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Kultur : Das Prinzip Personalunion

In allem, was sie tut, verknüpft Alice Schwarzer sich untrennbar mit der Sache. Das betrifft nun auch die Diskussion um die Finanzierung des FrauenMediaTurms (FMT)

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Alice Schwarzer ist der Inbegriff einer „Personalunion“. In allem, was sie tut, in jeder ihrer öffentlichen Interventionen, verknüpft sie sich mit der Sache, für die sie kämpft, zu einem unlösbaren Bündel. Das hat enorme Vorteile für die Sichtbarkeit der Inhalte und den Nachteil, dass man bei Kritik immer das ganze Bündel trifft. Das gilt auch für die Diskussion um die Finanzierung des Kölner FrauenMediaTurms (FMT).

Mit großer Empörung wehrt sich die Frontfrau des deutschen Feminismus derzeit gegen drastische Kürzungen der öffentlichen Mittel für ihr Feministisches Archiv und Dokumentationszentrum und vermutet politische Intrigen. Die Sammlung von Büchern, Artikeln und Tondokumenten zur Geschichte der Frauenbewegung, 1984 begonnen, konnte sich dank einer großzügigen Anschubfinanzierung durch Jan Philipp Reemtsma als gemeinnützige Stiftung etablieren, zum Archiv ausbauen und 1994 in den Kölner Bayernturm ziehen. CDU-Ministerpräsident Rüttgers versprach dem Archiv ab 2008 eine Förderung von jährlich 210.000 Euro. Nun hat ausgerechnet die nordrhein-westfälische „Frauenregierung“ unter Hannelore Kraft zwei Drittel der Fördersumme gestrichen. Mit den verbliebenen 70.000 Euro könne sich das Archiv nicht finanzieren, sagt Schwarzer. Mittlerweile hat sie einiges an privaten Spenden akquirieren können.

Ist das Sparen beim MediaTurm nun gerecht, ungerecht, antifeministisch oder schlicht nur notwendig? Schwer zu sagen. Denn gemäß dem Prinzip der „Personalunion“ sind Vor­behalte gegen den MediaTurm immer auch Vorbehalte gegen Schwarzer. Einige Kritik wurde laut. Die mehr als 70.000 Dokumente in der Trutzburg seien schwer zugänglich, die Öffnungszeiten begrenzt, für Nutzung werde eine Gebühr erhoben, die wissenschaftliche Aufarbeitung sei lückenhaft. Die Kölner WDR-Journalistin Veronika Bock zählte im Archivkatalog 67 Einträge für Minna Kauer, 27 für Clara Zetkin, 18 für Rosa ­Luxemburg, 99 für Simone de Beauvoir und 786 für Alice Schwarzer. Der MediaTurm ist eine Propagandamaschine für Schwarzer, so wie Schwarzer die beste Propagandistin des Turms.

Doch Köln ist nur ein Beispiel fürs Generelle. Nicht wenige gemeinnützige Institutionen sind anfällig dafür, dass ihre Leiter und Leiterinnen als Verkörperung der guten Sache ungestört autokratisch vor sich hin regieren und somit öffentliche Gelder auch zur Finanzierung ihrer kleinen Fürstentümer nutzen. Das Dilemma solcher Symbiosen ist, dass ohne den persönliche Einsatz auch die Institution selbst zur Bedeutungslosigkeit zerfiele – welches andere Frauenarchiv hätte es denn zu so viel Aufmerksamkeit gebracht?

Trotzdem wäre eine Trennung der Sphären heilsam. Schwarzers Sammlung von Privatspenden ist eine Lösung. Die andere wäre, das Archiv des MediaTurms einer öffentlichen Bibliothek anzugliedern, mit der Auflage, dass die verbleibenden 70.000 Euro zur Finanzierung der wissenschaftlichen Auf­arbeitung des Materials zu verwenden sind. Ach ja, und das Argument, dass „ausgerechnet Frauen“ den FTM kippen, sollte unbedingt mit ins Archiv. Dieser Zopf ist so alt, dass frau ihn wirklich nicht mehr tragen möchte.

Andrea Roedig arbeitet als Publizistin in Wien

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