In unregelmäßigen Abständen übermannt er deutsche Professoren, der unheimliche Drang nach „Revolution“. 2002 wurde der Historiker Arnulf Baring davon gepackt. Er rief in der FAZ vom 19. November 2002 auf zum letzten Gefecht: Bürger, auf die Barrikaden! Im Unterschied zu den unregelmäßigen Abständen, in denen für eine „Revolution“ getrommelt wird, gleichen sich die Gründe für den Alarm wie ein Ei dem anderen. Baring trommelte für „mehr Wettbewerb“ und für „die Wiederbelebung der Selbständigkeit und Eigenverantwortung“, für den „massenhaften Steuerboykott“ und natürlich gegen Gewerkschaften und Sozialstaat. Neu ist das neoliberal-marktradikal grundierte Kampfprogramm beileibe nicht. Seit Mitte der siebziger Jahre tobt, wie der katholische Theologe Friedhelm Hengsbach feststellte, „ein dreißigjähriger Feldzug gegen den Sozialstaat.“
Staatsmacht auf „Steuermacht“ reduziert
Und jetzt kommt der mediale Zampano Peter Sloterdijk mit seinem Aufruf zur „Revolution der gebenden Hand“, genauer: zum „fiskalischen Bürgerkrieg“ in der F.A.Z. vom 10. Juni 2009. Er leitet seine These von Rousseau her. Der erklärte 1755 die Entstehung von Eigentum und Staat damit, dass jemand Land einzäune und für sich allein beanspruche. Eigentum entsteht also nach Rousseau durch Diebstahl. Den Diebstahl der vielen legitimieren später staatliche Rechtstitel, und der Staat lässt sich diesen Schutz mit Steuern entgelten. Wie immer bei Rousseau ist das Ganze nicht ganz falsch, aber viel zu holzschnittartig. Anders als der Lautsprecher Sloterdijk behauptet, haben sich aufgeklärte Linke diese primitive Legosteinchentheorie über den Zusammenhang von Gewalt, Eigentum und Staat nie zu eigen gemacht.
Marx hat die Entstehung von adligem Großgrundbesitz in England in seinen seinen Überlegungen zur „ursprünglichen Akkumulation“ als Akt der Enteignung von kollektivem Landbesitz („Allmenden“) im Detail dargestellt. Der Historiker Charles Tilly sah die frühneuzeitliche Staatlichkeit als eine Folge einer Entwaffnung der Bürger und der schrittweisen Monopolisierung der Gewalt durch den Adel oder eine andere Oligarchie. Tatsächlich beruht die Entstehung des modernen Privateigentums wie jene der modernen Staaten auf komplizierten wirtschaftlichen, sozialen und politischen Prozessen. An deren Ende steht nach etwa drei Jahrhunderten die moderne Staatlichkeit – mit Gewaltmonopol, Steuereinziehung, Militär, Polizei, Verwaltung und ein paar Bildungsinstituten zum allgemeinen Trost.
Sloterdijk vergröbert diese komplexen historischen Prozesse und Zusammenhänge, indem er Staatsmacht aus aktuellem Interesse auf „Steuermacht“ reduziert – die Perspektive des liberalen Spießbürgertums, das auf Steuerersparnis aus ist und sonst gar nichts. Der intellektuell ernstzunehmende politische Liberalismus folgte aber dem Grundsatz „no taxation without representation“, das heißt, Steuern nur gegen politische Mitspracherechte. Demgegenüber ist die Reduktion von Staatsmacht auf „Steuermacht“ historisch gesehen eine schnellfingerige Improvisation und obendrein eine Verharmlosung von Staatsmacht. Hätten Staaten nur die Steuermacht usurpiert und nicht Verbrechen in ganz anderen Dimensionen zu verantworten, könnte man Staaten schuldlose Kinder nennen.
Sloterdijk simplifiziert Staatsmacht auf „Steuermacht“, weil er die Einkommenssteuer in neoliberal-marktliberaler Manier als Zwillingsschwester von Enteignung betrachtet und als professoraler Steuerzahler gegen die „Staats-Kleptokratie“ poltern will – da ist er ein Bruder im Geist mit Guido Westerwelle, Meinhard Miegel, Hans-Olaf Henkel, Hans-Werner Sinn e tutti quanti.
Freie Fahrt für freie Bürger
Mit der Forderung „zur Abschaffung der Zwangssteuern“ kommt Sloterdijk an einen Punkt, an dem es interessant wird. Der Ausdruck „Zwangssteuern“ übersetzt ja nur den ADAC-FDP-Staubürgerslogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ in die Steuerpolitik. Als Rektor der „Staatlichen Hochschule für Gestaltung“ in Karlsruhe wird Sloterdijk staatlich alimentiert, also aus Steuermitteln bezahlt genauso wie der Staatsrentner und Steuerboykotteur Arnulf Baring. Das Lustigste an den professoralen Steuerrevoluzzern ist, dass sie von dem leben, was sie abschaffen wollen – von Steuergeldern. Sloterdijk will „Zwangssteuern“ umwandeln in „Geschenke an die Allgemeinheit“. Diesem Wunsch des „Revolutionärs“ sollte sich der baden-württembergische Finanzminister nicht versagen. Oder soll man Sloterdijk eine Wette auf „die Revolution der gebenden Hand“ der Besserverdienenden anbieten?
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Die Sloterdijks leben nicht nur vom mit dem Staat ausgehandelten Exklusiv-Salär, sondern verdienen sich einiges hinzu mit noch besser honorierten Vorträgen auf Veranstaltungen von Institutionen, die sich das etwas mehr kosten lassen können als die üblichen Lehrauftragsstundensätze. Es gilt also wohl doch: Wess' Brot ich ess...
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Ich habe wirklich herzhaft gelacht, mit welch luftigen Sprüngen Sloterdijk Unsinn kunstfertig verpackt als Lösung verkauft. Von der FAZ erwarte ich nichts anderes. Nachdem die wahren Plünderer der Gesellschaft erfolgreich Billionen aus der Staatskasse abgegriffen haben, wenden sie sich nun ihrer ursprünglichen Aufgabe zu: Desolidarisierungen großen Stils und Zerstörung der Demokratie.
Warum sich Sloterdijk zu so einem meiner Meinung nach billigen Pamphlet hergibt, entzieht sich meiner Vorstellung. Ob er es sportlich sieht Unwahrheiten als Verteidigung eines räuberischen Verhaltens und Versagens zu konstruieren? Es ist letztendlich Wurst aber bestimmt gut bezahlte. Die nahe Zukunft hat noch Überraschungen in der Hinterhand die solche Texte schneller wirkungslos werden lassen als es sich ihre Schöpfer heute vorstellen können. [Dieser Text ist ein persönliches Werturteil] |
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Eine passende Entgegnung:
Mehr Freiheit und Demokratie wagen Rede zum sechzigjährigen Bestehen des Grundgesetzes Von Oskar Lafontaine www.linksfraktion.de/rede.php?artikel=1324911129 |
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Pardon, falschrum. Die Rede von Sloterdijk war wohl die Entgegnung auf die Rede von Lafontaine.
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Entweder er hatte einen marxistischen Geistesblitz, der ihn erkennen lies, dass der Staat in Zukunft zuallererst bei den Hochschulen einsparen wird Sloterdijk dann auf der Strasse sitzt und seine Zukunft bei der FAZ sieht oder es zeigt sich wieder einmal, dass je irrationaler der ganze Kapitalismus wird mit Aufschwung/Abschwung je nach Stimmung an der Wallstreet die Vordenker immer verzweifelter versuchen noch einen drauf zu legen.
Ich kann es kaum noch erwarten was die Herrschaften sich ausdenken werden, wenn die Krise den Punkt erreicht hat an dem die Mehrheit den Segen des Kapitalismus in Frage stellt es aber keine Alternative fuer sie gibt. Dann sind die Vordenker wieder gefragt, aber leider habe ich nicht genug Phantasie diese vorzuzeichnen, da ich zu verwirrt bin durch das Suchen irgendeiner Logik in Sloderdijks Worten. |
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Das einzig Gute an Sloterdijks Provokation ist, dass er uns zum Nachdenken anregt.
Wir brauchen eine gut argumentierte Gesellschaftskritik, die liberale und grüne Gedanken aufnimmt und aus der Perspektive von Nachhaltigkeit und Verantwortung auch neu über Eigentum, Unternehmertum und die Rolle des Staates nachdenkt. |
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Nachdenken ist immer gut. Warum aber in den alten Schachteln bleiben? Dort finden sich kaum Lösungen für die Probleme der Zukunft.
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Das ist zumindest falsch formuliert oder am Ende nicht zu Ende gedacht, wenn man behauptet:
"Sloterdijk simplifiziert Staatsmacht auf „Steuermacht“". Denn die "moderne Saatlichkeit" finanziert am Ende ihre politisch, strukturelle Macht und ihre Dienste durch ein allgemeines Steuer.- und Abgabenregelwerk. Damit ist an letzter Stelle zu Ende geadcht, wenn die Staatsmacht zugleich auf ihre Steuererhebungsmacht "reduziert" wird. Auf der anderen Seite z.B. erleben wir einen "Staat" - also in unserem Falschverständnis eine Regierung mit ihren intransparenten Funktionsapparaten Steuergelder der Zukunft zum Eintausch für stark übel riechende Kredite in sogenannten Bad Bank als Sicherheit anbietet und zwar ohne dass die weltweite Finanzwelt wirklich am Machthaken der proklamierten staatlichen Steuermächtigkeit hängt. Was tun also wenn der "Staat" seine Macht quasi verschenkt, aber der Steuerzahler letzlich der einzige bleibt, der am Machthaken des Steuerhaken hängen bleibt? Auch die letztlich "linke" Ohnmacht und deren Nichtprofit (z.B. durch Zuspruch in Wahlen) an diesem Ereignissen müsste am Ende in einer Steuerzahlungsverweigerung enden. Nicht, weil man sie nicht bereit wäre Steuern zu zahlen, sondern weil ein so agierender "Staat" weder das Grundvertrauen ausstrahlt er sei Herr im Steuerhaus, sondern auch "nur" getriebener noch das er sinnvoll an vielen anderen Stellen des Alltags mit dem überantworteten Geld vernünftig umgehen kann. Gegenüber einem "Staat", der also scheinbar/offensichtlich in den Dimensionen Steuereinnahmen der Zukunft möglicherweise in einer von anderen (Bankern) anderes verlaufenden Vergangenheit versenken muss, gegenüber dem erscheint eine Steuerrevolution die verbleibende ultima ratio. Aber auch die ist von Staats wegen verboten. Warum wohl? |
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misterL schrieb am 14.06.2009 um 20:57 "... einem "Staat", der (...) Zukunft möglicherweise (...) versenken muss, gegenüber dem erscheint eine Steuerrevolution die verbleibende ultima ratio. Aber auch die ist von Staats wegen verboten. Warum wohl?" Ja, und Angesichts von Studiengebühren wäre Geld selber drucken die ultima ratio. Aber auch das ist von Staats wegen verboten. Warum wohl? |
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schrieb am
17.06.2009 um 19:29
Lieber Hans Hirschel
Der Staat darf Geld drucken zumindest bzw. vor dem Euro. Aber nicht nicht jeder x-beliebige? Sie ahnen die Frage? ;-) Warum wohl? |
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wie wahr, streifzug! "Nachdenken ist immer gut. Warum aber in den alten Schachteln bleiben? Dort finden sich kaum Lösungen für die Probleme der Zukunft."
mit anderen worten, der staat macht keinen staat mehr in der zukunft. er löst keine probleme mehr; er ist eines der größten hindernisse auf dem weg in die zukunft der menschheit. was haben die herrschaften regierenden denn weit und breit zu bieten außer sicherheitsgipfel, die die welt unsicherer machen, und energiegipfel, die auf atomkraft und wachstum setzen? die staatlichkeit ist eine puppe, in welcher die menschheit erstarrt ist; sie muss sich von dem panzer befreien. ganz bald. |
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h.yuren, wenn Staatlichkeit entsorgt wird, die "knechtet" wäre es ein Fortschritt. Wenn Staatlichkeit entsorgen bedeutet alles zu privatisieren, wird demokratische Einflussnahme eliminiert und das wäre dann wirklich der "Ring, sie zu knechten".
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schrieb am
18.06.2009 um 17:50
Ein wirklich grauenhafter Unsinn.
Ich möchte, mit keinerlei Anspruch auf dessen Vollständigkeit behaupten, es gibt zwei Hauptgründe aufgrund dessen ein Staat unerlässlich ist. Diesen Gründen würden natürlich noch Unterpunkte folgen. Also 1. Der Staat ist zur Zeit die einzige Institution, die ein geordnetes staatsbürgerliches Zusammenleben in einem Gebiet garantieren kann. 2. Er vertritt dieses Zusammenleben nach Außen und schützt es auch nach Außen. Der zweite Grund ist mir zu Zeit nicht so wichtig aber jedenfalls zum ersten Punkt sei mal holzschnittartig gesagt, dass wenn eine übergeordnete Institution fehlt, die dafür sorgt, dass Reiche, Arme nicht ausbeuten sodass es aufgrund der Kapitalkonzentration bei einigen Wenigen und das dadurch generierte Nachfrageloch volkswirtschaftlich schädigend wirkt, unser wirtschafts und Gesellschaftssystem keine Chance auf ein Funktionieren hätte, da seine systemimanente Schwäche es selbst vernichten würde. Klar ist und da hat der Autor des Kommentares soweit ich ihn denn richtig verstehe, recht, dass dies in letzter Zeit nicht sonderlich gut funktioniert. Dies liegt aber an der äußerst paradoxen aber dennoch praktizierten neoliberalen Theorie, die Leider auch von allen etablierten Parteien außer der Linken vertreten wird, dass der Staat sich aus allem raushalten müsse und sich selbst den Handlsungsspielraum nehmen müsse (siehe Schuldenbremse). Es ist zwar sehr Paradox, dass diejenigen, die den Saat representieren, ihn selbst zurückdrängen wollen, also ihre eigenen Möglichkeiten demontieren wollen, allerdings wird man weniger erstaunt sein, wenn man sich den Einfluss der Wirtschaft und der Lobbyisten auf den Staat und dessen Funktionsorgane ansieht. Insoweit erscheint dessen Demontierung auch nicht mehr als allzu Paradox. Was dies jedoch zeigt, ist anders als h.yuren meiner Ansicht nach als conclusio sieht, der Staat nicht abgeschafft gehört, sondern eher gestärkt und befreit von den schädlichen Einlüssen der Wirtschaft werden muss!!!! |
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>> Sloterdijk enttarnt sich mit diesem Machwerk
(auf kuriose Weise tölpelhaft) als anti-linker Kampfschwimmer und Rudolf Walther hat ihn zu unser aller Vergnügen mit dem Zeigefinger aus dem Wasser gezogen. J >> Es hat wohl seine Gründe, dass solche Tendenz-Bürgersöhnchen wie Kerner, Beckmann und Sloterdijk von willfährigen Programmdirektoren als willfährige TV- Frontmänner etabliert werden und Rudolf Walther unter den derzeit herrschenden Verhältnissen sicher keinen Sendeplatz bekommen wird. >> Wie war das doch gleich: Wer das Kapital hat, beherrscht die Medien. Wer die Medien beherrscht, manipuliert die Massen und sichert sich jene politische Macht, die wiederum bestmögliche Rahmenbedingungen für Maximalprofite und überbordenden Luxus im Reich der (Steuer-) Freiheit garantiert? >> Leitlinie für das Wahljahr aus den Hinterzimmern der Oligarchie: Jeder gegen jeden aber alle gegen die Linke! |
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schrieb am
15.06.2009 um 18:38
Wort zum Dienstag schon vor Acht.
Die gelebte Realität in einem System X wird immer eine andere sein, als in der Verfassung des Systems X nieder geschrieben wurde. In aller Regel (was man pauschaliert formulieren könnte als "In jedem Fall", aber dann wäre es für Philosphen zu absolut) Schreiben andere Personen aus anderen gelebten Hintergründen zu einer anderen Zeit die Verfassung, die sich im Laufe der Entwicklung und mit ihr aller Veränderungen zu einer anderen gelebten Form entwickelen wird, wenn die "Väter und Mütter" jener Ur-Verfassung längst nur noch als Büsten versteinert in die Welt gucken dürfen - in genau eine Richtung. Dieses Verhalten ist in jedem System gleich. Deshalb gibt es an sich kein gutes oder schlechtes System (sofern es kein Dispotentum ist), sondern nur gute oder schlechte Entwicklungen. Es gilt die guten zu finden, zu nenen und zu pflegen. LG misterL |
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lieber streifzug, wer denkt denn in solch schwarzweißen alternativen? der staat oder die herrschaft oder die alte kriegsmaschine oder der gute hirte ...
soll der schriftsteller sloterdijk an die geldschatulle denken, wenn er über den staat philosophiert, ich denke an sowjets, an räte, die aber keiner partei mehr treue schwören, sondern der bevölkerung. ach nein, räte wollen auch nur regieren. das aber muss ja gerade aufhören, diese machtkrankheit zulasten der bevölkerung. die arbeit sollen fachleute tun, auf der grundlage technischer und wissenschaftlicher abstimmung. das letzte wort sollen natürlich weder beamte noch milliardäre haben, sondern sagen wir ein zehnerrat der weisen, der ethisch motiviert alle vorlagen gegenzeichnet oder auch nicht. (mehr details auf meiner website weltwissen.com) |
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Na, da wären mir aber die Räte lieber!
So ein Areiopag wäre mir nicht demokratisch genug. Wer, zum Teufel, sind denn die Weisen? Und wer soll sie ernennen? Wer definiert überhaupt die Weisheit, die vonnöten ist, dem Rat der Weisen anzugehören? Wer garantiert, daß die Weisen nicht auch geblendet werden, und solche in ihre Mitte aufnehmen, die nach Macht streben? |
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"Eine aus klugen und weniger gescheiten Personen bestehende Gruppe schnitt fast immer besser ab als eine Gruppe, die nur aus klugen Personen bestand. Fachwissen und -kompetenz werden in vielen Zusammenhängen überbewertet."
"Diversität (Vielfalt) ist prinzipiell von hohem Wert." "Wenn nur ein paar Leute mit anderen Fertigkeiten hinzukommen - mögen sie auch über ein nur geringes Wissen verfügen -, optimiert sich die Leistung der Gruppe." Quelle: James Surowiecki, Die Weisheit der Vielen. "Entscheidungen von Experten sind bedenklich fehlerhaft." Quelle: James Shanteau |
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@ Streifzug:
Danke. Deshalb sind wir hier in der Freitags-Bloggosphäre alle zusammen ja auch so gescheit - wie ein Bienenstaat. |
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schrieb am
15.06.2009 um 18:44
Der Wahlspruch der Stunde also "Also Merkel for Bienenkönigen!"?
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Das vergessen wir besser schnell. Ich sehe es eher als eine Farm der Tiere mit all ihren unterschiedlichen Fähigkeiten.
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Wenn Frau Merkel sich in unsere Blogge traut.
Ich glaube, das würde sehr lustig! Aber 'ne Bienenkönigin will ich persönlich nicht. Es ging mir nur um die "Schwarm-Intelligenz" der gesammelten Blogger hier (Zur Schwarm-Intelligenz gab es auch mal einen Artikel im Freitag - Streifzug: Der Link! Der Link!...). |
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@ Streifzug:
Vorsicht! Der Anfang vom Ende der Farm der Tiere war, daß einige gleicher waren als die anderen. Diese Gefahr sehe ich bei einem Rat der Weisen eben besonders. |
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schrieb am
15.06.2009 um 18:52
Emergenz. Welche emergenten Eigenschaften haben denn Steinmeier, Gysi und Roth, wenn man sie nicht aus dem Zimmer läßt und sie sich einigen müssen? :-)
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Wir machen es in unserer Kommune besser. Die hatten ja auch keine Eselin als Königin. Das konnte nicht gut gehen.
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schrieb am
15.06.2009 um 19:02
Darin liegt dann vielleicht dioe Lösung (oder das Problem.
"In den Pheromonen liegt auch die Antwort auf die Frage, wie innerhalb einer Kolonie komplexe Gruppenentscheidungen zustande kommen." Der Mesch in seiner unglaublichen Komplexheit ist angeblich nicht Pheromongesteuert. Wahscheinlich noch nicht einmal bei seiner Partnerwahl. Wir reden zuviel und riechen zu selten intelligent. |
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Animal Farm - Aufstand der Tiere - Farm der Tiere (1954)
tinyurl.com/m7ohue Animal Farm, neue Version tinyurl.com/lc8u65 |
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misterL
Das ist ja mal ein Lösungsansatz! (Bitte beachten Sie, ach, wie heißt das passende Fremdwort jetzt noch einmal?, Tautologie?) |
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h.yuren
Ist Zehnerrat nicht letztendlich ein erweitertes Führerprinzip? Der Wunsch, der/die weiß es und wird es schon richten? |
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Tzzzz, wir verhunzen mal wieder einen völlig ernsthaften Artikel. Normal wird hier nur in gedämpfter Lautstärke gesprochen.
misterL, ich hab jetzt mehrfach versucht intelligent zu riechen - es klappt einfach nicht. |
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Also, in keinem der Wagen auf der Buslinie, mit der ich so im allgemeinen fahre, riecht es intelligent, würde ich sagen.
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@ Titta:
In Kölle hamse ne Elferrat. Dat klappt demmit janz joot inne närrische Zick, nö? |
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schrieb am
15.06.2009 um 20:14
@I.D.A. Liszt
Das mag an der Lage vom Tal liegen. Als gebürtiger W-Taler kenne ich es an sich ganz gut. Bin aber Gott sei Dank lange weg davon. ;-) |
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hei heia, was ist in den schwarm gefahren?
titta, übers führerprinzip, das wir leider noch nicht hinter uns gelassen haben, reden wir hier besser nicht mehr. nein, es ist natürlich der mangel an detailliertheit, der dich auf die falsche fährte gelockt hat. meine vorstellung von einem rat der weisen hat nichts gemein mit der gruppe gleichen namens in der eu und sonstwo. ich teile der institution die funktion des gewissens zu, wie man es landläufig versteht oder wie sokrates es erklärte. der sehr elitäre club der zehn (können auch 12 oder 9 sein, auf keinen fall aber 11, i.d.a., die 11 sind für fußball und karneval reserviert), handverlesen aus hundert oder tausend leutchen nach strengen kriterien, haben die aufgabe zu prüfen und (bei ethischen bedenken) zurückzuweisen, was fachgremien vorgeschlagen haben. (fachgremien stehen nicht über der bevölkerung. das netz spielt eine stets größere rolle im schwarm. aber bitte sachlich; nicht die meisten meinen, dächten, würden ...) von der schwarm-intelligenz müsste ich noch mal überzeugt werden. klar, wenn niemand den weg kennt, ist der mit dem kompass zu erschlagen und dann gehts munter weiter zum ziel. so verfährt man z.b. in der seefahrt. offizier kielholen, passagiere halten kurs. oder ist das meuterei? weil die experten so wenig zu melden haben in der kursbestimmung, sind wir da, wo wir sind. sachfragen, zur abstimmung freigeben! das wär doch noch ne alternative. wir haben die ökologie. eine wissenschaft. und wer schert sich darum? der schwarm ... |
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Wer wie Sloterdijk Marx hinterm Mond sucht, wird meist auch fündig. Dafür sorgt schon die dortige Dunkelheit. Projektor an: der alte Film mit den gewohnten Vorurteilen wird abgespult. Ein paar Erinnerungsfotos! Wow! Der philosophische Beweis ist erbracht: Marxisten leben hinterm Mond, haben sich als wahre Herren der Finsternis erwiesen und sind sehr, sehr böse.
Näheres zu Peterchens Mondfahrt gibt's hier: hhirschel.wordpress.com/2009/06/13/peterchens-marxkritik/ Gruß hh |
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lieber hans, wer hat dir gesagt, dass es hinter dem mond dunkel sei? wenn wir nicht um die ecke kucken können, ist die deutung des unsichtbaren als dunkel doch sehr metaphorisch.
was karlchen marx hinter dem mond treiben soll, weiß ich nicht. ich kann marx nicht verzeihen, dass er, egal was sloterdijk dazu meint, den staat absterben lassen, ihn aber erst einmal mit diktatorischen vollmachten ausstatten wollte. herrschaft ist inhuman, gleichviel wer sie ausübe. |
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Von der Sonne aus betrachtet :-) Wie auch immer sind Sloterdijks Behauptungen reine Projektionen. Aber sagen Sie: mit welchen diktatorischen Vollmachten wollte Marx denn den Staat ausstatten?
Herrschaft ist immer inhuman? Der Mensch das unbeherrschte Wesen? Naja, vielleicht können wir uns darauf einigen, Verhältnisse anzustreben, in denen Bildung von Mitbestimmungskompetenz der vorherrschende soziale Prozess ist. Gruß hh |
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schrieb am
18.06.2009 um 23:46
Wollte ich auch gerade fragen. Marx-Kenntnis aus dem Pro- oder Contra-Politunterricht...
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Danke, der Artikel hat mir sehr gut gefallen!
Die momentane Tendenz dass halbgare Erklärungen zur Krise bzw. undurchdachte Veränderungsvorschläge en masse publiziert werden, ist wohl gleichermaßen erstaunlich wie bedenklich. Ich glaube mit diesem Artikel haben Sie einen kleinen Gegenbeitrag und Aufklärung im besten Sinne des Wortes betrieben. Beste Grüße, jonjon |
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Ja, so will er: Freie Fahrt für Staatliches Denken! Und in jeder Diskussionsrunde im TV sah ich, mit wem "der Philosoph" Erfolg und Ruhm haben wollte. Wer Sloterdijk kennenlernen will, lese nicht sein immerhin lesbares Debut Zynische Vernunft, sondern das klitzekleine Suhrkampbändchen "Falls Europa erwacht". So viele Fehler und so ein Riesenhaufen auf nur 68 Seiten: jeder wohlmeinende Mensch ist kuriert.
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Warum kommt mir bei "Abschaffung der Zwangssteuern" und "Geschenke an die Allgemeinheit" das Stichwort "Grundeinkommen" in den Sinn? Verlangt dessen Konzept, zumindest in der Variante "Götz Werner", nicht auch die Abschaffung jeglicher Besteuerung von Arbeitseinkommen im weitesten Sinne (und wär bis dahin, zusammen mit dem bedingungslos ausbezahlten "Geschenk an die Allgemeinheit", wohl ganz im Sinne Sloterdijks). Wohingegen der Konsum massiv besteuert würde (das allerdings wär wieder so eine "Zwangssteuer"). Hat Sloterdijk ein verqueres Plädoyer für das Grundeinkommen geschrieben, ohne es zu merken? Oder tat er es willentlich, hat sich aber nur nicht getraut, das Wort in den Mund zu nehmen?
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