Sebastian Dalkowski

Blog von Sebastian Dalkowski

15.12.2009 | 18:26

Moderne Zeiten: Bionade

Warum niemand mehr normale Limonade trinken will

Früher haben die Menschen Geld für Afrika gespendet, in einem Altenheim die Blumen gegossen oder den Kirchenchor geleitet. Heute trinken sie Bionade.

Diesen Menschen ist es unmöglich, normale Limonade zu trinken, ohne daran zu erbrechen. Wer einen Bionade-Trinker zu Gast hat, sollte auf dessen Wunsch „Ich nehm‘ eine Bionade“ niemals antworten „Habe ich nicht da“ oder „Reicht dir auch normale Limonade?“ Diese Antworten setzen sie gleich mit dem Zugeständnis, Waffen an den Iran zu liefern oder für Atomstrom auf die Straße gegangen zu sein. Ganze Viertel deutscher Großstädte sind ohne Bionade nicht mehr denkbar.

Bionade-Trinker schieben gerne alle möglichen Gründe vor, warum sie Bionade trinken – nie aber geben sie zu, dass sie sich einfach nur wie ein besserer Mensch fühlen wollen. Die Argumente basieren vor allem auf der Abneigung gegen Coca Cola.

„Du, Bionade ist nicht so süß wie Coca Cola, da sind ja 34 Stück Würfelzucker drin.“
„Du, Coca Cola ist so ein großer Konzern und er verschmutzt das Grundwasser in Indien. Das will ich nicht unterstützen.“
Bionade hingegen halten sie für ein Unternehmen, bei dem der Chef morgens noch die Regenbögen aufspannt und die Einhörner zwischen den Abfüllanlagen galoppieren.

Da möchten sie es gar nicht hören, dass Bionade mit dem moralisch anfechtbaren McDonalds kooperiert und in diesem Jahr von Radeberger gekauft wurde, das wiederum zu Dr. Oetker gehört, nicht gerade der Erfinder der zuckerfreien, naturbelassenen Süßspeise.

Zudem schwören Bionade-Trinker auf die besondere Herstellung des Getränks, die Fermentierung mit Bakterienkulturen. Weshalb es allerdings eine Leistung ist, Kohlensäure mit Hilfe von Bakterien zu imitieren, anstatt einfach Kohlensäure beizufügen, wissen sie auch nicht.

Diese Menschen glauben, dass Konsum die Welt retten kann. Wie viele Flaschen gegärte Kräutermixtur müssen sie noch trinken, bis sie merken, dass man von Bionade genauso rülpsen muss wie von Coca Cola?

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
uri schrieb am 15.12.2009 um 19:18
die vorstellung, die welt durch den konsum ökologisch angebauter oder auch abbaubarer produkte zu retten, entspricht in gewisser weise dem ablasshandel. man konsumiert ökologisch, man ist nicht schuldig. zumindestens weniger als die anderen...
Mona schrieb am 16.12.2009 um 00:32
Was für ein toller letzter Satz. :D

(Persönlich hab ich allerdings noch niemanden kennengelernt, der auch nur ansatzweise der beschriebenen Blaupause entspricht.)
Sebastian Dalkowski schrieb am 16.12.2009 um 09:08
Vermutlich hat jeder Bionade-Trinker eine oder mehrere der beschriebenen Eigenschaften. Inklusive mir.
Sebastian Dalkowski
28, freier Journalist
Mitglied seit:
2 Jahre 45 Wochen
Zuletzt aktiv:
10.02.2012
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 179
Kommentare: 100
Mein Projekt:
Mein Web:
Logbuch
15:30
antares56 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:27
Streifzug hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
15:18
Paracelsius hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:14
antares56 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:13
wahr hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Liebeshandlung - Eugenides

Berlinale

Freitag_Salon

PortletSalon_120216.png

Christian Kracht Imperium Kiepenheuer & Witsch 2012

256 Seiten. Gebunden.

18,99
 
In seinem neuen Roman erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans spielt - und erschafft so zugleich eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns >> mehr
Occupy

portlet_occupy.png

Rote Perlen

wir müssen reden

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Café Moskau

Ausgabe 07/12
16.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG