Politik

USA | 22.06.2010 16:15 | Ian Traynor

Für Washington ein Alptraum

Dem Netzportal WikiLeaks ist ein geheimes US-Militär-Videos zugespielt worden, das einen der verheerendsten Luftschläge der Amerikaner in Afghanistan zeigt

Der nur schwer fassbare WikiLeaks-Gründer ist nach fast einem Monat im Verborgenen wieder aufgetaucht. Dem Guardian gegenüber erklärte er, sich zwar nicht um seine Sicherheit zu sorgen, aber stets wachsam zu sein. Der australische Hacker und Gründer der Online-Plattform für Whistleblower WikiLeaks, Julian Assange, war untergetaucht, als ein junger Analyst des US-Geheimdienstes in Bagdad verhaftet wurde. Dieser Bradley Manning hatte in einem Online-Forum damit geprahlt, er habe 260.000 brandheiße, die Kriege in Irak und Afghanistan betreffende Korrespondenzen an WikiLeaks geschickt. Die Aussicht, eine solche Menge geheimer Geheimdienstinformationen könnte ins Netz gestellt werden, ist für Washington ein Alptraum. Die Sensibilität der bewussten Informationen führte zu Medienberichten über eine Jagd auf Assange.

Isolationshaft in Kuwait

„Alle öffentlichen Erklärungen seitens der USA waren vernünftig. Aber andere Äußerungen, die privat gemacht wurden, sind da schon etwas fragwürdiger“, sagt Assange gegenüber dem Guardian in Brüssel. „Ich fühle mich vollkommen sicher, aber meine Anwälte raten mir, während dieser Phase nicht in die USA zu reisen.“ Assange ist in Brüssel erstmals seit fast einem Monat in der Öffentlichkeit aufgetreten, um bei einem Seminar des Europaparlaments über Informationsfreiheit zu sprechen. Er sagte: „Wir brauchen Unterstützung und Schutz. Das haben wir. Aber wir halten die Situation für stabil und unter Kontrolle. Es besteht kein Grund, sich Sorgen zu machen. Man muss nur immer auf der Hut sein.“

Bradley Manning wird vom US-Militär in Isolationshaft gehalten, seitdem er sich bei einem Chat einem kalifornischen Hacker anvertraut hat. Er wolle, dass „die Leute die Wahrheit erfahren“, hatte er dem gesagt. Er habe in Bagdad 260.000 streng geheime Dokumente gesammelt und an WikiLeaks geschickt, deren Server von Schweden aus arbeitet. Adrian Lamo, der kalifornische Hacker, mit dem Manning gechattet hatte, brachte die Abschrift des Austauschs dem FBI. Manning wurde daraufhin Ende Mai in Bagdad verhaftet und in ein Militärgefängnis nach Kuwait gebracht, wo er über drei Wochen ohne Anklage festgehalten wurde. Assange sagt, WikiLeaks habe drei Anwälte engagiert, um Manning zu verteidigen, ihnen sei aber kein Zugang zu ihm gewährt worden.

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Während WikiLeaks es ablehnt, den Empfang des Materials zu bestätigen, hat das Online-Portal bereits einen Film veröffentlicht, auf dem ein US Apache-Hubschrauber zu sehen ist, der in Bagdad Zivilisten angreift. Gleichzeitig wurde ein vertrauliches Telegramm des State Department veröffentlicht, in dem zu sehen ist, wie in Reykjavík über den finanziellen Kollaps Islands verhandelt wird. Die Veröffentlichung weiteren Materials ist in Vorbereitung. Darunter soll auch ein Video über einen Angriff des US-Militärs in Afghanistan sein, bei dem mehrere Zivilisten getötet wurden. Es wird davon ausgegangen, dass dieses Material von Manning stammt, auch wenn WikiLeaks seine Quellen nicht preisgibt und die Mitarbeiter angewiesen sind, die Absender der Dateien zu decken.

Viele Kinder getötet

Prominente amerikanische Whistleblower und Anwälte haben Assange geraten, nicht in die USA einzureisen und auf Reisen wie bei öffentlichen Auftritten höchst vorsichtig zu sein. „Ermittler des Pentagon versuchen herauszufinden, wo Assange sich aufhält, weil sie Angst haben, er könnte eine große Menge geheimer Dokumente des State Department veröffentlichen und damit der nationalen Sicherheit einen großen Schaden zufügen“, so die US-Internetzeitung Daily Beast vor einer Woche.

Wir würden gern wissen, wo er ist – wir würden uns wünschen, dass er in dieser Sache mit uns zusammenarbeitet“, wurden offizielle Stellen zitiert. Daniel Ellsberg, der 1973 der Öffentlichkeit die Pentagon Papers zuspielte – eine streng geheime Studie über den Vietnamkrieg –, sagte im Gespräch mit dem Daily Beast: „Ich denke, dass Assange sich in Gefahr befindet. Wenn dem so ist, denke ich, dass seine Berühmtheit ihm nun einen gewissen Schutz bietet.“ Assange sagt: „Einige fürchten um mein Leben. Ich gehöre nicht dazu. Wir müssen ein paar Länder meiden und sollten nicht reisen, bis wir wissen, in welche Richtung der politische Pfeil zeigt.“ WikiLeaks habe bislang erfolglos versucht, mit Manning in Kuwait Kontakt aufzunehmen. „Ein junger Mann ist ganz eindeutig unter sehr schwierigen Umständen inhaftiert. Man wirft ihm vor, Informationen weitergegeben zu haben. Wir müssen unser Bestes geben, um ihn wieder frei zu bekommen.“ Zu seiner eigenen Lage sagt Assange, das State Department habe ihm signalisiert, es sehe von der Verfolgung von WikiLeaks-Mitarbeitern ab, da die Militärstrafverfolgungsbehörde den Fall übernommen habe.

WikiLeaks könnte demnächst ein geheimes US-Militär-Videos ins Netz stellen, das einender verheerendsten Luftschläge in Afghanistan zeigt, bei dem im Mai 2009 mutmaßlich viele Kinder getötet wurden. Nach Angaben der afghanischen Regierung traf es in Garani 140 Zivilisten, unter denen sich 92 Kinder befanden. Die US-Regierung hatte angegeben, 95 Menschen seien getötet worden, darunter 65 Aufständische. Seitdem wurde diese Behauptung allerdings relativiert.

Übersetzung: Holger Hutt
 
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Artikelaktionen
Kommentare
Gold Star For Robot Boy schrieb am 22.06.2010 um 18:17
Technixer schrieb am 23.06.2010 um 00:11
Danke leeelah, es muss ja nun nicht schon wieder alles davon durchgekaut werden :) und seit Cassandras Blog bin ich gegenüber Wikileaks ein bisschen argwöhnisch geworden.

Nur so zur Erinnerung Herr Traynor, Ihre sogenannten Zivilisten haben Waffen in den Händen, sowohl AK-47, als auch eine RPG (Panzerabwehr, die auch zur Hubschrauberbekämpfung eingesetzt werden).
Deaktivierter Nutzer schrieb am 23.06.2010 um 00:17
blau ist der enzian und sind die links.
leeelahs links sind sehr schön.
Cassandra schrieb am 23.06.2010 um 01:53
Ich bin selbst am Knabbern, wollte schreiben, habe auch viel gelesen, aber bin noch nicht zu einem Entschluss gekommen, was ich von all dem halten soll...

Hat jemand Lust auf eine googlewave zu dem Thema? Ein wenig zwangloses Gruppenbrainstorming (jedeR trägt bei so viel er/sie will) wäre sicher ein guter Überbau für ein wie auch immer geartetes Blog. Oder auch mehrere. Die Welle eignet sich auch super, um gemeinsam an Texten zu basteln, falls man das wünscht.
Sarah Rudolph schrieb am 23.06.2010 um 08:30
Find ich eine super Idee.
Ich bin mal wieder unschlüssig wieviel Zeit ich am Ende wirklich habe, aber prinzipiell - dabei.
rhinozeros schrieb am 23.06.2010 um 12:01
Wo, um Gottes Willen, hast Du denn diesen Unsinn her? Da ist ja selbst das Pentagon besser informiert als Du! Eventuell solltest Du Dir mal ein bißchen Zeit nehmen, eine gute halbe Stunde ist ausreichend, und Dir das Video ansehen.
Sarah Rudolph schrieb am 23.06.2010 um 21:23
wer hat welchen Unsinn woher?
Ich komme mal wieder nicht mit.
Technixer schrieb am 24.06.2010 um 00:47
Vielleicht meint das rhino den blauen enzian, der mittels Gen Knock-Out weiß geworden ist.

Aber ich vermute mal er spielt darauf an, dass die "Zivilisten" doch keine Waffen hatten, seiner Ansicht nach.

PS: Das Pentagon SOLLTE besser informiert sein, als wir alle hier zusammen! Sonst würden die sich, trotz ihres Etats, der Lächerlichkeit preisgeben.
Technixer schrieb am 24.06.2010 um 00:48
Vielleicht meint das rhino den blauen Enzian, der mittels Gen Knock-Out weiß geworden ist.

Aber ich vermute mal er spielt darauf an, dass die "Zivilisten" doch keine Waffen hatten, seiner Ansicht nach.

PS: Das Pentagon SOLLTE besser informiert sein, als wir alle hier zusammen! Sonst würden die sich, trotz ihres Etats, der Lächerlichkeit preisgeben.
André Rebentisch schrieb am 24.06.2010 um 10:58
Am 22. 6. war Julian Assange in Brüssel bei einer Anhörung zum Thema der Regulierung im Bereich Informationsfreiheit, organisiert von Marietje Schaake (D66, NL) und Alexander Graf Lambsdorff (FDP, DE). Dort ging es vor allem um die kontroversen isländischen Reformpläne. Seine Teilnahme an der Veranstaltung als Sprecher war zuvor bekannt, die Pressekonferenz dagegen eher konservativ angekündigt. Bei der Pressekonferenz wies er alle Behauptungen sehr ruhig und sachlich kontrolliert zurück, dass er sich in persönlicher Gefahr befinde.

bit.ly/aTSLkg
bit.ly/czwHJE

Nach der Anhörung gab es einen kleinen Empfang auf dem Flur, und er hatte einen privaten Termin mit einem Bekannten u.a. in einer Pizzeria in der näheren Umgebung, ein Problem seiner Begleiter scheint eher das Abschütteln von Journalisten zu werden, weil Assanges Bereitschaft sich zu äußern den Zeitplan gefährdet.

bit.ly/9Ggr7E

Nun kann man spekulieren wie die Situation wirklich aussieht, die Presse giert nach sensationalistischer Darstellung aber er liefert nicht. Seine Stellungnahmen sind so ruhig und abgeklärt, dass man sich wundert, dass er solche Sachen macht, es zeigt auch, dass er sich professionell unter Kontrolle hat.


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