Kultur

Kulturkommentar | 13.01.2012 12:19 | Jo Hochfeld

Buhs im Internet

Im Internet regt sich Protest gegen das Berliner Schloßparktheater, weil es einen weißen Schauspieler schwarz schminkt. Ist das rassistisch?

Ein Theaterskandal am Berliner Schloßparktheater? Wann hat es das zuletzt gegeben? Aber: keine Buhs, kein vorzeitiges Verlassen der Aufführung von Ich bin nicht Rappaport – die Unmutsbekundungen sind ausschließlich im Internet zu finden, wo in wütenden Postings die sofortige Absetzung des Stückes und die Nachschulung der Theaterleitung in Anti-Diskriminierungstrainings gefordert wird. Das Theater antwortet lapidar, dass es mit der Besetzung eines Schwarzen durch einen Weißen „einer langen Theatertradition im deutschsprachigen Raum, die nicht rassistisch ist“, folge.

Blackfacing, das Schminken eines Weißen zur Darstellung eines Schwarzen, hat aber tatsächlich eine rassistische Tradition. In den amerikanischen "Minstrel Shows" machten sich weiße Schauspieler derart maskiert über die „tumben“ Schwarzen lustig.

In Ich bin nicht Rappaport, das Stück stammt aus den achtziger Jahren, gibt es diese Klischees nicht mehr. Es geht um zwei alte Männer – und nicht nur wegen deren Sehschwäche nur am Rande um die Hautfarbe. Als Midge (den der angemalte Joachim Bliese im Schloßparktheater spielt) erzählt, dass man als Schwarzer bestimmte Möglichkeiten im Leben gar nicht erst hat, holt Nat (Dieter Hallvorden) eine Lupe heraus, besieht sich Midges Gesicht und sagt: „Ach ja richtig, Sie sind ja schwarz!“

Aber selbst wenn man die Aussage, dass die Theatertradition in Deutschland in „keinem Zusammenhang mit einer rassistischen Betrachtungsweise steht“ einmal nicht hinterfragt, bleibt als Kern des Dissenses eine Frage: Kann das Schwarzanmalen eines weißen Schauspielers in einem deutschen Theater, das aus guter Absicht handelt, isoliert vom Kontext der Tumbheitsdarstellung, wie sie in den „Minstrel-Shows“ in Amerika geprägt wurde, betrachtet werden? Ist es, wie anderes Schminken, einfach nur ein Theatermittel oder wird durch den Griff eben zur „schwarzen“ Schminke, ob gewollt oder nicht, immer auch eine Verbindung zu der vergangenen rassistischen Praxis hergestellt?

Diese Frage führt zu der Überlegung, warum überhaupt die Figur des Midge, für die das Schloßparktheater nach eigener Auskunft keinen geeigneten afrodeutschen Darsteller gefunden hat, schwarz sein muss. Antwort: Weil es der Autor Herb Gardner testamentarisch so verfügt hat.

Da das Schloßparktheater mit seinem 76-jährigen Intendanten Dieter Hallervorden nach einem Stück über das ­Thema Alter gesucht hatte, das auch Probleme wie Armut und Diskriminierung nicht verschweigt, und es in ­diesem Bereich keine große Auswahl gibt, kam es an Ich bin nicht Rappaport nicht vorbei.

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Nun hat sich das Theater vor der Premiere vergeblich beim Verlag darum bemüht, das Stück ins Berlin der Gegenwart holen zu dürfen. Denn die Erzählung ist tatsächlich so universell, dass sie ohne weiteres auch von zwei Rentnern im Tiergarten handeln könnte. Gardners letzte Wille aber ist Verdikt, und deshalb bleibt der Spielort der New Yorker Central Park, Midge schwarz und Nat Jude.

Aufgrund des Urheberrechts gilt Gardners Anordnung noch 64 Jahre. Erst dann könnte das Stück bearbeitet werden. Man kann sich fragen, ob solches Zementieren künstlerischen Schöpfungswillens nicht zwangsläufig ins Museum führt. Vor allem kann man daran aber sehen, wie langlebig manche Geschichte sein kann – ob vertraglich festgeschrieben oder nicht.

 
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Kommentare
rolf netzmann schrieb am 13.01.2012 um 12:51
Zuerst fällt bei dem Autor des Kommentars der angenehm sachliche Ton auf, und, dass er auf auf das Urheberrecht hinweist, dass es aufführenden Bühnen verbietet, dieses Stück woanders als im Central Park und mit anderen Darstellern als dem Schwarzen Midge und dem Juden Nat aufzuführen.

Nun ist das Schlossparktheater das Lieblingstheater von mir und meiner Partnerin. Wir besuchen dort regelmäßig Aufführungen und sind immer wieder gern dort, weil die Qualität der Stücke, das Bühnenbild und die Darsteller beeindrucken. "Alexandra",das Bühnenstück über das Leben der Sängerin, war einfach ein glanzvoller Abend. ( Siehe meinen Blog dazu ). Dieter Hallervorden als Intendant hat den Mut, nicht nur Klassiker auf die Bühne zu bringen, sondern modernes Theater zu gestalten. Kabarett wie zu Silvester mit Arnulf Ratings "Stresstest Deutschland", übrigens sehr zu empfehlen, wechselt sich mit Lesungen, Solostücken und, ja auch, klassischem Theaterrepertoire ab.

Warum nun aber dieser angebliche Skandal? Kann das Blackfacing wie bei Bliese wirklich in einen Kontext zu den rassistisch motivierten Minstrel Show gesetzt werden? Oder ist es nicht die künstlerische Freiheit von Theatermachern, die ein Stück auf die Bühne bringen, das so universell geschrieben ist, dass es überall auf der Welt handeln könnte? Hallervorden hat sich nach eigenen Angaben um einen afroamerikanischen deutschen Darsteller bemüht und keinen gefunden.

Möglich ist auch etwas anderes. Die Vorwürfe des Rassismus kursieren im Internet, sind also auch anonym. Das Schlossparktheater ist ein privates Theater. Im Gegensatz beispielsweise zum hoch vom Berliner Senat geförderten Deutschen Theater erhält es keine staatlichen Zuschüsse. Allerdings hat es vor einiger Zeit von der Lottostiftung Berlin zur Sicherung des Spielbetriebes 600.000 Euro erhalten. Mehr als eine halbe Million, dass ist viel Geld, Zuwendungen, die andere freie, privat finanzierte Berliner Kultureinrichtungen auch gerne auf ihren Konten hätten.

Liegt hier der Grund, dass ein Theater, das ein fester Bestandteil der Berliner Kulturszene ist, das von den Zuschauern angenommen wird und innovativ ist, jetzt so angegriffen wird? Das Argument des Rassismus erscheint mir an den Haaren herbeigezogen und nicht stichhaltig. Eine Verbindung zu den Minstrel Shows, in denen schwarze US-Bürger verunglimpft wurden, ist hier nicht gegeben, zumal Hallervorden und sein Ensemble sich schon aus urheberrechtlichen Gründen strikt an die Originalfassung halten mussten.

Etwas mehr Gelassenheit und Respekt vor dem Ensemble des Schlossparktheaters wäre hier wirklich wünschenswert. Eine solche, auch unsachliche Schmutzkampagne, hat es nicht verdient.
Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 12:07
"Das Argument des Rassismus erscheint mir an den Haaren herbeigezogen und nicht stichhaltig. Eine Verbindung zu den Minstrel Shows, in denen schwarze US-Bürger verunglimpft wurden, ist hier nicht gegeben."

lieber rolf netzmann, so sehr ich mich bemühe, ihr gegenargument sagt eigentlich nur, nein, das ist nicht so, ohne etwas zu begründen. das finde ich nicht überzeugend. und so wenig ihnen jemand ihr lieblingstheater madig machen will: warum kann es einfach nicht sein, dass an der kritik etwas dran ist (den hinweis aufs privattheater finde ich wichtig, die überlegung, dass das alles nur ein vorwand von konkurrenten sei, aber abwegig - was interessieren sich rassismuskritiker für die berliner theaterlandschaft?), warum wird nur mehr "gelassenheit und respekt vor dem ensemble" gefordert, nicht aber, einmal gründlich darüber nachzudenken, warum diese kritik geäußert wird?
wahr schrieb am 13.01.2012 um 13:55
Ich habe die Diskussion im Internet nicht verfolgt. Aber: Ab wann gilt man denn im Sinne der testamentarischen Verfügung als ausreichend schwarz? Woran wird das fest gemacht? Am Melatoningehalt der Haut? Will sagen: Die testametarische Verfügung von Herb Gardner ist selbst auch schon rassistisch. Es wäre spannend gewesen, hätte sich das Theater mit den Rechteinhabern des Stücks darüber eine Auseinandersetzung geliefert, indem eben auf die Hautfarbe bei der Besetzung der Rolle keinen Wert gelegt worden wäre. Hätten die Rechtebesitzer dann geklagt? Darf eine rassistische testamentarische Verfügung überhaupt rechtlich gültig sein? Das Stück selbst thematisiert die Hautfarbe zwar offenbar nicht und wurde wahrscheinlich auch nicht desegen ausgewählt, aber ich hätte es spannend gefunden, hätte das Schloßparktheater sich einfach mal über die Verfügung hinweggesetzt.
rolf netzmann schrieb am 13.01.2012 um 14:59
@wahr, das ist sicherlich eine spannende Frage, die Sie stellen. Nur Ihre Schlußfolgerung, dass das kleine Berliner Schloßparktheater darüber eine rechtliche Auseinandersetzung führen sollte, ist falsch. Das würde die Existenz des Theaters gefährden, weil solche Auseinandersetzungen kostenintensiv und langwierig sind. Diese Aufgabe müssten entweder Interessenvertretungen der Afroamerikaner in den USA oder große Brodwaybühnen übernehmen, nicht ein kleines Berliner Theater.
Trotzdem ist es eine Frage, die diskussionswürdig ist, stellen Sie sie doch in der Communitie zur Diskussion.
wahr schrieb am 13.01.2012 um 16:08
Hiermit habe ich die Fragestellung(en) ja schon zur Verfügung gestellt.

Was das Theater auch hätte machen können: Den Schauspieler nicht schwarz anmalen, sondern ihn einfach so spielen lassen und gegenüber den Rechteverwaltern des Stücks behaupten, er wäre schwarz. Auf den "Gegenbeweis" wäre ich ebenfalls gespannt gewesen.
Alien59 schrieb am 13.01.2012 um 15:29
Und nun definieren wieder mengenweise Weiße, was rassistisch ist und was nicht.
Abgesehen davon, dass das Problem insbesondere auch durch die rassistische Einstellung entstand, dass schwarze Schauspieler nur Schwarze spielen können, daher nur ganz wenige eingestellt werden und dann eine solche Rolle nicht mit einem Schwarzen besetzt werden kann, würde ich doch mal die fragen, die es betrifft.
blog.derbraunemob.info/2012/01/11/deutscher-werberat-historische-amnesie-im-fall-schlosspark-theater-hallervorden-blackface/

Auch den link im ersten Kommentar sollte sich mancher hier mal antun.
Wolfram Heinrich schrieb am 14.01.2012 um 10:06
@Alien59
Abgesehen davon, dass das Problem insbesondere auch durch die rassistische Einstellung entstand, dass schwarze Schauspieler nur Schwarze spielen können, daher nur ganz wenige eingestellt werden und dann eine solche Rolle nicht mit einem Schwarzen besetzt werden kann...

So genau nimmt man es aber letztlich dann aber wieder nicht.

Grace Bumbry sang 1961 bis 1963 die Venus in Bayreuth (ein sensationeller Erfolg damals), sie sang sich aber auch durch das gesamte passende Opern-Repertoire, meistens Partien, bei denen von der Rolle her schwarze Hautfarbe nicht gerade nahelag - gelinde gesagt. Aber - und das ist wichtig - es war die schwarze Hautfarbe auch nicht wichtig für die Rolle, sie spielte keine Rolle.

Anders beim Othello (1), hier spielt die Hautfarbe eine Rolle, einerseits der hochgeachtete Bürger der Stadt, andererseits aber auch ein Außenseiter.

Und in der Tat haben Generationen weißer Schauspieler (oben Laurence Olivier) den Othello gespielt und sich dazu schwarz geschminkt. Kein Schwein hat sich aufgeregt.
Auch im hier in Rede stehenden Stück spielt die Hautfarbe eine gewisse Rolle, habe ich mir sagen lassen. Der schon etwas sehschwache alte Mann plaudert mit seinem Banknachbarn, mosert, glaube ich, auch gegen *****, bis ihn sein Gesprächspartner drauf hinweist, daß auch er einer sei. Der Weiße schaut ihn daraufhin aus Nähe an (sogar mit einer Lupe, glaube ich) und meint: "Stimmt."

Ciao
Wolfram
(1) Ein Tip für Reschieschenies: Spielt doch mal den "Othello" mit lauter ******, bis auf den Othello, den ein Weißer spielt. Das ist zwar albern, aber ihr kommt damit in die Zeitung, selbst wenn die Inszenierung in Kyritz an der Knatter stattfindet.

Der Kommentar wurde durch die Moderation editiert.
Wolfram Heinrich schrieb am 14.01.2012 um 12:56
"Ein Tip für Reschieschenies: Spielt doch mal den "Othello" mit lauter ******, bis auf den Othello, den ein Weißer spielt. Das ist zwar albern, aber ihr kommt damit in die Zeitung, selbst wenn die Inszenierung in Kyritz an der Knatter stattfindet."

Der Kommentar wurde durch die Moderation editiert.

Ich möchte die geschätzte Moderation drauf hinweisen, daß ich im Thread "Verräterische Sprache" (www.freitag.de/community/blogs/poor-on-ruhr/verraeterische-sprache) eine sehr ausführliche und - wie ich finde - differenzierte Diskussion über das Wort "*****" und seine Verwendung (oder eben Nicht-Verwendung) geführt habe. Dieser Thread ist zwar inzwischen (genau deswegen) für die weitere Diskussion gesperrt worden, das grauenvolle Wort taucht dort aber verdammt oft auf, manchmal in Anführungszeichen (weil nur das Wort gemeint war), manchmal nicht.
Konsequenterweise sollte auch hier das Wort entfernt werden, manche Kommentare lesen sich dann zwar etwas mühsamer, aber mei, wenn's denn der Korrektheit dient.
Im übrigen verweise ich erneut auf einen Artikel von Rudolf Walter Leonhardt, erschienen 1989 in der ZEIT. Der Artikel hatte den Titel "Unsere Sprache: Neger, Juden, Zigeuner - Über die Versuche, Schuldkomplexe terminologisch zu bewältigen".
pdfarchiv.zeit.de/1989/13/neger-juden-zigeuner.pdf

Ciao
Wolfram
Alien59 schrieb am 14.01.2012 um 14:53
Und ich empfehle dir, gerade auch im Hinblick auf den früheren thread, die Lektüre der von mir verlinkten Seite. Dringend.
Wolfram Heinrich schrieb am 14.01.2012 um 15:03
@Alien59
Und ich empfehle dir, gerade auch im Hinblick auf den früheren thread, die Lektüre der von mir verlinkten Seite. Dringend.

Da steht auch nicht mehr drin als hier schon zu lesen war.

Ciao
Wolfram
Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 15:18
lieber wolfram heinrich,

ich will nicht verhehlen, dass ich eigentlich gar keine lust habe, ihnen zu antworten (deshalb bin ich vorhin auf ihren kommentar auch nicht eingegangen). aus einem einfachen grund: ich habe – auch nach der lektüre ihrer äußerungen in dem thread, auf den sie verlinkt haben – den eindruck, dass sie einfach nicht verstehen wollen, worum es bei der ganzen angelegenheit geht.

wenn meine folgenden äußerungen arrogant klingen sollten, dann ist diese arroganz ausdruck meiner unlust, auf ihre angeblich differenzierte diskussion des wortes einzugehen. die ist nämlich leider über nicht differenziert, sondern bloß die alte leier ("heißt schwarz auf latein", "sagen die doch selber", "haben wir vor 40 jahren gesagt und es hat sich keiner daran gestört") von leuten, die nicht verstehen wollen, die sich mit ignoranz gegen ein wissen schützen, das gewusst werden kann. ihr gewährsmann ist rudolf walter leonhardt mit einem ollen text aus der zeit. mal abgesehen davon, dass 1989 über 20 jahre her ist, wage ich zu behaupten, dass rw leonhardt schon damals nicht zu den leuten gehört hat, die in dieser frage mehr wollten als ihre ruhe, die imstande gewesen wären zu begreifen, was für eine anmaßung in sätzen steckt wie "ich möchte weiterhin das und das sagen". es geht hier nämlich nicht darum, was rw leonhardt will. es geht darum, dass man menschen diffamiert, dass man eine unendlich große gruppe von unendlich verschiedenen menschen konstruiert aufgrund eines einzigen, dummen differenzmerkmals, das sie aus sicht von uns weißen haben. und dass auf diesem ticket jahrhundertlang eine ideologie von zurücksetzung, ausbeutung, sklaverei, mord gefahren ist, auch wenn sie das in ihrer privatsemantik ignorieren glauben zu können.

es ödet mich an, immer wieder bei null anzufangen, etwas zu erklären, was am ende doch nicht verstanden werden will. wenn sie etwas verstehen wollen, dann lesen sie die texte, die Alien59 weiter oben verlinkt hat. oder lesen sie den text, den ich weiter unten schon einmal verlinkt habe und den ich hier auch gerne noch mal verlinke - da stehen alle antworten auf ihre scheinbar differenzierte diskussion schon drin, vorausgesetzt, sie sind bereit, etwas verstehen zu wollen. der text ist übrigens 3 jahre alt
www.freitag.de/kultur/0904-obama-rassismus-faz-dummy-nazis-deutschland
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 14:30
@Matthias Dell
es geht darum, dass man menschen diffamiert, dass man eine unendlich große gruppe von unendlich verschiedenen menschen konstruiert aufgrund eines einzigen, dummen differenzmerkmals, das sie aus sicht von uns weißen haben. und dass auf diesem ticket jahrhundertlang eine ideologie von zurücksetzung, ausbeutung, sklaverei, mord gefahren ist, auch wenn sie das in ihrer privatsemantik ignorieren glauben zu können.

Es scheint, wir kommen allmählich auf den Punkt. Es geht Ihnen im Grunde gar nicht um das richtige, sprich: nicht diskriminierende Wort: Neger, Schwarzer, Farbiger, Afro-Amerikaner, Afro-Afrikaner etc. pp. Das Ärgernis ist für Sie der Umstand, daß Menschen überhaupt in verschiedene Rassen eingeteilt werden, richtig? Wobei diese Einteilung letztlich belanglos wäre, ergäben sich nicht aus der Zuschreibung eines Menschen zu einer dieser Rassen sehr häufig böse bis sehr böse Konsequenzen.
Da kann und will ich Ihnen nicht widersprechen. Schon die bloße Einteilung der Menschen in verschiedene Phänotypen (damit hier der Begriff "Rasse" vermieden wird) ist eine erlernte Sache, die Abwertung bestimmter Phänotypen in bestimmten sozialen Zusammenhängen ist es ohnehin. Wenn in den fünfziger Jahren die Amerikaner ihre Panzer durch Eggenfelden rollen ließen, dann schauten aus den Panzern meistens Schwarze raus. Als Kind hat mich das nicht irritiert, das war einfach so. Punkt.
Und der "Neger Oskar" (so nannten wir ihn, dem - diskriminierenden, gewiß - Sprachgebrauch der Erwachsenen arglos folgend), der bei uns auf der Wiese gelegentlich mitkickte, war halt schwarz (eigentlich ja eher braun, denn er war ein Besatzungskind). Mei. Daß er wesentlich eleganter spielte als wir anderen, war selbstverständlich, denn 1958 war Brasilien Weltmeister geworden, der gerade mal 17 Jahre alte Pelè war der große Star, und so war uns allen klar, daß Schwarze halt eleganter spielen als Weiße. Erst Beckenbauer hat mir dieses (positive) Vorurteil zerstört, aber da war ich schon so leidlich erwachsen und meine Weltsicht nicht mehr ganz so naiv.
Das Kreuz mit den Rassen ist aber, daß diese Einteilung nun mal existiert, es ist immer noch in sehr vielen Weltgegenden absolut nicht wurscht, welche Tönung deine Hautfarbe hat. Solange das so ist, kannst du die Rassen oder Phänotypen nicht einfach wegphilosophieren.
Zwischen dem Weißen Mann und dem Großen Rest der Welt ist immer noch eine große Rechnung offen, sie ist nicht befriedigend beglichen. Und solange diese Rechnung noch offen ist, sollten wir uns sehr hüten, den Teil der Welt, dem wir noch etwas schuldig sind, weg zu definieren.
Gerade lese ich, ein Verlag in Alabama habe eine Neuausgabe von "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" herausgebracht. Der "Nigger Jim", der bei Mark Twain vorkommt, wird in dieser Neuausgabe "Sklave Jim" genannt.
Der (schwarze) Schriftsteller und Bürgerrechtler Ishmael Reed meinte dazu: "Statt auf Wörterjagd zu gehen, sollten die Zensoren die 130 Jahre alten Bücher lieber mal lesen: «Sie würden feststellen, dass der 'Nigger' Jim mehr Tiefgang und Profil hat als die Schwarzen, die man heute in Film, Theater und Literatur findet.»
Und Mark Twain hatte einst in seiner Autobiographie geschrieben: "Ich habe bestimmt keine Rassen-, Standes- oder religiösen Vorurteile. Es genügt für mich, zu wissen, jemand ist ein Mensch – schlimmer kann er nicht sein."
Abschließend noch eine Anmerkung zur "Ideologie von Zurücksetzung, Ausbeutung, Sklaverei, Mord". Der Weiße Mann (im übrigen auch der Braune Mann von Allahs Gnaden) hat nicht deshalb die Neger versklavt, weil er sie für minderwertig - und letztlich nur ansatzweise für menschlich - hielt, sondern er hat Sklaven gebraucht. Die Indios vor Ort sind ihm in den Bergwerken und Plantagen in großer Zahl verreckt (aus welchen Gründen immer), er hat Ersatz in Afrika gefunden. Und weil er die Schwarzen als Sklaven gebraucht hat, hat er sich eine Ideologie gebastelt, in der Neger als eine Art Zwischenstufe zwischen Affe und Mensch vorkamen. Die Kausalkette läuft also andersrum.

Ciao
Wolfram
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 01:13
Vielleicht kann man die Geschichte auch wieder auf ein normales Niveau herunter bekommen, in dem man einmal annimmt, dass Herb Gardner die Figuren bewusst, für 1984, so anlegte, weil Rassismus in dem Stück, entgegen der bisher nicht belegten Behauptungen, in den Vaudeville-Anspielungen, in vielen Wortwechseln, und natürlich in der Realität New Yorks, eine große Rolle spielt. - Das kommt ja auch in dem Spiel Judd Hirschs und Cleavon Littles, oder dann in der Verfilmung, mit Walter Matthau und Ossie Davis, die Gardner selbst besorgte, zum Ausdruck.

Von wegen unpolitisch. Der Trailer: www.youtube.com/watch?v=Dq9UNrov_YI&feature=related

Der Vaudeville-Sketch (Nachfolge des Minstrel als populäres Theater), als Basis für den Titel und eine Szene,kann hier nachvollzogen werden:

en.wikipedia.org/wiki/I%27m_Not_Rappaport

Wie also eine Bühne, die gerne ihre Ensemble-Leute spielen lassen möchte, damit umgeht, das ist dann eher eine Frage von Weitblick und Möglichkeiten, denn farbige Schauspieler gibt es durchaus, die das hätten spielen können. Frage ist, haben sie Zeit und auch Lust. Das Stück ist ein Selbstläufer und auch das völlig zu Recht.

Das "Blackface" ist bestimmt auch schon älter als die Minstrel-Bühne, auf der es, genau wie bei weißen Dixie - und später sogar noch Swing-Musikern, auch zur Untermalung einer Stimmung genutzt wurde, als nämlich Weiße ein aus der Alltagswelt der Schwarzen stammendes Kulturmuster sich aneigneten und anerkannten. Ursprünglich rein rassistisch in der Anlage, brachte der Vorkrieg und dann der Bürgerkrieg viele Veränderungen. Ja, schon vorher gab es schwarzes Minstrel-Ensemble, die stark musikorientiert waren und als authenatisch galten. Ab den 1880er Jahren löst dann die Vaudeville-Bühne die doch sehr urtümlichen Darbietungen des M. ab.

"Blackface" - gabe es schon bei den Festen und Operninszenierungen des Barock.

Einige anderere Gründe, warum z.B. jüdische Autoren und Schauspieler Blackface häufig nutzten,
erklärt:

"Blackface, White Noise: Jewish Immigrants in the Hollywood Melting Pot"
Michael Rogin
University of California Press

Die verständliche und kurze Rezension dazu mag jeder der will, hier nachlesen:

bostonreview.net/BR22.1/prose.html

(Bitte auf der Review-Seite ein wenig nach unten scrollen)

Grüße
Christoph Leusch
g. schrieb am 14.01.2012 um 06:52
Lieber Herr Leusch, herzlichen Dank für die Recherche. Mir ist ja bereits in dem Kommentar von Jo Hochfeld (der vielleicht auch recherchieren hätte sollen) unangenehm aufgestoßen, dass nongalant über die Verfügung des Autors zu einem Urheberechtsbashing übergeleitet wird. Wenn man bedenkt, wie ignorant Kommentator und Theater über das Stück von Herb Gardner weglatschen und wesentliche Bedeutungsebenen einfach weginszenieren, ist die Verfügung des Urhebers mehr als berechtigt. Von daher ist es keineswegs an den Haaren herbeigezogen, wenn sich „im Internet Protest regt“. Die Theaterleitung wäre gut beraten gewesen, mal zu reflektieren, warum das Stück einen Juden und einen Afroamerikaner auf die Bühne bringt.
Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 12:19
lieber columbus,
ich würde nicht "farbig" sagen. man beleidigt damit andere menschen, auch wenn das vielleicht gar nicht beabsichtigt ist
www.freitag.de/kultur/0904-obama-rassismus-faz-dummy-nazis-deutschland
Wolfram Heinrich schrieb am 14.01.2012 um 12:52
@Matthias Dell
ich würde nicht "farbig" sagen. man beleidigt damit andere menschen, auch wenn das vielleicht gar nicht beabsichtigt ist

Herrgottsnein, gibt’s denn in der ganzen FREITAGs-Community nicht einen einzigen *****, der mal erklären könnte, wie er als ***** den ganzen semantischen Eiertanz um dieses vermaledeite Wort empfindet?

Ciao
Wolfram
P. S.: Diesmal habe ich meinen Kommentar selber editiert und jenes grauenvolle Wort, das sich direkt aus dem lateinischen Wort für "schwarz" ableitet, selber durch Sternderl ersetzt. Ich bitte, dies zu würdigen. Gell.
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 15:30
Black is the colo(u)r of my true love...

Sie haben völlig Recht. Schwarzer Schauspieler, das wäre da viel passender gewesen. Ich habe einfach aus dem amerikanischen Englisch der Rezensionen "farbig" hingeschrieben und weiß, auch aus eigenen Kontakten, dass dies unter Schwarzen nicht unüblich ist.

Andererseits führt eine nicht Kontext gebundene P.C., die nicht nach Motiven und konkreten Absichten fragt, also schlicht danach, ob der Schreiber oder Sprecher damit beleidigen, diskriminieren, verleumden will, zum glatten Gegenteil dessen, was ursprünglich Absicht war und auch sinnvoll ist.

Die Rassisten unter uns, ein paar Prozent bleiben wohl selbst den besten aller denkbaren Gesellschaften nicht erspart, sonst wären diese, auch utopischen Gesellschaften nicht gut, es müsste sonst strenge Repression herrschen, lassen sich von P.C. nicht beeindrucken.

Einen generellen, grundsätzlich unterliegenden Rassismus in Deutschland, den vermag ich allerdings nicht zu erkennen, es sei denn, der Begriff wird sehr gedehnt.

Ich sehe das wie Sie, P.C. kann emanzipieren, ein emanzipatorisches Projekt sein.

Aber, mit Bezug auf ihren Artikel, wäre mir z.B. wichtig, ob z.B. die Karrikatur des Weißen Hauses
in Schwarz in einem rassistischen Zusammenhang steht. Also ob in dem Umfeld, auf der Seite etwas Entsprechendes zum Ausdruck kommt, usw.
- Sonst schlägt doch P.C. vom Instrument der Aufklärung in eines der Gegenaufklärung um.

Sie fragten ja, warum Berlusconi sich entlarvt, der angenommene, ubiquitäre Rassismus aber nicht. Es liegt an dem, was nach dem "und" im Satz steht, "und sogar gebräunt". Einmal abgesehen davon, wie gerade in Afrika oder in Südamerika mit den Variationen an Hautfarbe ganz klassisch Diskriminierung betrieben wird und in den Staaten regelmäßig Diskussionen dazu flackern, hat das jeder verstanden. Berlusconi wollte den Präsidenten beleidigen. Er testierte und erklärt für gefälscht: "sogar gebräunt". - Ich denke, davon lassen sich andere Reaktionen, insbesondere manche der deutschen oder der amerikanischen Presse abgrenzen, die auf das historische Ereignis, erstmals zieht ein Schwarzer ins Weiße Haus ein, reagierten.

Mit dem "wir weiße Deutsche", wiederum, habe ich dann mein Problem, weil ich diese darin enthaltene doppelte Generalisierung nicht mag. Ich bin schon viel im Land unterwegs gewesen und würde sagen, dass gerade hierzulande, außerhalb der großen Stadtzonen, die "Eingeborenen" immer noch sehr große, sichtbare regionale Unterschiede aufweisen. Sie könnten auch in unterschiedlichen Ländern leben, es fiele nicht auf, ist auch die Standardsprache auf dem Amt, beim Arzt oder in der Schule Deutsch.

Wichtig finde ich aber auch, auf Ron Williams, stellvertretend, zu hören und einen Menschen so anzusprechen, wie er es sich wünscht. Nicht- P.C. wäre es dann, wenn, das ist der typische Weg in die Beleidigung und Weiteres, man fortfährt, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 15:30
Black is the colo(u)r of my true love...

Sie haben völlig Recht. Schwarzer Schauspieler, das wäre da viel passender gewesen. Ich habe einfach aus dem amerikanischen Englisch der Rezensionen "farbig" hingeschrieben und weiß, auch aus eigenen Kontakten, dass dies unter Schwarzen nicht unüblich ist.

Andererseits führt eine nicht Kontext gebundene P.C., die nicht nach Motiven und konkreten Absichten fragt, also schlicht danach, ob der Schreiber oder Sprecher damit beleidigen, diskriminieren, verleumden will, zum glatten Gegenteil dessen, was ursprünglich Absicht war und auch sinnvoll ist.

Die Rassisten unter uns, ein paar Prozent bleiben wohl selbst den besten aller denkbaren Gesellschaften nicht erspart, sonst wären diese, auch utopischen Gesellschaften nicht gut, es müsste sonst strenge Repression herrschen, lassen sich von P.C. nicht beeindrucken.

Einen generellen, grundsätzlich unterliegenden Rassismus in Deutschland, den vermag ich allerdings nicht zu erkennen, es sei denn, der Begriff wird sehr gedehnt.

Ich sehe das wie Sie, P.C. kann emanzipieren, ein emanzipatorisches Projekt sein.

Aber, mit Bezug auf ihren Artikel, wäre mir z.B. wichtig, ob z.B. die Karrikatur des Weißen Hauses
in Schwarz in einem rassistischen Zusammenhang steht. Also ob in dem Umfeld, auf der Seite etwas Entsprechendes zum Ausdruck kommt, usw.
- Sonst schlägt doch P.C. vom Instrument der Aufklärung in eines der Gegenaufklärung um.

Sie fragten ja, warum Berlusconi sich entlarvt, der angenommene, ubiquitäre Rassismus aber nicht. Es liegt an dem, was nach dem "und" im Satz steht, "und sogar gebräunt". Einmal abgesehen davon, wie gerade in Afrika oder in Südamerika mit den Variationen an Hautfarbe ganz klassisch Diskriminierung betrieben wird und in den Staaten regelmäßig Diskussionen dazu flackern, hat das jeder verstanden. Berlusconi wollte den Präsidenten beleidigen. Er testierte und erklärt für gefälscht: "sogar gebräunt". - Ich denke, davon lassen sich andere Reaktionen, insbesondere manche der deutschen oder der amerikanischen Presse abgrenzen, die auf das historische Ereignis, erstmals zieht ein Schwarzer ins Weiße Haus ein, reagierten.

Mit dem "wir weiße Deutsche", wiederum, habe ich dann mein Problem, weil ich diese darin enthaltene doppelte Generalisierung nicht mag. Ich bin schon viel im Land unterwegs gewesen und würde sagen, dass gerade hierzulande, außerhalb der großen Stadtzonen, die "Eingeborenen" immer noch sehr große, sichtbare regionale Unterschiede aufweisen. Sie könnten auch in unterschiedlichen Ländern leben, es fiele nicht auf, ist auch die Standardsprache auf dem Amt, beim Arzt oder in der Schule Deutsch.

Wichtig finde ich aber auch, auf Ron Williams, stellvertretend, zu hören und einen Menschen so anzusprechen, wie er es sich wünscht. Nicht- P.C. wäre es dann, wenn, das ist der typische Weg in die Beleidigung und Weiteres, man fortfährt, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 15:34
Elendes Doppelposting (s.u.). Es fehlte noch die Bezugszeile. C.L.
ad Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 12:19
anna T. schrieb am 14.01.2012 um 15:46
@Wolfram 12:52 h
ich verstehe Dich. Da die Farbe schwarz im lateinischen niger und auf spanisch und ital. negro heißt ist es unverständlich wieso du es nicht ins deutsche übersetzen darfst.ABER es ist definitiv negativ besetzt und rassistisch.Deshalb heißen Dickmänner auch so und nicht mehr *****kuss.

Ich persönlich möchte im Theater oder in der Oper auch keine "angemalten" Schwarzen sehen. Es hat etwas albernes und herablassendes. Wenn ich in Afrika ins Theater gehe ,pinseln die Schauspieler sich auch nicht weiß an um einen Weißen zu spielen oder doch ?
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 15:57
ad g. schrieb am 14.01.2012 um 06:52:

Na, Herrn Hochfelds kurzer Artikel war eher ein Hinweis auf diese Webdiskussion und das Theater-Publikum freut sich sicher an fast jedem Stück auf Hallervordens Bühne. Denn, auch wenn ich die Figur "Didi" nicht sonderlich schätzte, halte ich den Bühnenmenschen Hallervorden für einen der sein Handwerk beherrscht und seine Bühne am Leben erhält.

Sie sprechen den wichtigsten Punkt an. Es müsste jemand hin gehen und schauen, was aus "I´m not Rappaport" wurde. Steckt noch drin, was Herb Gardner wollte oder wurde es Klamotte?
Der letzte Wille des Autors hat etwas damit zu tun, diesen Abschliff, so lange es irgendwie geht, zu verhindern.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 16:07
lieber columbus,
es freut mich, dass sie einen solchen satz schreiben: "Sie haben völlig nicht Recht." nicht weil ich es besonders toll finde, recht zu haben, sondern weil es zeigt, dass sie argumenten gegenüber offen sind. das ist, in solchen diskussionen, eine rare eigenschaft, lehrt meine persönliche erfahrung.

dass ich in dem text unrecht hatte in zwei punkten, weiß ich heute. bei der karikatur habe ich seinerzeit eine entscheidende referenz übersehen - die karikatur spielt an auf george clintons klassiker "paint the white house black". auch wenn ich sagen würde, dass es in diesen debatten einen unterschied macht, wer etwas sagt, würde ich sagen, dass vor dem hintergrund des george-clinton-songs die karikatur einen anderen, heiteren, netten ton bekommt. dass ich das damals übersehen habe, kann ich mir nur damit erklären, dass mir in greser&lenz-karikaturen, bei allem was ich an denen schätze, öfter aufgefallen war, dass es eine lust gibt, ***** zu sagen, dass es darstellungen von schwarzen gibt, die kolonialistische klischees bedienen. ist für den konkreten fall aber keine entschuldigung.

der andere punkt, den ich heute anders sehe, ist die frage einer positiven lesart von "pc". die finde ich richtig, würde das aber nicht mehr "pc/non-pc" nennen, weil mit diesem diskurs nichts anzufangen ist. das auszuführen, würde hier zu weit führen.

bei berlusconi würde ich auch heute noch sagen, dass die wahrnehmung nicht an seinen worten liegt, sondern an seinem ansehen. sicherlich ist rassismus auch ein sehr weiter begriff, er bezeichnet aber nicht nur eine ideologie, sondern auf ebene der sprache eben auch diffamierungen, die auf der schwarz/weiß-differenz aufbauen. diesen unterschied habe ich in dem text deutlich zu machen versucht, in dem ich die sprechweisen (und nicht die sprecher) als rassistisch bezeichnet habe.

was mich auch freut: dass sie sich gegen die generalisierung "wir weiße deutsche" wehren - das war durchaus intendiert, dass der text den perspektivwechsel vollzieht, indem er einmal in die andere richtung generalisiert. wenn sie da schon zu viele verschiedenheiten unter einem untauglichen rubrum versammelt sehen, dann hilft das ja vielleicht auch zu verstehen, wie das für "schwarze" sein muss. anders gesagt: aus unserer beschränkten weißen perspektive würden wir im leben nicht draufkommen, als gemeinsamkeit des britischen premiers, einer frau in italien und thomas gottschalk "weiß" anzuführen. umgekehrt hätten wir aber kein problem damit, eine frau aus uganda, den amerikanischen präsidenten und ron williams als "schwarz" in einen topf zu werfen.

was man daraus lernen kann? dass diese unterschiede tatsächlich nur in diskussionen wie dieser eine rolle spielen (und dann eben nüchtern, nicht diffamierend benannt werden sollten). für alles andere aber braucht man diese unterscheidung nicht
Phineas Freek schrieb am 14.01.2012 um 20:15
Wo die lieben Leute in einer freien, schönen und demokratischen Welt leben, in der DEREN sich immer brutaler Platz schaffende Rassismus, nicht nur nicht zur Kenntnis genommen wird, sondern erst gar nicht begriffen – weil er nämlich schon längst Teil der eigenen ausschließlich moralischen Denke geworden ist.
Und diese „antirassistische“ Dummheit generiert sich dann umso mehr in dieser bescheuerten PC-Sprachhygiene, desto weniger der Zweck ALLER Rassismen (und genau auch der R. der ganz prächtig und aktuell OHNE äußerliche Rassemerkmale auskommen kann und angeblich DESWEGEN keiner sein soll!) ins Bewusstsein rückt: als taugliches Mittel HERRSCHAFTLICHER BENUTZUNGSVERHÄLTNISSE!!

Schmiert sich eine Knallcharge Schuhcreme ins Gesicht schwillt die empörte Brust „antirassistischer“ Sprachbereiniger fast bis zum bersten an – wird das gesellschaftlich NOTWENDIGE Scheitern eines Großteils der Leute in der Konkurrenz mit mangelnder Begabung, fehlenden Ernst, Fleiß, mangelnden Verantwortungsbewusstsein und Intelligenz begründet: stimmt er zu und will nicht bemerken, dass er auf diese Weise den Zweck der inkriminierten Bezeichnung „Neger“ TEILT.

Was für elendige Gehirnspender!
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 21:15
ad Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 16:07

Genau, nüchtern bleiben und wie ich,- Sie sicher auch-, davon ausgehen, dass es Rassisten zwar einmal zum Krawall in die dFC verschlägt, aber eben solche völlig honorigen, aber auch einmal "sturen" (SuzieQ) Leute, wie Herr Heinrich, es gar nicht bis an die Basis-Stufen des Rassismus heran schaffen, weil der ihnen zutiefst zuwider ist.
-Ich schreibe jetzt nicht das könnte unter Umständen regionaltypisch sein, weil , wie es die Sturheiten eben bei jedem gibt und das dann schon Regionalrassismus sein könnte (;-)).

Derweil reitet aber ein weißer deutscher Lippizaner durch die Gemeindehallen und größeren Buchhandlungsmanegen und verbreitet den Unsinn seiner roten Bibel im TB. Leider fehlt ihm schon länger ein wenig spanische Hofreitschule (mal´kräftig ein paar publizistische Dressuren), und so darf er offiziell weiter an Mendel glauben und predigen, ohne wenigstens von seiner Partei gestoppt zu werden. Da platzt die Erbse.

Der Fauxpas Berlusconis ist doppelt schlimm, weil er so viel Macht, zumindest in Italien, hat(te).

Die schlimmsten Ecken allerdings, einer alltäglichen und dauerhaften Diskriminierung entlang von Äußerlichkeiten, die finden sich ausgerechnet auf meinem Lieblingskontinent Afrika. Was sich dort kleinste ethnische Splitter entlang von Schwarz in Abschattung, Augenstellung, Kleidung und Körperform nachsagen und auch antun, das wäre hier mittlerweile und glücklicherweise, undenkbar.
Solche dunklen Ecken gibt es wohl auch auf dem indischen Subkontinent.

Hallervorden ist einer, mit dem man reden kann. Er soll, s.u., seine Werbung ändern wollen.
Aber grundsätzlich muss ich sagen, bin ich für sehr weitgehende Freiheit in der Kunst und auf der Bühne und dafür, P.C.-Monitoring, was leider in den USA im Grunde ein Hauptthema der Kommentierung wurde, so spät wie irgend möglich einzuschalten.

Bezüglich des Stückes bleibt nur, die Überprüfung am Objekt. Schafft es das Ensemble, oder eben nicht, dem gerecht zu werden.

Liebe Grüße

Christoph Leusch
GEBE schrieb am 15.01.2012 um 23:51
@ anna T

anna T. schrieb am 14.01.2012 um 15:46 @Wolfram 12:52 h

“ABER es ist definitiv negativ besetzt und rassistisch.“

Nein, ist es nicht! Tatsächlich hat nur die Behauptung, es sei dieses, Oberhand gewonnen - und damit politische Deutungshoheit. Es ist schlichtweg für politische Deutungshoheit annektiert worden.
Matthias Dell schrieb am 16.01.2012 um 11:37
GEBE!
was sie alles an hintergründen kennen, man könnte meinen, sie seien einer dieser experten, von denen man neuerdings immer liest. haben sie das studiert? und: kennen sie weitere details? wann hat die behauptung denn die oberhand gewonnen? führte sie ihren erfolgreichen feldzug im morgengrauen aus? oder beim skat? und wie geht es der annektierten politischen deutungshoheit zur zeit - ist sie bester gesundheit oder leidet sie unter den spätfolgen? floss blut? wer führte die feindlichen truppen? wann werden Sie zum gegenschlag ausholen? fragen über fragen, verschonen Sie uns bitte nicht mit ihrem exklusiven insiderwissen!
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 14:43
@Columbus
Sie haben völlig Recht. Schwarzer Schauspieler, das wäre da viel passender gewesen. Ich habe einfach aus dem amerikanischen Englisch der Rezensionen "farbig" hingeschrieben und weiß, auch aus eigenen Kontakten, dass dies unter Schwarzen nicht unüblich ist.

Diese Akzeptanz von "farbig" scheint aber doch im Abnehmen begriffen zu sein.
www.dailymotion.com/video/x4t06k_tongue-forest-and-you-got-the-f-ner_music

Andererseits führt eine nicht Kontext gebundene P.C., die nicht nach Motiven und konkreten Absichten fragt, also schlicht danach, ob der Schreiber oder Sprecher damit beleidigen, diskriminieren, verleumden will, zum glatten Gegenteil dessen, was ursprünglich Absicht war und auch sinnvoll ist.

Mir scheint es ein Versuch zu sein, die Lufthoheit über die Semantik zu bekommen. Doppelplusungut, das Ganze.

Die Rassisten unter uns (...) lassen sich von P.C. nicht beeindrucken.

Gäbe es da nicht ein paar Starrsinnige, die sich dem Sprachdiktat nicht beugen wollen, so könnte man jetzt aber ganz einfach die Rassisten schon im lockeren Gespräch herausfiltern. Obwohl, wenn es nicht so wäre, würden die Rassisten Kreide fressen: "Ich habe nichts gegen Afro-Amerikaner, aber..."

Ciao
Wolfram
GEBE schrieb am 16.01.2012 um 14:45
Herr Dell,

ich enthalte mich zu Ihrem Sprechblasen-Potpourie, denn solch einfältiges Blubbern, wie Sie es hier abgesondert haben liegt mir nicht.
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 14:47
@anna T.
Da die Farbe schwarz im lateinischen niger und auf spanisch und ital. negro heißt...

Auf Italienisch heißt die Farbe "nero" und der Neger heißt (immer noch) "negro".

"Diventare nero" heißt zum einen "(durch die Sonne) braun werden", es bedeutet aber auch "außer sich geraten, sich schwarz ärgern".
Kuriosität am Rande: Das Liedl ist aus den sechziger Jahren, die (in Deutschland im Radio oft gespielte) Platte konnte damals in Italien nur unter dem Ladentisch gehandelt werden. Das auf dem Cover abgebildete Mädel war zu... äh, nackt, also nicht SC (sexually correct).


ABER es ist definitiv negativ besetzt und rassistisch.

Deshalb benutzte das Wort "negro" auch der Ku-Klux-Klan-Führer und Negerhasser Malcolm X das Wort so gerne.

Es lohnt sich übrigens, sich den knapp zwei Minuten langen Redeausschnitt anzuhören. Ich habe normalerweise erhebliche Schwierigkeiten, gesprochenes Kaugummi-Amerikanisch zu verstehen, Malcolm X artikuliert aber vorbildlich. An anderer Stelle nennt Malcolm übrigens den house negro (womit er unter anderem Martin Luther King meinte) auch "uncle tom nigger". King hat seine Sanftmut so wenig genützt wie Malcolm seine Scharfsicht. 1965 wurde Malcolm X durch einen house negro erschossen, 3 Jahre später Martin Luther King durch einen weißen Rassisten.

Ich persönlich möchte im Theater oder in der Oper auch keine "angemalten" Schwarzen sehen. Es hat etwas albernes und herablassendes.

Ach was.

Albern? Herablassend? Hätte sich Laurence Olivier in seiner natürlichen Hautfarbe auf die Bühne stellen sollen? Wo doch die Hautfarbe eine Rolle spielt in diesem Stück...

Ciao
Wolfram
anna T. schrieb am 16.01.2012 um 16:14
@wolfram zu mir um 14:47 h

nera ,nero...stimmt,aber siehe :

Dictionarist.com
German Italienisch - Deutsch - negro
n. neger, nigger, schwarze
adj. schwarz

>Deshalb benutzte das Wort "negro" auch der Ku-Klux-Klan-Führer und Negerhasser Malcolm X das Wort so gerne.<

Ämmm?

MalcomX war u. a. ein großer Zyniker...

L.O. soll den Otello zwar großartig gespielt haben,aber hätte man einen Schwarzen genommen...das war zu der Zeit wohl nicht möglich...Rassendiskriminierung...!

So.. und hättest du jetzt noch ein lustiges Bildchen von einem Schwarzen, der weiß anmalt ist , weil er einen Weißen darstellen soll ?

sei gegrüßt
Matthias Dell schrieb am 16.01.2012 um 16:20
GEBE!
potpourri, es heißt potpourri, oder wenn Sie's französisch wollen potpourrie, aber nicht potpourie.
ansonsten enttäuschen Sie mich. Sie enttäuschen mich sogar sehr. hatte nach ihren beiden, ach was: nach ihren wegweisenden beiträgen das gefühl, dass Sie genau der richtige, wenn nicht der einzige mann sind für "einfältiges geblubber". und jetzt ziehen Sie sich beleidigt davon zurück? tss, tss. werden Sie uns demnächst mit argumenten kommen? mit geist? qualität?
fragen über fragen.
und nicht vergessen: potpourri. potpourri.
anna T. schrieb am 16.01.2012 um 16:39
@wolfram

house negro...

Malcolm X., ein muslimischer Anführer der Schwarzenbewegung in den USA, wird am 21. Februar 1965 in Harlem (New York) auf offener Straße von Mitgliedern der "Nation of Islam" erschossen.

house negro?
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 17:58
@Columbus
Genau, nüchtern bleiben und wie ich,- Sie sicher auch-, davon ausgehen, dass es Rassisten zwar einmal zum Krawall in die dFC verschlägt, aber eben solche völlig honorigen, aber auch einmal "sturen" (SuzieQ) Leute, wie Herr Heinrich, es gar nicht bis an die Basis-Stufen des Rassismus heran schaffen, weil der ihnen zutiefst zuwider ist.

Rassismus ist mir schon "zutiefst zuwider", der Punkt aber ist: Ich habe Rassismus nie gelernt. Nicht, daß meine Eltern vorbildliche Anti-Rassisten gewesen wären, ich habe von ihnen so manchen rassistischen Spruch gehört, aber das war nachgebetetes Geplapper, in der Nazizeit aufgesogen. Wenn ich als Kind etwa einen leichten Kackfleck in meiner Unterhose gehabt hatte, so sagte meine Mutter, ich hätte einen "Juden" in der Hose. Klingt ultrabrutal, wenn ich das hier einfach so niederschreibe. Aber es war gedankenloses Geplapper.
Aber, als eines Tages meine Schwester kam und ihnen einen Vietnamesen als künftigen Schwiegersohn vorstellte, da haben sie ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, akzeptiert. So wie manchmal unter einer tolerant-liberalen Oberfläche dumpfer Rassismus brodelt, so erweist sich gelegentlich eine rassistische Oberfläche als ausgesprochen harmlos.
Was den Rassismus unter der liberalen Oberfläche betrifft, so hat hier Herbert Asmodi 1964 ein wunderbares Theaterstück abgeliefert. 1966 wurde es für das Fernsehen inszeniert, übrigens mit Roberto Blanco als schwarzer Schwiegersohn.
www.tvlizenz.de/production_detail.cfm?kat_id=1&film_id=30

Ich schreibe jetzt nicht das könnte unter Umständen regionaltypisch sein, weil , wie es die Sturheiten eben bei jedem gibt und das dann schon Regionalrassismus sein könnte (;-)).

No na, regionaltypisch ist es vielleicht nicht, aber doch typisch für Landbewohner, ob in Niedersachsen oder Friesland. Wenn der Landbewohner mal was denkt, dann verlangt er überzeugende Argumente, warum er umdenken soll. Der gebildete, aufgeschlossene Stadtmensch dagegen läuft alle drei Jahre einem neuen Trend hinterher.
"Stur", das paßt schon, ich nehme den Adelstitel gern entgegen.

Derweil reitet aber ein weißer deutscher Lippizaner durch die Gemeindehallen und größeren Buchhandlungsmanegen und verbreitet den Unsinn seiner roten Bibel im TB. Leider fehlt ihm schon länger ein wenig spanische Hofreitschule (mal´kräftig ein paar publizistische Dressuren), und so darf er offiziell weiter an Mendel glauben und predigen, ohne wenigstens von seiner Partei gestoppt zu werden. Da platzt die Erbse.

Der arme Gregor Mendel kann nun wirklich nichts für Sarrazin, so wenig wie Darwin. Wenn ein Narr einen klugen Menschen interpretiert, kommt oftmals Narretei heraus. Es soll ja sogar Menschen geben, die glauben, Newton habe die Schwerkraft entdeckt.

Ciao
Wolfram
GEBE schrieb am 16.01.2012 um 18:07
Matthias Dell schrieb am 16.01.2012 um 16:20

Sehen Sie, Herr Dell,

genau das meinte ich in Bezug auf “ … für politische Deutungshoheit annektiert …“<(em>: So funktioniert anscheinend Ihre Struktur: „politisch-korrekte“ Deutungshoheit reklamieren. Sie behaupten konform mit der Deutungshoheit zu gehen und unterstellen Anderen dann gegenteilige Intentionen. So machen Sie es auch hier: Sie unterstellen mir beleidigt zu sein und satteln dann auf Ihre Vorstellungen entsprechend weiteren Blödsinn auf.

Reiben Sie sich meinetwegen kunterbunt an wem auch immer – oder auch an sich selbst, vielleicht ja auch auf französisch, wenn Sie dazu gewandt genug sind. Ich jedenfalls lege keinen Wert mehr auf einen solch gearteten Disput.
Ende der Durchsage.

ES MÖGE NÜTZEN!
Matthias Dell schrieb am 16.01.2012 um 18:59
GEBE!
ich sehe, und was ich sehe, ist kursiv - hat es eine bewandtnis? ist das die sprache ihrer seele - kursiv? das mit dem "beleidigt" nehme ich zurück, es war die angst vor der enttäuschung, die aus mir sprach, dass ich allein bleibe mit all den fragen.

fragen über fragen. dürfen nur blitzgneißer wie Sie, die politische-deutungshoheit-annektion studiert haben (ist das mit oder ohne nc?), anderen "intentionen" unterstellen oder darf ich das auch? wie kann meine struktur sich wandeln? wer ist diese deutungshoheit und wo kann man sie treffen? hat sie heute abend schon was vor? warum ketten sie die wörter politisch und korrekt immer aneinander und sperren die beiden dann noch in anführungszeichen? vertragen die sich nicht? sind die mit der deutungshoheit verwandt? sind meine vorstellungen ein pferd? und vor allem: was genau meinen Sie in bezug auf? es wäre so schade, wenn ein charakter wie Sie uns hier verloren ginge - auch wenn das die kommata, die Sie permanent ignorieren, womöglich anders sehen.
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 20:05
@anna T.
Dictionarist.com
German Italienisch - Deutsch - negro
n. neger, nigger, schwarze
adj. schwarz


Diese Italiener aber auch, so was von schlampig. Kriegen nicht mal ein eigenes Schimpfwort für den negro zustande. Und negro für die Farbe habe ich in Italien nie gehört. Auch der Große Zanichelli nennt mir weder bei "negro" noch bei "schwarz" einen Hinweis auf das Adjektiv "negro". Im Zweifelsfall traue ich dem Zanichelli, dem Standardwerk für die Italienische Sprache, mehr.

>Deshalb benutzte das Wort "negro" auch der Ku-Klux-Klan-Führer und Negerhasser Malcolm X das Wort so gerne.<
Ämmm?


Das mit dem Ku-Klux-Klan-Führer und Negerhasser war sarkastisch.

MalcomX war u. a. ein großer Zyniker...

Mag ja sein, bei seinen Ausführungen über den field negro und den house negro aber meint er das Wort "negro" bitterernst.
Wer (wie ich) Schwierigkeiten hat mit gesprochenem Amerikanisch, der kann seine ausgesprochen klarsichtigen Ausführungen nachlesen:
"Back during slavery, when Black people like me talked to the slaves, they didn't kill 'em, they sent some old house Negro along behind him to undo what he said. You have to read the history of slavery to understand this. There were two kinds of Negroes. There was that old house Negro and the field Negro.

And the house Negro always looked out for his master. When the field Negroes got too much out of line, he held them back in check. He put 'em back on the plantation. The house Negro could afford to do that because he lived better than the field Negro. He ate better, he dressed better, and he lived in a better house. He lived right up next to his master - in the attic or the basement. He ate the same food his master ate and wore his same clothes. And he could talk just like his master - good diction. And he loved his master more than his master loved himself. That's why he didn't want his master hurt. If the master got sick, he'd say, "What's the matter, boss, we sick?" When the master's house caught afire, he'd try and put the fire out. He didn't want his master's house burned. He never wanted his master's property threatened. And he was more defensive of it than the master was.

That was the house Negro. But then you had some field Negroes, who lived in huts, had nothing to lose. They wore the worst kind of clothes. They ate the worst food. And they caught hell. They felt the sting of the lash. They hated their master. Oh yes, they did. If the master got sick, they'd pray that the master died. If the master's house caught afire, they'd pray for a strong wind to come along. This was the difference between the two.

And today you still have house Negroes and field Negroes. I'm a field Negro."

L.O. soll den Otello zwar großartig gespielt haben,aber hätte man einen Schwarzen genommen...das war zu der Zeit wohl nicht möglich...Rassendiskriminierung...!

Das ist, mit Verlaub, 1 Schmarrn. Erstens gab es in Großbritannien nicht so viele Schwarze, die als Schauspieler hinreichend qualifiziert waren. Und zweitens - und vor allem - läßt sich kein Schauspieler, welcher Hautfarbe immer, die Rolle des Othello entgehen, wenn sich ihm die Chance bietet. Inzwischen gibt es in der Tat - zumindest im englischsprachigen Bereich, zumindest an den großen Theatern oder beim Film - genug hinreichend qualifizierte Schauspieler, die sich für den Othello nicht schminken müssen.


So.. und hättest du jetzt noch ein lustiges Bildchen von einem Schwarzen, der weiß anmalt ist , weil er einen Weißen darstellen soll ?

Nun wissen wir beide, daß Weiße nicht weiß sind, so wenig wie die Mehrzahl der Neger wirklich schwarz sind. Ich bin kein gelernter Maskenbildner, aber mir scheint, es wäre technisch sehr, sehr schwierig, einen Schwarzen auf weiß zu schminken. Du kannst dir ja keine weiße Clownsfarbe ins Gesicht schmieren, um leidlich glaubhaft als Weißer rüberzukommen.
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich habe kein entsprechendes lustiges Buidl im Netz gefunden. Wohl aber das folgende, Video, in dem das Spiel mit den Masken auf die Spitze getrieben ist. Ein weißer Mann (Ben Voss) spielt eine schwarze Karriere-Frau, die versucht, sich weißer zu machen als sie ist. Hier (ab ca. 2:40 min.) unterhält sich Ben Voss in Zivil mit sich selber, in Gestalt seiner Bühnenfigur Beauty Ramapelepele.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 20:06
Verdammt, jetzt hab ich das Video vergessen:
www.youtube.com/watch?v=7T-2eOGXT6M
Columbus schrieb am 16.01.2012 um 20:17
Da ist es ja noch einmal gut gegangen, Herr Heinrich.

Aber es gibt auch die ganz andere Sozialisation aus der aufgesogenen Muttermilch. Da geht es dann schief, weil man das Muster, tief verwurzelt, nicht leicht los wird.

Meine Sicht ist, Deutschland befindet sich auf dem Weg in eine Globalzivilisation, bei der Herkünfte eher wieder sozial und wirtschaftlich eine große Rolle spielen (Netzwerke, strukturelle Abschließungen), aber weniger aus anderen, z.B. kulturellen Gründen. Ich glaube auch stark daran, dass sehr viele Menschen, die vorgeben sie seien regionalen und alten Sprachwurzeln irgendwie verbunden, hingen gar einer traditionellen Kultur an, oftmals nicht wissen, auf welch´ kurzen Beinen das alles daher kommt.

Tatsache ist doch, es gibt ganz einfach zwei Regeln, die Rassisten, Fremdenfeinde und mutwillig Inkorrekten (die Unfreundlichen) von denen zu trennen, die es nicht sind, nicht sein wollen und nie werden.

1) Spreche jeden Menschen so an, wie er angesprochen werden will. - Dagegen verstoßen die "Bösen" gerne und häufig, weil das ihre Form der Rache des kleinen Mannes ist. Hauptbegründung in jeder Region Deutschlands, sehr wahrscheinlich ist es aber ubiquitär: "Wir san mir! Wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist."

2) Zu viel Ableitung aus der Vergangenheit. Hauptargumentation: Das Wort stehe doch da und da und da, schon seit Anno Tobak. - Es geht aber, darauf wies Herr Dell doch hin, um die Zukunft und die Gegenwart. In der brauchen wir das Wort Neger für Menschen schwarzer Hautfarbe nicht mehr.

Gegen Gregor Mendel steht bei mir nichts geschrieben.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 21:53
@Matthias Dell
GEBE!

Wieder was gelernt. So stellt man also Kasernenhof-Deutsch in Schriftform dar.

potpourri, es heißt potpourri, oder wenn Sie's französisch wollen potpourrie, aber nicht potpourie.
(...)
und nicht vergessen: potpourri. potpourri.

Du meine Güte, das hätte ich jetzt nicht vermutet, daß sie bereits so aus dem letzten Loch pfeifen, daß sie sich - noch dazu in dieser Ausführlichkeit - an einem offensichtlichen Tippfehler aufhängen müssen.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 21:54
@anna T.
Malcolm X., ein muslimischer Anführer der Schwarzenbewegung in den USA, wird am 21. Februar 1965 in Harlem (New York) auf offener Straße von Mitgliedern der "Nation of Islam" erschossen.

Das gilt für einen sehr weiten Begriff von "auf offener Straße":
Nachdem Malcolm im Sommer 1964 Elijah Muhammads außereheliche Affären mehrmals öffentlich thematisiert hatte, stand er seit dem 16. Juni 1964 wegen anonymer Drohungen unter Polizeischutz. Am 21. Februar 1965 hielt er im Audubon Ballroom in Harlem einen Vortrag, als zwei Zuhörer scheinbar in Streit gerieten und die Ordner von ihm ablenkten. Eine Rauchbombe explodierte. Die Bodyguards stürzten sich auf die Störenfriede – und ließen Malcolm X ungeschützt auf der Bühne zurück. Ein bulliger Mann trat vor, zog eine abgesägte Schrotflinte aus dem Mantel und schoss Malcolm X direkt ins Herz. Zwei weitere Attentäter feuerten mit Pistolen auf ihn. Der Gerichtsmediziner stellte später 21 Schusswunden fest.
de.wikipedia.org/wiki/Malcolm_X#Ermordung

house negro?

Malcolm X sagte: "I'm a field negro."

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 23:53
@Matthias Dell
ich sehe, und was ich sehe, ist kursiv - hat es eine bewandtnis?

Ja, es hat. GEBE schreibt: “ … für politische Deutungshoheit annektiert …“, das ist ein Zitat und er setzt es deshalb kursiv. Dann will er die Kursivschrift wieder ausschalten, schreibt aber aus Versehen das (falsche) Steuerzeichen "<(em>". Das richtige Zeichen kann ich hier nicht hinschreiben, es würde in HTML nicht angezeigt, weil es eben ein (unsichtbares) Steuerzeichen ist.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 23:56
@Columbus
1) Spreche jeden Menschen so an, wie er angesprochen werden will.

Das ist so selbstverständlich, daß ich es nicht erwähnt habe. Einem mir (vorerst noch) unbekannten Menschen dunkler Hautfarbe gegenüber würde ich niemals von anderen Menschen dunkler Hautfarbe als "Neger", "Schwarzer" oder "Afro-Irgendwas" sprechen. Ich würde vorher fragen, denn jede der Alternativen kann falsch sein. Kommt er aus der neueren semantischen Schule, so läßt ihn das Wort "Neger" zusammenzucken; ist es anders, so mokiert er sich vielleicht über die umständlichen Umschreibungen mit Afro-.

2) Es geht aber, darauf wies Herr Dell doch hin, um die Zukunft und die Gegenwart. In der brauchen wir das Wort Neger für Menschen schwarzer Hautfarbe nicht mehr.

Was dann? Schwarzer? Afro-Irgendwas? Oder definieren wir sowieso alles weg?

Gegen Gregor Mendel steht bei mir nichts geschrieben.

Es steht (über Sarrazin): "... und so darf er offiziell weiter an Mendel glauben..."
An Mendel glaubt man nicht, seine Vererbungslehre ist empirisch abgesichert (was das Aussehen von Erbsen betrifft, nicht im Hinblick auf die Intelligenz von Türken und Sarazenen).

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 14.01.2012 um 01:39
Es ist immer wieder traurig, wenn Leute über Literatur und Theater reden, irgendwelche Assoziationen herbeiziehen, oder irgendwie virulente "Fragestellungen" aufwerfen, ohne dann konkret über den Text, das Stück in Handlung und Dramaturgie und Inszenierung zu reden, ohne Ihre "Thesen" an Stück oder Inszenierung zu belegen.

Die historisch fadenscheinig an den Haaren herbeigezognen Frage "Ist es Rassismus, wenn ein Weißer einen Schwarzen spielt" ist zwar falsch gestellt, aber immer könnte die Frage beantwortet werden, ob Spiel und Botschaft des Stückes Rassismus befördern, oder nicht.

Von solcher Textarbeit war hier nichts lesen.

Hallervorden indirekt Rassismus oder dessen Förerung zu unterstellen, wäre der blanke Unsinn. Hat zum Glück auch keiner gemacht.

Was bleibt ist die Tatsache, dass ein Weißer einen Schwarzen spielte. Ebenso ist klar, dass das Stück zu beklagende Verhältnisse kritisiert und nicht stabilisiert.

Schließlich: Schauspieler spielen Menschen, manchmal sogar Tiere oder Geister. Einem Weißen zu untersagen, einen Schwarzen zu spielen, wäre selbst Rassismus.

Dass sich der gewöhnliche Theatergänger keine Vorstellung über die Verwandlungen, die Verwandlungsfähigkeit eines Schauspielers machen kann, hat, so scheint es manchmal auch Nachteile, wenn es das Staunen und die Freude, oder zu machende Erfahrungen kurzschlüssig verstellt.
wahr schrieb am 14.01.2012 um 11:26
"Was bleibt ist die Tatsache, dass ein Weißer einen Schwarzen spielte."

Tatsache? Ab wann ist man welche Farbe? Wer bestimmt das? Wer definiert das? Will ich diesen Definitionen folgen? Ich behaupte, die Unterscheidung Schwarz/Weiß ist an sich schon ..., na was? Genau.
Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 12:18
@uwe theel
am traurigsten ist für mich immer wieder zu sehen, wie leute, die in anderen zusammenhängen durchaus differenziert denken können, bei diesem einen thema den wald vor lauter bäumen nicht sehen wollen. wie es nie darum geht, sich einmal zu fragen, was die kritik meint, wo sie herkommt, ob die menschen, die sie äußern, das vielleicht völlig berechtigt tun. wie es da einfach null empathie gibt, wie es immerfort unmöglich ist, dass man sich selbst, seine anschauungen, äußerungen, handlungen einfach mal auf diesen punkt hin zu überdenken versucht. wie man stattdessen sich immer so sicher ist, dass rassismus-verdacht blanker unsinn, an den haaren herbeigezogen ist, immer und in jedem fall, dass natürlich der liebe didi, das gute theater, die hohe kunst nie im leben rassistisch sein können, weil rassismus ja nur ist, wenn der nazi-skin leute zusammenschlägt, die anders aussehen als er, oder wenn der ku-klux-klan leute verbrennt, die keine weißen kapuzen tragen. es ist zum heulen.
Uwe Theel schrieb am 14.01.2012 um 16:10
@ Matthias Dell am 14.01.2012 um 12:18

Lieber Herr Dell,

wo ich Differenziertheit hätte vermissen lassen, erschließt sich mir nicht:

Weder weise ich "immer" "jeden" Rassismusvorwurf unreflektiert zurück, noch habe ich die Kritiker der Hallervordeninszenierung als Neonazis klassifiziert.

Da haben sie meiner Meinung nach im letzten Teil Ihres Kommentars sogar zwei unvereinbare Haltungen ein und dem selben Personenkreis zugeschrieben, den sie zu kritisieren vorgeben. Ich rechne mich dem bestimmt nicht zu.

Was das Argument der Empathie betrifft, so kann ich diese gegenüber einem konkreten Menschen empfinden, nicht aber gegenüber abstrakt im Netz formulierten Einstellungen, die bis zum Vorurteil aus Unkenntnis reichen können.

Zur Sache:

Die us-amerikanische wesentlich vielschichtigere als im Thread dargestellte Minstreltradition über 100 Jahre nun plötzlich für eine Theaterinszenierung im Berlin 2012 zum Tragen zu bringen, müßte schon solider belegt sein, als mit dem Hinweis, im Amerika der vorletzten Jahrhundertwende habe es da eine Form von Theater gegeben, die so rassistische Implikate gehabt habe - letzteres ich nicht bestreite.

Ich bestehe weiterhin darauf, dass der Vorwurf des Rassismus am Gegenstand der Kritik konkret belegt werden muss, was heißt, es ist zu belegen, dass

1) Gardners Stück in seiner Aussage und durch die ursprünglich vorgeschriebene Rollenbesetzung mit einem Schwarzen und einem Juden als rassistisch zu bewerten sei.

2) dass Die Inszenierung Hallervordener sich mit Recht diesem Vorwurf aussetzte und damit Gardner kontakarierte, ansonsten das Stück per se unaufführbar wäre.

Soweit das politische Argument.

Jetzt das ungleich schwerer wiegende künstlerische Argument:

Ich wiederhole: Schauspieler spielen Menschen und ihre Wirklichkeit in vedichteter Form auf der Bühne.

Gründgens "war" nicht Mephisto, wie gerne das normalbürgerliche Bewußtsein und Gefühl, sich das auch einredete.

Niemand Verständiges käme heute noch auf die Idee, die Darstellung Gottes auf der Bühne, wäre Blasphemie.

Ich will jetzt hier nicht in extenso in eine Interpretation von Gardners Stück eintreten. Bevor aber der Vorwurf des Rassismus an eine Berliner Theaterensemble erhoben wird, müßte dem Text und damit desssen Autor und dem Spiel selbst nachgewiesen werden, dass desssen künstlerische Intention, darauf zu bestehen, dass die Rolle des Midge ausschließlich als "Rolle eines Schwarzen" aufgefasst werden müßte, als Rassismus zu klassifizieren wäre. dann wäre es auch schon egal welcher Hautfarbe der Schauspieler im wirklichen Leben wäre, wenn er als Schwarzer aufträte, da die rassitische Intention schon vorher entspränge. Gardner mag viele Gründe gehabt haben auf der speziellen Rollenbesetzung zu bestehen, die einem Normaldeutschen, ob bewußt oder nicht , ob gewollt oder nicht, nicht zuletzt durch die faschistische Deformation unseres kollektiven wie individuellem Bewußseins leider längst nicht mehr selbstverständlich zu sein scheinen.

In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass sich keiner zu mokieren scheint, dass der Darsteller des Nat kein Jude zu sein habe, wohl aber einen Juden spielen könne, oder umgedreht niemand mit dem Argument, die Aufführung sei sonst antisemitisch den "echten jüdischen" Schauspieler einfordert, er ansonsten keinen jüdischen Rentner spielen könne. Mein Argument gälte auch, wenn, was ich nicht weiß und nicht zu wissen brauche, Herr Hallervorden jüdischen Glaubens wäre, was eben völlig egal ist. Hallervorden ist Schauspieler.

Fazit: Hier wird eine PC-Diskussion aufgezogen, die theoretisch ein Problem annimmt, das einer empirischen Prüfung nicht standhält, die literaturkritisch gesehen vom Stück nicht getragen wird.

Wenn Zuschauer, in Ihrem persönlichen Empfinden die Verwandlung des weißen Schauspielers Bliese in die Rolle des Schwarzen Midge nicht ertragen, dann würde ich dies, im Einzelfall niemals als nicht existent oder unberechtigt abweisen - dies nicht nur aus Gründen mir durchaus möglicher Empathie nicht -, aber es deswegen noch lange nicht grundsätzliches als gesellschaftspolitisches oder literaturkritisches Moment der Kritik an der Aufführung gelten lassen.

Und schließlich:

Einem Schauspieler die Fähigkeit abzusprechen, die gute Intention des Autors nicht zu verwirklichen, gerade weil er nicht Schwarzer sei, sondern "nur" einen solchen spiele, ist schon eine unzulässige Mißtrauensbekundung an dessen Kunst, die den Theaterbesuch überflüssig machte, im Kern aber selbst schon Rassismus.

Zu glauben, die Rolle könnte auch als weißer Rentner - der ja dann auch von einem schwarzen Darsteller in weißer Maske gespielt werden könnte - aufgefaßt werden, setzte die Erniedrigung des Schwarzten in den USA mit der der jüdischen Bevölkerung gleich, behauptete die Rolle des Midge könne aus anderen Erfahrungen als denen der von Gardner kritisierten Erniedrigung eines US-Schwarzen des letzten Jahrhunderts heraus gespielt werden, ohne dass ein anderes Stück, eben eines von Gardner daraus würde.

Ich verdeutliche: Gardner traut einem weißen Schauspieler zu, das Schicksal eines Schwarzen zu verkörpern. Dessen schwarze Maske soll auch dem literarisch oder geschichtlich unerfahreneren Zuschauer nicht vergessen machen: Mir, Gardner, geht es um das Schicksal der Schwarzen. Identisches gilt, wie o.a. für die Rolle des Nat und der jüdischen Erfahrung.

Wer über deutsche oder berliner Rentner ein Stück haben will, soll eines schreiben.

Alles andere ist schlechtes Feuilleton.
Uwe Theel schrieb am 14.01.2012 um 16:33
@ wahr schrieb am 14.01.2012 um 11:26

Tatsache? Ab wann ist man welche Farbe? Wer bestimmt das?

Lieber wahr,

Die Antwort ist im falle von Literatur nicht so schwer zu geben:

In einem Stück Literatur, bestimmt der Autor, wer, was, wie, warum ist.

Das kann ihm daneben gehen - was zu belegen wäre -, wenn ich aber einen Autor zur Aufführung bringen will, dann gilt es Respekt, nicht Unterwürfigkeit, oder auf der anderen Seite hypertrophe Ignoranz ihm gegenüber walten zu lassen.

Insofern ist es einen Tatsache, dass Gardner die Rolle als die eines Schwarzen auffasste, die er einem entsprechend in der bühnentechnischen Maske auftretenden weißen Schauspieler durchaus zutraute.

Was sollte daran Rassismus sein.

Sie müssen keine Stücke Gardner schauen, wenn sie ihnen nicht gefallen sollten, aber wenn, dann kritisieren Sie sie bitte konkret am Gegenstand. Abstrakte PC reicht mir da nämlich nicht.

Ansonsten verweise ich Sie feundlich auf meine Antwort o. an Herrn Dell unter

www.freitag.de/[…]/1202-kulturkommentar#comment-357555

wo ich dazu detaillierter ausführte.

mfg
ut
Uwe Theel schrieb am 14.01.2012 um 16:48
@ Uwe Theel am 14.01.2012 um 16:10

Korrektur:

Da war ein "nicht" zuviel. Korrekt muß der fünftletzte Absatz heißen:

Einem Schauspieler die Fähigkeit abzusprechen, die gute Intention des Autors (-----) zu verwirklichen, gerade weil er nicht Schwarzer sei, sondern "nur" einen solchen spiele, ist schon eine unzulässige Mißtrauensbekundung an dessen Kunst, die den Theaterbesuch überflüssig machte, im Kern aber selbst schon Rassismus.
wahr schrieb am 14.01.2012 um 18:12
Führt Gardner irgendwo näher aus, bis wann für ihn "scharz" gilt und ab wann jemand "weiß" ist? Ab welchem Hautton muss jemand eine Maske tragen, um einen "Schwarzen" zu spielen? Hat Gardner dazu irgendwas gesagt?
Uwe Theel schrieb am 14.01.2012 um 18:19
@ wahr am 14.01.2012 um 18:12

Mir sind keinen derartigen buchalterischen Ausführungen bekannt, es wird sie nicht geben.

Im us-amerikanischen bewußtsein ist der us-sfroamerican-black-negro eine - je nach Schicht und Bildungsgrad fest umrissenen Größe, die jederzeit als soche erkannt oder nicht erkannt wird. Eine Inszenierung auf professionellem niveau ist sich dessen bewußt und hat Ressourcen und Fähigkeiten diese orientierung korrekt umzusetzen.

Ich verstehe im Übrigen ihre Insistieren auf den Farbschattierungen nicht. Ein Unterschichten-Schwarzer in New-York ist ein Unterschichtenschwarzer in New-York und kein weißer Unterschichten-Rentner in Berlin, wie Nat nicht Midge ist.
Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 18:53
lieber uwe theel,

um es noch einmal etwas detaillierter zu versuchen, auch wenn ich ihren ausführungen nicht in jeder bewegung folgen kann:

das problem der aufführung ist, dass sich ein weißer schwarz anmalt. der akt des anmalens hat eine traurige, verletzende geschichte, die aber nur dann überhaupt reflektiert werden kann, wenn sie nicht immer weiter reproduziert, ungebrochen fortgesetzt wird. der protest entzündete sich zuerst an dem plakat - das mag ihnen oberflächlich erscheinen, es hat aber unmittelbar mit dem problem zu tun. das plakat reproduziert ein bild, das, ob sie das wahrhaben wollen oder nicht, in einer unguten, diffamierenden tradition steht. bliese sieht dort nicht wie ein rentner auf einer parkbank aus, sondern grotesk (selbst wenn er "nur" als angemalter rentner auf einer parkbank säße - das anmalen bleibt ein problem). dieses groteske bild reiht sich ein in eine reihe von bildern, sie selbst verweisen weiter unten auf frühere aufführungen (und die tatsache, dass damals keine kritik laut wurde oder sie zu leise war, um uns heut bekannt zu sein, spricht für nichts - der diskurs hat sich in den letzten zwanzig jahren weiter entwickelt, baumgart spricht in seiner rezension von ***** und begreift den "uncle tom" positiv, was heutige rezensenten nicht mehr machen würden. derjenige, der an solchen bilder kritik üben will, hat heute andere möglichkeiten, sich zu äußern, damals hätte er einen leserbrief an die zeit schreiben können oder einen brief ans theater).

es ist also nicht so, dass nach 100 jahre ruhe die jetzige inszenierung die erste ist, in der sich wieder ein weißer auf schwarz schminkt, es ist die ganze zeit durch unreflektiert geschehen, das nennt man dann tradierung. die wirkmacht dieser tradition können sie daran erkennen, dass das problematische an ihr nicht erkannt werden will, weil es doch immer so war und nie ein problem. und die wirkmacht können sie auch daran sehen, dass dieses bild von bliese so grotesk ist: man muss dem schloßparktheater gar keine bewusste reinszenierung von diesen anmalklischees unterstellen, dass sie unterbewusst sich in das bild einschleicht als groteske zeugt viel stärker davon, wie hartnäckig sich solche bilder halten und sie unseren blick, unsere vorstellungen formen.

deswegen der link hier drunter zu jon stewart und seinem "senior black correspondent". und darin die antwort auf die (, und das ist ein umgang mit dem thema auf der höhe der zeit, nicht von stewart direkt gestellte) frage: "is blackface ever ok?" - "no." oder wenn das zu knapp ist: "nooooooo." an diesem punkt sollte ein denken einsetzen, wenn es sich wirklich für das problem interessiert. das hat nichts mit "pc" zu tun, einem diskurs, der völlig untauglich ist für solche fragen, weil er mit "non pc" eine argumentationsfigur geschaffen hat, die die verlängerung von rassistischen oder wie auch immer diffamierenden durch den scheinbaren distinktionsgewinn einer "riskanten", "unkonventionellen" meinung schützt.

alle anderen fragen sind nebensächlich: wie das stück nun ist, was gardner dachte, was didi meinte, was gründgens tat. das theater ist nicht automatisch "richtig", weil es theater ist, hohe kunst und so, gründgens, wildgruber, nur spielen will. da gibt es in diesem fall einen kategorialen unterschied, auch zu den anderen minderheitendiskursen. das theater ist ein abbild der gesellschaft, keine bessere gesellschaft, also gibt es da, was es auch in der gesellschaft gibt. von wie vielen stücken, die einstmals renner waren, wissen wir heute zu recht nichts mehr, weil in ihnen etwa antisemitismen vorkommen, die wir heute nicht mehr durch kunstfreiheit verteidigen, sondern als dumm betrachten würden? die völkerschau im zoo ist als praxis zu recht obsolet geworden, obwohl man da mit irgendwelchen kunst- und bildungsargumenten auch gute absichten erklären konnte. der umgang mit dem "anderen" ändert sich. das ist ein emanzipatorischer prozess, der zu begrüßen ist. alles andere ist nicht empirie, sondern hat mit dem, worum es hier geht, nichts zu tun.

und wenn das jetzt so apodiktisch klingt, spricht auch daraus das gefühl, dass sie mich nicht verstehen werden (wollen)
Uwe Theel schrieb am 14.01.2012 um 23:56
@ Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 18:53

" ... und wenn das jetzt so apodiktisch klingt, spricht auch daraus das gefühl, dass sie mich nicht verstehen werden (wollen)"

Lieber Herr Dell,

haben sie vielen Dank für ihre ausführliche Antwort und gestatten Sie mir noch eine kurze Replik.

Wenn mir bei Ihnen etwas "zu apodiktisch" klang, dann so ein Satz in dem Sie ausdrücken das Gefühl zu haben, ich "(wollte)" Sie nicht verstehen.

Davon kann keine Rede sein. Ich halte Ihre Gedanken für wert, gedacht und diskutiert zu werden, dies aber ganz ohne (wechselseitige) Unterstellungen.

Ich leugne keine der Gefahren, die sie ansprechen und was das von Ihnen erwähnte aktuelle Theaterplakat angeht, da geben ich Ihnen Recht, das ist unter aller Kanone. Sollte die Aufführung genauso sein, würde ich sie sicher nicht verteidigen wollen.

Ich bin dem Theater, auch als (Amateur)Schauspieler seit vielen Jahren sehr verbunden und glaube ganz gut zu wissen, von welcher Kunst ich da rede. Das Theater sollte keine Tabus kennen, alle Darstellungsmittel nutzen können, wiewenig es sich durch Kunst von Verantwortung und von Wahrhaftigkeit schon gar nicht losprechen darf.

In diesem Sinne sind wir uns wahrscheinlich gedanklich näher, als Sie es mit Ihrer einseitigen Annahme vom nicht verstehen wollen ausdrückten.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen

Uwe Theel

P.S.: Übrigens habe ich auch nicht vom Selbstverständnis Gründgens gesprochen, sondern von dem Bild des Schauspielers, das sich das Publikum nur zu häufig macht, das der distanzlosen Anverwandlung der Rolle durch den Schauspieler. Das bedingungslose Spielenwollen des Schauspielers ist ein ganz anderes Problem.
Matthias Dell schrieb am 15.01.2012 um 10:11
lieber uwe theel,

danke für ihre höfliche antwort, und nein, ich will ihnen die tür nicht vor der nase zuschlagen, ich will ihnen auch nichts unterstellen, es ist nur so, dass bei diesem einen thema eine ahnungslosigkeit herrscht, die angesichts all der möglichkeiten des internet (siehe Alien59) kaum zu fassen ist und deshalb von ignoranz (eben: nicht wollen) schwer zu unterscheiden.

nochmal, ich entschuldige mich für den all den folgenden furor vorweg, aber es regt mich einfach uff, wie ahnungslos und scheinbar wohlmeinend hier geredet wird, und in ihrem konkreten fall, in welchem brustton der überzeugung da immer in eine richtung hin abgewertet wird (der protest, für den sie keine empathie empfinden können, weil es viele, anonyme leute sind, die sie nicht kennen, weil sie ja empathie nur für eine konkrete person haben können, die sie kennen - da hat der protest eben pech gehabt, weil er einen formfehler macht und von ihnen leider nicht ernstgenommen werden kann; oder das als "unkonkretes gerede" mit dem "pc"-"argument" loswerden zu wollen).

und wie auf der anderen seite munter urteile rausgehauen werden, die, wenn man zweimal drüber nachdenkt, an allem zweifeln lassen. wie kann man denn diesen baumgart-text zitieren und dann drunter fragen, "wo ist da rassismus?" - das ist bitterste ironie, aber das meinen sie eben nicht. aber wenn man sich dieses baumgart-zitat einmal anschaut - wie offen soll's denn noch zutage liegen, damit's hier erkannt werden kann? "der berlinernde ***** bariton", von dem es dann nicht mehr weit ist zum "tier im zivilisationsdschungel" - das geht doch alles gar nicht, das ist die klippschule für die zähigkeit von stereotypen, ein bild gibt das andere, wie da menschen wie du und ich der weg ins tierreich gewiesen wird, nur weil sie für uns weiße total anders aussehen, und dann versuchen sie noch irgendeine an den haaren herbeigezogene erklärung zu finden, wie der baumgart im interesse der richtigen, guten, völlig unverdächtigen sache das mit dem "uncle tom" gemeint haben könnte. nein, nein, nein, der baumgart ist ein krasses beispiel für ein rassistisches denken, insofern die unterscheidung zwischen den hautfarben gedacht wird in diesen üblen stereotypen, alten bildern, furchtbaren vorstellungen. und wenn man noch mal großzügig ist und sagt, dass 1987 der diskurs noch nicht so entwickelt war (wobei man zu dieser zeit auch schon wissen konnte, dass ***** eine beleidigung ist), dann kann man doch zumindest heute da nicht mehr staunend-naiv vorstehen und sagen: ich kann beim besten willen keinen rassismus entdecken.

das macht mich sehr vorsichtig zu denken, dass wir nicht weit auseinander sind. ihr theaterengagement, lieber uwe theel, in ehren, aber es geht hier nicht um schnürboden, nullergasse, maske, wasweißich, es geht hier um die tatsache, dass sich weiße schauspieler nicht schwarz anmalen sollten, weil sie das immer gemacht haben, weil das - ist das denn so schwer sich vorzustellen - ein ganz widerlicher vorgang ist.

leute, leute, leute, einmal darüber nachzudenken versuchen, wie sich das für jemanden anfühlen muss, über den wir hier immer nur reden, der damit gemeint sein soll, der von so was wie dem schauspieler bei didi dargestellt werden soll. ich fass es einfach nicht, was bei leuten, die in anderen kontexten so genau sind, hier an hauen und stechen performt wird, das aber immer im gestus der sicherheit ("ich rechne mich nicht dazu"), man könne sich qualifiziert darüber äußern.

es geht nicht um die "konstellation", liebe magda, es geht um das anmalen, und das anmalen geht einfach nicht, und sie, magda, wären doch die erste, die sich von einem westdeutschen nicht in diesem ton erklären lassen würden, wie, ich sag das jetzt mal so blöd, sie ostdeutsche befindlichkeiten zu beurteilen haben. die ganze geschichte eines kulturellen umgangs mit dem "anderen" kann man, wohlmeinend, als einfluss beschreiben - es ist nur leider eher so, dass das man sich das als klau vorstellen muss, als eine wenig zimperliche transformation, lesen sie mal das vorletzte kapitel von reemtsmas muhammad-ali-buch, wie da sylvester stallones "rocky"-filme als projekt einer umdeutung des dissidenten, bürgerrechtsbewegten ali in eine underdog-figur des weißen amerika sehr genau beschrieben wird. das sind die prozesse, um die es hier geht, das ist elvis, der auf die musik des "schwarzen amerika" seine karriere gründet, weil dem weißen teenager nicht zuzumuten ist, dass er sich mit den leuten identifizieren soll, die diese musik machen. und da sind wir bei didis schauspieler: dass immer die weißen für die sprechen, die sie jahrhundertelang unterdrückt, ausgebeutet, ermordet haben. und sich dafür anmalen wie im kindergarten.

und nein, lieber columbus, es hängt nichts von diesem stück ab, ich werde es mir anschauen, aber es ist völlig egal, dass das stück es schon gut meinen wird mit dem weltfrieden und der verständigung der "völker", anmalen geht einfach nicht, wenn man nicht diese eklige, furchtbare geschichte fortschreiben will. und nein, mit didi kann man nicht reden, didi ist sich keines fehlers bewusst und macht dümmliche vergleiche, didi ist, wie so vielen von uns, rassismus völlig fern, nur leider nicht so fern, dass er mal darüber nachdenken würde, dass jemand, dem rassismus fern ist, das anmalen sein lassen müsste. und nein, ich bin nicht gegen die freiheit der kunst, ich bin aber dagegen, dass damit die dummheit der kunst sich einen freibrief ausstellt. und nein, lieber columbus, das schlimmste ist nicht, wie sich auf ihrem "lieblingskontinent" die ethnien bekämpfen, das ist nicht schlimmer als die jahrhunderte, in denen wir als weiße da andere ausgebeutet haben und noch ausbeuten. das hat damit erstmal nichts zu tun.

diese diskussion handelt von uns, von unseren vorstellungen, von unseren leben, praxen, von unserer kultur, in der sich, wenn man mal einmal darüber nachdenkt, tausend rudimente eines rassismus finden lassen, und die gilt es irgendwann mal sich bewusst zu machen, und zwar am besten ziemlich bald.

dann sind wir, lieber zephyr, bei dem melchior, und nein, auch der soll sich nicht anmalen, sagen sie dem kind, es muss den melchior von innen raus spielen, wenn es das nicht begreift, aber der melchior ist kein beispiel für die absurdität der kritik, die uns unsere harmlosen kindheiten madig machen will, der melchior ist ein beispiel dafür, wie tief diese rasssistische scheiße in unserer wirklichkeit verankert ist, wie früh die losgeht. genauso wie ihre puppe - dieser kommentar liest sich wie ein sarkasmus, aber das meinen sie, der anderswo für menschenrechte und miteinander streitet, nicht so, sie meinen das ernst, dass da in dieser schrecklichen puppe eine unendlich große gruppe von unendlich verschiedenen menschen steckt, und dass diese puppe ihnen dann später hilft, nett zu dieser gruppe zu sein, die es nur gibt, weil wir weißen einfach nicht aufhören können, das billigste differenzmerkmal als charakter, identität, wasweißich zu denken. und dabei übersehen wir, was für eine anmaßung, herablassung, paternalismus darin steckt. wir reden hier von menschen wie du und ich, und dann sind da alle schrecken "dieser" menschen in der putzigen kolonialistischen puppe gebannt, so kann man doch nicht über andere menschen reden.

und deshalb, lieber wwalkie, der sie doch anderswo sprachsensibel sind, hilft humor auch nicht, weil der humor einfach nicht erkannt wird ("uwe theel" kann nicht verstehen, dass die melatonindiskussion von "wahr" die absurdität der unterscheidung ab absurdum führen soll, weil diese unterscheidung eben keine "tatsache" ist, sondern eine willkürliche) weil, wenn man ironisch sein wollte, ja die eigentliche bedeutung der wörter klar sein müsste, das ist sie aber nicht, wie man schon daran sehen kann, dass es hier leute gibt, die mit ***** kein problem haben wollen. und die kritik schadet sich nicht selbst, die kritik hat recht, und die einzigen, die sich selbst schaden, die sich hier um kopf und kragen reden, weil sie meinen, etwas ermessen, zu beurteilen, worüber sie sich keine gedanken gemacht haben, sind wir. und wir können auch nicht mit menschen gemeinsam lachen, über die wir permanent in einer unerträglichen weise reden. wir müssen erstmal den unterschied zwischen uns und denen, über die wir so leichtfertig reden, akzeptieren, und damit meine ich nicht die hautfarbe, sondern diesen diskurs hier, also den rassismus, der noch immer in elementen unserer lebenswelt, kulturpraxen steckt, und den wir nie begriffen haben.

und deshalb bin ich, lieber columbus, überhaupt nicht sicher, dass rassismen nur bei einem verschwindend geringen bruchteil von menschen existieren, und dass wolfram heinrich, der ja ein netter mensch sein mag, der aber leider immer ***** sagen will, da auf irgendeiner basis-sonstwas-vorstufen form arbeitet, weil ihm rassismus "natürlich" so zuwider ist, wie er didi fern ist. nein, nein, nein, die scheiße steckt tiefer in uns, als wir das wahrhaben wollen, und vermutlich hat das auch was damit zu tun, dass es uns so schwerfällt, uns darüber klarzuwerden. wir reden hier nicht als unbeteiligte, wir sind in diese geschichte verwickelt, ob uns das passt oder nicht, aber deshalb müssen wir da irgendwann mal ran. sie, lieber columbus, haben sich doch gleich gewehrt gegen das "wir weiße deutsche" in dem text - das ist doch die richtige spur, da mal dranbleiben und überlegen, wie sich das für jemanden anfühlen muss, der immer nur als "schwarzer" wahrgenommen werden muss, und der sich auf diesem ticket den ganzen unsinn reinziehen soll, die heinrich-witze, das baumgart-tier, die zephyr-puppe usw.

und deshalb, lieber columbus, ist "PC-monitoring" (was soll das sein? dieser "pc/nicht-pc"-kram hilft hier wie nirgendwo weiter, der vernebelt nur, der tut so, als gäbe es eine erklärung dafür, dass man die kritik am eigenen, dem rassismus eben nicht so fernen denken nicht hören müsste), wenn ich das jetzt mal zu verstehen versuche, nicht das letzte mittel, sondern das erste, ich würde es, wie gesagt, nur nicht so nennen. ich würde bewusstmachung sagen, bewusstseinsmonitoring, einfach mal die eigenen vorstellungen, äußerungen, handlungen, praxen durch so eine art computerprogramm laufen lassen mit blick darauf, wo überall überkommene vorstellungen, alte bilder, eklige tradition festsitzen, ohne dass man je darüber nachgedacht hat. einfach mal darüber nachdenken, aus welcher position man spricht. einfach mal ein buch wie noah sows "deutschland schwarz weiß" lesen - und zwar nicht mit blick darauf, wo die autorin "übertreibt", "sich selber schadet", "etwas an den haaren herbeizieht", "reininterpretiert", "übersensibel ist", oder wie die ganzen rhetorischen figuren der abwehr heißen, sondern mit blick auf uns, auf unsere klischeehaften vorstellungen, auf unseren part in diesem alten, schrecklichen spiel. mann, mann, mann.

und was das anmalen betrifft – mehr als jon stewart gibt es dazu nicht zu sagen: nein.
puuuh.
zephyr schrieb am 15.01.2012 um 12:10
Ja, Sie haben schon ganz recht. Ich meine tatsächlich, dass mich unter anderem diese zweifellos schreckliche und kolonialistische Puppe (wovon ich im Alter von vier Jahre allerdings nichts ahnte) in die Lage versetzt hat, nicht nur "nett" zu "dieser Gruppe" zu sein, sondern mit Mitgliedern "dieser Gruppe" einen Teil meines Lebens zu verbringen.

Anmalen geht nicht. Sagt ja auch der von mir sehr verehrte Jon Stewart. Ich meine das gar nicht ironisch. Anmalen geht nicht - Verkleiden geht?
Oder wann reden wir hier z.B. über die Karl-May-Festspiele? Oder den Karneval, in welchem ja bekanntlich Unterschiede aufgehoben werden (sollten)?
zephyr schrieb am 15.01.2012 um 12:43
Nachtrag:

Zudem, wie Larry Wilmor in der Daily Show schon sagte: "There is a beautiful-girl-exemption for everything!"
Nicht wahr? Es gibt offenbar einen Unterschied zwischen Sexismus und Rassismus. Wie war der noch mal?
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 14:49
@Uwe Theel
Wer über deutsche oder berliner Rentner ein Stück haben will, soll eines schreiben.

So ist das. Gardner hatte recht, daß er es - solange das Urheberrecht noch gilt - untersagte, das Stück anderswo spielen zu lassen als im New York der achtziger Jahre. Verlegte man das Stück an einen anderen Ort, in eine andere Zeit, dann stimmt der Text nicht mehr, dann stimmen auch die Details der Handlung nicht mehr.
Ein Theaterbesucher ist kein Idiot, er kann die Bezüge eines irgendwann antiquiert sein werdenden Stückes auf seine eigene Zeit, seinen eigenen Ort, durchaus im Hirn herstellen.
Andererseits aber gibt es Leute (man wird mir nicht glauben, ich versichere aber, es ist so), die den "Ödipus", den "Hamlet" oder den "Faust" aktualisieren und in einer Zeit, an einem anderen Ort spielen lassen. Kasperletheater, das sich Regietheater nennt.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 15:46
@Matthias Dell
...baumgart spricht in seiner rezension von ***** und begreift den "uncle tom" positiv, was heutige rezensenten nicht mehr machen würden.

Jetzt wird die Sache aber doch sehr grotesk. Ob man von einem Afro-Amerikaner (Afro-Afrikaner, Afro-Deutschen) als "Neger" sprechen soll oder darf, darüber mag man sich streiten. Sie aber berichten von einem Menschen, der vor fast 25 Jahren das Wort "Neger" gebrauchte und ersetzen in Ihrem Bericht das inkriminierte Wort durch Sternchen. Ob hier nicht Ihre semantische Sensibilität zur Karikatur von sich selber wird? Wenn ich von einem Antisemiten erzähle, der in schäumend-haßerfüllter Rede von "Saujuden" sprach, muß ich dann tatsächlich das hier nun eindeutig beleidigende und beleidigend gemeinte Wort durch Sternchen unkenntlich machen?

es ist also nicht so, dass nach 100 jahre ruhe die jetzige inszenierung die erste ist, in der sich wieder ein weißer auf schwarz schminkt, es ist die ganze zeit durch unreflektiert geschehen, das nennt man dann tradierung. die wirkmacht dieser tradition können sie daran erkennen, dass das problematische an ihr nicht erkannt werden will, weil es doch immer so war und nie ein problem.

Das ist der Punkt. Es war tatsächlich nie ein Problem. Der Mohr von Venedig war halt nun mal laut Vorlage von Shakespeare schwarz, also schminkte man den weißen Schauspieler schwarz. Lange Zeit hatte man auf den europäischen Bühnen kaum qualifizierte schwarze Schauspieler für diese Rolle. Abgesehen davon ist jeder Schauspieler wild auf diese Rolle.
Im Stück "Der Talisman oder die Schicksalsperücken" von Johann Nestroy sind die Hauptfiguren Titus Feuerfuchs und Salome Pockerl rothaarig. Das ist in dem Stück kein beliebiges Accessoire, das ist der Aufhänger der Handlung (ja, auch hier geht es um Vorurteile und Ausgrenzung). So viele rothaarige Schauspieler(innen) gibt es auch wieder nicht (außerdem reißt man sich um diese Rollen), also setzen sich die Schauspieler rote Perücken auf oder lassen sich die Haare färben.

da gibt es in diesem fall einen kategorialen unterschied, auch zu den anderen minderheitendiskursen.

Da gibt es etwa den Schauspieler Tim Seyfi, der bürgerlich Timur Seyfettin Ölmez heißt. Türke, klar. Der Mann spricht perfekt Deutsch (und Bairisch), manchmal spielt er Türken, meistens aber nicht, wie's halt grad kommt. Im Film "Sau Nummer vier" (ein Film, den ich sehr empfehlen kann) spielt er einen niederbayerischen Dorfpolizisten, sein Filmname ist deutsch, er macht also nicht den Quotentürken.

Ein Flensburger, der dieses Bild sieht, mag nun denken: Der sieht doch aber so was von türkisch aus, der kann doch niemals glaubhaft einen Niederbayern darstellen. Ich versichere hiermit: Genau so sehen viele Niederbayern aus, diese Leute heißen Mitterwieser Xare oder so und die Familie Mitterwieser hockt schon seit dem Dreißigjährigen Krieg nachweislich auf diesem Hof. Macht so ein Mitterwieser den Mund auf, so mag ihn mancher Flensburger immer noch für einen Türken halten, weil er nichts versteht. Es ist aber nicht Türkisch, was der spricht, sondern Niederbairisch.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 18:01
@Matthias Dell
danke für ihre höfliche antwort, und nein, ich will ihnen die tür nicht vor der nase zuschlagen, ich will ihnen auch nichts unterstellen, es ist nur so, dass bei diesem einen thema eine ahnungslosigkeit herrscht, die angesichts all der möglichkeiten des internet (siehe Alien59) kaum zu fassen ist und deshalb von ignoranz (eben: nicht wollen) schwer zu unterscheiden.

Das Neger-Sagen hat (zumindest was mich betrifft) nichts mit Ahnungslosigkeit zu tun, sondern im Gegenteil mit Kenntnis und Überlegung. Ich habe es, bereits als erwachsener Mensch, miterlebt, wie ein vordem unschuldiges Wort bewußt und gewollt in den Dreck gezogen worden ist. Gewiß, auch der Rassist sagte damals "Neger", wenn er nicht das knackigere "Nigger" vorzog. Nur, ich habe viel zu viele Artikel und Bücher von Leuten gelesen, die leidenschaftlich und engagiert gegen Rassismus und Rassentrennung zu Felde gezogen sind und die ganz selbstverständlich das Wort "Neger" benutzten.
Die Leute benutzen damals das Wort "Kommunismus", und die einen meinten damit das größtmögliche Unglück, das der Menschheit passieren könnte, während andere darunter ein aufs innigste anzustrebendes Ziel verstanden.
"Neger" (und "Zigeuner") war, ehe die feinnervigen Sprachregler kamen, schlicht ein beschreibendes Wort für eine Gruppe von Menschen. Und diese Gruppe ist nicht als Gruppe wegzudefinieren, solange noch irgendwo auf der Welt Neger sein heißt, die Arschkarte gezogen zu haben.

Ciao
Wolfram
Alien59 schrieb am 16.01.2012 um 18:24
Und damit bestimmst du, Wolfram, dass diese Gruppe sich gefälligst so zu nennen lassen hat.
Was ich verlinkte, war die Stellungnahme derjenigen, denen hier m.M.n. die Definitionsmacht zusteht - und die sagen "NEIN". Du aber willst dich in Herrschaftsmanier darüber hinwegsetzen.
Magda schrieb am 16.01.2012 um 20:30
@Alien59 - das ist für mich auch der Punkt, wo ich Matthias Dell und Dir zustimme. Es geht nicht um uns.
Columbus schrieb am 16.01.2012 um 23:17
ad Matthias Dell schrieb am 15.01.2012 um 10:11

Ja, Herr Dell,

Ich weiß zwar was Sie umtreibt und finde es auch gut, aktuell und für zukünftige Versuche, hier in der dFC, eben auch bei Kulturschaffenden (einige Leute würden schon wegen dieses Wortes wieder auf die Barrikaden steigen) und deren Produktionen, auf die Verwendung des jeweils passenden Wortes zu achten, das ist, unter vielen anderen Dingen, ja auch Aufgabe eines guten Redakteurs, auch jeweils der Selbstbetrachtung der Schreiber hier.

Wie Herr Hallervorden lässt nicht mit sich reden?
Haben Sie es versucht, Kontakt aufgenommen?
Ich dachte, der ändert die Werbung?

Sie können davon ausgehen, dass, wäre ich ein Theaterintendant, ein Regisseur, selbstverständlich ein Schwarzer die Rolle gespielt hätte, ganz in ihrem Sinne, dass gerade für dieses Stück ein Blackface in Europa nicht mehr nötig ist. Das ist nun nicht geschehen, was aber das Stück nicht gleich mitziehen sollte, das, wenn gut gespielt, ja sogar die sprachlichen Muster mit beobachtet und auf nicht erzieherische Weise wirken kann (so wirkte es zur Lebenszeit Gardners). Insofern setzt sich eine durchaus überholte Tradition weiter fort.

Herr Heinrich führt vor allem historische und volkstraditionelle Gründe an. Mohrenrolle bei Shakespeare, die mittlere und ältere TV-Geschichte usw., und in seinem Eifer möchte er eben viele der Tabuworte los werden. Er übertreibt es damit, auch in meinen Augen und missachtet, dass die Zeiten sich änderten und ändern, und dass das gut so ist.
(Ich schrieb Ihm dazu in seine Antwort auf meinen Thread-Beitrag).

Spielen Sie auf die Weißseins-Forschung an, wenn Sie schreiben, "ich würde bewusstmachung sagen, bewusstseinsmonitoring, einfach mal die eigenen vorstellungen, äußerungen, handlungen, praxen durch so eine art computerprogramm laufen lassen mit blick darauf, wo überall überkommene vorstellungen, alte bilder, eklige tradition festsitzen,..."? - Die Idee ist gut, sofern tatsächlich derjenige/diejenige, die das macht, sich dabei auch in ihrem Prozess selbst beobachtet. Denn
sonst gerät schnell außer Kontrolle, was denn alles "eklig" genannt wird.

Nichts spricht gegen eine möglichst vorbehaltlose
Kenntnisnahme Noah Sows oder der "Weißseinsforschung", z.B. einer Peggy Piesche, die aus genau diesem Grund, zuerst einmal ohne Grundvorwurf die Erkenntnis zu fördern, entstand.
- Aber ich kann ihnen bei den Generalisierungen nicht folgen. Auch, weil ich das aus meinem eigenen Argumentationsverhalten, bezüglich der Verfasstheit der Gesellschaft, des Antisemitismus in ihr, der Fremdenfeindlichkeit und der geistigen Enge in D., aus meinem eigenen Ehrgeiz das zu entlarven, nur zu gut kenne. Es gab Zeiten, da hielt ich fast jeden und fast alles für "verseucht" und natürlich wollte ich es besser machen, in dem ich die "Verseuchung" der Kultur und Sprache überall entdeckte, sogar an mir selbst.

Einer, der damit auf die Schnauze fiel, war jüngst noch Ralph Giordano, der die verhüllte muslimische Frau in Köln auf dem Ring, als "ästhetische Störung" empfand und entsprechendes schrieb.

Sehen Sie, ich habe mehr Angst davor, dass aus einem größeren Einfluss der P.C. in Europa, in den Staaten ist sie schon längst die klingende Münze der medialen Erregung, mehr Schade entsteht, als es an Nutzen bringt. Das Schlimme ist nämlich, damit haussieren Populisten jeglicher Couleur, ebenso wie Menschen die es ernst meinen und auch so ernst, dass für sie nahtlos alles zusammen passt. Ich war mehrfach auf solchen Tripps und sie können mir glauben, das Maß des Ehgeizes, auch da die eigene Intelligenz anzustrengen, erschreckt mich noch heute.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 23:50
@Alien59
Und damit bestimmst du, Wolfram, dass diese Gruppe sich gefälligst so zu nennen lassen hat.

Ja, red ich denn nur Scheiße?

Was ich verlinkte, war die Stellungnahme derjenigen, denen hier m.M.n. die Definitionsmacht zusteht - und die sagen "NEIN".

Was du verlinkt hattest war eine Seite, auf der so gut wie nichts steht, nur ein Haufen Links auf andere Seiten, auf denen aber auch nichts steht zum Thema Nomenklatur. Und daß die, die da schreiben Schwarze wären, ist mir auch nicht ersichtlich. Gut, ich gebe zu, ich habe das alles nur überflogen. Auf Kommentare á la "Schau mal dort" reagiere ich nicht sonderlich eifrig.

Du aber willst dich in Herrschaftsmanier darüber hinwegsetzen.

Zur Strafe kommt's jetzt knüppeldick.


Ciao
Wolfram
Matthias Dell schrieb am 17.01.2012 um 10:57
@Columbus schrieb am 16.01.2012 um 23:17

"Wie Herr Hallervorden lässt nicht mit sich reden? "
tinyurl.com/6vueha8

bei den anderen sachen, die sie ansprechen (und bei denen ich auch nicht immer ganz folgen kann), würde ich gern etwas entwirren helfen (dieses "PC" missverstehen sie in meinen augen unnötigerweise), aber vielleicht besser bei anderer gelegenheit - mir ist im umfeld dieses berserkers seiner privaten herrenmenschgerechtigkeitsphilosophie einfach nicht mehr nach reden zumute.
Matthias Dell schrieb am 17.01.2012 um 11:19
@wolfram heinrich

eigentlich wollt ich ihnen nicht mehr antworten, und ich verspreche auch, es nie wieder zu tun. aber die beiden großchancen nicht reinzumachen, die sie hier offerieren - dazu bin ich einfach zu "verfressen" (ulf kirsten).

"Ich habe da ein Programm 'PhraseExpress' (www.phraseexpress.com/de/), mit dem kann ich Kürzel für lästig zu schreibende Ausdrücke (km/h), Wörter oder auch gaaanz lange Texte definieren und das Programm schreibt dann den richtigen Text hin, und zwar in jeder beliebigen Anwendung."

schöner kann man's nicht sagen: "PhraseExpress". würde ich an ihrer stelle als nicknamen überlegen, können sie tragen.

und um sich nicht nur lustig zu machen, sondern auch eine berechtigte frage zu beantworten, die sie am 16.01.2012 um 23:50 gestellt haben:

"Ja, red ich denn nur Scheiße?"

ja. ich glaub, jetzt hamm sie's.

und jetzt, PhraseExpress, schalt den turbo ein und hau noch mal was raus, die bühne gehört dir, die welt wartet.
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 13:00
: )

Also, Ulf Kirsten = 'Der Schwatte', der spielt seit gefühlt 10-20 Jahren keinen Fußball mehr, ist aber immer noch 'der Schwatte', ; )

Und die Erde ist seit gefühlt 2.500 Jahren keine Scheibe mehr, aber für manchen, weils sich passender anhört möglicherweise immer noch flach und kein Modell für einen Globus,
also, vielleicht könnte es der 'Erdkugel' weh tun, wenn man sie 'flache Scheibe' nennt,
aber, was schreib ich für einen Unsinn,
die Erde hört gar nix, brauchste auch nicht fragen, was ihr denn lieber wär,
so, gut jätz
achja: Punkt ---> .
thinktankgirl schrieb am 17.01.2012 um 13:25

Matthias Dell schrieb am 17.01.2012 um 11:19
@wolfram heinrich

schöner kann man's nicht sagen: "PhraseExpress". würde ich an ihrer stelle als nicknamen überlegen, können sie tragen.

und um sich nicht nur lustig zu machen, sondern auch eine berechtigte frage zu beantworten, die sie am 16.01.2012 um 23:50 gestellt haben:

"Ja, red ich denn nur Scheiße?"

ja. ich glaub, jetzt hamm sie's.


Arroganz ist auch eine Form von Rassismus! Da wäre mal ein Bewußtseins-Monitoring angebracht. Und zwar ganz tief drinnen.
Matthias Dell schrieb am 17.01.2012 um 16:15
schöner versuch, liebes thinktankgirl, aber nee, isse nich. aber das ist ihnen ja sowieso schnuppe. weil wir jetzt hier im kindergarten angekommen sind, wo sie einfach sagen: selber, selber, lachen alle kälber. bisschen billig. und so versuchen sie mir jetzt krampfhaft den vorwurf reinzudrücken, von dem sie glauben, dass ich ihnen den gemacht habe (dabei, das aber nur fürs protokoll, weil das je eh keiner wahrhaben will, wenn er sich angriffen fühlt, wollte ich keine vorwürfe machen, sondern um verständnis werben). das mit der vorwurfsumkehr ist auch eine standardsitutation des rassismus-diskurses. und leider sehr langweilig.
und ohne mich selbst loben zu wollen (die beiden gags waren ja so naheliegend, dass sie jeder hätte machen können), ich fand die witze nicht sooo schlecht. SuzieQ, zumindest, hat gelacht
thinktankgirl schrieb am 17.01.2012 um 16:28
und ohne mich selbst loben zu wollen (die beiden gags waren ja so naheliegend, dass sie jeder hätte machen können), ich fand die witze nicht sooo schlecht.

Das dachte Berlusconi auch, als er über Obamas Sonnenbräune witzelte.
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 17:35
@ Matthias Dell

Mal so ganz unter uns, liest ja eh keiner mehr mit:
der Freitag ohne Arroganz, das kann man sich doch gar nicht vorstellen ...
womöglich hieße er sonst längst Mittwoch.

und

Ziehen Sie mich bitte nicht in Ihre BewußtseinserweiterungsdiskussionsabblockversuchemitAnderen, da müssen Sie schon allein durch.

Außerdem waren es drei Gags, Sie kannten Ulf Kirstens Spitznamen nicht? Und sofort ins Schwarze getroffen.
Nein, das ist nicht lustig, überhaupt gar nicht nicht

"SuzieQ, zumindest, hat gelacht"

Sie sehen (hören??) ja, ich bin anderwärtig beschäftigt ...
; )
Matthias Dell schrieb am 17.01.2012 um 18:00
@SuzieQ
wollte sie da nicht instrumentalisieren oder reinziehen, hatte nur das emoticon so verstanden
@thinktankgirl
sehe ne gewisse tendenz, aber, wenn ich das als guten ratschlag mit auf den weg geben darf, aus dem kindergarten-ätsche-bätsche kommen sie nicht raus, solange sie mit der vorwurfsumkehr arbeiten. das macht einen unfeinen zug um den mund. glaube aber an sie, bleiben sie dran.
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 18:11
@ Matthias Dell

emoticon, noch dazu klein geschrieben, liest sich so harmonisch
und wie schön, Sie verstehen es, das kleine emoticon.
Wenn ich lache, darf ich trotzdem nicht instrumentalisiert oder reingezogen werden und schon gar nicht währenddessen.
So, ich geh jetzt noch mal in den Keller, nachschauen, ob jemand vergessen wurde.
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 19:36
@ Matthias Dell schrieb am 15.01.2012 um 10:11,

endete mit "puuuh" nach dem Schreiben, auch nach dem Lesen.

Sie eilen da mit großen Schritten und beleuchten alle Ecken, in denen Rassismus im Un- oder Kaumbeachteten weiter vor sich hin vegetiert, wachsen kann, Sie leuchten auch Ecken aus, in denen Rassismus vielleicht nur zu erahnen ist.
Und doch fühlt es sich an, als hätten Sie einen Schritt zu wenig getan:

Es gibt Unterschiede von einem zum nächsten Menschen, nicht einer ist wie der andere.
Rassismus ist nicht, die Unterschiede zu erkennen, sondern sie negativ zu bewerten.

Rassisten diskriminieren aufgrund einer eigenen Erhöhung über einen anderen Menschen; in meinem ersten Kommentar erwähnte ich, dass die Hautfarbe nur ein, weil offensichtlicher Teil davon ist.

Nun ist die Hautfarbe das Hauptthema in diesem Beitrag, und was mich von Anfang an störte, heraufbeschworen von irgendeinem anscheinend vom real life gelangweilten Flashmob, der sich entrüstete, auf dessen Zug aufgesprungen wurde, wie auf die 'Wulffs-Jagd'.

Das greift mir zu kurz, es bläht ein evtl vor dem Gekeife im Internet nicht mal als annähernd negativ empfundenes und beschämendes Gefühl auf, das sich ob der Entrüstung von außen Bahn bricht, brechen muss.
Muss es?

Ist eine Puppe für ein Kind zu be- oder verurteilen, weil sie einen Unterschied aufweist?
(Diese Puppe wird erst einmal geliebt ...)
Nein, erst wenn man diesem Unterschied eine solche Wertigkeit beschert, wie Sie und einige andere es hier tun,
denn, nichts verwerfliches ist an der Liebe zu einer Puppe, so wenig wie an der Liebe zu einem anderen Menschen, suchen wir doch nach Übereinstimmungen statt immer auf die Unterschiede herabzustufen.

In vielen Traditionen werden Farben verwendet, um Kleidung bunter zu machen, um Körper und Gesichter zu schminken oder Haare zu verändern.
Das geht immer in Ordnung, nur im Fall von 'Weißer' schminkt sich auf 'Schwarzer', da geht es über jedes (erträgliche) Maß hinaus?

Fragen Sie genau nach dem Warum.

Ich sagte schon, wir leben im 21. Jahrhundert, wir dürfen uns mit Rassismus, Diskriminierung, Emanzipationen auseinander setzen und wir dürfen klar Position beziehen:
für das Gemeinsame, für das Humane, für das Leben, für die Liebe.

Und wir dürfen so diskriminierend sein, die Unterschiede auf der Strecke bleiben zu lassen, wir dürfen alles (!), wenn wir fair, gerecht und menschlich bleiben.

Meine Kinder haben Freunde, da bespricht niemand die evtl Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten haben Wert. Für Freundschaften ist es unwichtig, wer welchen Nagellack, welche Turnschuhe oder sogar wieviel Taschengeld bekommt. Zickig wären sie auch, lebten wir in totaler Dunkelheit und könnten nichts ersehen (sic!).

Von Kindern können wir viel lernen.
Die Sternsinger zu 'verteufeln' (sorry), weil eins der Kinder geschminkt sein könnte, geht am Grundtenor vorbei.
Diese Rolle eines Königs, das ist das Wichtige, das Besondere, die Farbe stört eher, wischt sie eh bald ab, wie gesagt, es geht auch ohne Schminke oder eben auch grün mit rosa Punkten oder Streifen,
der Rassismus wird durch Gedanken transportiert, aber nicht durch die von Kindern.

Wo gründet denn die Sorge (Angst?), überall Rassismus zu wittern, bloß nicht inkorrekt zu handeln? Was wohl die anderen denken? Ist das unser deutsches Erbe?

Über den joint auf dem Theaterplakat regt sich niemand auf. Hallo?

Mein Profilmotto: never ever perfect, weil Mensch; das hilft mir durchs Leben, das lässt mich sogar lachen, in diesem so wahnsinnig aufgepumpten thread.

Sie haben ja recht mit Ihrer Anklage, aber gönnen Sie sich (und anderen) auch mal, vielleicht zunächst mal als Gedankenspiel die Frage:
Was ist denn jetzt wirklich schlimm daran, dass sich geschminkt wird, um z.B. ein Stück zu transportieren oder auch demnächst im Karneval.
Die Menschen sind nicht alle schlecht, die, wie im Stück selber, erst, wenn sie drauf aufmerksam gemacht werden, feststellen, achja, stimmt, du bist schwarz.
Bis zu diesem Zeitpunkt (als der schlecht sehende Hallervorden ganz nah ran muss, um es zu erkennen) spielt es ü b er h a u p t keine Rolle.

Ein wenig mehr Unbefangenheit, etwas mehr Toleranz und wie schon gesagt, den Blick weg von den Unterschieden richten auf Gemeinsames.
Dadurch verschwindet Rassismus nicht, aber er hat es unendlich schwerer, sich auch nur annähernd wichtig zu machen und verliert diesen Stellenwert, der ihm ja auch gar nicht gebührt.
(Bei den Ultra-Rechten, bei den Nazis, da werden Unterschiede zelebriert, beim Ku-Klux-Klan, aber doch nicht im Schlosstheater, da bedarf es des (aufgeschminkten) Unterschieds im Makeup (!?) als überdimensionierten Fingerzeig, seht her, wir machen es deutlich, w e i l es unwichtig ist)

Und zum Schluss sag ich Ihnen noch, welcher Satz mich all meine guten Vorsätze vergessen lassen könnte:

'Die sehen doch alle gleich aus'

ist für mich Rassismus pur,

denn: die sehen so gleich aus, dass sie nicht zu unterscheiden sind, ist Verneinung pur vor der wundervollen mittlerweile sieben Milliarden zählenden Vielfalt von uns Menschen.
Wir haben eine bunte Welt auf unserem blauen Planeten.

LG SQ
GEBE schrieb am 17.01.2012 um 19:47
@ thinktankgirl schrieb am 17.01.2012 um 13:25

„Arroganz ist auch eine Form von Rassismus! Da wäre mal ein Bewußtseins-Monitoring angebracht. Und zwar ganz tief drinnen.“

Ja, Sie haben nicht Unrecht, thinktankgirl!
Was sich dieser subalterne Kulturredakteur Matthias Dell hier gegen die Kundschaft des „derFreitag“ meint an Unverschämtheiten herausnehmen zu können, ruft regelrecht nach Moderation durch Vorgesetzte – oder den Herausgeber selbst.
Magda schrieb am 17.01.2012 um 21:20
"Das Neger-Sagen hat (zumindest was mich betrifft) nichts mit Ahnungslosigkeit zu tun, sondern im Gegenteil mit Kenntnis und Überlegung"

Du solltest Dir beim Schreiben besser zuhören, verehrter Wolfram Heinrich, sonst graut einem langsam vor Dir.
Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 12:06
@Matthias Dell
eigentlich wollt ich ihnen nicht mehr antworten, und ich verspreche auch, es nie wieder zu tun. aber die beiden großchancen nicht reinzumachen, die sie hier offerieren - dazu bin ich einfach zu "verfressen" (ulf kirsten).

Komikern oder Conferenciers, die wirklich gute Komiker oder Conferenciers werden wollen, gibt man gerne den Ratschlag, Pointen nicht vorher anzukündigen, sondern sie überraschend aufs Publikum perlen zu lassen. Aber gut, das wird vielleicht noch.

"Ich habe da ein Programm 'PhraseExpress' (www.phraseexpress.com/de/), mit dem kann ich Kürzel für lästig zu schreibende Ausdrücke (km/h), Wörter oder auch gaaanz lange Texte definieren und das Programm schreibt dann den richtigen Text hin, und zwar in jeder beliebigen Anwendung."

schöner kann man's nicht sagen: "PhraseExpress". würde ich an ihrer stelle als nicknamen überlegen, können sie tragen.


Das ist mal ein origineller Gag. Da erzählt einer von einem simplen, aber sehr nützlichen Computerprogramm, mit dem man sich die Schreibarbeit erleichtern kann, das Programm hat das Wort "Phrase" im Namen, ein Wort, das im Deutschen eine abschätzige Bedeutung hat, in anderen Sprachen dagegen nicht. Daraus konstruiert ein Anderer, ein eher zweitklassiger Komiker, da er seine Pointen vorher ankündigt ("Obacht! Pointe. Bitte schnallen Sie sich an, stellen Sie das Rauchen ein und machen Sie sich lachbereit"), den Vorwurf, es würde der Eine seine Beiträge und Kommentare aus immergleichen Textblöcken zusammenstopseln.
Wenn das nicht lustig ist, was dann? Ha. Ha.
Der Haken ist, daß es nicht stimmt. Ein bißchen, auch nur oberflächliches Stöbern in den elektronischen Spuren, die ich bei der FREITAGs-Community hinterlassen habe, wird Sie - und jeden anderen, der sich die Mühe macht - davon überzeugen, daß meine Blogbeiträge und Kommentare im Regelfall sehr sorgfältig und unter Einsatz von einiger Mühe verfaßt worden sind, sowohl was die inhaltliche Argumentation betrifft, als auch im Hinblick auf die sprachliche Gestaltung.
Gewiß, ich verwende manche Argumentationsstränge, manche Formulierungen ganzer Absätze mehrmals. Das gleiche Thema taucht in verschiedenen Threads auf, meine Beiträge und Kommentare habe ich gespeichert, ich sehe keinen Sinn darin, dieselbe Sache, die ich bereits früher abgehandelt habe, bei anderer Gelegenheit noch mal völlig neu zu formulieren. Ich nehme mir die Freiheit, mich selbst zu plagiieren, wobei ich allerdings häufig Selbstzitate als solche kenntlich mache.
Ich bin keiner, der es nötig hat, Gedanken anderer als eigene auszugeben. Ich neige eher dazu, eigene Gedanken und Formulierungen als von anderen stammend auszugeben. Ein Satz von G. B. Shaw hat doch viel mehr Glanz und Gewicht als einer von W. Heinrich. Nehmen Sie das als Geständnis, Herr Kommissar. Ja, ich bin ein Zitatfälscher.
Wenn ich vorhin schrieb, die Unterstellung eines technischen Phrasengenerators sei ein origineller Gag, so mag das richtig sein, original ist Ihr Gag auf jeden Fall aber nicht. Sondern? Sondern geklaut. Geklaut? Von wem? Von mir natürlich. Seit Jahren stehen auf meiner Website und meinem Blog folgende Anmerkungen:
"Sollten die auf meinem Blog verlinkten Fremd-Websites merkwürdige, gefährliche, strafbare, obszöne oder sonstige Inhalte, gleich welchen Inhalts, enthalten, so distanziere ich mich hiermit auf das Allerherzlichste von ihnen.

In gleicher Weise distanziere ich mich auch von den Inhalten meiner eigenen Website (www.theodor-rieh.de/heinrich/) und meines Blogs. Die dort hinterlegten Inhalte stammen nicht von mir, sondern wurden maschinell ohne mein Zutun erzeugt. (derfranzehatgsagt.blogspot.com/2009/02/bucher-werden-automatisch-geschrieben.html)"
Und einige Zeilen später:
" Ansonsten gilt immer:
Wer Zitate nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Zitate sich verschafft und in Umlauf bringt, wird mit Unsterblichkeit nicht unter drei Jahren bestraft.
(aus der Halskrausordnung von Karl III.)
derfranzehatgsagt.blogspot.com/p/rechtliche-anmerkungen.html
Nun, in diesem speziellen Fall finden Sie vielleicht einen gnädigen Richter und die Unsterblichkeit bleibt Ihnen erspart.

und um sich nicht nur lustig zu machen, sondern auch eine berechtigte frage zu beantworten, die sie am 16.01.2012 um 23:50 gestellt haben:
"Ja, red ich denn nur Scheiße?"
ja. ich glaub, jetzt hamm sie's.


Gottchen, wie oft hab ich nicht schon meinen Kopf frustriert gegen die Wand gedonnert?
Aufgepaßt, Herr Polemiker, daraus läßt sich schon wieder ein wohlfeiler Gag gegen mich basteln. Stichworte: dumpfgewummertes Hirn -> genau so lesen sich Ihre Kommentare. Nein, Dank begehr ich nicht für meinen Tip, ich bin immer gern behilflich. Gags für zweitklassige Komiker fallen mir zwischen Scheißen und Händewaschen ein, normalerweise schreibe ich sie aber nicht auf. Wie gesagt: zweitklassig.
Wie oft also war ich nicht schon frustriert, weil sich niemand die Mühe gemacht hat, mir meinen unterstellten Scheisendreck tatsächlich als Scheisendreck nachzuweisen. Deswegen schreibe ich doch, weil ich immer auf der Suche nach Gegenargumenten bin, die meine Meinung widerlegen. Nur so kann ich schließlich was Neues lernen... "Du bist ein Arsch. Deine Auffassung ist Dreck" oder "Ganz toll formuliert" - daraus lerne ich ja nichts.
Wie oft habe ich nicht schon Sachen hingeschrieben, bei denen ich mir gedacht habe, da muß doch jetzt ein leidenschaftlicher und begründeter Gegenstoß kommen, das kann doch niemand einfach so hinnehmen. Und wie oft wurde ich schon enttäuscht. Man hat sich an eher nebensächlichen Kleinigkeiten festgebissen und das Hauptstück unbeachtet gelassen.
Ein konkretes Beispiel gefällig? Ich habe hier behauptet, das (rein biologisch sinnvolle) Wegdefinieren von Rassen im sozialen Zusammenhang von Rassismus sei ein wohlfeiler Versuch, sich um die Aufarbeitung und Schuldbegleichung all der vielen rassistischen Untaten zu drücken, die der Weiße an Nicht-Weißen begangen hat. Das ist eine ungeheuerliche Unterstellung, die ich hier formuliert habe, eigentlich wäre sie es wert, en detail widerlegt zu werden, wenn sie sich denn widerlegen läßt.
Was passiert? Die ungeheuerliche Unterstellung wird ignoriert, keiner arbeitet sich dran ab. Stattdessen heißt es: Der Heinrich ist ein Rassist, weil er Neger sagt. Dergleichen Beleidigungen sind nichts weiter als Schläge gegen meine zur Deckung hochgehaltenen Hände, sie tun nicht wirklich weh, ein Boxer steckt so was weg, ohne mit der Wimper zu zucken. Was ich erwarte ist, daß endlich mal einer meine Deckung durchbricht und mir einen voll durchgezogenen Punch gegen die Birne donnert.
Im Gegensatz zum echten Boxkampf schädigen bei Diskussionen Schläge gegen den Kopf das Gehirn nämlich nicht, sie regen es an.
Also: Haut endlich zu und pinkelt nicht einfach irgendwo in den Ring.

Ciao
Muhammad Ali
P. S.: Kraft des mir von Gott verliehenen Amtes als DenkenSiesichwasaus erteile ich Ihnen hiermit für diesen Kommentar meinerseits Dispens von Ihrem Gelübde, künftig nicht mehr auf meine Kommentare antworten zu wollen.
Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 12:23
@Matthias Dell
und ohne mich selbst loben zu wollen (die beiden gags waren ja so naheliegend, dass sie jeder hätte machen können), ich fand die witze nicht sooo schlecht.

Grundregel für Komiker und Conferenciers: Ein guter Komiker oder Conferencier macht keine naheliegenden Gags, auf die jeder hätte kommen können. Und zwar aus genau diesem Grund.

Ciao
Wolfram
tlacuache schrieb am 18.01.2012 um 12:30
Keine Sorge, W.H.,
wenn einer meint, nur 'PhraseExpress' ist der Schöpfer, verhält er sich ungefähr so wie wenn einer "Googletranslater" für "Gottes" Worte hält...
Das ist so wie die "Unsterbliche Partie" im Schach, oder einfacher, "Henne-Ei-Problem", das knackt mir kein Pentium 1789254.
Schöne Grüsse vom deutschem ***** (So nennt mich liebevoll meine Frau, wenn sie schlechte Laune hat)
Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 13:25
@SuzieQ
Rassismus ist nicht, die Unterschiede zu erkennen, sondern sie negativ zu bewerten.

Die Aussage ist platt und selbstverständlich, aber es ist anscheinend nötig, auch platte Selbstverständlichkeiten gelegentlich zu wiederholen. Danke für den Satz.

In vielen Traditionen werden Farben verwendet, um Kleidung bunter zu machen, um Körper und Gesichter zu schminken oder Haare zu verändern.

Ein bißchen Schminke und du wirst ein anderer, das macht unter anderem den Reiz des Theaters aus.
Nähme ich die Argumentation um den schwarz geschminkten Schauspieler als allgemeines Muster, so würde es eng. Sonnwendfeuer? Wurden nicht auf solchen Holzscheithaufen früher Hexen verbrannt?

Die Sternsinger zu 'verteufeln' (sorry), weil eins der Kinder geschminkt sein könnte, geht am Grundtenor vorbei.
Diese Rolle eines Königs, das ist das Wichtige, das Besondere, die Farbe stört eher, wischt sie eh bald ab, wie gesagt, es geht auch ohne Schminke oder eben auch grün mit rosa Punkten oder Streifen...


So unwichtig ist die Farbe wahrscheinlich gar nicht. Einmal für ein paar Stunden jemand anderer sein, ein König, ein schwarzer König gar. Je weiter weg vom normalen Alltag, desto faszinierender wird es doch für Kinder (und nicht nur für sie). Auch der Karneval lebt von diesem Spiel mit den angenommenen Rollen.

Über den joint auf dem Theaterplakat regt sich niemand auf. Hallo?

Ich habe ihn erst durch deinen Hinweis überhaupt gesehen. Und, ja, ich rege mich auch jetzt nicht drüber auf.

Die Menschen sind nicht alle schlecht, die, wie im Stück selber, erst, wenn sie drauf aufmerksam gemacht werden, feststellen, achja, stimmt, du bist schwarz.

Ich kenne das Stück nicht, aus dem, was ich bis jetzt drüber gelesen habe, scheint es so zu sein, daß ohne diese Schwachsichtigkeit der Dialog gar nicht stattgefunden hätte. Der Weiße hätte sich gar nicht erst zum Schwarzen auf dieselbe Bank gesetzt (oder umgekehrt). Als er merkt, daß der andere schwarz ist, hat sich die Beziehung zwischen den beiden schon entwickelt, jetzt bricht er das sich entwickelnde Gespräch auch nicht mehr ab.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 13:44
@tlacuache
Das ist so wie die "Unsterbliche Partie" im Schach, oder einfacher, "Henne-Ei-Problem", das knackt mir kein Pentium 1789254.

Das Problem mit dem Huhn und dem Ei hat vor Zeiten bereits Samuel Butler gelöst: "Ein Huhn ist die Methode eines Eis, ein neues Ei zu erzeugen."
(siehe auch "Interpunktion von Ereignisfolgen": www.germanistik-kommprojekt.uni-oldenburg.de/sites/1/1_05.html#anker1_05d)

Ciao
Wolfram
tlacuache schrieb am 18.01.2012 um 23:14
Watzlawick und die Uni Oldenburg konnte ich noch nie leiden.
Berkley war besser:
"When you don't like a hen, shoot them and take the egg, when you don't like the egg, take crack".
Die sind einfach viel praxisnäher, diese *****Amis...
;-)
SuzieQ schrieb am 19.01.2012 um 02:05
@ Wolfram Heinrich

"Die Aussage ist platt und selbstverständlich, aber es ist anscheinend nötig, auch platte Selbstverständlichkeiten gelegentlich zu wiederholen. Danke für den Satz."

Der Satz war extra für Dich drin!

Dein Phrasen-Programm ist laut Deiner Anwendungsbeschreibung in der Lage, ein Wort durch ein anderes zu ersetzen:

Das ist DIE Aussage des threads.

Und jetzt DIE Frage des threads:
Warum tust Du es nicht?

So, und nu wird es mir bald zu bunt hier, : )

SuzieQ
Wolfram Heinrich schrieb am 19.01.2012 um 02:42
@SuzieQ
Dein Phrasen-Programm ist laut Deiner Anwendungsbeschreibung in der Lage, ein Wort durch ein anderes zu ersetzen:

Jein. Das Programm ersetzt sinnvollerweise kurze Buchstabenfolgen durch lange Buchstabenfolgen, sprich Wörter, Absätze oder auch längere Texte. "gw" wird zu gewesen, "gm" zu gemacht. Beispielsweise.

Das ist DIE Aussage des threads.
Und jetzt DIE Frage des threads:
Warum tust Du es nicht?


Weil ich es nicht will. Durch was sollte ich "Neger" ersetzen? Durch "Schwarzer"? "Schwarzer" ist "Neger" in grün, außerdem hatte "Schwarzer" in meinen jüngeren Jahren einen abfälligen Beigeschmack. Es kommt hinzu, daß die australischen Aborigines oder die Maori auf Neuseeland (die man früher Austral-Neger nannte) mindestens genau so schwarz sind wie die Bewohner des Kongo.
Durch Afroafrikaner, Afroamerikaner, Afroschwede? Wie nenne ich dann einen Neger, den ich nur sehe, ohne das mindeste über seine Herkunft zu wissen?
Zigeuner kann ich in der Mehrzahl Sinti oder Roma nennen, wie aber nenne ich einen einzelnen, ganz bestimmten Zigeuner? "Sinto oder Rom"?
Muß ich wirklich über jeden Stock springen, den man mir hinhält?
Mir geht dieses Mädchenpensionats-Geplustere um den anständigen und unanständigen Wortgebrauch inzwischen so was von dermaßen auf die Eier.

Ciao
Wolfram
SuzieQ schrieb am 19.01.2012 um 03:21
@ Wolferl

"Warum tust Du es nicht?
Weil ich es nicht will. Durch was sollte ich "Neger" ersetzen?
Wie nenne ich dann einen Neger, den ich nur sehe, ohne das mindeste über seine Herkunft zu wissen?
...wie aber nenne ich einen einzelnen, ganz bestimmten Zigeuner? "

Nun zu: wie soll ich denn nennen?

Da Du scheinbar und unbedingt die rassentypischen Merkmale beim Namen nennen musst, sobald Du welche zu erkennen meinst, mal wieder ein Vorschlags-Stöckchen:

Wie wäre es mit:
Guten Tag der Herr, die Dame, wie ich erkennen kann, kommen Sie wie ich aus Absurdistan, aus welcher Stadt genau?
Und wenn Du dann erzählen möchtest, wem Du begegnet bist, sagst Du:
Ich hab jemand kennengelernt, sehr nett, sehr gebildet, sehr aufmerksam, aber kruzfixhallelujah, die haben mich einen Milchbubi genannt, dabei bin ich längst aus dem Mädchenpensionat rausgeworfen worden.

Wolfram, es ist und bleibt auf Deinen Eiern, warum Du ausfallend werden musstest, verstehen die Hühner.

Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe zu kategorisieren, das machte man (u.a.) bei uns vor 66Jahren zuletzt, ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen,
seit dem ist viel Wasser die Isar runtergeflossen, und ein kluger Mensch denkt, bevor er redet/schreibt. Die Aussage ist platt und selbstverständlich, aber es ist anscheinend nötig, auch platte Selbstverständlichkeiten gelegentlich zu wiederholen.

Öffentliches Forum = öffentlicher Sprech,
was Du im Kopf hast, musst Du nicht den Usern flüstern. Ich denke, DA liegen Deine Eier begraben:

Vorschriften sind was für Nachschreiber?

SuzieQ

P.S. Bei den Eseln hat das Störrische etwas mit Intelligenz zu tun.
SuzieQ schrieb am 19.01.2012 um 03:43
@ Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 12:06

Du hattest ein Stöckchen ausgelegt:

"Ich habe hier behauptet, das (rein biologisch sinnvolle) Wegdefinieren von Rassen im sozialen Zusammenhang von Rassismus sei ein wohlfeiler Versuch, sich um die Aufarbeitung und Schuldbegleichung all der vielen rassistischen Untaten zu drücken, die der Weiße an Nicht-Weißen begangen hat. Das ist eine ungeheuerliche Unterstellung, die ich hier formuliert habe, eigentlich wäre sie es wert, en detail widerlegt zu werden, wenn sie sich denn widerlegen läßt."

Wenn man betrachtet, dass Aufarbeitung von 'Drittem Reich' hier in Deutschland in den Kinderschuhen stehen geblieben ist, dass (Mit-)Verantwortliche nach Kriegsende zum Großteil unbehelligt blieben (Mann verzeihe mir das Allgemeine, es ist spät), ist doch Dein 'Vorschlag' mehr als annehmbar. Falls er überhaupt gelesen wurde (!).
Es stand gar nix von 'Negern' drin ...
Wolfram Heinrich schrieb am 19.01.2012 um 11:23
@SuzieQ
Da Du scheinbar und unbedingt die rassentypischen Merkmale beim Namen nennen musst, sobald Du welche zu erkennen meinst,

In manchen Handlungszusammenhängen spielen "rassetypische Merkmale" (man sagt übrigens nicht mehr "Rasse" sondern "Phänotyp") eine Rolle. Das kann schlicht die Suche nach einem Vermißten sein, das kann aber auch relevant sein, wenn ich einen Menschen verstehen will. Wer als Neger, Türke, Zigeuner im sozialen Umfeld der Bundesrepublik aufgewachsen ist, der hat höchstwahrscheinlich eine Menge Erfahrungen gemacht, die ich nicht gemacht habe, weil mein Phänotyp ein anderer ist.

Wolfram, es ist und bleibt auf Deinen Eiern, warum Du ausfallend werden musstest, verstehen die Hühner.

Ausfallend? Ob du mir einen Hinweis geben könntest, wo ich ausfallend geworden bin?

Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe zu kategorisieren, das machte man (u.a.) bei uns vor 66Jahren zuletzt, ohne dafür Rechenschaft ablegen zu müssen,...

Anlaß für diesen Thread ist die im Grunde lächerliche Schminkgeschichte am Schloßparktheater in Berlin. Man wirft Hallervorden vor, er habe statt einen schwarzen Schauspieler zu nehmen, lieber einen weißen Schauspieler schwarz schminken lassen.
Hallervorden hat den Schauspieler nach einigen Kriterien ausgewählt, er mußte die deutsche Sprache beherrschen, er mußte als Schauspieler qualifiziert genug sein, er mußte vom eigenen Lebensalter den alten Mann der Rolle glaubhaft darstellen können und er mußte für die voraussichtliche Spieldauer verfügbar sein.
Was für die Auswahl offensichtlich keine Rolle gespielt hat, war der Pigmentzustand seiner Haut. Ich brauche einen Menschen mit einigen definierten Eigenschaften, ob der nun weiß, schwarz, gelb oder wie ist, ist mir wurscht. Wir kriegen das mit ein bißchen Theaterillusion schon hin.
Hallervorden hat also die in Frage kommenden Schauspieler nicht nach der Hautfarbe kategorisiert - nun aber ist auch das nicht recht.

Öffentliches Forum = öffentlicher Sprech, was Du im Kopf hast, musst Du nicht den Usern flüstern.

Ist das die Langform von "Schnauze!"?

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 19.01.2012 um 11:23
@SuzieQ
Wenn man betrachtet, dass Aufarbeitung von 'Drittem Reich' hier in Deutschland in den Kinderschuhen stehen geblieben ist, dass (Mit-)Verantwortliche nach Kriegsende zum Großteil unbehelligt blieben (Mann verzeihe mir das Allgemeine, es ist spät), ist doch Dein 'Vorschlag' mehr als annehmbar. Falls er überhaupt gelesen wurde (!).

Mein Vorschlag setzt aber voraus, daß man die Menschen nach ihrer Hautfarbe kategorisiert. Man hätte natürlich auch sagen können: Ah, Leute, Katholik, Jude, Pole, Zigeuner, Homosexueller - das ist doch alles belanglos. Wir sind alle Menschen, also führt euch nicht auf, vertragen wir uns einfach wieder.

Ciao
Wolfram
anna T. schrieb am 19.01.2012 um 12:06
@wolfram 19.01. 2:42 h

>>Mir geht dieses Mädchenpensionats-Geplustere um den anständigen und unanständigen Wortgebrauch inzwischen so was von dermaßen auf die Eier.<<

Schade, ich hoffe das ist dir so herausgerutscht...
Weil das wird der Diskussion und dem Thema nicht gerecht.
Uwe Theel schrieb am 19.01.2012 um 13:23
@ Wolfram Heinrich am 18.01.2012 um 13:44

Lieber Wolfram,

Dein Link ist hohl wie ein taubes Ei, aber der Satz von Butler ist gut.
SuzieQ schrieb am 19.01.2012 um 15:28
@ Wolfram Heinrich

"Öffentliches Forum = öffentlicher Sprech, was Du im Kopf hast, musst Du nicht den Usern flüstern.

Ist das die Langform von "Schnauze!"?"

Wenn Du mich so fragst ...
Nein, käme mir nicht in den Sinn.

Wie schon gefühlte 96 Mal vorher, es ist albern, kindisch, stur, ..., wie auch immer, wenn jemand trotz besseres Wissen auf etwas beharren möchte.
Mach Du, ich klink mich jetzt aus.

SuzieQ
Wolfram Heinrich schrieb am 19.01.2012 um 17:38
@anna T.
>>Mir geht dieses Mädchenpensionats-Geplustere um den anständigen und unanständigen Wortgebrauch inzwischen so was von dermaßen auf die Eier.<<
Schade, ich hoffe das ist dir so herausgerutscht...


Nein, das ist mir nicht so herausgerutscht.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 19.01.2012 um 17:38
@Uwe Theel
Dein Link ist hohl wie ein taubes Ei,

Ob jetzt diese Eier-Metaphern auch wieder aufhören?
Komisch, bei meinem Browser funktioniert der Link. Aber du kannst bei Google auch "interpunktion von ereignisfolgen" und "Watzlawick" eingeben, die verlinkte Seite taucht dann als erste Nennung (zumindest aber ganz oben) auf.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 19.01.2012 um 17:39
@SuzieQ
Ist das die Langform von "Schnauze!"?"

Wenn Du mich so fragst ...
Nein, käme mir nicht in den Sinn.


Fein. Aber stell dir nur, ich würde den Usern das flüstern, was ich nicht im Kopf habe...

Wie schon gefühlte 96 Mal vorher, es ist albern, kindisch, stur, ..., wie auch immer, wenn jemand trotz besseres Wissen auf etwas beharren möchte.

Die hier in Rede stehende Sache ist doch kein Problem meiner schönen Seele. Selbst wenn ich, als schreibende Person, von der Furien der Sturheit gehetzt würde, so bliebe doch die Argumentation selber davon nicht berührt.

Ciao
Wolfram
SuzieQ schrieb am 19.01.2012 um 21:33
@ Wolfram

Déjà vu

Deine Argumentation kann nicht von irgendetwas berührt werden, da sie nicht existiert.
Nichtmal ein einziges Argument existiert.
Wolfram Heinrich schrieb am 19.01.2012 um 23:27
@SuzieQ
Deine Argumentation kann nicht von irgendetwas berührt werden, da sie nicht existiert.
Nichtmal ein einziges Argument existiert.


Aber du mußt doch zugeben, daß die nicht vorhandene Argumentation ein allerliebst aufgebrezeltes Nichts war. Oder?

Ciao
Wolfram
Matthias Dell schrieb am 14.01.2012 um 12:22
die antwort auf die frage, ein für allemal, in der daily-show von jon stewart (ab 1.50), mit deutschland/wallraff-bezug (ab 5.00)

The Daily Show with Jon Stewart
>Get More: Daily Show Full Episodes,Political Humor & Satire Blog,The Daily Show on Facebook



anna T. schrieb am 17.01.2012 um 15:13
Hier ein Leserbrief an jungle-world.com
Rassismus in Tuben

Liebe Redaktion,

mit sehr viel Interesse haben wir den Beitrag zu 125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz gelesen. Die Beantwortung der Frage, inwiefern Kolonialismus die Gegenwart prägt, möch­ten wir ergänzen: Auch die Bewerbung von Produkten mittels der Abbildung schwarzer Menschen ist bis heute nicht verschwunden. Ehemals als Kolonialwaren verkaufte Produkte wie Kaffee und Schokolade wurden mit den allseits bekannten Figuren des »Sarotti-Mohrs« oder des »Meinl-Kaffeemohrs« beworben, deren Verwendung in der Vergangenheit bereits öffentlich kritisiert wurde. Seit kurzem wirbt auch die Firma Nudossi aus Radebeul für ih­re Schokocreme in Tuben mit dem Namen »Mama Savanna«. Abgebildet ist eine schwarze Frau, die den potentiellen Käuferinnen und Käufern ein Tablett mit einer Kakaofrucht und einer Tasse Schokolade entgegen hält. Ihre Kleidung und Kopftuch identifizieren sie als Bedienstete und erinnern an Bilder von Sklavinnen in den amerikanischen Südstaaten. Die Verbindung von Schokolade mit schwarzer Hautfarbe, die Bedienstetenkleidung und das Stereotyp der »afrikanischen Mama« – das stellt den vor 90 Jahren erfundenen »Sarotti-Mohr« eigentlich noch in den Schatten.
brefcourte schrieb am 14.01.2012 um 17:00
Nur sehr spezielle Menschen können sich über so etwas empören !
Uwe Theel schrieb am 14.01.2012 um 18:04
Alle die Kultiurbeflissenen scheinen vergessen zu haben, dass derselbe Joachim Bliese den Midge schon einmal. 1987, im selben Schloßparktheater, damals zusammen mit dem großen Minetti als Nat spielte.

Ich zitiere aus der ZEIT-Kritik:

DIE ZEIT, 26.6.1987 Nr. 27

Theater in Berlin: „Ich bin nicht Rappaport"
von Herb Gardener

King Lear auf der Parkbank

Minetti als Boulevardstar / Von Reinhard Baumgart

"... Joachim Bliese als Uncle Tom, mit einem tiefen, wenn auch leicht berlinernden Neger Bariton, spielt auch mehr als nur den Untermann für einen Großartisten. Wie er, überwältigt von den unermüdlichen Lügengeschichten des greisen Kumpels, immer wieder weich, mit krummem, rundem Rücken, in Zuhörerdemut in sich zusammensackt, wie er die heiseren Protestschreie eines Ohnmächtigen ausstößt, ein armes, desorientiertes Tier im Zivilisationsdschungel ..."

Vollständiger text: www.zeit.de/1987/27/king-lear-auf-der-parkbank

Wo ist da Rassismus? (Anm.: Den "Uncle Tom" im Text haöte ich für eine journalistische Entgleisung des Effektes wegen) - Gab es damals dieselbe Aufregung, irrten das Publikum damals?

Die Baumgart`sche Kritik ist weder Verriss noch unkritisches Lob.

Und weiter:

Die Kritik in der Berliner Morgenpost vom 10. Januar 2012

www.morgenpost.de/kultur/article1876935/Ich-bin-nicht-Rappaport-amuesant-und-beruehrend.html

zur Hallervordeninszenierung sagt über das Stück, selbst die Inszenierung im Kern nichts anderes wie die ZEIT-Kritik 25 Jahre zuvor.

Und noch eine Inszenierung "in Maske"am Ernst Deutsch Theater Hamburg, Premiere am 9. Juni 2005:

www.berliner-theaterkritiken.de/ErnstundHeiter/Ich%20bin%20nicht%20Rappaport.htm

Dort ist zu lesen, daß in der Vergangenheit auch schon Will Quadflieg (nat) und Wolfgang Kieling (Midge) das Stück gespielt haben. Insgesamt gab es seit der Premiere schon weit über 25 Inszenierungen an deutschen Bühnen.

Um es mit Shakespeare zu sagen: Viel Lärm um nichts, wenn jetzt das Theama Rassismus ungerechterweise gegen Gardner und seine Inszenatoren herausgeholt wird.

Schließlich: wer sich die als Beleg angeführte Facebook-Protestseite

https://www.facebook.com/pages/Schlosspark-Theater-Berlin-Offizielle-Seite/332467151990

näher ansieht, wird feststellen, dass dort nur unkonkretes Gerede in hohlster PC-Manier zu lesen ist, das hier, oder auch im Spiegel als wohl ernsthafte "Kritik aus dem Internet" gehandelt zu werden scheint.

Kritik geht anders.
SuzieQ schrieb am 14.01.2012 um 18:18
Rassismus hat nicht (allein) mit der Hautfarbe zu tun, sie ist ein Aspekt von vielen, um, wenn die Benennung der Farbe ein Vorurteil transportiert, negative Wertigkeit aufzuzeigen.
Phänotypische Unterschiede lassen sich 'leichter' benutzen als Persönlichkeits-Unterschiede, da sie ja offensichtlich(er).

Theater, ganz grob verallgemeinert, sollte doch Kunst, auch provokant, sein, aufrütteln, unterhalten, zum Nachdenken anregen.
Das ist hier geschehen. Und hat Reaktionen hervorgerufen, kostenlose Werbung.

Bei all der Diskussion um 'Darf ein Weißer einen Schwarzen spielen' begibt man sich auf ein 'rassistisches Spielfeld' und sollte fein abwägen, was man sagt, damit man selbst Rassismus nicht transportiert,
denn natürlich darf er das, genauso wie einen Rosa-Farbenen, Grüngepunkteten oder auch Gelbgestreiften. Und umgekehrt ...

Warum denn nicht?
Wir leben im 21. Jahrhundert, diskutieren hier in der FC Völkermord, verräterische Sprache und Feminismus usw.

Über Rassismus sollte man einfach 'drüber stehen' und die, die ihn propagieren in Frage stellen, nicht ihre Fragen.

Was mich mit leichtem Umweg auf Wolfram Heinrich bringt:

Lieber @ Wolfram,

in jenem besagten thread war Deine Intention schon klar, halt nur a bisserl 'von gestern'. Die Welt dreht sich halt und Sprache verändert sich, zum Glück. Da braucht es doch keine Leberwurst, die auf mind drei verschiedene Brote gekratzt wird, es liest sich dann eher wie die geklaute Butter vom Brot ...

Du bist im Grunde nicht rassistisch, Du bist nur (unglaublich) stur. Und auch das macht Dich menschlich, ist doch auch eine reiche Erkenntnis. ; )

LG SuzieQ
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 15:10
@SuzieQ
Rassismus hat nicht (allein) mit der Hautfarbe zu tun, sie ist ein Aspekt von vielen, um, wenn die Benennung der Farbe ein Vorurteil transportiert, negative Wertigkeit aufzuzeigen.
Phänotypische Unterschiede lassen sich 'leichter' benutzen als Persönlichkeits-Unterschiede, da sie ja offensichtlich(er).


Ach, wir Deutschen sind da flexibler. Als seinerzeit die Mauer fiel und unsere "lieben Brüder und Schwestern aus der Zone" massenhaft in Westdeutschland einfielen, da dauerte es nicht lange, bis die rassistischen Klischees auch auf sie angewandt wurden ("faul", "nörgelig" etc. pp.). In Italien sind es die nordici , die sich über die sudici abfällig äußern, teilweise ganz brutal abfällig. "Sudici" heißt einerseits "Bewohner des Südens", es bedeutet aber auch "Schmutzfinger".

in jenem besagten thread war Deine Intention schon klar, halt nur a bisserl 'von gestern'.

Was daran liegen mag, daß ich von gestern bin .

Die Welt dreht sich halt und Sprache verändert sich, zum Glück.

Ich würde kein Geschiß um Sprachänderung machen, wenn sich hier die Sprache tatsächlich einfach geändert hätte. Sie wurde geändert, von wohlmeinenden Menschen. Es hatte sich herumgesprochen, daß der Weiße dem Schwarzen (und dem Zigeuner) so unendlich viel Unrecht angetan hat. Der kostengünstigste Weg war dann, ein bisserl an der Terminologie zu drehen und sich einzureden, damit hätte man sich aus der kollektiven Verantwortung herausgewunden.

Du bist im Grunde nicht rassistisch, Du bist nur (unglaublich) stur.

Irgend ein schlauer Mensch hat mal gesagt (ich könnte mich vor Wut in den Arsch beißen, weil ich es nicht war): "Was wir bei anderen Sturheit nennen, nennen wir bei uns Prinzipienfestigkeit".

Ciao
Wolfram
SuzieQ schrieb am 16.01.2012 um 19:56
@ Wolfram Heinrich schrieb immer weiter ...

Liebes Wolferl,

es ist herzallerliebst und ganz reizend, wie Du hier parlierend bemüht bist, Rassismus zu kultivieren,
soll ich jetzt ein-, zwei-, x-mal Buh durchs Internet schicken?

Das werd ich nicht tun, Du hast dir grad so viel Mühe gemacht, ...
Fast schon übereifrig, könnt man meinen.

Denn ich wollt, ich wüßte nicht, wie das Kackfleckerl in Deiner kindlichen Hose genannt wurde, allein, es blieb dem interessierten Leser/der uninteressierten Leserin nicht erspart,
alles nur für Deinen 'guten Zweck'.

Wie so manch anderes, auch ein alberndes Gespann Dell/Heinrich, wortgewandt wie gewöhnlich (oder heißt es gewohnt?),
ich finde, Du hast Dich schön selbst angemalt. Geht das wieder ab? ; )

Und weil Du so fleißig warst (und womöglich folgen noch mehr Exponate), hab ich Dir auch was mitgebracht:



Und ER hat den längsten : ) (Buh)

LG von SuzieQ
thinktankgirl schrieb am 16.01.2012 um 20:17

Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 15:10
Es hatte sich herumgesprochen, daß der Weiße dem Schwarzen (und dem Zigeuner) so unendlich viel Unrecht angetan hat. Der kostengünstigste Weg war dann, ein bisserl an der Terminologie zu drehen und sich einzureden, damit hätte man sich aus der kollektiven Verantwortung herausgewunden.

So sehe ich das auch. Ausserdem halte ich die PC-Sprachpolizei für ein Ablenkungsmittel, das Gerechtigkeit suggerieren soll, von den richtig schweinischen rassistischen Unternehmungen, wie
- Medikamentenprüfungen in "Drittweltländern"
- landgrabbing
- Ersaufenlassen der afrikanischen Flüchtlinge im Mittelmeer
- Ficktourismus in Thailand
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 23:55
@SuzieQ
es ist herzallerliebst und ganz reizend, wie Du hier parlierend bemüht bist, Rassismus zu kultivieren,

Ich erteile das Wort dem Kollegen Friedrich Schiller:
Seid ihr nicht wie die Weiber, die beständig,
Zurück nur kommen auf ihr erstes Wort,
Wenn man Vernunft gesprochen stundenlang.
("Wallensteins Tod" II/3)

Denn ich wollt, ich wüßte nicht, wie das Kackfleckerl in Deiner kindlichen Hose genannt wurde, allein, es blieb dem interessierten Leser/der uninteressierten Leserin nicht erspart, alles nur für Deinen 'guten Zweck'.

Verständige Menschen fangen beim Betrachten von Kackflecken und deren Benennung an, zu denken. Alle anderen sehen einfach nur Kackflecken.

Ciao
Wolfram
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 00:23
@ Wolfram Heinrich

Das scheint sich für Dich zu einer richtigen Gaudi auszuwachsen,

ich mach mal nen kleinen Vorschlag:

Vor Dir siehst Du die Tastatur,
leg Deinen rechten (sic!) Zeigefinger bitte rechts außen auf die Leertaste ( das ist die über fünf Tastenbreiten gehende, sich in der untersten Zeile befindliche, Du weißt schon),
jetzt eine Zeile nach oben mit dem Finger, hast Du alles richtig gemacht, bist Du mit Deinem Zeigefinger auf dem 'M' gelandet, sehr gut, jetzt dauert es nicht mehr lange,
rutsch jetzt mit dem Zeigefinger zwei Tasten nach rechts und stopp.

Dein Zeigefinger schwebt jetzt quasi über der Taste.

Während Du nun den Finger senkst und zwar so weit (und fest), dass Du die Taste merklich herunter drückst, sagst Du folgenden Satz:

'Ich mach jetzt mal einen Punkt'

; )

Viel Glück
wünscht SQ
Magda schrieb am 17.01.2012 um 21:14
@ Wolframram - "Ach, wir Deutschen sind da flexibler. Als seinerzeit die Mauer fiel und unsere "lieben Brüder und Schwestern aus der Zone" massenhaft in Westdeutschland einfielen, da dauerte es nicht lange, bis die rassistischen Klischees auch auf sie angewandt wurden ("faul", "nörgelig" etc. pp.).

Ich erinnere mich ähnlich: Als die lieben Brüder und Schwestern aus der Westzone hier auftauchten, da dachte ich auch: Wir Deutsche, wir lassen doch nichts aus. Sofort wenden wir rassistische Klischees an. Nennen sie besserwisserisch, angeberisch und geltungssüchtig. Die Männer - dreimal so viel Raum einnehmend als sie brauchen, die Frauen ständig mit gesunder Beköstigung beschäftigt.

Frage. Welche Wendung ist im unteren Teil nicht logisch?
Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 13:27
@Magda
Frage. Welche Wendung ist im unteren Teil nicht logisch?

Wenn ich wüßte, welche Wendung in welchem unteren Teil nicht logisch (oder eben doch logisch) wäre, könnte ich antworten.

Ciao
Wolfram
zephyr schrieb am 14.01.2012 um 18:49
Wie sollte man also mit der Tradition der jugendlichen Sternsinger umgehen, von welchen einer noch vor kurzem begeistert und inbrünstig im Namen Melchiors vor meiner Haustür gesungen hat?
zephyr schrieb am 14.01.2012 um 22:01
Nachtrag:

Als kleines Kind, ich war etwa drei oder vier, hatte ich eine sogenannte "Negerpuppe". Sie war aus dunklem Plastik gefertigt und hatte große, helle, flache Scheibenaugen, die sich scheinbar öffneten und schlossen. Ich habe sie sehr geliebt.

Vielleicht hatte ich auch aus diesem Grund später nie Angst vor "schwarzen" Männern und Frauen.
Matthias Dell schrieb am 15.01.2012 um 10:15
wwalkie schrieb am 14.01.2012 um 19:51
Sehr gute, weil sehr böse Frage, zephyr. Obwohl, wenn die Sternsänger schon jugendlich sind, kann man ihnen immerhin einiges erklären und sie in ein Gespräch über ihren bisher stets weißen Chef verwickeln (was die begleitenden Erwachsenen gar nicht so gerne sehen). Ich finde mich immer mit einem süßen schwarzen Kind "konfrontiert". Das verschärft das Problem, vielleicht gibt's ja bald "Freitag's Ratgeber für korrektes Verhalten in allen Lebenslagen". Die Community diskutiert vorher den Titel der Sonderbeilage. Wie wär's mit Black and White? Oder "Unbedingt".

Ich erinnere mich schwach an einen Freitagartikel, in dem sehr luzide auf den kreativen Umgang mit einst (und leider immer noch) rassistischen Stereotypen eingegangen wurde. Ich fand damals bestätigt, was auch ich tagtäglich lerne: Der Rassismus wird nicht durch Appelle, nicht durch moralische Empörung (die - wie anscheinend auch hier - sich selber schadend, oft irrt) zum "Auslaufmodell", sondern durch ironische Distanz, durch gemeinsames Lachen über Dummheit bekämpft.

Dazu sollten doch gerade Schauspieler in der Lage sein. Oder? Und sogar Journalisten.
Matthias Dell schrieb am 15.01.2012 um 10:14
Magda schrieb am 14.01.2012 um 22:12
Die Konstellation ein Jude und ein Schwarzer ist ja auch sehr hintergründig - erinnert mich an Bernhard Malamuds "Die Mieter", die auch von einem Juden und einem Schwarzen handeln. Sich wechselseitig in tiefer Abneigung verbunden.

Mir scheint - wenn es schon diese Verfügung des Autors gibt - in diesem Schwarz Schminken auch eine Chance zu liegen. Mir kam das Originalplakat, das hier zu sehen ist, aber auch das aktuelle wie ein Verweis vor auf einen Kontext, der mir persönlich einleuchtet und Erkenntnisse befördert, wenn man das in die Pressearbeit mit einbezogen hätte.

Über die Entwicklung der Minstrel-Shows habe ich eine tolle Website gefunden.

www.jochenscheytt.de/minstrelshowdeutsch/minueberblick.html

Spannend daran fand ich, dass - über die Mitwirkung von Schwarzen - dann doch wieder Einfluss auf die gesamte amerikanische Kultur genommen wurde. Elvis hat in solch einer Show mal kurz mitgewirkt.

Eingefallen ist mir noch Al Jolson "The Jazzsinger" - ein Weißer, der einen Schwarzen spielte. Ich frage aber, ob das eigentlich nicht auch schon eine vorsichtige "kulturelle" Annäherung an eine schwarze Kultur gewesen ist. In Zeiten, da die Rassentrennung noch galt, aber auch schon so viel "schwarzer" Einfluss da war.

Also ich finde diese Konstellation nicht rassistisch, aber die Rezeption kann durchaus rassisisch sein.
Matthias Dell schrieb am 15.01.2012 um 10:13
Alien59 schrieb am 15.01.2012 um 15:44
Matthias Dell, danke, dass Sie sich das antun, hier wieder und wieder zu erklären, warum das so nicht geht, auch wenn es einige einfach nicht begreifen wollen.

Was Hallervorden angeht, hat er wohl das gleiche Problem: er erkennt nicht, was Rassismus ist - sonst würde es dieses wohl von ihm nicht geben:
www.golyr.de/dieter-hallervorden/songtext-fatima-heut-ist-ramada-13197.html

Den link dazu verdanke ich auch der "Brauner-Mob"-Website.
Wer sich selbst prüfen will, sollte dort oder auch bei Noah Sow stöbern. Oder ihr Buch lesen - aber das verträgt nicht jeder, wie ich in einigen Debatten feststellen musste.
zephyr schrieb am 15.01.2012 um 17:09
Wissen Sie, alien59, es geht mir doch schon gehörig auf die Nerven mit welcher Überheblichkeit Sie offenbar ebenso meinen, dass "es einige einfach nicht begreifen wollen."

Haben Sie sich den Auschnitt aus der Daily Show von Jon Stewart, den Herr Dell hier verlinkt hat, angeschaut? Ist Ihnen aufgefallen, welche Publikumslacher die Herren bewirken, während sie die anzüglichen Fotos der schwarzbemalten Models mehrfach einblenden?

Ich folgere daraus: der von mir sehr geschätzte Herr Stewart bedient sexistische Begierden während er gleichzeitig "blackfacing" anprangert.

Hier geht also der angeprangerte Rassismus überganglos in ausgeübten/angewandten Sexismus über.

Möchte das jemand kommentieren?
Matthias Dell schrieb am 15.01.2012 um 20:10
i will, zephyr, und ich sage gemach, gemach, und ich sage das auch, obwohl ich mir nach heute vormittag fest vorgenommen hatte, hier bis mindestens morgen nichts mehr zu sagen, weil ich hier nicht wie ein oberförsterlöschmeisterlehrer rumlaufen will, der immer alles besser weiß und das ganze wochenende mit nichts anderem verbringt, aber da ich das ganze wochenende im grunde mit nichts anderem verbracht habe - und ich will nicht jammern, es ist mir ja auch wichtig, sonst hätte ich mich davon nicht einnehmen lassen -, werde ich noch mal was sagen, und ich will nicht verhehlen, dass nach den ganzen mühen, mich der kommentar von Alien59 auch gefreut hat, weil ich darin meine mühen verstanden gefühlt habe (was nicht heißen soll, dass andere das nicht auch sehen würden bzw. dass es hier vor allem darum ginge, meine mühen zu verstehen bzw das andere sich nicht auch mühten)

und zugleich habe ich bei dem kommentar von Alien59 gedacht, nein, nein, nein, mit diesem ton ruft man genau jene reaktion hervor, mit der sie einsteigen in den kommentar, und dann fällt das ganze kartenhaus von verständniswerbung und erklärausdauer wieder in sich zusammen, weil dann ein grund da ist, sich damit nicht mehr auseinandersetzen zu müssen - auch wenn ich verstehen kann, wie Alien59 dazu kommt, ich habe es selbst gemerkt bei meinen elend langen kommentaren, wie da die verzweiflung übers nicht-verstehen irgendwann die geduld strapaziert, und ich kann leute verstehen, die solche diskussionen tausendmal geführt haben und denen das einfach zu blöd ist, immer wieder bei null anzufangen, und über diese leute kann man dann in netzdiskussion so ein missfallen lesen, dass die zu hart seien, mit kanonen auf spatzen schießen, immer sofort irgendwelche keulen rausholen, man könnte zeitungsseiten und kommentarposts damit vollschreiben, dieses ganze arsenal an asymmetrischer kommunikation aufzuschreiben, die sich in solchen zusammenhängen quasi automatisch finden lässt: standardsituation des rassismus-diskurses. jeder text, der sich grundlegend damit befasst, kommt früher oder später darauf. und der grund ist, dass sich vieles häufig nicht bewegt oder nur sehr langsam.

ich will aber, dass sich was bewegt, mir geht es nicht darum, mich besser zu fühlen gemeinsam mit meinen topcheckerbuddies, die mich verstehen, und anderen leuten irgendwelche "fehler" mit dem zeigefinger ins klassenbuch zu zeigen. mir geht es, ganz karlmayhaft, um peace on earth, um vermittlung, so schwierig die sich gestaltet.

und deshalb hier noch zwei anmerkungen. zu karl may: das ist auch eine standardsituation solcher diskussionen, dass dann irgendwann weitere komplizierte, verwickelte fragen aufgeworfen werden. und häufig dienen diese fragen nur dazu, die bewegung, die gerade ins denken, gekommen war, wieder abzubrechen. ich hatte diese befürchtung bei ihrer frage nach dem melchior. dass da nur gefragt wird, um dann die hände über dem kopf zusammenzuschlagen, wenn irgendjemand sagt, nein, auch nicht anmalen, weil diese fiesen rassismuskritiker jetzt völlig durchgeknallt sind und uns noch unsere kinderfreuden wegnehmen wollen.

ich glaube aber drei posts später, sie so zu verstehen (wenngleich ich mir nicht sicher bin - wie soll auch man jemanden aus fünf posts verstehen?), dass sie diese fragen nicht rhetorisch stellen, als fallen, um die durchgeknalltheit der fiesen rassismus-kritiker da reinlaufen zu lassen, um im grunde nur bestätigung dafür zu kriegen, dass die ganze mühe mit dem denken nicht lohnt, weil das ja alles so übertrieben und wasweißich ist. das wäre die andere standardsituation, wo das denken einen nebenkriegsschauplatz findet, auf dem es mit der bewegung aufhören kann.

ich vermute, dass sie diese fragen aus ernsthaftem interesse stellen, weil man, wenn man einmal mit der bewusstmachung anfängt, zwangsläufig zu solchen fragen kommt. und ja, beim karneval, würde ich auch sagen, nein, nicht auf kolonialklischees schminken, einfach mal tourist machen, arzt oder mario barth. bei karl may würden die ausführungen länger dauern, ich kenne mich da jetzt auch zu wenig aus, um wirklich qualifiziert zu antworten, aber die frage zeigt schon, dass das aufgrund der anlage ein weiteres indiz dafür, wie sehr unsere weiße geschichte mit kolonalistischen diskursen verquickt ist.

leicht wäre auch hier die antwort: jetzt wollen sie uns auch noch unseren karl may madig machen, die hamm sie doch nicht mehr alle. es geht aber nur darum, ein bewusstsein dafür zu haben, dass karl may auch madig sein kann in diesem punkt und trotzdem oder gerade teil unserer weißen geschichte, mit der wir umgehen müssen.

und das ist ja auch ein missverständnis, dass bei wwalkie (ich vermute, hoffe, ironisch anklingt), dass es so was wie ein ratgeber für - don't mention the word - korrektes verhalten geben könnte, in dem ein für alle mal steht, wie's richtig ist. darum geht es mir nicht, hier nicht, ich weiß das auch nicht, und auch jon stewart ist nicht im besitz der letztgültigen wahrheit. diese ratgeber-idee (wo ich jetzt auch erklären konnte, wieso die irgendwann immer kommt in solchen gesprächen) erklärt auch den erfolg und die hartnäckigkeit des dummen "pc/ non pc"-diskurses, weil der zu vermitteln scheint, es gäbe so was (und damit eigentlich nur die gegenposition bequem ausstattet, in der man sich dann als "unkonventionell", "riskant" und wasweißich für ein märtyrer für die von idioten bedrohte meinungsfreiheit einrichten kann in seinen unhinterfragten vorstellungen - das führt jetzt aber auch wieder zu weit).

es geht einzig und allein darum, ein bewusstsein für die eigene situation als weißer in dieser diskussion zu entwickeln, wie ich das oben beschrieben habe. dann wird man immer noch auf fragen stoßen, die schwierig und widersprüchlich sind, aber man hört zumindest auf, leute grundlos zu beleidigen. das kann doch keiner wollen, leute grundlos zu beleidigen, weil man die rassism-reste in der eigenen lebenswelt nicht reflektiert kriegt.

zu jon stewart, oder vorher noch zu dem sexismus: das könnte auch eine standardsituation sein, dass man da einfach immer mehr igel aufstellt, und der erklärhase läuft sich dann einen wolf, weil er in dieser minderheitenausfächerung und -konkurrenz keine luft mehr kriegt. deshalb habe ich bei meinen kommentaren diese vergleiche gelassen, weil sie immer nur weiter weg führen, mir geht es hier ganz konkret darum zu erklären, dass das problem der didi-inszenierung schon im anmalen besteht. und dazu muss man die sachen voneinander trennen. diese minderheitenkonkurrenzen führen zu nichts, vor allem nicht in solchen diskussionen. und wenn man anfängt zu hierarchisieren (was ist schlimmer?), dann wird man irgendwann verrückt und läuft rum wie ein staatsanwalt, der hinter jeder äußerung nur noch irgendwelche zurücksetzungen sieht (präventiv an jeden, der meine weiter oben gemachten äußerungen hiermit treffend beschrieben sieht: dazu fällt mir jetzt auch nichts mehr ein).

(es gibt formen von überlagerungen, die man mit nüchternem blick durchaus beschreiben kann, das hat stefan niggemeier im wahlkampf zwischen hillary clinton und barack obama bewiesen www.stefan-niggemeier.de/blog/hillary-clinton/. nur bitte nicht das beklagenswerte eine als erklärung dafür nehmen, warum man sich mit dem bedenkenswerten anderen dann doch nicht auseinandersetzen muss.)

ich finde den jon-stewart-ausschnitt nicht gut, weil jon stewart ein toller hecht ist und grundsätzlich recht hat. ich finde ihn gut, weil er auf der höhe der zeit zeigt, wie man sich, wenn man sich der schwierigkeiten in dem diskurs bewusst ist, damit durchaus ironisch umgehen kann, ja, es sogar wieder lustig wird (was ich, nebenbei gesagt, keinem deutschen fernsehmoderator zutrauen würde, harald schmidt steckt in solchen fragen kurz hinter baumgart 1987 fest, dem fällt zu obama und afrika auch immer nur kannibalismus und dieser olle, stereotype unsinn ein).

vorweg würde ich sagen: stewarts performance des "no" zur frage würde ich wohl auch gelten lassen, wenn sie mit dem sexismus recht hätten. ich würde allerdings sagen, dass man hier nicht von sexismus (den es, wie gesagt, gibt, und, das macht es nicht leichter, bestimmt auch vermengt mit anderen schwierigen diskursen) sprechen kann in der form, dass stewart/wilmore ihn performten. toll ist bei stewart, dass er die blackface-frage von cnn (oder war es doch fox) rüberholt, also sie selber nicht stellt, weil es auch darum geht zu zeigen, wie bescheuert diese mediengetue bei cnn (oder fox) ist, das so tut, als sei es möglich, diese frage anders als rhetorisch zu stellen.

daraus baut die sendung einen gag, mit dem "experten", den sie sonst nie so direkt da reinholen würde als wirklichen lebensratgeber und erklär-uns-was-wir-tun-sollen. die "beautiful-girl-exception" ist in dem gag vor allem ein retardierendes moment, das bei der rush-limbaugh-cheerleaderin dann ja auch wieder ad absurdum geführt wird und eigentlich nur dahin überleiten soll. die exception kommt ins spiel, wo dieses absurde bild von der frau mit den gespreizten beinen gezeigt wird, das mir, ich bin da aber auch nicht auf dem laufenden, doch reichlich plump scheint für eine avancierte modefotografie (wie mir all die bilder von den models irgendwie wie second-class-fotos vorkommen, also grotesk, schlecht gemacht). stewart funktioniert ja vor allem als ein schülerlotse im irrsinn des medialen verkehrs, der häufig nur noch entscheidet, wann er welchem quatsch vorfahrt geben muss, weil der quatsch sich sowieso von selbst erklärt (diese australische szene oder günter wallraff da zu sehen, ist durch diesen rahmen auch gleich noch mal befremdlicher – und das lachen von stewart/wilmore markiert das absurde an diesem beinespreizen). es geht hier also darum, diese völlig dämliche beinespreizen zu zeigen. und das sage ich, wie gesagt, nicht, weil ich jon stewart in jedem fall verteidigen würde, sondern weil die ganze dramaturgie dieses gags, sein tempo, rhythmus bis zur finalen pointe mit dem ersten weißen präsident sehr überzeugend gemacht ist. versteht man, was ich sagen will?
cuchulainn schrieb am 15.01.2012 um 20:40
(off topic)
@Matthias Dell, 15.01.2012 um 20:10

es ist zwar zur sache schon alles gesagt worden, allerspätestens seit dem kommentar von "Phineas Freek" weiter oben, aber ich muss es hier mal loswerden:

ich finde es grose klasse, dass mal endlich, endlich einer von euch da oben herabsteigt vom parnass der redaktion und einfach nur hinschreibt, was er scheisse findet und warum.

zwar bin ich nach wie vor der meinung, dass der punkt ein sehr schönes, allzu häufig recht stiefmütterlich behandeltes satzzeichen ist, das man durchaus öfter verwenden könnte. aber: diese klare ansage, die sich nicht erst hinter fünftausend gedrechselten floskeln verbirgt, ist meines bescheidenen erachtens nach wesentlich näher an dem idealbild von community/redaktion-porträt dran als die letzten hochfliegenden zwanzig absichtserklärungen zu dem thema.

also daumen hoch, herr dell - mindestens für die FORM.

feasgar máth
cúchulainn
cuchulainn schrieb am 15.01.2012 um 20:41
"community/redaktion-porträt"

ist natürlich kompletter schwachsinn, gemeint ist: community/redaktion-PARITÄT.
zephyr schrieb am 15.01.2012 um 22:04
Ich glaube schon, dass ich Sie verstehe.

Stewart wäre auch zuzutrauen, dass er das Foto mit dem beinespreizenden Model selbst hat machen lassen...Ob das nun "nur" ein retardierendes Moment ist? Da wäre die Frage, ob man die Katharsis nicht weniger sexistisch hätte aufhalten können, hm? Oh well...

Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass "unsere weiße Geschichte mit kolonialistischen Diskursen verquickt ist."

Ich bin jedoch überzeugt davon, dass diese Diskurse gelegentlich, nicht immer, aber vielleicht sogar öfter, auch zu aufrichtigem Interesse an den darin geschilderten bzw. gelebten Kulturen und/bzw. Menschen führen (können). Und zwar auf eine Weise, die ohne kolonialistisches Denken und Handeln auskommt.
zephyr schrieb am 15.01.2012 um 22:05
Mathias Dell um 20:10

Mein letzter Kommentar war an Sie gerichtet. Ich danke auch noch für die ausführliche Stellungnahme.
zelotti schrieb am 15.01.2012 um 23:09
Es gibt ja auch den "White Negro":
www.dissentmagazine.org/online.php?id=26

So etwas wie der linke Intellektuelle als antibürgerlicher Arbeiter.
Wolfram Heinrich schrieb am 15.01.2012 um 23:37
@zelotti
Es gibt ja auch den "White Negro":

Vergeßt mir des Wumbaba nicht.

Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Neger Wumbaba.

Ciao
Wolfram
tlacuache schrieb am 16.01.2012 um 10:36
Ich bin ein deutscher *****, so gibt es mir wenigstens meine Frau zu verstehen ("Ich mein's nur jut").
Aber meine angeheirateten Verwandten denken, ich bin eine schwarze Katze (um 3.23 Uhr Nachts zu so einem norwegischen braunen Ziegenkäse zu antworten)...
So, jetzt gehe ich wieder zu meinem *****-schwarzen kubanischen Nachbarn, *****-schwarzen selbstgebrannten Zuckerrohrschnaps saufen, auf dass der *****-schwarze Filmriss kommt.
Der hat übrigens
*****-schwarz - geile Mucke laufen...
;-)
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 17:59
@Magda
Spannend daran fand ich, dass - über die Mitwirkung von Schwarzen - dann doch wieder Einfluss auf die gesamte amerikanische Kultur genommen wurde.

Richtig. Die (us-)amerikanische Kultur ist ohne Neger schlicht und ergreifend nicht denkbar. Bei der Musik ist es ohrenfällig, wie es ohrenfälliger gar nicht sein kann.

Also ich finde diese Konstellation nicht rassistisch, aber die Rezeption kann durchaus rassisisch sein.

Vielleicht verhält es sich mit dem Rassismus wie mit der Schönheit, die ja auch im Auge des Betrachters liegt.

Ciao
Wolfram
Columbus schrieb am 16.01.2012 um 23:46
Da setzt, liber TLacuache, die Weißseinsforschung auch an. Nämlich bei der Frage, warum sich der Weiße nicht nur argumentativ , sondern auch sonst, gerne zum "Neger" macht. Das wundert schwarze Wissenschaftler, die hinter die Marotten dieser anthropologischen Minderheit kommen wollen.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Magda schrieb am 17.01.2012 um 20:57
Ja, aber das bedeutet doch nicht, dass dort kein Rassismus geherrscht hat.
Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 13:26
@Magda
Ja, aber das bedeutet doch nicht, dass dort kein Rassismus geherrscht hat.

Das bedeutet es in der Tat nicht. Deutschland (Ökonomie, Wissenschaft und Kultur) wurde vermutlich wie kein anderes Land auf der Welt durch Juden mitgeprägt. Antisemitismus, es ist sattsam bekannt, gab und gibt es in Deutschland dennoch.

Ciao
Wolfram
GEBE schrieb am 15.01.2012 um 23:31
Wer hier aus meinetwegen „sprachhygienisch“ zu nennenden Gründen die Begrifflichkeit „Neger“ für rassistisch befindet, zeigt lediglich auf, daß er selbst dabei wohl nicht anders kann, als das amerikanische tatsächliche Schimpfwort „Nigger“ im Kopf trägt, und daß er das dann in dumm-ideologoischer Weise mit „Neger“ gleichsetzt und meint, derjenige, der es eben nicht als Schimpfwort anwendet, müsse genau so ideologisch bösartig gestrickt sein wie er selbst.

Und noch was zum Aufregen: Wenn Shakespeare-Stücke historisch-authentisch aufgeführt werden – so wie es z.B. die „Bremer Shakespeare Company“ in den Neunzigern bundesweit erfolgreich getan hat -, so werden dabei alle Frauenrollen von Männern gespielt.

P.S.:
@ Wolfram Heinrich: Ich habe mich freiwillig zum ***** gemacht und Ihren Kommentaren Zuwendung zukommen lassen.

P.P.S.:
@ Matthias Dell: Bemerkenswert, wie „politisch-korrekt“-linientreu Sie Argumentation simulieren können. Kompliment!
Matthias Dell schrieb am 16.01.2012 um 11:41
mönsch, GEBE, da überlegen und argumentieren wir uns hier einen wolf das ganze wochenende, und dann kommen sie am sonntagabend und haben des rätsels lösung - das hätten sie echt mal früher sagen können, blitzgneißer, der sie sind. leute, die so genau bescheid wissen wie Sie, die können sich doch nicht einfach zurückhalten, das nehm' ich ihnen übel.
die spitze (ist doch eine, oder?) im p.p.s. - geschenkt. nur weiß ich nicht, was "politisch-korrekt"-linientreu heißt, ich kenne diese drei wörter einzeln, aber zusammen ergeben sie irgendwie keinen sinn. ich hoffe, hier ist noch mit so profunder aufklärung zu rechnen, wie Sie sie schon vorher geliefert haben.
wahr schrieb am 16.01.2012 um 13:34
Ich möchte Ihnen auch noch einmal danken für Ihre Kommentare hier im gesamten Thread, Herr Dell, die Sie sicherlich sehr viel Zeit und Mühe gekostet haben. Auch wenn's irgendwie vergeblich gewesen sein könnte, wie ich leider unter dem Eindruck von GEBEs Kommentar vermuten muss.
Magda schrieb am 17.01.2012 um 17:57
@ wahr- ich stimme zu. Meine Güte, ist das ein Diskurs.
Phineas Freek schrieb am 16.01.2012 um 14:23
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 14:38
@Phineas Freek
The Niggar Family

Ganz wunderbar.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 14:40
@Matthias Dell (zum hier verlinkten Artikel "Wir unverkrampften Rassisten")
Am 20. Januar wird Barack Obama in das Amt des US-Präsidenten eingeführt. Bei den Reaktionen auf seine Wahl Anfang November überraschte Silvio Berlusconi mit der Charakterisierung, Obama sei "jung, ansehnlich und sogar gebräunt". Es ist leicht, diese Äußerung als rassistisch abzutun.

So ganz leicht nun auch wieder nicht. Man müßte nämlich, um die Äußerung zu bewerten, den Zusammenhang in Rechnung stellen, in dem diese Äußerung gemacht wurde. Wären nämlich Berlusconi und Obama alte Bekannte, gar Freunde gewesen, die sich wechselseitig schätzen, dann wäre die Bemerkung Berlusconis tatsächlich nichts weiter als eine gutmütige Frotzelei unter Freunden gewesen.
Dem aber war nicht so. Es gibt bei YouTube ein Video (ich finde es gerade nicht), auf dem zu sehen ist, wie Berlusconi eine Rede im amerikanischen Kongreß hält. Obama, der damals noch einfacher Abgeordneter war, ist der einzige, der nach Berlusconis Rede nicht aufsteht und applaudiert. Heißt: Berlusconi hatte nicht das Recht, und zwar überhaupt nicht, Obama so locker und flapsig von der Seite anzuquatschen.

Daran hat sich öffentlich kaum jemand gestört außer Betroffenen wie dem schwarzem Entertainer Ron Williams, der im Interview mit dem Deutschlandfunk - wo häufiger von "Farbigen" die Rede war - darauf hinwies, dass er nicht "farbig" genannt werden wolle.

Ich weiß noch sehr gut, daß "Farbiger" der erste, noch schüchterne Versuch war, das maledeite Wort "Neger" zu vermeiden. Der Sprachgebrauch kaum aus den USA, wo er schon in fünfziger, sechziger Jahren verwendet wurde, ohne auch nur - klar - das Mindeste an der damals noch institutionell verankerten Apartheid zu verändern.


Woher soll ein Schwarzer wissen, dass zwar der Nazi, der unbeschwert "Neger" sagt, ein Rassist ist, die Dummy-Herausgeber, die ihr Heft so nennen wollen, aber nicht?

Neger sind, entgegen anderslautenden Gerüchten, nicht dümmer als unsereiner. Auch sie wissen, daß der Ton die Musik macht, auch sie wissen, daß es der Zusammenhang einer Äußerung ist, die sie rassistisch macht oder eben nicht.

Das diffuse deutsche Rassismusbewusstsein macht es sich derweil in seiner vagen Selbstsicherheit bequem, indem es einfach die Regeln im Sprachverkehr ändert: Nicht die Äußerung bestimmt über das Denken, sondern der, der sie tut.

Nochmal, ich habe das inzwischen hier schon so oft geschrieben, daß mir schwurbelig wird im Hirn: Das Wort "Neger" war im deutschen Sprachgebrauch bis in die späten siebziger, vielleicht noch bis in die frühen achtziger Jahre hinein, ein absolut neutrales Wort. Man sprach (begeistert) vom Negerführer Martin Luther King, der Negerführer Malcolm X wurde nicht ganz so begeistert aufgenommen, dafür war er zu radikal und konsequent. Irgendwann in den siebziger, achtziger Jahren hieß es auf einmal, "Neger" sei ein diskriminierendes Wort und man sollte es nicht mehr verwenden. Gleiches hieß es vom Wort "Zigeuner" oder "Eskimo". Nur die frechen Homosexuellen entzogen sich dem semantischen Kuscheldiktat. Sie machten das Wort "schwul", das damals nun tatsächlich ein übles Schimpfwort war, zur Selbstbezeichnung, die sie fortan stolz vor sich hertrugen.

Der Film, der hier auf eine erfrischend absurde Art und Weise, mit unseren Klischees und Vorspielungen spielt ("Wie mögen Sie so als Sklave Ihren Kaffee?" - "Herr Bimbo, wollen Sie nicht erst noch Ihren Kaffee austrinken") ist von 1985. Damals gab es noch Widerstand gegen die aufgedrückte Änderung der Terminologie.
Günther Kaufmann, der hier den "Herrn Bimbo" spielt, hat übrigens seiner Autobiographie den Titel "Der weiße Neger vom Hasenbergl" gegeben. (Das Hasenbergl ist ein Münchner Stadtteil, in dem die kleinen und ganz kleinen Leute wohnten, ein "sozialer Brennpunkt".)

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 14:42
Nachtrag:
"Sozialer Brennpunkt" ist auch so ein verschleiernder Begriff für das, was bei kleinen und sehr kleinen Leuten in Bayern ganz brutal und einfach "Glasscherbenviertel" heißt.

Ciao
Wolfram
Phineas Freek schrieb am 16.01.2012 um 15:14
@Wolfram Heinrich

…Dave Chapelle gemeinsam mit Michael Murphy (der Bruder von Eddie Murphy) sind einfach großartig – und sie sind – was man hierzulande vergeblich sucht – wirklich witzig und gleichzeitig einigermaßen scharfsinnig …

Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 16:05
@Phineas Freek
…Dave Chapelle gemeinsam mit Michael Murphy (der Bruder von Eddie Murphy) sind einfach großartig – und sie sind – was man hierzulande vergeblich sucht – wirklich witzig und gleichzeitig einigermaßen scharfsinnig …

Das ist, im doppelten Wortsinne, schwarzer Humor. Wir können hier von Angelsachsen noch viel lernen.
Auf der anderen Seite kann sich dergleichen nur ein Schwarzer erlauben (obwohl ihm vielleicht ein weißer Autor den Text geschrieben hat).
Beim folgenden Sketch hätte sich ein heterosexueller Kabarettist einen Schiefer eingezogen, der bekanntermaßen schwule Hape Kerkeling darf sich dergleichen Tunten-Theater erlauben.


Ciao
Wolfram
wahr schrieb am 16.01.2012 um 16:56
Zitat Wolfram Heinrich: "Das Wort "Neger" war im deutschen Sprachgebrauch bis in die späten siebziger, vielleicht noch bis in die frühen achtziger Jahre hinein, ein absolut neutrales Wort. "

Der Begriff "Neger" ist rassistisch, wie sehr Sie auch versuchen, ihn zu verharmlosen. Das er bis in die 1980er Jahre hinein geläufig war, machts nicht weniger schlimm. Fällt Ihnen eigentlich gar nicht auf, dass Sie den Begriff, der in einem wissenschaftlich in keinster Weise haltbaren Rassenglauben eingebunden ist, auch 2012 immer noch verteidigen?

Zitat Wolfram Heinrich: "Neger sind, entgegen anderslautenden Gerüchten, nicht dümmer als unsereiner. Auch sie wissen, daß der Ton die Musik macht, auch sie wissen, daß es der Zusammenhang einer Äußerung ist, die sie rassistisch macht oder eben nicht. "

Noch ein einziges Mal: Es gibt keine "Neger"! Es gibt keine "Schwarzen"! Es gibt keine "Weißen"! Schwarz/Weiß ist eine Unterscheidung, die IMMER erst von oben erfolgt. Es ist das Ergebnis des Menschenhandels mit Afrikanern, die aus ihrer Kultur gerissen und versklavt worden sind. Derjenige, der die Macht hat, definiert die Machtlosen als nicht zugehörig, indem er sie stigmatisiert („Schwarze, „Neger“). Damit macht er sie ausbeutfähig und nutzbar. Die AUSGRENZUNG über die Hautfarbe ist das EINZIGE Kriterium für die Defintion von „Schwarz“ oder „Neger“! Es ist eben keine „Tatsache“, dass „Schwarze“ und „Weiße“ existieren. Sie werden dazu GEMACHT - von denen, die die Macht dazu haben. Dass selbst diese recht einfachen Zusammenhänge hier von einigen Usern nicht im Entferntesten reflektiert werden, bestürzt mich schon ziemlich.
Phineas Freek schrieb am 16.01.2012 um 20:29
„…Sie werden dazu GEMACHT - von denen, die die Macht dazu haben…“

@wahr
Sich dann vielleicht schon mal die Frage gestellt, wie HEUTE die rassistische Tour moderner (demokratischer) Herrschaft geht, einen Großteil der Menschheit noch viel erfolgreicher zum „Neger“ zu machen?
Ohne dass diesem „modernen Neger“ auch nur die geringsten Zweifel an seiner bestimmten „Rolle“ und den neuen, aber gar nicht verschwundenen rassistischen Kriterien (der er für das glatte Gegenteil hält, so einen guten Ruf haben die!) kommen?

Und dass ganz OHNE Berufung auf ÄUßERLICH sichtbare Natureigenschaften einer bestimmten Menschengruppe, denen früher in den „klassischen Sklavenhaltergesellschaften“ genau DESWEGEN bestimmte (Leistungs) Eigenschaften und Fähigkeiten (oder deren Mangel) angedichtet wurden, um so ein GENERELLES und vor gelagertes Ausschlusskriterium in die Welt zu setzen.

Wie geht denn HEUTE die - überhaupt nicht abgeschaffte – herrschaftliche Menschensortierung und Ausgrenzung vor sich, die sich längst von dieser altmodischen und uneffektiven Generalisierung und Vorsortierung verabschiedet hat, zwecks kapitalnützlichen Zugriffs aufs gesamte Menschenmaterial?

Fangt doch erstmal an wenigstens darüber nachzudenken, als sich über ins Gesicht geschmierte Schuhcreme zu echauffieren.
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 21:55
@wahr
Der Begriff "Neger" ist rassistisch, wie sehr Sie auch versuchen, ihn zu verharmlosen. Das er bis in die 1980er Jahre hinein geläufig war, machts nicht weniger schlimm. Fällt Ihnen eigentlich gar nicht auf, dass Sie den Begriff, der in einem wissenschaftlich in keinster Weise haltbaren Rassenglauben eingebunden ist, auch 2012 immer noch verteidigen?

Ich zeige Ermüdungserscheinungen. Ich erlaube mir deshalb selbst zu zitieren (ja, hier aus dem Thread):
Das Kreuz mit den Rassen ist aber, daß diese Einteilung nun mal existiert, es ist immer noch in sehr vielen Weltgegenden absolut nicht wurscht, welche Tönung deine Hautfarbe hat. Solange das so ist, kannst du die Rassen oder Phänotypen nicht einfach wegphilosophieren.
Zwischen dem Weißen Mann und dem Großen Rest der Welt ist immer noch eine große Rechnung offen, sie ist nicht befriedigend beglichen. Und solange diese Rechnung noch offen ist, sollten wir uns sehr hüten, den Teil der Welt, dem wir noch etwas schuldig sind, weg zu definieren.

Noch ein einziges Mal: Es gibt keine "Neger"! Es gibt keine "Schwarzen"! Es gibt keine "Weißen"! Schwarz/Weiß ist eine Unterscheidung, die IMMER erst von oben erfolgt.

Jetzt entschuldige schon, das Erscheinungsbild von Schwarzen und Weißen ist so auffallend anders, da braucht es kein obrigkeitliches Dekret. Manchmal frage ich mich ernsthaft: Haben manche Leute tatsächlich ein Problem damit, daß es Menschen gibt, die grundlegend anders ausschauen als wir? Kohlpechrabenschwarz, kaffeebraun, capuccinobeige. Wulstigere Lippen als wir, flachere Nasen, gekräuseltes Haar. Ist es tatsächlich peinlich, zu erwähnen, daß manche, gar nicht mal wenige, Menschen diese Eigenschaften haben? Himmel, es ist nun mal so. Was folgt daraus? Es folgt genau das daraus, daß es halt so ist. Punkt.
Da es also Gruppen von Menschen gibt, die sich in ihrem Aussehen deutlich von anderen Menschengruppen unterscheiden, ist es in manchen Zusammenhängen durchaus sinnvoll, diesen Gruppen auch Namen zu geben. Diese Namen mögen manchmal nicht sonderlich gut gewählt sein, aber sie sind eingebürgert. "Weißer" etwa ist eine im Grunde hirnblöde Bezeichnung, denn Menschen mit auch nur annähernd weißer Hautfarbe sind ziemlich selten.


Im übrigen empfehle ich den Sprachreinigern, ihre Aufmerksam auf das Wort "Äthiopien" zu richten, welches auf das griechische Αἴθιοψ (Aithiops, "verbranntes Gesicht") zurückgeht. Die frühere Bezeichnung "Abessinien" geht dagegen auf die Habesha zurück, Angehörige der semitischsprachigen Volksgruppen der Amharen und Tigray/Tigrinya im äthiopischen Hochland. Habesha ist anscheinend ein uraltes semitisches Wort. Aber, obacht: Die Äthiopier, verstockt und rassistisch, wie sie nun mal sind, beharren darauf, ihr Land selbst so zu nennen: "yä-Ityop̣p̣əya Federalawi Dimokrasiyawi Ripäblik".
Ganz zu schweigen vom Unwort "Afrika", einem auf die südwestliche Mittelmeerküste bezogenen lateinischen Wort, das der europäische Kolonialismus später dem ganzen Kontinent aufs Auge gedrückt hat.

Eins noch: Aimé Césaire

prägte in den dreißiger Jahren den Begriff "Négritude".
Der Begriff der Négritude wurde im Zuge der Dekolonisation in den 1930er Jahren von frankophonen Intellektuellen wie vor allem Aimé Césaire (Antillen), L. S. Senghor (Senegal) und L. G. Damas (Guyana) als politischer Begriff schwarzer Selbstbestimmung entwickelt und dem kolonialen Integrationsangebot der Francité (...) entgegengestellt. Geprägt wurde er von Césaire in der Pariser Zeitschrift „L'Etudiant Noir“ (1935), wo von Anfang an schon klar wurde, dass es sich hier um ein über die bloße Kunst hinausreichendes, umfassendes antikolonial-revolutionäres Afrikanitätskonzept handelt.
Die Bewegung war von Leo Frobenius und den Autoren der Harlem Renaissance beeinflusst, (...) Auch der Negrismo in der spanischsprachigen Karibik hatte Verbindungen zu der Harlem Renaissance...
(...)
Césaires Afrikanität verstand sich als ein kulturell-emanzipatorisches Projekt mit unmittelbarer politischer Relevanz, das er sowohl als Dichter/Schriftsteller (Stücke, Gedichte, Artikel, v.a. „Über den Kolonialismus“) als auch als Politiker (Bürgermeister in Martinique, Abgeordneter der französischen Nationalversammlung) verfolgte. Die strukturelle Nähe von Philosophie und Praxis der Négritude zeigt sich ebenso am Beispiel Senghors, der 1960 Präsident Senegals wurde.
(...)
Die Opposition zur weißen Dominanz war fundamental, die Forderung nach Anerkennung des kolonialen Verbrechens und entsprechender Verantwortungsübernahme konsequent. Sie stellt auch heute noch eine kompromisslose Aufforderung und uneingelöste Bringschuld dar, wie am weiterhin virulenten Gewaltverhältnis weißer Herren und schwarzer Sklaven und an der ungebrochenen Herrschaft aufgeklärt und unaufgeklärt rassistischer Bilder von schwarzen Menschen nur allzu deutlich wird. Kritiker bemängeln an der N. „afrikanische Blut und Bodenmystik“ oder „anti-weißen Rassismus“, was nicht selten als ein offenkundiger Abwehrreflex privilegierter Weißer gegenüber Anklagen wie jener Césaires angesehen wird:
„Ja, was denn? die Indianer massakriert, die islamische Welt um sich selbst gebracht, die chinesische Welt gut ein Jahrhundert lang geschändet und entstellt, die Welt der Schwarzen disqualifiziert, unzählige Stimmen auf immer ausgelöscht, Heimstätten in alle Winde zerstreut ... und Sie glauben, für all das müsse nicht bezahlt werden?“

de.wikipedia.org/wiki/N%C3%A9gritude

Ob's nicht wirklich ein Kreuz ist?

Ciao
Wolfram
wahr schrieb am 16.01.2012 um 23:13
@Phineas Freek
schau an, noch jemand, der nicht weiß, wie man im kommentarfeld wörter kursiv schreibt ...

ansonsten: muss ich da jetzt einen widerspruch zu meinen kommentaren entdecken? ich finde keinen. das man sich über das eine echauffiert, bedeutet ja nicht, dass man das andere nicht ...
wahr schrieb am 16.01.2012 um 23:21
@Wolfram Heinrich

Ich geb's auf. Verbreiten Sie mal einfach weiter hier mit Unschuldsmiene die größten "Die sehen einfach anders aus als wir Weiße"-Klopfer. Es ändert sowieso nichts, wenn ich hier noch was dazu schreibe. Selbst Matthias Dell, der hier zehnmal besser als ich argumentativ gerungen hat, hat offensichtlich nichts bewirkt. Es macht für mich keinen Sinn, mich hier weiter zu beteiligen.
Columbus schrieb am 16.01.2012 um 23:40
ad Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 21:55

Also, lieber Wolfram Heinrich, auch wenn Luigi Luca Cavalli-Sforza (Poppulationsgenetik) das schon in den 70ern wusste und es die UN auch propagierte, - Damals gab es noch keine Möglichkeit zur computergestützten DNA-Sequenzierung, die das mittlerweile bewiesen hat -, Rassen im biologischen Sinne gibt es wirklich nicht mehr.

Die Definitionen, die das nun noch kulturanthropologisch, völlkerkundlich, irgendwie behaupten, die darf man ruhigen Gewissens als rassistisch bezeichnen.

Es gibt nur ein Genus, Sapiens sapiens und seine Phänotypen. - Was bisher nicht gelang, dies ausreichend vielen Menschen, weltweit wohlgemerkt, klar zu machen.

Grüße
Christoph Leusch
thinktankgirl schrieb am 16.01.2012 um 23:43
Phineas Freek schrieb am 16.01.2012 um 20:29
Wie geht denn HEUTE die - überhaupt nicht abgeschaffte – herrschaftliche Menschensortierung und Ausgrenzung vor sich, die sich längst von dieser altmodischen und uneffektiven Generalisierung und Vorsortierung verabschiedet hat, zwecks kapitalnützlichen Zugriffs aufs gesamte Menschenmaterial?


Phineas Freek schrieb am 16.01.2012 um 23:50
Hallo wahr,

nun hatte ich da oben nur ein paar Fragen gestellt und die befragte Sache (die Kriterien rassistischer Auslese in der Demokratie) noch gar nicht benannt und begründet.
Egal.
Du kannst aber immerhin und im Gegensatz zu meiner Wenigkeit, die Wörter im Kommentarfeld kursiv schreiben.
Das ist doch prima.
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 00:23
@Columbus
Poppulationsgenetik

Ach, ist das ein süßer Verschreiber.

Also, lieber Wolfram Heinrich, auch wenn Luigi Luca Cavalli-Sforza (Poppulationsgenetik) das schon in den 70ern wusste und es die UN auch propagierte, - Damals gab es noch keine Möglichkeit zur computergestützten DNA-Sequenzierung, die das mittlerweile bewiesen hat -, Rassen im biologischen Sinne gibt es wirklich nicht mehr.

Das wußte man eigentlich schon lange, oder hätte es doch wissen können, wenn man einfach nur hingeschaut hätte. Jeder Schäferhundzüchter weiß, daß er nur dann von seiner Hündin Schäferhundwelpen zu erwarten hat, wenn er drauf achtet, daß die Hündin vom richtigen Rüden besprungen wird. Jeder Mensch (weiblich) kann sich prinzipiell mit jedem anderen Menschen (männlich) paaren, so daß Nachkommen entstehen. Daß die Leute am Limpopo (fast) alle schwarz sind, an der Donau dagegen eher weiß, liegt schlicht am unterentwickelten (Reise-)Verkehr zwischen Donau und Limpopo.
Natürlich gibt es biologisch keine Rassen.

Die Definitionen, die das nun noch kulturanthropologisch, völlkerkundlich, irgendwie behaupten, die darf man ruhigen Gewissens als rassistisch bezeichnen.

"Liebe Neger, was muß ich hören? Ihr fühlt euch von Weißen ausgebeutet, drangsaliert und gedemütigt? Und schon eure Vorfahren und Vorvorfahren seien von Weißen ausgebeutet, drangsaliert und gedemütigt worden und ihr wollt jetzt endlich Genugtuung? Liebe Leute, laßt euch von mir sagen: Es gibt keine Neger und es gibt keine Weißen. So, und eure Genugtuung könnt ihr euch sonstwohin stecken. Viele Grüße von eurem aufgeklärten Nicht-Rassisten."
Der Spruch wird nicht gut ankommen bei den Angesprochenen.

Ciao
Wolfram
Columbus schrieb am 17.01.2012 um 01:10
Da sieht Man(n) einmal, wie viel Bildung und Vorwissen Hundehaltern und Züchtern doch gegeben ist.

"Das wußte man eigentlich schon lange, oder hätte es doch wissen können, wenn man einfach nur hingeschaut hätte." - Ehrlich, ziemlich gestrunzt, so ein Satz, denn noch zur Hochzeit des italienischen Genetikers kämpften die Lager verbissen. "Rassenschande" ergab sich, nicht nur bei uns, z.B. auch am Kap, aus der Annahme es gäbe solche Rassen.

Ginge es um "Genugtuung", einer nicht gut zu machenden Geschichte der einseitigen Bezeichnung von Ethnien und Rassen durch Weiße und die Ausbeutung die damit verbunden war und ist, dann ginge es nur um das gleiche Spiel im neuen Gewandt.

Es geht aber um den Anspruch auf Selbstdefintition wie man angesprochen und verstanden werden will, gegen den Anspruch derer, die meinen sie hielten es mit der Tradition und mit dem Spruch, "So haben wir doch schon immer geredet und plötzlich soll sich was ändern?" - Das vernachlässigen Sie, finde ich, zu häufig und daher müssen Sie den Drall mit dem "Neger" auch immer noch fortschreiben, obwohl eigentlich jeder im Forum nach dem ersten Statement wusste, was Sie sagen wollten.

Grüße und gute Nacht
Christoph Leusch

PS: Neigung zu derber Sprache, zu der es bei beliebigen Themen hinläuft . Was sagt das dem Psychologen?
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 02:30
@Columbus
"Das wußte man eigentlich schon lange, oder hätte es doch wissen können, wenn man einfach nur hingeschaut hätte." - Ehrlich, ziemlich gestrunzt, so ein Satz, denn noch zur Hochzeit des italienischen Genetikers kämpften die Lager verbissen.

Ja, ja, aber das waren Wissenschaftler, also eher schlichte Gesellen.

"Rassenschande" ergab sich, nicht nur bei uns, z.B. auch am Kap, aus der Annahme es gäbe solche Rassen.

Richtig, weil man nämlich ganz genau wußte, daß durch "Rassenschande" die (eh nur vorgestellten) Rassen gesprengt werden.

Ginge es um "Genugtuung", einer nicht gut zu machenden Geschichte der einseitigen Bezeichnung von Ethnien und Rassen durch Weiße und die Ausbeutung die damit verbunden war und ist, dann ginge es nur um das gleiche Spiel im neuen Gewandt.

Genau darum geht es. Oder warum, glaubst du, sucht man gerade jetzt durch sanfte Sprache die schwarzen, braunen, gelben und armen Menschen zu beschwichtigen? Weil diese Leute allmählich aufstehen, weil sie an ihren Ketten zerren und einige dieser Ketten bereits gerissen sind. Jetzt, wo die Gedrückten bedrohlich werden, gewinnt die - an sich immer richtig gewesene - Theorie, daß wir doch alle nur Menschen sind (und keine Neger, Semiten, Chinesen etc. pp.) nach und nach die Oberhand.

PS: Neigung zu derber Sprache, zu der es bei beliebigen Themen hinläuft. Was sagt das dem Psychologen?

Der Psychologe vermutet, das liege daran, daß der zu derber Sprache Neigende aus Niederbayern oder Düsseldorf stammt. Und fügt leise hinzu: "Bitte drauf hinweisen zu dürfen, daß der zu Derbheit Neigende auch auf anderen Stilebenen zu schreiben versteht."

Ciao
Wolfram
wahr schrieb am 17.01.2012 um 07:28
@Phineas Freek
"Du kannst aber immerhin und im Gegensatz zu meiner Wenigkeit, die Wörter im Kommentarfeld kursiv schreiben.
Das ist doch prima."

Na, das kann ich doch gerade eben NICHT.
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 10:23
@wahr
"Du kannst aber immerhin und im Gegensatz zu meiner Wenigkeit, die Wörter im Kommentarfeld kursiv schreiben.
Das ist doch prima."

Na, das kann ich doch gerade eben NICHT.


Das Zeichensystem dieser Website reagiert auf die Steuerzeichen "(i)" für "Kursiv an" und "(/i)" für "Kursiv aus" (statt der runden Klammer () mußt du natürlich eine spitze Klammer
setzen, ich kann das jetzt nicht, weil sonst die Information nicht dargestellt wird, sondern das System einfach die Kursivschrift anschaltet).
Wenn du fett schreiben willst, dann nimmst du entsprechend (b) und (/b), wieder mit spitzen statt runden Klammern.
Das hinzuschreiben ist natürlich auf Dauer nervig (Shift an, Shift aus, wieder Shift an...). Ich habe da ein Programm "PhraseExpress" (www.phraseexpress.com/de/), mit dem kann ich Kürzel für lästig zu schreibende Ausdrücke (km/h), Wörter oder auch gaaanz lange Texte definieren und das Programm schreibt dann den richtigen Text hin, und zwar in jeder beliebigen Anwendung . Ich schreibe "voa" und es erscheint "vor allem", "gw" und es erscheint "gewesen". Das Programm ist für Privatanwender kostenlos, du darfst halt bloß keine typisch geschäftlichen Begriffe abkürzen wie Umsatzsteuer, Rechnung etc. Und nach einiger Zeit des Gebrauchs erscheinen immer mal wieder Einblendungen, die nachfragen, ob du nicht doch die Vollversion erwerben willst. Kostet 30 EUR in der einfachen Version (mehr Features braucht man als Privatanwender eh nicht).
Die einzige Mühe ist das erstmalige Erstellen der Abkürzungen. Hier mußt du vor allem darauf achten, daß die Kürzel erstens mnemotechnisch einfach, also leicht zu merken sind (wie eben "voa" für "vor allem") und daß es die Kürzel nicht auch noch als richtige Wörter gibt.
Ach so, ja. Für "Fett an" nehme ich f1, für "Fett aus" entsprechend f2, für "Kursiv an" k1, für "Kursiv aus" k2.

Ciao
Wolfram
wahr schrieb am 17.01.2012 um 14:20
@Wolfram Heinrich

Danke für die [i]Unterweisung[/i] in die Geheimnisse der Kursivdarstellung.
wahr schrieb am 17.01.2012 um 14:22
Nee, ich pack's nicht. Aber egal, schrei ich halt immer mal ein bisschen.
abghoul schrieb am 17.01.2012 um 14:29
>>>>>>>nimmste diese<<<<<<<<
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 14:35
@wahr
Nee, ich pack's nicht.

Ah, du schaffst das schon, du mußt nur spitze Klammern ("<" - ">") nehmen, statt der eckigen.

Glück auf.
Wolfram
wahr schrieb am 17.01.2012 um 14:36
@abghoul
ok, danke, ich glaube, jetzt habe ich es kapiert.
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 14:39
immer steht hier alles schwarz auf weiß ; )
wahr schrieb am 17.01.2012 um 14:43
@SuzieQ

find ich nicht lustig.
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 14:49
@ wahr

sorry, war wegen blog-Thema,
passte grad so gut,
ok? Wieder gut?
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 14:54
@SuzieQ
immer steht hier alles schwarz auf weiß ; )

Das ist ja grauenvoll!

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 14:57
Lieber Gott, laß die Schrift rot sein

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 15:01
Ich schaff's nicht. Buhu.
Wolfram Heinrich schrieb am 17.01.2012 um 15:03
Rote Schrift
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 16:28
'Wolfram Heinrich'

haste in roter Schrift hinbekommen, super! : )
Wolfram Heinrich schrieb am 18.01.2012 um 12:24
@SuzieQ
haste in roter Schrift hinbekommen, super! : )

Ja, ja. Wer den Schaden hat spottet jeder Beschreibung. Du bist so böse zu mir. Ich geh jetzt weinen.

Ciao
Wolfram
anna T. schrieb am 16.01.2012 um 14:55
Quelle:AFRICA - live online

Zehn kleine Negerlein: harmlos-lustig oder rassistisch? Wer erinnert sich nicht an die eingängige Melodie sowie an den Wortstreit um den "Neger"? Wozu diente das Kinderbuch bei uns, in Europa, den USA? Der Förderung des Kolonialismus, der Ausbeutung, der Erziehung? Woher rührt ein Denken, das Afrikaner, Schwarze herabsetzt? Fragen von gestern? Keineswegs: In einer Zuwanderungsgesellschaft kommen wir nicht umhin, uns mit solchen Problemen auseinanderzusetzen - im Alltagsleben wie in der Bildung.

"Afrika ist in unseren Köpfen ein Zerrbild. Das Bewusstsein ist geprägt von Klischees und Stereotypen, die vor allem negativ besetzt sind", sagt Wulf Schmidt-Wulffen, Professor für Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Hannover. Der Sozialwissenschaftler hat analysiert, was es etwa mit den "Zehn kleinen Negerlein" auf sich hat.

Auch wenn die rassistischen Inhalte der "Negerlein" enttarnt sind, der Kinderreim hält sich über 100 Jahre hartnäckig(...)

Ungeniert tragen noch Hunderte von Apotheken, Gaststätten und Hotels den Namen "Mohr" in ihrer Bezeichnung (...)

Der Wissenschaftler deckt einen neuen Kolonialismus auf und entlarvt alltäglich Rassendiskriminierung. Außerdem zeigt Schmidt-Wulffen auf, wie Stereotype und Vorurteile entstehen. Die Stereotypisierugen zeigt er anhand des besagten Kinderbuches, das sich in unseren Köpfen "verewigt" hat.

Wulf Schmidt-Wulffen
Die "Zehn kleinen Negerlein"
Zur Geschichte der Rassendiskriminierung im Kinderbuch
Wolfram Heinrich schrieb am 16.01.2012 um 18:31
@anna T.
Ungeniert tragen noch Hunderte von Apotheken, Gaststätten und Hotels den Namen "Mohr" in ihrer Bezeichnung (...)

In Regensburg, verfluchte Stadt, gibt es eine Drei-Mohren-Straße.
Und bei diesem Neger hilft, ganz im Ernst, auch kein "Heile, heile Gänschen" mehr.

Es ist wie mit der geschlechtergerechten Sprache. Man fummelt ein wenig an der Sprache rum und glaubt, damit das Problem wenigstens zur Hälfte gelöst zu haben. Wenn mein Thermometer zuhause ungemütliche 12 Grad anzeigt, kann ich freilich ein Streichholz drunter halten, die Temperatur zu erhöhen. Damit es im Haus gemütlicher wird, muß ich jedoch die Heizung anschalten, da dauert es allerdings ein wenig länger, bis behagliche Zimmertemperatur angezeigt wird.

Ciao
Wolfram
anna T. schrieb am 16.01.2012 um 18:49
@wolfram

...ich liebe heile, heile Gänsje , dass hat meine Großmutter mir immer vorgesungen,wenn ich Aua hatte...
Streifzug schrieb am 16.01.2012 um 20:04
Weiße als "Schwarze" geschminkt, Männer als Frauen, Christen als Juden.

Mir ist eines wichtig: "Schwarze", Frauen und Juden müssen volle Freiheit genießen. Also auch die Freiheit gegen die Art solcher Darstellung in jeder möglichen Form Protest einzulegen oder sie zu verhindern. Dann mache ich mir keine weiteren Gedanken. Warum auch. Oder glaubt jemand, "die" sind ohne väterliche Unterstützung (Betroffenheitsrassismus?) nicht in der Lage, solche Situationen selbst zu klären? Na klar sind wir das.
Columbus schrieb am 17.01.2012 um 00:19
Lieber Streifzug,

Protest ja, Diskussion ja, ultimatives Recht zu verhindern, klar nein.
Warum sollten diese Gruppen solche Eingriffsrechte erhalten?

Weitere Gedanken sind angebracht und letztlich gar nicht zu stoppen. Auch der, wohin das führte, wenn z.B. in der Zukunft, ein Flash mob genügte.
Grüße
Christoph Leusch
Streifzug schrieb am 17.01.2012 um 00:37
@Lieber Columbus,

vielleicht habe ich es missverständlich ausgedrückt. Man kann solche "Darbietungen" auf verschiedene Art "verhindern". Boykottieren, streiken ... Also all die Möglichkeiten, die in einem offenen System möglich sind. (Keine besonderen "Eingriffsrechte")
anna T. schrieb am 17.01.2012 um 15:25
Ein Leserbrief an:

>Jungle World 46/09: »Ein Stückchen Afrika für dich, eins für mich«
Rassismus in Tuben<

Liebe Redaktion,

mit sehr viel Interesse haben wir den Beitrag zu 125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz gelesen. Die Beantwortung der Frage, inwiefern Kolonialismus die Gegenwart prägt, möch­ten wir ergänzen: Auch die Bewerbung von Produkten mittels der Abbildung schwarzer Menschen ist bis heute nicht verschwunden. Ehemals als Kolonialwaren verkaufte Produkte wie Kaffee und Schokolade wurden mit den allseits bekannten Figuren des »Sarotti-Mohrs« oder des »Meinl-Kaffeemohrs« beworben, deren Verwendung in der Vergangenheit bereits öffentlich kritisiert wurde. Seit kurzem wirbt auch die Firma Nudossi aus Radebeul für ih­re Schokocreme in Tuben mit dem Namen »Mama Savanna«. Abgebildet ist eine schwarze Frau, die den potentiellen Käuferinnen und Käufern ein Tablett mit einer Kakaofrucht und einer Tasse Schokolade entgegen hält. Ihre Kleidung und Kopftuch identifizieren sie als Bedienstete und erinnern an Bilder von Sklavinnen in den amerikanischen Südstaaten. Die Verbindung von Schokolade mit schwarzer Hautfarbe, die Bedienstetenkleidung und das Stereotyp der »afrikanischen Mama« – das stellt den vor 90 Jahren erfundenen »Sarotti-Mohr« eigentlich noch in den Schatten.<<

Dem ist nichts hinzuzufügen.
paulart schrieb am 17.01.2012 um 16:34
Hier scheint mir noch viel Schwarzarbeit nötig...
(Ich weiß, das darf man so nicht sagen).
SuzieQ schrieb am 17.01.2012 um 23:25
Schwarzarbeit geht, glaub ich noch, aber Schwarzer Humor ist unpassend, mmmpf, die arme Alice
paulart schrieb am 20.01.2012 um 17:53
Schwarzer-Humor?
Emma verwende ich oft, wenn ich eine Collage anfertige. Das dauert immer so lange, weil ich während des Papierschneidens bzw. -zerreissens den einen oder anderen Artikel nachlese.
Lohnt sich. Sind aber vielfach ohne jeden Humor geschrieben. Leider.
anna T. schrieb am 17.01.2012 um 23:51
Nö.Alice würde an den Song von John Lennon erinnern:

"woman is the nigger of the world "


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