"Ich stehe dafür ein, dass wir nichts beschönigen werden", hat Angela Merkel im Bundestag nach den verheerenden Bomben von Kundus gesagt. Es war eine Regierungserklärung, für die sie von ihren Journalisten heftig gelobt wurde. Angela Merkel hat ja, wie einst Helmut Kohl, ihre eigenen Journalisten. Sie unterscheidet sich von Kohl darin, dass sie viel weniger Feinde hat. Nun ist nicht nur beschönigt worden. Es wurde gelogen. Vor den Medien. Vor den Parlamentariern. Steht Merkel dafür ein? Und was bedeutet es bei dieser Kanzlerin, wenn sie für etwas einsteht? Angela Merkels Strategie, die Dinge im Ungefähren zu lassen, den Konflikten auszuweichen, wird auf eine harte Probe gestellt werden. Kriege sind so. Sie widersetzen sich den langsam zuwartenden Bewegungen des postdemokratischen Politmanagments.
Merkel hat sich keinen Gefallen getan, als sie in in ihrem patzigen Gouvernanten-Ton all jenen über den Mund fuhr, die nach Verhältnis- und Rechtmäßigkeit jener Bomben fragten: Dieses „Ich verbitte mir so etwas, von wem auch immer, und zwar im Inland genauso wie im Ausland“ fällt jetzt auf sie zurück. Viel zu lange hat sie an Franz Josef Jung festgehalten, der in seinem Amt über wenig Verstand und gar kein Glück verfügte und dessen einzige Befähigung für den Posten des Verteidigungsministers darin bestand, umgänglich und loyal zu sein. Diese Feigheit vor dem Freund entlarvt eine schwache Kanzlerin.
Werden die Zeitungen diese Schwäche bloßstellen und die Entzauberung ihrer Kanzlerin Merkel zulassen? Denn dass sehr viele Medien dieser Kanzlerin in großer Kontinuität die Treue gehalten haben, daran kann es ja keinen Zweifel, darüber kann es nur Erstaunen geben. Aber gerade in Afghanistan haben sich die Medien in eine Mithaftung begeben, der sie sich kaum stellen werden und die sie daran hindert, endlich einen klaren Blick für die deutsche Verstrickung in diesen sinnlosen Krieg am Hindukusch zu bekommen.
Viel zu lange haben sich die außenpolitischen Redaktionen – quer durch alle Zeitungen und Sender – mehr oder weniger bedingungslos hinter die Afghanistan-Politik der Bundesregierung gestellt. Sie haben dabei ihre Glaubwürdigkeit verloren, so, wie die US-Medien die ihre im Irak-Krieg verloren. Dort hat man sich „embedden“ lassen – was in der Tat am besten mit der Formulierung zu übersetzen ist, dass einstmals stolze Institutionen des Journalismus von Generälen und Politikern zu Bett gebracht wurden. Hier war das gar nicht nötig. Hier hat die Elite der außenpolitischen Berichterstatter gleich und ohne Not das Lied der neuen deutschen Verantwortung gesungen, die nun auch eine militärische Dimension erhalte. Zwischen den Zeilen fand sich eine sonderbare grimmige Erleichterung darüber, endlich zu sein wie die anderen: vom Krieg beschmutzt und frei von der Last jeder moralischen Pflicht der Vergangenheit. Diese Freude, sich endlich als vollwertiger Hoplit in die bewaffnete Phalanx der atlantischen Verbündeten reihen zu dürfen, war in den vergangenen Jahren bei deutschen Politikern, Generälen und Journalisten geradezu greifbar.
Um so peinlicher, dass die erste Kritik an Kundus von den Verbündeten kam und dass Merkel sich genötigt sah, die deutschen Soldaten gegen das Ausland in Schutz nehmen zu müssen. Um so peinlicher, dass Selbstverteidigungsminister Jung sich in der Tanklastzugaffäre öffentlich in Widerspruch zu US-Befehlshaber McChrystal brachte. Und um so peinlicher, dass nun ausgerechnet die Deutschen für den schwersten Vorfall in Afghanistan seit langer Zeit verantwortlich sind und von seiner Aufarbeitung offenbar vollkommen überfordert waren: Bis Minister Guttenberg die Notbremse zog, waren der Regierung nur Lügen eingefallen. Und noch ist nicht sicher, ob Guttenberg selbst unter den rollenden Zug der Affäre gerät. Immerhin fand er den Angriff „angemessen“.
Ähnlich überfordert wie das befehlende Berlin war zuvor in Afghanistan der bombende Oberst Klein und seine Gesellen. Gab es andere Möglichkeiten, der Gefahr zu begegnen, die von diesen Tanklastzügen ausgehen konnte? Mit den Kampf-Flugzeugen in geringer Höhe über die Köpfe der Menschen rasen, Warnschüsse abgeben, befreundete Truppen herbeirufen, die Lage beobachten und abwarten, was dort unten geplant wird ... Oberst Klein hat das alles verworfen. Und, wie man jetzt weiß, selbst die US-Piloten über die Lage am Boden getäuscht. Es wird, so sieht es aus, viel gelogen in diesem Krieg, an der Front und in der Heimat. Als die Bild den Verteidigungsminister Guttenberg fragte, ob er denn seinen Generälen jetzt noch traue, sagte er: „Ich habe von Anfang an klargemacht, dass ich hohe Ansprüche an Loyalität und Transparenz nach innen wie außen habe, und ich habe den Eindruck, dass dies inzwischen nachhaltig verstanden worden ist.“ Das klingt nicht sehr ermutigend. Die Generäle haben offenbar Mühe mit Loyalität und Transparenz.
Ob Deutschland tatsächlich Verantwortung übernimmt, wie seine Kriegspolitiker tönen, ob Armee und Politik und Öffentlichkeit für diese „neue Rolle“ gewappnet sind, wird sich daran zeigen, wie diese Affäre zu Ende geführt wird. Bisher sieht es nicht gut aus. Übrigens: Wenn der Angriff von Kundus kein Kriegsverbrechen war, wofür gibt es dann den Begriff?
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Tja, ich denke auch, das ist der Anfang vom Ende von Angela Merkel. ob sie über Kundus stolpert oder über den verpatzten Beginn generell, es wird keine Ruhe mehr geben.
Die Große Koalition war auch eine Art Schonraum für sie, jetzt rasseln alle, die noch mehr Macht wollen wie die Schweine im Koben. Ich denke mir, das übersteht sie nicht. Sie kommt mit dieser - nicht auf Konsens, sondern auf Konflikt - gepolten Konstellation nicht klar. Auch gut, dann hört der Priol endlich auf zu näseln. |
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Exakt erkannt und doch immer wieder faszinierend.
Die staatstragenden Mainstream-Medien halten den Mantel der Geschichte fest geschlossen über 2003-Merkel. Kein Mucks dringt da aus den medialen Archiven. Nach meiner schwachen Erinnerung und eben ohne das Archiv eines Spiegel oder einer SZ im Keller, so stand Merkel damals fest an der Seite von Bush, hätte uns Deutsche auch gern in die "Koalition der Willigen" eingereiht und gen Irak geführt. Und heute, unter Bushama? |
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Damit sie nicht nur als nettes, drapiertes Püppchen beim internationalen Schaulaufen strahlt, sondern wirklich und letztendlich in den inneren Kreis der Machtelite aufgenommen wird, war Kundus der Initiationsritus, die notwendige Tat, mit den unvermeidlichen zivilen Opfern, ähnlich wie die Entlassung tausender Mitarbeiter trotz hoher Gewinne oder die Teilnahme am Irakkrieg trotz massivster Bürgerproteste, immer mit dem Ziel die letzten Brücken hinter sich zu sprengen um dann im trauten Verein Gleichgesinnter, als treue Anhängerin des nie enden wollenden Krieges der USA gegen alles Böse, in die nächste Prüfung, den Iran-Krieg, mit flatternder Fahne als Schutzheilige von Freiheit und Demokratie reiten zu dürfen.
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Sehr gut, lieber JA!
Magda kann ich leider noch nicht ganz dahingehend zustimmen, dass dies der Anfang vom Ende von Angela Merkel sei, obschon es durchaus so sein könnte. Die bisherigen Kommentare von ebertus und Streifzug finde ich ebenfalls souverän; ich habe das Gefühl (gebe ich Magda etwa doch schon nach, sei es aus Hoffnung oder rational gegründet?), dass so langsam aber sicher eine Sprache entwickelt wird, die diesen sinnlosen Kriegern beikommt. |
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Treffend, nur wird Herr von und zu nicht stolpern. Der "Arme" kannte ja die Akten angeblich nicht, und wer könnte dem jungen Elan schon etwas Böses hinterhersagen wollen.
Was davon gerecht und was seinem Haargel zuzuschreiben ist, steht auf einem anderen Blatt. |
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Lieber JA,
was Sie postdemokratisches Politmanagement nennen, ist hoffentlich eher ein demokratischer Interruptus fatal, den Wählern/innen zur Qual!?. Meine Hoffnung gründet darauf, dass sich die Vierte Macht, die Medien, wieder auf ihre eigentliche Aufgabe besinnt und nicht, wie von Sinnen, das Lied der regierend Koalierenden, kohabierend „embedden“ singt. Ich fürchte Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg muss sich, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, gegen den über Jahre aufgebauten Druck eines Teils des Offizierskorps in der Bundeswehr im Bunde mit einem erheblichen Teil der Medien erwehren, der darin besteht, beide als Dienstherrn der Bundeswehr auf eine Nibelungentreue bis zum „Untergang“ bzw. bis zum „Baden gehen“ mit den zerschlissenen Kleidern unhaltbarer Statements einzuschwören (siehe Anhang). Ich habe in der Freitag Politikarena meine Frage geschaltet,: “Braucht Deutschland eine Günter- Gaus- Akademie“ zur Debatte gestellt, um die Vierte Macht mit Trennungsschärfe gegenüber Regierungen, Parlamenten, dem Lobbywesen an ihre Aufgaben und Pflichten zu erinnern! Ich lade Sie herzlich ein, sich in diese Debatte votierend und kommentierend einzubringen. Danke! tschüss JP Anhang: siehe auch meinen Blog Beitrag: www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/verteidigungsminister-zu-guttenberg-schwoert--klein-nibelungentreue 04.12.2009 um 17:18 Verteidigungsminister zu Guttenberg schwört Klein Nibelungentreue Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg schwört im Deutschen Bundestag Oberst Klein am Hindukusch Nibelungentreue |
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Lieber JA,
was Sie postdemokratisches Politmanagement nennen, ist hoffentlich eher ein demokratischer Interruptus fatal, den Wählern/innen zur Qual!?. Meine Hoffnung gründet darauf, dass sich die Vierte Macht, die Medien, wieder auf ihre eigentliche Aufgabe besinnt und nicht, wie von Sinnen, das Lied der regierend Koalierenden, kohabierend „embedden“ singt. Ich fürchte Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg muss sich, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, gegen den über Jahre aufgebauten Druck eines Teils des Offizierskorps in der Bundeswehr im Bunde mit einem erheblichen Teil der Medien erwehren, der darin besteht, beide als Dienstherrn der Bundeswehr auf eine Nibelungentreue bis zum „Untergang“ bzw. bis zum „Baden gehen“ mit den zerschlissenen Kleidern unhaltbarer Statements einzuschwören (siehe Anhang). Ich habe in der Freitag Politikarena meine Frage geschaltet,: “Braucht Deutschland eine Günter- Gaus- Akademie“ zur Debatte gestellt, um die Vierte Macht mit Trennungsschärfe gegenüber Regierungen, Parlamenten, dem Lobbywesen an ihre Aufgaben und Pflichten zu erinnern! Ich lade Sie herzlich ein, sich in diese Debatte votierend und kommentierend einzubringen. Danke! tschüss JP Anhang: siehe dazu auch meine Blog Beiträge: www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/guenter-gaus-medien--akademie-in-gruendung www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/guenter-gaus-der-politisch--kulturelle-mediator-im-anstand-wird-80 www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/verteidigungsminister-zu-guttenberg-schwoert--klein-nibelungentreue 04.12.2009 um 17:18 Verteidigungsminister zu Guttenberg schwört Klein Nibelungentreue Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg schwört im Deutschen Bundestag Oberst Klein am Hindukusch Nibelungentreue Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg schwört heute am 03.Dezember 2009 im Fall des Oberst Klein der Bundeswehr in Afghanistan unverbrüchliche Nibelungentreue in Amt & Würden. |
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Habt ihr denn überhaupt keine Masstäbe?
"Wenn der Angriff von Kundus kein Kriegsverbrechen war, wofür gibt es dann den Begriff?" Für Kriegsverbrechen. Nicht für militärische Fehlentscheidungen. Das alles wäre in einem Krieg gar kein Thema. Schnickschnack. Das einzige Problem ist, dass es kein Krieg ist. "Um so peinlicher, dass Selbstverteidigungsminister Jung sich in der Tanklastzugaffäre öffentlich in Widerspruch zu US-Befehlshaber McChrystal brachte." Wieso ist das peinlich? Peinlich scheint vielmehr, dass die Amerikaner ihm ans Bein pinkeln. |
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Lieber zelotti,
nun bin ich kein Militärexperte sondern muss die Informationen bewerten, die ich habe. Fro weist doch darauf hin: Der Oberst hat die US-Piloten belogen, die zunächst weniger einschneidende Maßnahmen ausprobieren wollten. Und inzwischen ist bekannt, dass er sogar sechs Bomben werfen wollte, die Piloten aber gesagt haben, zwei seien genug. Der Spiegel schreibt "Oberst Klein wollte töten" Ich weiß nihct, ob das stimmt. Aber wenn er soviele Verfahrensfehler begangen hat und es soviel Opfer gibt - ist dann die Grenze vom Fehler um Verbrechen nicht überschritten? Natürlich hat dieser Mann ein rechtsstaatliches und faires Verfahren verdient. Aber ein Verfahren sollte schon sein. Wenn diese Sache einfach eingestellt wird, dann wird der Skandal immer schlimmer. JA |
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Nun hört mal: "Massaker von Kundus"
Wieso schicken wir Soldaten, wenn die dann nicht ihre Mittel einsetzen können, wozu auch die Möglichkeit zum militärischen Fehler gehört. Hinterher ist jeder schlauer. |
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@ zelotti,
das ist es ja gerade, die Bundewehr hat sich nicht aus ihrem Lager in Kundus herausgetraut,obglch lt. feldjägern weit und breit keine "Gefahrenlage" der feinberührung mit den taliban bestand, hat "feige militärisch unangemessen" die fremdem Kampfmittel des US- Kampf- Bombers im Rahmen eines NATO- Einsatzes angefordert, mit Lügen begründet beordert. JP |
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Das muss man sich wirklich mal reinziehen – erstmal lässt man sich zwei Tanklastzüge klauen – dann macht ein Oberst unwahre Angaben um einen Bombeneinsatz zu erwirken - wird 5 mal angefleht, ersteinmal die Menschen rund um die Tanklastwagen zu vertreiben - um Menschenleben zu schonen – der Oberst lehnt ab und behauptet wahrheitswidrig, dass die Menschen rund um die LKW´s eine Bedrohung darstellen – und dann sind die Verantwortlichen zu feige, der Öffentlichkeit die Wahrheit zu sagen, weil sie Nachteile bei der Wahl befürchteten.
Mir kann keiner erzählen, dass Jung die Informationen über diesen blutigen und peinlichen Vorfall gegenüber der Kanzlerin zurückgehalten hat. Und mir kann auch keiner erzählen, dass Guttenberg eine Bewertung abgibt, ohne alle Informationen geprüft zu haben – er hat einfach nicht damit gerechnet, dass die volle Wahrheit an die Öffentlichkeit gelangt. Egal wie, es ist ein Skandal, einen Oberst zu halten, der lügenderweise den Tod unschuldiger Menschen herbeiführt und feigerweise seine Verbündeten mit wahrheitswidrigen Angaben zum töten antreibt.... Etwas seltsam seltsam alles. Warum wollte er die Tanklastzüge unbedingt mit 6 Bomben zerstäuben obwohl die Piloten 2 für ausreichend hielten? Wollte er einfach die zivilen Opfer unkenntlich machen? Oder gibt es da noch einen anderen Grund? Warum hat er zu keinem Zeitpunkt den Einsatz von Bodentruppen in Erwägung gezogen? Warum darf er nach all dem noch weiter seinen Job machen? |
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@ Fro,
womöglich ging es mehr darum, Zeugen eines Korruptionsfalles "vrschiebung von zwei Tanklastern" zwischen Taliban und kriminellen "Verbündeten" innerhalb der Nato in Afghanistan zu vernichten? |
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schrieb am
06.12.2009 um 13:02
@Fro
Was ist denn so seltsam? Es liegt doch auf der Hand, dass Oberst Klein dort schlichtweg soviele potentielle Taliban wie nur möglich getötet sehen wollte. Daher die Forderung nach mehr Bomben als zur Zerstörung der Tankwagen nötig und natürlich Verzicht auf eine vorherige Warnung. |
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In Deutschland sind die Maßstäbe verrückt
Der Jung hat "lediglich" der Öffentlichkeit - kurz vor der Bundestagswahl - Informationen über das Ausmass ziviler Opfer bei einem Bombenabwurf in Afghanistan vorenthalten. Der Jung muss dafür zurücktreten. Der Schäuble schafft bewußt - mit Billigung der Merkel - ein Klima von Angst und Einschüchterung. Seit 2005 hat sich die Menschenrechtslage in Deutschland - nicht zuletzt durch das BKA-Gesetz - drastisch verschlechtert, die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art werden - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt. Hinzu kommt, dass die Merkel systematisch die Strafverfolgung der dafür verantwortlichen Rechtsbrecher hintertreibt. Der Schäuble ist aber immer noch im Amt. Deutschland ist ein asozialer Unrechtsstaat. |
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Das Deutsche Gesetzbuch von 1933 sagt dazu nur Folgendes:
Wenn ein im kapitalistischen Krieg ausgebombtes, armes Schwein sich widerrechtlich ein wenig Benzin als Treibstoff für den heimischen Herd an einem von umnachteten Turbans entführten, ordnungsgemäss angemeldeten Tanklastzug widerrechtlich in seinen Besitz, also anzueignen oder jedweden Niessbrauch des angeführten obigen Treibstoff-Beförderungsmittels in irgendeiner Form anmasst, oder aber durch andere Personen, in den Genuss jedweder anteiligen oder vollständigen Erträge des vorgenannten sich widerrechtlich ... ff. Paragraf... ... wird mit Bombardierung, nicht unter 2 Tonnen Sprengstoff... Kann doch jeder nachlesen, also was soll die Diskussion ? |
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in Afghanistan führt die Bundeswehr im Verbund mit Nato-Verbündeten einen nicht erklärten Krieg, der sich von einem "richtigen" Krieg nur dadurch unterscheidet, dass er sich angeblich nicht gegen ein Land, sondern nur gegen Gruppierungen innerhalb dieses Landes richtet (mit der analogen Begründung läge es übrigens nahe, auch in Pakistan Krieg zu führen, mal schauen, was der Atommacht Pakistan dazu einfiele).
Im Kern der Problematik liegt also die politisch offenbar hochwichtige Differenz zwischen einem "richtigen" Krieg und einem angeblich nur gegen terroristische Vereinigungen gerichteten "Kampfeinsatz" nach gewissen Regeln. Allerdings gibt es kaum etwas peinlicheres als Lügner, die ihre eigenen Lügen glauben. Nun glaube ich natürlich nicht, dass unsere Politiker ihre Lügen selbst glauben; sie wissen, dass sie lügen - zumindest die intelligenteren unter ihnen - fühlen sich aber verpflichtet, diese Lügen - alte politische Tugend - unter beinahe allen Umständen aufrecht zu erhalten. Jung als Bauerntölpelopfer ist letztlich unbedeutend, außerdem war die Versuchung sicher naheliegend, die Situation dafür zu nutzen, ihn zu entsorgen, weil seine spezielle Art von Dummheit politisch gefährlich ist. Die Frage wäre also, welche Funktion es im Rahmen des aktuellen politischen Geschehens hat, Offensichtlichkeiten, die jeder Spatz vom Dach pfeift, konsequent in einer Weise darzustellen, bei der jeder Spatz sich beleidigt fühlen muss ob der unterstellten Debilität. Im Speziellen wäre zu schauen, ob es neben den Selbstverständlichkeiten - prinzipielle Desinformation der Öffentlichkeit zur Verschleierung der wirklichen politischen Absichten, Zugriff auf Afghanistan zur Sicherung geplanter Pipelines und Sicherung des Zugriffs auf Ressourcen - noch irgendwelche aktuelle Besonderheiten gibt, die als zusätzliches echtes Motiv diesem Krieg zugrundeliegen könnten. Der Aufgabe, mich in die Gedankengänge real paranoider Think Tankler einzudenken, mag ich mich aber nicht unterziehen^^ Also, es ist Krieg, den wir nicht so nennen dürfen, im Krieg passieren jede Menge Schweinereien, die zwar nicht passieren dürfen, aber auch niemanden interessieren würden, wären sie nicht so gut geeignet, am Stuhl des politischen Gegners zu sägen. Mehr ist nicht passiert in Deutschland und in Afghanistan. Die Toten sind selbstverständliche Kollateralschäden, die schon in Kauf genommen wurden, als sich der erste Soldat Richtung Afghanistan aufmachte. Blanker Zynismus allenthalben, auf der einen Seite der der Macht, auf der anderen Seite der der Verzweiflung und Ohnmacht. |
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Lieber J.A.,
von Ihnen hätte ich eher folgenden Text erwartet: "Ich bin Oberst Klein ein paar mal persönlich begegnet. Er ist ein intelligenter und besonnener Mann. Man sollte seine Entscheidungen nicht nach moralischen oder strafrechtlichen Kriterien bewerten, sondern mit den Maßstäben der Militärstrategie und Machtpolitik. Sonst wendet man sich von der Zeitgeschichte ab. Das kann man tun. ..." Ersetzen Sie Oberst Klein durch Kissinger, und Sie haben ungefähr das Kondensat dessen, was sie mir vor ein paar Wochen vorhielten, als ich Kissinger als Verbrecher bezeichnete. Nun bestehen Sie auf dem Begriff Kriegsverbrechen. Warum diese Hundertachziggradwendung? |
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Lieber oca, ich habe fast ein bisschen Angst, das Fass wieder aufzumachen. Sie sind immer so ... heftig.
Aber ich nehme das ernst, was Sie schreiben. Versuch einer Erklärung - mit der ich mich angreifbar mache, das ist mir klar. Aber ob Sie dann gemeinsam mit mir versuchen, den Dingen wirklcih auf den Grund zu gehen, oder lieber den leichteren Weg der Polemik nehmen, sehen wir dann. Der Mensch Georg Klein befand sich in seiner Funktion als Oberst der Bundeswehr in der Lage, einen Befehl geben zu können oder ihn eben nicht zu geben. Er musste den Befehl nicht geben. Und er musst ihn nicht so geben, wie er es getan hat. Er hatte Freiheitsräume des Handelns und hat sich für eine Variante entschieden. Dabei gab es klare Verfahrensregeln, die nach meinem Stand der Kenntnis nicht eingehalten wurden. Das heisst, auch das gesellschaftliche Subsystem zu dem Klein gehört - Militär / ISAF / Bundeswehr - missbilligt seine Entscheidungen. Das ist wichtig. Weil es hier nicht um unterschiedliche weltanschaulich begründete Bewertungen geht. Kleins "eigene Leute", seine peer group muss ihm vorwerfen, dass er ein klar definiertes Set von Regeln verletzt hat. Oder, noch klarer: Klein hat die Regeln verletzt, die er selber anerkennt. Ob diese Verletzung überschwappt in ein straf- oder völkerrechtliches Verfahren ist eine andere Frage. Ich würde das begrüßen. Es ist darum für mich sehr einfacher und klarer in Kleinen einen "Kriegsverbrecher" zu sehen als in dem Politiker Kissinger, bei dem es unweit schwieriger sein dürfte die Regelverletzungen zu beschreiben. Welche Regeln? Wie hat er sie verletzt? Für was ist er unmittelbar verantowrtlich zu machen? War sein Verhalten untypisch für die Umständen, in denen er sich befand? Das sind Fragen, über die man lange streiten kann - und man wird, je nach den eigenen Auffassungen über die internationale Politik, ihre Usancen und Regeln und natürlich über die damalige internationale Lage, zu sehr verschiedenen Ergebnissen kommen. Ich glaube nicht, dass die Spreizung der Ergbenisse im Fall Klein ebenso groß sein kann. Weil der Fall eben ganz, ganz anders gelagert ist - und nicht vergleichbar mit dem Fall Kissinger. JA |
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schrieb am
07.12.2009 um 23:08
das ist keineswegs eine Hundertachziggradwendung. Dies ist lediglich ein wunderschöner Beispiel für Verbrechenstop
"...Von einem Parteimitglied wird nicht nur verlangt, daß es die richtigen Ansichten, sondern auch, daß es die richtigen Instinkte hat. Viele der von ihm geforderten Glaubensbekenntnisse und Meinungen sind nie deutlich festgelegt worden und könnten auch gar nicht festgelegt werden, ohne die im Engsoz ruhenden Widersprüche aufzudecken. Wenn er ein von Natur strenggläubiger Mensch ist (in der Neusprache: ein Gutdenker), dann wird er unter allen Umständen wissen, ohne erst nachdenken zu müssen, was der richtige Glaube ist oder wie seine Empfindung geartet sein soll.(...) Verbrechenstop bedeutet die Fähigkeit, gleichsam instinktiv auf der Schwelle jedes gefährlichen Gedankens haltzumachen. Es schließt die Gabe ein, Analogien nicht zu erkennen, logische Irrtümer nicht aufdecken zu können und die einfachsten Argumente mißzuverstehen, sofern sie Engsozfeindlich sind, sowie von jedem Gedankengang gelangweilt oder abgestoßen zu werden, der in eine ketzerische Richtung führen könnte..." (Orwell, 1984. "Unwissenheit ist Stärke") |
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schrieb am
07.12.2009 um 23:25
irgendwie ist ein Teil meines Beitrags verschwunden. Hier der fehlende Teil
"...Zwiedenken bedeutet die Gabe, gleichzeitig zwei einander widersprechende Ansichten zu hegen und beide gelten zu lassen. Der Partei-Intellektuelle weiß, in welcher Richtung seine Erinnerungen geändert werden müssen. Er weiß deshalb auch, daß er mit der Wirklichkeit jongliert. Aber durch das Einschalten des Zwiedenkens beschwichtigt er sich auch dahingehend, daß der Wirklichkeit nicht Gewalt angetan wird. Das Verfahren muß bewußt sein, sonst würde es nicht mit genügender Präzision ausgeführt werden, es muß aber auch unbewußt sein, sonst brächte es ein Gefühl der Falschheit und damit der Schuld mit sich. Zwiedenken ist der eigentliche Wesenskern von Engsoz, denn das grundlegende Verfahren der Partei besteht ja darin, eine bewußte Täuschung auszuüben und dabei eine Geradheit und Entschlossenheit zu bewahren, wie sie sonst nur restloser Ehrlichkeit eignet. Bewußte - Lügen zu erzählen, während man ehrlich an sie glaubt; jede Tatsache zu vergessen, die unbequem geworden ist, um sie dann, wenn man sie wieder braucht, nur eben so lange, als es notwendig ist, aus der Vergessenheit hervorzuholen; das Vorhandensein einer objektiven Wirklichkeit zu leugnen und die ganze Zeit hindurch die geleugnete Wirklichkeit in Betracht zu ziehen — alles das ist unerläßlich notwendig..." |
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@ oca,
Sie schreiben: "....Man sollte seine Entscheidungen nicht nach moralischen oder strafrechtlichen Kriterien bewerten, sondern mit den Maßstäben der Militärstrategie und Machtpolitik...." Dazu fällt mir ein, bei Oberst Klein wird es in voller Kenntnis, dass die Bundeswehr in Afghanistan als Parlamtensarmee ein Mandat hat, das Kampfeinsätze nicht vorsieht, sich in den Anfangsverdacht gesetzt, das Grundgesetz samt Beschlusslage des Deutschen Bundestages bewußt zu missachten.Es wird also,neben einer strafrechtlichen wie völkerrechtlichen, auch um eine militärstrategische wie machtpolitische Bewertung gehen, ob die BUndeswehr sich weiter als Parlamentsarmee begreift, gebunden fühlt, oder eine unkalkulierbare Eigendynamik ihres Offzierskorps bei Auslandseinsätzen entfaltet? Dass Minister der Verteidigung zu Guttenberg über die Köpfe der Parlamentarier/innen, anwesende Offiziere der Bundeswehr in den Besucherrängen des Deutschen Bundestages direkt anspricht, halte ich für einen unerhört stillos wie respektlosen Akt gegenüber unserem Verfassungsorgan, den Deutschen Bundestag. Diese Art medienpräsente Durchstecherei eines Ministers der Verteidigung zu Guttenberg halte ich für einen heillosen Rückfall in vordemokratische Verhaltensmuster. tschüss JP |
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schrieb am
08.12.2009 um 12:39
Lieber J.A., chapultepec hat Ihnen mit einer schönen Polemik geantwortet. Eigentlich sagt schon Orwells Titel alles: "Unwissenheit ist Stärke". Nur aus Ihrer selbstverschuldeten geschichtlichen Unwissenheit heraus können Sie überhaupt argumentieren. Chapultepec hat sich auch viel stärker als ich in früheren Diskussionen bemüht, Ihnen ein paar geschichtliche Ereignisse nahe zu bringen. Ohne Erfolg.
Ich habe in dieses Fenster seit gestern schon so viele Antworten an Sie geschrieben und sie alle wieder gelöscht, weil nichts darin stand, auf dass Sie nicht auch selber kommen könnten, wenn Sie nur wollten. |
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oca,
wohl wissend, dass Sie Zustimmung von meiner Seite vielleicht nicht schätzen mögen: Sie haben mit Ihrer Kritik an JA wegen seiner Aussagen zu Kissinger recht. Ich dachte auch daran, in dieselbe Kerbe zu hauen, als ich diesen Artikel hier las, lobte ihn dann aber gleichwohl, denn Herr Augstein könnte ja etwas gelernt haben. Er zeigte allerdings Größe, wenn er Ihnen antwortete. |
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Hallo oca, J.A.
ich meine, daß Kissinger nicht nur ein Kriegsverbrecher ist. Es stimmt es ist ein sehr intelligenter Mensch, daher wußte er auch stets, berechnend was er in Südamerika machte. Er hat sehr viel Blut an seinen Händen kleben, davon bin ich überzeugt. Ich denke nach seinem Tod wird das ganze Ausmaß so langsam ans Tageslicht kommen. Aber allein davon ausgehend wie viele, der USA nicht genehme Regierungen mit aktiver Hilfe der USA (in Kissingers Zeit)gestürzt wurden, ist davon auszugehen, daß es Befehle gab keine Gefangene zu machen. Diese Länder befanden sich nicht im Krieg mit den USA. In einigen Interviews hat er es auch schon indirekt zugegeben und verweist sogar auf die Zeit nach seinem Tod, in der Hoffnung wohl, daß sich das politische System der USA weltweit durchgesetzt hat. Wenn nicht, ist es ihm auch egal. Zu unserer FDJ AgitProp Sekretärin kann man eigentlich nur sagen, einen größeren Fake als diese Bundeskanzlerin habe ich noch nie erlebt. Ich weiß überhaupt nicht wie man diesem Menschen, bei ihrer Geschichte, überhaupt Glauben kann. Seit von ihr das Foto auf Havemann´s Grundstück aufgetaucht ist und sie die Veröffentlichung mit scheinheiligen Argumenten verbietet, steht für mich endgültig fest, daß sie es mit der Wahrheit nicht so ernst nimmt. Ich hätte auch nie geglaubt, daß so etwas vom medialen Mainstream dermaßen protegiert wird. In diesem Staat läuft etwas gewaltig schief.. |
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Lieber JA,
ich habe einen Moment nachgedacht, ob es mir zustünde, auf Ihre Antwort an oca hin dessen Riposte vorzugreifen, und vielleicht hätte ich auch warten sollen oder einfach einmal stille sein. Dennoch: Oberst Klein befand sich in einer schwierigen, unmittelbaren Stresslage, sehr wahrscheinlich jedenfalls; ob er sich mal ein paar heimliche Bierchen gegönnt hat, das weiß ich nicht; aber er saß jedenfalls nicht gemütlich beim 24-jährigen Malzwhisky in New York oder Washington und konnte sich ganz relaxed überlegen, wie man von wem am besten eine Regierung stürzen oder ein ganzes Land überfallen lässen könne. Ich glaube, Sie kommen schon noch auf den richtigen Weg, weg von den Kissingers, und ich will Ihnen meinen Respekt dafür ausdrücken, dass Sie oca geantwortet haben. |
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Also Herr Göllner - Vom Bekanntwerden des Diebstahls der Tanklastzüge bis zum Bombeneinsatz hatte Klein fast 6 Stunden Zeit, sich auf die Situation einzustellen – vom Zeitpunkt der Zielerkennung bis zur Bombadierung ca 2 Stunden.
Und die Piloten haben ihm sogar noch Tipps gegeben – er hätte sich, wenn er wirklich gestresst gewesen wäre, auf diesen anscheinend erfahrenen Piloten verlassen und seinem Rat folgen können. Aber vielleicht war er ja wirklich volltrunken... Er war der Situation nicht gewachsen oder hatte - uns unbekannte Gründe - so zu handeln – der Mann sollte seine Uniform an den Nagel hängen und Verantwortung übernehmen. |
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@ Fro,
vielen Dank. dass Sie verdeutlichen, über was wir hier aigentlich reden. Siehe dazu auch meinen Blog Beitrag: www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/verteidigungsminister-zu-guttenberg-schwoert--klein-nibelungentreue und siehe dazu: maybritillner.zdf.de/ZDFforum/foren/sendungen/frontal21/F4579/msg2350514.php Gegen Spekulationen helfen Fakten. 20.00 Uhr Ein afghanischer Informant meldet dem Bundeswehr-Camp in Kunduz die Entführung zweier Tanklaster 21.14 Uhr Auf Anforderung des deutschen Camps trifft ein B1-Bomber über der Region Kunduz ein 0.00 Uhr Er lokalisiert die beiden Trucks auf einer Sandbank und sendet die ersten Schwarz-Weiß-Videobilder an die Kommandozentrale im deutschen Camp. Dort sitzen der Chef des Lagers, Oberst Georg Klein, und Oberfeldwebel W. ("Roter Baron"). 0.50 Uhr Aus dem deutschen Camp fragt "Roter Baron" erneut bei der Nato-Luftzentrale nach Luftunterstützung an. Von dort wird zurückgefunkt, dass eine direkte Feindberührung Voraussetzung für den Einsatz eines Kampfflugzeugs über Kunduz sei. Der deutsche Oberfeldwebel erklärt daraufhin per Funk, es bestehe Feindkontakt, im Nato-Jargon "troops in contact" oder TIC genannt, obwohl sich gar keine Nato-Soldaten oder afghanische Kräfte in der Nähe der beiden Tanker befinden. 1.08 Uhr Zwei F-15-Jagdbomber treffen über der Region ein. Sie liefern wieder Live-Bilder. Einer der Piloten meldet: keine "friendly forces", also deutsche oder afghanische Truppen in der Nähe der Trucks. Nahe den Tankern sieht der Pilot rund 50 Aufständische, so seine Meldung. Der deutsche Oberfeldwebel bittet die US-Piloten, sechs Bomben fertig zu machen und in möglichst hoher Höhe über dem Tatort zu kreisen. 1.30 Uhr "Roter Baron" gibt Einsatzdetails zum Bombenabwurf weiter, erwähnt ausdrücklich, dass die Zeit dränge und keine alliierten Kräfte in der Nähe seien. 1.33 Uhr Einer der F-15-Piloten bittet das deutsche Feldlager um weitere Aufklärung des Tatorts. "Red Baron" hingegen gibt an die Piloten den eindeutigen Befehl des deutschen Oberst Georg Klein zum Abwurf von Bomben weiter. Sie sollen direkt auf die Sandbank gezielt werden. 1.36 Uhr Der Pilot fragt per Funk an, ob er eine Schleife in niedriger Höhe über die Tanker fliegen soll, um "die Personen auseinander zu scheuchen". "Roter Baron" lehnt dies ab. 1.46 Uhr Der Pilot fragt per Funk, ob die Personen um die Tanker eine "unmittelbare Bedrohung" darstellen. Der Zustand des "imminent threat" ist die Voraussetzung für einen Bombenabwurf durch die Nato. Obwohl zu diesem Zeitpunkt weder Nato-Soldaten in der Nähe der Tanker sind und diese fast 15 Kilometer vom deutschen Camp entfernt feststecken, bestätigt "Roter Baron" die Anfrage und legitimiert damit den Angriff. 1.50 Uhr Zwei Bomben vom Typ GBU-38 werden abgeworfen |
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schrieb am
08.12.2009 um 00:26
Zwei Tanklaster entführt, die Fahrer ermordet, es ist mitten in der Nacht, die nächste Siedlung weit entfernt und dann 50 wahrscheinliche Taliban vor sich auf dem Präsentierteller - welcher Militär würde da nicht gerne bombardieren? Wenn nur diese vermaledeiten Einsatzregeln nicht wären. Also wird die Situation eben den Einsatzregeln gemäß zurechtgelogen.
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JA steht vor dem immer gleichen Dilemma: für jedes politische oder Kriegsverbrechen gibt es Ideengeber, Befehlshaber und ausführende Handlanger. Kann man George Bush für die Folterungen von Abu Ghraib strafrechtlich verantwortlich machen? Nach der Logik von JA nicht, denn er ist nur einer, der im Reigen seiner Militärs und Sicherheitsberater vielleicht gesagt hat: "Da müsste man mal härter durchgreifen." Vielleicht hat er auch nur genickt, als dieser Satz von einem der Sicherheitsberater kam.
Es ist unwahrscheinlich, dass Kissinger mit Pinochet oder einem DINA-Genaral die Morde an chilenischen Oppositionellen geplant hat. Aber sicher ist, dass er die us-amerikanische Unterstützung für den Putsch mit organisiert hat und dass er organisiert hat, dass in Kenntnis der Mordmaschinerie, die von Pinochet in Gang gesetzt wurde, dieses Regime weiterhin die Unterstützung der USA hatte. JA hat keine moralischen Skrupel, sich mit den politischen Verantwortlichen und Hintermännern an einen Tisch zu setzen, aber er hätte diese Skrupel, wenn er wüsste, dass es sich um einen der Handlanger handelt, der gerade aus dem Foltergefängnis kommt und sich nun ans Bankett setzt. Die Verlogenheit besteht eben genau darin, dass die Ideen- und Auftraggeber sich auf jedem Bankett wohlfühlen dürfen, die Handlanger auf die Ächtungsliste kommen. Keiner empfängt gerne den Henker, aber der Staatsanwalt und der Richter sind gern gesehene Gäste. Es kann sein, dass der Oberst Klein ein schießwütiger Militär ist, der es leid war, im US-Casino als "Weichei" verlacht zu werden und endlich mal zeigen wollte, dass Deutsche immer noch Krieg führen können. Das wäre eine individuelle Schuld, die überprüft, verfolgt und geahndet werden müsste. Aber er wäre genauso Opfer. Opfer einer politischen Entscheidung, in einen Kriegseinsatz einzustimmen, Menschen (Soldaten) in einen Krieg zu senden, der Öffentlichkeit weis zu machen, dies sei Aufbauhilfe, und im entscheidenden Moment als dort eine Entscheidung, möglicherweise eine Fehlentscheidung, getroffen wurde zu sagen: das waren nicht wir, das war der Oberst Klein. Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Jung und die in dieser Zeit amtierende Bundeskanzlerin Merkel sowie der ehemalige Búndeskanzler Schröder und die ehemaligen Außenministe Fischer und Steinmeier werden weiterhin an jedem Bankett ihren Platz haben. Oberst Klein dagegen wird von der gesellschaftlichen Elite einschließlich JA gemieden werden, denn er hat das Blut an den Händen. Er wird dann seinen Platz bei den "Patrioten" und "national Gesinnten" haben, wo eine neue Folge der "Dolchstoßlegende" erfunden wird. Das ist die Logik des Krieges und die Logik der gesellschaftlichen Eliten: alles zu bestimmen aber für nichts verantwortlich zu sein. |
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schrieb am
09.12.2009 um 11:58
Volle Zustimmung. Bei J.A. scheint es auch noch eine weitere Komponente zu geben. Er schreibt, dass man bei der Bewertung von Kissingers Handlungen je nach Meinung über die damalige "internationale Lage" zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen wird. Das ist zweifellos auch richtig, nur dass Kissinger nur dann bei dieser Bewertung einigermaßen gut abschneiden wird, wenn man meint, dass zur Aufrechterhaltung der Vormachtstellung der westlichen Welt in der "Systemkonfrontation" jedes Mittel recht war. Einschließlich Unterstützung von Terroranschlägen, Umsturz demokratisch gewählter Regierungen, massiver Einsatz von Folter und Mord, massiver Einsatz von Luftangriffen gegen die Zivilbevölkerung im Vietnamkrieg, in dem Oberst Kleins Bombenangriff nur eine Fußnote wert gewesen wäre (ohne ihn relativieren zu wollen), etc. etc.
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schrieb am
09.12.2009 um 17:00
vergessen Sie nicht, die "geheime" Bombardierung von Kambodscha...
"...To put 2,756,941 tons into perspective, the Allies dropped just over 2 million tons of bombs during all of World War II. Cambodia may be the most heavily bombed country in history..." www.yale.edu/cgp/Walrus_CambodiaBombing_OCT06.pdf s. den "cambodian genocide program" der Universität Yale (www.yale.edu/cgp/us.html) 1. Kenton Clymer, The United States and Cambodia, 1870-1969: From Curiosity to Confrontation (New York and London: Routledge, 2004); and vol. II, The United States and Cambodia, 1969-2000: A Troubled Relationship (Routledge, 2004). 2. "The US Bombardment of Cambodia, 1969-1973," by Ben Kiernan, Vietnam Generation, 1: 1, Winter 1989, pp. 4-41. "Bombs over Cambodia" 3. Nixon and Kissinger escalate the bombing of Cambodia, Dec. 9, 1970 (declassified transcripts of telephone conversations): Document 1: Nixon and Kissinger Document 2: Kissinger and Haig 4. William Shawcross, Sideshow: Kissinger, Nixon and the Destruction of Cambodia (New York, Simon and Schuster, 1979). 5. Ben Kiernan, How Pol Pot Came to Power: Colonialism, Nationalism and Communism in Cambodia, 1930-1975 (London, Verso, 1985; 2nd ed., Yale University Press, 2004), pp. 285-86, 349-61, 370-71, 389ff. 6. CGP Interactive Maps of the US bombardment of Cambodia, 1965-1973, and the Khmer Rouge genocide, 1975-1979. |
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schrieb am
09.12.2009 um 17:07
Kambodscha hat übrigens die HÄLFTE! der Fläche Deutschlands. 2.76 Tonnen Bomben auf die 180 000 km², nicht schlecht Herr Kissinger.
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schrieb am
09.12.2009 um 17:34
man sollte auch Osttimor nicht vergessen
"...Ford and Kissinger visited Jakarta, I think it was December 5 (1975). We know that they had requested that Indonesia delay the invasion until after they left because it would be too embarrassing. And within hours, I think, after they left the invasion took place, on December 7..." "...By 1978 it was approaching really genocidal levels. The church and other sources estimated about two hundred thousand people killed. The U.S. backed it all the way. The U.S. provided ninety percent of the arms. Right after the invasion arms shipments were stepped up. When the Indonesians actually began to run out of arms in 1978, the Carter administration moved in and increased arms sales. Other western countries did the same. Canada, England, Holland, everybody who could make a buck was in there trying to make sure they could kill more Timorese. There is no Western concern for issues of aggression, atrocities, human rights abuses and so on if there's a profit to be made from them. Nothing could show it more clearly than this case..." "...It wasn't that nobody had ever heard of East Timor; crucial to remember that there was plenty of coverage in The New York Times and elsewhere before the invasion. The reason was that there was concern at the time over the breakup of the Portuguese empire and what that would mean. There was a fear that it would lead to independence or Russian influence or whatever. After the Indonesians invaded the coverage dropped. There was some, but it was strictly from the point of view of the State Department and Indonesian generals. It was never a Timorese refugee. As the atrocities reached their maximum peak in 1978 when it really was becoming genocidal, coverage dropped to zero in the United States and Canada, the two countries I've looked at closely. Literally dropped to zero. All this was going on at exactly the same time as the great protest of outrage over Cambodia. The level of atrocities was comparable-in relative terms it was probably considerably higher in Timor. It turns out that right in Cambodia in the preceding years, 1973-1975, there was also a comparable atrocity for which we were responsible..." "...The major U.S. attack against Cambodia started with the bombings of the early 1970s. They reached a peak in 1973 and continued up to 1975. They were directed against inner Cambodia. Very little is known about them because the media wanted it to be secret. They knew it was going on they just didn't want to know what was happening. The CIA estimates about six hundred thousand killed during that five-year period which is mostly either U.S. bombing or a U.S.-sponsored war. So that's pretty significant killing. Also the conditions in which it left Cambodia were such that high U.S. officials predicted that about a million people would die in the aftermath just from hunger and disease because of the wreckage of the country. There's also pretty good evidence from U.S. government sources and scholarly sources that the intense bombardment was a significant force-maybe a critical force-in building up peasant support for the Khmer Rouge, who before that were a pretty marginal element. Well that's just the wrong story..." "...After 1975, atrocities continued and that became the right story, because now they are being carried out by the bad guys. Well, it was bad enough, in fact current estimates are that -- well, you know, they vary. I mean, the CIA claim fifty to a hundred thousand people killed and maybe another million or so who died one way or another. Michael Vickery is the one person who has given a really close detailed analysis. His figure is maybe seven hundred fifty thousand deaths above the normal. Others, like Ben Kiernan, suggest higher figures but so far without a detailed analysis. Anyway, it was terrible, no doubt about it. Although the atrocities -- the real atrocities -- were bad enough, they weren't quite good enough for the purposes needed. Within a few weeks after the Khmer Rouge takeover, The New York Times was already accusing them of genocide. At that point maybe a couple of hundred or maybe a few thousand people had been killed. And from then on it was a drum beat, a chorus of genocide. The big best-seller on Cambodia, on Pol Pot, is called Murder in a Gentle Land. Up until April 17, 1975, it was a gentle land of peaceful smiling people and after that some horrible holocaust took place. Very quickly, a figure of two million killed was hit upon. In fact, what was claimed was the Khmer Rouge boast of having murdered two million people. The facts were very dramatic. In the case of atrocities committed by the official enemy, extraordinary show of outrage, exaggeration, no evidence required, faked photographs were fine, anything goes..." web.archive.org/web/*/http://www.zmag.org/chomsky/mc/mc-script-6.html |
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Ein wunderbarer Satz: Kriege widersetzen sich den langsam zuwartenden Bewegungen des postdemokratischen Politmanagements. Yeah. Right on.
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Oberst Klein wird eher noch Aufnahme bei den Grünen finden denn bei deutschen Patrioten: Letztere haben diesen Krieg genauso wie jenen gegen den Irak von Anfang an mit überwältigender Mehrheit abgelehnt.
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schrieb am
09.12.2009 um 15:46
die rot-grüne Regierung war offiziell gegen den Krieg, aber eben nur "offiziell"
“…Ein Staat, der sich – aus welchen Gründen auch immer – ohne einen solchen Rechtfertigungsgrund über das völkerrechtliche Gewaltverbot der UN-Charta hinwegsetzt und zur militärischen Gewalt greift, handelt völkerrechtswidrig. Er begeht eine militärische Aggression”. (…) Und – so das Gericht weiter mit Blick auf die deutschen Unterstützungsleistungen für die US-Aggression am Golf: “Eine Beihilfe zu einem völkerrechtlichen Delikt ist selbst ein völkerrechtliches Delikt.” (…) Darüber hinaus legen die Bundesverwaltungsrichter konzis die Bestimmungen des V. Haager Abkommens von 1907 dar, das die Neutralitätspflicht eines nicht an einem bewaffneten Konflikt beteiligten Staates kodifiziert. Das in der Debatte um den Irak-Krieg kaum je erwähnte völkerrechtliche Abkommen, das 1992 Eingang in die vom Bundesverteidigungsminister erlassene Zentrale Dienstvorschrift 15/2 gefunden hat, birgt Implikationen, die im Rückblick auf das Jahr 2003 nachgerade atemberaubend erscheinen: Danach hätte sich die Bundesrepublik allenfalls auf der Seite des Opfers – also des Iraks – an dem militärischen Konflikt beteiligen dürfen, keinesfalls an der Seite des Aggressors USA. Da sie dies nicht getan hat, war sie zur Neutralität verpflichtet und durfte auf ihrem Territorium keine der Konfliktparteien unterstützen…” Gewissen in Aufruhr Das Bundesverwaltungsgericht rügt die rot-grüne Regierung wegen der faktischen Unterstützung des Irak-Krieges und stärkt den "Staatsbürger in Uniform" Brisante Urteilsbegründung | 14.10.2005 00:00 | Jürgen Rose www.freitag.de/datenbank/freitag/2005/41/brisante-urteilsbegruendung/print |
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schrieb am
09.12.2009 um 15:58
Nachtrag:
"...Verboten war es daher, deutsches Hoheitsgebiet (inklusive des Luftraums) für Truppen- und Versorgungstransporte jeder Art in Anspruch zu nehmen. Auch die auf deutschem Boden befindliche Kommunikations- und Führungsinfrastruktur durfte durch die kriegführenden Streitkräfte in keiner Weise genutzt werden. Die Bundesrepublik Deutschland wäre verpflichtet gewesen, aktiv gegen jede Neutralitätsverletzung tätig zu werden - notfalls mit Gewalt. Die amerikanischen und britischen Streitkräfte, die sich auf deutschem Hoheitsgebiet befanden, wären daran zu hindern gewesen, an den Kampfhandlungen im Irak teilzunehmen - nach Beginn des Krieges wäre ihre Internierung unumgänglich gewesen. Mehr noch: Soldaten der USA und ihrer Verbündeten, die im Irak aktiv an Kampfhandlungen beteiligt waren, hätte man bei ihrer Rückkehr nach Deutschland in Haft nehmen müssen. Aus dieser Analyse der Rechtslage leiten die Leipziger Richter jedenfalls "gravierende völkerrechtliche Bedenken" sowohl gegen den Irak-Krieg selbst als auch gegen die hierfür erbrachten deutschen Hilfsleistungen ab..." Gewissen in Aufruhr Das Bundesverwaltungsgericht rügt die rot-grüne Regierung wegen der faktischen Unterstützung des Irak-Krieges und stärkt den "Staatsbürger in Uniform" Brisante Urteilsbegründung | 14.10.2005 00:00 | Jürgen Rose www.freitag.de/datenbank/freitag/2005/41/brisante-urteilsbegruendung/print |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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