Timescapes 1966–2023

Zum Programm Im Mittelpunkt der Ausstellung „Poesie der Zeit. Michael Ruetz – Timescapes 1966–2023“ im Akademie-Gebäude am Pariser Platz stehen die Timescapes von Berlin. Sie zeigen den tiefgreifende Wandel der deutschen Gesellschaft
Eröffnung der Ausstellung „Poesie der Zeit“ in der Akademie der Künste
Eröffnung der Ausstellung „Poesie der Zeit“ in der Akademie der Künste

Foto: Akademie der Künste

Wie lassen sich Zeit und Vergänglichkeit sichtbar machen, wie Umbrüche und Veränderungen einer Gesellschaft oder eines Stadtraumes dokumentieren? Wie kaum ein anderer Künstler hat sich Michael Ruetz, am 4. April 1940 in Berlin geboren, mit diesen Fragen beschäftigt. Seit Mitte der 1960er-Jahre beobachtete er in einer großangelegten fotografischen Studie den Wandel natürlicher und urbaner Lebenswelten an Orten in Berlin, Deutschland und Europa und hielt die Veränderungen in einer Folge von Bestands- und Momentaufnahmen fest. Seine Timescapes genannten Arbeiten entstanden in einem Zeitraum von fast sechzig Jahren und umfassen mehr als 600 Sequenzen mit tausenden von Aufnahmen. Das zentrale Konzept der Timescapes besteht darin, dass Standort und Sichtachse der Kamera stets dieselben sind, nur die Zeitintervalle der Bilderserien variieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung „Poesie der Zeit. Michael Ruetz – Timescapes 1966–2023“ im Akademie- Gebäude am Pariser Platz stehen die Timescapes von Berlin. Der tiefgreifende Wandel der deutschen Gesellschaft in der Nachkriegszeit, nach der Wiedervereinigung und in der Gegenwart ist in den Fotosequenzen besonders wirkungsvoll verdichtet. Schauplätze der Macht oder von historischer Relevanz wie der Potsdamer Platz, das Brandenburger Tor, der Schlossplatz, Gendarmenmarkt, das Regierungsviertel oder die Berliner Mauer haben vor allem seit 1989/90 eine rasante Änderung erfahren. Gebäude und Blickachsen verschwinden oder entstehen neu, Straßen werden zurückgeführt oder anders benannt, Plätze radikal umgestaltet, freie Flächen bebaut, Brachen wiederbelebt.

Ruetz’ Berlinaufnahmen erzählen davon, wie Architektur unsere Lebensräume aus- und umgestalten kann und damit eine Deutungshoheit über unsere Wahrnehmung erlangt. Dabei entwickeln seine Timescapes eine eigene Ästhetik abseits dokumentarischer Nüchternheit und offenbaren so eine Poesie der Zeit. Zugleich mahnen Ruetz’ Bilder dazu, in einer Zeit existentieller ökologischer und sozialer Krisen, die Prinzipien von Stadtentwicklung und Städtebau neu zu überdenken.

Die Timescapes und ihr umfangreicher dokumentarischer Apparat sind Bestandteil des Michael-Ruetz- Archivs der Akademie der Künste und ergänzen den Vorlass des Fotokünstlers und Chronisten. In der Kunstsammlung der Akademie sowie im Archiv Bildende Kunst befinden sich unter anderem bereits die Bilder aus der APO-Zeit, wie auch die privaten Aufnahmen von Joseph Beuys und das schriftliche Archiv mit den minutiös geführten Tagebüchern und Texten zu künstlerischen oder politischen Themen.

Mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste

05.06.2024, 09:21

Ausstellung: Weitere Artikel


Die Zeit eingefangen

Die Zeit eingefangen

Biographie Michael Ruetz größtes Werk ist eine fotografische Studie, in der er sich seit Mitte der 1960er-Jahre über fast sechzig Jahren der Visualisierung von Zeit gewidmet hat. Entstanden sind so mehr als 600 Sequenzen, die sogenannten Timescapes
Das Erfassen des Unsichtbaren

Das Erfassen des Unsichtbaren

Hintergrund Mit der Fotografie lassen sich nicht nur die Spuren der Zeit festhalten, sondern auch ihre Wirkung auf eine Landschaft, einen Stadtraum oder eine Gesellschaft erfassen. Ein Text der Kuratorin der Ausstellung, Franziska Schmidt
Facing Time

Facing Time

Dokumentarfilm Ergänzend zur Ausstellung wurde der 2023 von Annett Ilijew veröffentlichte Dokumentarfilm Facing Time über die fotografische Arbeit von Michael Ruetz präsentiert

Poesie der Zeit | Trailer

Video Trailer zur Ausstellung „Poesie der Zeit“. Michael Ruetz' Berlinaufnahmen erzählen davon, wie Architektur unsere Lebensräume aus- und umgestalten kann und damit eine Deutungshoheit über unsere Wahrnehmung erlangt


Dokumentarfilm | Trailer

Video Trailer des Dokumentarfilms „Facing Time“ von Annett Ilijew über die fotografische Arbeit von Michael Ruetz, der seine Arbeit am Timescapes Projekt dokumentiert