Wie Dokumente zeigen, die dem Blog netzpolitik.org zugespielt wurden, hat die Berliner Polizei Ende 2009, Anfang 2010 immer wieder Handydaten aus dem Stadtteil Friedrichshain angefordert und ausgewertet, wer wann mit wem telefoniert hat. Der richterlich genehmigte Datencheck sollte bei der Suche nach Zündlern weiterhelfen, die damals mehrere Autos in der Gegend angesteckt haben.
Um es kurz zu machen: Die Brandstifter schnappten die Polizisten so nicht. Dafür machten sie die Bevölkerung eines halben Stadtteils zu Verdächtigen. Man kann nun wie der Grünen-Abgeordnete Christian Ströbele spekulieren, ob das Interesse der Polizei an den Telefondaten auch mit den Bewohnern des besetzten Hauses in der Liebigstraße 14 zu tun hat. Sicher ist, dass die Polizei die Schnüffelei erst stoppte, als das Bundesverfassungsgericht die deutsche Vorratsdatenspeicherung stoppte.
Der Berliner Fall ist ein sprechendes Beispiel dafür, was passiert, wenn Daten auf Vorrat gespeichert werden: Sind solche Datenbestände erst einmal vorhanden, braucht es nicht viel, um aus nackten Daten einen Verdacht zu kreieren, der völlig Unbeteiligte treffen kann. Da hilft weder, dass ein Richter jede Auswertung genehmigen muss, noch dass eine Abfrage nur bei so genannten "schweren Straftaten" geschehen darf. In diese Kategorie fällt nämlich - anders als oft behauptet - viel mehr als Mord, Vergewaltigung und Terror.
So ist der nun entdeckte Fall auch eine Erinnerung daran, nicht zu vergessen, dass das Ungeheuer "Vorratsdatenspeicherung" höchstens betäubt, aber immer noch nicht tot ist. Erst kürzlich hat Deutschland einen blauen Brief von der Europäischen Union bekommen, weil es nach dem Verfassungsgerichtsurteil kein neues Gesetz auf den Weg gebracht hat, dass die Vorgaben aus Brüssel umsetzt. Bisher hat Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger jede Forderung dieser Art abgeschmettert. So lange die Leitlinie in der bisherigen Form jedoch weiterbesteht, können die Vorratsdaten-Gegner nicht ruhen. Sonst reicht bald wieder einfach nur ein Telefonat zur falschen Zeit und am falschen Ort, um ins Visier von Ermittlern zu gelangen.
Der Autor wohnt selbst im ausgespähten Gebiet
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Da hilft nur noch, daß möglichst jeder zu jeder Zeit am falschen Ort telefoniert.
Diesen Blöd- und Wahnsinn wird man wohl kaum bremsen können. Da die Datensammelwut wohl vor nichts halt macht, sollte man jede Mail und jeden Kommentar oder Blog mit mindestens einem "Reizwort" garnieren. Da mache ich mal den Anfang und grüße mit einem fröhlichen, atheistischen und pazifistischen "Allahu Akbar"! Wobei ich auch alle möglichen anderssprachigen Götter für groß halte. Jetzt fällt mir grad nix ein, wie ich noch das Wort "Bombe" unterbringe, zumal meine arabischen Sprachkenntnisse noch sehr ausbaufähig sind. Upps :-)) Hoffentlich war für morgen keine Terrorwarnung geplant. Das könnte man jetzt mir in die Pantoffeln schieben. Rot Front, Genossen! Der Letzte macht das Licht aus. |
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schrieb am
24.01.2012 um 16:55
salam aleikum horsti, ich halte deine meinung für naiv, dazu sind die elektronischen möglichkeiten der datenauswertung zu weit fortgeschritten, habe aber viel sympathie für deine haltung.
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Merhaba, hancat,
natürlich ist das relativ naiv. Ich erhalte mir aber ganz bewusst diese Naivität. Die benötige ich als Selbstschutz. So ganz ernst und erwachsen, egal wie alt man ist, kann und darf man doch diesem Irrsinn nicht begegnen. Das könnte doch ernsthafte Folgen haben, die das Spitzeltum dann tragisch bestätigen würden. Die Datenverarbeitung und -Auswertung kann sicher viel. Vorhersehen kann sie aber immernoch nicht. Sie taugt nur zum nachträglichen Abstrafen und damit zur Bedrohung, was ja auch meist ausreicht, damit der "Pöbel" die Fresse hält. Ein Überfluß an Daten kann wenigstens den Aufwand erhöhen. Salut! |
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Wieso wundere ich mich nicht mehr, wenn solche Sachen im Zusammenhang mit der Polizei auftauchen?
Egal, welche Gesetze es gibt, die Polizei wird machen, was sie will. Und sie wird dafür meistens Rückendeckung aus den "höheren Etagen" bekommen! |
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ZIVILER UNGEHORSAM!
es passt doch zusammen: nachdem "sie" (die (i)m-bande) es nicht geschafft haben, kinderpronografie und angeblich linke brandstiftung für den ausbau ihrer überwachungsinfrastruktur zu instrumentalisieren, muss nun der selbstgezüchtete nazimob dafür herhalten, ein zentrales register zu etablieren. dieses wird dann garantiert auch so missbrächlich benutzt, wie in ähnlichem fall im artikel beschrieben. finanzieller nutzniesser ist die contentmafia tinyurl.com/7n9z4da. ich meine, seit SOPA (www.freitag.de/politik/1203-das-netz-wehrt-sich) und den im artikel genannten verfehlungen ist jede form zivilen ungehorsams dagegen viel stärker legitimiert: also immer kräftig musik und filme tauschen, bis es quietscht! |
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