stellvertretend für eine Vielzahl von derzeitigen Meldungen hier die StZ:

„Stuttgart - Die Deutsche Bahn (DB) hat offenbar auch milliardenteure Mehrkosten bei der für den Bau von Stuttgart 21 zwingend nötigen ICE-Neubaustrecke (NBS) von Wendlingen nach Ulm bewusst und über Jahre hinweg der Öffentlichkeit und dem Deutschen Bundestag verschwiegen, um die Projekte nicht zu gefährden. Das beweisen DB-interne Protokolle und Dokumente, die der Stuttgarter Zeitung vorliegen. [...] Wäre die Kostenexplosion bekannt geworden, wäre das Projekt womöglich aus der Endfassung des Plans gestrichen worden, der als Basis für die Verteilung der Bundesmittel für Verkehrsvorhaben dient. Also verständigte sich die Runde darauf, die real veranschlagten Kosten der Öffentlichkeit und dem Parlament vorzuenthalten.[...]“

Stuttgarter Zeitung, 5.7., 18.30 Uhr, „Bahn enthielt Bundestag Mehrkosten vor - wäre die Kostenexplosion bekannt geworden, wäre das Projekt gestrichen worden“

 

Einen sehr aufschlussreichen Beitrag zum Schweizer Gutachterbüro sma, welches den sogenannten Stresstest beurteilen soll, kann man heute in der Wirtschaftswoche lesen:

"[...]Und je näher das Datum rückt, desto mehr gerät auch SMA in den Mittelpunkt – und in die Kritik. Denn Stohlers Firma gilt nicht nur als Hort ausgefuchster Fahrplanspezialisten und als eine Art letzte Instanz in der Bahnbranche. Der Bahnenthusiast aus Zürich ist zugleich knallharter Kaufmann, der strategisch denkt und von der Deutschen Bahn wirtschaftlich stark abhängig ist. Ausdrücklich erklärt Stohler auf der SMA-Internet-Seite: "Seit 1995 gehört die Deutsche Bahn ohne Unterbrechung zu unseren wichtigen Auftraggebern.“[...]"

Wirtschaftswoche, 5.7., "Stresstest unter Freunden"

 

Zur Chronologie der Ereignisse des Tages siehe auch hier (FC) (dort u.a. auch die Kommentare).

***

Foto (Quelle): parkschuetzer.de

 
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Kommentare
seriousguy47 schrieb am 06.07.2011 um 00:08
...ich zitiere dann mal weiter:

"Das Protokoll vermerkt dazu wörtlich auf Seite 2: "Herr Fricke teilt mit, dass die NBS im Referentenentwurf zur Fortschreibung des BVWP im vordringlichen Bedarf eingestellt worden ist. Bis zur endgültigen Verabschiedung dürfen daher keine neuen Baukosten kommuniziert werden, um keine unzeitgemäße Diskussion auszulösen." So geschah es. Ein Vertreter des Landes warnte laut Sitzungsprotokoll noch vor "zu langem Schweigen", weil der Bund sonst die Übernahme von Mehrkosten verweigern könne. Fricke bestätigte am Dienstag der StZ seine im Protokoll festgehaltene Aussage."

In Bezug auf letzteres wiederum ist dies hoch interessant:

"Die Deutsche Bahn dementierte die Darstellung am Dienstag und erklärte, der Bericht beziehe sich auf "uralte, längst überholte Unterlagen". Der Konzernvorstand habe zwischenzeitlich im Sommer 2010 eine neue Kalkulation von 2,89 Milliarden Euro für die Strecke veröffentlicht, erklärte ein Sprecher. Das habe unverändert Bestand. Auch der Bund sei ausführlich informiert worden."

www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=8279846/96h0w9/index.html

Die Bahn dementiert also, was ihr eigener Mitarbeite bestätigt.

Azer ausgestiegen, Fricke vorzeitig geständig, da muss Grube dann im Falle des Falles wohl allein in den Knast....
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.07.2011 um 14:19
@ serious
obwohl z.B. der "Kopf"Bahnhof Paris-Nord mit täglich über einer Millionen Passagieren der meist frequentierteste Bahnkopf Europas ist wird in Stuttgart der Maulwurf-Bahnhof gebaut, deswegen kommt der Grube doch nicht in den Knast, wenn überhaupt in solch eine Art grausames "Zumwinkel-Assyl" mit Seegrundstück im Tessin. In den Knast kommen dann vielleicht irgendwann diejenigen die offiziell identitäts-technische erfasst wurden...
seriousguy47 schrieb am 06.07.2011 um 16:51
@ sachima

Schon klar. Der Platz im Knast wird ja auch dringend gebraucht, z.B. wg. all der 17jährigen weiblichen versuchten Totschläger.....äh....schweren Körperverletzer....äh.....

www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nach-attacke-bei-s-21-demo-dritte-verdaechtige-person-ermittelt.69db0876-b399-46ec-b3f6-5d5417043556.html
Ehemaliger Nutzer schrieb am 07.07.2011 um 10:45
Diese Entwicklung war zu erwarten, wenn nicht gar durch gezielte Provokation gewollt, - was unter Einsatz bestimmter Technologie bei Handy-Überwachung begünstigt wird. Da ist wirklich Vorsicht geboten.
mcmac
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