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Kultur : Lieber Genosse Kai

Bild-Chef Kai Diekmann ist taz-Genosse. Aber er tut einiges, um dem Unternehmen, das ihm mit gehört, zu schaden. So geht man nicht mit Eigentum um. Ein Offener Brief

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Lieber Genosse Kai,


Ich muss vorausschicken, ich habe mich wirklich gefreut, als Du vor einigen Monaten der Genossenschaft beigetreten bist. Dieses in Deutschland einzigartige Geschäftsmodell braucht jede Form von Unterstützung. Menschen zu Eignern der Zeitung zu machen, die sie lesen, hat mehr Zukunft als die alten Modelle der Medienbranche. Die sind vom Rendite-Gedanken geprägt und dem Shareholder-Prinzip. Was am Ende zählt, ist der Cashflow für den Teilhaber. Die taz hat dagegen den Stakeholder-Gedanken gesetzt. Ein Netzwerk-Gedanke. Viele geben einen kleinen Teil und erwarten Gewinn vor allem in einem guten und unabhängigen Journalismus. Einen ideellen Gewinn, keine Ausschüttungen. Schön, dass jemand wie Du das auch so sieht. Hatte ich eigentlich gedacht.

Ich glaube aber, Du hast da was nicht richtig verstanden. Und deshalb schadest Du unserem kleinen Laden. In dem Interview, das Du heute in der F.A.Z. gegeben hast, machst Du dir als Genosse Sorgen um die taz, die einen "Boulevard der siebziger Jahre macht. Sozusagen die „Eis-am-Stil“-Phase: Sex und Zoten". Du fragst seit Tagen: "Darf Satire alles?", nur, weil ein nackter Mann mit überlangem Penis an der Fassade des taz-Gebäude aufgetaucht ist, in dem Du dich nicht selbst erkennst, außer Dir aber alle. Du fragst trotzdem als Betroffener zurecht, was Satire alles darf, und findest dich in großem Einklang mit Lesern und Genossen, die überlegen, Anteile zurückzugeben oder ihr Abo zu kündigen. Und Du mischst Dich mit allen Dir zur Verfügung stehenden Mitteln in Interna der taz ein, sogar eine Zeitung hast Du deswegen drucken lassen. Ich aber frage Dich: "Darf ein Miteigentümer alles?"

Lieber Genosse Kai, der Satz "Eigentum verpflichtet" ist gerade in der Genossenschaft der taz keine hohle Phrase. Denn diese Eigentümer-Gemeinschaft hat eine ganz eigene Natur. Sie soll die Unabhängigkeit der Redaktion sichern, dazu gehört auch die innere Pressefreiheit. Dafür wurde die Genossenschaft gegründet, dafür sind wir ihr beigetreten. Das bedeutet trotz unserer ideellen Nähe und Verbundenheit gleichzeitig, dass wir auf gesunde Distanz gehen müssen. Wir sind gehalten, uns in die redaktionellen Belange der taz nicht einzumischen, eben, weil wir es könnten. Und vor allem dann nicht, wenn wir uns bewusst sind, dass unsere Stimme mehr mediales Gewicht hat. Solche Enthaltsamkeit ist in diesem Fall keine Stilfrage, sie ergibt sich aus dem Zweck dieser Genossenschaft und ihrem Wesen, die eine Gemeinschaft aus Gleichen ist. Denn jeder von uns ist in gleichem Maß an der Genossenschaft beteiligt.

Lieber Genosse Kai, nun zu deiner Frage "Darf Satire alles?": Meine Antwort ist: Wenn es um einen Genossen geht, darf Satire auf jeden Fall mehr. Pressefreiheit zu praktizieren, heißt eben immer auch, die Grenzen dieser Freiheit zu testen. Das müssen wir unterstützen. Man muss sich deshalb nicht beleidigen lassen, das sicher nicht, aber als Genosse muss man gut überlegen, bevor man zurückschlägt.

Mit genossenschaftlichen Grüßen,


war von 2001 bis 2007 Redakteur der taz und ist seitdem taz-Genosse.

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