Voller Schönheit und Mitgefühl erzählt

Leseprobe Mit ihrem Sohn reist Susanna ins Dakota-Territorium. Sie will zu Sitting Bull, um ihn zu warnen. Ein Portrait, das sie von ihm malt, hängt heute im State Museum North Dakotas. Das ergreifende Abenteuer einer eigenwilligen und wagemutigen Frau
Ein Porträt von Sitting Bull, Oberhaupt der Kriegergesellschaft Strong Heart und ab 1867 Häuptling der gesamten Sioux-Nation
Ein Porträt von Sitting Bull, Oberhaupt der Kriegergesellschaft Strong Heart und ab 1867 Häuptling der gesamten Sioux-Nation

Foto: O.S. Goff/Hulton Archive/Getty Images

Der Wilde Mann

Da war dieses Mädchen. Ich wünschte, ich hätte sie gekannt. Ich wünschte, ich wäre schon auf der Welt gewesen, als sie dem Pferdeknecht Anton Morgenthaler, der doppelt so groß, dreimal so breit und fünfmal so schwer war wie sie, in einem Akt entschlossener Notwehr mit dem rechten Zeigefinger das linke Auge ausstach.

Sie hieß Susanna Faesch und war fünf Jahre alt an jenem Januarmorgen, an dem sie an der Hand ihrer Mutter aus dem Haus trat. Es war ein schönes Haus. Susannas Familie war eine der reichsten und ältesten der Stadt. Sie trug einen grauen Filzmantel, eine grüne Wollmütze und zwei schwarze Zöpfe, und sie hatte die gleichen weiten, dunklen Augen wie ihre Mutter und die gleiche helle Stirn.

Im Morgengrauen war ein dünner, kalter Regen auf die Stadt niedergegangen. Die Dächer glänzten. In den Pfützen spiegelten sich Wolken, die rasch vorüberzogen. Die Straße war voller Leute. Alle liefen in dieselbe Richtung. Schwarz gewichste Schuhe, schwarz-graue Röcke, schwarz-grau gestreifte Hosenbeine. Steife Hüte, spitzenbesetzte Bänderhauben. Offene Münder, die kleine Atemwolken ausstießen. Männer, die mit Spazierstöcken im Takt ihrer Schritte aufs Pflaster schlugen. Frauen, die mit eingerollten Regenschirmen anderen Frauen zuwinkten. Susannas Mutter winkte niemandem. Sie blieb vor der Tür stehen, als hätte sie etwas vergessen und versuchte, sich zu erinnern, was es war.

Das Mädchen zog sie an der Hand.

»Wollen wir gehen, Mama?«

Ihr Vater war vorausgegangen ins Zunftlokal. Es gab dort eine lange Tafel mit vielen Stühlen ringsum. Bei einem war der Name des Vaters in die Lehne geschnitzt. Die Brüder des Mädchens warteten schon am Rhein und warfen Kiesel ins Wasser.

Die ganze Stadt war auf den Beinen, um der Ankunft des »Wilden Mannes« beizuwohnen. Einmal im Jahr kam er aus den Tiefen des Waldes und fuhr unter Trommelwirbeln und Böllerschüssen auf einem Floß in die Stadt ein. Bald würde er an der Biegung des Flusses auftauchen und um exakt elf Uhr, mit dem Glockenschlag der Clarakirche, bei der Mittleren Brücke mit einem gewaltigen Satz an Land springen.

Der Wilde Mann musste auf die Minute pünktlich eintreffen, das war wichtig. Die Zunftleute achteten auf den Pegelstand, bevor sie das Floß in die Strömung stießen. Bei Niedrigwasser machten sie die Leinen etwas früher los, bei Hochwasser ein paar Minuten später. Zu berücksichtigen waren ferner die Stärke des Windes und dessen Richtung. Das klappte zuverlässig gut. Das Floß kam immer pünktlich an. Die Zunftleute verfügten über Erfahrungswerte. Ihre Vorfahren hatten Tabellen angefertigt. Der Brauch war tausend Jahre alt.

Es war kurz vor elf. Dumpf dröhnten die Böllerschüsse über die Dächer der Stadt hinweg. Wer jetzt noch nicht am Rheinufer war, musste sich beeilen. Susanna lief voraus, die Mutter mit verhaltenen Schritten hinterher. Sie gingen durch enge Gassen, vorbei an giebligen Fachwerkbauten mit kleinen Fenstern, steilen Dächern und verblichenen Familienwappen an den Dachuntersichten. Hinter rußgeschwärzten, moosig-düsteren Gemäuern verbargen sich liebliche Gärten, in denen im Frühling Rosen blühten und weißer Jasmin duftete.

Diese Stadt war in zweitausend Jahren vielfach zerstört worden durch Erdbeben, Feuersbrünste und Kriege, und ebenso oft aus ihren Ruinen wieder aufgebaut. Die Kalk- und Sandsteinquader, aus denen sie bestand, hatten zuvor in keltischen Langhäusern, römischen Kastellmauern und gotischen Handelskontoren gesteckt, und unter mancher modernen Biedermeier-Stadtvilla lag längst vergessen das Grab eines Kreuzritters oder eine Jauchegrube aus dem Mittelalter, die noch voll war mit dem stechend scharfen, sich selbst konservierenden Seich von Leuten, die seit tausend Jahren tot waren.

In dieser Stadt lebten hagere, schmallippige Menschen, die über viele Generationen fleißig als Kaufleute, Textilfärber und Seidenbandweber gearbeitet hatten. Manche Familien waren über die Jahrhunderte reich geworden, und einige sehr reich. Einige hatten so viel Geld angehäuft, dass ihre Kinder und Kindeskinder finanziell ausgesorgt haben würden bis ans Ende aller Tage – wenn sie nur klug genug wären, ihr Geld einfach auf der Bank zu lassen, die ihnen ja nebenbei auch gehörte, und mit den Zinsen ein angenehmes Leben zu führen. Aber früher oder später, das lehrte die Geschichte, tauchte in jeder Familie ein Tunichtgut oder Angeheirateter auf, der das allzu groß gewordene Vermögen wieder unters Volk brachte, indem er es für seine Laster oder eine Schnapsidee aus dem Fenster warf.

Seltsam war nur, dass in dieser Stadt die Reichen fast ebenso karg lebten wie die Armen. Sie kleideten sich grau und schwarz wie ihre Bediensteten und aßen Tag für Tag den gleichen Haferbrei, die gleichen Rüben und den gleichen brackigen Salm aus dem Rhein, und sie tranken das gleiche Wasser; sonntags gönnten sie sich ein Glas sauren, verdünnten Wein. Sie gingen dreimal täglich zum Gebet, erforschten rund um die Uhr ihr Gewissen und enthielten sich nach Kräften irdischer Lustbarkeit. Und sie unterwarfen sich harten Regeln, deren Einhaltung die Obrigkeit streng überwachte.

Die Frauen durften sich keine bunten Bänder ins Haar flechten, die Männer bei der Arbeit nicht singen. Die Kinder durften im Winter weder rodeln noch Schlittschuh laufen, die jungen Leute nur an wenigen Tagen im Jahr tanzen. Eheleute durften einander nicht zum Vergnügen beiwohnen, Ehebrecher wurden von Gesetzes wegen im Fluss ersäuft. Letzteres geschah in jüngster Zeit zwar nicht mehr, aber die jahrhundertealte Angst vor Strafe steckte den Bürgern noch immer in den Knochen, und deshalb auch die Furcht vor Sinneslust. Überhaupt war in jener Stadt das weite Feld der Liebe ein derartiges Minenfeld von Bangigkeit, Bigotterie und drakonischen Strafandrohungen, dass man sich wundern musste, wie die Leute sich eigentlich fortpflanzten.

Trotz oder gerade wegen dieser Sittenstrenge pflegten die Bewohner eine laute, angestrengte Fröhlichkeit, die ortsfremde Besucher zuweilen wunderlich fanden. Sie machten unlustige Scherze, wenn sie beim Bäcker Brot kauften, und sie lachten grundlos, wenn sie mit dem Nachbarn übers Wetter sprachen, und sie kicherten grimmig, wenn sie abends den Inhalt ihrer Kassen zählten. Vielleicht mussten diese tugendhaften Menschen nur deshalb so lustig sein, weil sie im Grunde keine Ahnung hatten, was es im Leben zu lachen gab.

So lebten sie wie vor hundert oder tausend Jahren, nichts schien sich jemals ändern zu wollen. Eine barocke Befestigungsmauer mit doppeltürmigen Stadttoren schützte die Stadt ringsum vor allem Fremden, aus welcher Himmelsrichtung es auch kommen mochte. Bei Sonnenuntergang wurden die Tore mit mächtigen Balken verriegelt. In der Nacht drehte ein Nachtwächter mit Laterne seine Runden und rief alle halbe Stunde die Zeit aus.

Und doch ahnten die Bürger, dass ihnen tiefgreifende Veränderungen bevorstanden und dass in ihrer Stadt schon bald kein Stein mehr auf dem anderen bleiben würde. Denn in England hatte vor nicht sehr langer Zeit George Stephenson die Eisenbahn erfunden, deren Schienen sich wie ein Spinnennetz über Europa ausbreiteten und via Straßburg an den Rhein gelangt waren. Die Eisenbahngesellschaft hatte italienische Wanderarbeiter beauftragt, eine Schneise in die Stadtmauer zu schlagen, und seither fuhr die Bahn fünfmal täglich mit viel Dampf, Rauch und Lärm ins Herz der alten Stadt ein. Über den Schienen wurde ein Eisenbahntor mit einem eisernen Fallgatter errichtet, das jeden Abend heruntergelassen und am Morgen wieder heraufgezogen wurde.

Nachts wurde es zwar immer noch still, die Stadttore wurden noch immer geschlossen und der Nachtwächter rief noch immer die Stunden aus. Aber ganz dunkel wurde es nicht mehr, in einigen Gassen brannten schon Gaslaternen. Und die Rufe des Nachtwächters verhallten nun unbeachtet, weil in den Bürgerstuben maschinell gefertigte Wanduhren hingen, deren Glockenspiel zuverlässig die Zeit schlug.

Dicht gedrängt standen die Schaulustigen auf dem Uferweg. Ihre Hosenbeine und Röcke flatterten von den Druckwellen der Böllerschüsse. Die Frauen hielten sich die Ohren zu, die Männer schauten in Feldherrenmanier flussaufwärts. Da und dort weinte ein Säugling. Von Norden her wehte ein eisiger Wind. Rauchschwaden waberten übers graue Wasser.

Die kleine Susanna Faesch aber weinte nicht. Sie rannte auch nicht aufgeregt umher wie die anderen Kinder, auch warf sie keine Kiesel ins Wasser wie ihre Brüder, bettelte nicht um Süßigkeiten und quengelte nicht wegen der Kälte, sondern stand still neben der Mutter und schaute zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch auf den Fluss. Der Blick ihrer Kinderaugen war klar wie der Himmel, ungetrübt von Erwartungen, Urteilen und Absichten.

Sie hatte keine Angst vor den Böllern. Sie wusste, dass aus diesen Stummelkanonen keine Kugeln herauskamen; dass sie nur Lärm machten. Im letzten Jahr war es der gleiche Lärm gewesen, im vorletzten auch. Es war alles genau gleich, zu Besorgnis bestand kein Anlass. Der graue Himmel über dem Rhein war der gleiche wie letztes Jahr. Die Schaulustigen am Ufer waren dieselben. Unten am Wasser war dasselbe Stück Kiesbank abgesperrt. Genau dort und nirgendwo anders würde der Wilde Mann an Land springen, und zwar um Punkt elf und zu keiner anderen Uhrzeit. Und Susannas Mutter, die ihre Tochter fest an der Hand hielt, war auch dieselbe. Alles würde genau gleich ablaufen wie jedes Mal. Überraschungen waren nicht vorgesehen, Unerwartetes war nicht erwünscht. Bald würde das Floß in Sicht kommen. Es war alles vorhersehbar. Eigentlich konnte man nach Hause gehen. Man hätte gar nicht herkommen müssen.

Über eines aber wunderte sich Susanna: dass die Erwachsenen, die dem unabänderlich spröden, jährlich wiederkehrenden Spektakel doch schon Dutzende Male beigewohnt hatten, diesem erneut mit freudiger Neugier entgegenfieberten. Wie die Kinder drängten sie nach vorn, wahrten mit Mühe ihre guten Manieren im Kampf um die besten Plätze und versperrten, einmal zuvorderst angekommen, den weniger Dreisten bedenkenlos die Sicht.

Nur ihre Mutter drängelte nicht. Als ginge die Aufregung sie nichts an, blieb sie irgendwo auf dem Uferweg stehen und schaute teilnahmslos beiseite. Susanna sah zu ihr auf und folgte ihrem Blick, aber dort, wo sie hinschaute, war nichts los. Da stand nur eine einsame Kutsche mit einem traurigen Pferd und weiter hinten eine kahle Ulme voller Krähen. Und noch weiter hinten eine windschiefe Fischerhütte. Wahrscheinlich guckte die Mutter gar nicht wirklich dorthin. Sie schaute nur in die Richtung, weil man ja irgendwo hinschauen musste, solange man die Augen offen hielt. Und die Augen hatte sie nur deshalb offen, weil sie sie ja schlecht zumachen konnte vor all den Leuten.

Einige Schaulustige hatten, um ja nichts zu verpassen, Operngläser mitgebracht, andere Schemel zum Draufsteigen oder kleine Hocker für die Gebrechlichen, und alle schauten erwartungsfroh auf den Fluss hinaus, als ob von dort die Wiederkunft Jesu oder mindestens der Auftritt eines geflügelten Pferdes zu erwarten wäre. Mit gestreckten Zeigefingern deuteten sie dahin und dorthin und prophezeiten einander in allen Einzelheiten, was als Nächstes geschehen werde.

Da verstand Susanna, was den Leuten solches Vergnügen bereitete. Es war einfach, dass sie Bescheid wussten. Mehr war da nicht. Es war nur, dass sie die Welt und ihre Zeit für einen Augenblick im Griff hatten. Mehr steckte nicht dahinter. Der Wilde Mann war eine Tradition, und Traditionen hatten ihren Daseinsgrund in sich selbst. Sie mussten immer exakt gleich ablaufen, weil jede Variation ihre Existenz infrage gestellt hätte.

Am Uferweg roch es nach feuchtem Kopfsteinpflaster und nach Fisch, Teer, Öl, Kohle und Pferdedung. Eine Wand aus schwarz gekleideten Menschenleibern versperrte Susanna die Sicht. Die Wand wurde immer dichter. Susanna wollte nach vorn laufen zu ihren Brüdern, unter dem Absperrseil durchschlüpfen auf die Kiesbank. Aber die Mutter würde nicht zulassen, dass sie sich allein dem eisigen Wasser näherte, letztes und vorletztes Jahr hatte sie Nein gesagt. Sachte zog Susanna ihre Hand aus der Hand der Mutter. Und diesmal sagte sie nicht Nein. Sie sagte auch nicht Ja, aber sie ließ die Hand der Tochter los und verschränkte die Arme, als würde sie sich selbst umarmen. Ihr Blick ging immer noch zu der Kutsche und dem traurigen Pferd hinüber.

Susanna lief zwischen den Leuten hindurch, die Böschung hinunter auf das Seil zu, das von einem Schutzmann bewacht wurde. Er schaute weg, als Susanna kam. Es war seit vielen Jahrhunderten Tradition, dass Kinder verbotenerweise unter dem Absperrseil durchschlüpften.

Dann tauchte das Floß auf.

Es war dasselbe Floß wie letztes Jahr; dasselbe Floß wie jedes Jahr. Ein Bretterboden über zwei Langbooten, im Heck zwei Steuermänner mit langen Rudern. Am Bug zwei Kanoniere mit zwei Kanonen, die sie abwechselnd abfeuerten, Backbord zwei Tamboure, die in der feuchten Januarkälte den immer gleichen, düster-monotonen Marsch trommelten, und neben ihnen zwei Fahnenträger. Auf einer Sitzbank im Heck vier schwarz gekleidete Männer mit steifen Hüten und steifen Rücken. Und in der Mitte des Bretterbodens der Wilde Mann, der seit Jahrhunderten die immer gleichen kraftvollen Tanzschritte vollführte. Drei ungestüme Schritte vorwärts, ein Ausfallschritt nach rechts mit tiefer, zweifacher Verbeugung. Drei Schritte rückwärts, Ausfallschritt und Verbeugung nach links. Und dann wieder drei Schritte vorwärts. Auf der rechten Schulter eine kleine Tanne samt Wurzelstock, die er am Vortag eigenhändig ausgegraben hatte.

Der Wilde Mann tanzte auf engstem Raum in der Mitte des Bretterbodens, als läge er in unsichtbaren Ketten; als führe er nicht zu einem Volksfest, sondern wäre zum Tod verurteilt und würde zum Schafott gebracht.

Und wie er so brav und zuverlässig seinen kleinen Tanz aufführte – da verstand Susanna, dass der Wilde Mann gar nicht wild war. Er war das Gegenteil von wild. Er war brav. Er tat auf dem Floß exakt das, was er zu tun hatte, und keinen Schritt mehr; keine einzige Bewegung aus eigenem Antrieb, schon gar keine wilde. Das Getrommel und das Geböller waren nur Klamauk. Draußen im Wald, wo der Wilde Mann zu Hause war, durfte er vielleicht wild sein – falls es diesen Wald überhaupt gab. Aber nicht hier in der Stadt. Hier musste er sich fügen wie alle anderen, sich den Regeln unterwerfen, den gottgewollten wie den menschengemachten. Zu diesem Zweck hatten die Zunftleute ihn hergeholt – um ihn gebändigt und gezähmt den Leuten vorzuführen. Denn wenn sich sogar der wildeste Wilde unters Joch der herrschenden Sittenstrenge beugte, war es den braven Bürgern wohl erst recht zuzumuten, die Fadheit ihrer freudlosen Existenz ein weiteres Jahr klaglos zu erdulden.

Das Floß trieb unter der Brücke hindurch und lag kurze Zeit im Dämmer. Als es ans Tageslicht zurückkehrte, hielten die Steuermänner mit kräftigen Ruderschlägen aufs Ufer zu. Susanna konnte den Wilden Mann nun deutlich sehen; sein Kostüm aus grünem Filz und die braune Lederfratze, die zottelige Perücke aus Hanf und die Krone aus Efeu und den Baum auf seiner Schulter. Er sah genau gleich aus wie letztes Jahr.

Die Tamboure hörten auf zu trommeln und steckten ihre Stöcke in die Gurten. Die Kanoniere legten die Ladestöcke nieder und verkorkten die Pulverhörner. Die Würdenträger erhoben sich und rückten ihre Zylinder zurecht. Der Wilde Mann trat an den Rand des Floßes, tunkte mit weit ausholender Gebärde die Tanne ins Wasser, wie er es seit tausend Jahren tat, und schwang sie sich triefend nass auf die Schulter. Dann ging er vier Schritte rückwärts, blieb breitbeinig stehen und schaute hinüber zur Kiesbank, wo ihn die üblichen Buben mit ihren üblichen Faxen erwarteten. Ungewöhnlich war nur, dass da diesmal auch ein Mädchen mit einer grünen Wollmütze stand. Sie machte keine Faxen. Sie stand nur da und schaute ihm übers Wasser entgegen.

16:12 25.07.2022

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