Politik

Sturmgeschütze | 18.11.2009 12:57 | Rudolf Walther

Jagd auf Lafontaine

Sex, Krebs, Rückzug aus einem politischen Amt – alles einerlei, wenn sich der "Spiegel" und andere Blätter mit vereinten Kräften Linke wie Lafontaine vornehmen

Auf wenig ist so viel Verlass wie auf regelmäßige Denunziationen und Gerüchte gegen Linke aus dem Hause Springer. Miriam Hollstein von der Welt berichtete am 22. August, „Wagenknecht als talentierte Demagogin“ lasse „Lafontaine alt aussehen“ bei ihrem Bundestagswahlkampf in NRW. Drei Monate später kolportiert Miriam Hollstein das von den Spiegel-Autoren Stefan Berg und Markus Deggerich sowie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in die Welt gesetzte Gerücht, von einer „Affäre des Linken Parteichefs Oskar Lafontaine mit seiner Genossin Sahra Wagenknecht“.

Selbst wenn an dem Gerücht etwas dran wäre, beschäftigen solche Geschichten aus dem Privatleben nur den Blut- und Sperma-, aber nicht den Qualitätsjournalismus. Der vorliegende Fall demonstriert jedoch exemplarisch, wie symbiotisch die beiden Arten mittlerweile zusammenleben. Am Montag kamen die Spiegel-Leute mit ihrem Gerücht an die Öffentlichkeit. Am Dienstag berichteten praktisch alle Zeitungen mindestens distanziert darüber. Und am Dienstagnachmittag platzten dann die Spekulationen über die Motive für Lafontaines Rückzug vom Amt des Fraktionsvorsitzenden.

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Die Saarland-Grünen mit ihrem Vorsitzenden Hubert Ulrich, den sein Parteifreund Daniel Cohn-Bendit einen „Mafioso“ nennt, bastelten aus dem Teilrückzug aus Berlin nachträglich ein Motiv für die Jamaika-Koalition mit der CDU und der FDP. Die Teil-Rückkehr Lafontaines an die Saar wurde so zum Argument gegen eine rot-rot-grüne Koalition frisiert. Die Grünen erklärten ihre Erfindung, Lafontaine wolle gleichsam Neben-Ministerpräsident an der Saar werden, nachträglich zum Grund für ihre Ablehnung einer rot-rot-grünen Koalition. War es für den Spiegel eben noch die angebliche „Affäre“ mit Wagenknecht, die Lafontaine zum Verzicht auf das Amt des Fraktionsvorsitzenden bewog, so schwenkte man nun um auf „Krebs“, weil Lafontaine inzwischen ankündigte, er wolle sich am Donnerstag einer Krebsoperation unterziehen.
Erledigt haben sich über Nacht die Spekulationen über Lafontaines Gesundheitszustand ebenso wie das Konstrukt, Lafontaines Ehefrau Christa Müller habe „ihren Oskar“ an die Saar zurückbeordert, um ihn von Sarah Wagenknecht fernzuhalten. Sex, Krebs, Gesundheitszustand, Rückzug aus einem politischen Amt – alles einerlei, wenn der Spiegel und andere Blätter mit vereinten Kräften zur Jagd auf Linke blasen.
 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Columbus schrieb am 18.11.2009 um 14:11
"That´s the way it is."

Danke für dieses Wort im "(Der)Freitag".
Helfen wird es wenig.

Christoph Leusch

PS: Derweil feiert "JayJay" (Josef Joffe) die Auferstehung Sarah Palins als Staatsfrau.
Carl Heinz schrieb am 18.11.2009 um 15:37
Als Kriegswaisem hat mir mein Opa auf den Berufsweg mitgegeben:

"Junge, du darfst alles werden, nur nicht Kellner oder Journalist. In diesen Berufen darfst du nie deine Meinung sagen, weil du ewig Diener sein wirst."

Kellner reizten mich noch nie zum Kotzen, was bei der anderen von ihm genannten Berufsgruppe fast täglich passiert.

Alles Gute geschätzter Oskar Lafontaine!

Den gutaussehenden klugen Damen von "die Linke" (außer Sahra gibt es ja noch andere) rate ich die Bourgeoisie-Journaille nicht an ihrem Privatleben schnüffeln zu lassen.
Joss Fritz schrieb am 18.11.2009 um 14:43
Das war mal nötig, danke.
Die Medienhetze gegen Lafontaine ist unerträglich.

Dieser Artikel ist auch nicht von schlechten Eltern.

www.spiegelfechter.com/wordpress/1171/wenn-der-spiegel-mit-dem-oskar-und-der-sahra-%e2%80%a6#comments

mfg
Deaktivierter Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 16:02
„Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“, wie Max Liebermann mal gesagt haben soll, zu einem bestimmten Anlass...
sianasta schrieb am 18.11.2009 um 16:44
Dazu die Pressemitteilung der Linksfraktion im Bundestag durch Ulrich Maurer:

„Mit diesem Artikel hat der Spiegel die Grenzen des journalistischen Anstands endgültig überschritten. Das ehemalige Nachrichtenmagazin ist zum Boulevard-Blatt verkommen. Mit dem Machwerk über Oskar Lafontaines Privatleben unterbietet der Spiegel ganz locker das Niveau der BILD-Zeitung. Die Augstein-Nachfolger sollten sich überlegen, ob sie bei einer so großen publizistischen Kongruenz nicht gleich mit Springer fusionieren sollten. Denn mit seriösem Journalismus hat die seit einiger Zeit betriebene Hass-Kampagne gegen Lafontaine nichts zu tun. Schade um die Bäume, die dafür ihr Leben lassen mussten.“

www.linksfraktion.de/pressemitteilung.php?artikel=1216342355
Ehemaliger Nutzer schrieb am 18.11.2009 um 17:17
Ich vermute schon lange, dass all diese Verschwörungsromane und Phantasiegeschichten nur veröffentlicht werden, damit die Leute das Gefühl bekommen, dass sie die Realität schon mal irgendwo gelesen haben und sie damit ein Roman sein muss...
SchmidtH. schrieb am 18.11.2009 um 17:20
Hass, ja Hass werter Rudolf Walther ist hier der Treibsatz, der zur Zündung gebracht wird. Hass in diesem Land.
Nein, ich will nicht die Geschichte - die jüngere aber auch ältere - bemühen, nur wer den Faktor Hass nicht in den Vordergrund rückt, einbezieht bei der Beurteilung dieser Kampagne, wird nicht die Folgen einbeziehen wollen, können.

Nein, man muss Oskar Lafontaine weder lieben noch schätzen, mit ihm übereinstimmen, nur eines gilt auch für ihn - wie auch immer - ER KANN UND DARF NUR EIN POLITISCHER GEGNER SEI, KEIN HASSOBJEKT!

Ob diese Gesellschaft zu solch einer Differenzierung überhaupt noch in der Lage ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.

Wenn bei den Mainstream-Medien schon Hopfen und Malz verloren sind, dann dürfte man wenigstens von der Restgesellschaft verlangen können, hier einen Schnitt zu machen.

Nun allerdings bin ich der "Träumerei" in die Falle gegangen. Schade, aber es ist leider so.
zelotti schrieb am 18.11.2009 um 20:22
Lafontaines Wahlkampfauftritte waren mir zu flach. Man merkt wirklich, dass er nicht mehr in Form ist. Wer hätte gedacht, dass selbst ein Westerwelle noch Erfolge feiert.

Ich denke, es ist ganz natürlich Zeit für einen Generationenwechsel. Der Gysi wurde noch von den SED-Bonzen ins Amt gehievt. Und auch die ganze andere Mannschaft hat mehr als 15 Jahre Kontinuität und Speck angesetzt. Wo bleibt die Nachwuchsarbeit? Schaut, der Lafontaine war doch mal der Gegenspieler von Kohl, Kohl Einheit gut, Lafontaine Einheit teure Moppelkotze, und wir finden ne europäische Lösung ladida.

Im Gegensatz zu seinem einstigen Kollegen Engholm und Scharping kann er halt nicht lassen. Da wo er Altersweisheit zeigen müsste, dümpelt die alte Polemik weiter.

Ich finde solche Presse einfach toll:
"Die Kommunistin Sahra Wagenknecht, intime Kennerin von Lafontaines Positionen und nicht nur in Streikfragen mit ihm auf Augenhöhe, verlangt wie er regelmäßig französische Verhältnisse."

Vor allen Dingen die spiessigen Reaktionen.
denoc schrieb am 18.11.2009 um 23:47
"gähn"
ebertus schrieb am 18.11.2009 um 21:48
Eigentlich wollte ich zu diesem Ereignis, dieser "Rede" etwas schreiben...

www.schimmeck.de/Texte/mmdrede.htm

Und auch zu diesen "freien" Journalisten, einige von mir geschätzt, gern gelesen...

www.autoren-reporter.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1&Itemid=35

Aus aktuellem Anlass jedoch hier ein anderer Bericht, hilflos klein gewiss, dennoch das verbliebene Ego streichelnd. Den Spiegel habe ich, wie wohl bereits anderweitig geschrieben, zwischen 1967 und 1997 regelmäßig gekauft, überwiegend gelesen, meist verstanden und die dreissig Jahrgänge zum Leidwesen meiner Frau auch noch archiviert, Platz in der Wohnung verbraucht, Staubfänger unterhalten. Ab 1997 habe ich mich dann verweigert, das Flacher, Bunter, Kürzer wollte ich nicht weiter mitgehen, den zunehmenden Werbeoverkill ebenfalls nicht.

Seit gestern habe ich nun den Spiegel-Link aus meiner akribisch gepflegten XMarks-Liste (Synchronisation der Lesezeichen via Firefox über mehrere Maschinen) entfernt. Für ein Mainstream-Boulevardblatt auf leicht höherem Niveau bin ich mir nun endgültig zu schade, den hier zur Causa bereits genannten Spiegelfechter und andere Blogs lese ich dagegen weiterhin und zunehmend gern. OK, eine gewisse Selbstdisziplin ist nötig, niemand hindert mich daran, bei Interesse die URL des Spiegel manuell einzugeben, ggf. gar auch weiterhin auf einen Artikel dort zu verlinken.

Aber der ach so bequeme Automatismus ist weg, der Spiegel ab sofort für mich ohne wirkliche Relevanz, ohne "click 'n' go" Zugang.
misterl schrieb am 19.11.2009 um 10:30
Ja, ja... man weiss nicht mehr welche von den gewohnten Medien noch Authenzität haben und demzufolge "kosumierbar" sind. Eine Erfahrung, die ich kenne und die mich dazu gebracht hat, diesen ganzen Dreck erste durch diesen "Standpunkt" hier im Freitag wahr nehmen zu müssen.

Was tun? Abschalten ist auch nur weggucken und hingucken ist zum Kotzen.
A.Kauz schrieb am 19.11.2009 um 15:08
Die Journalie wird nicht ruhen bis Sie Ihr Schweingegeschäft erledigt hat. Die virtuellen Auftraggeber in den Lobbyzentralen wie die neoliberalen Parteien kippen je mehr Gülle aus, desto näher fähige Politiker wie Lafontaine ihnen auf den Pelz rücken.
Mit fällt dazu nur noch ein "Drecksackjournalismus" mit Blöd an vorderster Front. Diese Aufgabe hatte die einst als "Springerpresse" titulierte Journalie seit Jahrzehnten inne, wenn es gegen Links zu hetzen gilt. Nur sind dem viele einst durchaus vernünftige neoliberal gewendete Blätter gefolt.
Oskar Lafontaine bleibt nur beste Genesung zu wünschen. Wir haben von ihm zu lernen und an seiner Seite die "Flamme für Gerechtigkeit" in dieser Gesellschaft am brennen zu halten.
miauxx schrieb am 19.11.2009 um 15:57
Ich habe sicherlich eine vergleichsweise kurze Medienerfahrung und glaube doch berechtigt feststellen zu können, dass der Spiegel in den letzten Jahren eine starke Wendung hin zum Boulevard vollzogen hat. Am auffälligsten sind die klar definierten Opfer der Spiegel-Schreiber - um nicht zu sagen "Feindbilder".
Das schlimme dabei ist, das eben auch der Spiegel nach wie vor als 'Leitmedium' gilt. Also auch die, die wohl eigentlich einen "ordentlichen" Journalismus erwarten, lassen sich entweder vom "guten Namen" auf ewig blenden oder vollziehen die Wandlungen, welche die Verwertungslogik der "reißerischen Nachrichten" einem Magazin aufzwingen kann, klaglos mit.
born2bmild schrieb am 19.11.2009 um 20:28
Die tatsächlichen Meinungsmedien - der 'Freitag' hat dazu, trotz Untertitel, eine viel zu geringe Verbreitung - müssen ihren Kunden, den Inserenten, ein werbefreundliches Umfeld schaffen. Eine linke, kritische Aufklärung zählt nicht dazu. Sex & Blut, gewürzt mit der schnoddrigen Spiegel-Häme, auch pathetisch zelebrierte Enke-Trauer, bei der nächsten Blutgrätsche vergessen, sind hingegen willkommene Begleiter für Armani bis hin zu Zewa-Wisch& Weg.
Lafontaine war den Lohnschreibern stets zu unheimlich schlau - obwohl ihnen anverwandt, siehe seine Springer-Kolumnen während der Schröder-Zeit.
SchmidtH. schrieb am 19.11.2009 um 21:03
kinkelstein schrieb am 20.11.2009 um 13:05
Bemerkenswert, dass sich die zwei großen anti-linken Reflexe in dieser Gesellschaft immer wieder durchsetzen: Der Zweifel an der geistigen Zurechnungsfähigkeit sozialistischer Hirne und die überbordende Libido communistischer Lenden.
rotstift schrieb am 22.11.2009 um 11:05
Ja, stimmt, der Dauer-Angriff der Medien auf Lafontaine ist die Reaktion auf seinen 'Verrat' am bundesdeutschen Establishment - soweit so schlecht, aber erklärlich.

Total unerklärlich sind aber die persönlichen Angriffe auf Lafontaine, die mittlerweile von Politikern seiner EIGENEN Partei auf ihn geführt werden: Gut möglich, dass Ramelows geschmacklose Äußerung am Tag vor Lafontaines Operation ('Wir müssen die Debatte über die Zeit nach Lafontaine führen') tatsächlich ein unglücklicher Ausrutscher war. Aber die Art und Weise, wie Kerstin Kaiser, sekun-diert von den Sachsen-Anhaltinern, vor zwei Wochen im Bundesvorstand Lafontaine zu demontieren versuchte - a la 'du hast ja keine Ahnung von Landespolitik' - das ist schon eine persönliche Frechheit gegenüber dem Mann, dessen Popularität ihnen erst den Weg in den Bundestag zurück geebnet hat. Und warum? Lafontaine hatte es gewagt, den Brandenburger Koalitions-vertrag für seine politische Prinzipienlosigkeit zu kritisieren (8 000 Stellen öffentlicher Beschäftigungssektor sind einfach lächerlich, aber das Tor zum Stellenabbau im öffentlichen Dienst wird weit aufgestoßen). Dass Regierungsteilhabe irgendwelche STRUKTURELLEN Verbesserungen für die Wählerklientel der LINKEN erkämpfen muss, war und ist den Provinzpolitikern der Ex-FDJ-Kamerillia völlig fremd. Der Ministersessel ist das politische Ziel. Und da stört ein Mann, der noch über den Parlamentsaal hinausgehende Ziele hat, immens.

Auch dieses dauernde 'friendly fire' trägt seinen Teil dazu bei, das der Mann, dem die deutsche Linke (West WIE OSt) ihren Wiederaufstieg verdankt, jetzt im Krankenhaus liegt.
goch schrieb am 22.11.2009 um 12:55
Ich glaube, die persönliche Feindschaft verschiedener Politiker (nicht nur der SPD) wird überbewertet.
Die demokratische Rechte hat zu Recht erkannt, dass Lafontaine der Schlüssel für die Wiedervereinigung der Linken in Deutschland ist.
Da es nicht reicht seine politischen Positionen zu denunzieren, macht die demokratische Rechte das was sie immer macht. Sie diffamiert die Person - personalisiert das Problem - um die politische Position zu diskreditieren.
Natürlich bin ich einer Meinung mit euch dass Lafontaine ein Ausnahmepolitiker ist, dessen Leistung im Nachkriegsdeutschland unerreicht ist.
goch schrieb am 22.11.2009 um 13:00
Nachtrag: Ich beziehe in seine Leistung sein grandioses Scheitern als Bundesfinanzminister ein.
Ich meine , es hat gezeigt, wo die Grenzen für eine nachfrageorientierte Politik versus angebotsorientierte Marktradikalität liegt.
Kosmetische Korrekturen ja, substantielle nein.
Onkel Wanja schrieb am 23.11.2009 um 11:46
Da sprechen Sie mir echt aus der Seele! Mich durchzuckt es immer, wenn selbst der Genosse aus der Provinz vom "Oskar" spricht, also so tut als wäre er mit Lafontaine "per du"! Die Grenzen zum Personenkult sind ebenso fließend wie die kaum verhüllbare Wille der Ex-FDJler und Stasi-Spitzel verbergbar, endlich diesen „Überzeugungstäter“ Lafontaine loszuwerden! Selbstverständlich gibt es ihn, den Personenkult in der Partei. Dahinter lässt sich Machtgier, der Wunsch Lafontains Platz einzunehmen wunderbar verstecken – wenn man sich nicht gerade im Interview verplappert! Lafontaine hat immer wieder unter Beweis gestellt, dass mit ihm eine Sozialdemokratisierung der LINKSPARTEI nicht zu machen ist. Dass ausgerechnet diese Gefahr eher von den Ostlandesverbänden aus geht, denn Liebichs, Enkelmanns, Paus usw., als von den echten Ex-Sozis in der Partei, verstehen nur die nicht, die damals nie in der DDR waren oder aus ihr stammen!

Ich spare mir also die mitfühlenden Worte für meinen Vorsitzenden, hoffe das er wieder auf die Beine kommt und habe immer im Hinterkopf, dass die BASIS der Partei die Verantwortung dafür hat, dass die Partei ihren Namen auch verdient und wir uns die „Bries“ in der Partei vom Halse schaffen!
rotstift schrieb am 23.11.2009 um 18:02
Also, Genosse Wanja, nun muss man aber sagen das in dieser (unserer gemeinsamen?) Partei natürlich das Genossen-'du' gilt, egal woher man kommt; also sind tatsächlich alle mit 'Oskar' per 'Du' - nur die dahinterstehende Kultur der Kameradschaft, des Respekts gegenüber dem Mitstreiter ist, maßgeblich durch das Mittun jener Ex-FDJ-Kamarillia, ständig erodiert worden - Kultur und sozialistische Ideale behindern die Zurechtbiegung von Mehrheiten auf Parteitagen zur Absegnung von Beschlüssen die nur einem Ziel dienen: selbst 'respektabel' zu werden.
Dieses Ziel war in den Jahren nach 1990 legitim, als man tatsächlich flächendeckend dabei war, mit der DDR auch unsere Biographien abzuräumen. Jetzt aber ist diese 'Unterlegenheitskomplex' einiger Funktionäre das Haupthindernis bei der Erschließung neuer Wähler und Sympatisanten geworden (insbesondere im Westen), die diese Partei so sehr braucht. Die Haupthoffnung dafür ist - das lass ich mir als Ossi nicht nehmen - mein neuer Genosse 'Oskar'.
Gruß in den Westen -
R.
Onkel Wanja schrieb am 23.11.2009 um 21:42
Genosse ist schon richtig. Es scheint mir immer wichtiger zu werden, dass sich die Basis "Ostverbände"- "Westverbände" irgendwie kennenlernt. Mir schwebt langfristig sowas wie Partnerkreisverbände vor! Ansonsten respektiere ich Deine Meinung, bin aber selber hoch empfindlich beim "per du". Es ist auch so, dass ich Parteimitglieder die nach meiner Meinung besser in der SPD passen würden, gerne verächtlich mit Kollege anrede. Das merken die meist gar nicht, weil sie das aus der SPD oder der Gewerkschaft ohnehin gewohnt waren und "Genosse" für die irgendwie kommunstisch klingt. Die Anrede Genosse hat nach meiner Ansicht nicht jeder verdient! Beste Grüße in den Osten!
Tristan schrieb am 22.11.2009 um 18:39
Nicht nur Spiegel und FAZ oder, reichlich plump über Bande spielend, Hans-Ulrich Jörges vom Stern, haben sich an dieser Intrige beteiligt, sondern auch die taz, mit einem Artikel wie aus der BILD-Zeitung.

Cui bono? fragt man sich auch hier. Na, wem wohl? Der SPD. Sie darf schließlich nicht untergehen. Da dürfte die kleine Kampagne gegen Lafontaine erst der Anfang sein.
Reimers schrieb am 23.11.2009 um 13:43
Auf den NachDenkSeiten findet sich hierzu ein wirklich interessanter Artikel von Albrecht Müller.

Dies ist wohl auch ein weiteres Beispiel für die zentrale These in seinem Buch "Meinungsmache".

In der Zapp-Sendung vom 22.10. ist ebenfalls ein interessanter Beitrag hierzu, sehenswert!

Wie schon in der Brand-Ära durch Schmidt/Wehner, wie schon bei den Grünen durch Fischer&Co, wie schon zu Lafotaines Zeiten als Finanzminister gegen Schröder&Co, so werden auch jetzt wieder bei den Linken
durch eine gut terminierte und konzertierte Aktion innerparteilich als auch über die Medien Parteikoordinaten nach rechts festgezurrt.

Als neues Argument tritt hier zum ersten mal "das Alter" auf, aber irgendwie wird man es ja dem staunenden Publikum verkaufen müssen.

Für mich ein weiteres, trauriges Kapitel deutscher Parteigeschichte, dem wir gerade beiwohnen.
erdenbuerger schrieb am 24.11.2009 um 01:25
Nichts Neues .
Oscar ist doch nicht erst seit gestern das Feindbild schlechthin.
Zur Erinnerung titelte die Zeitung mit den vier Buchstaben zu Zeiten, als er gerade unter Schröder Finanzminister wurde: "Lafontaine, der gefährlichste Mann Europas." Die Zeitung übernahm die Überschrift aus einer britischen Tageszeitung.
Kaum einer wird mit Hassattacken so überschüttet wie Lafontaine und immer wieder wird auf seltsame Art versucht, den großen Keil, zwischen den Linken und Oscar zu treiben.
Da werde ich dem Lafontaine mal alles gute wünschen, denn mit fiesen Tricks soll schließlich niemand von dannen getrieben werden. Es ist halt alles eine Frage der Fairness.


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