25.07.2011 | 01:31

Sssss... einundzwnz...chchch...

Montage: pm_boehm

 

Die Luft ist raus.

Das Aktionsbündnis gegen S21 gab bekannt, dass es sich nun doch an der Präsentation des sogenannten „Stresstests“ beteiligen wird. Heiner -The Fuchs im Hühnerstall- Geißler hat die Show unter Gewährung minimaler Zugeständnisse auf Freitag, 1. August 2011, verschoben. -Blödes, kindlich verbrämtes Lächeln im Parkett...

Hintergrund ist, oberflächlich betrachtet, eine Telefonkonferenz mit dem CDU-Urgestein/Wendehals Geißler und dem Aktionsbündnis am vergangenen Abend. Wahrscheinlich aber ging dem ein tragisches Umfallen einer der Hauptfiguren des Widerstands gegen das Projekt, Brigitte Dahlbender (SPD), voraus, die offensichtlich massiv unter Druck gesetzt wurde. Diesbezüglich machten sogar Mafia- ('Ndrangheta)Vermutungen die Runde. (Wer darüber mehr weiß und Schubladendenken -paradoxerweise- vermeiden kann, stempelt dies nicht ausschließlich unter "Verschwörungstheorie" ab...)

Damit ist den S21-Betreibern in Politik und/oder Wirtschaft sowohl, als auch dem neoliberalen Gefüge insgesamt ein weiterer Erfolg anheim gefallen. Die Verhinderung/Abschaffung massiver Ungerechtigkeiten ist so in weitere, schier unerreichbare Ferne für die Gegenwärtigen gerückt.

Das breite Aufbegehren in und um Stuttgart wird nun wohl und ironischerweise als Treppenwitz in Museen und in Pow-Wows gepflegt werden -ein Pyrrhussieg, welcher dergestalt auch noch einigermaßen berechtigt der Lächerlichkeit preis gegeben werden darf.

(Das tut auch richtig weh, wenn ich mir diese selbstreferenzielle Bemerkung zwischendurch erlauben darf.)

Wer den Schaden hat, darf aber auch noch den regionalen Spott mindestens national bezahlen. -Kulturbeitrag nannte man so etwas seinerzeit. Und das war damals zutreffender als es heute vorgibt zu sein.

*Danke* an alle, denen S21 auf die gepflegten, linkerhand grün-rot lackierten Fingernägel ging: Ihr dürft ebenfalls einzahlen, auch wenn Euch das nicht bewusst ist. Schlimmer aber ist, dass die Chance zu einer wirklichen Veränderung nach den Atom-Pirouetten von Schwarz-Gelb nicht wahr genommen wurde. Aber Ihr dürft immerhin sagen: "Wir sind dabei gewesen."

 

Ja, das ist (schon wieder dieser Tage!) ein Lamento. (Ach, wäre es schön, wenn ich irrte hierin...)

 

 

 

 
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Kommentare
Achtermann schrieb am 25.07.2011 um 09:11
Leben wir im Kapitalismus oder in einer Demokratie? Wenn es eines letzten Beweises bedurft hätte, die Befürchtung manifestiert sich: Demokratie, sie könnte Geschichte geworden sein. Das Spektakel um Stuttgart21 hat gezeigt, dass das Bürgerengagement gegen die Interessen des Geldes, insbesondere wenn es um Milliarden geht, sich nicht durchsetzen kann und darf. Das Menetekel S21 wird nicht als Akt der Bürgerdemokratie in die Geschichte eingehen, sondern als dessen Gegenteil. Der Verbund von Politik und Kapital schafft fast immer, Interessenkonflikte zugunsten der Investoren ausgehen zu lassen, auch wenn künftig die Mediation ein Bestandteil zum Durchsetzen großer Projekte werden sollte. Diese wird künftig ebenso strategisch geplant werden wie die bisherige Kommunikation mit den noch nicht auf Linie gebrachten Bürgerinnen und Bürgern. Ein weiterer Apparat von Gutachtern, Sequenzen der runden Tische (einschließlich der verfügbaren Verhandlungsmasse) werden künftig ins Kalkül einbezogen werden, wenn es darum geht, den Interessen der Investoren Geltung zu verschaffen.

Eine Partei hat nicht zuletzt wegen S21 in der Wählergunst vorne gelegen. Aber nicht mal der Ministerpräsident oder der Verkehrsminister, die als Stuttgart21-Gegner angetreten sind, haben eine Möglichkeit, dieses Geflecht aus Seilschaften und Spekulationsgewinnlern aufzudröseln. Das Ironische ist: Die in der Regierung sitzenden Kritiker werden das Projekt umsetzen. Umso schneller wird der Protest abebben. Besser hätte es für die S21-Befürworter nicht laufen können. So war es vor einigen Jahren als das Kapital das Lohndumping von der SPD und den Grünen durchsetzen ließ und mit dem radikalen Abbau der Sozialleistungen die Voraussetzungen für die Niedriglöhne realisiert wurden.
Vadis schrieb am 25.07.2011 um 14:11
Mathias Richling:

»Der Bahnhof kann oben bleiben. Ganz Stuttgart gehört unter die Erde!«
mcmac
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weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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