Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke sind eine Lizenz zum Gelddrucken. Das Öko-Institut beziffert die zusätzlichen Gewinne der vier großen Energieversorger RWE, Eon, EnBW und Vattenfall bei einer Verlängerung der Laufzeit aller 17 Atommeiler von 32 auf 40 Jahre auf 61 Milliarden Euro. Eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg (link: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0704/wirtschaft/0058/index.html) schätzt bei zehn Jahren längerer Laufzeit etwas vorsichtiger zusätzliche 38 Milliarden Euro Gewinn.
RWE-Chef Jürgen Großmann war der Erste, der am Dienstagmorgen nach der Bundestagswahl blinkende Euro-Zeichen in den Augen hatte, als er nach Laufzeitverlängerungen für alle 17 deutschen Atomkraftwerke rief. Wohlgemerkt: alle. Großmann ließ durchblicken, dass er sich einen Betrieb von insgesamt bis zu 60 Jahren durchaus vorstellen könne. Die in den siebziger Jahren gebauten Kraftwerke Biblis A und Biblis B beispielsweise, die in den kommenden Jahren abgeschaltet werden sollten, würden nach dieser Wunschrechnung noch etwa 25 Jahre weiterlaufen.
Die Großen erhalten Konkurrenz-Vorteile
Die durch die neue Bundesregierung in Aussicht gestellte Laufzeitverlängerung sichert den Energiekonzernen ihre Marktmacht. Wer viel Geld einnimmt, kann sich bisweilen großzügig zeigen und so erklärte sich Großmann schon einmal bereit, einen größeren Teil der anstehenden Milliardengewinne in Forschung und Ausbau der Erneuerbaren zu stecken. Ein "vergiftetes Angebot" nannte dies der Anti-Atom-Aktivist Jochen Stay, weil es mehr Atommüll bedeute, mehr Leukämie bei Kindern rund um die Anlagen und täglich die Gefahr eines Super-GAU. Doch auch strukturell und energiepolitisch bedeutet das, den Konzernen Vorteile auch bei den erneuerbaren Energien einzuräumen gegenüber den kleineren Unternehmen, die in Erneuerbare investiert haben.
"Intensive" Diskussionen
Die Idee, dass die Konzerne einen Teil ihrer Zusatzgewinne wieder investieren, hat die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner ins CDU-Programm geschrieben. Sie ist als neue Bundesumweltministerin im Gespräch. Gönner kündigte an, es werde keine Laufzeitverlängerung zum Nulltarif, dafür aber "intensive Diskussionen" geben. "Intensiv" heißt bei ihr wahrscheinlich, dass nicht alle AKW eine Laufzeitverlängerung zugesichert bekommen, wie es auch der Koalitionspartner FDP befürwortet. Intensiv werden wohl nicht die Diskussionen mit der FDP werden, denn die Koalitionäre sind sich beim Atomthema weitgehend einig. Allenfalls mit den Energiekonzernen wird geschachert werden – nämlich genau darüber, wieviel von den Milliarden wofür verwendet werden.
Die neue schwarz-gelbe Koalition wird die AKW-Laufzeitverlängerung gegen den Willen von zwei Dritteln der Bürger, die am vereinbarten Atomausstieg festhalten wollen, beschließen. Dabei mehren sich auch von konservativer und neutraler Seite diejenigen, die eine Aufkündigung des Atomausstiegs ablehnen. Peter Müller aus dem Saarland hat sich nun gegen eine Laufzeitverlängerung ausgesprochen, nicht zuletzt will er damit bei den Grünen Schönwetter machen, mit denen er eventuell eine neue Regierung bilden könnte. Auch der Chef der bislang nicht als atomkritisch auffälligen Energieagentur Dena, Stephan Kohler, hat sich gegen eine Laufzeitverlängerung von AKW ausgesprochen. Er hat Zweifel hinsichtlich der Sicherheit. "Keiner der deutschen Reaktoren würde heute eine neue Betriebsgenehmigung erteilt bekommen", sagte Kohler der Berliner Zeitung. Vor allem die alten Siedewasserreaktoren seien ein Risiko und die Kernkraftwerke seien nicht ausreichend nach außen geschützt, zum Beispiel gegen Flugzeugabstürze.
Den ungeliebten Kompromiss verteidigen
Auch die Rede von einer "Brückentechnologie" Atomenergie hält Kohler für falsch. "Wir brauchen den Atomstrom im Grunde nicht." Die auf Dauerbetrieb angelegten AKW können schlecht mit den erneuerbaren Energien kombiniert werden. Sinnvoller werden die Erneuerbaren durch flexible Kraftwerke ergänzt. Die Umweltaktivisten sagen sogar, dass eine Laufzeitverlängerung für AKW den Ausbau von Windkraft, Solarstrom und Biomasse im Weg steht, weil Atomstrom die Einspeisung von immer mehr erneuerbarer Energie gar nicht zulässt.
Der Anti-Atom-Protest, der Anfang September bereits mehrere zehntausend Demonstranten auf die Straßen Berlins zog, wird mit dem drohenden Ausstieg-aus-dem-Ausstiegs-Szenario vermutlich wieder Zulauf gewinnen. Der von Rot-Grün in einem Konsens mit der Atomindustrie 2000 beschlossene Atomausstieg hatte die Anti-AKW-Bewegung auf einen harten Kern schrumpfen lassen, der dem Atomkompromiss aus genau dem Grund skeptisch gegenüber stand, der jetzt offenbar eintritt: Zu watteweich war vielen der Kompromiss von Beginn an, leicht rückgängig zu machen und die lange Frist bis 2021 bot zu viel Spielraum für die Konzerne. Jetzt werden die Atomkraftgegner den ungeliebten Kompromiss verteidigen – gegen Szenarien, die einem Ausstieg erst im Jahr 2040 oder später entgegen sehen. Bereits wenn am Montag die Koalitionsverhandlungen von Union und FDP in Berlin beginnen, wird der Anti-AKW-Protest sich vor der CDU-Zentrale postieren: sowohl das Kampagnen-Netzwerk "Campact" und die Initiative "ausgestrahlt" rufen auf, die "Koalitionäre zu belagern".
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Es wird höchste Zeit, den Bestrebungen von schwarz-gelb zum Weiterbetreiben der alten Kernkraftwerke Paroli zu bieten. Die Argumente sind bekannt. Asse, Krümmel und die Situation in den ungeschützten Zwischenlagern (Gefahr von Terrorangriffen) fordern den massiven Widerstand geradezu heraus. Und eine Gefahr besteht zusätzlich, nämlich die, dass die Bundesregierung eine kernkraftgestützte Elektromobil-Kampagne startet und das Ganze als umweltfreundliches Zukunftsprogramm deklariert. Ohne Atomstrom nämlich ist der großflächige Einsatz von Elektroautos in absehbarer Zeit unmöglich - einfach, weil die erforderliche Substitutionsenergie fehlt. E-Autos müssen künftig Co2-frei über alternativen Strom gespeist werden. Nur so ist eine nachhaltige Verkehrslösung ohne Kernkraftrisiken möglich.
Darüber hinaus ist es wichtig, auch zur Co2-Bilanz von Kernkraftwerken (und zwar zur Gesamtbilanz einschl. Abfallwirtschaft, Bau- und Abriss von Kernkraftwerken, Folgen im Gesundheitswesen etc.) sowie zu Personenschäden im Umfeld von Kernkraftwerken weiter zu recherchieren, damit die Mär vom billigen und sauberen Atomstrom endlich gecancelt wird. Ulrich Scharfenorth, Ratingen www.stoerfall-zukunft.de |
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schrieb am
03.10.2009 um 15:19
Hallo Scharfenorth,
wahrscheinlich sind Sie längst darauf gestoßen, aber falls nicht, hier zwei aktuelle Aktionen zum Thema "Atomkraft". Zum einen eine Petition auf den Seiten des Bundestages (früher epetitionen.de), ein link dorthin findet sich auch in meinem Profil. Die zweite Aktion ist von campact.de, eine Unterschriftenaktion (online) zum (von den Unterzeichnern geforderten) Atomausstieg der Tigerenten-Koalition, den link dazu finden Sie im Profil der Userin Felicitas, hab ich jedenfalls gestern noch bei ihr gesehen. Uns allen einen schönen 3.Oktober, Gruß Sven |
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schrieb am
03.10.2009 um 15:23
P.S.
Zur Petition führt Sie auch ein link im blog von MH120480 (ich hoffe, ich zitiere ihn richtig). P.P.S. ...sehe gerade, dass in meinem vorigen Beitrag die Anrede fehlt. Es soll natürlich "hallo Herr Scharfenorth" heißen, entschuldigung. Herzlichen Gruß nach Ratingen Sven |
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Das verstehe ich jtzt, offengesagt nicht ganz.
"Ohne Atomstrom nämlich ist der großflächige Einsatz von Elektroautos in absehbarer Zeit unmöglich - einfach, weil die erforderliche Substitutionsenergie fehlt. E-Autos müssen künftig Co2-frei über alternativen Strom gespeist werden. Nur so ist eine nachhaltige Verkehrslösung ohne Kernkraftrisiken möglich." Was soll man denn da jetzt den ganzen autosüchtigen Autisten sagen, wie wollen Sie das konkret verkaufen, wenn eine kWh alternativer Autofahrerstrom mehrere Euro kostet ? Also mal als einfache Rechnung, 10 % zusätzliche Alternativenergie haben in den letzten 10 jahren 50 Milliarden (???) gekostet, dann kosten 100 % 500 Milliarden, vorausgesetzt einige richtig haarige technische Probleme werden noch gelöst. Um wenigstens den Individualverkehr auf Strom umzustellen (noch keine Rede vom Güterverkehr), müsste man die bereitgestellte Menge elektrischer Energie in Deutschland mindstens (!) verdoppeln, da sind wir bei einer Billion Euro Aufwand. Ob es das jetzt unbedingt wert ist ? |
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Sehr geehrte Frau Uschtrin,
danke für diesen glänzend recherchierten und umfassend informativen Artikel zum Thema "Atomausstieg" und zu Madame Merkels und Mr. Westerwave´s Plänen. Ich bin ein neues Forumsmitglied bei Freitag und bin nur einem Eintrag von Herrn Scharfenroth gefolgt, ohne Ihren Artikel gelesen zu haben. Habe nun gemerkt (peinlich, peinlich), dass ich auf diese Weise seinen Kommentar kommentiert habe und Ihren Artikel gar nicht einbezogen habe. Auch haben Sie oben bereits den link zu "Campact" eingestellt gehabt, so dass meine Bemerkung überflüssig war. Ich hoffe, Sie können meine Entschuldigung und Erklärung akzeptieren und freue mich auf weitere Artikel von Ihnen. Es grüßt Sie Sven |
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Keine Ursache, lieber Sven Jurgeleit, die Wege im Netz sind eben manchmal verschlungen ;-)
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ich werbe selten für eine Unterschriftenliste. Nun mach ich eine Ausnahme. Seit Montag haben auf compact.de schon über 30.000 Leute einen offenen Brief unterzeichnet...
hier gibts mehr: www.campact.de |
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Die wirklich interessante Frage der kommenden vier Jahre wird tatsächlich sein, ob man es schafft, eine nennenswerte Protestbewegung auf die Beine zu stellen.
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Die Atomkraftwerke wurden einst mit massiver staatlicher Unterstützung gebaut. Nun stehen sie da und produzieren, bezogen auf die laufenden Betriebskosten, günstigen Strom. Ein Endlager wird es eines Tages geben müssen, unabhängig davon, ob die BRD gestern, heute oder in 30 Jahren "aussteigt". Und bezogen auf das nötige Volumen eines künftigen Endlagers spielt der aufgrund eines Weiterbetriebs anfallende Atommüll keine große Rolle.
Sieht man von den Gefahren eines Betriebsunfalls mit großflächiger Freisetzung von Radioaktivität ab, gibt es meines Erachtens kein rationales Argument pro eines möglichst baldigen Ausstiegs aus dieser Technologie. Es wäre in erster Linie eine Vernichtung von Kapital, das einst unter großen Kosten gebildet wurde. Dass von diesem Kapital momentan in erster Linie die Betrieber profitieren, ließe sich mit einer Abgabe/Steuer auf die Stromproduktion per Atomkraft ändern. Das ist hier sicherlich nicht die Mehrheitsmeinung, aber darüber nachdenken, das kann man ja einmal. |
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"Sieht man von den Gefahren eines Betriebsunfalls mit großflächiger Freisetzung von Radioaktivität ab" ...
Langsam kann ich es nicht mehr hören, ein sog. Druckwasserreaktor kann technisch nicht "explodieren", wie etwa das Modell bei Loriot´s Famile Hoppenstedt zu Weihnachten. Wenn mir heute jemand ein geräumiges Haus direkt am Werksgelände in Biblis schenken würde, würde ich dort einziehen und mich meines Lebens freuen, ich hätte da wesentlich weniger Bedenken als hier, in direkter Nachbarschaft zur Casella-Chemie. Aber ich bin ja auch in diesem Subventionsgeschäft mit den "erneuerbaren" Energien nur Nettozahler, da ich mir keinen grünen SUV über die Solarrendite finanzieren kann. |
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Warum sollte man davon absehen wenn man Alternativen hat. Ich finde diese Aussage auch wirklich unmenschlich wenn man bedenkt dass man im Fall der Fälle wohl nicht mehr einfach davon "absehen" kann.
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schrieb am
04.10.2009 um 23:12
@SteinMain
Auch ein Druckwasserreaktor kann explodieren, die Frage ist nur wie. Neuerdings beliebtestes Beispiel: Anschlag mit einem Flugzeug. Eine Freisetzung kann aber auch anders ablaufen, z. B. durch eine Kernschmelze, die das Grundwasser erreicht oder einen simplen Unfall mit strahlendem Material. Man kann bei der Frage, was als katastrophaler Unfall anzusehen ist, ja nicht erst bei Tschernobyl anfangen. Dass vergleichbare Gefahren auch in der Nachbarschaft von Chemiewerken existieren, da bin ich völlig einverstanden. Es bleibt die Frage, wie man diese Risiken bewertet und welchen Nutzen man ihnen gegenüberstellt. @dbraun Wie oben schon geschrieben: Es gibt viele Risiken, die akzeptiert sind, weil der Nutzen als überwiegend angesehen wird. In der Tat wird niemand eine risikobehaftete Technik vertreten können, wenn eine gleichwertige, sicherer Alternative bereitsteht. Dass Wind/Sonne/Biomasse heute eine solche Alternative darstellen, ist - zumindest meiner Ansicht nach - grob falsch. Stattdessen würde eine Alternative zur Atomkraft - wiederum meiner bescheidenen Ansicht nach - a) viel teurer und b) viel stärker auf Erdgas sowie Kohle angewiesen sein. Daher würde ich die teuer bezahlten AKWs gerne noch einige Jahrzehnte laufen sehen, solange wie es auch technischer Sicht vertretbar erscheint. |
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schrieb am
06.10.2009 um 15:12
Hi gweberbv
Rein sachlich. Ist es möglich in Tonnen zu beziffern wieviel Endlagerungsmüll pro Jahr pro KKW anfällt? Kann man die Kosten der Endlagerungen in Billionen Euro fassen? Wurden dafür Rücklagen gebildet? Gibt es derzeit ein sichere Endlagerung über den Zeitraum von 500 Jahren? (über 50.000 Jahre würde zur Unsachlichkeit führen, weil so lange keiner gesichert in Zukunft spekulieren kann) Welches Kapital würde vernichtet? Auf wessen Kosten wurde es in welcher Höhe gebildet? Wieviel Anteile an der KKW-Landschaft müssten an sich der Gemeinschaft der Steuerzahler gehören? Nur die Endlagerung? Man sieht - rein sachlich gibt es eine Menge Fragen, die der KE wenig Spielraum ließe erschlossen zu werden, würde man sie Gesamtwirtschaftlich wie ethisch heute bewerten und damit heute beginnen. Wir haben sie und damit ein paar dringliche wie ungelöste Fragen. Zeit sie zu beantworten. Sachlich, ehrlich und Fach gerecht also ohne Lobbyinteressen. Beginnen wir mit der Endlagerung - ohne glaubhafte Antworten und ohne"ungeschönten" Gutachten über die nächsten 500 Jahre keine Laufzeitverlängerung. Sollte sich auch nur ein Satz in einem solchen Gutachten als "geschönt" darstellen - Sofortabschaltung aller KKWs. Ein deal? |
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schrieb am
06.10.2009 um 16:49
@misterL
Das Bundesamt für Strahlenschutz liefert ganz brauchbare Informationen zu den Abfallmengen. Die Atomkraftwerke produzieren pro Jahr ein paar 1000 m3 Abfall, wovon einige dutzend m3 so stark strahlend, dass sie Wärmeentwicklung aufweisen. Zur Erinnerung: 1000 m3 passen in einen Würfel mit 10 m Kantenlänge. Die Menge des Abfalls ist also nicht so groß, dass man in einem hypothetischen Endlager jemals Platzprobleme bekommen würde. Da man den schon vorhandenen Atommüll (der im übrigen nicht nur in Kranftwerken sondern auch - in geringerem Umfang - in Foschung, Medizin und Industrie anfällt), nicht durch einen baldigen Atomausstieg aus der Welt schafft, wird ein Endlager also in jedem Fall nötig sein. Das taugt also nicht als Agument pro Ausstieg. Die Endlagerproblematik besteht ja unabhängig davon weiter, ob AKWs laufen oder nicht. Die Kosten der Endlagerung kann man in dem Moment in etwa beziffern, in dem klar ist, wie das Konzept überhaupt aussieht. Läuft es darauf hinaus, dass man ein Loch buddelt, den Müll einbringt, es dann für alle Zeiten zuschüttet und drumherum ein paar Messstellen einrichtet, ist es mit einer einmaligen Großinvestition nahezun getan. Dafür werden die Rückstellungen sicherlich ausreichen. Will man das Lager dagegen für lange Zeit offen halten (für Wartung, Überwachung, eventuell Rückholung), dann wird niemand die Kosten über ein Laufzeit von Jahrhunderten seriös beziffern können. Das Kapital, dass die 17 noch nicht stillgelegten Kraftwerke darstellen, ist immens. Ich bin kein Betriebswirtschaftler, aber der Wert ergibt sich anschaulich schon daraus, dass man dort ca. 30% des Strombedarfs der BRD deutlich unterhalb der Durchschnittskosten des Kraftwerksparks bereitstellen kann und - vor allem für Zukunft wichtig - die Brennstoffkosten nur einen Bruchteil des Preises darstellen. Anders als bei Öl, Kohle, Gas, etc. kann der Brennstoff also noch viel knapper und teurer werden, ohne dass dies die Erzeugungskosten signifikant erhöhen würde. Momentan geht der Profit an die Eigentümer, also die Stromkonzerne, wobei wie im Rest der Wirtschaft auch Gewinnsteuern anfallen, die mal mehr mal weniger leicht zu umgehen sind. Mittels einer Extrasteuer auf die Atomkraft könnte man die Profite, die in Zukunft sicherlich noch deutlich steigen werden, aber zu einem Gutteil abschöpfen und dem Staat/der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Stellt man die Kraftwerke dagegen ab, war es das. |
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schrieb am
07.10.2009 um 08:56
Lieber gweberbv
Wenn ich Ihnen so folge, dann scheinen Sie zu meinen man verbuddelt ein Fass Altkleider. "Läuft es darauf hinaus, dass man ein Loch buddelt, den Müll einbringt, es dann für alle Zeiten zuschüttet und drumherum ein paar Messstellen einrichtet, ist es mit einer einmaligen Großinvestition nahezun getan." Der Inhalt nicht eines einzelnen Fass darf jemals mit seiner Umgebung (Grundwasser) in Kontakt kommen. Dies auf ein paar tausend Jahre sicher und abgesichert (also kontrolliert). Das "Loch" muss funktionieren, die Kontrolltechnik und das Personal für ein paar tausend Jahre. Das ist keine Altkleidervergrabung und hin und wieder mal gucken. Aber die Schönschreiberindustrie hat sicher noch ein paar Asse in der Hand. ;-) Ausserdem weichen Sie aus. Ich wüßte gerne mit wieviel Steuersubventionen sowohl die KE, als auch die KKWs als auch die "Altkleiderdeponien" unterstützt wurden, werden und werden werden. strahlenderweise misterL |
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schrieb am
07.10.2009 um 11:00
@misterL
Ich bitte vielmals um Verzeihung, dass ich ein Loch, auch wenn es mit Sicherheit einige Mrd kosten wird, dennoch Loch nenne. Ein Endlager wird das aufwendigste, am sorgfältigsten geplante und (hoffentlich) widerstandsfähigste Loch sein, dass jemals errichtet wurde. Aber es ist ein Loch, oder meinetwegen eine Höhle. Und Grundwasser sollte ganz sicher nicht zur Umgebung gehören. Sollte das Loch danach versiegelt werden, fallen nur noch marginale Kosten an. Wird man es dagegen offen halten, läßt sich die Belastung für zukünftige Generationen kaum beziffern (ich wiederhole mich), zumal das dann bei weitem nicht nur ein finanzielles sondern ein generelles Problem ist, das auf die Frage hinaus läuft: Wie wird die Welt in 100, 200, 500, 1000 Jahren aussehen? Ansonsten bitte ich dich wirklich darum, mein Argument einmal ernsthaft zu prüfen (anstatt eine Mischung aus Belustigung und Hochmut durchscheinen zu lassen): Für ein Endlager ergeben sich durch einen baldigen Atomausstieg keinerlei Vorteile. Auch sehe ich es nicht als meine Aufgabe, dir in stundenlanger Recherche die direkte und indirekte Subventionen/Förderung der Atomkraft herauszusuchen. Wenn du dir von der Kenntnis dieser Zahlen etwas erwartest, dann geh doch bitte selbst suchen oder klär mich wenigstens darüber auf, inwiefern das ein Argument pro Ausstieg darstellen könnte. Das Geld fließt ja nicht dadurch zurück, dass die Kraftwerke abgeschaltet werden. Ganz im Gegenteil: Ein künftiger Zugriff der Allgemeinheit auf die Profite der "Geldscheisser" ist nicht mehr möglich. |
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hallo gweberbv,
wenn du misterL hochmut und hohn vorhältst, was ist deine show? das loch oder das, was du so nennst, ist etwas anderes, nämlich eine fata morgana. ich rede nicht über die kosten des sog. endlagers, wohl aber über die machbarkeit und die technikfolgen des unterfangens. ich weiß nicht, wie bewandert du in geologischen dingen bist, es sieht nicht so aus, als hättest du dich ernsthaft mit den problemen der atommüllbeseitigung befasst. nun setz dich erst mal hin, damit du nicht umfällst: es gibt geologisch keinen sicheren ort auf der erde für so ein "loch", weil es nicht nur fast überall grundwasser gibt, in der brd ganz bestimmt, denk nur an asse II, sondern auch unberechenbare erdbewegungen, nicht nur in erdbebengebieten. für den langen strahlungszeitraum kann erst recht kein geologe garantieren, dass die versenkung der radioktiven materialien so sicher versenkt sind, dass künftige generationen in der weiteren umgebung des "endlagers" nicht böse überraschungen erleben. dass regierende steuergelder in unmenschliche projekte stecken, ist eine sache, so etwas aber im nachhinein gutzuheißen und zu bejubeln, ist, na, was wohl? |
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@gweberbv: Von wem würden Sie sich denn am liebsten bescheinigen lassen, dass der Weiterbetrieb eines AKW "technisch vertretbar" ist? Von der Atomaufsicht, die zum Beispiel im CDU-regierten Baden-Württemberg in den Händen einer atomfreundlichen Ministerin liegt?
Eine reine Kosten-Nutzen-Debatte ist gerade beim Atomthema schwierig, weil das Risiko eines Unfalls oder GAUs (abgesehen von den menschlichen Folgen) nicht ökonomisch kalkuliert werden kann. Die Meiler bei uns kommen langsam in die Jahre und - wie Herr Kohler schon sagt (s.o.) - keiner von ihnen würde heute eine Betriebsgenehmigung erhalten. |
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schrieb am
05.10.2009 um 13:29
@Connie Uschtrin
Dass die Atomaufsicht bei den Ländern liegt, sollte in der Tat schnellstens geändert werden. Ideal wäre eine EU-weite Aufsicht, die dann auch gleich den Einstieg in eine europäische Energiepolitik darstellen würde. Diese wiederum ist gerade für den Umstieg auf erneuerbare Energiequellen unabdingbar, denn nationale Alleingänge werden da nur noch zweierlei sein: teuer und erfolglos Zur Kosten-Nutzen-Kalkulation: Mag es auch schwierig sein, so ist eine rationale Abwägung doch anzustreben. Der Atomausstieg ist schliesslich kein Pappenstiel, sondern eine für die Energieversorgung des Landes wegweisende Entscheidung. Dass die grossflächige Freisetzung von Radioaktivität Schäden jenseits der Vorstellungskraft verursachen würde (allein schon wegen der Panik und deren sozialen und ökonomischen Auswirkungen), keine Frage. Aber wie schon gesagt, vergleichbare Risiken werden hierzulande wie selbstverständlich hingenommen, man sehe sich nur die Region Mannheim-Ludwigshafen an, in deren Mitte sich Europas grösste Chemieanlage befindet. Auch dort sind katastrophale Unfälle oder Terroranschläge denkbar. Aber ich habe in meinem ersten Beitrag ganz ausdrücklich geschrieben, dass ich diesen Aspekt gern ausklammern würde. Denn ob jemand das Risiko, das der Betrieb von Atomkraftwerken in sich trägt, hinnehmen will oder nicht, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Da gibt es wenig zu diskutieren. Mir ging es vielmehr darum, dass viele andere Argumente contra Atomkraft (kein Endlager, macht erneuerbare Energien unrentabel, Grosskraftwerke sind eh Mist, brauchen wir gar nicht, etc.) sehr fragwürdig sind. |
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Das Entscheidende ist doch, dass mit einer Laufzeitverlängerung den Energiemonopolisten ihre Herrschaft über den Markt gesichert wird. Weil aber AKW nicht flexibel auf die Einspeisung von Erneuerbaren Energien reagieren können, werden die AKW-Betreiber immer Wege finden, den schnellen Ausbau der Erneuerbaren zu behindern. Es ist jetzt schon absehbar, dass bei Laufzeitverlängerung die Erneuerbaren klein gehalten werden müssen. RWE, EnBW und Co werden selbst ein bisschen in Erneuerbaren machen als Feigenblatt und weiter ihre veralteten Monopolistenkonzepte verfolgen - mit tatkräftiger Unterstützung durch Schwarz-Gelb. Es ist in erster Linie diese politische Entscheidung, die hier getroffen wird.
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schrieb am
05.10.2009 um 14:46
Einspruch:
a) Schnell regelbar und damit kompatibel zu schwankender Einspeisung aus (viel) Wind und (hoffentlich möglichst wenig) Sonne sind vor allem Gaskraftwerke (mit grossen Abstrichen auch Wasserkraft sofern oben genug Platz und unten genug Wasser ist, um es bei Stromüberangebot heraufzupumpen und so Energie zwischenzuspeichern). Da aus der Landwirtschaft und Forstwirtschaft bei weitem nicht genug Biomasse beschafft werden kann, verbleibt Erdgas. Das wiederum kommt von 3-5 Anbietern, die mit mehreren hundert oder gar tausend regionalen Energieunternehmen viel eher schlitten fahren können als mit den verhassten vier Oligopolisten, die heute die Energieversorgung hierzulande dominieren. Der Kampf gegen die Energiekonzerne ist also ein zweischneidiges Schwert, sofern man international mit noch größeren Spielern um die Ressourcen pokern muss. b) Grosskraftwerke können tendentiell eher von Grossunternehmen finanziert werden. Da die Leistungsverluste vergleichsweise gering sind, können grosse Kraftwerkseinheiten im Schnitt günstiger produzieren als kleinere Einheiten (so wie das auch bei Schrauben, Kinderspielzeug und Flugzeugen der Fall ist). Das energiepolitische Heil in einer Armada von Kleinerzeugern zu sehen, halte ich daher für fragwürdig. Die momentane Situation mit vier Platzhirschen, die sich gegenseitig nicht weh tun, ist aber zugegebenermaßen auch nicht ideal. c) Dass die Atomkraft den erneuerbaren Energiequellen den Markt wegknappst, kann ich erstmal nicht erkennen. Das EEG garantiert Sonne/Wind/Biogas und (kleinen bis mittleren, aber andere werden in der BRD eh nicht mehr gebaut) Wasserkraftwerken einen Abnahmepreis deutlich (bei PV sogar astronomisch) über dem durchschnittlichen Marktpreis sowie die vorrangige Einspeisung, sprich der Strom muss solange abgenommen werden, wie die Netze dadurch nicht zusammenbrechen. Meines Wissens wurde und wird der Grossteil der EE Anlagen auf Grundlage dieser Privilegien gebaut. Ob es neben den EE Anlagen noch andere, konventionelle Kraftwerke gibt, spielt dabei erstmal keine Rolle, denn der EE Strom muss abgenommen und bezahlt werden, ganz egal wie das übrige Angebot auf dem Strommarkt aussieht. Den einzigen Nutzen, den die EE Betrieber von einer Abschaltung der konventionellen Kraftwerke (seien es AKWs, Kohlekraftwerke oder sonstwas) haben könnten, träte dann ein, wenn dadurch das Angebot derart verknappt würde, dass der Marktpreis sogar noch über den per EEG garantierten Abnahmepreis stiege. Das hieße grob über den Daumen gepeilt ein Preisanstieg von 50%-100% im Fall von Windkraft an Land, 150%-200% Offshore Windkraft und >500% für Photovoltaik (Herstellungskosten, nicht zu verwechseln mit dem Strompreis, den Privathaushalte auf der Rechnung haben; da sind ja noch Netzkosten, Steuern und Abgaben drauf). Ist das realistich? Ist das gewollt? |
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Wir reden ja nicht über den Ist-Zustand im Jahr 2009, denn das letzte AKW wird ja (laut vielleicht morgen schon nicht mehr gültigem Ausstiegs-Szenario) erst 2021 oder 2022 abgeschaltet. Bis dahin wird aber die derzeit extrem wachsende EE-Branche einen größeren Marktanteil haben. Es ist richtig: im Moment gilt noch das Vorrang-Prinzip für EE. Wenn es aber jetzt zu Laufzeitverlängerungen kommt, wird dieser Vorrang das erste sein, was kippt. Die EE-Branche selbst sagt übrigens, dass keine zusätzlichen fossilen Kraftwerke notwendig sind, um (mit AKW-Abschaltung 2021) eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten. Unter der Voraussetzung, dass einige Windkraftanlagen erneuert werden und effizienter arbeiten und unter der Bedingung, dass die politischen Voraussetzungen so bleiben, könnten die Erneuerbaren im Jahr 2020 einen Anteil von 47 Prozent am Stromverbrauch haben. Mit Laufzeitverlängerung werden die Multis dies zu verhindern wissen.
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Nochmal @gwebebv wegen Strompreis: In einer Studie des Öko-Instituts wird gezeigt, dass man international keinen Zusammenhang feststellen kann zwischen dem Anteil von Atomstrom am Energiemix und den Kosten. Dass also Atomstrom unseren Strompreis billiger macht, ist ein Märchen der Atomindustrie. Umgekehrt erscheint es mir als Schreckgespenst, das jeder Grundlage entbehrt, dass die Erneuerbaren den Strompreis exorbitant in die Höhe treiben sollen.
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schrieb am
06.10.2009 um 21:31
Der Strompreis wird - sofern Marktpreise gezahlt werden - nicht durch den billigsten, sondern den teuersten Anbieter, der noch nötig ist, um die Nachfrage zu decken, bestimmt. Warum sollten die Energiekonzerne den billig erzeugten Atomstrom für 3 Cent/kWh anbieten, wenn sie am Markt dafür auch 6 Cent/kWh verlangen können? Die Differenz zwischen Erzeugungskosten und Marktpreis wandert einfach als Profit in die Kasse - und dort könnte sich der Gesetzgeber ja bedienen. Aufgrund der kokurrenzlos niedrigen Betriebskosten werden die AKWs ja von den Betriebern derart verbissen verteidigt!
Oh, wie ich gerade sehe, habe ich da unbewußt sogar fast wörtlich zitiert: -------------------------------------- "Das ist für uns Wissenschaftler kein überraschendes Ergebnis. Denn der Strompreis wird durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt, das gerade produziert. Das ist praktisch nie ein Kernkraftwerk. Den so gebildeten Börsenpreis bekommen aber auch die Kernkraftwerke für den von ihnen produzierten Strom. Das freut die Betreiber, denn sie können den in alten, abgeschriebenen Kernkraftwerken günstig produzierten Strom teuer verkaufen", so der Autor der Studie, Dr. Felix Matthes vom Öko-Institut. -------------------------------------- Dass die Erneuerbaren den Strompreis tendentiell nach obent reiben, liegt aus zwei Gründen auf der Hand: a) Sie brauchen, um profitabel arbeiten zu können, eine Vergütung, die über deutlich den Marktpreis liegt. Daher das EEG. Das trifft für nahezu alle Anlagen zu, die bis heute aufgestellt wurden. Für die Zukunft werden Kostensenkungen in Aussicht gestellt, die aber nur im Fall der PV realistisch erscheinen. Für die Windkraft musste die Degression der Einspeisevergütung ja vor kurzem erst zurückgenommen werden. b) Da das Energieangebot der Erneuerbaren schwankend ist, wird der Rest des Kraftwerkparks immer stärker hin zu schnell regelbaren Kraftwerken umgebaut werden müssen. Das wird in erste Linie Erdgas sein, die meines Wissens aktuell teuerste Art der konventionellen Energieerzeugung. Und der Umbau bzw. Zubau des Stromnetzes selbst muss natürlich auch finanziert werden. |
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@geweberbv
1. Endlager: Es ist nicht so, dass eine Endlager-Suche von dem (verlängerten) Weiterbetrieb der AKW völlig unabhängig ist. Selbst wenn man etwas zynisch sagt, es sei völlig egal welche Mengen an hochradioaktivem Material dort einlagern (werden) – wer möchte denn bitte neben oder auf einem Atommüll-Endlager für hochradioaktives Material wohnen, in das unbegrenzt weiter eingelagert wird? Würden Sie da gerne wohnen? Es wird erhebliche Akzeptanz-Probleme geben für ein Endlager, wenn die Laufzeiten der AKW und damit der hochgefährliche Müll nicht begrenzt wird. 2. Kostenargument: Ich habe es schon einmal gesagt: Eine reine billig-billig-Debatte bringt nichts. Es bestreitet ja niemand, dass Atomstrom billig ist – aber abgesehen davon, dass das nicht an die Stromkunden weitergegeben wird, ist dieser billige Strom durch ein erhebliches Risiko teuer erkauft. Und wer soll die von Ihnen genannte Atomsteuer einführen? Schwarz-Gelb etwa? Das ist ja wohl Träumerei. Es geht am Thema vorbei, wenn man die Risiken dieser Technologie einfach ausklammert, so wie Sie das tun. Keines der derzeit laufenden AKW ist gegen einen Flugzeugabsturz ausreichend geschützt. Störfälle gehören bei einigen Altmeilern zum Alltagsbild. Worauf wollen Sie warten? Lieber durch abschalten "Kapital (der Großkonzerne) verbrennen", wie Sie das sagen, als verstrahlt werden. |
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schrieb am
07.10.2009 um 12:58
@Connie Uschtrin
Zunächst: Ich will dir gar nicht ausreden, dass ein (längerer) Weiterbetrieb der Atomkraftwerke zu riskant ist. Ich bin natürlich anderer Meinung, aber das ist halt eine Frage der persönlichen Abwägung bzw. letztlich der politischen Mehrheiten. Die "richtige" Position gibt es da nicht. Zum Rest: Vieles deutet darauf hin, dass die Endlagersuche noch einmal neu aufgenommen wird. Das ist nach dem kaum fassbaren Asse-Skandal auch nur vernünftig. Sofern damit 2010 ernsthaft begonnen wird, liegen vielleicht 2020 gesicherte Ergebnisse vor. Planung und Bau werden sicherlich weitere 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. Dass die heutigen AKWs über das Jahr 2040 hinaus betrieben werden, ist wohl nicht realistisch. Insofern würde ein Endlager, selbst wenn die Politik sich jetzt wirklich dahinter klemmen würde (leider eine Wunschvorstellung) selbst bei deutlich verlängerten Laufzeiten nicht "zu früh" fertig werden. Das in breitem Konsens mit den Anwohnern umzusetzen, halte ich aber ohnehin für völlig illusorisch. Ganz egal wie das Konzept en detail aussieht. Im guten Einvernehmen geht das genausowenig wie beim Tagebau, Müllverbrennungsanlagen oder Stauseen. Man wird die Anwohner "mit Geld zwingen" müssen und die paar Aufrechten (oder Renitenten, je nach sichtweise), die sich davon nicht überzeugen lassen, juristisch niederkämpfen. Die Atomsteuer wird von Schwarz-Gelb bereits diskutiert, nur nennen die das "Zukunftsfonds". Die Einnahmen werden auch schon munter verplant für Umweltschutz, erneuerbare Energien, Bildung, etc. |
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Ich schrieb ja oben bereits über Tanja Gönners Pläne, die Gewinne der AKW-Betreiber teilweise abzuschöpfen. Wir werden sehen, ob die Atomindustrie diesen Deal nicht juristisch anfechten wird. Es bleiben den AKW-Betreibern aber immer noch satte Gewinne, um ihre Marktmacht auszubauen (ich wiederhole mich). Bildung, ach ja, irgendwo müssen wir ja die 10 Prozent des BIP herkriegen, die wir der Bildung versprochen haben. Wie gut, dass wir die Atomindustrie haben. Ich hätte da noch einen Vorschlag: Mit dem Geld könnte man doch auch einen Fonds aufbauen, für die Leukämie-Kinder, die in der Gegend von AKW aufwachsen.
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es ist bezeichnend für deine zynische einstellung, gweberbv, wie du mit den gegnern und anwohnern des "lochs" umzuspringen gedenkst und das für ganz normal hältst.
ach, nein, ich weiß, natürlich spielst du hier nur den advocatus diaboli, um gute argumente aus den lieben atomstromgegner/innen herauszulocken. ich will dir das beste argument nicht vorenthalten, damit du dich freust über deinen erfolg hier im forum: kraft-wärme-kopplung hat den höchsten wirkungsgrad eines kraftwerks. diese kleineren energie-erzeuger sind für den lokalen markt ideal, nicht für ganze länder. dezentrale energieversorgung ist demokratischer als monopole, die besser zur monarchie und diktatur passen. die energiekonzerne sind wie die staaten schäbige reste aus der zeit der inhumanen zentralisten. ihre zeit ist abgelaufen. sie selbst tun alles dafür, dass es nicht mehr lange dauert. jemand hat einmal sehr treffend das treiben der atomstromer und anderer weltvergifter die kühnheit der ahnungslosen genannt. vielleicht denkst du mal darüber nach. |
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Wenn man sich die Pressemeldung die Verivox gestern in Umlauf brachte mal genauer ansieht, muss man sich schon sehr wundern: 6 von 10 Haushalten ist einfach beim Standarttarif des Standartanbieters geblieben. Schade, dass die macht des strategischen Konsums immer noch so unterschätzt wird. Eine hübsche Anleitung bietet www.atomausstieg-selber-machen.de
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