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Kurzschluss

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Kultur : Der Lachs fließt uneinheitlich

Politik, Religion und eine Liebesbeziehung: Der Film „Lachsfischen im Jemen“ von Lasse Hallström ist eine märchenhafte Geschichte, die es allen Recht machen will

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Warum eigentlich beschwören Filme, die an ein Massenpublikum adressiert sind, immerfort Individualität und Nonkonformismus? Vermutlich ist das eine lässliche Frage, wo Lasse Hallströms Bestseller-Adaption Lachsfischen im Jemen nichts anderes will, als dem Betrachter Zerstreuung zu verschaffen. Dieses Angebot beinhaltet, die Widersprüche der Gegenwart mit leichter Hand aufzuheben, die, ins Kino übersetzt, die Widersprüche zwischen Form und Erzählung sind: Die absurde Idee im Film – britische Regierung forciert den Wunsch eines Scheichs, Lachszucht im Jemen anzusiedeln, um den deprimierenden Kriegsnachrichten aus Afghanistan eine „positive“ Geschichte entgegenzusetzen – ist zugleich die Wirklichkeit des Films, der sich als Antidot zu einer ungemütlichen Weltlage empfiehlt.

Lachsfischen im Jemen ist ein Märchen von heute, das nicht auf reinen Eskapismus setzt, insofern Politik und Wirtschaft in einer globalisierten Welt eine Rolle spielen. Heruntergebrochen freilich auf die Idee einer Weltversöhnung, deren Unterkomplexität der finalen Friedensrede in Rocky IV von 1985 geopolitisch aktualisiert. Der Scheich (Amr Waked) predigt eine panreligiöse Business-Philantropie, die es allen recht macht. Mühelos pendelt er zwischen jeminitischer Wüste und englischem Schoss, dem bürokratisch-rationalen Fischerei-Spezialisten Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) führt er den Glauben wieder ins Leben ein, so wie er zwischen dem von mütterlicher Karriere-Ehefrau gegängelten Jones und der einem sympathischen Soldaten versprochenen Beraterlady Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt) die Liebesbeziehung stiftet, ehe beide diese ahnen.

Der Scheich erscheint als Wunschbild westlicher Träume, als aktualisierte Version des orientalischen Prinzen: Ach, wenn doch arabische Player nur so reich, gutmütig, geschäftstüchtig und gebildet sein könnten, die Befriedung der globalisierten Welt wäre ein Kinderspiel! Mit den paar übrigbleibenden Modernisierungsverlierern – MG-bewehrte Traditionalisten im Jemen, kleinmütige Lachsfischer in Großbritannien – würde man mit links fertig.

Neoliberales Subjekt

Lachsfischen im Jemen ist in seiner lockenden Widerwärtigkeit ein faszinierendes Beispiel für gut inszenierte Konformismuseinübungen. Interessant ist daran, was der Film quasi nebenher erzählt; dass die Beraterlady vor der Mühle ihres Hochleistungsdruckjobs in romantisch-verheulten Liebeskummer flüchten kann, ist dabei das geringste Detail. Bemerkenswerter sind die versteckten Anfeuerungsrufe an das neoliberale Subjekt. Glück in Liebe und Beruf gewinnt, wer bereit ist sich von seinen Gewohnheiten zu emanzipieren: Die Betörungen der Beraterlady lassen Dr. Jones irgendwann sein Potential in der Selbstdarstellung gegenüber dem ungeliebten Chef und die Unabhängigkeit von der bevormundenden Frau erkennen.

Am auffälligsten aber ist, dass der Film lustvoll allein die Mechanismen der Politik auseinandernimmt. Kristin Scott Thomas glänzt als zynische Spindoctorin, während Scheichs Investorenreichtum immer nur dazu da ist, dem zweifelnden Sozialstaatssesselpuper jeden noch so exotischen Wunsch zu erfüllen. Als Metapher für den drögen Angestellten, der zum flexiblen Projektmanagerliebhaber umgebaut wird, dient der Lachs. All der Jahre im Zuchtgehege zum Trotz, hat der Fisch im entscheidenden Moment nicht verlernt, worauf es ankommt: gegen den Strom zu schwimmen, damit der Strom schließlich selbst die Richtung ändert.

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