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Politik : Gedächtnis der Wende

Die DDR-Wochenzeitung "Sonntag" war im Herbst 1989 ein Forum der Selbstbefragung und der Ort einer Gesellschaftsdebatte, die nicht nur Grenzen der DDR sprengte

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Wir dokumentieren zur Erinnerung an den Herbst 1989 und die Wende in der DDR Artikel und Interviews aus der DDR-Wochenzeitung Sonntag, dem ostdeutschen Vorläufer der einstigen Ost-West-Wochenzeitung Freitag und des heutigen Meinungsmediums Der Freitag. Die Redaktion des Sonntag hatte zu Beginn des Jahres 1989 beschlossen, die Serie Typisch DDR aufzulegen. Darin sollte es um den Trabi, DDR-Mode und expandierende Braunkohlentagebaue, Nordhäuser Doppelkorn, Kati Witt und den dahin dümpelnden DDR-Fußball gehen. Die Serie war auf den 40. Jahrestag der DDR zugeschnitten und sollte in den Wochen nach dem 7. Oktober 1989 auslaufen.

Dazu kam es nicht. Ab August, als die innere Krise der DDR nicht länger schwelte, sondern offen ausbrach, erschienen unter dem Rubrum Typisch DDR keine Artikel mehr. Was blieb, war allein das Logo 40 Jahre DDR. Die darunter veröffentlichten Texte gerieten unversehens in den Zeit- und Mahlstrom des Wende-Herbstes. Sie wurden von Zustandsbeschreibungen zu Wasserstandsmeldungen einer Republik, der nach dem Mauerfall vom 9. November 1989 das Wasser bis zum Halse stand.

Das änderte nichts daran, dass der Sonntag bis weit in das Jahr 1990 hinein, eine große Zukunfts- und Gesellschaftsdebatte spiegelte, die sich nicht nur auf die DDR bezog, sondern auch darüber hinausging. Daran wollen wir erinnern mit Texten von Christoph Hein, Rolf Schneider, Christa Wolf und Lutz Rathenow oder mit Interviews, wie sie der Sonntag seinerzeit mit Bärbel Bohley, Stefan Heym und anderen führte. Diese Dokumente geben der Wende ein Gedächtnis, das 20 Jahre danach jenseits kursierender Klischees und Abziehbilder bemüht werden kann.

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