Frauen, die sich mit sozial besser gestellten Männern einlassen, landen früher oder später bei den Leichen, erzählt uns dieser Tatort: die eine, Sonja Mesenburg, als Tote, weil sie nach oben heiratete, obwohl sie für unten viel geeigneter gewesen wäre; die andere, Edith Siemers, muss die Leiche ihres Chef, mit dem sie eine Affäre hatte, identifizieren. Und diese Geschichte bekommt von ihrem Autor und Regisseur Thorsten Näter dann allen Ernstes den Titel Königskinder. Der Milieu-Unterschied als unüberwindbare, weil gleichsam natürliche Barriere also: "Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten beisammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief …"
Frauen wiederum, die es nicht einmal zur Kleinbürgerin gebracht haben, wie die Prostituierte Jelena, interessieren von vorneherein niemanden. Die wichtige Zeugin wurde gerade erst erstochen, da packen Inga Lürsen und ihre Kollegen schon die Kartons, um den Mord an Sonja Mesenburg zu den Akten zu legen. Allein der Blick auf die Kontoauszüge eines – ebenfalls bereits toten – Verdächtigen sorgt dafür, dass der Fall noch einmal angegangen wird. Von Jelena dagegen ist bis kurz vor Schluss keine Rede mehr, weitere Untersuchungen finden nicht statt. War eben nur 'ne Nutte, oder?
Überhaupt fällt einem erst nachher auf, dass dieser Tatort ziemlich viele Tote beschert, ganze sechs sind es am Ende. Was für eine verlorene Liebesmüh: Sein zentrales Motiv – dass der Tod immer näher ist, als man denkt – erscheint herbeizitiert, trotz oder gerade wegen Stedefreunds Verwickeltseins und Tränenvergießens, Lürsens gedankenverlorenen Lavendelblümlein-zwischen-den-Fingern-Herumdrehens-und-an-Orangen-Riechens und des Durchs-Bild-Laufens einer jüngeren Ausgabe von Karlsen.
Ansonsten dient die Handlung vor allem dazu, den Zuschauer auf falsche Fährten zu locken. Wiewohl der doch längst ahnt: Kleinbürger wie -kriminelle sind viel zu doof für so ein gewieftes Verbrechen, das der Mord an Sonja Mesenburg laut Lürsen angeblich darstellt. Dass auch Stedefreund manchmal unerträglich lange auf der Leitung steht, erklärt sich wohl anders. Vermutlich guckt der einfach nur zu wenig Film und Fernsehen, sonst kennte er die übliche Methode des Fallenstellens nämlich zur Genüge. Und wüsste vielleicht auch, dass man, will man sich hinter einem Paravent verstecken, besser dessen Beleuchtung ausknipst. Selbst wenn die Knarre dann keinen so schicken Schatten mehr wirft (selten so gelacht beim Tatort, ehrlich!).
Per Königskinder traten außerdem zwei Männer ins Leben der mittels Schlag auf den Kopp stimmungsrenovierten Inga Lürsen. Den einen kennt sie schon, der heißt Paul und ist der Hund ihrer Tochter, die die Stadt verlassen hat, ohne der Mama Bescheid zu geben. Der andere heißt Adrian und ist – wenn Lürsen selbst noch eine Mama hat, dann freut die sich jetzt bestimmt – Arzt. Obwohl das ja, wegen des unüberwindlich tiefen Wassers siehe oben, eigentlich nicht gut ausgehen kann.
Unfreiwillig wahrer Satz I: "Warum bin ich denn da nicht drauf gekommen?"
Unfreiwillig wahrer Satz II: "Es ist manchmal schwer für uns, den Täter zu finden, aber wenn wir ihn haben, ist es kein Problem mehr, die nötigen Beweise zu bekommen."
Perfekte Besetzung: Bibiana Beglau als Sekretärin. Ist viel faszinierender als die ewige Redundanz ihrer ätherischen Ausstrahlung.
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Achso, ja, da ist ja noch der Titel. Um ehrlich zu sein, der war mir für die Dauer der Ermittlungen überhaupt nicht mehr präsent - und damit auch die Botschaft. Zum Politikum wird das private Schicksal für mich also erst durch die Kritik hier. Ein Erfolg also für Katrin Schuster (insofern danke). Ob der Tatort aber nun in meinem unerheblichen Fall für den Autor ein Erfolg war, kann ich unmöglich sagen. Das würde sich wohl danach richten, welche Intention der Autor verfolgt hat. Kein Erfolg: wenn dieser Tatort hauptsächlich für die Botschaft konstruiert worden ist, ich die Botschaft aber schlicht nicht gerafft habe. Doch ein Erfolg: der die Botschaft transportierende Titel ist eher nur draufgepappt worden, und der durchaus spannenden und reizvollen Handlung hat das nichts anhaben können.
Ich fand das Wetter immer wahnsinnig echt. So amorph irgendwie... |
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so schön das wetter war, so absurd war der schauplatz: alle handlung findet wie im theaterbühne an diesem hafenbereich statt, damit man im hintergrund das wahrzeichen von bremen ("cucumber-haus") sehen kann. öde
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Was für hervorragende potentielle Drehorte haben denn die 420 km² Bremen noch zu bieten? Ich kenne mich da leider nicht aus, bin nur einmal in Bremen gewesen, zum Umsteigen.
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schrieb am
08.02.2010 um 13:39
Bin zwar nicht aus Bremen, aber dieses Dubaiähnliche Haus steht doch in Bremerhaven (Atlantic Hotel Sail City), oder?
Schon komisch, daß die Lürsen und ihr Doktor sich zufällig 65km von Bremen entfernt treffen... |
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Eine irgendwie geartete sozialkritische Botschaft war nur schwer auszumachen. Die einzige Botschaft, die ich erkannt habe, war, dass "tatortmäßig" wieder alles beim Alten ist. In den letzten Wochen gab es doch einige Ausreißer nach oben und nach unten. Das war wieder die gewohnte 08/15-Tatort Dutzendware: man wollte zuviel und ist kläglich gescheitert. Das Selbstfindungsdrama von Lürsen kam etwas albern rüber und auch, dass Täter und Opfer dem Bekanntenkreis der Ermittler angehören ist nicht wirklich neu. Und so musste sich Stedefreund der eigenen Vergangenheit stellen, die -schlimm, schlimm- darin bestand, dass er mit seiner Freundin Schluss gemacht hat und von Bremerhaven nach Bremen gezogen ist.
Genau das wurde ihm von der Sekretärin vorgeworfen. Er habe sich ja vom Acker gemacht. Hallo, jemand zu Hause? Von Bremerhaven nach Bremen sind es 65 km. |
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interessanter ansatz, lebowski, das als norm zu begreifen, ich war ja eher der meinung, den schlechtesten tatort auf der ganzen welt gesehen zu haben, aber vielleicht ist da auch was dran. was gar nicht ging, war diese krankheit von lürsen, die postel mal dämlich grinsen ließ, die, wenn's um die ermittlungen ging, aber immer auf der höhe ihrer fähigkeiten war.
dann dieser inzest-kram, bei dem man nicht oft genug sagen kann, dass es für den zuschauer keinen unterschied macht, ob der typ, der einem als alter freund vorgestellt wird, nun alter freund ist oder großer unbekannter - man sieht es einfach nicht, wenn der typ zum ersten mal auftritt. |
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So ich gucke jetzt hier auch mal rein.
Wie schon in meinem Drei-Zeilen-Werk in der FC geschrieben: Man konnte blitzschnell rauskriegen, wers war. Der Stokowski wird für sowas immer gern genommen - er guckt ja schon so meineidig mit seinem Silberblick. Zur Verwirrung hatten sie noch die - tatsächlich immer hervorragende - Bibiana Beglau, aber irgendwie passte die nicht, wenn man an die Eingangsszene dachte. Die einzige Überraschung war für mich, dass der Schuft die Ehefrau persönlich erwürgt hatte. Alles andere war sowas von...naja eben so. |
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schrieb am
08.02.2010 um 11:57
Die Latte für den schlechtesten Tatort liegt hoch.
Nicht mal der letzte Woche mit der Furtwängler kommt da in die nähere Auswahl. Eindeutiger Favorit für den schlechtesten Tatort ist einer mit Robert Atzorn als Hamburger Kommissar. |
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Ich habe den Eindruck, die "Latte für den schlechtesten Tatort" liegt solange hoch, bis der nächste Tatort ausgestrahlt wird, dann liegt sie noch höher. Ich glaube so langsam begreife ich, worum es bei dieser Veranstaltung hier geht...
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schrieb am
08.02.2010 um 14:57
Der Tatort ist eine sehr kritisierbare Sendung und das macht anscheinend vielen Spaß...
Ich finde besonders die sozialkritischen Aspekte gut, die im Tatort beleuchtet werden. Gestern war davon nicht viel zu sehen, aber man kann sich ja auch über schrecklich konstruierte Dialoge zwischen Stedefreund und Bernd (Bruder der Ermordeten) freuen, bei denen die Emotionen einfach nicht glaubhaft wirken wollen. Wie im Artikel schon steht, es ist erschreckend, dass die Jelena so unbeachtet blieb. |
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18.03.2010
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