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Debatte | 15.09.2009 11:50 | Jakob Augstein

Abzug aus Afghanistan: Replik auf den Perlentaucher

"Reaktionär und rassistisch" - diese Worte fallen Thierry Chervel vom Perlentaucher zum Aufruf des Freitag zum Abzug aus Afghanistan ein. Jakob Augstein erwidert

Der Freitag hat einen Aufruf zum Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan veröffentlicht. Die Unterzeichner des Aufrufs im Freitag, darunter die Schriftsteller Walser und Jelinek und die Fernsehleute Willemsen und Roche, glauben, dass es sich in Afghanistan um einen Konflikt handelt, der nicht mit Waffengewalt zu lösen ist. Diese Überzeugung fasst sich im Satz des Aufrufs zusammen: "Der Gegner ist keine Armee sondern eine Kultur". Thierry Chervel hat diesen Satz zum Anlass genommen, im Perlentaucher einen kurzen Text zu schreiben, der nicht unkommentiert bleiben soll. Chervel setzt den Freitag, die Unterzeichner des Aufrufs und die gesamte Linke gleich. Das ist als polemische Überhöhung ganz lustig, also nicht wirklich schlimm. Nicht so lustig ist sein Satz, dass die Linke an den "verlorenen Gewissheiten der Rechten festhält: Kultur, Tradition, Sitte, Kopftuch, Religion, Unterwerfung. Die Rechte war dabei ehrlicher, weil sie diese Werte und die daraus resultierenden Zwänge auch fürs eigene Milieu einforderte. Die Linke aber hat für die ,anderen Kulturen’ ein anderes Programm als für die eigene. Sie ist also nicht nur reaktionär, sondern rassistisch." Das geht über die Grenze der Polemik hinaus. Aber schlimmer als das: Es ist eine Dummheit.

Wenn man über den Krieg nachdenkt, jeden Krieg, lohnt es sich, die realpolitische Perspektive von der moralischen zu unterscheiden. Wenn der Krieg in Afghanistan gewonnen würde, wäre es leichter, ihn auch moralisch zu rechtfertigen. Er wird aber nicht gewonnen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen im Gegenteil, dass die Lage des Westens in diesem Land immer prekärer wird. Wie reagiert der Westen darauf? Er kann mehr Waffen einsetzen und mehr Soldaten. Das ist die Strategie, für die die USA sich offenbar entschieden haben. Menschen, die an die Macht des Fortschritts, der Technik, der Moderne, der Waffen, des Geldes glauben, mögen das für eine erfolgversprechende Methode halten. Mehr, mehr, mehr. Bombt die Feinde aus den Tälern und Bergen! In Vietnam beschlossen die Amerikaner die Bäume zu entlauben, um den Gegner aufzuspüren. In Afghanistan sprengen sie die Berge. Wir erinnern uns an die Daisy Cutter Bombe, mit der die Al-Kaida-Festung Tora Bora zu Splittern zerlegt wurde.

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Osama Bin Laden entkam dennoch. Und das war vermutlich kein Zufall, kein lässliches Versagen einer ansonsten klugen Strategie. Es war ein Symbol. Konflikte, die kulturelle Wurzeln haben, sind mit Waffengewalt nicht zu lösen. Für jeden getöteten Taliban kommen zwei neue. Ist das ein Gedanke, der sich nur den von Thierry Chervel geschmähten Linken aufdrängt? Während wir streiten, breiten sich die Taliban in Afghanistan weiter aus und dringen in Gebiete vor, aus denen man sie längst vertrieben glaubte. Die Vernunft würde jetzt nach anderen Antworten verlangen, selbst wenn die Moral es nicht schon längst täte.

Es sind keine leichten Antworten. Und keine schnellen. Und sie kommen nicht ohne einen Preis. Der Preis liegt in der Demut des Westens und in der Ehrlichkeit. Wir wollen da nicht zu tief in die Kiste greifen und uns keinen Spaß aus der Aneinandereihung von altbekannten -ismen machen. Aber dennoch: Der Universalismus der Menschenrechte droht unter den Bedingungen des globalen Kapitalismus leicht zum Kultur-Imperalismus zu werden. Das zu leugnen hat mit Aufklärung nichts zu tun. Das ist, wie Bloch sagen würde, Aufkläricht. Wenn man sich die Früchte westlicher Arbeit in Afghanistan ansieht, dann kommt in der alten Gegenüberstellung Herder gegen Voltaire, Kultur gegen Universalismus, der einst als deutschtümelnder Prä-Nationalist missverstandene Weimarer inzwischen ziemlich gut weg.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
marsborn schrieb am 15.09.2009 um 13:08
Sorry JA, aber Th. Chervel hat leider Recht: Die Taliban als eine ganze "Kultur" zu bezeichen ist auch und gerade in einem solchen Möchtegern-Manifest ein ziemliches Unding. Und wer sich in Klassensprecherpose wirft - dieser Aufruf ist ja eine konzertierte journalistische Aktion des FREITAG und nicht etwa eine politische Initiative der Unterzeichner! - muss auch damit rechnen, dass er öffentlich als solcher wahrgenommen wird. Zumal sich der FREITAG ja öffentlich intensiv um diese linke Sprecherrolle bewirbt... Wer aus einer vermeintlich//angeblich linken Position heraus den Taliban das Feld überlassen möchte, nimmt ja beileibe keine Friedensposition ein: Er zieht sich zurück vor einem gewalttätigen, kulturzerstörenden, frauen- und bildungsfeindlichen Unterdrückerregime der religös-fanatischen Antiaufklärung - um der eigenen "sauberen Hände" Willen. (Und das, obwohl wir uns nicht ganz ohne Gründe ohnehin die Hände längst schmutzig machen mussten...) Das muss zumindest erklärt und diskutiert werden!
h.yuren schrieb am 17.09.2009 um 09:50
lieber marsborn, nomen est omen. du redest dem krieg, in diesem fall dem asymmetrischen, das wort. das ist nicht die neueste mode, wenn auch viele in martialischen modelumpen herumlaufen.
natürlich muss ich zugeben, dass die bellizisten aller zeiten sich für die rechte der frauen einsetzten, für mehr erziehung und unterricht für alle, nicht zuletzt für aufklärung, wie sie sie verstehen.
marsborn schrieb am 17.09.2009 um 20:38
aber ja, weiser "h. yuren" vom berge (d.h. wie immer ganz von oben herab), wieder einmal sehr schön und richtig erkannt: ich bin bei den bösen. und du bist bei den guten! respekt.
h.yuren schrieb am 15.09.2009 um 14:29
lieber JA, das ist doch hoffentlich nicht dein ernst: "Kultur gegen Universalismus".
die geister, die du riefst: herder und voltaire (was voltaire gegen den krieg geschrieben hat, ist aufklärerisch klassisch, dagegen kann kaum ein deutscher mit kultur anstinken, herder auch nicht).
wenn deutsche drogenbekämpfer sagen, alkohol sei ein kulturgut, können afghanische leitkulturstrategen dagegen setzen, opium sei das wahre kulturgut. wo kommen wir denn da hin, wenn jeder kulturbesoffene seine bohnen für unantastbar erklärt?
was diderot zum gegensatz von kantonalem und welthorizonts in der encyclopédie schrieb, hat noch nach über 250 jahren was gültiges, meine ich:
"was den menschen, den ich mir zum autor wünschen könnte [der Encyclopédie], betrifft, so soll er standhaft, gebildet, rechtschaffen und wahrheitsliebend sein. gewissermaßen keinem land, keiner sekte, keinem stand angehören, über die vorgänge zu der zeit, in der er lebt, so berichten, als wäre er tausend jahre entfernt, und über die vorgänge in dem ort, in dem er wohnt, als wäre er zweitausend meilen von ihm entfernt."
nichts ist diesem französischen aufklärer fremder als der clash of civilizations. nichts kann diese einstellung an humanité übertreffen.
die lederhose unterm laptop der bayern ist deko für liebhaber des lokalkolorits. ich zum beispiel mag sprachen, auch dialekte, diese käfige mit 1000 stäben. wünschte aber, die un könnten sich auf eine kunstsprache (wie esperanto) einigen, damit die globale kommunikation (auch im netz) vereinfacht und erleichtert würde. (wer versteht schon ein dutzend sprachen? und damit blieben wir noch in europa hängen)
der universalismus der menschenrechte ist allerdings teilweise in frage zu stellen. nicht die idee, wohl aber die konkreten einzelnen artikel in der formulierung der uno-erklärung. speziell die artikel 16 u. 18, in denen es um das familienmodell und die religion geht. daran klebt noch zuviel provinzlehm.
Rainer Kühn schrieb am 15.09.2009 um 20:07
Eine Gegenüberstellung, der ich nur zustimmen kann. In der *Geschichte* der *Menscheit* ging alles und jetzt endgültig *aufs Ganze*, auf *alle Menschen* des Globus. Und dieser bis heute freilich mit Zwang begleitete Prozeß sollte eine gleiche Menschheit zum Resultat haben, die eine Sprache spricht, eine gleiche zumindest.
cortovere schrieb am 15.09.2009 um 14:42
Ein immer wieder reproduziertes Mißverständnis ist, dass dieser Krieg für Demokratie, Frauen- und Menschenrechte geführt wird. Er ist jedoch eine Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September und konzipiert als Vernichtungsschlag gegen Al Quaida und die Taliban. Die Installierung eines politischen Systems nach den Vorgaben der NATO sollte eine Sicherung für die Zukunft sein. Aber weder die Vernichtung von Al Quaida noch die Installierung eines von der Gesellschaft angenommenen neuen gesellschaftssystems ist gelungen. Wäre es um Menschen- und Frauenrechte gegangen, hätte der Westen seinerzeit die Taliban nicht gegen die Kriegs- und Besatzungsmacht UdSSR unterstützen dürfen. Denn vorausgegangen war dem Einmarsch der UdSSR eine Wahlsieg der Kommunistischen Partei und ihrer Verbündeten. Das daraus resultierende System, in dem ebenfalls Mädchen zur Schule gehen durften und die Vormacht der Religion abgeschafft wurde, wurde von den Taliban militärisch (heute würde man sagen: mit terroristischen Mitteln) angegriffen. Die UdSSR entschied sich aus Gründen der Machtsicherung in dieser Region für den Einmarsch und die Unterstützung eines national-kommunistischen Regimes. Die USA und der Westen entschieden sich für die Unterstützung der religiös-fundamentalislamischen Taliban.
Auch ich finde den Ausdruck, dass es sich hier um einen Krieg gegen eine Kultur handeln würde, mindestens mißverständlich. Die Taliban vertreten eine "Kultur", die sich mit den allgemeinen Menschenrechten (sie wie in der UN-Charta dargelegt) nicht vereinbaren lässt. Dieses Problem lässt sich nicht mittels Krieg lösen, denn in Wirklichkeit wird durch diesen nur ein Statthalterregime installiert und militärisch abgesichert und keine neue Gesellschaftsordnung installiert. So klugscheisserisch es sich auch anhört: wer Demokratie in Afghanistan einführen/unterstützen will, hat nur die eine Chance: die Mehrheit der Menschen für diesen Weg zu gewinnen. Nicht mit Bomben, sondern mit Unterstützung eines anderen Lebenswegs.
Rainer Kühn schrieb am 15.09.2009 um 20:16
Ich finde, dies ist ein für Linke wesentlicher Blick: der zeithistorische Rückblick und die ideologische Einordnung der damaligen und heutigen Kampfbegriffe.
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 15.09.2009 um 16:51
Es ist ein Traum; ein Traum der europäischen politischen Philosophie und ihres umfassenden Regimes über die Jahrhunderte hinweg, die Welt nach ihrem Vorbild zu gestalten. Es ist kein unbedingter Kultur-Imperialismus oder geistiger Kolonialismus; die Ideen der Macht wollten einerseits Herrschaft und Einfluss, andererseits ging Europa schon immer mit Hochmut und selbstüberschätzt auf die Welt los. Heute geht dies nicht nur von Europa aus, sondern von allen ihm abstammenden Demokratien. Heute geht es nicht mehr vordergründig um Ressourcen, so wird es jedenfalls immer wieder gesagt - es geht scheinbar um Werte, also kulturelle Vorstellungen, welche dem Regime der westlichen Philosophie unterliegen.
Worum es nicht gehen kann, ist der Glaube daran, eine scheinbar intakte Demokratie bzw. ihre Werte/kulturellen Grundlagen würden in 6000 Kilometer Entfernung verteidigt. Ich nenne es deswegen Glaube, da es keine Meinung sein kann. Auch kann es nicht um den Glauben gehen, ein Abzug des Militärs aus Afghanistan wäre eine adäquate Lösung. Eine Meinung ist es allerdings, das militärische Mittel nicht legitim sind. Und es ist ein Wissen, dass eine Unterscheidung oder Gleichsetzung von Kultur und Ideologie ein schwieriges Unterfangen ist.
Wo ist die Grenze zwischen Ideologie und Kultur. Können die Vorstellungen der Taliban nur als religiös motivierte Ideologie bezeichnet werden oder sind es Konzepte einer uns nicht nachvollziehbaren Religiosität, die sie antreibt. Das Regime des Christentums, dem wir heute noch unterliegen, hat und bringt noch ähnliches hervor. Aber ist es so einfach, eine Parallele zu ziehen? Ich denke nicht.
Kultur oder nicht Kultur kann hier also nicht die Frage sein. Denn die gleiche Frage wie in Afghanistan stellt sich auch in Afrika: Was ist Kultur und wo fängt Barbarei an? Wie wir von Walter Benjamin wissen, liegen Kultur und Barbarei eng beieinander.
Pauschalisierend den Begriff "Kultur" einer Bewegung bzw. eines Regimes wie den Taliban abzusprechen, ist nicht besonders weiterführend in der Auseinandersetzung um hehre Ziele, Utopien und Realitäten. Mir wäre aus einem Zweifel genährt die Frage nach einer kulturellen oder ideologischen Basis der Menschenrechte sowie die Hinterfragung unseres eigenen kulturellen/ideologischen Regimes wichtig. Denn erst wenn wir die Grundlagen unseres Lebens und Denkens in Frage stellen respektive hinterfrage, kann es um eine Beantwortung der Konflikte zwischen Christentum und Islam sowie den Fundamentalismen gehen.
Jakob Augstein schrieb am 15.09.2009 um 17:49
Diese Debatte ist ganz alt. Und wird nie enden. Hinter dem Universalismus der Menschenrechte verbergen sich - wie hinter Humes Idealismus - eher häufiger als selten andere Motive, Habgier zumal. Wenn nicht, dann riskiert er zum Sitten-Stalinismus zu degenerieren oder zum puren Imperialismus.
Ich muss immer an das Beispiel des afghanischen Ehegesetzes denken, das dem Präsidenten Karsai dann so peinlich war. Er musste es auf westlichen Druck hin zurückziehen weil es vorsah, dass Frauen die sexuellen Wünsche ihrer Männer erfüllen müssen. Das ist offenbar eine mehrheitsfähige Meinung in Afghanistan. Was fangen wir damit an? Ist es unser Recht - unsere Pflicht - den Afghanen zu erklären, dass ihre Frauen ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben? Ist es ein Recht der Afghanen, uns zu erklären, dass ein gottloses Leben ein ruchloses Leben ist? Wo fängt das Recht an und wo hört es auf? Das ist die alte Frage. Darum ist die internationale Politik kein Feld für Moral - sondern für Interessen.
Wenn wir der Ansicht sind, dass wir Afghanistan für 25 Jahre besetzen müssen, um die Kontrolle über die pakistanische Atombombe nicht den Islamisten zu überlassen, dann sollten wir dazu stehen dass wir unsere Sicherheitsinteressen über die Lebensinteressen der afghanischen Zivilbevölkerung stellen und die Sache durchziehen. Das ertrüge aber unsere offene Mediengesellschaft nicht. Darum die vielen Lügen. Die aber auffliegen. Wo endet das?
Streifzug schrieb am 15.09.2009 um 20:25
Wo endet das?

Im Ende der offenen Mediengesellschaft.

Sie ist das schwächste Glied.
Anette Lack schrieb am 16.09.2009 um 08:13
@ JA:

"Ist es unser Recht - unsere Pflicht - den Afghanen zu erklären, dass ihre Frauen ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben?"

Das lässt sich ja nicht so eingrenzen: Es geht um das Frauenbild schlechthin, um Bildung für Frauen, Bewegungsfreiheit... Das "Erfüllen der sexuellen Wünsche" ist nur ein Unterpunkt, ein unerträglicher, ganz sicher.

Schwierige Frage. So von oben herab funktioniert das sicher nicht. Vielleicht geht es eher darum, die Frauen zu ermutigen und zu fördern, damit sie den Mut und die Möglichkeiten haben, ihr Recht - auch das auf sexuelle Selbstbestimmung - zu fordern?

Alles fängt bei Bildung an, die wiederum fängt bei Geld an. Dass den Afghanen, u.a., auch fehlt.

Militärischer Rückzug - ja. Sich völlig raushalten: Nein. Aber unter dem Zusammensetzen aller Experten, auch afghanischer, und dann fragen: Wie kann es gehen? Was braucht Ihr, Eurer Meinung nach? Wie sind unsere Erfahrungen, weltweite Erfahrungen? Gibt es die überhaupt? Was ist noch NICHT probiert worden?

Herzlich, Anna
Joachim Petrick schrieb am 16.09.2009 um 16:56
Lieber JA,
diese Debatte ist nicht nur alt, sondern, angesichts Ihres gelungenen Freitags Aufrufs "Für einen Abzug" ohne erkennbare Not abwegig mit Argumenten prekärer Art unterfüttert.

Siehe dazu meinen Blog Beitrag:.

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/-jakob-augstein-fluegellahmer-falke-atemringende-friedens--taube

16.09.2009 um 16:38 Joachim Petrick
"Jakob Augstein, flügellahmer Falke?, atemringende Friedens- Taube?"
Blauer Brief "Jakobsleiter" “Jakob Augstein , flügellahmer Falke, oder atemringende Friedens- Taube?
Replik der Replik: Debatte | 15.09.2009 11:50 | Jakob Augstein
www.freitag.de/positionen/0937-afghanistan-abzug-freitag-chervel-augstein - commentshttp://www.freitag.de/positionen/0937-afghanistan-abzug-freitag-chervel-augstein - comments
Abzug aus Afghanistan: Replik auf den Perlentaucher
Lieber JA,
je mehr Sie scheinbar für den Abzug der NATO- Truppen aus Afghanistan in Ihrer prekär heillosen Weise argumentieren:
"Der Gegner ist keine Armee sondern eine Kultur",

JP
Joachim Petrick schrieb am 16.09.2009 um 20:18
Lieber JA,
warum bechwören Sie die Gefahr der atomaren Waffen in Pakistan, ohne die Durchsetzung und Einhaltung des Atomwaffensperrvertrages von 1957 bei unseren Verbündeten wie globalen Sicherheitspartnern einzufordern?

Provokant gefragt, was stellt eine höhere "Gefahrenlage" da, die angebliche friedliche Nutzung der Kernenergie, samt Zwischen- und Endlager des atomaren Mülls, oder schrottreife wie neue Atomwaffen- Arsenale?

Warum reden wir über die Atomwaffen Gefahr in Pakistan und nicht über die Gefahren, die insgesamt von dem blauäugigen Umgang mit der Kernenergie weltweit ausgeht?

Atombomben wirken furchtbar Entsetzen auslösend, aber anders als Tschernobyl in ihrer radioaktiven Verstrahlung zeitlich begrenzt.

Werden da nicht in der Beschreibung von wirklichen Gefahrenlagen falsche Schwerpunkte gesetzt?

tschüss
JP
Laternengruppe schrieb am 17.09.2009 um 13:23
Zitat: "Ist es unser Recht - unsere Pflicht - den Afghanen zu erklären, dass ihre Frauen ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben? Ist es ein Recht der Afghanen, uns zu erklären, dass ein gottloses Leben ein ruchloses Leben ist?"

Wenn Sie diese Fragen so nebeneinander stellen, können Sie unter dem Titel 'Kultur' alles rechtfertigen, Sklaverei, Terror, Völkermord.

Man man den Säureangriff auf eine 12-Jährige, die den Fehler begangen hat, zur Schule zu gehen, als Kultur-Happening betrachten; ebenso die Steinigung einer Frau, deren Fehler es war, vergewaltigt zu werden. Was für Imperialisten sind wir denn, dass wir uns dort überlegen fühlen und einmischen wollen? Sollten wir uns nicht an unsere eigene Nase fassen, ruchlos und gottlos wie wir sind?

Es gibt aber neben dieser 'Kultur' noch die Zivilisation und die Aufklärung, die nicht notwendig solch vollständigen Relativismus zum Ergebnis haben. Sondern die Idee von der Würde und der Freiheit des Individuums, das im Einzelfalle eine afghanische Frau sein kann, Universalität hin oder her.
tonkashi schrieb am 20.09.2009 um 20:10
re "Diese Debatte ist ganz alt. Und wird nie enden"

Unsinn! Denn sonst würde es auch nichts bringen, diese Zeitung zu lesen. Es sei denn zum Vertreib der Langeweile. Oder als geistige Selbstbefriedigung.

re "Ich muss immer an das afghanische Ehegesetz denken, das dem Karsai dann so peinlich war"
Mannomann, hast Du noch nie was von den sog. ehelichen Pflichten gehört, in Teutschland? Und? Was gibt Dir das zu denken? Ist Deine Kritik an anderen Kulturen vielleicht "mit besten Absichten", aber dann doch etwas zu verblasen?
Joachim Petrick schrieb am 20.09.2009 um 20:55
Lieber JA,
in Kenntnisnahme der Erlahmung Ihrer Bereitschaft, nach blitzartig gelungenem Aufruf "für einen Abzug" den nährstoffarmen Mist, den Sie danach wild daher auf beachtlichem Niveau geschwafelt verzapft, zu kommentieren, zu dementieren, geschweige denn modifizert zurückzunehemen, befürchte ich, dass Sie nun an einem blitzartig gelungenen Projekt sich ausprobieren"Wir fordern ein Denkmal für die unbekannt gefallene deutsche Bundeskanzlerschaft für Berlin Mitte in unserem Land, samt Interpol Suchanzeige nach Bundeskanzlerin Angela Merkel durch das Rote Kreuz?

Vielleicht geht es bei diesem erlahmenden Bundestagswahlkampf 2009 ja gar nicht um das Kreuzschlagen der Wähler/innen vor der Wahlurne, sondern tatsächlich um die Aushändigung der Bundeskanzlerschaft, samt Demokratie an NGOS, der Art des Roten Kreuzes?
Lieber JA,
Dornröschen läßt grüssen. Der Prinz, in Ihrem Fall die Prinzessin kann leider nicht kommen ihres erweckenden Amtes zu walten, weil die Aristokratie in Deutschland 1919 durch die SPD abgeschafft.

Dumm gelaufen!, oder?

tschüss
JP
PuntaDiLancia schrieb am 15.09.2009 um 18:00
Sie schreiben:
"Die Unterzeichner des Aufrufs im Freitag, darunter die Schriftsteller Walser und Jelinek und die Fernsehleute Willemsen und Roche, glauben, dass es sich in Afghanistan um einen Konflikt handelt, der nicht mit Waffengewalt zu lösen ist."
Das kann ich gut verstehen. Aber die Unterzeichner glauben auch, dass man ohne militärische Sicherung zivile Aufbauarbeit in Afghanistan leisten könnte. Das ist ein Widerspruch. Denn wenn der Gegner nicht eine Armee, sondern ein Kultur ist ---die Kultur der Taliban ---, dann braucht es die Aufbauarbeit nicht. Oder meinen Sie, dass die Nato die Taliban-Kultur der Unterdrückung von Frauen leider zerstört hat?
Wie verwirrt können doch Intellektuelle sein!
Bei Walser, der notorische Probleme mit Juden und deren massenhafter Ermordung durch Deutsche hat, kann man verstehen, dass er Mordgesellen wie Taliban für Kultur hält. Der hat ja auch Bubis aus dem deutschen Volk ausgebürgert. Doch manche Namen unter den Intellektuellen, die diesem (im besten Fall) naiven Aufruf ihre Unterschrift verliehen haben, hätte man dann doch lieber nicht gelesen. Ich meine nicht den Schorlemmer (der ist wirklich naiv) - aber etwa Frau Jellinek, die nicht naiv ist.
Columbus schrieb am 15.09.2009 um 19:25
Lieber Herr Augstein,

Haben Sie nur keine Angst vor den kleinen Banausen, die doch nichts anderes sind, als ins Lager der Haudraufs abgedriftete und schwer verbürgerlichte Intellektuelle.

Für die ist "Taliban" ein so fest umrissener Begriff, wie die Menschenrechte eine Art Ersatzlegitimation für Kampf bis aufs Blut und möglichst auf fernem, fremdem Boden.

Die Zivilisation geht präventiv und "preemptiv" zum Angriff über und wer sich nicht überzeugen lassen will, der bekommt die "Smart bomb" von der Drohne (sic! Männlicher Stachelloser wirft mit Sprengstoff um sich, Alexander Kluge hätte dazu wohl geschrieben: "Auch der sich wehrlos deklarierende, westliche Mann, sonst zu nichts mehr nütze, möchte noch beißen, dabei ruft er sich auch noch "die" Drohne, obwohl es ein Männlein ist und als Maschine automatisch funktioniert").

Kulturell fremdenfeindlich, kulturell desinteressiert, schreibt man dann echauffiert solche kurzen Bösartigkeiten, aber natürlich erst seit 9-11.

Davor schwieg man geflissentlich, als der andere Kulturkampf Ost gegen West auch dort am Hindukusch über hohe Leichenberge hinweg geführt wurde.

Die Musik dieser feuilletonistischen planetarischen Marstrommeln, gegen deren ehernen Takt es den Frieden zu bewahren und die himmelschreiende, doppelte Buchführung zu kritisieren gilt, macht so schön stark. Sie schlägt mittlerweile in angefressenen Intellektuellen- Seelen, die unbedingt nach der martialischen Erlebniswelt dürsten, weil sich dafür sogar wieder Kriegslieder lohnend dichten lassen.

Das sind die wahren schrecklichen Vereinfacher, die dann umgekehrt mit den gesteinigten Frauen, den Mädchen die nicht zur Schule gehen, den gesammelten Rückständigkeiten der bösen Wilden und Islamisten, jeden kollateral Toten als notwendiges Opfer und jeden Soldaten als Kämpfer für die Menschenrechte malen.

Der UN-Sicherheitsrat ist kein Hort der Menschenrechte, das weiß jeder. Allenfalls eine Deklarationsmaschine für Vetomächte und dazu noch hemmungslos einseitig.

Bleiben Sie bei Herder, Kant und Montesquieus "Lettres persanes", die das Elend der aufgeklärten Menschenfresser allesamt zumindest ahnten. "Humanisten" müssen nicht zwangsläufig Menschenfreunde sein, und in vielen Teilen der Welt sehen die neuen "Barbaren" das ganz genau so, denn sie hatten längeren "Besuch" von uns und lesen auch Thomas Morus, der zu diesem Thema folgendes zu sagen wusste:

Thomas Morus, „Utopia“, Löwen, 1516, hier nach der deutschen Übersetzung
von Ignaz Emanuel Wessely von 1896 zitiert.

„Solche, die sich weigern, nach
ihren (der Utopier,m.Einf.) Gesetzen zu leben, drängen sie soweit zurück, als sie selbst das Land zu besetzen sich vorgenommen haben. Widerstrebende werden mit Krieg überzogen. Denn für den gerechtesten Grund zum Kriege halten sie es, wenn ein Volk von dem Lande, das es besitzt, keinen Gebrauch macht,
sondern es nur als todten Besitz inne hat, Andern aber gleichwohl diesen Besitz
und dessen Nutznießung, worauf diese, nach dem Gebote der Natur, zu ihrer
Ernährung angewiesen wären, vorenthält.“

Wir ernähren uns zwar nicht vom Boden Afghanistans, betrachten es jedoch als geostrategisches Pfand und ultimatives Kontrollobjekt. Wir die süchtigsten Gesellschaften die der Erdball je hervor brachte, wir Polytoxikomanen, wollen den Drogenanbau nur zu unseren Spielregeln. -Ohne Nachfrage, kein Angebot!- Und religiös oder moralisch sind wir eigentlich nur, wenn wir nicht gerade Koltan für unsere Mikrochips, Öl aus Nigeria, Gas aus der Arktis, Ölschiefer aus Alaska und Kanada, Kraftfutter aus der Tropenwaldzone dringend brauchen.- Eine andere Welt hat das längst gemerkt und die mittlerweile doch selbst hoffnungslos rückständigen Terrortäter auf der Suche nach dem ultimativen nächsten Verbrechen, sie sitzen längst in Pakistan, im Jemen, in Somalia oder gar mitten unter uns, den sie sind ein wenig wie wir und eben nicht wie die Anderen. Der Krieg schreckt sie genau so wenig, wie ihre eigene vorgetäuschte Religiosität sie vor Mordtaten abhält, so als wäre das auch unser Standard, rufen wir nun schon geraume Zeit zum Kampf auf.

Grüße
Christoph Leusch
Rainer Kühn schrieb am 15.09.2009 um 21:03
"Der andere Kulturkampf Ost gegen West": sehr schön. Schon da waren die politischen Verhältnisse so klar, wie sie jetzt nur unter dem Krisennebel liegen. Und als klare Verhältnisse wieder auftauchen werden.
cortovere schrieb am 15.09.2009 um 23:36
Lieber Jakob Augstein, wenn man die Frage so angeht wie Sie, dann muss man die Frage beantworten: gibt es ein universelles Menschenrecht (nach UN-Charta) und haben die Individuen das Recht, diese Recht einzuklagen und umgekehrt, haben die Mitgliedstaaten der UNO die Pflicht, die von ihnen vereinbarten Menschenrechte nicht nur zu achten sondern auch weltweit durchzusetzen. Wir alle wissen, dass weltweit ein großer Teil der Menschheit nicht in den Genuss dieser Menschenrechte kommt. Wir, die Gemeinschaft der Menschen der Welt, sind nicht in der Lage, die zwischen unseren Staaten vereinbarten rechte durchzusetzen. Dafür gibt es ein (ge)wichtiges Hindernis: die Souveränität der Staaten und die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten.
Innerstaatlich hat in dieser Community sicher niemand ein Problem damit, die Rechte der im Grundgesetz für die Bürgerinnen und Bürger festgelegten Rechte auch mit Gewalt durchzusetzen, in der Regel tritt hier nicht die Bundeswehr sondern die Polizei auf den Plan, falls die Rechte einzelner massiv eingeschränkt werden.
Die Aussage in dem Aufruf, es gehe hier nicht um einen Krieg gegen eine Armee sondern gegen eine Kultur, hat eine Prämisse und eine daraus zwingende Folgerung: Der Krieg wird zur Durchsetzung der Menschenrechte geführt, aber die afghanische Gesellschaft (synonym für Kultur)will diese "westlichen" Menschenrechte gar nicht.
Beides ist falsch. Der Krieg wird aus anderen Gründen geführt (habe ich schon ausgeführt). Und die afghanische Gesellschaft ist genauso differenziert wie andere Gesellschaften auch. Es gibt Teile, die die in den Menschenrechten der UN festgeschriebe Rechte für sich reklamieren und durchsetzen wollen und es gibt große Teile, die lieber nach der Scharia leben wollen. So wie ich hier in der Gesellschaft in Deutschland parteiisch für einen Teil eintrete, unterstütze ich natürlich auch in Afghanistan einen bestimmte Richtung unbd verstecke mich nicht hinter einem Begriff wie, dass dies eine "andere Kultur" sei.
Aber all dies ist nicht mit Krieg zu erreichen. Deshalb mein Plädoyer für den sofortigen Abzug.
Aber, das möchte ich auch anmerken: In Ihren Ausführungen klingt immer mit: wenn es erfolgreich gewesen wäre, dann wäre es auch in Ordnung gegangen. Damit nehmen Sie den Standpunkt der spät gekommenenen US-Amerikaner ein, der dann endlich 1974 kurz vor Toresschluss auch noch erkannt hat, dass der Krieg nicht zu gewinnen ist. Ist natürlich immer noch besser als für den krieg zu sein, aber so richtig überzeugend ist das auch nicht.
Jakob Augstein schrieb am 17.09.2009 um 16:29
Lieber cortovere,
ich verstehe, glaube ich, was Sie meinen und teile Ihre Ansichten, glaube ich, weitgehend.
Aber das Problem in der internationalen Politik ist eben: Sie spielt sich in einem Spannungsfeld ab, das sich zwischem dem internationalen Recht und den machtpolitischen Interessen der Akteure erstreckt. Ein Krieg, der kurz und "erfolgreich" ist, wird politisch immer anders bewertet werden, als einer der verheerend und kostspielig ist. Ein kurzer Krieg steht unter geringerem Rechtsfertigungsdruck.
Natürlich bin ich auch der Ansicht, dass "wir" uns nicht raushalten sollen. Wir dürfen alle zivilgesellschaftlichen Mittel nutzen, die Afghanen zu "modernisieren". Und die Afghanen dürfen alle friedlichen Mittel nutzen, sich gegen diese Modernisierung zu wehren. Mit Waffen dürfen wir aber Coca Cola und der Gleichbehandlung der Frauen nicht den Weg bahnen. Sie sehen, ich sehe da gewisse Zusammenhänge.
Ihr JA
Joachim Petrick schrieb am 17.09.2009 um 21:31
Lieber JA,
wenn Sie nicht Jakob, sondern Erde hießen, würde ich jetzt,
gemäß den Anwendungen von Karl Valentin,
Sie forsch anreden:
“Heil Erde!“.
Warum?,
weil Sie sich hier n. m. E. als glühender Vertreter von Blitzkriegen outen, wenn Sie schreiben:
„Ein kurzer Krieg steht unter geringerem Rechtsfertigungsdruck“.

So mögen die Nazis und der Generalstab der Deutschen Wehrmacht voller Bangen auch gedacht haben, als sie am 01. September 1939 in Polen einfielen, 1940 Norwegen, Griechenland, Dänemark, Frankreich blitzkriegsartig siegreich besetzten, am 22.Juni 1941 per „Unternehmen Barbarossa“ die UdSSR überfielen.
Denn die materiellen wie personellen Mittel, Ressourcen für einen langen Krieg, die Versorgung der Zivilbevölkerung, die Kriegsgefangenen in den besetzten Gebieten waren weder angedacht, organsiisert, geschweige denn mobilisert.
Verwechseln Sie da nicht etwas unverantwortlich?,
nämlich das UNO- Mandat, das am Anfang des Afghanistan Einsatzes stand und noch steht, nur wg. fehlenden politischen Aufbau- Willens der UN-Staaten in Afghanistan zum Krieg pervertierte?

Das UNO- Mandat galt und gilt für die Wiederherstellung des staatlichen gewaltmonopols ind Afghanistan und die Rekonstruktion ds afghanischen Staates.
Übrigens war der Krieg der USA mit der Koalition der Willigen gegen den Iraque kurz und erfolgreich.
Was danach kam nicht und gehört deshalb um so mehr auf die Anklagebank vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Ihr letzter Satz:
„Sie sehen, ich sehe da gewisse Zusammenhänge“,

macht mir angst & bange, weil Sie so geneigt scheinen, in Ihren Kommentaren über Vieles hinwegzusehen.
Z. B., dass der Mitunterzeichner Ihres Aufrufs „für einen Abzug“, Martin Walser in Der Zeit Nr. 38- 48- 09 sich von der Bundeskanzlerin Angela Merkel als Aghanistan Crusaderin mit großkoalierendem Appendix Anhang so toll regiert fühlt, dass er Angie mit ihrer charmanten Melancholie die Unsterblichkeit verheißt, wenn sie irgendwie und wo gegen Krieg ist.
Angela Merkel muss ja nicht unbedingt gegen den Krieg in Afghanistan sein.
So leidenschaftslos liest sich n. m. E. der Text von Martin Walser.
tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 18.09.2009 um 14:55
Lieber JA,
ich habe ganz vergessen, die Anwendungen Karl valentins zu erläutern:
Karl Valentin, schrieb, es war nicht im Jahre des Herrn, sondern im Jahre der Olympiade 1936 zu Berlin, aus München daselbst an den Führer Adolf Hitler:
"Mein geliebter Führer!, welch eine glückhafte Vorsehung, dass Sie Hitler und nicht Erde heissen.
Wäre es anders, müsste ich Sie nun zum Ende meines Briefes schicksalsdunkel, statt Heil Hitler, Heil Erde lobpreisen.
Nicht, dass Sie nun glauben, weil ich ein ausgewiesener Komiker bin, kein Volksgenossen Bonze will mich mehr auf der Bühne neben dem Braunen Haus in München sehen, ich hätte unverfroren an die Heil- Erde über Ihnrer edelhaften Leiche und Ihren geadelten Sarg gedacht, nachdem Sie ihr Werk gemäß Ihrer einzigartig singulären Vorsehung endlösend patent für alle noch kommenden Zeiten, ohne Sie als Erstem aller Gefreiten vollbracht.
Heil Hitler!
Grüßen Sie bitte Gott von mir, wenn er mit Ihnen Ihre Himmelfahrt verhandelnd probiert."
Soweit so gut!
Karl Valentin auf Sie, liber Jakob Augstein heruntergekrochen, hiesse, isch sage, statt Heil Jakob zum Gruss, Heil Erde auf der Jakobsleiter, machen Sie nur so weter?, wie vorgesehen? als Sch- Mus.

tschüss
JP
bernd.005 schrieb am 15.09.2009 um 23:49
Der gesamte Eiertanz , welcher um den Afghanistankrieg gemacht wird , dient in Wahrheit nur einem Zweck -der Verschleierung der eigentlichen Gründe des Überfalls der USA und der NATO auf ein geschundenes Land.Wir sollen einfach abgelenkt und wie immer desorientiert werden.Die Pläne für den Überfall lagen schon vor dem Einsturz des WTC vor. Haben sogar die sog. staatstragenden -sprich meinungsmachenden Medien , gemeldet. Parallele zum Iraq -Krieg bzw. Vorlage dafür ? Zufall ? Die Waffen , mit denen Hussein die Welt bedrohte (" DER NEUE HITLER ") suchte man nicht so intensiv mehr , man wusste ja das es sie nicht gab, aber überfallen wurde der Iraq erstmal-PRÄVENTIV !Bis heute. Also wenn man die Vorgehensweisen für Angriffskriege verfolgt , so muss man immer die gleiche Schiene feststellen. Es wird ein Popanz aufgebaut (Milosevic, Hussein , Achmadineschad, Kim YongIl) -alle sind und waren NEUE HITLER )und die Medien werden (sind ) gleichgeschaltet und tröten los und dann wird losgebombt!
Der Grund - Rohstoffe , Schutz der Transportwege für diese Rohstoffe und Einsetzen von Regierungen , die es unserer Wertegemeinschaft ermöglichen , an diese Rohstoffe so gut wie möglich heranzukommen.Um nix Anderes geht es !Und das weiss jeder ,der die Medien , die Politik ,in den Jahren seit der Wende mit offenen Augen verfolgt und keine Ideologischen Voreingenommenheiten pflegt.Wir leben in einer Zeit , in der es so gut wie nie möglich ist , an Informationen aus allen Gebieten und Bereichen heranzukommen. Natürlich müssen die nun Mächtigen dafür sorgen , das es unter der Etikette der Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt nicht zum Erkennen von zuviel Möglichkeiten ,sich gegen die Mächtigen zu wehren ,kommt. Und da hat sich eine Medienlandschaft entwickelt , die genau das verhindert. Unter dem Etikett Meinungsvielfalt wird ein wahres Trommelfeuer abgelassen , um die Bevölkerung immer auf Grausamkeiten der Politik , also der Mächtigen Wünsche,einzustimmen.Rente-Krieg -Stasi, immer vor Wahlen sehr intensiviert.
Aber wem erzähl ich das.Ich lebte in der DDR-dort gab es keine Meinungs-besser Medienfreiheit.Man musste sich selbst mehr bemühen , um an neutrale oder wenigstens andere Informationen zu kommen, man lernte eben , wenn man es wollte, alles zu hinterfragen , was einem vorgesetzt wurde.Sich an aller möglichen Quellen , auch Westmedien,zu bedienen , war ungemein schwerer.Aber es ging , und man lernte es ziemlich gut , mit Medien und Informationsquellen umzugehen.Das wird heute nicht mehr gewünscht. Dafür haben alle Medien ihre EXPERTEN-UNABHÄNGIGEN-POLITIKFORSCHER-UMFRAGEINSTITUTE-usw.Trotz Internet, trotz vieler unabhängiger Medien ..............ich verzettle mich,wer verstehen will, der versteht!
GrussBNantke bernd.005
Joachim Petrick schrieb am 16.09.2009 um 03:22
Lieber JA,
fünfundzwanzig Unterzeichner/innen unter den Hut Ihres Freitags Aufrufs"Für einen Abzug" zu kriegen, macht Ihnen so schnell niemand nach. Danke!

Wer, wie Thierry Chervel meint, nach Perlen zu tauchen, gerät auch schon einmal verfänglich in die Fänge von Unrat.

Dazu siehe meinen Freitag Blog Beitrag:

16.09.2009 um 03:12 Joachim Petrick
Sturm im Wasserglas?, oder Linke entdeckt die Kultur des Verbrechens?

Sturm im Wasserglas?, oder die Linke entdeckt die Kultur des Verbrechens?
Nicht Flucht aus Afhghanistan vor den Taliban, sondern vor dem eigenen Unvermögen!?
tschüss
JP
marsborn schrieb am 16.09.2009 um 11:20
Vom FREITAG und den Unterzeichnern des Aufrufes wünsche ich mir statt hehrer Absichtserklärungen besser konkrete und realisierbare Vorschläge dazu, was nach dem erwünschten Abzug des Militärs aus Afghanistan werden soll - und vor allem WIE!?
Wie gesagt: Es war vielleicht falsch, mit nach Afghanistan zu gehen, aber der Schock vom 11. September machte diesen Schritt damals allgemein akzeptabel. (Oder erinnert sich jemand an öffentliche Proteste dagegen - vergleichbar der Anti-Irakkriegs-Demo? No.) Aber nun Afghanistan in diesem Zustand sich selbst zu überlassen, ist doch noch idiotischer... Und dass ohne miltiärische Sicherheit kein ziviler Aufbau möglich ist, sehen wir doch jetzt schon. Oder? Wie also soll dann der statt der militärischen Präsenz vom Aufruf geforderte Aufbau funktionieren?
Rainer Kühn schrieb am 16.09.2009 um 20:39
Ich verdoppele. Kein Scherz.
klara schrieb am 16.09.2009 um 13:49
Lieber Herr Augstein, Sie wissen, dass ich Ihren freien Geist sehr schätze, aber wenn man – im Namen der Freiheit – die Unterdrückung von Frauen – ob in der Ehe oder anderswo – in erster Linie als „kulturelle“ Angelegenheit betrachtet, vom Standpunkt eines zweifelhaften „Kulturimperialismus“ aus, geht man, fürchte ich, fehl. Einerseits zu weit – und lange nicht weit genug. Diese Art der Betrachtung finde ich höchst zweifelhaft. Es läge m.E. in einer Linie mit einer Nachbarin, die sich in den gewalttätigen Streit der Eheleute nebenan nicht einmischen mag mit dem Argument, dass die das unter sich ausmachen sollen. Und was ist, wenn die Ehefrau nebenan totgeprügelt wird von ihrem Ehemann? Wo hört „sein gutes Recht“ auf – wo fängt meine Pflicht als Nichtbeteiligte an?

Sie fragen: „Ist es unser Recht - unsere Pflicht - den Afghanen zu erklären, dass ihre Frauen ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben? Ist es ein Recht der Afghanen, uns zu erklären, dass ein gottloses Leben ein ruchloses Leben ist?“
Ja, es ist unser Recht, wahrscheinlich auch unsere Pflicht, hinzuschauen, zuzuhören und andere Wege aufzuzeigen. Das hat weniger mit Kulturimperialismus zu tun als mit Dialog. Mit Solidarität. Mit Menschlichkeit. Und die Taliban unter den Afghanen nehmen sich immer wieder das „Recht“, alle Welt mit Gewalt darauf aufmerksam zu machen, was ihrer Ansicht nach gottlos ist. Das Problem beginnt ja immer dort, wo man den eigenen Standpunkt absolut stellt. Die Menschenrechte, finde ich, kann und sollte man allerdings absolut stellen.

Ihre Frage erscheint mir verharmlosend, weil sie – übrigens mit einem sehr „westlichen“ Blick – suggeriert, dass es um sexuelle Selbstbestimmung geht, wo es tatsächlich um Gewalt geht. Um kulturell, religiös, politisch und gesetzlich legitimierte Gewalt gegen Frauen, und zwar nicht als kulturelle Eigenart, sondern als Instrument zur Herrschaftssicherung – des Mannes. Wenn man argumentiert, dass islamische Frauenunterdrückung eine kulturelle Sache sei, die uns nichts anzugehen hat, die nicht kritisiert werden darf, weil wir dann Kulturimperialisten wären – dann dürfte man sich mit demselben Grund auch nicht z.B. gegen Sarah Palins neokonservative, christdemagogischen familienpolitischen Ansichten äußern. Weil das ihre religiöse/kulturelle/ehtnische Eigenart wäre. Das ent-politisiert die Debatte.

Ich stimme zu, dass man sich nicht den Blick vernebeln lassen sollte durch Moral und gutemenschliche Empörung, wenn es um Krieg und Wirtschaft geht. Dass man auf die Interessen schauen sollte, die ja oft (absichtlich) verborgen bleiben. Diese Interessen – politische, wirtschaftliche – gibt es aber nicht nur auf „westlicher“ Seite, nicht nur auf Seiten von uns Kulturimperialisten, sondern auch dort, in Afghanistan, Pakistan, in der Männermisswirtschaft Afrikas. Es handelt sich hier wie dort um politische, wirtschaftliche Machtinteressen, und hier wie dort ist alles irgend „Kulturelle“ damit verwoben. Und hier wie dort gibt es (trotz aller Frauenbefreiung und Emanzipation im Westen) ein von patriarchaler Ideologie definiertes Herrschaftssystem. Und hier wie dort sollte man in der Tat – um auf Ihre Frage zu antworten – versuchen, das zu überwinden. Nicht, indem ich, klara, oder ich, Deutschland, den afghanischen Männern bzw. Herrn Karsai erkläre, wie er mit seinen Frauen umgehen soll. Sondern indem man versucht, alle Strukturen, Personen und Initiativen zu stärken, die den Frauen mehr Gestaltungsspielraum geben. Wirtschaftlich und politisch – und auch kulturell.

Eine Burka tragen zu müssen, ist keine rein kulturelle Entscheidung, sondern dient der Herrschaftssicherung des Mannes, der ihr die Burka aufzwingt. Wenn man das im Namen der Freiheit nicht mehr sehen und sagen kann, dann begeht man im Namen der Freiheit einen großen Fehler. Es reicht doch, wenn manche islamische Frau gesteinigt wird, sobald sie sich nicht regelkonform verhält – da muss ich doch nicht hier, wo bislang keine Steinigung droht, meinen Mund dazu halten. Ich finde auch, dass nichts dagegen einzuwenden ist zu versuchen, die extremistischen Iraner oder Pakistani am Bau der Atombombe zu hindern. In diesem Sinne bin ich herzlich gern Kulturimperialistin. Es ist sozusagen eine Frage des Überlebens nicht nur meiner, sondern aller Kulturen. Einig dürften wir in einem Sinn: Mit Krieg ändert man da NICHTS. Mit Verharmlosung aber vielleicht noch weniger.

So gesehen kann ich das Befremden über die Aussage "Der Gegner ist eine Kultur" nachvollziehen. Dieser Satz scheint mir tatsächlich zu kurz zu greifen. Auch deshalb, weil es "Kultur" als solche, als losgelöste von Politik, Wirtschaft, Interessen, nicht gibt.

Herzlich
klara
Joachim Petrick schrieb am 16.09.2009 um 21:38
Liebe Klara,
vielen Dank für die Klaraheit Deiner Gedanken.
Seit über dreißig Jahren wird die Kaukasus Region in und um Afghanistan von den USA, der damaligen UdSSR ab 1979, militarisiert, ohne auch nur einen Gedanken für die Rüstungs- Waffenlieferungskontrolle in der Region aufzubringen, gechweige denn per UNO- Mandat eine entmilitarisierende Abrüstung anzustreben.
Inzwischen darf Deutschland per Präsenz der Bundeswehr im Rahmen des UNO- Mandats für die NATO in Afghanistan, entgegen bestehenden Waffenkontrollgesetzen, die Waffenlieferungen aus Deutschland in Krisengebiete verbieten, Rüstungsgüter, Waffensysteme nach Afghanistan samt Anrainerstaaten tansportieren.
Wer nur „für einen Abzug“ aus Afghanistan spricht, ohne den „Anbauflächen- Raub“ der Agrarindustrie der USA u. a, Staaten für gen- veränderte Saaten, den Drogen- und Waffenhandel in Afghanistan unter Kontrolle zu bringen, keine Entmilitarisierung der Kaukasus Region per UNO- Mandat samt regionalem KSZE Prozess anstrebt, agiert unverantwortlich, als wolle er die Hochrüstungsspirale in der Region im Turbo Gang hochtreiben.
tschüss
JP
klara schrieb am 17.09.2009 um 10:55
Mich treibt immer noch um, ob der Aufklärungsgedanke tatsächlich kulturimperialistisch oder doch universell ist.
Mich würden Meinungen dazu interessieren. Wären die folgenden Gedanken nicht auch auf Afghanistan anzuwenden? Zitiert aus der Berlinischen Monatsschrift Dezemberheft 1784:

"Daher kann ein Publikum nur langsam zur Aufklärung gelangen. Durch eine Revolution wird vielleicht wohl ein Abfall von persönlichem Despotism und gewinnsüchtiger oder herrschsüchtiger Bedrückung, aber niemals wahre Reform der Denkungsart zustande kommen; sondern neue Vorurteile werden, ebensowohl als die alten, zum Leitbande des gedankenlosen großen Haufens dienen.

Zu dieser Aufklärung aber wird nichts erfordert als Freiheit; und zwar die unschädlichste unter allem, was nur Freiheit heißen mag, nämlich die: von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen. Nun höre ich aber von allen Seiten rufen: Räsonniert nicht! Der Offizier sagt: Räsonniert nicht, sondern exerziert! Der Finanzrat: Räsonniert nicht, sondern bezahlt! Der Geistliche: Räsonniert nicht, sondern glaubt! (…)

Hier ist überall Einschränkung der Freiheit. Welche Einschränkung aber ist der Aufklärung hinderlich, welche nicht, sondern ihr wohl gar beförderlich? – Ich antworte: Der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zustande bringen.

Königsberg in Preußen, den 30. Septemb. 1784."

- den vollständigen Artikel,der übrigens auch, wenn auch etwas nachlässig, auf den Gebrauch des eigenen Verstandes durch das "schöne Geschlecht" eingeht, findet man hier: www.uni-potsdam.de/u/philosophie/texte/kant/aufklaer.htm
Joachim Petrick schrieb am 17.09.2009 um 16:39
Liebe Klara,
vielen Dank für Deine Inspiration, siehe meinen Blog Beitrag:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/aufklaerungvon-seiner-vernunft-oeffentlichen-gebrauch-zu-machen

17.09.2009 um 16:32 Joachim Petrick
Aufklärung:"von seiner Vernunft öffentlichen Gebrauch zu machen"

Aufklärung:„von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen?“

tschüss
JP
Columbus schrieb am 17.09.2009 um 17:30
Liebe Klara,

Die Aufklärer, das waren, wenn Sie schon danach fragen, keine Leute, die glaubten man müsse erkannte und für richtig gehaltene Prinzipien bei anderen Kulturen militärisch durchsetzen. Wenn Sie dafür, außer bei den Frühaufklärern in der Nachfolge Thomas Hobbes und eben Thomas More, einen qualitativen Beleg finden, gebe ich Ihnen virtuell einen großen Verdienstorden. Übrigens gilt das sogar für Voltaire, der gerne als geistiger Gegenspieler der deutschen Aufklärer gesehen wird.

Ihr Beispiel vermischt die Ebenen, das tut dem Thema nicht gerade gut.

Selbstverständlich ist es etwas völlig anderes, hier, bei einem eskalierenden Ehestreit Hilfe zu holen oder selbst, wenn es eilt, schlichtend einzugreifen, aktuell, Kindern beizustehen, wenn sie von jugendlichen Schlägern und Abzockern bedroht werden. - Das fällt unter Zivilcourage in unserer Gesellschaft, die das dringlich notwendig hat.

Aber, liebe Klara, Bomben auf stecken gebliebene, entführte Tanklastzüge, auf Hochzeiten und seien es die der ominösen "Taliban", auf Ghaddafis-Palast,-sie erinnern sich vielleicht noch-, einschließlich seiner Familie, etc., das ist weder zivil, noch couragiert und hat auch mit der Bindewirkung von Menschenrechtscharta und UNO-Resolutionen, sowie der Durchsetzung von Frauenrechten nichts zu tun.

Sogar die ISAF änderte, nach allem Unsinn in der Ära Bush, ihre entsprechende Einsatz-Doktrin, weil das Missverhältnis allzu krass war und dazu medial öffentlich auffiel. - Peinlich wird es immer dann, wenn die Presse daneben steht. Das zu verhindern war lange erklärte Absicht.

Manchmal verabschieden menschenrechtsorientierte Parteien, mit ursprünglich ganz lauteren Absichten, Beschlüsse, deren Ergebnisse ihnen unschön auf die Füße fallen. In der Meinung, man müsse den alten Standpunkt verteidigen, wird weiter am vermuteten Sinn der ehemals getroffenen Entscheidung fest gehalten, obwohl die Fakten das Gegenteil belegen. So geht es z.B. den Grünen, die weiter ISAF-Einsätze gut finden und die Bundeswehr in Afghanistan als Erfolgsgeschichte verbuchen wollen.

Ein kleines Beispiel auf der Ebene der so beliebten "hierzulande" Vergleiche. Ob der von der Regensburger Polizei erschossene Student von den Behörden zu einem Amokläufer und Gewalttäter stilisiert wurde, um eventuell seine unnötige und brutale Niederstreckung durch Polizisten zu decken, ist unbedingt zu klären und spielt sich auf der Ebene ab, die sie ansprechen. Ebenso die Frage, ob aktuell der 18-jährige amoklaufende Schüler aus Ansbach von der Polizei durch einen "Schuss ins Bein" gestoppt wurde, wie sich der voreiligen "ZEIT-Online" entnehmen lies, oder ob er durch mehrere Schüsse in die Brust bewegungsunfähig gemacht wurde. Das sind wichtige Fragen hierzulande, so wichtig, wie die Frage, wie viele Leichenberge die Durchsetzung des zivilen Paradieses kosten darf. Bei der ZEIT schrieb jüngst Frau Dückers ein hemmungslos naives Pamphlet, das dem Handeln des Westens in Afghanistan einen unberechtigten Persilschein austellte.
Lesen Sie Kant, da tritt neben die Idee eines universalen Sittengesetzes immer auch die Souveränitäts- und Staatenlehre. Kant begrenzt eben auch die Mittel, die immer verhältnismäßig sein müssen.

Innenpolitisch versuchen derzeit rechte Juristen etwas ähnlich Schauriges mit der Entwicklung eines so genannten "Feindstrafrechts". Gegen Gewalttäter müssten, weil sie sich ausserhalb des zivilen Rechtsrahmens bewegten, andere Maßstäbe erlaubt sein.

In der Hoffnung, zumindest nachdenklich gestimmt zu haben

Christoph Leusch
klara schrieb am 17.09.2009 um 19:42
Lieber Columbus,
Sie hoffen, mich nachdenklich zu stimmen – aber das brauchen Sie gar nicht, denn ich bin es ja schon.

Mein Beitrag bezog sich auf Jakob Augstein, der sich in seinem Kommentar weiter oben ebenfalls zur Ehe äußerte - der in Afghanistan: "Ich muss immer an das Beispiel des afghanischen Ehegesetzes denken, das dem Präsidenten Karsai dann so peinlich war. Er musste es auf westlichen Druck hin zurückziehen weil es vorsah, dass Frauen die sexuellen Wünsche ihrer Männer erfüllen müssen. Das ist offenbar eine mehrheitsfähige Meinung in Afghanistan. Was fangen wir damit an? Ist es unser Recht - unsere Pflicht - den Afghanen zu erklären, dass ihre Frauen ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben?"

Mir ging es darum klarzustellen, dass es nicht um „sexuelle Wünsche“ (wie harmlos), sondern um Gewalt und Herrschaftssicherung handelt, die genauso interessengeleitet ist und war wie die Kriege von Bush - auch und gerade in so einem "privaten" Gebiet wie der Ehe, dessen Bedingungen ja hier wie in Afghanistan gesetzlich mitbestimmt sind. Mir ging es darum, dass man auch hier, bei solchem "Gedöns" (seliger Schröderbegriff) nicht der Versuchung erliegen darf zu verharmlosen, zu einer "kulturellen" Angelegenheit zu verharmlosen, wo es genauso um Gewalt und Herrschaft und Interessen geht wie auf dem "internationalen Parkett", dem männlichen Parkett. Ich denke, dass ich das auch hinreichend klar gemacht habe. Dass hier der "männliche Blick" ggf. auch Ihnen nicht immer bewusst ist, mögen Sie bitte in Betracht ziehen.

Kant meinte mit seiner öffentlichen Meinungsfreiheit die der Gelehrten, doch ich denke, das kann man ganz hübsch - als Denkanregung - in die gehobene Medienöffentlichkeit von uns Heutigen übersetzen.

Aufklärer waren nie welche, die für Gewalt plädierten, da haben Sie Recht. Gewalt bedeutet fast immer Dummheit, Vermeidung von Denken, Vermeidung von Dialog. Aufklärer sind und waren immer Leute, die auf die eigene Verstandestätigkeit der einzelnen und deren Mut zur Infragestellung setzten. Auf Beweglichkeit im Kopf. Hätten wir - heute - mehr davon, gäbe es - heute - weniger Krieg. Aufklärer sind immer potenziell kriegsgefährdend, weil sie fragen: nach Gründen, Motiven, Berechtigungen, Alternativen.
"Ihr Beispiel vermischt die Ebenen, das tut dem Thema nicht gerade gut." Wie ich oben schon andeutete: Das Private wird hier sofort (Macht)politisch, und ich bezog mich damit auf Augsteins Ehe-Assoziation (Karsai-Gesetz etc.)
Es ist, das räume ich ein, ein Bild, ein Vergleich, der notgedrungen hinkt, der aber auf das ethische Problem, das dahinter steht (und m.E. tatsächlich universell ist) verweisen sollte: Wann greift man ein? Ab wann erhebt man sich über jemandes Freiheit? Ab wann ist man Kulturimperialist? Etc. Dafür gibt es nicht immer eindeutige Antworten, schon gar nicht am grünen westeuropäischen Tisch.

"Aber, liebe Klara, Bomben auf stecken gebliebene, entführte Tanklastzüge, auf Hochzeiten und seien es die der ominösen "Taliban", auf Ghaddafis-Palast,-sie erinnern sich vielleicht noch-, einschließlich seiner Familie, etc., das ist weder zivil, noch couragiert und hat auch mit der Bindewirkung von Menschenrechtscharta und UNO-Resolutionen, sowie der Durchsetzung von Frauenrechten nichts zu tun."
Ja. Da sind wir überhaupt nicht auseinander. Das Problem ist, dass man Handlungsausschnitte nicht isoliert betrachten kann. Und ein anderes Problem ist, dass es die Bush-Regierung vermutlich wenig interessiert hat, was wirklich passiert(e), dass es viel zu wenige Entscheider wirklich interessiert, was wirklich passiert. Ich schrieb an anderer Stelle schon - und es ward mir nicht leicht, denn Lafontaine ist das Gegenteil eines Aufklärers, nämlich ein Populist -, dass ich vermute, dass Lafontaine "Recht" hat mit seinen Äußerungen über Afghanistan. (Interessant hierzu auch der aktuelle Stern, Titelgeschichte.)
"Manchmal verabschieden menschenrechtsorientierte Parteien, mit ursprünglich ganz lauteren Absichten, Beschlüsse, deren Ergebnisse ihnen unschön auf die Füße fallen. In der Meinung, man müsse den alten Standpunkt verteidigen, wird weiter am vermuteten Sinn der ehemals getroffenen Entscheidung fest gehalten, obwohl die Fakten das Gegenteil belegen."
Ja, und das macht mich schier krank!

Die Meinungsfreiheit auch unserer heutigen Medien lässt ja zu wünschen übrig. Das beginnt damit, dass harmlose Kommentare (z.B. auf focus) nicht geschaltet werden mit fadenscheinigen Verweisen auf "Netiquetten" , (vgl. twitpic.com/i1wsr )und hört nicht auf mit merkwürdiger (interessegeleiteter? Wie auch immer gleichgeschalteter?) Prioritätensetzung und allgemein üblicher Nachplapperei und Gefallenwollerei, von der man wohl nicht mal im Freitag ganz frei sein kann. Weil jeder, auch ich, nun mal (auch) gefallen will, jedenfalls wenn es die richtigen sind, denen man gefällt...
Kant ist mir nicht völlig unbekannt, sonst hätte ich ihn nicht hier an den Haaren herbeigezogen  - im Übrigen nahm er, wenn ich mich recht entsinne, immer eines und vor allem EINEN aus der grenzenlosen Gedankenfreiheit aus, nämlich das Monarchentum :) Und auch Gott. Da hört die Zeitgenossenschaft denn auf.

Auch wenn Sie das wieder als unstatthafte Vermischung der Ebenen empfinden, gestatten Sie mir noch eine privatpolitische Einlassung: Auf einem Elternabend, 9. Klasse, an dem ich gestern teilnahm, sprach man unter Anderem über einen Jungen, der von Beginn an Probleme machte und hatte und jetzt immer merh Schwierigkeiten macht: Er lässt sich von gewaltbereiten Mitschülern provozieren und schikaniert andere, beleidigt Klassenkameraden, tritt anderen ins Gesicht, die ihn zuvor gemobbt hatten auf SchülerVZ etc. Es würde zu weit führen, hier ins Detail zu gehen, aber man muss, denke ich, immer das Detail betrachten. Den „Einzelfall“. Um verstehen zu können. Auch die eigene Ratlosigkeit. Gestern also gab es Eltern, die sich vehement dafür aussprachen, diesen Übeltäter, das arme schwarze Dauerschaf, der Schule zu verweisen. Argumente: Die anderen Schüler dürften doch nicht denken, dass so ein Verhalten konsequenzlos sei (als sei es ansteckend). Und was, wenn ein neuer Amoklauf droht? Wenn das das nur die ersten Anzeichen wären? Das war die harte Fraktion, sagen wir: die CSU-Linie, die jetzt strengere, höhere Strafen fordert. Die weiche Fraktion meinte: Der Junge braucht Therapie. Man müsse ihm helfen. Es würde sonst nicht aufhören. Ich tendiere zur weichen Fraktion, bin mir aber nicht sicher, ob das reicht.
Heute, so erzählte meine Tochter vorhin, habe die Polizei ihn von der Schule abgeholt, weil er Bilder mit Waffen ins Netz gestellt habe. Ich muss gestehen: Ich bin nicht völlig angstfrei, man weiß nicht, was in den Menschen vorgeht, auch nicht, was Drogen anrichten können (die im Spiel sind bei diesem Jungen, und zwar härtere als Alkohol). Ich weiß nicht, was richtig ist. Ich weiß nur: Man muss dem Jungen helfen. Man muss den überforderten Eltern helfen. Und man muss die anderen schützen.

Das Paradies auf Erden wird es nicht auf einen Schlag geben. Deshalb kann man auch Entscheidungen nicht so treffen, als gebe es das Paradies schon – aber eben auch nicht so, als gebe es nur die Hölle. Richtige und falsche Entscheidungen gibt es jede Stunde und jeden Tag. Sie liegen auf der Straße und wir heben sie auf. Und manchmal können beide sich so schnell ins Gegenteil kehren, dass einem schwindlig wird – das Richtig und das Falsch, meine ich. Bei aller Trauer und Wut über den Luftangriff, über alles Mögliche: Man darf unterstellen, dass der kommandogebende Offizier der Meinung war, das Richtige zu tun. Dadurch wird es wahrscheinlich noch trauriger, wirkt noch aussichtsloser – aber vielleicht trotzdem menschlicher. Oder?

Danke für Ihre guten und anregenden Gedanken!
klara
Joachim Petrick schrieb am 17.09.2009 um 20:49
Liebe Klara,

vielen Dank für Deinen leidenschaftlichen Meinungs- Gang hin zun Columbus.
Frage:
Was ist die weiche Fraktion?, wo es doch um mehr Aufwand und Anstrengung geht!?:
„Es würde sonst nicht aufhören. Ich tendiere zur weichen Fraktion, bin mir aber nicht sicher, ob das reicht.“

Nach meiner Meinung darf man/frau bei diesem militärischen Interventionsspektakel für den heimischen Politik- und Medienmarkt aller denkbaren und undenkbaren Möglichkeiten alles und nichts unterstellen, was nicht gerichtsverwendbar belegt!, oder?:
„Bei aller Trauer und Wut über den Luftangriff, über alles Mögliche: Man darf unterstellen, dass der kommandogebende Offizier der Meinung war, das Richtige zu tun. Dadurch wird es wahrscheinlich noch trauriger, wirkt noch aussichtsloser – aber vielleicht trotzdem menschlicher. Oder?“.

Dazu bedarf es gerade im Krieg der aufklärerischen Substanz eines Carl von Clausewitz mit seinem Werk “vom Krieg“(Reclam- Verlag) in seiner ergänzenden Deutung, neben „Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit militärischen Mitteln“ wird „Der Krieg ist die Fortsetzung des Rechtsstaates mit juristischen Mitteln zivilisatorischer Gesetzgebung“.
Damit will ich sagen, der Bundeswehr Oberst Klein in Afghanistan sollte eine Chance gegeben sein, seine Entscheidung vor Gerichten als Zeuge wie als Selbstangeklagter zu vertreten.

Die Frage ist, wird der Oberst Klein, als Bürger in Uniform, als Kommandierender, die Zivilcourage aufbringen, gegen sich selbst, nicht nur ein Disziplinarverfahren, sondern, wie der Prinz von Homburg im Drama von Heinrich Kleist, gegen sich selber eine Klage als Prozes der Selbsterforschung wie –läuterung, zum Nutzen & Frommen aller, anzustreben?
Das war übrigens n. m. E. das Bangen aber auch die eigentliche Hoffnung Oberst Graf Stauffenbergs, dass ihm und seinen Mitverschwörern die Deutsche Wehrmacht als Garant und Dienstherr nach einem gelungenen, wie misslungenen Attentat gegen den Führer Adolf Hitler am 20.Juli 1944 die Chance eines ordentlichen Gerichtsverfahrens im Rahmen der militärischen Gerichtsbarkeit einräumen würde.
Diese Chance wurde Oberst Graf Stauffenberg, wie seinen Mitverschwörern, dienst-wie treuwirdrig verweigert.
Stattdessen wurden taufenberg und seine Mitverschwörer außergerichtlich standrechtswidrig von Kameraden ermordet.

Droht nicht dem Oberst Klein, mangels gerichtlichem Verfahren, die Verherrlichung auf der einen Seite, wie die Herabsetzung, gar Vernichtung seiner bürgerlich- miltärischen Existenz auf der anderen Seite?
JP
yabby schrieb am 16.09.2009 um 17:53
Als langjähriger Abonnent des Freitag war ich sehr erstaunt über die Kooperation mit Perlentaucher nach dem Relaunch des Freitag. Ich erwägte zum ersten Mal mein Abo zu kündigen, denn ich lese den Perlentaucher zwar regelmäßig im Netzt, weil dieser einen bequemen - wenn auch äußerst selektiven - Überblick bietet. Allerdings möchte ich im Freitag verschont bleiben von diesen neokonservativen Kulturkriegern. Einige wenige Ausgaben später war die Kooperation dann offenbar beendet und so bin ich Freitagleser geblieben.
Der äußerst dümmliche Kommentar von Chervel ("Sie wissen natürlich, dass die NGOs nur dann arbeiten können, wenn die Soldaten auch da sind." lol) bestärkt mich darin, auch weiterhin dem Freitag treu zu bleiben.
Rainer Kühn schrieb am 16.09.2009 um 20:41
Bleiben Sie, besser ist eh ein Komparativ. Und den gibt´s nur hier.
M. Möhling schrieb am 17.09.2009 um 21:55
> Wir erinnern uns an die Daisy Cutter Bombe, mit der die Al-Kaida-Festung
> Tora Bora zu Splittern zerlegt wurde

Faktencheck:

www.fas.org/man/dod-101/sys/dumb/blu-82.htm :
- The BLU-82B [...], nicknamed [...] Daisy Cutter [...] was originally designed to clear helicopter landing zones [...]. The warhead contains 12,600 pounds of low-cost GSX slurry [...] and is detonated just above ground level [...], optimized for destruction and ground level without digging a crater. The weapon produces an overpressure of 1000 psi [pounds per square inch] near ground zero, tapering off as distance increases. (MM: "and ground level" ist wohl ein Typo, gemeint ist sicher "at ground level")

www.nationalmuseum.af.mil/factsheets/factsheet_print.asp?fsID=1013&page=1 :
- The designers optimized this bomb to clear vegetation while creating little or no crater

Nix Splitter, nix Zerlegen, kein Krater. Töten im verzweigten unterirdischen Gängesystem durch Überdruck, wie es die Presse seinerzeit auch schilderte. Weder schön noch allzu wichtig, aber der Gesinnungsjournalist ist eben stets faktenresistent, deswegen ja die gesinnungsethische Zeilenschinderei.

> Der Preis liegt in der Demut des Westens und in der Ehrlichkeit

Ausgerechnet in der taz (tinyurl.com/l4uakq) eine schönes Zitat von Carl Schmitt, no less:
"Tatsächlich scheint sich hier der Befund Carl Schmitts als treffend zu erweisen: Alle politischen Begriffe sind säkularisierte religiöse Begriffe. [...] Demut als die moderne Unterwerfungsgeste - zum Nutzen der Politik. 'Wer Demut sagt, will betrügen', ist man mit Carl Schmitt zu sagen geneigt."

> Der Universalismus der Menschenrechte droht unter den Bedingungen des
> globalen Kapitalismus leicht zum Kultur-Imperalismus zu werden

Der Universalismus der Menschenrechte *ist* Kultur-Imperialismus und war stets so gemeint. Die Levée en masse und der Einfall in Nachbarstaaten zwecks Beseitigung feudaler Herrschaft war kein Späßchen. Auch die Linke hatte nie daran gezweifelt, bis sie zur regressiven Linken mutierte und, um mit Grönemeyer zu schluchzen, "Religionen zu schonen" zum Schutze des Propheten erste linke Unbürgerpflicht wurde. Nachdem der Islam 9/11 sein antikulturimperialistische und überhaupt anti-imperialistische/kapitalistische/zionistische Potenz unter Beweis stellte, steht seine 5. Kolonne bei Fuß, um unter den "Bedingungen des globalen Kapitalismus" nun eben mit Hilfe der Reaktion Widerstand zu leisten, da ja der Sozialismus in seinem Lauf doch von Eseln aufgehalten wurde und jetzt dasteht wie bestellt und nicht abgeholt. Poor things.
Anette Lack schrieb am 20.09.2009 um 09:36
Wie machen Sie das in den Kommentaren mit Fetten und kursiv schreiben?
M. Möhling schrieb am 17.09.2009 um 22:22
Da wir hier beim Chef sind: Es fehlen feeds für die Kommentare. So wird es lästig nachzusehen, ob sich etwas tut. Man könnte Nutzern auch die Möglichkeiten bieten, sich über neue Kommentare und zusätzlich über Antworten auf eigene Kommentare per mail benachrichtigen zu lassen.

Jetzt noch ein Test, um zu sehen ob HTML-Links (und Formatierungen wie kursiv, strike oder del) möglich sind. Bei langen Adressen von taz oder FAZ wäre das praktisch: google.com
M. Möhling schrieb am 17.09.2009 um 22:27
Gut, Links, Fettungen und Kursive sind erlaubt, darauf sollte man die Nutzer aufmerksam machen, zusammen mit einer verlinkten Anleitung. Schlage strike als zusätzliche Formatierung vor, damit lassen sich unterhaltsame Dinge anstellen, sicherheitstechnisch spricht nichts dagegen. Ebensowenig übrigens wie für ul, ol und blockquote für Zitate.

Mal sehen, ob die gehen:


  • ul



  • ol



  • ein Zitat mit blockquote
    M. Möhling schrieb am 17.09.2009 um 22:30
    ol geht nicht und führt zu Darstellungsfehlern, ul und blockquote klappt:

    • ul
    • li


    Testtext

    ein Zitat mit blockquote
    marsborn schrieb am 18.09.2009 um 10:47
    Lieber Jakob Augstein, die kluge Thea Dorn hat in der Zeit einen bitterbösen, aber eben auch sehr durchdachten und treffenden Artikel zu Ihrem Aufruf geschrieben ("Vulgärpazifismus", DIE ZEIT Nr. 39, S. 15, leider nicht im Netz zu finden) - darin u.a. die berechtigte Frage "Ob die versammelten Unterzeichner jemals mit Menschen geredet haben, die sich in Afghanistan entwicklungspolitisch engagieren?" -- Lesen Sie bitte den ganzen Text, der strotz nur so von guten Argumenten - Ich freu mich schon auf Ihre Antwort! (Immerhin könnte so auch Ihre Hoffnung auf Mehrbeachtung des FREITAGs beflügelt werden... auch wenn der Aufruf offenbar eher nach hinten los geht, werbetechnisch war er sicherlich sinnvoll.)
    Columbus schrieb am 19.09.2009 um 12:22
    Vielleicht, lieber "Marsborn", genügt Ihnen schon der folgende Link, um auch Frau Dorns Bemerkungen, sie ist bisher durch recherchierte Überlegungen zum Afghanistan-Konflikt nicht gerade aufgefallen, zumindest einmal zu hinterfragen.

    www.wdr.de/themen/politik/international/afghanistan/interview_070522/index.jhtml

    "Vulgärpazifismus" ist eine interpretationsbedürftige Vokabel und die Versuche Frau Dorns, Argumente eher eben auf der Ebene von Talk und Show, wenn auch auf dem Niveau des dritten Programms, populär zu machen, helfen da nur wenig. Frau Dorn ist auch nicht dafür bekannt, sich nun intensiv bei NGOs umzuhören, wie ihre Arbeitsbedingungen dort sind und wie sie sich wohl fühlen in dem militärisch kontrollierten, regionalen Wiederaufbaukonzepten.

    Es gibt auch Hilfsorganisationen, die fühlen sich nur im Schutz der Militärs noch sicher, keine Frage. Für viele, gerade die Organisatoren und Funktionäre, ist die beschützte Begleitung die einzige Chance im Land. Denn zu groß ist das Risiko, entweder terroristisch angegriffen oder aber banal-kriminell entführt zu werden. - Aber im Alltagsgeschäft des Wiederaufbaus, das z.B. auch von einigen ganz unabhängigen Ingenieuren, ehemaligen Bundeswehrsoldaten und medizinischem Personal geleistet wird, gilt, die Sicherheit steigt mit der Entfernung von der gehärteten und gepanzerten Truppe.

    Bei Frau Dorn speisen sich ihre vulgärbellizistischen Überlegungen eher aus einer feuilletonistischen Absicht. Nämlich "(Vulgär-)Pazifisten" als Weicheier, Gutmenschen, Salon-Weltenretter und eigentlich gelangweilte Westler auszumalen. Ganz schlecht kommen bei ihr ja die notorisch "weichen" Männer weg.

    Aus solchem gedanklichen Potential, postfeministisch aufgeladen, das tickt ja eigentlich hinter dem sehr selbstgefälligen Ton der Moderatorin, lassen sich auch Terrorkriegerinnen aus gelangweilter Überflüssigkeit züchten!

    Allerdings nur auf der Bühne, die, wie der Krimi und die wohlfeile Präsentation von Literaturgesprächen, eher im Rahmen ihrer Bemühungen liegt. Wir landen dann konsequent bei der explodierenden Gucci-Taschen Trägerin ihres Theateraufregers von 2001, dem "Bombsong"

    Frau Dorn ist nämlich gar nicht an Afghanistan interessiert, sondern ihr geht es um die Watschen für jene, die sie als Jammerlappen kennzeichnen möchte.

    Wenn Sie aber schon die ZEIT aufblättern, dann lesen Sie unbedingt die stillen, weniger im Stile der geistigen Martial-arts daher kommenden Reporterberichte des Herrn Ladurner. Der war lange vor Ort, aber auch an andere Stelle in Zentralasien und im Iran oder in Pakistan. Seine Berichte verströmen eine Ruhe und Sachlichkeit, Ihnen lieber "Marsborn" unter Umständen einfach nicht spannend genug, die natürlich mit den Entäußerungen unseres Temperamentsbolzens, Thea Dorn, -vielleicht ist Sie ja im Zeichen des Mars geboren und Sternbild Skorpion, heutzutage zählt so etwas im Feuilleton-, nicht mithalten kann.

    Grüße
    Christoph Leusch
    Joachim Petrick schrieb am 18.09.2009 um 15:20
    Lieber JA,
    an Ihrem Aufruf „für einen Abzug“ lassen sich bestens die Möglichkeiten, aber auch Grenzen, der von Ihnen geforderten und geförderten Empörungskultur ermessen.
    Im Hier & Jetzt High Noon ist die Empörung gegen etwas, gegen eine Person hochgefahren, Morgen High Noon entgegengesetzt gehetzt, danach kommen zwanghaft zum Erlahmen gegenteilige Kommentare der Unterzeichner/innen, einschließlich Ihrer Person, bis zur Grenze des Dementi “Demenz Nolens Volens!“, oder so.
    Heute über jenes unerhört empört, Morgen unfundiert entgegengesetzt unerhört empört.

    Ich wünsche mir ja weiterhin, dass das Meinungsmedium der Freitag die politisch, urbi et orbi, organisierte Unverantwortlichkeit der informell vernetzten Imperien unserer Einen Welt mit einer Flut des Hohn und Spotts in den Orkus der Geschichte spült.
    Ihren Aufruf „Für einen Abzug“ scheinen ja, dank Ihrer nachgereichten Kommentare, etlche als Einladung, zu verstehen, das Meinungsmedium der Freitag unter einem Meer des Hohn und Spotts vorübergehend verschwinden zu lachen.
    Gut!, das Könnte wie Impfen ein Anfang des Aufbaus eines Immunssystems sein.
    Was können wir als Community des Freitags dagegen und dafür machen?
    Haben Sie eine zündende Idee, außer Rainers Jakobs Krönungs Empörung?
    tschüss
    JP


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