Tom Strohschneider

Blog von Tom Strohschneider

14.02.2010 | 09:28

Gemeinsam blockiert: Eine kleine Bilanz zu Dresden

In Dresden haben Tausende mit massenhaftem zivilen Ungehorsam den geplanten Naziaufmarsch verhindert. Eine unvollständige Übersicht:

Das Plakat, das mit seinem Aufruf zu Blockaden in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen sorgte, liest sich am Tag danach wie eine Vorhersage: 13. Februar 2010 – Dresden – Kein Naziaufmarsch. Zwar blieb die sächsische Landeshauptstadt alles andere als „nazifrei“. Aber der von der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland angekündigten „Trauermarsch“, zu dem Rechtsradikale aus ganz Europa anreisen wollten, fand nicht statt.

Nach zahlreichen kleineren und größeren Gegenaktionen rund um den am Neustädter Bahnhof, an denen sich Tausende aus dem ganzen Bundesgebiet beteiligten, löste die Polizei eine Versammlung von rund 6.500 Nazis auf, da „da die Sicherheit für die Aufzugsteilnehmer nicht zu gewährleisten war“. Als sich die Nachricht verbreitete, kam „begeisterte Stimmung“ an den Blockaden auf: „Es war nicht einfach, es gab Verletzte durch Nazi-Angriffe und es war saukalt – aber es hat sich gelohnt“, sagte später eine Sprecherin des Protestbündnisses. Zu den Massenblockaden hatte ein breites Bündnis von Initiativen, Parteien, linken Gruppen, antifaschistischen Initiativen und Gewerkschaften aufgerufen. 

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Auf der anderen Elbseite hatten seit dem Vormittag Tausende mit Kranzniederlegungen und Friedensgebeten an die Opfer der Bombardierung Dresdens 1945 gedacht. Die CDU-Bürgermeisterin der Stadt, Helma Orosz, sprach von einem „deutlichen Zeichen gegen Rechts“. An einer Menschenkette um die Altstadt beteiligten sich rund 15.000 Menschen – die symbolische Aktion sollte das Zentrum der Elbmetropole „vor dem Eindringen Rechtsextremer schützen“. Dresden lasse nicht zu, dass „braune Horden“ die Stadt als Plattform für Geschichtsklitterung nutzten.

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Ganz praktisch gestoppt wurden die Rechtsradikalen allerdings von jenen, die sich ihnen ein paar Kilometer weiter auch tatsächlich in den Weg setzten. „Orosz will immer nur ‚Signale‘ aussenden, aber darüber lachen die Nazis“, hieß es in der Nacht beim Blockade-Bündnis. Dass der weitgehend friedliche Protest dabei nicht ungefährlich sein würde, war zu erwarten. Mehrmals hat die Polizei versucht, Blockaden der Nazigegner aufzulösen. Außerdem griffen Rechtsradikale vor allem am Nachmittag und Abend immer wieder Menschen an. Die Polizei hatte Schwierigkeiten, die Situation unter Kontrolle zu halten. „Die Lage war zum Teil sehr unübersichtlich und hat uns viel Kraft gekostet“, so ein Sprecher.

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Die Nachrichtenlage war bisweilen äußerst unübersichtlich. Nach dem „Abgang der Teilnehmer“, wie die Polizei das Ende der Nazi-Ansammlung umschrieb, liefen Rechtsradikale in kleineren und größeren Gruppen durch die Stadt. Auf dem linken Infoportal Indymedia war später von „Geländespielen“ die Rede. Teilnehmer der Gegenaktionen berichteten, wie sie vor Nazitrupps flüchten mussten. Auch rechte Webseiten meldeten Verletzte – und spontane Naziaktionen in anderen Städten. So wurde etwa über Twitter  ein Angriff auf das SPD-Büro in Pirna „bestätigt“. Am Abend kursiert das von den Nazis gestreute Gerücht über „zwei Tote Nationalisten“. Widersprüchliche Meldungen gab es über einen Angriff Rechtsextremer auf ein Alternatives Zentrum – „das AZ Conni wurde überfallen. Keiner konnte etwas Genaueres sagen“, hieß es an einer Stelle, an anderer wurde „Entwarnung“ gegeben.

Die Polizei hat sich bisher dazu nicht erklärt, sie sprach kurz vor Mitternacht von 29 Festnahmen, wobei 21 Menschen „dem Lager der Kundgebungsgegner zuzuordnen“ seien. Insgesamt seien „mindestens 27 Menschen leicht verletzt“ worden.

          Feiger Anschlag: Jusos über die Attacke auf das SPD-Büro in Pirna
          Sie kamen nicht durch: Berichte auf Indymedia
          Beleidigte Leberwurst: was Rechtsradikale sagen
          Sonderberichterstattung von rechts: auch Nazis nutzen Twitter


 
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Kommentare
merdeister schrieb am 14.02.2010 um 10:15
Vielen Dank für die Zusammenfassung.
Tom Strohschneider
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