Man erkennt die Welt nicht wieder. Brême macht, was man von Brême lange nicht gesehen hat: einen guten Tatort. Die Folge Ordnung im Lot wird für Diskussionen sorgen, das ist sicher, und die einen werden so sagen, die anderen so, und im Kern wird es dabei immer um Mira Parteckes Sylvia Lange gehen. Die steht gleich am Anfang in dieser Tankstelle bei Nacht, denn Tankstellen, in ihrem Leuchten, sehen vor allem nachts richtig gut aus, und sie hat die Pistole (eine tschechische Ceska, die nach Zwickau eine andere Geschichte erzählt) in der Hand, der Besitzer ist tot, und weil Sylvia Lange psychisch krank ist und Brass auf die Tankstelle hatte, ertappt man sich bei dem Gedanken, was das nur werden soll – wie beim Fußball mit frühem Treffer und gewusstem Ausgang, 1:0 in der 2. Minute, und dann fällt kein Tor mehr. Langweilig.
Und ja, die ersten Minuten, die erste halbe Stunde sind hart, weil man sich erstmal einstellen muss auf diese Sylvia Lange in ihrer unbehandelten Schizophrenie, in diesem Haus, in dem die Schuhe ausgezogen werden müssen (don't try this at bürgerliche Wohnung), die Zeitungen zum Ameisenverbrennen-im-Waschbecken sich neben der Tür stapeln, mit diesem armen Jungen (Vincent Göhre) und diesem rührenden Mann (der große Wolfram Koch), der sich die Schürze umbindet und Suppe kocht. Nach einer halben Stunde guckt Stedefreund (Oliver Mommsen), als habe er auch keinen Bock mehr.
Wenn man sich aber eingestellt hat auf diese Sylvia Lange, wenn man alle schlechten "Verrückten", die Fernsehfilme oder Tatorte bevölkern und zumeist nicht mehr sind als Eitelkeitsnachweise ihrer Verkörperer oder Drehbuchornamente, dann kann man nur so sagen: Wir gehören zu den einen. Ordnung im Lot schert sich um den Krimi, der dieser Film sein soll, relativ wenig. Die Mördervariation wirkt ein wenig wie drangeklatscht, und der Charakter des Toten, Jure Tomic (Mirsad Dzombic), "Mein Mann war ein Alleingänger", macht einen ziemlich mühsamen Eindruck, thank god, dass es um den nur am Rande geht, das wäre andernfalls ein Tatort geworden. Nach den Sveti-Tigern last week nun die Hunde-Jungfrauen-Gefährten der Höhle – im Wissen um die fehlende Gesamtredaktion des Tatort kann einem fast bange werden, welche balkanischen Subkulturen mit Tierbezug noch auszugraben sind. Immerhin ist der Damalto-Kroato-Pop von olle Tomic ("hatte für alles ein Lied") recht entzückend; diese Kulturleistung scheint uns durch das Wirken Dunja Rajters eher unterrepräsentiert zu sein.
500.000-Watt-Tageslichtscheinwerfer
Aber es geht ja nicht um Tomic. Es geht um Sylvia Lange und eine Krankheit, die, und da hauen wir mal einen raus, so noch nicht im deutschen Fernsehen abgebildet worden ist. Üblicherweise motivieren psychische Erkrankungen die Kamera immer zu allerlei wichtigtuerischem Schabernack, hier sind die Bilder klar, schön und subjektiv und nur ein klein wenig ästhetisiert (Kamera: Bella Halben) – wir sehen diesem Fall sogar die krassen Lichteinfälle ins Lange-Haus nach, bei denen die Tagessonne immer durch eine 500.000-Watt-Scheinwerfer-Batterie dargestellt werden muss, damit man im Drinnendunkel die Schattenrisse mit dem Bleistift auf Butterbrotpapier abpausen kann. Mit den Gesichten der Frau Lange wird es nicht übertrieben, der ARD-Nachrichtensprecher Michail Paweletz bekommt hier zwei Auftritte.
Das Buch von Claudia Prietzel und Peter Henning (die auch Regie geführt haben) findet die Krankheit vor allem in der Sprache, die wiederum nur ein Wesen wie Mira Partecke so sprechen kann, dass es weder nach Schultheateraufführung noch nach method "crazy" acting aussieht. Und man muss ausdrücklich die RB-Redakteurin Annette Strelow loben – ein Buch, dessen Dialoge sich lesen mussten wie Kinderquatsch mit Michael, als Film zu realisieren, will uns zumindest als Leistung erscheinen.
"Schizophrenie ist ein Verlust der Beziehung zur Realität", sagt der Psychologe irgendwann, und der Horrorrelativismus einer solchen Wahrnehmung, in der es keine Bedeutungsunterschiede mehr gibt, zeigt sich eben an der verrutschenden Grammatik und Wortwahl von Sylvia Lange. Diese Sätze könnte man hier jetzt endlos zitieren. "Ich fühle einen Art Zorn in mir aufsteigen, aber der Zorn ist einen halben Meter von mir entfernt." "Sie reden von Dingen, die Sie nicht benennen." "Ich sehe ihre blonden Haare oder ist da etwa eine Perücke im Spiel?" Weil sie immerzu schwanken zwischen einer Schönheit, die den Blick auf die Konstruktion der Sprache erst wieder eröffnet, und reinem Unsinn. Mira Partecke spricht eine Sprache, als spräche sie sie zum ersten Mal, und weil sie das so ernsthaft und genau tut, kommt man dauernd ins Grübeln, manchmal ist sie gar politisch: "Sonne, Wasser, Licht, ist alles vorhanden, aber die Menschen sind gierig." Und die Dialoge, das ist auch ein schöner Nebeneffekt, die sonst so effizienzgetrimmt auf Frage-Antwort hinauslaufen, als ob McKinsey das Drehbuch-Lektorat besorgte, sind hier sonderbar verzögert.
Woran der Ordnung im Lot scheitert, vielleicht sogar scheitern muss, ist die Dramaturgie. Es braucht sehr lange, um in die Psyche von Sylvia Lange einzführen, so dass die erschöpfte Abkopplung des Vaters und des Sohns von diesem Leben feat. das grausame "Aussetzen" auf der Autobahn, weil kein Gesetz sonst greifen würde, zu eilfertig erscheinen mag – in Wirklichkeit dauert dieser Prozess wohl Jahre und nicht 45 Minuten.
Einen Wunsch, den Peter Hacks hätte äußern können: "Für mich gern einen Tee."
Eine Beobachtung, die in Venedig und auf Hiddensee verdächtig machen würde: "Haben sie draußen ein Auto gesehen?"
Ein Bild, das die Einsamkeit des Menschen vor Augen führt: "Entschuldigung, Sie können nicht in mich rein."
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Ach so, "eine 500.000-Watt-Scheinwerfer-Batterie ", die kostet natürlich. Da bleibt am Set nicht mehr viel Budget, es musste also wieder so'n Wackelkameragetue her. Kenne nicht 1 Werk der Filmgeschichte, in dem [(oder: "wo", (unser Präsi)] die Wackelei hebend und erhellend und dramatisch wirkt. Das ist und bleibt "Schlecker- TV", diese Unart. Gut, Bremen ist oberpleiterer als Griechenland.....gute Nacht.
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beim "wackelkameragetue" muss m.e. unterschieden werden. drunter verstehen würde ich eher dieses panikgemache in dem saarländer tatort von neulich, da wackelt die kamera, um atemlosigkeit zu performen, sie will dann zeigen, wie mitgenommen sie von den krassen vorgängen ist (als ob die kamera krank werden müsse von dem, was sie abbildet). hier geht diese assoziation fehl, hier scheint mir der stil doch differenzierter, die bildsprache eher ästhetisch motiviert, um subjektivität zu erzählen
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"die einen werden so sagen, die anderen so"
soso herr dell. vielleicht erklären sie mir bei aller nachdenklichkeit über den "tatort" warum der göttergatte nicht weiss, was seine frau eigentlich wirklich hat hat? fehlte mir ein wenig, das bewußtsein für die realitäten von vater und sohn bzw. die problematik der angehörigen die realitäten zu sehen. wobei der sohn noch der hellste schien. vielleicht bei einem süppchen? |
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nachtrag zu dramaturgie:
nach ca 60 minuten begriff man bei den tatort ermittler, wir brauchen psychologische hilft und schwupps war es dem ehemann klar. das hätte der selbige schon vorher wissen können per dramaturgie und durchaus den bereits verzweifelten geben können. hätte dem tatort nicht wirklich geschadet aber die chance gegeben die entwicklung der angehörigen zu beschreiben. |
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Ja nun, der Film hat 89 Minuten.
In dem Rahmen fand ich das schon gut, zu sehen, wie der Ehemann versucht, in diesem schleichenden Prozess eben die eigene kleine Welt zusammenzuhalten, das Drama nicht wahrhaben zu wollen, halt Suppe zu kochen, so lange das (scheinbar) noch was hilft. Erklärs mal Dir selbst, Deinem Sohn mit 6,7,8,9,10,11 Jahren, Deinem Tankstellen-Nachbarn, der Polizei und der Welt, was da nicht stimmt - erstmal nur ein bisschen, dann ein bisschen mehr. Das kam mit dem Film doch ganz gut rüber? |
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Naja, manchmal halten Menschen krampfhaft und wider besseren Wissens an ihrem Bild von der Realität fest, solange sie niemand mit der Nase darauf stößt. So abwegig fand ich das jetzt nicht. Da reicht dann manchmal der kleinste Anstoß von außen, um das Kartenhaus ins Wanken zu bringen. Psychische Krankheiten in der engsten Familie sind dafür ein beinahe klassisches Beispiel.
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@Free World
Nun aber mal wirklich: Wenn es sich um die Ehefrau oder Partnerin handelt, sollte schon zu erwarten sein, dass Mann nicht einfach sagt, nun hat 'se 'nen Knall, also weg damit ... Andererseits war es im Tatort nicht so, wie Du unterstellst: Es war überhaupt nicht zu übersehen und wurde mehrmals explizit angesprochen, dass Vater und Sohn seit Jahren in vollem Bewußtsein über die psychische Störung der Ehefrau und Mutter lebten. Der Psychiater brachte da nix neues. Kann es sein, dass Du nur den halben Tatort gesehen hast? |
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@SR
Och, nicht die Frage nach dem Existieren der Krankheiten selbst ist wichtig, sondern das "Woher". Es soll ja auch Leute geben, die durch Wahrnehmung und Aussage der Wahrheit über lange Zeit nicht ernst genommen wurden und "krank" werden, da sie irgendwann des Ankämpfens überdrüssig werden. |
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Z.B: gesunder Menschenverstand und:
Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird. Opladen, Wiesbaden 1999. (Auszug: S. 15-26). |
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free wold,
was sie ansprechen, meine ich mit dem hinweis auf die dramaturgie im letzten absatz: der film beginnt für den zuschauer bei null, wie es so schön heißt, es muss erstmal erzählt werden, was geht. dieser perspektive ist m.e. geschuldet, dass mann und kind erst so spät die krankheit "realisieren", die dem zuschauer gezeigt wird - deshalb dürfen mann und kind erst so spät intervenieren |
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matthias dell.
das ist ja eben an sich nicht wirklich wahr. in diesem tatort, der efgentlich kaum ein tatort mit mord ist. die zweite nicht ganz so brisante frage ist ja: ist bezahlter auftrags mord an sich selber eigentlich mord, versicherungsbetrug, beides oder nicht einmal ein verbrechen aus sicht des auftraggebers und seiner familie? der sohn hat sofort realisiert, dass er etwas verdecken muss, um seine mutter zu schützen und das video samt waffe an sich nehmen, um erst mal zu gucken, ob mama nicht etwa doch den schuss ansetzte. kurz: dem sohn war sofort klar, was dem vater erst dank dem psychologen dämmern wollte verbunden mit einer art hässlichen notwehrreaktion. vielleicht sollte man sich bei der ard einfach mal überlegen, themen mit höherer dichte einfach mal 30 minuten mehr zu geben, statt jede folge unbedingt in 90 minuten zu pressen. |
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nachtrag:
wäre übrigens auch im rahmen der ehemaligen "erziehungswochen" der ard: "tatort" im verbund mit "anne will" etwas für einen interessanten themenabend gewesen. nun halt mit jauch statt will. was folgte? eine neuerliche wulf-runde... |
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nicht wirklich im bezug auf "vollem Bewußtsein über die psychische Störung". sondern, wenn dann im sinne von einer störung. aber welche genau??? das ermittler duo kam ja lustigerweise auch in den ersten ca 45 minuten nicht auf die nahe liegende frage an die familie, was denn mit der mutter los sei.
was fehlte waren bilder, die zeigen, wie der vater (vom sohn gab's ein paar) versucht seine gefühlslage im griff zu halten/zu bekommen. und nein, diesmal habe ich nicht wie sonst durchaus üblich nebenher internet gelesen, |
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Geh ich mit.
Nur: Auch das Sounddesign und die Musik wären noch hervorhebend zu lobpreisen. |
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Ich glaube wir passten heute einfach nicht zusammen, der Tatort und ich. Das war nix. Leider habe ich dafür aber gar keine Argumente. Lief halt nicht.
Und der Kriminalfall war in der Geschichte aber auch mehr egal, oder? Also ich hätte der ja eigentlich interessanten Figur der Zeugin irgendwie einen eigenen FIlm gegönnt, so ohne störende Tatort-Handlung. |
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Ich denke, weinsztein wird es zur späteren Stunde als Müdigkeit entlarven. :) Sie sind ja noch sooooo jung ,)
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@Theda
Zur späteren Stunde: ich kenne Sie nicht, Sie scheinen mir zu einer Art rangeschmissener Intimität zu neigen, die mir nicht behagt. Ganz anders geht es mir mit Sarah Rudolph, die ich als Bloggerin und Kommentatorin sehr schätze. Verstehen Sie? |
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@weinszstein
das war von theda wohl eher humorvoll gemeint. an der integrität von sarah rudolph herrscht kein zweifel |
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@sarah rudolph
"Und der Kriminalfall war in der Geschichte aber auch mehr egal, oder?" war eher. aber, siehe gleich hier drunter bei miauxx, finde ich lässlich. das sind die grenzüberschreitungen, die der tatort sich leisten darfkannwillmuss |
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Nicht nur soooo jung, nebenbei auch noch harmlos, Theda, hab ich mir sagen lassen.
Zum Glück sind die Humorrezeptoren noch intakt, und ich freue mich einfach über die netten Worte. Das hört man ja auch alles gern. @MD Ich bin ja auch eher Verteidiger der Sicht, dass der Tatort mehr als Krimi ist, aber in diesem Fall wirklich unschlüssig, wie gesagt. Irgendwie, so alss eigenständiger Fernsehfilm (am Mittwoch?), ohne störenden Tatort-Rahmen... aber es muss ja nicht immer alles sofort geklärt sein. Die Wiederholung kommt gewiss. |
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@sarah rudolph
da ist was dran, es geht halt nur, weil's einmal war und so schnell nicht wiederkommen darf: dieser tatort ist über die bojenlinien des geräumigen formats hinausgeschwommen, immer noch im see, aber die grenze ist übertreten. der bademeister pfeift durchs megafon zurecht zurück, aber drüber war die folge eben. morgen rostock |
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@Matthias Dell
"(...) so dass die erschöpfte Abkopplung des Vaters und des Sohns von diesem Leben feat. das grausame "Aussetzen" auf der Autobahn, weil kein Gesetz sonst greifen würde, zu eilfertig erscheinen mag – in Wirklichkeit dauert dieser Prozess wohl Jahre und nicht 45 Minuten." Naja, es wurde einem gefühlt unerträglichem Klimax der psychischen Tragfähigkeit der Familie nachgegeben, der sicher in ein entsprechendes Sozialdrama gepasst hätte. Aber dieser Film konnte sich nicht entscheiden zwischen einem Krimi und einem solchen Sozialdrama. Das war ein bisschen zuviel aufgetragene Familiengeschichte, die mit dem Kriminalfall ja nur bedingt was zu tun hat. Nämlich nur so viel, als dass nicht ganz unspannend war, wieviel die Frau wirklich weiß. Also, nicht nur dass sie Tatzeugin war, sondern evtl. auch von den Hintergründen der Tat. Und was die erzählte Zeit angeht: Immerhin hat der Ehemann im Gespräch mit der Ermittlerin im Restaurant erzählt, dass es einen Prozeß der "Abkopplung" gegeben hat. Mit dem Kriminalfall, der sich nun obendrein um das feindliche Objekt der Tankstelle dreht, trat ein Extremereignis ein, dass der Paranoia der Frau ein Schub der Bestätigung zu geben schien und somit die letzten Stricke der Erträglichkeit reißen ließ. Insofern war die Extrem-"Abkopplung" des Vaters, aber auch die des Sohnes, hier schon dramaturgisch schlüssig. Naja, sagen wir möglich. Aber wie gesagt: Es war zuviel für den Krimi als solchen - der fiel v.a. in puncto Spannung und zu Ermittelndem völlig hinten runter! |
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völlig d'accord, dass das für einen krimi "zuviel" ist. würde nur dagegen halten, dass der tatort kein krimi in diesem sinne ist, es braucht nur einen toten, damit der tatort ran darf, mit dieser prämisse kann aber dann alles erzählt werden
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Völlig verrückt:
Dass man, egal wie und wo dargestellt, einer verstorbenen Person lediglich die flache Hand aufs Gesicht zwischen Stirn und Nasenspitze auflegen muss, um die Augen zu schließen. |
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@Theda
Es muss halt was feierliches haben ... Zeigte man, wie schwierig das Augen-Schließen post mortem in Wirklichkeit sein kann, wären solche Szenen unweigerlich komisch! |
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@Matthias Dell,
ich finde, dieser Tatort scheitert ein wenig daran, dass die Rolle der Ermittlerin Inga Lürsen (Sabine Postel) vorsah, dass auch sie von einer psychischen Störung betroffen sei, weil Schizophrenie das Thema ist. Auf mich wirkt das albern. Und ein bisschen peinlich, wie sich die oft gute Schauspielerin Sabine Postel von Tatort-Regisseuren öfter mal als erkenntnisbeschränkte Frau missbrauchen lässt. Und das als Kommissarin. Diesmal sollte es Frau Postel als jugendliche Zicke sein. Sehr groß und mich überzeugend: die Schauspielerin Mira Partecke als schizophrene Sylvia Lange. Ich finde es gut, wenn Blockbuster wie der Tatort sich auch mit Tabu-Themen, diesmal mit Schizophrenie, befassen und dieses Format als Transportgelegenheit nutzen. |
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ich fand postel, mit der ich häufiger probleme habe, hier gut. was sie "jugendliche zicke" nennen, hat hier was leicht stranges, irres, was einfach mal nicht erklärt wird. kann man machen
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@weinsztein:
die lürsen-rolle ist doch schon immer launisch gewesen (und auch ist lürsen-mutter generell weit zickiger als lürsen-tochter, die dann in die mutterrolle gedrängt wird, aber das ist jetzt ein anderes thema) und daher in diesem tatort nicht aus der rolle gefallen. im gegenteil, ich fand, dass es in diesem tatort angenehm wenig um die persönlichen machenschaften der ermittelnden ging, endlich dort mal kein paule-hund, keine neue liebe, kein familienklüngel oder sonstwas. die führ mich jedoch auch zu meiner allgemeineren kritik, die herrn dells meinung diese woche eher widerspricht: ich fand das sprachrohr der schizophrenen sylvia völlig übertrieben und aufgesetzt. da sprach nicht die schizophrenie, sondern ein ästhetisierend zusammengebasteltes drehbuch für mich. höchst unglaubwürdig und daher leider nicht sehr überzeugend. aus der idee, einen auftragsmörder auf sich selbst anzusetzen hätte man da mehr machen können. |
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@Matthias Dell
Klar kann man alles Mögliche machen. Mich irritiert, dass Frau Postel in diesem Tatort, in dem es auch um Schizophrenie geht, als Kommissarin diesmal ebenfalls was leicht "stranges oder irres" macht. Warum macht sie das in diesem Tatort? Weil uns die Regie oder Frau Postel selbst darauf hinweisen will, dass in uns allen, mehr oder weniger tief verborgen auch in Inga Lürsen, etwas irre Stranges auf den Ausbruch lauert? |
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@fudge
Mich interessiert eher, WARUM Lürsen immer so launisch inszeniert wird. Ich weiß es nicht. Die Rolle der Sylvia (Mira Partecke) sah ich gar nicht als "sprachrohr der schizophrenen" und sah da gar nichts "völlig übertrieben und aufgesetzt". Ich miterlitt vor langer Zeit in meiner näheren Umgebung diese Krankheit. Nach dieser Erfahrung empfand ich "Sylvia" behutsam dargestellt. |
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Weinzstein, das ist ein Phänomen, dass ich oft bei der Darstellung von psychisch Kranken bemerkt habe. Vieles erschließt sich wohl - wie so vieles andere auch - nur, wenn man es kennt, auf welche Art auch immer. Aber auch hier sind die Menschen unterschiedlich, es gibt nicht das Förmchen für "die Depressive" "den Angstgestörten" 2den Borderliner" oder eben "die Schizophrene". Alles Menschen, alle verschieden.
Otf, habe ich mich in den letzten Jahren aufgeregt, wenn das ach-so-tolle Spiel gelobt wurde, zuletzt bei der Darstellung einer fürchterlich gefährlichen, klassisch "irren" Borderlinerin. Der Film hat mich wirklich wütend gemacht, und alle waren sich einig, dass das ja sooo toll dargestellt war. Hier, finde ich, hast du recht und muss somit fidge widersprechen: das war behutsam, das war sehr echt und menschlich. |
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@weinzstein
ich wär da bei fudge, dass tante lürsen immer schon launisch war (man denke an den legendären fall, wo sie bewusstlos ermittelt hat). aber die klassische tatorteritis, dass ermittler haben müssen, was der fall, das ist ein punkt, den man hier, andeutungsweise, auch kritisieren kann |
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Wenn Matthias Dell einen Tatort verreisst sind die Kommentare ja charmanter (ich liebe und vermisse übrigens das Wort schnepfig.).
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g.
der klammerzusatz freut. man muss mit dem schnepfism aber sparsam umgehen - oder sehen sie grund, ihn hier zu diagnostizieren? als figur der selbstbehauptung im mahlwerk des spätkapitalismus jedenfalls interessant, keine frage |
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Der Schnepfismus ist ein Humanismus.
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Nein, nein, völlig d’accord, Schnepfism ist vornehmlich an Verrisse gebunden (Da sich der Kapitalismus in den letzten 40 Jahren meines Lebens andauernd verspätet hat, halte ich mich diesbezüglich etwas zurück.). Ich war nur gespannt, ob Sie ihn – in Unkenntnis des aktuellen Tatorts - in einer ihrer kunstvollen Perioden untergebracht haben und enttäuscht, als ich ihn nicht finden konnte, den Schnepfism.
Ihre Besprechungen und die sie manchmal prachtvoll umkreiselnden Kommentare bringen mich ja jeden Montagmorgen zu der Überlegung, ob ich mir nicht doch mal wieder einen Tatort ansehen sollte, nur damit ich mich beteiligen kann. Leider machen mich die meisten Tatörter so schrecklich müde und wenn dann – pünktlich zum 9-Uhr-Verdächtigen – die spitzohrige Fellschlange in meiner Armbeuge anfängt leise zu schnarcheln, kann ich auch nicht mehr lange die Augen aufhalten. |
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g.
da kann man sehen, dass verständnis doch ein wenig kommunikationserfahrung voraussetzt. aber bemerkenswert, dass sie die texte lesen, ohne den film gesehen zu haben, ich dächte ja, dann versteht man überhaupt nichts (oder für die defätisten unserer beschaulichen runde: noch weniger) |
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wo ist amanda? wir müssen - im text noch nicht thematisiert - natürlich auch eine "esche" eigener prägung bemerken, sylvia lange macht sich als zaungästin am tatort ja auch erst mal wichtig resp. verdächtig
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Hier.
Hab nur s Ende gesehen, schade, diese Esche, quasi eine potenzierte Esche, hätt ich gern von Anfang an... Wie sie da so geraden Nackens aus dem Bad kommt und zur Rettung "ICH bin nicht krank." sagt! Stattdessen in der U-Bahn einen, der "Nero... hahahahaha... Nero... Rom is on fire... hahahaha, Nero..." rief und sich mit "Sorry, ich bin rhetorisch etwas übertalentiert" verabschiedete. Gab es schon mal einen Tatort ganz ohne Tod? Also ich wäre da offen für. |
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ohne tod, weiß ich jetzt nicht. ob mord aber zuletzt in münchen
www.freitag.de/kultur/0913-tatort-esoterik-ard-krimi-mord |
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Das viele Gajammer und die negativen Einzeiler auf Facebook sind ja kaum zu ertragen, hier auf Freitag hingegen Diskussion und Auseinandersetzung, sehr schön. wollen alle nur noch Münster Comedy (wo der Krimi übrigens auch oft Nebensache ist), oder Mörder-Terror?
Obwohl die letzten beiden Tatorte langweilig und uniteressant waren und mir schon nach kurzer Zeit egal war wie sich was da überhaupt noch weiterentwickelt, wurden beide überraschend positiv aufgenommen. In diesem hier endlich mal spannende charaktere und deren entwicklung und es scheint für viele der schlechteste tatort der Welt gewesen zu sein. Für mich ist bei Tatort neben der Nachvollziehbarkeit der Handelnden wichtig, jedes mal wie ein innerliches Kind bei einer Geschichte fragen zu können: "und was passiert dann? und dann?" und das war bei den letzten beiden nicht der Fall und bei diesen hier um so mehr. Sicher, kein Krimi im eigendlichen Sinne und das darf man für einen Tatort gerne bemängeln, aber eben doch ein saugutes stück Tatort, wie ich finde. Das ist für Bremen selten und der Artikel fasst das alles sehr schön zusammen. |
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Mannonmann, hat der Praktikant diese Rezension geschrieben? Der mit ein bisschen Hang zu Psychologie? Richtig: Die Person war eine interessante Rolle. Richtig: Die Schauspielerin hat diese Rolle überzeugend dargestellt. Richtig: Die Worte, die ihr in den Mund gelegt wurden, waren groß bis großartig. Auch richtig: Der Plot dieses Tatorts war ein guter. Aber: Ein Tatort ist immer noch ein Tatort. Also ein Ort, an dem es um eine kriminelle Tat und deren Aufklärung geht. Und das war bei dieser Folge eben nur ganz am Rande zu merken. Dafür stand die Rolle der Frau Lange viel zu sehr im Mittelpunkt - und die Tat und deren eigentlich sehr interessante Auflösung unter Berücksichtigung der Beobachtungen der Frau Lange liefen am Rande mit. Sehr schade, denn sonst hätte dieser Tatort einer der richtig guten sein können.
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Also, lieber Herr Dell, ich werde nicht mehr zum Fan der Tatort-Kolumne.
Aber, diesen Tatort aus beruflicher Deformität angeschaut und hier nun mitgelesen, möchte ich Ihnen ein Kompliment machen, weil Sie das einzig gelungene Element dieses Films, der besser kein Krimi sein sollte, oder, wie Sie treffend schreiben, noch mehr ein Film der die Leiche nur als Vorwand nutzt, um eine andere wichtige Geschichte zu erzählen, so sensibel und treffend beschrieben haben. Das war eine große Schauspielleistung der Mira Parteckes und forderte viel Mut der Regie, das Dialog-Drehbuch zu akzeptieren, um diese ganzen psychopathologischen Sprachmuster und auch einige bizarre, durchaus typische Handlungen und Bewegungsmuster, sehr gedrängt zu präsentieren, ohne es wie eine Aneinanderreihung von Klischees aussehen zu lassen. Leider gelingt es nur mit Bezug auf diese Rolle wirklich gut, weil die Zeit nicht reicht. Die beiden Alltagsanstalten sollten über Tatort-Miniserien nachdenken (Hier ein Dreitteiler: Entwicklung, Alltag und Krise, nach dem Eintritt einer Katastrophe, die das Inkomensurable der schweren Psychose mit dem Alltag noch übertrifft, Mord, beziehungsweise blutige Zeugenschaft eines Mordes . - Eine andere, häufige Film-und Realvariante auf den Eintritt des nicht mehr Verstehbaren, ist doch das Verstummen, die Starre, der Stupor. Diese Formen, die in den meisten Fällen, außer in massiven Krisen, nicht am Fließband produziert werden, zu erkennen, ist ein Hauptgeschäft der Therapeuten, einmal für die rechtzeitige Diagnose und dann, für den Alltag, zur Einschätzung des Status, der nicht leicht preigegegeben wird und doch so viele Konsequenzen hat. Kein Mensch, auch kein schizophrener, gibt spontan und gerne Auskunft über seinen inneren Zustand, für den er durchaus ein Gefühl der Störung hat. Gerade die in diesem Sinne Kranken halten das immer für doppelt und dreifach schützenswert, weil so die eigene "Person" für sie noch erhalten bleibt. Das reicht bis zur völligen Ausblendung der Möglichkeit überhaupt krank zu sein. Trotzdem wird mit dieser Mythe der Offenheit und Erkennbarkeit sehr viel Kultur produziert und noch immer breitflächig geglaubt, man erkenne die "Irren" auf der Straße. Beste Grüße, Mahlzeit und gute Woche Christoph Leusch |
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Weswegen hat der Tankstellenbesitzer sich nun erschießen lassen? Wegen der Versicherungssumme für seine Frau und seinen Sohn? Die soll ausreichen, um die Kredite zu bezahlen? Und dann?
Das Tatmotiv blieb mir reichlich schleierhaft. |
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Mir ist bei dem Tatort der Gedanke gekommen, ob es nicht gesund sein könnte, die psychischen Krankheiten öfter in guter Weise in Filmen zu thematisieren. Das passiert zwar hin und wieder - auch durchaus gelungen - aber angesichts der vielfachen und scheinbar auch immer häufigeren Verrücktheiten unter den Menschen eigentlich noch viel zu wenig. Denn viele dieser Kranken gelten ja nicht einmal als solche - und auch der Ehemann im Tatort, der zunächst auf "Verdrängung, Verharmlosung, Nichtwahrhabenwollen" programmiert zu sein schien (bis er es endlich nicht mehr aushielt) stellt einen Typus dar, der in Wirklichkeit ja viel öfter vorkommt.
Würden diese Themen häufiger sensibel und klar zugleich aufgegriffen, so würde vielleicht manch einem Angehörigen dämmern, dass er seit recht langer Zeit auch ganz schön mit seiner "Verharmlosungstendenz" beim nächsten ANgehörigen daneben liegt. Und warum tut er das oft? Weil es ein Tabuthema ist, das eben noch nicht Eingang in usnerer Welt gefunden hat, wie auch der Tod oder manch ein Gebrechen der Lebenden. Die psychischen Gebrechen stehen dabei ganz oben auf der Tabuliste - und machen deshalb den Umgang damit umso schwerer. |
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Der Gedanke gefällt mir. Es schwankt halt immer zwischen dem Tabu und der inszenierung des ganzen als ganz besonders. Normalität kommt in der medialen Darstellung und damit eben auch im Alltag vieler Menschengar nicht vor. Dabei ist es für viele Menschen ja genau das: normal.
Ich glaube, dass ein vernünftiger, ein mölichst Angst- und (vor allem!) Stigma-freier Umgang auch ernst dann möglich ist: wenn es als mögliche Normalität selbstverständlich vorkommt. Nicht verdrängt und versteckt und verhermlost werden muss. |
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Das herausragende am Tatort und manchen anderen deutschen Fernsehkrimis ist nicht die Täterjagd. Es sind die vielschichtig dargestellten Menschenbilder, die uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, daß wir alle potentielle Täter sind.
„Ordnung im Lot“ ist kein sonderlich spannender Film, doch er greift ein vernachlässigtes Thema auf. Er öffnet Zeit und Raum für die Lebenswirklichkeit einer psychisch kranken Frau, die der Welt entrückt ist. In einer Schlüsselszene fragt die Protagonistin: „Wenn ich nicht zu Ihnen durchdringe, würden Sie dann bitte kämpfen? Es ist der Verdienst dieses Tatorts, sich auf diesen Kampf einzulassen. Er kämpft darum, der undurchdringlichen „Verrückten“ ein Stück Würde zu bewahren. Allein das macht ihn schon sehenswert. |
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Das herausragende am Tatort und manchen anderen deutschen Fernsehkrimis ist nicht die Täterjagd. Es sind die vielschichtig dargestellten Menschenbilder, die uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, daß wir alle potentielle Täter sind.
„Ordnung im Lot“ ist kein sonderlich spannender Film, doch er greift ein vernachlässigtes Thema auf. Er öffnet Zeit und Raum für die Lebenswirklichkeit einer psychisch kranken Frau, die der Welt entrückt ist. In einer Schlüsselszene fragt die Protagonistin: „Wenn ich nicht zu Ihnen durchdringe, würden Sie dann bitte kämpfen? Es ist der Verdienst dieses Tatorts, sich auf diesen Kampf einzulassen. Er kämpft darum, der undurchdringlichen „Verrückten“ ein Stück Würde zu bewahren. Allein das macht ihn schon sehenswert. |
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@ mathias
…daß wir alle potentielle Täter sind. Da schließe ich mich mal aus. Noch nicht von Schizophrenie heimgesucht, attestiere ich mir so viel moralische Festigkeit, mich nicht als möglichen Gewalttäter zu sehen. Sonst hätte die Beschäftigung mit ethischen Fragen keinen Sinn gehabt. Du kannst mir zwar nachsagen, diese Haltung könne nur von einem Schizophrenen geäußert werden, weil er seine andere, seine dunkle Seite im Augenblick nicht kennen würde. Das nehme ich jedoch hin. Es ist der Verdienst dieses Tatorts, sich auf diesen Kampf einzulassen. Er kämpft darum, der undurchdringlichen „Verrückten“ ein Stück Würde zu bewahren. Auch diese Feststellung teile ich nicht. Diejenigen, die es anginge, weil sie in ihrem täglichen Sprachgebrauch "Klappsmühle" oder "Irrenanstalt" verwenden, kapieren die Rolle nicht, und die anderen, denen psychisch originelles Verhalten vertrauter ist, lernten nichts dazu, weil sie um die Symptome wissen. Das Unterhaltungsgenre hat seine eigenen Gesetze. Früher hörte ich öfter als Begründung, weshalb man die Bildzeitung lese, es sei der Sportteil, der den Griff zu diesem Blatt notwendig mache. Das passt in diese Argumentationsstruktur. |
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Übrignes, MD: Die Pistole war keine "Ceska". Allenfalls eine "Česká" ... – so viel Zeit muß sein ;-)
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sehr richtig (wie machen sie das bloß mit diesen tollen sonderzeichen bei unserem 1 MB-chip?)
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ALT + 0154 = š
ALT + 0138 = Š ALT + 0158 = ž Ÿ ¡¢¢¤¥¦§¨©ª«¬®¯°±²³³´µ¶·¸¹º»¼½¼¾¾¿ÀÁÂÃÄÅÅÆÇÇÈÉÊËÌÍÎÏÐÑÒÓÔÕÖרÙÚÛÜÝÞßàáâáâãäåæççêëìçd~Çüéäopqrstuvwxyzy{|}~⌂ÇüéäåçêëèïîìÄÅÅÉææÆôöòûûùÿÖÜøø£ØØ×ƒáíóúññÑÑѪº¿¿®¬½▓│┤ÁÂÀ©╣║╗╝¢¥┐└┴┬├─┼ããÃ╚╔╩╦╠═╬¤ððÐ╚Ê╩ËËÈ{|ÍÎÏÏ Ï┘┌█▄¦Ì▀ÓßÔÒõÕÕµþÞÚÛÙýݯ´±‗¾¾§÷÷¸°¨·¹³²■ ☺☺☻♥♦♥♣♠♠•◘○◙♂♂♀♪♫╚☼►◄↕‼¶§▬↨↑↓→←∟↔▲▼ !"#$%&'()*++,-./012,-6^MTY\]·_`abwyz'{|ååçêèïîìÄÅÉæÆôöòûùÿÖøñ«dzyz{|☺0‚ƒ†‡ˆ‰Š‰‹ŒŽŽ‘’“”••û–˜™šžŸœ›šŸ ☺¡¢£¤¥¦§¨©©☺ª¬¯°±²³´µ¶¾¿Þßàáâãäå☻"æçèéêëìíîïðôóøú Wenn man bei einem Windoof-PC die ALT-Taste gedrückt hält und auf dem Nummerblock herumspielt, sieht das so wie oben aus. Bei einem richtigen Rechner mit Linux (Ubuntu) gibt's leicht zu merkende Tastenkombinationen. ☺ |
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RA, für den letzten Satz verzeih ich jeden Lynley-Hinweis. : )
In der Redaktion jedoch stehen Computer der dritten Art. Das dürften dann wohl der ehemalige Apfel, also Command-Taste plus Zahlengewirr sein, vermute ich. |
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Hallo Sarah, kenne mich leider mit Lifestyle-Gadgets nicht so aus; gibt aber sicher auch so Schleichwege. Guckst Du hier (z. B.):
www.maceinsteiger.de/mac-os-shortcuts/sonderzeichen-unter-mac-os/ |
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aber iiiiich benutz doch ubuntu, ich bin glücklich und zufrieden.
trotzdem danke : ) |
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schrieb am
17.02.2012 um 12:25
@Miss L.
Hast Du noch was nettes zu Ubuntu sagen? Ich ( |
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Bin zwar nicht "Miss L.", aber einer, der vor nunmehr – Kinder, wie die Zeit vergeht: Mein erstes Ubuntu habe ich 2008 auf einem Laptop installiert, der ohne BS kam und partout nichts anderes wollte. In kürzester Zeit war das ganze Büro-Netzwerk auf Ubuntu, und die Windoof-Welt ist auf eine VM auf einem Rechner beschränkt, auf der ein XP für die absolut nicht außerhalb der Fensterwelt laufen wollenden Weichwaren (Steuererklärung, iiiihhhh ...).
Ansonsten: Adieu Abstürze, adieu "verstopfte Registry", adieu Windoof-Probleme. Und das alles mit einer Benutzeroberfläche, die einfach "menschlicher wirkt. Installation ist supereinfach, und die Benutzeroberfläche erklärt sich selbst. Ansonsten gibt's genug Foren, die in jeder Lage helfen. Wichtig sind einige kostenpflichtige Programme wie etwa "TurboPrint", das jeden, aber auch jeden Drucker so zum Laufen bringt, wie es kein Windoof-Treiber auf eine Fensterkiste fertigbringt. Dasselbe gilt für "Vuescan" für den Betrieb von Scannern. Einfach mal die aktuelle Distribution runterladen, neben dem Windoof auf dem Rechner installieren und anfangen. Entweder Du findest dazu oder nicht. Wenn nicht, ist es schnell wieder gelöscht – da glaub' ich aber eher weniger dran. |
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schrieb am
18.02.2012 um 09:37
Danke, das hört sich ja alles sehr positiv an, nur das mit der Peripherie (Drucker etc.) hatte ich gar nicht bedacht.
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Normalerweise laufen Drucker auch ohne TurboPrint, zumal wenn proprietäre Linux-Treiber vorhanden sind wie bei manchen Canon- und HP-Geräten, aber mit TP ist's a) komfortabler und b) sind die Einstellmöglichkeiten genial. Dasselbe gilt für den Scannerbetrieb: Ubunut kommt natürlich mit Scanneranbindung, aber Vuescan ist eben eine professionelle Scan-Software, die m.E. sogar SilverFast aussticht.
Alles andere, was man so zum Arbeiten braucht, ist bei Ubuntu entweder dabei oder schnell heruntergeladen und installiert: OpenOffice sowieso, Gimp als fast vollwertiger Photoshop-Ersatz, Inkscape als vollwertiger CorelDraw-Ersatz, Scribus als vollwertiges DTP-Programm und viele Multimedia-Programme. Was noch fehlt, ist ein wirklich brauchbares HDR-Programm (da muß man eben für PhotoMatixPro eine VM mit XP aufsetzen), und für Panorama-Fotografie gibt's hier wie bei Windoof eh nur eine Wahl: AutopanoPro von Kolor; und das kostet aber auch hier wie da. Für meinen Teil steht fest, daß ich bei Linux bleibe. Mit der totalitären Apple-UserGängel-Ideologie wird jemand, der die Open-Source-Welt kennen- und schätzen gelernt hat, wohl nimmermehr froh. |
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auch toll, wie die tatort-diskussion hier mirnichts, dirnichts in den ratgeber: technik übergeht. das sind die großen momente unserer kommunikation. herrlich
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Ja, so sind wir halt mal, Asterixocellix!
(Obelix in "Asterix auf Korsika") |
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schrieb am
18.02.2012 um 19:26
Du Dell, dass tut mir jetzt natürlich leid. Aber das musste mal raus.
Um die Diskussion mal umzubiegen, würde ich mich gerne auch als Haudrauf anbieten. Für mich ist der Tatort in etwa so interessant wie Windows. Ich sage nur, dass ich mir z. B. einmal extra nach Lektüre einer Kritik (jedoch nicht von Ihnen), die Folge "Das Böse" angesehen habe und trotz Ulrich Tukur maßlos enttäuscht war. Insofern können wir mit der Bekehrungsarbeit für Ubuntu gerne zugunsten des Tatorts beenden, obwohl das wohl schwieriger wird. |
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Etwelche weitere Fragen in Sachen Linux/Ubuntu bitte an rene_artois@web.de. Mit der Bitte um Geduld, übrigens: Postfach wird eher sporadisch abgehört ;-)
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ich habe noch nie eine scheinbar verrückte so normal dargestellt gesehen. und: die besten sätze waren ihre, man musste nur um ein oder zwei ecken gehen. wunderbar!
Aber, herr dell: "in Wirklichkeit dauert dieser Prozess wohl Jahre und nicht 45 Minuten." ja gut, dann gäbe es aber keine filme, theaterstücke, in die ich ohne 42 brotbüchsen ginge. |
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16.05.2012
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