07.07.2011 | 11:17

S21 – Das ABC der Macht. Heute: ΦΔΦ

 

Guten Morgen, liebe Kinder,

eigentlich sollte das ein harmloser Kommentar irgendwo ganz hinten werden. Allerdings wird’s gerade langsam richtig spannend, so dass ich nicht umhin komme, wieder mit einem weiteren unterirdischen Tunnel-Blog zu nerven. (Viel lieber würde ich z.B. über den ziemlich genau 10 Jahre nach seinem Tod fast vergessenen Adolf Dresen etwas schreiben; aber Rüdiger & seine Gruben-Gang lassen mich nicht - was ich ihnen persönlich übel nehme.)

Gestern haben wir also etwas über Gründung krimineller Vereinigungen (was strafbar ist) und über eine diskrete, aber nicht geheime Vereinigung mit einem komischen Namen (ΦΔΦ) gehört. Wir wissen, dass da Bahnvorstände, Energiekonzerngrößen, aber auch politische Akteure, wie Heiner Geißler, Stuttgarts OB Wolfgang Schuster, die ehemalige Verkehrsministerin B/W Tanja Gönner und MdB/CDU Stefan Kaufmann Mitglied sind.

Dann konnten wir vertiefend lernen, dass das Richard-von-Weizäcker-Inn der Tübinger ΦΔΦ-Gruppe von der renommierten Anwaltskanzlei Gleiss Lutz (Berlin/Brüssel/Düsseldorf/Frankfurt/Hamburg/München/Stuttgart) unterstützt wird. Das ist jetzt nicht mal nur so eine kleine, aber feine Kanzlei, mit schweren Viktorianischen Ledermöbeln und drei Honoratioren mit Monokel und Zigarre, sondern dort sind weit über 300 Anwälte tätig, allein über 100 in der Dependance Stuttgart. Aber -wie man sieht- auch am Stammsitz der EU in Brüssel. Das, liebe Kinder, nenn' ich ein Netzwerk!

Gleiss Lutz, wo auch ein gewisser Rupert Scholz tätig ist, erstellt nicht nur Rechtsgutachten für milliardenschwere Aktiendeals an Parlamenten vorbei (EnBW-Affäre Mappus, Dez. 2010), sondern gerne auch Gutachten für die DB. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Berliner S-Bahn-Chaos. Dabei achtet die Kanzlei stets darauf, was sie dort erstellt: ein Gutachten (vs. ein Schlechtachten). Und so hat Gleiss Lutz bezüglich der Berliner S-Bahn auch festgestellt, wie gut die DB das eigentlich gemacht und das jemand anders Schuld ist an dem Desaster -wahrscheinlich General Winter.

***

 

So Kinder, jetzt ist erst mal Hofpause, denn ich höre gerade, dass die Polizei in Stuttgart endlich tätig geworden ist -gegen die Parkschützer und deren Sprecher Matthias von Herrmann. Von Herrmann hatte der Polizei zugesichert, eine Festplatte mit Filmaufnahmen vom 20.6. zur Verfügung zu stellen, auf der sie ihrem Kollegen und mutmaßlichen agent provocateur noch einmal bei der Arbeit zuschauen können. Obwohl diese Filme samt Pressekonferenz auch alle im Internet zu finden sind (s.u., ein Original auf youtube), konnte es die Polizei offensichtlich nicht erwarten, diese Festplatte zu haben. Weshalb sie heute Morgen -wahrscheinlich mit einer Anti-Terror-Einheit- über das Büro der Parkschützer und von Herrmanns Privatwohnung herfiel.

In Baden-Württemberg ist übrigens, nur damit da kein falscher Eindruck entsteht, nicht mehr eine Schwarz-Gelbe Regierung am Drücker; der Innenminister Reinhold Gall gehört der roten SPD an. Allerdings erklärte er jüngst, recht verschwurbelt, dass er Wasserwerfer nicht so Klasse findet. Vielleicht dachte er daran (und das ist jetzt ein kleines, doofes Späßchen zum Abschluss, denn Spaß muss wirklich sein im Moment; je schlechter, um so besser), dass statt dessen die Saudi-Leos auf ihrem Weg in die Wüste ersatzweise einen kleinen Praxistest in Stuttgart absolvieren.

***

Update 14:10 "Presseerklärung der Parkschützer: Stuttgart 21 – Polizei sucht YouTube-Videos – Durchsuchung abgebrochen" -BAA

Aha. "Durchsuchung abgebrochen" Na, wer hätte das gedacht. Youtube-Videos findet man ja auch nicht in Büros, sondern im Netz. Hat die Puzilei wieder was gelernt.

 
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Kommentare
seriousguy47 schrieb am 07.07.2011 um 14:48
Ich hoffe mal, ich darf das:

Presseerklärung der Parkschützer: Stuttgart 21 – Polizei sucht YouTube-Videos – Durchsuchung abgebrochen
Publiziert am 7. Juli 2011 von Gudrun

Parkschützer arbeiten transparent: Gesuchtes Material ist online

Stuttgart, 7. Juli 2011: Mit fünf Mann und einem Staatsanwalt kam die Polizei heute früh, um das Material sicherzustellen, das am 24. Juni 2011 öffentlich gezeigt und auf DVD zur Verfügung gestellt wurde. Alles Material ist online verfügbar: Präsentation und Bilder sind über bei-abriss-aufstand.de verfügbar (www.bei-abriss-aufstand.de/2011/06/24/pressekonferenz-wir-sind-zeugen), die Videos sind bei-abriss-aufstand.de verlinkt, da wir nicht die Serverkapazitäten haben um Viedomaterial direkt zur Verfügung zu stellen. Das Material wurde der Polizei nun auch direkt übergeben.

„Es ist schon erstaunlich wofür die Polizei Zeit und Kapazität hat,“ sagt Matthias von Herrmann, dessen Wohnung nicht durchsucht wurde weil er alles geforderte Material von sich aus aushändigte. „Alles gesuchte Material und noch viel mehr zum Thema hätte eine kurze Google-Suche auch geliefert. Wir haben ein großes Interesse an der Veröffentlichung dieses Materials, denn es zeigt, dass die Darstellung der Polizei zum Verlauf des 20.6. schlicht falsch ist. Statt die unselige Rolle ihrer Zivilpolizisten aufzuklären, versucht die Polizei nun, die Bürger zu kriminalisieren. Sie durchsucht Wohnungen und verhaftet Menschen, die an diesem Montagabend versucht haben, mäßigend auf den bewaffneten Beamten einzuwirken und ihn von einer größeren Schlägerei abzuhalten. Bislang gab es keine Meldung, dass gegen den Zivilpolizisten ermittelt wird, obwohl gegen ihn Anzeige erstattet wurde wegen Anstiftung zu Straftaten.“
Der Zivilpolizist war am 20. 6. auf dem Gelände des Grundwassermanagements unterwegs, zunächst in Begleitung eines Kollegen. Er fiel zahlreichen Zeugen durch sein aggressives Verhalten auf. Er verwickelte sich in mehrere, handgreifliche Auseinandersetzungen; bei der ersten erfolgten Schläge, die ihn, laut Polizei, schwer verletzten. Seine Waffe wurde sichtbar. Sein Kollege stand hier noch dabei, ohne einzugreifen und ohne sich oder den Kollegen als Polizei zu erkennen zu geben. Kurz nach dieser ersten Auseinandersetzung verließ der unbeteiligte Kollege die Gruppe. Er holte aber keine Unterstützung für den Beamten, der in Auseinandersetzungen mit weiteren, bislang unbeteiligten Demonstranten, ohne sichtbare Beeinträchtigungen und weiterhin ohne sich als Polizist auszuweisen, geriet. Demonstranten brachten den bewaffneten 'Störenfried' schließlich aus der Menge zur Polizei. Ihm ging nicht einmal ein Sanitäter aus dem bereitstehende Polizeikrankenwagen entgegen, obwohl Polizeipräsident Züfle am nächsten Tag sagte, man habe um sein Leben gefürchtet.

Das nun von der Polizei 'sichergestellte' Bild- und Videomaterial dokumentiert diesen Hergang der Dinge; es zeigt das aggressive Auftreten des Zivilpolizisten ebenso wie die Tatsache, dass weder sein ziviler Kollege noch uniformierte Polizisten eingriffen, obwohl die Polizei mit mindestens 600 Mann vor Ort war. Es ist ein dringendes Anliegen der Parkschützer, dieses Material öffentlich zu machen.

bit.ly/qJtSVK
Hobbyproktologe schrieb am 07.07.2011 um 20:38
Spitzen Idee mit den Saudi-Panzern!
Die könnten nicht nur die gewaltbereiten Kinder und Rentner platt machen, sonder auch gleich den Bahnhof!
Vielleicht kommt dann Gaddafi als neuer Schlichter in Frage.
Herrlich!
Guten Abend.
mcmac
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Logbuch
05:45
heidenplejer hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:38
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:21
maxing hat gerade einen Kommentar geschrieben.
04:16
archinaut hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
04:06
weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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