Angela Merkel wird das Land zu einer schwarz-gelben Republik umbauen. Sie kann das tun, weil sie ein politisches Kunststück vollbracht hat. Sie ist Kanzlerin geblieben, obwohl sie den Koalitionspartner gewechselt hat. Das hat noch kein Koalitions-Kanzler vor ihr geschafft. Bisher galt in der Republik: Entweder ein Regierungschef blieb seinem Bündnis treu – oder er musste gehen. Angela Merkel dagegen setzt ihre Kanzlerschaft mit dem Mehrheitsbeschaffer Guido Westerwelle fort. Sie verhält sich wie eine Reisende, die mit dem letzten Tropfen Benzin die nächste Tankstelle erreicht, um dort den Wagen zu wechseln und, bis obenhin vollgetankt, in eine andere Richtung weiterzufahren.
Bei Merkel ist oberstes Gebot, sich den politischen Gegebenheiten stets so anzupassen, dass es zum eigenen Vorteil gereicht. Sie ist ein Machtmensch, wie nur ein Fünf-Parteien-System ihn hervorbringen kann. Nein, mehr noch: Mit ihrer entpolitisierten, pragmatischen Haltung ist sie die Personifizierung dieses Systems. Sie wird das schwarz-gelbe Bündnis sachlich moderieren, so wie sie die große Koalition moderiert hat und wie sie eine Jamaika-Koalition moderieren würde. Sie ist eine Kanzlerin à la Carte. Das macht sie mächtiger als je zuvor. Sie kann sich jederzeit einen neuen Partner suchen. Und problemlos im Kanzleramt weitermoderieren.
Die SPD ist dagegen immer noch nicht in diesem Fünf-Parteiensystem angekommen. Ihre größte strategische Fehlleistung war, dass sie zur Bundestagswahl antrat, ohne eine Machtperspektive zu haben. Mit Links wollte sie nicht, mit der FDP konnte sie nicht und mit den Grünen reichte es nicht. Es kann deshalb niemanden wirklich verwundert haben, dass sie nicht viel besser abschnitt als die anderen Mehrheitsbeschaffer-Parteien.
Das Wahlergebnis ist für die SPD aber nicht nur eine Katastrophe, sondern auch ein heilsamer Schock. Die Dimension des sozialdemokratischen Niedergangs verdeutlichen zwei Zahlen: 1998 wählten rund 20 Millionen Deutsche die SPD. Elf Jahre später hat sich die Zahl halbiert. Nun dämmert es auch den Sozialdemokraten, dass sie sich aus ihrer selbstgewählten Starre lösen müssen, um linke Politik in dieser Republik mehrheitsfähig zu machen.
Vorerst allerdings ist die SPD nur noch eine ausgebrannte Hülle. Es waren nicht nur der Unmut über Hartz IV und die Rente mit 67, der die Wähler in Scharen zur politischen Konkurrenz getrieben hat. Es war auch die erdrückende Dominanz der rechten Regierungs-Pragmatiker, durch die die SPD ihren Charakter als Volkspartei verspielt hat.
1998 symbolisierten Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine noch das Spannungsfeld einer sozialdemokratischen Volkspartei. Heute ist davon nichts mehr übrig, und das liegt nicht nur daran, dass Lafontaine die Partei verlassen hat. Die SPD-Linke durfte in den vergangenen elf Regierungsjahren nur halblaut herumnörgeln. Ihr Einfluss wurde immer geringer, sie war eine Placebo-Linke. Den Kurs gaben Schröder und seine Nachlassverwalter Steinmeier, Steinbrück und Müntefering vor. Diese Zeiten sind nun vorbei. Der SPD bleibt gar nichts anderes übrig, als nach links zu rücken und das nachzuholen, was sie in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt hat. Das größte Desaster für die Partei ist, dass sie ihre Glaubwürdigkeit beim Thema soziale Gerechtigkeit verloren hat. Sie hat damit ihre Identität aufs Spiel gesetzt.
Nun soll ausgerechnet Frank-Walter Steinmeier, der die SPD als Spitzenkandidat ruiniert hat, als Oppositionsführer dafür sorgen, dass es wieder bergauf geht. Dabei ist Steinmeier kein Mann des Übergangs, sondern des Untergangs. Dennoch sicherte er sich noch am Wahlabend den Fraktionsvorsitz. Dabei ist keiner weniger für dieses Amt geeignet als Steinmeier. Denn um den politischen Neuanfang glaubwürdig zu verkörpern, müsste er sich gegen all das stellen, was er mit Schröder und später mit Merkel beschlossen hat.
Erst langsam löst sich die Partei aus ihrer Schockstarre. Immerhin ist Steinmeier mit seinem Versuch abgeblitzt, auch noch die Parteiführung an sich zu reißen. Ob Sigmar Gabriel der richtige Mann ist, muss man sehen. Einen Aufbruch symbolisiert auch der abgewählte Umweltminister nicht. Denn an einer Erkenntnis führt kein Weg vorbei: Für die SPD ist mit dem 27. September unwiderruflich die Ära zu Ende gegangen, die 1998 mit dem Wahlsieg Gerhard Schröders begonnen hatte.
Es wird einige Zeit dauern, bis sich die SPD vom Ballast ihrer Regierungsjahre befreit haben wird. Sie muss sich einen neuen Platz links von der Mitte suchen. Dazu gehört nicht nur, das neurotische Verhältnis zur Linkspartei zu entkrampfen. Die SPD muss auch eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Lafontaines Genossen und den Grünen führen. Daraus kann sich eine neue Arbeitsteilung ergeben: Die grünen Liberalen decken das bürgerliche Spektrum ab, SPD und Linkspartei die linken Milieus. Wie sich die Kräfteverhältnisse innerhalb dieses Lagers verteilen, ob die SPD zu alter Größe zurückfindet oder eher auf Augenhöhe mit der Linkspartei bleibt, ist zunächst nebensächlich. Wichtig ist etwas ganz anderes: Selbst jetzt, in der schwärzesten Stunde der Sozialdemokratie, liegen SPD, Linkspartei und Grüne nur knapp drei Prozentpunkte hinter Schwarz-Gelb. Darauf lässt sich aufbauen.
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...darauf ließe sich aufbauen. Nur merkt das die SPD wohl selbst nicht. In Thüringen strebt sie eine Koalition mit der CDU an. Diese Entscheidung kann man nach der Wahl am Sonntag nur noch als Indiz politischer Blindheit sehen. Dieser Partei ist nicht mehr zu helfen.
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schrieb am
01.10.2009 um 08:14
Das dachte ich mir auch, als ich es heute morgen im Radio hörte. Projekt 10%.
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Die SPD in ihrem jetzigen Zustand hat in Regierungsverantwortung neoliberale Politik betrieben. Sie gehört einfach nicht in das "linke Lager". Sie muss einsortiert werden bei CDSU und FDP.
Ein Interview kurz vor 08:00 Uhr im Deutschlandradio Kultur mit dem niedersächsischen SPD-Vorsitzenden verdeutlicht das Problem. Keine weitere Diskussion mehr über Agenda 2010 zulassen, die SPD muss kämpfen und die Ergebnisse sollen besser vermittelt werden. Die Funktionäre der SPD halten 4 Tage nach der Wahl den Wähler immer noch für einfältig. Kann man Selbsttäuschung noch weiter übertreffen? |
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Sie haben jetzt 4 Jahre Zeit um sich zu reorganisieren,was sie auch unbedingt nötig ist!
Die Weichen werden auf SPD Die Linke gestellt werden müssen! Abartig,zu behaupten,die Linke müsse sich zur Westdeutschen Nachkriegsdemokratie bekennen (frei nach Egon Bahr vom Montag). Fakt ist,das die SPD immerwieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden muss,bis sich Einsicht breit macht! Nun will ich nicht alte Wäsche kochen (Zustimmung der Kriegskredite 1914,Mordbeteiligung an Luxemburg/Liebknecht,Otto Wels Rede im danach aufgelösten Reichstag,in bezug auf die vorher gehabte Möglichkeit einer Einheitsfront unter Zurückstellung politischer Differenzen,Schröders und der Grünen Hartz I-IV etc.) Soviel zu einer "Volkspartei" des kleinen Mannes,wenn auch alljährlich zum Neujahrsempfang (Münte war auch einmal zugegen)der IG BCE des Bezirkes Hamm das Steigerlied gesungen wird. |
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Kennt eigentlich jeder diese unsägliche Skulptur, die Willy Brandt als verwesenden Zombie zeigt, die die SPD-Parteizentrale ziert und mit der sich seit 10 Jahren jedes Dickerchen, das bei der SPD etwas zu sagen hat, gern fotografieren lässt ? Beklemmend, damit meine ich jetzt die Vorstellung von der Psyche eines Menschen, der dieses hässliche Ding als Kunst empfindet.
Die SPD-Führung ist komplett konservativ und wirtschaftslobbyistisch unterwandert, von U-Boot-Politikern, also gutbezahlten Doppelagenten, deren Aufgabe es ist, diese Partei in Grund und Boden zu fahren, eindeutig ersichtlich, seit vor 10 Jahren Schröder den besten CDU-Kanzler und Wunschnachfolger von Kohl gegeben hat. Und, lieber Philip Grassmann, die werden die SPD nicht etwa nach links rücken, sondern solange weitermachen, bis es entweder einen Aufstand der Basis (mit Schleifung der o.a. Skulptur, wäre eine gute Tat !) gibt oder der letzte Traditionswähler das Licht ausmacht und geht, weil er seine neue politische Heimat bei den christlichen gefunden hat. |
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Jaja, SPD = Doppelagenten & entartete Kunst, was SteinMain? Auau.
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@ SteinMain - "Kennt eigentlich jeder diese unsägliche Skulptur, die Willy Brandt als verwesenden Zombie zeigt, die die SPD-Parteizentrale ziert und mit der sich seit 10 Jahren jedes Dickerchen, das bei der SPD etwas zu sagen hat, gern fotografieren lässt ?"
Ja, die kenne ich. Die Überschrift dieses Beitrages schöpferisch einbeziehend stelle ich fest: Das ist eben der "Wund-Brandt". Ansonsten sehe ich die SPD genau so in Auflösung. Die Partei ist verseeheimert und vernetzwerkelt, restlos. Und nach kurzem Schock tun die jetzt alles, wie mir scheint, die aufbegehrende Linke zu disziplinieren. Das wird ihnen nicht gelingen. Es wird eine Menge ins Rutschen kommen. Möglicherweise wirklich eine Spaltung mit entsprechenden Abwanderungen. @ marsborn - "Rot-Rot-Grün ist leider keine realistische Option sondern wäre in der derzeitigen Situation das sehr schnelle Ende eines sympathischen Irrtums... in Erfurt hat man das nun auch erkannt." Nach Deinen Analysen ist alles, was "links" oder "grün" ist ein sympathischer Irrtum. Da wirst Du Dich noch wundern. Die Erkenntnisse von Erfurt sind absolute Verkennungen der Realitäten und wahrscheinlich irgendeiner Order folgend, die man sich ausmalen kann. Nix Verschwörungstheorie - nur zusammenzählen, den Bundesrat zum Beispiel. |
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Liebe Magda, nee durchaus nicht alles... (würd' ich mich sonst hier bemühen?) Aber die alten Zöpfe, die erwiesenermaßen längst nicht mehr funktionieren, sich aber ewig wieder und wieder erneut im Kreis drehen, ich bin ihrer so müde - links muss endlich weitergedacht werden! Wir haben ja 2009 und nicht mehr 1979 (wie es mir hier in den Kommentaren nicht selten vorkommt)... Verehrte Magda: Derzeit hätten rot-rot-grün sich in Rekordtempo untereinander verkracht! (Schon gerade in Thüringen, das ich ganz gut kenne.) Das linke Denken braucht insgesamt dringend einen Generationswechsel. Ich hoffe irgendwie sehr, dass man das hier im Freitag auch so sieht... Die immer noch "herrschenden" altgrünen und altsozialistischen Kader & Rezepte sind für mich definitiv nicht die Zukunft!
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Hallo marsborn, "Das linke Denken braucht insgesamt dringend einen Generationswechsel. Ich hoffe irgendwie sehr, dass man das hier im Freitag auch so sieht... Die immer noch "herrschenden" altgrünen und altsozialistischen Kader & Rezepte sind für mich definitiv nicht die Zukunft!"
Interessant wäre jetzt eine inhaltliche Füllung - als Ergänzung zu deinem Überdruss! Ich bin gespannt auf ein Blog... So als Denkanregung: Auch Kündigungsschutz darf leider keine heilige Kuh sein für Linke, weil kleine Mittelständler, immer an der Grenze zur Insolvenz oder zum Zu-wenig-Aufträge haben sonst keine Leute einstellen können... So in die Richtung? Eigentverantwortung statt Nischendenken? Solidarität ohne Tabu? klara |
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Hallo SteinMain,
die Skulptur, auf die Sie anspielen, kenne ich. Dazu habe ich eine ganz andere Empfindung: Ich finde sie großartig. Sie drückt Einige aus (über Brandt, über die SPD, über "uns Deutsche"), ohne damit plakativ deppig zu sein. Da ist etwas Schmerzhaftes drin, etwas Verklemmtes, etwas Großes, etwas Mutiges, etwas Kleinmutiges... Da ist eine Menge SPD drin. Ich glaube, auf den Fingernägeln des - übrigens von Rainer Fetting de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Fetting gemachten - Willys befinden sich Pfennige und D-Mark-Stücke... Wie Sie diese Kunst und Menschen hier auf herabwürdigende Art aburteilen ("als verwesenden Zobmie... jedes Dickerchen..."), um mit kaum verhohlener Hybris ein Ressentiment zu rechtfertigen, für das Sie kaum eine sachliche Grundlage anbieten, wirkt auf mich abstoßender als jede wie auch immer gelungene Statue es je vermöchte. Das schreibe ich auf die Gefahr hin, dass sie nun auch meine, klaras, "Psyche" als "beklemmend" empfinden werden... gruß klara |
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Zu deiner Ansicht über die Willy-Skulptur.
Ich fand sie zu anfangs auch abartig,zugegeben,und habe darüber gelästert. Andererseits,je älter ich werde,je mehr Falten ich (nicht nur im Gesicht)bekomme,je mehr Erfahrung und Kampf sich eingraben in den Körper eines Menschen,desto mehr schätze ich dieses Bildnis eines durch Kampf und Alter (Weisheit etc.)gegangenen Menschenlebens. Je älter ich werde (bin zwar erst 43...)desto eher und mehr verstehe ich das Bildnis. Ich heiße bei weitem nicht alles gut,was Brandt gemacht hat. Trotzdem empfehle ich dir das Buch Willy Brandt in Norwegen von Einhart Lorenz ISBN 3 - 89029-955-5 aus dem Malik Verlsg Kiel von etwa 1997 Es behandelt seine Jahre des Exils 1933-1940 Vielleicht bekommst du es noch irgendwo, Gruß Norbert |
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Welche linken Milieus denn? Die sind doch seit Jahren schon in ganz andere Richtungen in Bewegung... Die linksberalen Bionade-Mittelständler sammeln sich bei den Grünen, die alten und neuen Klassenkämpfer bei Gysi und Lafontaine und das sozial orientierte Klein- und Bildungsbürgertum bei der durch Merkel erfolgreich sozialdemokratisierte CDU. Schröder & Co haben die SPD - nach dieser Logik - überflüssig gemacht, siehe Wahlergebnis. "Die" Linke als gesellschaftliches Milieu ist längst eine unrealisische Fiktion, eine Kategorie aus der Zeit von vor 1989 - diese starren Kasten sind längst aufgelöst bzw. im Abschmelzen. Heute gehört man solchen "Milieus" nur noch für ein paar Jahre an, dann wechselt das je nach Lebenssituation. Das gilt inzwischen sogar für die alten Traditionswähler; Wechsel- und Nichtwähler bestimmen die gesellschaftliche Atmosphäre mehr und mehr. Rot-Rot-Grün ist leider keine realistische Option sondern wäre in der derzeitigen Situation das sehr schnelle Ende eines sympathischen Irrtums... in Erfurt hat man das nun auch erkannt.
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Dann ist aber doch erstaunlich, wie VIELE Leute trotz allem SPD gewählt haben...
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Also bitte mal, marsborn, "entartete Kunst" ist ein übelst besetzter Begriff, für etwas, das dumme Spiesser als "moderne Kunst" sehen, weil sie einfach nicht verstehen, das es nur Verarschung ist, gibt es den Begriff "Kunst am Bau". Ich will das ja nicht abreissen, ich könnte mich einfach nur kaputtlachen über soviel Blödheit und Instinktlosigkeit.
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Herzlichen Glückwunsch!
War drauf und dran,selbst einen Artikel zu schreiben;aber besser wie du kann man es nicht machen,also erspare ich mir meine Meinung! Bin selbst,nach Jahren der Zugehörigkeit,unter Schröder aus der SPD ausgetreten,was bestimmt nicht leicht fiel,aber irgendwann ist Schluß! Ich suchte dann etwa 2 Jahre nach einer mir genehmen Partei,war mir aber nie sicher,da u.a. mir die Linke als Sammelsurium möglichst vieler linker Strömungen erschien,was ja nicht unbedingt schlecht sein muss. Bin dann aber nach einem Brigadeaufenthalt (Arbeiten und politische Bildung etc.) auf Cuba in Gesprächen mit mir mitlerweile liebgewonnen Freunden zu dem Schluß gekommen,das ich in der DKP am besten aufgehoben wäre,und so tat ich diesen Schritt und habe es noch nicht bereut! Denn es gibt genausowenig ein bißchen Schwangerschaft,wie ein bißchen Kapitalismus. Dank der DDR und der Systemkonkurrenz hatten wir im Westen eine smarte,aber hart erkämpfte Abart der Sozialen Marktwirtschaft! Schade ist nur,das du in deinem Artikel keinen Bezug auf die jüngsten Äußerungen von Egon Bahr nimmst.Diese haben mich doch sehr entfremdet,da ich Bahr immer als intelligent eingestuft habe. Gruß,Norbert |
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Noch ein Schmankerl am rande:
Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung,daß widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden. -John Maynard Keynes- |
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"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung,daß widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden."
Ja, das ist diese Bienenfabel von Mandeville mit dem Titel "private vice public benefits". hat mich immer sehr beschäftigt, weil darin auch eine merkwürdige Apologie liegt. |
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die einzige chance, die es noch gibt, ist die, dass die rechten sich totlachen über die verkrachten linken.
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Philip Grassmann ist uneingeschränkt zuzustimmen. Nur wenn sich die SPD neu positioniert und an ihre Traditionen anknüpft, wird es ihr gelingen, bessere Umfrage- und Wahlergebnisse zu erreichen als Voraussetzung dafür, mit den Grünen und der Linkspartei eine Mehrheit gegenüber Schwarz-Gelb zu erlangen. Es fällt schwer zu glauben, dass Frank Walter Steinmeier als Fraktionsvorsitzender der SPD und ehemaliger Architekt der Agenda-Politik glaubhaft einen Neuanfang einleiten kann.
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Betr.: Brandt-Skulptur
Also nochmal, damit mich niemand missversteht: Willy Brandt, ein wirklich sehr eigener, grosser Denker, begnagdigter Redner, der sich an dem Versuch aufgerieben hat, die Adenauer-Republik zu reformieren und die Mechanismen des kalten Krieges zu überwinden, ist mit diesem widerlichen Ding vor der SPD-Parteizentrale einfach in entwürdigender Weise unterrepräsentiert. |
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Man solle sich bitte nicht täuschen.Die "Erneuerung" ist nicht nur heikel, weil viele Sozialdemokraten, sehr viele in der Führungsebene, aber auch ein guter Anteil an der Basis, mit dem Schröder- und ff.- Kurs sehr überein stimmten und große Gemeinsamkeiten mit den Grundpositionen von CDU und FDP bestanden und weiter bestehen.
Z.B. in den Fragen der Inneren Sicherheit denken die bisher führenden Politiker der SPD nicht anders als jene der CDU/CSU. Zwischen Schily, Wiefelspütz, Bosbach, Kauder, Uhl und Co. passte doch in der Vergangenheit in Wahrheit kein Blatt. Mit Blick auf die Dienste und deren Funktion und Aufgaben erweitert sich der Kreis der prinzipiell einigen Politiker der "heimlichen Mitte" sogar noch beträchtlich. Da ist selbst Frau Leutheusser-Schnarrenberger in der FDP eher in einer Minderheit, die allenfalls noch größere Fehltritte verhindern kann. - Einige ältere Semester werden sich daran erinnern, dass gegen Ende der Kanzlerschaft Willy Brandts ein FDP-Innenminister sein ministeriales Geheimwissen serh geschickt zu nutzen wusste, um den "richtigen Zeitpunkt" der Information des Kanzlers zu wählen und ihm eine verheerend falsche Strategie im Umgang mit dem längst enttarnten Spion zu empfehlen. Allenfalls handelt es sich um Nuancen, wie z.B. die beim Richtervorbehalt, der nicht mehr sehr ins Gewicht fällt, wenn z.B. immer nur wenige Richter an den gleichen Gerichten zuständig sind und deren Chancen auf stichhaltige Prüfung des bundesanwaltschaftlich oder durch sonstige Behörden vorgelegten Materials, bei steigender Nachfrage und erhöhtem Falldruck, eher gering bleibt. Dazu kommt, dass wenige befasste Richter und Senate, auch mehr Einflussmöglichkeit über entsprechende Berufungen und den stetig betriebenen Wechsel vom Ermittlungsamt in die Rechtsprechung der Kontrollsenate, bedeuten. Wer auf Abgeordnetenwatch.de einmal nachschaut, wer für welche Gesetze stimmte, der wundert sich, dass z.B. Frau Nahles, immer als "Linke" medial verkauft, wohl aus Opportunitätsgründen dem BKA-Gesetz zustimmte. - Herr von und zu Guttenberg, erst gar nicht mit stimmte. - Genau so verwunderlich ist doch, dass sich die meisten Mitglieder der SPD-Fraktion von ihrer Fraktionsführung überzeugen ließen, die Überhangmandateregelung nicht zu kippen, obwohl da eine gute Mehrheit im Parlament durchaus vorhanden war und die höchsten Richter ein Änderung nahe legten. Frau Nahles hatte z.B. auch nichts gegen Gen-Mais Anbau in Deutschland. Man kann das auch am Scheitern der hessischen Ministerpräsidentenkandidatin fest machen. Die vier Abgeordneten, zugegeben einfach die besseren Intriganten in Hinterzimmern und eben nicht offene Kritiker beim Parteitag, die "Nein" sagten, hatten und haben eine zwar nicht breite, aber durchaus anteilig hohe Unterstützung in der SPD und eine Menge an parteiinternen, eher ruhig, dafür beharrlich arbeitenden Anhänger. Ohne dieses Netz wären Attacken wie die von Clement oder Kahrs, die gewählt, aber gezielt, vorgetragenen Boshaftigkeiten eines ehemaligen Hamburger Oberbürgermeisters nicht denkbar. - Der hatte auch einmal behauptet, die Asse sei narrensicher. Wenn Sie, lieber Herr Grassmann, der SPD nun raten sich inhaltlich mit den Grünen und der Linken auseinander zu setzen, liegt darin natürlich auch die Gefahr, dass die SPD wiederum den eigentlichen politischen Gegner aus dem Auge verliert und sich in der "Konkurrenz der Oppositionen" aufreibt, anstatt sich mit den eigenen, sozialdemokratischen Kernthemen, soziale Gerechtigkeit, geistige und individuelle Freiheit im Sinne von "mehr Demokratie wagen", dem Thema Bildungsgerechtigkeit, sowie einer entschiedenen Friedens- und Friedfertigkeitspolitik, wieder ein regierungsfähiges Bündnis mit jenen zu schmieden, die schon in der vergangenen Opposition dafür einstanden. Ich bin sehr bei Ihnen, wenn Sie treffend analysieren, wie sich die SPD-Strategen selbst eine realistische Machtoption nahmen und sogar die Grünen in die "Not" brachten, sich nun endlich ernstlich, zum Zwecke des Machterwerbs, mit Schwarz-Grünen und Schwarz-Grün-Gelben Modellen zu beschäftigen. - In der "Konkurrenz der Oppositionen" zählt nähmlich vor allem auch, ob man zukünftigen, kleineren oder gleichen Mitbewerbern auch eine realistische Chance auf einen Teil der Macht, zumindest in den Ländern, noch wird anbieten können. An dieser Option sägt gerade wieder Christoph Matschie, der mit seinem getreuen Landesvorstand zwar zukünftig fast alle aus diesem Vorstand mit Ämtern wird ausstatten können, sich aber auch in eine von ihm zwar persönlich geliebte Partnerschaft mit der CDU begibt, die aber die SPD erneut an die so vernichtend abgestrafte Rolle als Machtsicherung für die CDU bindet. - Was kann man den eigentlich programmatisch näher stehenden Opponenten, "Grünen" und "Linken", dann noch anbieten? Glauben Sie auch, es werde zwei, vielleicht sogar drei Legislaturperioden dauern, bevor die SPD mit sich selbst klar kommt? Ich befürchte das, angesichts dessen, was die Partei derzeit als Neuorientierung verkaufen möchte. - Ob dann immer noch "Angie" die Republik hypnotisiert? Derzeit droht auch das Faktum, dass die CDU mit Jedem (Ausnahme: "Die Linke")anderen Parteipartner kann, ohne gleich noch einmal dramatisch ab zu schmelzen. Die SPD jedoch, wenn sie sich für Links und Grün entscheidet, sich doch von einer Menge Führungspersonal trennen müsste, dazu noch einmal 5-10% ihrer Anhänger, die gerade diese zentristischen Leute besonders mögen, verlöre. Wenn sie allerdings wieder mit der CDU/CSU-Gemeinsamkeiten sucht, dann dräut von allen möglichen anderen Noch-Sympathisanten beständig die Frage, ob sie letztlich nicht völlig überflüssig geworden ist. Liebe Grüße Christoph Leusch |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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