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In den siebziger Jahren war es für Lateinamerika fast ein gewohntes Bild: Oligarchen und etablierte Eliten riefen nach der Armee als ihrem willfährigen Alliierten, um sich missliebiger, zumeist linker Regierungen zu entledigen. Ob ­Ernesto Geisel in Brasilien, Hugo Banzer in Bolivien, ­Augusto Pinochet in Chile, Jorge Videla in Argentinien oder Juan Bordaberry in Uruguay – sie putschten, brachen alle Regeln und regierten als Obristen, ­denen das Leben des politischen Gegners wenig bis gar nichts wert war.

Auch wenn – mit Ausnahme Chiles 1973 – eine direkte Schirmherrschaft der USA für Verfassungsbruch und Staatsterror unterblieb, wurde die autoritäre Anmaßung des Caudillo in Uniform doch stets geduldet, gefördert und gestützt. Besonders weit trieb es der heute gelegentlich verklärte Präsident ­Ronald Reagan, als er in den frühen achtziger Jahren nicht nur brutale Freischärler gegen des sandinistische Nicaragua aushielt, sondern auch noch dessen Häfen verminen ließ. Um so mehr zeugt es von veränderten Umgangsformen zwischen den USA und Lateinamerika, dass nun der Coup von Tegucigalpa gegen Präsident Zelaya in Washington auf wenig Gegenliebe stößt. Die US-Administration kann nachweisen, dass gilt, was Barack Obama auf dem Amerika-Gipfel Ende April in Trinidad und Tobago zu verstehen gab: Man habe aus Fehlern gelernt und sehe in den Staaten des Subkontinents Partner – keine Gefolgschaft. Es ist gewiss alles andere als eine untergeordnete Frage, dass Zelaya als legitimer Präsident von Honduras in sein Amt zurückkehrt und seine Politik fortsetzten kann. Aber was an diesem Staatsstreich der ­Mumien von Tegucigalpa zunächst einmal auffällt, ist das Veto eines ganzen Kontinents. Lateinamerika widersetzt sich energisch dem Rückfall ins 20. Jahrhundert, als der Rechtsputsch wie ein epochaler Fluch auf Staaten und Völkern lastete, die auch bei der Wahl des ­Gesellschaftsmodells auf ihrer Souveränität bestanden.

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