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Implantate | 19.01.2012 17:25 | Kira Cochrane

Für eine stolze Brust

Warum lassen sich Frauen den Busen operieren? Ein Blick zurück auf 50 Jahre Silikon. Und 150 Jahre Selbstverachtung

Es war 1962, als man Timmie Jean Lindsey die Lösung zu einem Problem anbot, das für sie gar nicht existierte. Die Fabrikarbeiterin aus Texas hatte mit 15 Jahren geheiratet, sechs Kinder zur Welt gebracht, sich mit Mitte 20 scheiden lassen und dann etwas mit einem Mann angefangen, der sie zu einem Tattoo im Dekolleté überredete. Als die Beziehung scheiterte, umrankten Rosen Lindseys Brüste, und sie beschloss, das Tattoo entfernen zu lassen. In einer Klinik der Caritas sagte man ihr, eine Dermabrasion werde helfen. Aber den Ärzten kam noch eine andere Idee: Ob sie jemals über Brustimplantate nachgedacht hatte?

Hatte sie nicht. Die Möglichkeiten zu jener Zeit waren ohnehin recht primitiv. Es wurden Substanzen direkt in den Busen gespritzt oder Implantate aus Schwamm eingesetzt. „Der einzige Mensch, mit dem ich jemals über das Thema gesprochen hatte, war meine Cousine, die so eine OP hatte machen lassen“, sagt Lindsey. „Sie erzählte mir, dass sie manchmal nachts aufwache und ihre Brust plötzlich auf der falschen Seite liege. Und ich dachte: Mein Gott, so etwas will ich niemals haben!“

Dann saß sie in der Klinik. Thomas Cronin, der Leiter des Ärzteteams, war der Erfinder der ersten Brustimplantate aus Silikon. Die Idee dazu war ihm gekommen, als einer seiner Kollegen Blutbeutel von der Blutbank holte. „Sie fühlten sich weich wie Brüste an“, erinnert sich Thomas Biggs, damals einer von Cronins Assistenten. Bald darauf fuhr Cronin zu einer Tagung Plastischer Chirurgen und traf dort einen ehemaligen Schüler. Der erzählte ihm von einem neuen Material, auf das der Körper quasi nicht reagiere und das es flüssig und fest gebe – fest für eine Hülle, flüssig für eine Füllung.

Matratze statt Medizin

Der Prototyp wurde bald einem Hund namens Esmeralda eingepflanzt. Und weil alles gut ging, wandten sich die Ärzte an Lindsey. „Sie fragten mich, ob ich diese Implantate haben wolle. Ich war mir nicht sicher und sagte, dass ich eigentlich nur über eine Korrektur meiner Ohren nachgedacht hätte. Und sie sagten, okay, die machen wir dann gleich mit. Da war ich einverstanden.“

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Die 50-jährige Geschichte der Brustimplantate, eine Geschichte der Kontroversen und des Erfolgs, hatte begonnen. Anfangs ahnte allerdings niemand, wie unfassbar populär die operative Brustvergrößerung werden würde. Jüngste Zahlen zeigen, dass sie in den USA mit mehr als 318.000 Vergrößerungen der beliebteste kosmetische Eingriff 2010 war. Für Großbritannien und Deutschland (siehe Kasten) existieren bislang keine vollständigen Register, doch ist für Großbritannien anzunehmen, dass die Zahl der OPs 2010 um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat. Weltweit, schätzt man, haben sich bis heute zwischen fünf und zehn Millionen Frauen operieren lassen. Viele haben es für die Schönheit getan und eine große Zahl, weil sie nach einer krebsbedingten Amputation ihre Brust rekonstruieren lassen wollten.

Aber die Bedenken waren immer da, und der jüngste Tumult ist wohl der verstörendste von allen: Vor zwei Jahren, nachdem Gerüchte über undichte Implantate des französischen Herstellers Poly Implant Prosthesis (PIP) aufgekommen waren, stellte sich heraus, dass die Firma die Kissen nicht mit CE-klassifiziertem medizinischem Silikon gefüllt hatte, sondern mit Industriesilikon, mit dem normalerweise Matratzen hergestellt werden (siehe Kasten). Im Dezember gab es Berichte über eine Verbindung zwischen diesen minderwertigen Implantaten und Brustkrebs. Catherine Kydd hat deshalb jetzt eine Facebook-Seite für Betroffene eingerichtet: Sie ist wütend, weil das britische Gesundheitssystem nicht in vollem Umfang dafür Sorge trägt, dass die defekten Implantate ersetzt werden. Die Engländerin hatte sich 2004, nach der Geburt ihrer zwei Kinder, PIP-Implantate einsetzen lassen.

Brutales Rubbeln

Fünf Jahre später fühlte sie einen Knoten in ihrer Brust. In Kydds Familie gibt es eine Veranlagung für Brustkrebs, also schickte der Arzt sie zum Ultraschall. „Es zeigte sich, dass es nicht Krebs war – aber mein linkes Implantat war geplatzt, und das Silikon hatte sich schon bis in die Lymphknoten meiner linken Achsel verteilt.“ Das passierte, einen Monat nachdem die Garantie für das Implantat abgelaufen war. Die Klinik wollte 6.500 Pfund dafür, die Sache in Ordnung zu bringen, erst nach einigem Hin und Her entfernte sie die Implantate kostenlos. „Ich bin froh, dass die Dinger raus sind“, sagt Kydd. „Aber ich habe dieses Industriesilikon noch immer in meinem Körper, und ich weiß nicht, ob es nur meine Lymphknoten erreicht hat.“

Warum gehen Frauen dieses Risiko überhaupt ein? Warum muss es von allen Körperteilen, die man verändern oder vergrößern lassen kann, ausgerechnet so unglaublich oft der Busen sein? Im Zuge der PIP-Debatte zeigt sich, dass es weithin mehr Verständnis dafür gibt, wenn Frauen sich nach einer Mastektomie (Brustamputation) operieren lassen, als wenn sie es einfach so für die Schönheit tun – was verlogen ist: Wenn es so nachvollziehbar sein soll, dass jemand wegen Krebs nicht ohne Brüste leben möchte und sie rekonstruieren lässt, düfte es auch nicht so schwer zu verstehen sein, dass Frauen mit extrem flachen Brüsten ebenfalls eine OP wollen.

Die Ziffern allerdings bleiben erstaunlich, ein Zeugnis von Unbehagen und Selbstverachtung in einer Kultur, die vor allem weibliche Körper als unbegrenzt modifizierbar betrachtet. Die Tatsache, dass die Zunahme der Brustvergrößerungen parallel zur zweiten Feminismus-Welle auftrat, macht das Ganze nur noch verblüffender. Die meisten Schönheitschirurgen sind dabei Männer, aber es wäre zu einfach zu denken, es gehe hier um eine Sache, die Männer den Frauen aufgezwungen hätten.

Injiziertes Paraffin

Die Autorin Teresa Riordan (Inventing Beauty, Broadway 2004) hat die Entwicklung der Schönheitsindustrie zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert analysiert. „Es ist phänomenal, was für verschiedene Vorrichtungen Frauen benutzt haben, um ihre Brüste größer zu machen“, stellt Riordan fest. Und: „Ich dachte, es seien immer Männer gewesen, die sich diese Mittel ausdachten, aber tatsächlich waren es meistens Frauen.“ In einem Buch aus dem 19.Jahrhundert, The Ugly Girl Papers, stieß sie etwa auf den Tipp, „sich die Brüste möglichst brutal mit einem groben Tuch zu rubbeln, um sie aufzupumpen“. Es gab Saugvorrichtungen und Apparate aus Draht, die wie ein Käfig um die Brüste gelegt wurden. Es gab seit ungefähr 1890 auch verschiedene Substanzen, die gespritzt wurden – Paraffin, zum Beispiel, und Tierfett. Nach dem zweiten Weltkrieg fing man an, Silikon direkt in die Brüste japanischer Frauen zu injizieren, damit sie sich dem westlichen Ideal nähern konnten. Cronins Gelimplantate waren so gesehen ein ausgesprochener Fortschritt.

Anfang der Sechziger sinnierten dabei auch der Erfinder und sein Kollege Frank Gerow über die Frage, warum Frauen sich so sehr größere Brüste wünschten. „Vielleicht liegt es an der großen Aufmerksamkeit, die Schauspielerinnen mit üppigem Busen geschenkt wird“, schrieben sie. „Viele Frauen mit schwach entwickelten Brüsten fühlen sich offenbar weniger weiblich und deshalb weniger attraktiv. Sie wären wohl alle glücklicher, wenn sie eine Vergrößerung haben könnten.“

Nach Ansicht der amerikanischen Literaturprofessorin Virginia Blum sind Brustimplantate seither absolut normal geworden. „Sie sehen unnatürlich aus, aber es ist natürlich, sie zu sehen. Sie sind Teil unserer ästhetischen Landschaft geworden.“ Der stete Anblick voller und nackter Brüste allein kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich immer mehr Frauen operieren lassen. Ist es möglich, dass Männer sich davon angezogen fühlen, wenn Frauen aussehen, als ob sie stillen, als ob sie fruchtbar sind? „Wenn man das zu Ende denkt, müssten auch Gebärhüften begehrt sein“, sagt Hayashi Danns, eine Schriftstellerin, die früher als Lap-Dancerin gearbeitet hat. „Aber die sind ein absolutes No-go. Und wenn es was mit der Muttermilch zu tun hätte – dann müssten Frauen ebenfalls von großen Brüsten angezogen sein. Denn auch viele Frauen sind gestillt worden.“

Abnutzung durch Babys

Mit der Funktionalität der Brüste scheint diese Ästhetik jedenfalls ganz grundsätzlich nichts zu tun zu haben. Vergrößerte Brüste sind sexuelle Objekte, aber ihre Erregbarkeit ist teils oder ganz verloren. Sie signalisieren Fruchtbarkeit, erschweren aber das Stillen. Sie bieten Frauen nach einer Amputation den Anblick einer gesunden Brust, der sie ihre Krankheit vergessen lässt. Aber gesund ist die vergrößerte Brust eben nicht. Sie repräsentiert lediglich die „unbenutzte, perfekte Brust“, sagt die US-Frauenwissenschaftlerin Marylin Yalom, „und ich sage unbenutzt, weil sie gar nicht stillen soll. Das reicht bis in die Renaissance zurück: Die Männer wollten nicht, dass ihre Frauen stillen, weil die Babys die Brüste abnutzten, ihre Form veränderten. Also traten die Ammen auf den Plan. Es wurde für Frauen eines bestimmten Standes unüblich, selbst zu stillen.“

Nicht zuletzt sind Brüste das größte sichtbare Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern. „Es ist das äußere Symbol der Frau, und man will das bestätigen“, sagt Thomas Biggs. An 8.000 OPs war er beteiligt, und er sagt, er habe angefangen zu verstehen, von welcher Bedeutung Brüste für das Selbstverständnis von Frauen seien. „Es mag etwas dran sein, dass Brustimplantate Männer anziehen sollen oder andere Frauen neidisch machen“, sagt der Arzt. „Aber die Wahrheit ist, dass sie den Frauen helfen, sich ihrer Identität zu versichern.“

Timmie Jean Lindsey ist heute 80 Jahre alt und nach wie vor berufstätig: Sie arbeitet im Schichtdienst in einem Pflegeheim, und die zwei experimentellen Silikon­sphären stecken noch immer in ihrem Oberkörper. Von den anderen elf Frauen aber, die etwa zur selben Zeit wie Lindsey operiert wurden, „hatten alle Komplikationen und Probleme“, sagt Biggs. Ob es ihm denn jemals Sorge bereitet habe, so vielen Frauen Säcke mit Silikon einzupflanzen? „Oh nein,“ winkt Biggs ab. „Ich bin niemand, der sich Sorgen macht.“

Kira Cochrane war bis 2010 Redakteurin für Gender- und Frauenthemen des Guardian. Heute schreibt sie für diese Zeitung Features.

Übersetzung und Bearbeitung: Kathrin Zinkant
 
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Artikelaktionen
Kommentare
memyselfandi schrieb am 19.01.2012 um 21:08
Zum Bild: Das geniale an Allen´s Film ist, dass er das Thema Silikon in eine Film-Episode setzt, in der ein wahnsinniger Sexualwissenschaftler seine Versuche in einem Labor betreibt, da treibt es ein Mann mit einer Semmel, eine Frau wurde ein Jahr mit Silikon gefüttert, damit sie attraktiv wird und eine riesige Brust bedroht die Menschen, die Allen bzw. seine Figur mit einem Kruzifix angeht.
eineBeitragerin schrieb am 20.01.2012 um 13:24
Ich denke es ist nützlich, die Frage zu stellen, warum es - historisch, wie gegenwärtig - die „Frauen“ sind, die sich aktiv mit "Körperarbeit" beschäftigen. Damit meine ich ganz vielfältige Aspekte rund um die Vergesellschaftung von Körpern, die von Schönheits-OP´s, Ernährung, Gesundheit, Sport über Mode usw. reichen. Interessanter Weise gibt es recht gängige bis hilflose Erklärungsmuster, die sich im Nebel verlieren: Etwa das des disziplinierenden "männlichen Blicks" oder der "verblödeten Frau, welche sich von medialer Körperinszenierung stressen lässt" (siehe Kommentare taz vom 12.1.12 taz.de/Silikon-und-Ideale/Kommentare/!c85422/). Das alles erklärt das ungeheure Ausmaß an Brust-Vergrößerungen, trotz gesundheitlicher Risiken nicht. Ich mutmaße, dass das Verhältnis zum Mann durchaus maßgeblich ist, aber in einem anderen Sinne. Denn wenn ich in der Veränderlichkeit von Körpern eine Selbstpotenzierung, im Sinne eines Heraustretens aus den erlebten Beschränkungen, ausmache, werde ich sie i.d.R. nutzen, weil mir andere Wege der emanzipatorischen Selbstveränderung vielleicht nicht möglich, oder zu anstrengend erscheinen. Ganz schlicht kann der veränderte Körper das Spektrum von Mutterkult über Sonnenbank gebräunte Nagelstudio-Besucherin oder eben makellos geformter Sportkörper annehmen und trotzdem durch etwas geeint sein, was in dem Verständnis vom Körper als Kapital mündet. Kapital, das im Rennen um knappe Güter (beruflicher Erfolg, eine gute Beziehungs-Partie, Unabhängigkeit usw.) bedächtig und je nach eigenem Milieu angelegt und verteidigt (weibliche Konkurrenz!) sein will .
Begibt man sich in die Niederungen der Frauen-Magazine, dann kann die Beobachtung „Frau steht vor dem gut gefüllten Kleiderschrank und sagt: „Ich habe nichts anzuziehen!“ besser deuten. Sich als „Frau“ bedächtig zu kleiden (sexy, klassisch, sportlich, verspielt, usw.) bedeutet, vorweg zu nehmen, wie ich an diesem Tag/Termin behandelt und wahrgenommen werden möchte (ernsthaft, kumpelhaft, unkompliziert, herzlich,…). Denn die eigenen (weil weiblichen) Identitäten sind weit instabiler in Zeiten ausdifferenzierter Lebensentwürfe, als es noch in starren Geschlechterrollen-Übereinkünften der Fall war.
Klingt es dann nicht verlockend durch eine Brust-OP die Selbstvergewisserung voranzutreiben und gleichzeitig eine finanziell sinnvolle Investition getätigt zu haben?
Columbus schrieb am 20.01.2012 um 17:32
Nur einige kleine Anmerkung zur Ergänzung des höchst aufschlussreichen Artikels, liebe Frau Zinkant.

Von direkten Silikoneinspritzungen (Japan) wusste ich bisher nichts. Das muss furchtbare granulomatöse Entzündungen gesetzt haben, weil das "inerte" Material häufig vom Körper in einer chronischen Entzündungsreaktion eingekapselt wird.

Brustimplantate sind, wie bereits im Beitrag erwähnt, ein großer Segen, weil z.B. nach einer Mamma CA -Resektionen, ein Eigenbild, einschließlich des als schön und identisch empfundenen Körperschemas, meist wieder hergestellt werden kann. Gerade das stellt diese Krankheit radikal mit in Frage und selbst gute Partnerschaften hängen an solchen Sachen (Bin ich noch attraktiv), was z.B. manche Partnerkrisen in der Kinderphase, da doch mit viel positiverem Hintergrund, schon bei einfachen Gewichtsproblemen, beweisen.

Gleiches gilt für die gar nicht so seltenen, unfallbedingten Verstümmelungen, für chronische Entzündungen des Brustdrüsengewebes und Brustverkleinerungen aus gesundheitlichen (orthopädischen) Gründen. Ein Segen, dass Brustimplantate möglich sind.

Die OPs sind an sich nicht schwierig. Aber grundsätzlich sollte Frau sich nicht von unerfahrenen oder zweifelhaft qualifizierten Ärzten (m/w) operieren lassen, und da den Rat ihrer Gynäkologen und/oder anderer Ärzte ihres Vertrauens einholen und auch annehmen. Besonders die schönheitschirurgische Reise sollte unter Vorbehalt stehen und dafür immer vorher gut recherchiert werden.

Die Vorstellung, Stillen verändere die Brüste unvorteilhaft, ist auch ein Vorurteil. Bei entsprechender Pflege über das Abstillen hinaus, mit etwas Sport und Kräftigung der Brustmuskulatur, strafft sich der muskuläre und bindegewebige Haltapparat und die Brust wirkt nicht nur voller, sondern auch ein wenig größer. Stillen verändert die Sensibilität, aber eher selten negativ! - Frühere Zeiten kannten mehr Geburten und die körperliche Belastung war dann deutlich höher. Das kann nicht mehr verglichen werden.

Sensibilität: Das ist natürlich stark vom Eingriff abhängig. Bei einer malignen Erkrankung wird man in der Regel nichts vom (Milch-)Drüsengwebe, dem Ausgangsgewebe des Tumors, erhalten. Aber heute bleibt meist die Mamille(Brustwarze), der Vorhof und die sensible Hautinnervation erhalten. Das größere Implantat kommt meist unter das Muskelgewebe, so, dass für einen Laien es schon schwer wird, nur anhand des Tastbefundes oder des Blicks zu unterscheiden. Die Narben sind meist ganz schwach sichtbar und werden nach Möglichkeit in den Hautlinien und Falten versteckt. Zudem wird heute mit verdeckten, kontinuierlichen Hautnähten gearbeitet.

Sind die Implantate nicht zu groß, dann können sie auch über einen Rundschnitt an der Mamille oder einem kleinen Schnitt in der Achsel eingeschoben und auf dem Brustmuskel platziert werden.

Höchst spannend, dass doch viel plastische Chirurgie aus dem Selbstbild, Wunschbild, der Frauen entsteht und eher wenig Männerwunsch-fixiert ist. Denn, wie z.B. Frau Blum andeutet und ich will das gerne ein bisschen stützen, sind die Frauenbilder der Männer, was denn nun sexuell attraktiv ist, nicht so stromlinienförmig einfältig. Androgyne und schlanke Frauen strahlen Anziehung aus, ebenso eben eher üppige und barocke Damen.

Ist es nun hauptsächlich Selbstverachtung, oder ein emanzipativer Akt der Selbsbestätigung, wenn Frauen sich ihr Körperbild mit Hilfe der Chirurgie (re)konstruieren? - Ich weiß es nicht sicher, denke aber, es ist in viel mehr Fällen eine selbstbestimmter Akt, dessen Motive ja durchsichtig und oberflächlich erscheinen mögen, der aber zumindest nicht fremdbestimmt ist.

Liebe Grüße
Christoph Leusch


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