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Meine Liebe stirbt nicht

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Hardcover, gebunden

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Kultur : Mutters Feigheit

Der prämierte Drehbuchautor Thomas Wendrich liefert mit "Maria am Wasser" sein Regiedebüt ab. Leider versinkt der Film in seinem rätselhaften Symbolismus

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Das Licht (Sven O. Heinze), dieses kräftige Licht eines leuchtenden und nie enden wollenden Sommerabends, man weiß nicht, was dieses Licht einem sagen soll. Einerseits ist das Licht warm wie eine gute Erinnerung und andererseits unwirklich wie ein Märchen. Beides versucht der Schauspieler und Drehbuchautor Thomas Wendrich in seinem Maria am Wasser zusammen zu bekommen.

Die Hauptfigur ist Marcus (Alexander Beyer), ein junger Mann, der in den sächsischen Winkel an der tschechischen Grenze zurückkehrt, aus dem er einst fort gegangen ist. Der Winkel heißt Neusorge, was den um Poesie bemühten Ton des Films erahnen lässt. Die Gründe des Fortgehens muss man ebenfalls erahnen, wie man auch die Gründe des Zurückkehrens nur erahnen kann. Marcus hat mit seiner Vergangenheit noch eine Rechnung offen, was vor allem bedeutet mit der Mutter (Marie Gruber), die immer noch von drei Männern gleichzeitig begehrt wird, von Konrad (Falk Rockstroh), Hannes (Hermann Beyer) und Sascha (Wladimir Tarasjanz). Die Mutter hat Marcus dereinst in das Waisenhaus am anderen Ufer der Elbe gegeben, das sie heute leitet. Das Waisenhaus, in dem vor allem tschechische Kinder untergebracht sind, heißt „Frohe Zukunft“. Die Legende will es, dass vor über 20 Jahren ein Panzer mit Kindern aus dem Waisenhaus durch die Elbe gefahren ist. Dabei sind alle Kinder ertrunken, nur, wie sich nun herausstellt, Marcus nicht. Der kehrt also zurück, ein wenig um die Mutter zur Rede zu stellen, der er sich erstmal nicht zu erkennen gibt, aber auch um die Orgel zu reparieren und Alena (Annika Blendl) aus der Abhängigkeit Saschas zu befreien und ihren Sohn Janek (Louis El-Ghussein), der Marcus’ Schicksal zu wiederholen scheint, aus dem Waisenhaus.

Das klingt mächtig verquast, und womöglich ist es unfair, Märchen, denen eine andere Logik zugrunde liegt als Gebrauchsanweisungen, in dieser Form nachdichten zu wollen. In dem Film mit all seinen Bildern wird es allerdings nicht klarer. Das war das Problem schon von Andreas Kleinerts Film Freischwimmer aus dem letzten Jahr, der eine Liebesgeschichte unter Pubertierenden als Kriminalschauermärchen in kleinstädtischer Gesellschaft erzählen wollte und zu dem Wendrich das Drehbuch verfasst hatte: dass der Unterschied nicht erkennbar wird zwischen Klischee und Parodie der Wirklichkeit.

Wendrich huldigt einem Symbolismus, der alles mit Überdeutlichkeit schlägt oder ins Reich der Fabel weist. Hier wird das Lamm noch mit Flusssteinen zubereitet und die Orgelpfeifen in Särge verpackt. Es herrscht eine Nachwende-Bitternis, die den Schluss nahelegt, die Mutter, die sich nicht um das Schicksal ihres Kindes kümmert, könnte eine Metapher sein für das Untergehen der DDR, das zu einer Erosion der familiären Beziehungen geführt hat. Aber solche Überlegungen resultieren in keinem befriedigenden Verständnis, auch weil die Schauspieler ihre absurden Rollen mit theatralem Ernst spielen – nur Hermann Beyer darf auch mal komisch sein („Wenn ich nicht trinke, verlischt die Funzel“).

Maria am Wasser ist eine Kindheitserinnerung, die sich vor zu viel Nostalgie und Sentiment durch die eigene Märchenhaftigkeit zu schützen versucht. Herauskommt eine Geschichte, vor deren Durcheinander man nur kapitulieren kann, indem man es „poetisch“ findet.

Maria am Wasser, Regie und Buch: Thomas Wendrich, 99 Minuten

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